Integriertes Quartierssanierungskonzept

Werbung
Integriertes
Quartierssanierungskonzept
Siedlung Ringstraße
Sanierungsfibel
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Projektleitung,
Berichterstellung:
Energiebüro
Schärfl
Barbara
Schärfl
10c
Seestr.
D-82211 Herrsching
Tel.: 0173 2013040
email:
[email protected]
Öffentlichkeitsarbeit,
Nahwärme, Berichterstellung:
Planungsteam
Architektur
& Energie Petra Slawisch / Barbara Schärfl - Architektinnen
Bürozweigstellen:
Seestr. 10c
A m Hartfeld 10
D-82234
Wessling
82211 Herrsching
Tel.: 08152 953316
Tel.: 0173 2013040
email: [email protected]
email:
[email protected]
Energetische Berechnungen, Berichterstellung:
Füllemann
Architekten GmbH
Füllemann - Architekt
Achim
Römerstraße
36
D-82205
Gilching
Tel.: 08105/730300
email:
[email protected]
Organisiert über: Energiewendeverein Landkreis Starnberg
2
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Inhaltsverzeichnis
1.0 2.0 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 3.0 Einführung......................................................................4 Energetische Bewertung der Bestandsgebäude ...............5 Energiebilanz Standard-Eckgebäude ............................6 Aufteilung der Energieverluste ......................................7 Auffälligkeiten, Bewertung von weiteren Bauteilen: ......9 Bestandsaufnahme über Thermografie .......................12 Bewertung der Heizung: ..............................................20 Einsparpotentiale und Maßnahmen ...............................20 3.1 Sanierungsmaßnahmen, wirtschaftliche Bewertung ...22 3.1.1 Einzelmaßnahmen .......................................................22 3.1.2 Maßnahmenpakete und KfW-Effizienzhausstandards 27 3.2 Empfehlungen zu Wärmeschutzmaßnahmen .............32 3.3 Zusätzliche und geringinvestive Maßnahmen .............35 4.0 Energieversorgung im Quartier ...................................36 4.1 Einzellösungen ............................................................37 4.2 Kleine Wärmeverbunde ...............................................39 4.3 Nutzung Sonnenenergie ..............................................41 4.4 Nahwärmeversorgung für das gesamte Quartier, .......44 5.0 Aktionsplan für die Bürger ...........................................44 5.1 Sanierungsleitfaden für Hausbesitzer..........................45 Checkliste - Sanierungsablauf ...................................................45 5.2 Weiterer Hinweis zu Garagenplätzen: .........................50 3
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
1.0
Einführung
In den kommenden Jahren und Jahrzehnten wird es eine der
größten Herausforderungen von Städten und Kommunen sein,
den Bedarf an Wärme und Strom zu verringern und die zu
Ende gehenden fossilen Ressourcen durch erneuerbare
Energien zu ersetzen.
Als Bestandteil des Energiekonzepts der Bundesregierung vom
28.09.2010 wurden Förderprogramme zur Unterstützung der
Kommunen aufgelegt.
Es ist erklärtes Ziel der
Bundesregierung bis zum Jahr 2050 den Gebäudebestand
klimaneutral zu sanieren. Da 75% des Gebäudebestandes vor
1975 erbaut wurden und damit ohne gesetzliche Vorgaben an
einen energetischen Mindeststandard,
ist es dringend
erforderlich, dass in den Kommunen und insbesondere in
Siedlungsgebieten ein klimagerechter Wandel stattfindet.
4
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
2.0
Energetische
gebäude
Bewertung
der
Bestands-
Die unterschiedlichen Gebäudetypen
wurden anhand von vier
exemplarischen Gebäuden vor Ort detailliert untersucht.
Der Energiebedarf und die Energieströme der Gebäude wurden nach
DIN 4108, sowie DIN 18599 simuliert. Für die Berechnungen und
Bewertungen des Standardhauses wurden folgende Annahmen
getroffen:
 Fenster BJ 1990 (es wird von einem bereits durchgeführten
Fensterwechsel ausgegangen)
 Mauerwerk BJ 1960
 Dachdämmung BJ 1960
 Heizung BJ 1995 (Niedertemperatur-Öl- oder Gasheizung)
Die energetische Qualität des Standardhauses kann seinem Baualter
entsprechend als schlecht eingestuft werden. Im Vergleich zum
heutigen gesetzlichen Standard (EnEV 2009) ist die primärenergetische
Qualität noch deutlich schlechter und liegt bei ca. 250%. Vergleicht
man den energetischen Standard der Gebäude mit dem eines
5
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Effizienzhauses 55, liegt die primärenergetische Qualität sogar bei
675%. Daran wird deutlich, dass bei vorliegenden Gebäuden deutliche
Einsparpotentiale vorhanden sind.
