C-reaktives Protein CRP beim Hund - ein unterschätzter

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C-reaktives Protein CRP beim Hund ein unterschätzter Parameter
Das C-reaktive Protein ist ein Glykoprotein und
gehört zu einer Gruppe von Plasmaproteinen
(akute Phase Proteine), die nach Gewebeschädigungen innerhalb von 7 Tagen einen Konzentrationsanstieg um mindestens 25% aufweisen. Es sind mehr als 30 akute Phase Proteine
(APP) bekannt. Speziesübergreifend erfolgt die
qualitative und quantitative Synthese der akuten
Phase Proteine hauptsächlich in den Hepatozyten, in geringerem Umfang wird C-reaktives
Protein auch in den Lymphozyten, Monozyten
und Alveolarmakrophagen synthetisiert. Beim
Hund sind - anders als beim Menschen- im
Verlauf einer akute Phase-Reaktion (APR) –
hauptsächlich Anstiege von C-reaktivem
Protein, Haptoglobin, Coeruloplasmin und
Fibrinogen zu erwarten. Das bei Hunden am
schnellsten reagierende akute Phase Protein ist
das C-reaktive Protein (CRP), das in Abhängigkeit von der Art des einwirkenden Stimulus
unterschiedlich schnell ansteigt. Entfällt der eine akute Phase Reaktion induzierende Stimulus, ist ein Absinken des CRP nach 24-48 h
bis zur Wiederherstellung nach einigen Tagen zu
erwarten. Persistiert der Stimulus oder die
Störung bzw. ist der Kontrollmechanismus der
akuten Phase Reaktion gestört, kann der
Prozess in die Chronizität übergehen. Erhöhte
CRP-Serumkonzentrationen resultieren ausschliesslich aus einer gesteigerten Synthese des
C-reaktiven Proteins in den Hepatozyten, die biologische Halbwertzeit wird mit 19 h angegeben.
Im Rahmen einer entzündlichen Reaktion kann
die CRP-Konzentration bis auf das 10 bis 100fache des Referenzwertes ansteigen. Der CRPAnstieg wird hauptsächlich durch die vermehrte
Ausschüttung von Interleukin 6 (freigesetzt aus
Makrophagen) ausgelöst. Die während einer
akuten Phase Reaktion ablaufenden Veränderungen manifestieren sich als Fieber,
Schmerz, Leukozytose, Beschleunigung der Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) sowie als Konzentrationsänderung der akuten
Phase Proteine (APP). Die akute Phase Reaktion
wird kontrolliert/ reguliert durch die Ausschüttung von Zytokinantagonisten („Il-1-receptor antagonist“, „soluble TNF-receptor“) sowie
durch inhibitorisch wirkende Zytokine (Interleukin 4 und Interleukin 10). Da die Zytokine nur
eine kurze Halbwertzeit haben ist der eigentliche
limitierende Faktor einer akuten Phase -Reaktion
vermutlich der Wegfall des auslösenden Stimulus.
Funktionen des C reaktiven Proteins im
Organismus
Hauptaufgaben des C-reaktiven Proteins sind
die Abwehr von mikrobiellen Infektionen sowie
die Modulation der Entzündungsreaktionen.
Bindet C-reaktives Protein an Liganden (häufig
Phosphorylcholin), wird die Komplementkaskade aktiviert. Ferner ist das C-reaktive
Protein an der Phagozytose/Opsonierung von
Bakterien beteiligt, beeinflusst die Eliminierung
von Immunkomplexen, den Abbau von Zellkernbestandteilen nach Zelluntergängen und den
Verlauf von Autoimmunerkrankungen.
Vorteile gegenüber Entzündungsindikatoren
Leukozyten und Körpertemperatur
Die Bestimmung des C reaktiven Proteins ist
eine wichtige Ergänzung zu den „herkömmlichen“ Entzündungsindikatoren (Leukozyten,
Fibrinogen und rektale Körpertemperatur). Aufgrund der höheren diagnostischen Sensitivität
der APP im Vergleich zur Leukozytenzählung ist
es möglich eine schnellere und detailierte
Aussage über den Verlauf einer Entzündung zu
treffen. Aufgrund der schnellen Reaktion der
akuten Phase Proteine zählt das C-reaktive
Protein beim Hund zu den sogenannten „first
line Parametern“, da ein erster Konzentrationsanstieg bereits nach 4 h erfolgen kann. Der
Anstieg ist im Gegensatz zu den Leukozyten
immer unidirektional ausgerichtet (ansteigend).
