Planung nach Maß für energieeffiziente und behagliche

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bauklimatik
Bild: HARO/ Hamberger Industriewerke VertriebsgmbH
Bild 1:
Trotz aller
Subjektivität
und Individualität müssen
für die Planung
Anforderungen
definiert
werden, die
Behaglichkeit
fassen lassen.
Teil 1: Gegenstand und die Ziele der bauklimatischen Planung
Planung nach Maß
für energieeffiziente und
behagliche Gebäude
Gebäude bilden einen Großteil des Lebensumfeldes des
Menschen. Einerseits wird rund 40% des Endenergieeinsatzes
in Europa für das Heizen und Kühlen sowie für die Errichtung
von Gebäuden und die Warmwasseraufbereitung aufgewendet. Andererseits bestimmt das Innenraumklima wesentlich
unsere Lebensqualität und Leistungsfähigkeit, da wir einen
Großteil unseres Lebens innerhalb von Gebäuden verbringen.
D
er Gebäudebereich gehört damit
zu den ressourcenintensivsten
Bereichen und trägt auch erheblich zu den umwelt- und klimaschädlichen Schadstoffemissionen bei. Jedes
energetisch nicht optimierte Gebäude
stellt auf Jahrzehnte eine Belastung für
Betreiber, Nutzer und Umwelt dar, die
– wenn überhaupt – nur unter hohen
finanziellen Aufwendungen korrigierbar
ist. Neben der Forderung nach geringem
Ressourcenverbrauch, niedrigen Emissionen und niedrigen Betriebskosten
werden an die Gebäude in verstärktem
Masse Anforderungen wie Behaglichkeit
und Nutzerfreundlichkeit gestellt. Mit
ihrem gesamtheitlichen Ansatz setzt
hier die Bauklimatik an.
In dieser HLK-Ausgabe soll der Gegenstand und die Ziele der bauklimatischen
Planung beschrieben werden. Im zweiten Teil (HLK-Ausgabe 10/08) werden
Praxisbeispiele und Simulationstools
der Bauklimatik vorgestellt.
10
Ganzheitliche Behaglichkeit
Die Normen haben die Behaglichkeit in
Gebäuden auf wenige Größen reduziert,
die alle mit der thermischen Behaglichkeit zusammenhängen: Die Raum- und
Oberflächentemperatur, die Luftfeuchtigkeit und Luftgeschwindigkeit sowie
Bekleidungs- und Aktivitätsgrad. Mittels Formeln werden Größen berechnet
und daraus Behaglichkeit abgeleitet.
Trotzdem fühlen sich viele Menschen
in vollklimatisierten Büros mit normiertem Klima nicht wohl. Um ganzheitlich
von Behaglichkeit zu sprechen müssen
auch andere, nicht normierbare Anforderungen des Wohlbefindens in die
Überlegungen und Planungen mit einbezogen werden [1]. Hier zwei Beispiele:
Heizung: Viele Menschen fühlen sich in
der Umgebung eines Kachelofens sehr
wohl, obwohl die objektiv als behaglich definierte Temperatur deutlich zu
hoch ist. Sicher spielt etwas Nostalgie
eine Rolle, entscheidend ist aber, dass
man die Möglichkeit hat, sich je nach
Stimmung und Verfassung der Wärme
auszusetzen oder zu entziehen.
Kaltluft: Die meisten Menschen haben
das tiefe Bedürfnis, selbst das Fenster
auf und zu machen zu können, anstatt
permanent einer zentral gesteuerten
Klimaanlage ausgesetzt zu sein. Öffnet
man im Winter ein Fenster, fällt kalte
Luft herein, was objektiv unbehaglich
ist. Subjektiv kann es jedoch sehr angenehm sein, die kalte, frische Luft zu
spüren und zu riechen. Und man kann
das Fenster wieder zu machen, wenn es
zu kalt wird.
Sonnenschutz: In Bürogebäuden werden Sonnenblenden oft über eine
zentrale Steuerung je nach Himmelsrichtung und Strahlungseinfall geregelt. Objektiv ist das richtig, damit die
Raumtemperatur nicht zu hoch wird.