2.1
Energiebilanz Standard-Eckgebäude
Einstufung des Standard-Eckgebäudes im Vergleich zum
Standard / KfW 55
EnEV-
Energiebilanz Standard-Mittelgebäude
Einstufung des Standard-Mittelhauses im Vergleich zum
Standard / KfW 55
EnEV-
6
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
2.2
Aufteilung der Energieverluste
Der Hauptanteil der Energie geht über die Außenwände und das Dach
verloren. Ungefähr ein Viertel der Energieverluste entfallen beim
unsanierten Standardhaus auf die Lüftungswärmeverluste.
Bei einem auf den KfW-Effizienzhaus 55 – Standard sanierten Haus
übersteigt dagegen der Anteil der Lüftungswärmeverluste sogar die
Verluste über die Außenbauteile.
Die Energiebilanz der Standard-Eckgebäude sieht wie folgt aus:
(obere, blaue Balken = Bestand; graue Balken = KfW 55-Standard)
7
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Beim Standard-Mittelhaus verringern sich wie zu erwarten die Verluste
über die Außenwänden, da keine Giebelwände vorhanden sind:
Bewertung der wichtigsten Einzelbauteile:
Bauteil
U-Wert
W/(m²K)
Einstufung
schlecht
Mindest-U-Wert
EnEV 2009 bei
Änderung
0,24
Mindest-U-Wert
KfW-Einzelmaßnahmen
0,14
Dachfläche
1,40
Dachterrasse
1,35
schlecht
0,20
0,14
Außenwand
1,10
schlecht
0,24
0,20
Fenster
2,70
schlecht
1,30
0,95
8
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
2.3
Auffälligkeiten und Bewertung von weiteren
Bauteilen:
 Stirnseite Kellerdecke und Geschossdecken ohne Dämmung =
Wärmebrücke
(die freiliegende Bewehrung ist ohnehin sanierungsbedürftig)
 In Außenwand einbindende Betonbauteile ohne thermischer
Trennung wie z.B. Vordach, Seitenwände Außentreppe,
Lichtschächte etc.
9
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
 Alte Küchenlüfter ohne Schall- und Wärmedämmung, sowie
Rückschlagklappe verursachen Zugerscheinungen und erhöhte,
unkontrollierte Lüftungswärmeverluste.
 In Außenwänden verlegte Heizungs- und Warmwasserleitungen,
sowie Heizkörpernischen schwächen die ohnehin energetisch
schlechte Außenwand zusätzlich
Foto: Schärfl
10
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
 Müllraum bindet als nicht gedämmte Nische in die Gebäudehülle ein
und verursacht somit erhöhte Wärmeverluste.
 Ungedämmte, im Mauerwerk eingebaute Rollladenkästen bilden
Schwachstelle hinsichtlich Wärmedämmung und Luftdichtigkeit und
wurden bereits vielfach durch außenliegende Rollladenkästen
ersetzt.
11
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
 Das Dach war ursprünglich nur mit Holzwolle-Leichtbauplatten als
einzige „Dämmung“ und Putzträger bekleidet, ist jedoch vielfach
bereits zwischen den Sparren zusätzlich gedämmt.
2.4
Bestandsaufnahme über Thermografie
Mittels Wärmebildaufnahmen werden Oberflächentemperaturen von
Bauteilen erfasst. Aus der Kenntnis dieser Temperaturen und den
Umgebungsbedingungen
können
Rückschlüsse
auf
erhöhte
Energieverluste durch sogenannte Wärmebrücken und Undichtigkeiten
gezogen werden. Grundvoraussetzung für die erfolgreiche
Thermografie ist ein Temperaturunterschied zwischen innen und außen
von mindestens 15°C über einen Zeitraum von mindestens 2 Tagen,
damit sich die Wärmeströme in der Gebäudehülle entsprechend
einstellen können. Störgrößen wie z.B. direkte Sonneneinstrahlung
müssen vermieden werden.
Anhand unterschiedlicher Farben werden in den Bildern die
unterschiedlichen Temperaturen dargestellt. Daher ist jedem Bild eine
sogenannte Farbskala mit den entsprechenden Temperaturen
zugeordnet.
Über
diese
Farbskala
lassen
Oberflächentemperaturen auf den Bauteilen ablesen.
sich
die
12
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Üblicherweise werden warme Stellen hell / rot und kalte Stellen dunkel /
blau dargestellt. Bei Aufnahmen der kalten Seite des Gebäudes, meist
Außenbereich, sind warme Stellen kritisch zu beurteilen, da diese durch
einen erhöhten Wärmeabfluss hervorgerufen sein könnten. Ursache
kann aber auch eine Undichtigkeit des Bauteils und dadurch
ausströmende warme Raumluft sein. Auf der warmen Seite des
Gebäudes, meist Innenbereich, sind kalte Stellen kritisch zu bewerten,
da diese einen Hinweis auf verstärkt abfließende Wärme oder durch
Undichtigkeit einströmende Kaltluft darstellen.