Da keine Speicherung erfolgt und auch keine
wesentliche Beeinflussung durch Stress (Aufregung), sind im Gegensatz zu den Leukozyten
und der Körpertemperatur keine „falsch positiven“ Ergebnisse möglich. Ein Anstieg des Creaktiven Proteins kann daher als zuverlässiger
Parameter für den Beginn einer Entzündung
gewertet werden. Bei Tieren, deren Knochenmark im Rahmen einer Myelosuppression durch
Chemotherapeutika oder leukämische Erkrankungen geschädigt ist und daher nicht
adäquat auf eine Entzündung reagieren kann, ist
CRP optimal als Screening-Parameter zur
Diagnostik inflammatorischer Veränderungen
geeignet. Ein schnelles Absinken der CRPKonzentration
signalisiert
immer
einen
Therapieerfolg, ein Sistieren einer eröhten
Konzentration kann dem Praktiker ein wichtiges
Hilfsmittel sein, eine antibiotische Therapie neu
zu überdenken. Im Gegensatz zu einer CRPErhöhung kann ein Fibrinogen-Anstieg ca. 14
Tage anhalten und ist nicht geeignet den Verlauf
einer Entzündung zu kontrollieren. Erneute
Anstiege des C- reaktiven Proteins signalisieren
zuverlässig ein Aufflammen der entzündlichen
Reaktion bzw. ein Therapieversagen. Eine
Korrelation zwischen der Höhe der CRPKonzentration und der Prognose einer entzündlichen Reaktion besteht nicht.
LABOR FÜR KLINISCHE DIAGNOSTIK GMBH & CO.KG
Info 1/2011 Seite 1
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Beeinflussung der CRP-Konzentration durch
antiphlogistische Therapie?
Verschiedene experimentelle Studien belegen,
dass die Synthese/Konzentration von C-reaktivem Protein durch die Verabreichung von steroidalen bzw. nicht steroidalen Antiphlogistika/oder
entzündungshemmender Medikamente in antiphlogistischer Dosierung nicht beeinflusst wird
(Börngen 1998; Yamamoto et al 1994). Auch
Opiate haben keinen supprimierenden Einfluss
auf die CRP-Konzentration. Die Verabreichung
hoher, immunsuppressiver Dosen von Kortikosteroiden führt zu einer Reduktion der
Freisetzung von CRP (Kjelgaard-Hansen 2010).
CRP-Anstieg - wann zu erwarten?
Generell sind CRP-Anstiege im Serum im
Rahmen der akuten Phase Reaktion bei entzündlichen und infektiösen Vorgängen in verschiedenen Lokalisationen des Organismus zu
erwarten. Ist ein Patient multimorbid, kann der
eigentliche Stimulus für die akute Phase
Reaktion mit CRP-Anstieg eventuelll nicht eruiert
werden. Bei speziellen klinischen Fragestellungen kann die Bestimmung jedoch durchaus hilfreich sein für das weitere diagnostische
Prozedere und bei der Entscheidung für einen
Therapiewechsel/ende. Nach chirurgischer
Intervention (Ovarhysterektomie) bei gesunden
Individuen ist bereits 4 h später ein Anstieg vom
C-reaktiven Protein zu beobachten, bei ungestörtem postoperativen Verlauf findet sich ein
Peak ca. 28 h später. Bereits 100 h post operativ war bei ovarektomierten, gesunden Hunden
kein Anstieg mehr im Vergleich zum Referenzwert zu beobachten. Bei geringfügigen, lokalisierten Entzündungen findet kein CRP-Anstieg
statt, da keine Interleukine aktiviert werden und
somit der Stimulus für die Leber zur Synthese
des C- reaktiven Proteins fehlt.
Wann ist die Bestimmung von C-reaktivem
Protein indiziert?
1. Wundheilungsstörungen/ posttraumatisch/
postoperativ
Die Höhe des initialen CRP-Anstiegs korreliert
immer mit der Schwere eines Traumas. Eine singuläre CRP -Bestimmung ist zum Monitoring
von Wundheilungssituationen suboptimal, es
sollten wenn möglich immer serielle Bestimmungen durchgeführt werden, um ein
Wiederaufflackern von Wundinfektionen beobachten zu können. Ein anhaltendes Absinken der
CRP Konzentration im Serum kann eine Hilfe bei
der objektiven Verlaufskontrolle einer Wundheilungssituation sein und gleichzeitig eine Hilfestellung geben, wann eine antimikrobielle
Therapie beendet werden kann. Ein Abfall der
CRP-Konzentration ist bei unkomplizierten
Wundinfektionen nach 2 bis 3 Tagen zu erwarten. Über diesen Zeitraum hinaus bestehende
erhöhte CRP-Konzentrationen sind sehr wahrscheinlich Ausdruck einer sich manifestierenden
Infektion. Bei Wundheilungsstörungen ist die serielle CRP-Bestimmung den Parametern Leukozytenzählung sowie der Messung der Körpertemperatur deutlich überlegen (Knapp 2003).
