Zuerst der Dialog, dann der Paukenschlag

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Datum: 17.08.2015
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GSTAAD MENUHIN FESTIVAL ERSTES ZELTKONZERT MIT EINER URAUFFÜHRUNG
Zuerst der Dialog, dann der Paukenschlag
Dieses Publikum «frass» im ersten
(und sogleich voll besetzten) Zeltkonzert dankbar aus der Hand: Es zeigte
sich sensibilisiert, einer Uraufführung mit Patricia Kopatchinskaja und
Sol Gabetta zuzuhören. Und es reagierte auf den pompösen «Schwanensee», den Kristjan Järvi showmässig aufpeppte, euphorisch.
Wenn die überaus beliebte Cellistin Sol
Gabetta und die nicht minder zugkräftige Violonistin Patricia Kopatchinskaja
zum Konzert rufen, gibt es im Saanenland in der Regel kein Halten mehr. Das
hat sich am Samstagabend einmal mehr
bestätigt. Der Saal füllte sich beim ersten
Zeltkonzert des Gstaad Menuhin Festival fast restlos bis auf den letzten Platz.
Dass hierbei auch das Gstaad Festival
Orchestra mit seinen höchst beschlage-
nen Musikerinnen und Musikern aus
Basel und verschiedenen europäischen
Orchestern und seinem charismatischen
Dirigenten Kristjan Järvi mittat, wirkte
nochmals beflügelnd - und eben ver-
risch-augenzwinkernd mit «einpackte». siegen instrumental begegneten, war
Man muss es ihm lassen: Letztlich sass klasse. Ebenso überzeugte, wie sie sich
er, dieser wuchtige musikalische Pran- anschliessend in Camille Saint -Satins
kenhieb, den das Gstaad Festival Or- «La Muse et le Poete» mit heller Leichchestra in entfesselter Spielmanier zele- tigkeit (Kopatchinskaja) und dunkel
brierte. Järvis «Schwanensee» hatte bei strömender Erdung (Gabetta) musikalialler orgiastischer Klangopulenz mit den sche Bälle zuspielten. Järvi wippte
wuchtigen Blechbläsern und den mit ek- rhythmusstark fast in sie hinein. Und
statisch-visionärer Klangqualität auf- zeigte schon zum Auftakt des Abends bei
trumpfenden Streichern auch den Sinn Rimski-Korsakows «Capriccio espagfür finessenreiche Kontraste. Diese ma- nol», welches Temperament ihm eigen
nifestierten sich in pausenlosen Über- ist und welche Klangwogen er liebt. Etwa
gängen und Gegenbewegungen, in denen die befeuernden der Kastagnetten. Und
helle Instrumentalfarben (wie Klarinet- andere mehr.
Svend Peternell
te und Harfe) die Zerbrechlichkeit und
das Filigrane des romantisch-tragischen Das Konzert wurde von Schweizer Radio
«Schwanensee»-Märchens und -Motivs SRF 2 Kulturaufgezeichnet und wird am
immer wieder ins Bewusstsein rückten. Donnerstag, zo.August, um zo Uhr ausge-
Mit einem vorschnellen Urteil, Järvi strahlt.
Nächste Auftritte des Gstaad Festi-
wolle mit dieser (gerafften und durchaus va Orchestra am Mittwoch, 19. August, in
popularisierten) Fassung ein reines der Musik- und Kongresshalle Lübeck und
Wunschkonzert mit der Aneinanderrei- am Donnerstag, zo. August, in der Laeiszhung von lauter Höhepunkten vom Sta- halle in Hamburg.
pel reissen, muss man daher vorsichtig
sein. Järvi - und mit ihm das Orchester -
kaufsfördernd.
Dirigent als zappelnder Schwan
gab alles. Er dürfte am Ende des Konzerts keinen einzigen trockenen StoffDer Erfolg war am Ende phänomenal. fetzen mehr am Leib getragen haben.
Das Publikum stand längstens und jubel- Dialog zwischen Gongschlägen
te Järvi und dem magistral aufspielenVor diesem Paukenschlag war aber noch
den Klangkörper zu. Dieser hatte mit
ganz anderes: der intime DialogJärvis Bearbeitung der Ballettmusik etwas
versuch nämlich zweier grosser Musike«Schwanensee» von Tschaikowsky aufrinnen unserer Zeit, die wie gesagt zu
getrumpft und tatsächlich zu Recht von
Publikumsmagneten des Festivals geden Sitzen gerissen. Selbst wenn die
worden sind. Wie sich Patricia Kopa-
komprimierte Fassung am Ende statt der
tchinskaja und Sol Gabetta in der Uraufangekündigten 40 Minuten gleich deren
führung von «Dialogue» des Engländers
65 dauerte. Und selbst wenn es Järvi mit
Mark-Anthony Turnage in einem Klangseinen Showeinlagen bisweilen weit
strom des Entstehens (der an Edward Eltrieb - bald als Schwan zappelte und sich
gar erinnerte) und Wiederverebbens, in
dann als Bewegungskünstler der tänzeeinem durch Gongschläge getakteten
risch-ausgelassenen Art in Szene setzte,
Setting zwischen Aufbegehren und Ver- Dirigent Kristjan Järvi: Er riskierte am
dabei auch das Publikum verschwöreZeltkonzert Kopf und Kragen.
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Dialog untereinander und Dialog mit dem Orchester: Die Uraufführung von «Dialogue» des Engländers Mark-Anthony Turnage war bei den beiden Solistinnen Patricia Kopatchinskaja
(Violine) und Sol Gabetta (Cello) bestens aufgehoben. Dazu legten sich Dirigent Kristjan Järvi und das Gstaad Festival Orchestra mächtig ins Zeug.
Markus
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