Der ausführliche Thermografiebericht befindet sich auf der Internetseite
der
Gemeinde
Krailling
unter
dem
Unterpunkt
Quartierssanierungskonzept
Außenwand Eingangsseite
5.8 °C
5
Sp1:temp 1.5
0
-5
-10
-13.5
Bewertung: Hohe Wärmeverluste über die Außenwände. Es sind die
Mörtelfugen, über die erhöht Wärme verloren geht, sichtbar.
Im Innenbereich sind die Oberflächentemperaturen an den Außenwänden
niedrig. Hier kühlt die Raumluft stark ab und fällt damit schnell nach
13
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
unten, was zu Zugerscheinungen führt. Das wird als sehr unbehaglich
empfunden, als Gegenmaßnahme wird häufig die Raumlufttemperatur
erhöht.
In den Zimmerecken liegen die Temperaturen an den Wandoberflächen
teilweise unter 12°, was eine erhöhte Schimmelgefahr bedeutet.
Bild dazu von innen: EG Küche Außenecke
22.5 °C
22
20
Sp1:temp 11.3
18
Sp2:temp 14.6
16
14.0
14
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Eingangsseite: gedämmte Fassade ungedämmter Sockelbereich
5.1 °C
5
0
-5
Ar1:max 5.6
-10
-13.9
Gartenseite: Wohnzimmerfenster über Kellerabgang
5.0 °C
4
2
0
-2
Ar1:max 3.5
-4
-6
-8
-10
-12
-12.5
Bewertung: Bewertung: Hoher Wärmeverlust über Außenwand,
erhöhte
Verluste
über
Heizkörpernischen
im
Innenbereich.
Wärmeverluste über ungedämmten betonierten Sockelbereich
(Keller/Ergeschoßdecke).
15
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Gartenseite neben Terrassentür
Ar1:max 5.6
Sp1:temp 0.7
5.0 °C
0
-5
-10
-12.5
Bewertung: Hohe Wärmeverluste über Heizungsleitungen die in den
Außenwände verlegt sind. Eine Dämmung der Außenwände reduziert die
Energieverluste. Durch eine umfassende Dämmung kann die
Vorlauftemperatur für die Heizung reduziert werden, wodurch sich
Wärmeverluste noch weiter reduzieren.
16
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Innenaufnahme: Außenwandbereich Wohnzimmer Vorbau unter
Balkon.
18.6 °C
Sp3:temp 11.0
18
16
14
12.2
Bewertung: Bewertung: Hier sind deutlich die unterschiedlichen
Oberflächen-temperaturen sichtbar. Der warme Bereich grenzt an
den beheizten Wohnraum des Nachbarn an, der kalte Bereich an
Außenluft.
Die obere Zimmerecke und –kante weist sehr niedrige
Oberflächentemperaturen auf. Hier besteht Schimmelgefahr.
17
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Haustür von außen und innen
6.1 °C
5
Sp1:temp 1.2
Sp2:temp 10.2
0
-5
-10
-12.3
Bewertung: Bei den Aufnahmen von außen sind im Beriech des
Anschlusses Türblatt zu Rahmen deutliche Undichtigkeiten und
Wärmeverluste sichtbar. Trotz der sehr niedrigen Außentemperaturen
von -7° wurden hier 10° gemessen. Wenn man die Tür von innen
betrachtet wurden ebenfalls diese starken Undichtigkeiten sichtbar und
extrem niedrigen Temperaturen gemessen.
14.5 °C
10
Sp1:temp -1.7
5
0
-1.6
18
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Eingangsseiten: Fassadenkante zwischen zwei Gebäude
6.0 °C
Sp1:temp 2.2
4
2
Sp2:temp 0.5
0
-2
-4
-6
Sp3:temp -2.3
Sp4:temp -9.0
-8
-10
-12
-13.7
Bewertung:
Deutliche sichtbar sind die Temperaturunterschiede an den Oberflächen der
gedämmten und der ungedämmten Fassade.
Sp 1: erhöhter Wärmeverlust im Firstbereich. Undichtigkeit. Auf dem
Nachbardach liegt noch Schnee.
19
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
2.5
Bewertung der Heizung:
Die häufig noch vorhandenen alten Niedertemperatur-Ölheizungen
haben einen begrenzten Wirkungsgrad und werden mit dem fossilen,
also endlichen und nicht nachwachsenden Rohstoff Öl betrieben.