2. Steril eitrige Meningitis (Steroid responsive
Meningitis-Arteritis- SRMA)
Die Ursache für das „Beagle-Pain Syndrome“ ist
bisher nicht sicher bekannt, vermutet wird eine
autoimmune Genese. Bevorzugt betroffene
Rassen sind Beagle, Berner Sennenhunde und
Boxer. Die Diagnosestellung erfolgt immer
anhand der Schwere der klinischen Symptomatik,
gepaart mit zahlreichen labormedizinischen
Veränderungen. Labordiagnostisch finden sich
bei SRMA eine Pleozytose (CSF), ansteigende
Serum/ CSF IgA- Konzentrationen und ein Anstieg der akuten Phase Proteine (CRP, SAA,Hp).
Je nach unterschiedlichen Therapieprotokollen
blieb die CRPverschiedener Studien
Konzentration während der Prednisolontherapie
in der Remissionsphase bei den meisten
Hunden über den Referenzbereich hinaus
erhöht, sank aber deutlich unter die CRPKonzentration bei der Eingangskontrolle ab.
Beim Absetzen/Aussschleichen der Prednisolontherapie (Resolutionsphase) nach ca. 26
Wochen Therapie lag die Konzentration des Creaktiven Proteins bei allen Hunden im
Referenzbereich. CRP kann daher als
Verlaufskontrolle auch unter einer Prednisolontherapie bei der SRMA eingesetzt werden.
3. Infektionen/Autoimmunerkrankungen
Zahlreiche Infektionen und Autoimmunerkrankungen (Leptospiren, Parvovirose, bakterielle
Enteritiden, IBD, hämolytische Anämie) führten
in klinischen Studien (Yamamoto et al 1993)
ebenfalls zu Anstiegen des C-reaktiven Proteins.
In einer weiteren klinischen Studie von Börngen
(1998) wurden CRP-Anstiege bei Pneumonie,
Pyometra, Autoimmunerkrankungen, Pankreatitis,
Pankreasinsuffizienz und Parvovirose sowie
Traumen beobachtet. Erhöhte CRP-Konzentrationen fanden sich auch bei bei natürlich infizierten Hunden mit chronischer Ehrlichiose bei
schwerwiegendem Verlauf (Konzentrationsmaxima 4 - 10 Tage p. I.). In anderen experimentellen Studien wurden CRP-Anstiege bei
Arthritis, Thrombophlebitiden, Proctitis, Cholecystotomie, und Infektion mit Bordetella bronchiseptica (Peak bei Bordetelleninfektion 1 Tag p.i.)
nachgewiesen. Ferner erwies sich der
Parameter als geeignet zur Verlaufskontrolle
einer Pankreatitis. Weitere Studien (2004) ergaben, dass mittels CRP-Bestimmung auch eine
Einteilung von Ergussflüssigkeiten in Transsudat/
Exsudat getroffen werden kann. Beim Auftreten
von Tumormetatstasen bzw. Komplikationen in
Verbindung mit Mammatumoren wurden höhere
CRP Werte gemessen als beim Auftreten von
lokalisierten benignen oder malignen Tumoren.
Bei klinisch gesunden Hunden ist zu beachten,
dass starke intrainindividuelle Schwankungen in
den CRP-Konzentrationen auftreten können. Sie
werden auf unterschiedlich starke, (haltungsabhängige) Belastungungen der Hunde durch
Umwelteffekte zurückgeführt die sich in einer
unterschiedlich starken Stimulierung des
Immunsystems manifestieren.
Mit dem C- reaktiven Protein steht dem praktischen Tierarzt ein potenter Parameter
für eine verbesserte Entzündungsdiagnostik zur
Verfügung, der sowohl zur Verlaufskontrolle von
Infektionen/entzündlichen Veränderungen als
auch zu einer Optimierung des Therapiemanagments eingesetzt werden kann.
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