Subjektiv kann das automatisch heruntergefahrene Rollo jedoch als sehr störend empfunden werden, weil sich der
Einzelne zwischendurch gern von der
Sonne anstrahlen lassen möchte.
Tageslicht: Natürliches Licht lässt sich
nur in wenigen physikalischen Werten
durch Kunstlicht ersetzen. Tageslicht ist
für die meisten Menschen, die sich fast
ausschließlich in Gebäuden aufhalten,
die Verbindung zur Natur. Über Veränderungen von Lichtqualität, Farbe und
Einfall wird einerseits der direkte Außenbezug hergestellt, andererseits bedeutet Kunstlicht erhöhte innere Lasten
und zusätzlichen Energieverbrauch.
Trotz aller Subjektivität und Individualität müssen für die Planung Anforderungen definiert werden, die Behaglichkeit fassen lassen. Einige dieser
lassen sich Hand in Hand erfüllen:
Die Bereitstellung eines angenehmen
Raumklimas durch natürliche Lüftung
und Verwendung schadstoffarmer, erneuerbarer Materialien lässt den Komfort steigen, gleichzeitig sinkt der Energieverbrauch und die Umweltbelastung
wird verringert. Andere Kriterien führen
zu Zielkonflikten: Die Wünsche nach
hellen Räumen, angenehmen raumklimatischen Bedingungen, Energieeinsparung und niedrigen Kosten stehen bis zu
einem gewissen Grad im Widerspruch.
Große südseitig gelegene Glasflächen
bedeuten hohe Solargewinne, die aber
leicht zur Überhitzung führen können, wenn nicht ausreichend Speichermassen und Abschattungen vorgesehen
sind. Im Winter verliert der Raum durch
Glasflächen viel Energie.
Konventionelle Planung
Ein gewerkeorientierter Prozess
Bedingt durch den historisch gewachsenen gewerkeorientierten Ansatz wird
in der Planung häufig so vorgegangen,
dass der durch die Architektur gegebene
Baukörper mit den ihm eigenen bauphysikalischen Randbedingungen losgelöst von der Technik betrachtet wird. Die
Architektur dominiert dabei während
Österreichs einzige spezialisierte Fachzeitschrift für
die Bereiche Heizung, Lüftung, Klima- und Kältetechnik
Heizung Lüftung Klimatechnik – 8-9/2008
Heizung
Lüftung
Klimatechnik
bauklimatik
des gesamten Planungsprozesses horizontal, die Fachplanung erfolgt vertikal
(Bild 2).
Die vielfältiger und komplexer werdenden Anforderungen an Form und
Funktion eines Gebäudes können im
Rahmen einer derart voneinander unabhängigen Fachplanung der Gewerke oft nur unzureichend berücksichtigt
werden. Obwohl die einzelnen Gewerke
in sich optimiert werden entstehen vielfach Gebäude mit einem hohen Technikanteil, die gekennzeichnet sind durch:
– Geringe individuelle Einflussmöglichkeit des Nutzers.
– Wenig Behaglichkeit und hohe Kosten.
– Hohen Energieverbrauch und hohe
Emissionen.
Eine standardisierte Lösung für diese
Probleme zu finden fällt einerseits auf
Grund der Nutzungs- und Formenvielfalt schwer und ist andererseits vielfach
nicht sinnvoll. Zur qualitativen und
quantitativen Entwicklung von maßgeschneiderten, miteinander harmonierenden Lösungen aus Architektur,
Bauphysik, Gebäudetechnik, Tageslicht,
Akustik und Brandschutz bietet sich ein
ganzheitlicher Optimierungsansatz: Die
Bauklimatik.
Bauklimatische Planung
Ein ganzheitlicher Prozess
Bauklimatik ist interdisziplinäre Energie-, Behaglichkeits- und Sicherheitsplanung. Sie betrachtet das Gebäude als
Gesamtsystem, berücksichtigt die komplexen Wechselwirkungen zwischen Fassade, Gebäudestruktur und technischer
Gebäudeausrüstung und verfolgt damit
einen ganzheitlichen Planungsansatz:
Es geht um maximales Ausschöpfen
der natürlichen Ressourcen, um maximalen Außenbezug des Nutzers durch
weitgehend natürliche Klimatisierung,
Belüftung und Beleuchtung. Die Behaglichkeit – definiert als umfassendes
Wohlbefinden des Menschen im Gebäude – rückt mit Bauklimatik in den Mittelpunkt des Planungsinteresses. Das Ziel
der Bauklimatik sind energieeffiziente
Gebäude mit einer an die jeweilige Nutzung angepassten hohen Behaglichkeit.