Weitere Nachteile beim Brennstoff Öl sind die unangenehme
Geruchsentwicklung, vor allem bei alten Tanks und Tankräumen, sowie
die enorme Steigerung und Schwankung der Marktpreise. Daher sind
die alten Niedertemperatur-Ölheizungen sowohl aus technischer,
wirtschaftlicher und Komfortsicht, als auch aus ökologischer Sicht als
schlecht zu bewerten.
3.0
Einsparpotentiale und Maßnahmen
In vorherigen Kapiteln wurde bereits aufgezeigt, dass deutliche
Einsparpotentiale hinsichtlich des Energieverbrauches als auch des
CO2-Ausstoßes vorhanden sind. Einsparpotentiale, neben dem
Nutzerverhalten, sind in folgenden Bereichen vorhanden:
 Verringerung der Wärmeverluste
 Steigerung der Effizienz bei der Wärmeerzeugung bzw. Wechsel auf
regenerative Energieträger
 Stromeinsparung und regenerative Stromerzeugung
Die
Maßnahmen
zur
Energieeinsparung
haben
Energiekosteneinsparung
und
Klimaschutz
weitere
Nebeneffekte:
neben
positive
 Steigerung der Behaglichkeit und Komfortgewinn durch höhere
Oberflächentemperaturen an Außenbauteilen im Winter und
geringere sommerliche Überhitzung
 Wertsteigerung und langfristiger Werterhalt der Immobilie
20
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
 Verbesserung der Raumluftqualität bei Einbau einer Lüftungsanlage
 Höherer Schallschutz
Verringerung der Wärmeverluste
Die Wärmeverluste über die Gebäudehülle können deutlich verringert
werden durch:
 Dämmung des Daches einschl. Gauben und Erneuerung der
Dachflächenfenster
 Dämmung der Außenwände
 Dämmen der Kellerdecken
 Erneuerung der Fenster und Türen
 Dämmen der Dachterrassenfläche
 Maßnahmen zur Beseitigung von punktuelle Schwachstellen und
Verringerung von Wärmebrücken
Steigerung der Effizienz bei der Wärmeerzeugung bzw. Wechsel
auf regenerative Energieträger
Weniger Energieverbrauch und CO2-Ausstoß durch Verbesserungen
bei der Wärmeerzeugung und Wärmebereitstellung:
 Austausch alter Niedertemperatur-Ölkessel
 Wechsel der Energiezufuhr auf regenerative Energieträger (z.B.
Sonne, Pellet etc.)
 Hydraulischer Abgleich
 Zusätzliche Wärmeerzeugung für Warmwasser durch thermische
Solaranlage
 Tausch alter gegen neue Heizkörper
 Verbesserung / Ergänzung von Rohrleitungsdämmungen
21
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Stromeinsparung und regenerative Stromerzeugung
Weniger Energieverbrauch und CO2-Ausstoß beim Strom sind möglich
durch:
 Austausch alter Umwälzpumpen durch stromsparende Pumpen
 Vermeidung von Standby-Verlusten durch komplettes Trennen der
Geräte vom Netz oder Verwendung von Geräten mit sehr niedrigem
Standby-Verlust
 Effiziente
Beleuchtung
durch
LED-Beleuchtung
oder
Energiesparlampen
 Energieeffiziente Haushaltsgeräte
 Eigene „grüne“ Stromerzeugung durch Photovoltaik oder KraftWärmekopplung
 Einsatz von Solarthermie: Spül- und Waschmaschinen mit
Warmwasser betreiben.
3.1
Sanierungsmaßnahmen und deren energetische
und wirtschaftliche Bewertung
Die möglichen Sanierungsmaßnahmen wurden als Einzelmaßnahmen,
sowie
als
sinnvoll
zusammengestellte
Maßnahmenpakete
einschließlich der jeweiligen Wirtschaftlichkeit betrachtet. Dies wurde
auch bereits in der Veranstaltung im Sitzungsaal der Gemeinde im
Oktober 2012 erläutert.
3.1.1
Einzelmaßnahmen
Betrachtete Einzelmaßnahmen:
 Fenstererneuerung
 Fassadendämmung
 Dachdämmung Mindestanforderung
22
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße






Dachdämmung KFW – Anforderung Einzelmaßnahme
Kellerdeckendämmung
Austausch der Heizung (Gas)
Austausch der Heizung (Pellets)
Solarkollektoren
Wintergartenausbau im Obergeschoss
Die Angaben zu Fördermitteln erfolgtem zum Stand Oktober 2012.
