Sepsis-Resolution verabschiedet WHO macht Sepsis zum

Werbung
URL: http://www.uni-jena.de/Mitteilungen/PM170526_Sepsisresolution.pdf
Durchbruch: Sepsis-Resolution verabschiedet
WHO macht Sepsis zum Schwerpunktthema
Sepsis, eine der häufigsten, jedoch oft fehldiagnostizierten tödlichen Erkrankungen, wurde am 26.
Mai 2017 von der World Health Assemby (WHA), dem Entscheidungsorgan der
Weltgesundheitsorganisation (WHO), als vorrangig zu bekämpfendes Gesundheitsproblem
eingestuft. Mit der Resolution zur "Verbesserung der Prävention, Diagnose und Behandlung der
Sepsis" folgte die WHO/WHA einer langjährigen Forderung der "Global Sepsis Alliance" und der
"World Sepsis Tag Bewegung". Aufgrund eines Antrags von Bundesgesundheitsminister Hermann
Gröhe, der von zahlreichen Ländern und dem WHO Executive Board unterstützt wurde,
verabschiedete die WHA auf ihrem 70. Treffen, in Genf diese Resolution.
Sepsis, oft als "Blutvergiftung" bezeichnet, ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der entsteht, wenn
die körpereigene Abwehrreaktion gegen eine Infektion das eigene Gewebe und die eigenen
Organe schädigt.
Sepsis ist eine globale Belastung
Mit der Resolution fordert die WHA die 194 UN-Mitgliedsstaaten auf, angemessene Maßnahmen
einzuleiten, damit weniger Menschen an Sepsis erkranken, erkrankte Patienten schneller und
besser behandelt werden und die Kosten für die Gesundheitssysteme sinken. Mit über 24
Milliarden US-Dollar pro Jahr ist Sepsis in den USA Sepsis zum größten Kostenfaktor bei den
Krankenhauskosten geworden. Mit 7,8 Milliarden sind die Behandlungskosten in Deutschland
vergleichbar hoch. "Sepsis - egal ob außerhalb und innerhalb des Krankenhauses erworben - stellt
eine enorme globale Belastung dar. Schätzungsweise 31 Millionen Menschen erkranken jedes
Jahr an Sepsis; bei sechs Millionen dieser Patienten führt die Sepsis zum Tod. Daher möchte ich
den Mitgliedstaaten diese Resolution und die darin aufgeführten notwendigen Maßnahmen zur
Bekämpfung dieser schockierenden Zahlen nachdrücklich empfehlen", sagt die Generaldirektorin
der WHO Dr. Chan.
Dennoch ist das Krankheitsbild kaum bekannt. Prof. Dr. Konrad Reinhart, Vorsitzender der "Global
Sepsis Alliance" und Seniorprofessor am Universitätsklinikum Jena erklärt. "In Deutschland ist die
Sterblichkeit im Vergleich zu einigen anderen Industrieändern überdurchschnittlich hoch. Sepsis
fordert inzwischen mehr Todesopfer pro Jahr als Darm- und Brustkrebs und AIDS zusammen und
ist die Nummer eins bei den vermeidbaren Todesfällen. Diese Resolution ist deshalb ein
Meilenstein zur Erhöhung der Patientensicherheit auf der ganzen Welt."
Die Sepsis-Resolution enthält u. a. folgende Forderungen und Fakten:
1. Die Information, dass jedes Jahr weltweit sechs Millionen Menschen an Sepsis sterben,
und die Mehrzahl dieser Todesfälle vermeidbar ist;
Durchbruch: Sepsis-Resolution verabschiedet
1
2. Den Hinweis, dass Sepsis als systemische Entzündungsreaktion auf eine Infektion weltweit
die häufigste Todesursache bei Infektionskrankheiten darstellt;
3. Die Feststellung, dass Sepsis die lebenswichtigste Indikation für den verantwortungsvollen
Einsatz effektiver Antibiotika darstellt, und dass das Versäumen einer angemessenen und
rechtzeitigen klinischen Behandlung der Sepsis - einschließlich wirksamer Antibiotika -fast
immer tödlich ist;
4. Den dringenden Appell an alle UN-Mitgliedstaaten, Maßnahmen zur Sepsisprävention zu
fördern, z. B. hygienischere Geburtsbedingungen, Maßnahmen zur Infektionsprävention bei
chirurgischen Eingriffen, verbesserte Sanitärbedingungen und sauberes Wasser;
5. Den Hinweis, dass viele Krankheiten, die durch eine Impfung verhindert werden könnten,
maßgeblich zu steigenden Sepsiszahlen beitragen, und dass die Mitgliedstaaten effektive
und kostengünstige neue Impfstoffe in ihre nationalen Impfprogramme integrieren sollten;
6. Den eindringlichen Hinweis, dass Sepsis ein medizinischer Notfall ist, der unverzügliches
Handeln erfordert, und dass sowohl medizinische Laien als auch Fachpersonal besser auf
diesem Gebiet informiert bzw. ausgebildet sein sollten;
7. Die Forderung an die UN-Mitgliedstaaten, Forschungsprojekte zu fördern, die auf die
Entwicklung innovativer Methoden für die Vorbeugung, Diagnose und Behandlung der
Sepsis abzielen;
8. Die Betonung der Notwendigkeit, in der Kommunikation mit Patienten, Angehörigen und
anderen Gesprächspartnern konsequent der Begriff "Sepsis" zu verwenden, um den
Bekanntheitsgrad der Erkrankung weiter zu steigern und dass der Welt-Sepsis-Tag, der
jedes Jahr am 13. September stattfindet, hierzu gut geeignet ist;
9. Den Bedarf an integrierten, ganzheitlichen Ansätzen zur Prävention und klinischen
Behandlung der Sepsis einschließlich des Zugangs zu angemessener
Gesundheitsversorgung für Überlebende, die oft an schwerwiegenden Folgen leiden;
10. Die Forderung, die "International Classification of Diseases" der WHO so zu optimieren,
dass damit die Häufigkeit und Art, der die Sepsis auslösenden Infektionen von Sepsis
besser dokumentiert werden kann, da diese für die Entwicklung faktenbasierter Strategien
durch die politischen Entscheidungsträger von Wichtigkeit ist.
Vertreter der WHO werden gemeinsam mit der GSA eine Task Force bilden, um die Umsetzung
der Forderungen dieser Resolution, die für alle 194 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen
verbindlich sind, zu unterstützen. Die Resolution fordert den Generaldirektor auf, 2018 und 2020
dem Executive Board der WHO über den Umsetzungsgrat der Resolution in den einzelnen
Mitgliedsstaaten zu berichten.
Kontakt:
Prof. Dr. Konrad Reinhart ML
Seniorprofessor Universitätsklinikum Jena und Chair "Global Sepsis Alliance"
E-Mail: [email protected]
Meldung vom: 29.05.2017 08:02 Uhr
WHO macht Sepsis zum Schwerpunktthema
2
Herunterladen