Das Gebäude wird als Ganzes betrachtet
– ein komplexes Gesamtsystem, dass es
zu optimieren gilt.
Bauklimatik ist damit kein neues Fachgebiet, Bauklimatik führt im Rahmen
des Planungsprozesses die gewerkespezifisch erarbeiteten Einzellösungen
zu einem gewerkeübergreifenden Gesamtoptimum. Als systemischer Ansatz
bedient sich die Bauklimatik in starkem
Maße dynamischer Simulationen wie
Gebäude- und Anlagensimulationen,
CFD-Simulationen (Strömung, Entrauchung) und Tageslichtsimulationen. Das
Werkzeug Simulation erlaubt es, virtuell
am Computer zu „experimentieren“ und
nicht erst am Gebäude und den Anlagen
[2]. Vielfältige Varianten werden zunächst intensiv getestet. Deren Auswirkungen – ob sofort oder über mehrere
Jahre – werden für jede Stunde des Jahres berechnet, bewertet und optimiert.
Bauklimatisch Planen heißt aber auch
zu berücksichtigen, dass jedes (größere)
Gebäude ein Unikat ist. Anders als im
Automobilbau können Gebäude nicht
umfangreichen Testreihen unterzogen
werden und die optimierten Prototypen
dann vervielfältigt werden. An Gebäude
wird der hohe Anspruch gestellt, sofort
nach Fertigstellung funktionieren zu
müssen. Dies erfordert eine gewisse
Einfachheit und Robustheit. Nur durch
Einfachheit und Robustheit ist es aber
auch im späteren Betrieb beherrschbar.
Und dies bei vertretbaren Unterhaltskosten, also Energie-, Wartungs-, Reini-
Tabelle 1: Arbeitsbereiche, Leistungen und Zielgruppen der Bauklimatik.
Dienstleistung
Klimakonzepte
Energiekonzepte
Brandrauch
Strömung
Tageslicht
Gebäudebetrieb
Werkzeuge
Gebäudesimulation
– Thermische Behaglichkeit
– Wärme- und Feuchteschutz
Anlagensimulation
– Energieverbrauch
– Energieverteilung
– Energieversorgung
CFD-Simulationen
– Entrauchung
– Brandschutzkonzepte
CFD-Simulationen
– Raumluftströmung
– Fassadendesign (Doppelfassaden)
– Windkomfort (außen)
– Windlast (außen)
Tageslichtsimulationen
– passive Tageslichtnutzung (Raum)
– aktive Solarnutzung (Gebäude)
Besonnungs- und Verschattungsanalysen
(Städtebau)
Energie-Audits
– Lastganganalysen
– Betriebsführungskonzepte
Sicherheitskonzepte
Österreichs einzige spezialisierte Fachzeitschrift für
die Bereiche Heizung, Lüftung, Klima- und Kältetechnik
Heizung
Lüftung
Klimatechnik
8-9/2008 – Heizung Lüftung Klimatechnik
Hauptzielgruppen
Architekten
Planer
Behörden
Architekten
Planer
Architekten
Projektentwickler
Facility Manager
Bild 2:
Konventionelle
Planung – ein
gewerkeorientierter Ansatz.
Bild 3:
Bauklimatik
– ein gesamtheitlicher
Ansatz.
gungs- und Instandhaltungskosten. Einfachheit ermöglicht schlussendlich auch
viel eher den Umbau, die Umnutzung
und das Recycling eines Gebäudes.
Ein strukturiertes Vorgehen
Die Fragen, die im Rahmen der bauklimatischen Planung auftreten, sind
vielfältig. Einige typische, immer wiederkehrende Fragen sind:
– Wie muss die Fassade gestaltet werden, um die solare Einstrahlung
optimal zu nutzen (solare Gewinne
im Winter vs. Überhitzungen im
Sommer, Tageslichtnutzung)?