Die Kostenangaben sind grobe, standardisierte Kostenannahmen mit
Stand 2012. Die tatsächlichen Kosten können im konkreten Einzelfall
auch erheblich abweichen.
Förderung Einzelmaßnahmen KfW Stand Juni 2013:
10% der förderfähigen Kosten.
Förderungen immer tagesaktuell abfragen.
23
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
24
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
25
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
26
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
3.1.2
Maßnahmenpakete und KfW-Effizienzhausstandards
Es ist sowohl aus technischer, als auch aus wirtschaftlicher Sicht häufig
sinnvoll mehrere Einzelmaßnahmen auf einmal durchzuführen. Daher
wurden
Maßnahmenpakete
geschnürt,
die
sich
an
den
Förderbedingungen der KfW orientieren (KfW-Effizienzhausstandards).
Ein KfW-Effizienzhaus ist aus technischer und wirtschaftlicher Sicht ein
realistisch erreichbarer Standard. Aufgrund der Anforderungen an den
Primärenergieverbrauch, lassen sich die mit den höchsten
Fördermitteln ausgestatteten Effizienzhäuser KfW-70 und KfW-55 nur
durch einen Wechsel der Beheizungsart weg von den fossilen
Energieträgern Gas und Öl erreichen.
Bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
Eckpunkten ausgegangen:
wurde
von
folgenden
27
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Betrachtungszeitraum: 30 Jahre
Kalkulationszinssatz:
3,0 %
Preissteigerung Öl/Gas:
7,0 %
Preissteigerung Pellets: 4,5%
KfW und BAFA-Förderung
zum Zeitpunkt Oktober 2012
Da sich die Anforderungen und Ergebnisse für die Mittelhäuser und
Eckhäuser wesentlich unterscheiden sind die Ergebnisse ebenfalls
separat berechnet und dargestellt.
Eckhaus KfW 100:
28
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Eckhaus KfW 70:
Eckhaus KfW 55:
29
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Mittelhaus KfW 115:
Mittelhaus KfW 70:
30
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Mittelhaus KfW 55:
31
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
3.2
Empfehlungen und
schutzmaßnahmen
Hinweise
zu
Wärme-
Vor dem Hintergrund der langen Lebensdauer von meist über 30
Jahren bei den baulichen Sanierungsmaßnahmen, sowie der
anstehenden gesetzlichen Verschärfung der Energiestandards (die
Energieeinsparverordnung 2014 liegt im Entwurf bereits vor) wird
empfohlen bei der Umsetzung von Maßnahmen über den jetzigen
gesetzlich vorgeschriebenen Mindeststandard möglichst weit
hinauszugehen. Dies trägt auch positiv zum Werterhalt der Immobilie
bei.
Für die Wärmeschutzmaßnahmen werden daher folgende konkrete
Empfehlungen und Hinweise ausgesprochen:
 Neue Fenster: Umax = 0,90 W/(m²K) für das Gesamtfenster
Auf einen fachgerechten Einbau (Dichtigkeit, Rahmenüberdämmung
etc) ist zu achten.
Werden die Fenster gewechselt, ohne dass im Anschluss ein
Wärmedämmverbundsystem aufgebracht wird, besteht erhöht die
Gefahr von Schimmelbildung. Das passiert durch den gewollt
geringeren Luftaustausch durch Undichtigkeiten an den Fenstern. Der
Feuchteabtransport ist nicht mehr so gegeben wie bisher. Die kalten
Oberflächentemperaturen an den Wandoberflächen in den Räumen
bleiben jedoch ohne Dämmung unverändert. Die erhöhte Luftfeuchte
kann sich an den kalten Stellen nieder schlagen und zu
Schimmelbildung führen. Das Lüftungsverhalten muss also angepasst
werden. In der Regel ist der erforderliche Luftwechsel aber durch
Stoßlüftung nicht ausreichend zu gewährleisten. Wir raten dringend zu
einer Fassadendämmung und zum Einbau einer Lüftungsanlage um
diese Probleme zu verhindern!
Durch diese Maßnahme erhöht sich die Dichtigkeit des Gebäudes
entscheidend. Über die Belüftung des Gebäudes muss ein Konzept
erstellt werden
32
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
 Außenwände dämmen auf U-Wert < 0,20 W/(m²K), z.B. mit 140mm
Dämmung der Wärmeleitgruppe (WLG) 035 oder besser auf U-Wert
von 0,15 W/(m²K) durch z.B. 180mm Dämmung der
Wärmeleitgruppe 032.
Generell neigen bei einem Wärmedämmverbundsystem schwerere
Dämmungen wie z.B. Holzweichfaserdämmplatten weniger zur
Algenbildung als leichte Dämmstoffe wie z.B. Polystyrolhartschaum
(„Styropor“).