– Wie kann man die natürliche Lüftung
optimal einsetzen?
– Wie kann man die Speichermassen
optimal nutzen?
– Welche Maßnahmen führen zu
welchem Raumklima?
– Was sind die klimasensiblen Elemente
der Planung?
– Welcher Technikeinsatz ist
erforderlich?
– Welche Versorgungsmöglichkeiten
sind möglich?
Für strukturierte Antworten auf diese
Fragen ist ein strukturiertes Vorgehen
notwendig. Dies bedeutet, dass nach
einer genauen Definition der Anforderungen und Randbedingungen zuerst
das Gebäude an sich so optimiert wird,
dass es möglichst geringe Investitionsund Betriebskosten aufweist (Energie,
Reinigung, Wartung). Dies wird z. B.
durch eine günstige Kubatur, eine Wärmedämmung, die neben winterlichem
Wärmeschutz auch die sommerlichen
Überhitzungen berücksichtigt, angemessene Fensterflächen sowie ausreichende
Speichermassen erreicht. Als nächster
Schritt wird die Gebäudetechnik zur
Abdeckung der verbleibenden Heizund Kühllasten möglichst einfach und
kostengünstig hinsichtlich Investition
11
bauklimatik
Bild 4: Vorgehen der Bauklimatik in den Phasen nach SIA.
und Wartungsaufwand geplant. Zuletzt
wird die Frage der Energieversorgung
entschieden. Je früher die Bauklimatik
einbezogen wird desto höher ist das Potenzial (Einsparungen, Verbesserungen
in der Behaglichkeit etc.) und desto geringer ist der Aufwand (Bild 4).
Schritt 1:
Ziele und Prioritäten klären
Am Anfang jedes Projektes stehen eine
Vielzahl von Wünschen des Kunden,
Architekten und Planers: Behaglichkeit,
Betriebskosten, Investitionskosten, Ästhetik, Tageslichtnutzung, Versorgungssicherheit, Feuchteschutz, Zugfreiheit,
CO2-Reduktion, Umweltverträglichkeit,
Haltbarkeit, technische Sicherheit. Nicht
alle sind zielführend und gleich wichtig.
Daher ist es im ersten Schritt überaus
wichtig, gemeinsam mit allen Beteiligten
Ziele und Prioritäten festzulegen (Bild
5). In der Schweiz ist dieses Vorgehen
mit der Empfehlung 112/1 des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) als Zielvereinbarungsmodell bereits normiert [3]. Aus dieser Festlegung heraus – die ein gemeinsames
und verbindliches Commitment sein
sollte – folgen alle weiteren Schritte.
Gruner Basel
Die Gruner-Gruppe (www.gruner.ch) beschäftigt rund
550 Mitarbeitende aus über 30 Berufen und positioniert sich
als führender Anbieter von Ingenieur- und Planerleistungen
an über 20 Standorten in der Schweiz, in Österreich und in
Deutschland. Im Geschäftsbereich Umwelt, Sicherheit sind
derzeit mehr als 40 erfahrene Mitarbeitende in den Abteilungen Akustik und Erschütterung, Brandschutz und Entrauchung, Tunnelsicherheit und Tunnellüftung, Umweltplanung
sowie Bauklimatik tätig.
Mit der Dienstleistung Bauklimatik ist die Gruner AG ist
das führende Ingenieurbüro in der Schweiz. Sie wird von
den Kunden als innovativ, zuverlässig und stabil beurteilt.
Die Referenzen empfehlen die Gruner AG zur Ausführung
auch anspruchsvollster Aufgaben. Mit Rechenclustern von
über 100 Prozessoren ist die Gruner AG einer der führenden
Anbieter von Simulationslösungen in den Bereichen CFD
(Brandrauch, Strömung) und dynamischer Gebäude- und
Anlagensimulation.
12
Bild 5: Ziele und Prioritäten festlegen.