 Dämmung des Daches auf U-Wert < 0,15 W/(m²K), z.B. durch
Zwischensparrendämmung und Aufsparrendämmung.
Für die Zwischensparrendämmung wird Dämmung aus Holzweichfasern, Flachs oder Zellulose, für die Aufsparrendämmung
Holzweichfaserdämmplatten mit WLG 040 empfohlen, da diese
Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden,
sowie einen besseren sommerlichen Überhitzungsschutz bieten.
Außerdem kann der Dachaufbau so diffussionsoffen hergestellt
werden. Es gibt andere Dämmstoffe mit einem besseren Dämmwert, jedoch einem teilweise wesentlich geringeren sommerlichen
Hitzeschutz.
Einer fachgerechten Planung und Ausführung (Regendichtigkeit,
Luftdichtigkeit, Dampfdiffusionsverhalten, Wärmeschutz etc.) ist
beim Dachaufbau besondere wichtig.
Empfehlungen zur Ausführung
 Die Detailpunkte sind gemäß DIN 4108 Beiblatt 2 auszuführen
(Vorgabe zu Wärmebrückenreduzierter Ausführung).
 Werden Kellerräume dauerhaft beheizt,
sollten die Kelleraußenwände gedämmt werden. Mindestens sollte jedoch die
Außenwanddämmung als Perimeterdämmung möglichst weit ins
Erdreich geführt (mind. 50cm) werden. Damit ist die Stirnseite der
33
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Betonkellerdecke gut überdämmt wodurch die Wärmeverluste über
die Decke reduziert werden.
 Die Fensterlaibungen sind ebenfalls zu dämmen.
 Die alten eingebauten Rollladenkästen sind mit Dämmung und
dichtem Deckel innen zu versehen oder sollten komplett stillgelegt,
ausgedämmt und falls gewünscht durch neue Vorbau-Rollläden
oder anderen Sonnenschutzmaßnahmen ersetzt werden.
 Die Lüftungsöffnungen in der Küche sollten, sofern nicht ohnehin
bereits für eine Küchenabluft genutzt, verschlossen oder für ein
dezentrales Lüftungselement mit Wärmerückgewinnung genutzt
werden.
 Müllraum / Müllnische: Dämmen der Nischen entweder von innen
dann gehören diese zum unbeheizten Außenraum. Oder
verschließen der Nischen von außen und überdämmen der
Wandbereiche zusammen mit der Außenwanddämmung, dann
gehören sie in den Bereich der thermischen Hülle.
 Sofern die Maßnahmen stufenweise ausgeführt werden, empfehlen
wir mit der Ertüchtigung der thermischen Hülle (Dach, Außenwände,
Fenster etc.) zu beginnen und die Heizung zuletzt auszutauschen,
da nach erfolgter Sanierung die Heizung kleiner dimensioniert
werden kann.
34
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
3.3
Zusätzliche Maßnahmen
Maßnahmen
und
geringinvestive
Über die beschriebenen Wärmedämmmaßnahmen hinaus werden
zusätzliche Maßnahmen empfohlen:
 Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (WRG) reduziert
die Lüftungswärmeverluste und erhöht den Komfort (bessere
Raumluft, weniger Pollen günstig für Allergiker etc.). Ohne
Lüftungsanlage entfallen ca. 25% der gesamten Energieverluste
beim unsanierten Standardhaus auf die Lüftungswärmeverluste.
Beim auf KfW 55–Standard sanierten Haus übersteigt der Anteil der
Lüftungswärmeverluste sogar die Wärmeverluste über die Außenbauteile. Bei Bestandsgebäuden empfiehlt sich eine dezentrale
Wohnraumlüftung mit WRG. Dabei werden in der Außenwand
mehrere Einzelgeräte in die Wand eingebaut. Auf dem Markt ist
bereits eine breite Palette unterschiedlichster Geräte erhältlich.
 Im Zuge einer Heizungserneuerung sollten die alte Umwälzpumpen gegen Hocheffizienzpumpen ausgetauscht, sowie ein
hydraulischer Abgleich des Heizungssystems vorgenommen
werden.
 Im Zuge einer Heizungserneuerung und Dachsanierung, sollte als
sinnvolle Ergänzung eine thermische Solaranlage zur Warmwasserbereitung mit ca. 6-10m² auf dem Dach montiert werden. Der
Speicher ist entsprechend auszulegen.
 Sofern nicht in absehbarer Zeit die Fassade gedämmt wird, ist zu
empfehlen die Heizkörper-Nischen zu dämmen.
 Neue Thermostatventile an den Heizkörpern installieren.