Schritt 2:
Randbedingungen definieren
Vor der eigentlichen Phase der Konzeptentwicklung und Optimierung steht
bei einer bauklimatischen Planung die
Klärung der Annahmen und der im Projekt noch möglichen Optionen. Gerade
hier herrscht große Unsicherheit, da
einerseits Randbedingungen nicht oder
nicht genau definiert werden. Andererseits wird vielfach nicht diskutiert, welche Konsequenzen gewisse Annahmen
nach sich ziehen können. Erwartungshaltungen werden häufig enttäuscht, da
Optionen nicht oder nur eingeschränkt
vorhanden oder gewollt sind.
Schritt 2.1:
Randbedingungen diskutieren
– Nutzungstyp (Büro, Besprechung,
Aufenthalt etc.)
– innere Lasten (Personen, Geräte,
Beleuchtung)
– Raumklima (ideal, noch zulässig,
stundenweise tolerierbar)
– energetische Anforderungen und
Konsequenzen
Schritt 2.2:
Mögliche Optionen diskutieren
– Gebäudestruktur (Form, Orientierung)
– Gebäudehülle (Verglasung, Verschattung)
– bauliche Maßnahmen (aktivierbare
Speichermassen)
– Gebäudetechnik (Heizung, Kühlung,
Lüftung, Beleuchtung)
– Versorgung (Gas, Öl, Fernwärme,
Strom, Erneuerbare Energie)
Schritt 3: Konzepte erarbeiten
In der konzeptionellen Phase geht es
um die nachhaltige, energie- und kosteneffiziente Umsetzung der definierten
Ziele und Prioritäten. Es werden die
Planungswerkzeuge festgelegt (rechnerische oder messtechnische Verfahren,
statische oder dynamische Berechnungen, ein- oder mehrdimensionale
Simulationen). In frühen konzeptionellen Phasen (Vorprojekt) sollte das
Planen noch in Varianten erfolgen: Intuition, Erfahrung, Parameterstudien. Hier
entstehen die Grobkonzepte, aus denen
die Vorgaben für Bau, Technik und Betrieb abgeleitet werden. Die Ergebnisse
sollten frühzeitig mit dem Bauherren
und dem Architekten diskutiert und im
Verlaufe des Projektfortschrittes kontinuierlich eingeengt werden. In späteren
Phasen (Bauprojekt) erfolgt die Verfeinerung und Optimierung der Grobkonzepte und die Erstellung von Feinkonzepten. Hier ist eine vertiefte Diskussion
und eine iterative Optimierung mit den
Fachplanern notwendig. Am Schluss der
Bauprojektphase ist „Weniger Mehr“:
Intelligente Gebäude statt intelligenter
Technik.
Schritt 3.1: Bauliche Maßnahmen
Ziel: Minimierung des Energiebedarfs
an sich
– Gebäudestruktur (Form, Orientierung)
– Gebäudehülle (Verglasung, Verschattung)
– bauliche Maßnahmen (aktivierbare
Speichermassen)
Schritt 3.2: Technische Maßnahmen
Ziel: Optimale Deckung des Restenergiebedarfs
– Gebäudetechnik (Heizung, Kühlung,
Lüftung, Beleuchtung)
– Versorgung (Gas, Öl, Fernwärme,
Strom, Erneuerbare Energie)
Schritt 3.3:
Organisatorische Maßnahmen
Ziel: Energie- und kostenminimaler
Betrieb
– Betriebsführung
– Betriebscontrolling
– Energiebeschaffung
Weitere Schritte: Qualitätssicherung in
der Ausschreibung, Justierung der Konzepte in der Phase der Realisierung und
Überwachung der richtigen Ausführung
und schlussendlich ein aktives Betriebscontrolling sind zentrale Faktoren, dass
die bauklimatischen Konzepte nicht nur
Theorie bleiben.