 Heizrohre dämmen, auch im Bereich von Bögen.
35
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
4.0
Energieversorgung im Quartier
Die bisherige Wärmeversorgung mit Öl-Heizungen in jedem Haus ist
nicht mehr zeitgemäß und vor allem aus ökologischer Sicht ungünstig.
Zumal bei vielen Heizungen aufgrund Ihres Alters ohnehin eine
Erneuerung ansteht, werden Alternativen zu einer Ölheizung
betrachtet. Vorweg jedoch folgender Hinweis: Auch eine gute Heizung
kann ein Gebäude mit wärmeschutztechnisch schlechter Gebäudehülle
nicht „gesundbeten“. Als Regel kann gesagt werden: „Erst dämmen und
den dann bereits geringeren Energiebedarf mit einer effizienten
Heizung decken und damit Energieverbrauch und CO2-Ausstoß weiter
senken.“
Einzel-Wärmepumpen-Heizsysteme wurden nicht näher betrachtet, da
aufgrund der fehlenden Flächenheizungen (z.B. Fußbodenheizung) die
für einen optimalen Betrieb notwendigen niedrigen HeizVorlauftemperaturen nicht gegeben sind. Auch müssen die Gebäude
um die Vorlauftemperaturen reduzieren zu können umfassend saniert
werden, da sonst die Arbeitszahlen der Wärmepumpen zu schlecht
werden. Desweiteren besteht die Gefahr, dass eine große Zahl von nah
beieinander liegenden Einzelwärmepumpen, die auf Grundwasser oder
Erdwärme zurückgreifen, sich gegenseitig beeinträchtigen könnten.
36
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
4.1
Einzellösungen
In diesem Kapitel werden Lösungen zur Heizungserneuerung für das
einzelne Gebäude betrachtet. Es werden die Vor- und Nachteile
aufgezeigt.
Gasbrennwertheizung
mit
zusätzlicher
Sonnenenergie durch Solarthermie
Nutzung
der
+
+
+
+
Hohe Effizienz und niedriger Schadstoffausstoß
günstige Anschaffungskosten
geringer Platzbedarf
Solarthermie kann während der Sommermonate den Warmwasserbedarf decken
-
hohe Brennstoffkosten
Gas ist fossiler, endlicher, nicht nachwachsender Rohstoff mit
bislang hohen,
jährlichen Preissteigerungen
Aufgrund niedriger Abgastemperaturen ist meist der Schornstein mit
einem
geeigneten Innen-Abgasrohr nachzurüsten
Gas-Hausanschluss erforderlich
Der Brennwerteffekt ist nur bei einem energetisch sanierten
Gebäude zur Gänze nutzbar. Je höher die Vorlauftemperaturen der
Heizungen sein müssen umso weniger kann der Effekt der
Brennwerttechnik genutzt werden.
kein KfW 55 und KfW 70-Standard erreichbar => geringere
Fördermittel
-
-
-
Pelletheizung und Solarthermienutzung
+ niedrigere Brennstoffkosten
37
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
+ die Holzpellets sind nachwachsender Rohstoff mit bislang
geringeren und
konstanteren, jährlichen Preissteigerungen
+ Solarthermie
kann
während
der
Sommermonate
den
Warmwasserbedarf decken
+ günstige Klimaschutztechnische Bewertung und daher auch höhere
Fördermittel (KfW 55 und KfW 70-Standard mit Pelletheizung
erreichbar)
-
meist ist der Schornstein mit einem geeigneten Innen-Abgasrohr
nachzurüsten
höhere Anschaffungskosten
größerer Platzbedarf für Heizung, und Brennstofflager im
ehemaligen Öllagerraum
Erneuerung der alten Heizung durch Kleinst-Blockheizkraftwerk
bzw. Nano-BHKW
Hinter dem Konzept der Kleinst-Blockheizkraftwerke steht die KraftWärmekopplung, d.h. Wärme und Strom werden gleichzeitig produziert
und daher der Energiegehalt des Brennstoffes optimal ausgenutzt. Die
Kraft-Wärmekopplung ist damit ein hoch effizientes Heiz- und
Stromerzeugungssystem.
38
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Die Nano-BHKW`s arbeiten auf Basis von Verbrennungsmotor oder
Stirlingmotor oder Brennstoffzellen und erreichen eine elektrische
Nennleistung von ca. 1 – 2,5 kW bei einer thermischen Leistung von
ca. 2 – 6 kW. Die thermische Leistung reicht nur bei sehr gutem
Energiestandard des Gebäudes aus und kann bei extremen
Außentemperaturen und hohem Warmwasserbedarf unter Umständen
zu knapp sein, sodass manche Hersteller bereits ein GasSpitzenlastkessel integriert haben.