Ein wesentlicher Punkt der Qualitätssicherung stellt dabei eine klare Definition
der Prüfungen dar, die vor der Inbetriebnahme des Gebäudes durchgeführt werÖsterreichs einzige spezialisierte Fachzeitschrift für
die Bereiche Heizung, Lüftung, Klima- und Kältetechnik
Heizung Lüftung Klimatechnik – 8-9/2008
Heizung
Lüftung
Klimatechnik
bauklimatik
Zu den Autoren
DI Dr. Axel Seerig:
Jahrgang 1962;1983 Studium Verfahrenstechnik und
1992 Promotion Thermodynamik an der TU Berlin;
1994 Einstieg bei der Deutschen Babcock-Borsig AG;
1996–2003 Entwickler und Energy Consultant für u. a.
Deutsche Bank, RWE, HEW und BEWAG; 2004–2005 Studiengangsleitung Gebäudetechnik, FH Burgenland; 2007–2008
arsenal research, Wien; Portfoliomanager Gebäude/Nachhaltige Energiesysteme; seit Juli 2008 Abteilungsleiter
Bauklimatik, Gruner AG, Basel/Schweiz.
den (z. B. Blower-Door, Thermografie,
Funktionsprüfungen von Sicherheitskonzepten, integrale Abnahmen etc.).
Konsequente Bauklimatik bedeutet: Dabei bleiben.
Arbeitsbereiche, Leistungen und
Zielgruppen der Bauklimatik
In Tabelle 1 sind als Übersicht Arbeitsbereiche, Leistungen und Zielgruppen
der Bauklimatik dargestellt. Eine Beschreibung von Praxisbeispielen und
Simulationstools der Bauklimatik erfolgt
im zweiten Teil der nächsten HLK-Ausgabe 10/08.
Zusammenfassung
Wie in vielen Berufszweigen führt die
Technisierung auch heim Bauen zu immer größerer Spezialisierung. Ein Archi-
DI Jon Mengiardi:
Jahrgang 1963; 1987 Diplom Bauingenieurwesen an der ETH Zürich;
1999 Master of Science als Umweltingenieur an der TU Kopenhagen;
1988–1997 Bauingenieur bei der Firma
Rapp AG in Basel; 2000 Einstieg bei der
Gruner AG in Basel, seit 2002 Leiter des
Geschäftsbereichs Umwelt, Sicherheit und
Mitglied der Geschäftsleitung.
tekt kann heute nicht mehr – wie früher
der Baumeister – alle Zusammenhänge
des Bauens alleine erfassen. Vielmehr
ist es seine Aufgabe, Spezialisten im
Planungsprozess zu koordinieren. Dabei
kommt der Bauklimatik eine zentrale
Rolle zu. Sie betrachtet Zusammenhänge von Entwurf, Konstruktion, Raumklima, Energieversorgung und Technik
von Planungsbeginn an ganzheitlich
und schafft ein gewerkeübergreifendes
Optimum.
Das Ziel der Bauklimatik sind energieeffiziente Gebäude mit einer an die
jeweilige Nutzung angepassten hohen
Behaglichkeit. Der Einsatz von technischen Systemen ist hierfür lediglich
Mittel zum Zweck, das Wohlbefinden
des Menschen sicherzustellen oder zu
steigern. Sie ist das Hilfsmittel, die Un-
Manche halten es für Magie.
Für uns ist es einfach Know-how:
Dynamic Watermanagement
zulänglichkeiten auszugleichen, die mit
baulichen Maßnahmen nicht zu leisten
sind. Wenn es schlussendlich gelingt,
dies mit geringem Energieaufwand und
bei geringer Umweltbelastung zu tun,
dann hat die Bauklimatik ihre Aufgabe
erfüllt.
DI Dr. Axel Seerig, Abteilungsleiter
Bauklimatik, Gruner AG, Basel/CH
und
DI Jon Mengiardi, Leiter des
Geschäftsbereichs Umwelt, Sicherheit und
Mitglied der Geschäftsleitung
Quellenangabe
[1] Hausladen, Gerhard: ClimaDesign;
Callwey, 2005
[2] Seerig, Axel: Doppelter Wohlstand, halbierter
Energieverbrauch. Facility Management, 4/1A, 2004
[3] SIA-Empfehlung 112/1: Nachhaltiges Bauen im
Hochbau. 2004
0NEUMATEXHATRAFüNIERTEUNDEINFACHE
'ER»TEENTWICKELTDIE(EIZUND+ÓHL
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