Weitere Informationen mit einer Herstellerübersicht sind auf
http://www.bhkw-infothek.de zu finden. Wir haben diese auszugsweise
in der Anlage zusammengestellt.
+ Effizientere Ausnutzung des
Stromerzeugung)
+ Stromerzeugung für Eigenbedarf
+ keine Lagerfläche für Brennstoff
-
Energieträgers
(Wärme
und
relativ neue Technik
höhere Anschaffungskosten
kein regenerativer Brennstoff
4.2
Kleine Wärmeverbunde
Eine gemeinsame Heizung zusammen mit den direkten Nachbarn (z.B.
2-3 Häuser) ist denkbar mit folgenden Vor- und Nachteilen:
+ Effizienter und ökologischer als 1 Heizung pro Haus
+ günstigere Investitionskosten
+ geringere Betriebs- und Wartungskosten (Wartung, Kaminkehrer
etc.)
+ Platzersparnis
+ Rohrverteilung durch Keller möglich
-
Einigung und Regelung mit Nachbar erforderlich,
39
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
-
evtl. Grunddienstbarkeit
Zugänglichkeit aller Beteiligten ist zu regeln
Platzbedarf klären
Wärmemengenerfassung erforderlich
Heizkostenabrechnung erforderlich
Gemeinsame Pelletheizung mit Solarthermie
Als Hauptbausteine dieser Heizungsanlage sind das Pelletlager, die
Pelletheizung, der Pufferspeicher und die Solarkollektoren zu nennen.
Ggf. könnte bei diesem „Nachbarmodell“ das Pelletlager in einem
Gebäude und die Heizung mit Speicher etc. im Nachbargebäude
untergebracht werden. Jedes Gebäude des kleinen Verbundes würde
dann über einen eigenen Heizkreis mit
eigenem Wärmemengenzähler versorgt. Die Leitungsverlegung kann
ohne Grabarbeiten im Keller unter der Decke und durch die
Haustrennwand zu den Nachbargebäuden erfolgen.
Beispiel 3 Reihenhäuser mit 1 Heizung: 3 Umwälzpumpen mit je 1
Wärmemengenzähler und Wanddurchgang im Rohbauzustand
Gemeinsame Gas-Brennwertheizung mit Blockheizkraftwerk
(BHKW) zur Grundlastdeckung und Stromerzeugung
Wie 5.3.1, jedoch erfolgt die Wärmeerzeugung durch ein Mikro-BHKW
und einer Gas-Brennwertheizung. Hierbei ist auch ein Pufferspeicher
erforderlich.
40
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Mikro-BHKWs haben eine elektrische Leistung von 2,5 kW bis 15 kW
und geben gleichzeitig ungefähr gut die doppelte thermische Leistung
ab. Sie werden meist mit einem gasbetriebenen Verbrennungsmotor
betrieben.
Die Größe des BHKW`s ist unter technischen und wirtschaftlichen
Gesichtspunkten in einer Planung zu dimensionieren. Üblicherweise
erfolgt die Dimensionierung nicht zu groß um lange Laufzeiten übers
Jahr zu erreichen. Bei Spitzenlasten werden diese über eine
Gasbrennwerttherme abgedeckt.
4.3
Nutzung Sonnenenergie
Generell können nach Süden, Südost und Südwest ausgerichtete,
geneigte Dachflächen effizient für eine Nutzung der Sonnenenergie zur
Stromerzeugung
(Photovoltaik, kurz PV) oder Wärmeerzeugung (Solar-Thermie mit
Flach- oder Röhrenkollektoren) genutzt werden.
Die Dächer der Siedlung Ringstraße sind als Satteldächer mit einer
Neigung von ca. 35°ausgeführt. In den Dachflächen befinden sich je
eine Gaube und 1 kleines Dachflächenfenster. Der Kamin durchdringt
das Dach im Firstbereich. Oberhalb der Gauben hat die Dachfläche bis
zum First eine Ausdehnung von ca. 1,75 – 2,00m.
Neben und oberhalb der Gaube und Dachfenster sind ausreichende
Flächen für Photovoltaikmodule und thermischen Solarkollektoren
vorhanden.
41
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Freie Dachflächen für mögliche Solaranlagen
20 Häuser haben eine Süd-Ost bzw. Süd-West-Ausrichtung mit jeweils
einer Seite des Satteldaches für eine gute Solarnutzung. Die
Abweichungen von der optimalen Südausrichtung (ca. 29° bzw. 49°)
sind hinsichtlich der Minderung der Solarerträge akzeptabel (im
Sommerhalbjahr ca. 5%, im Winterhalbjahr ca. 10% bzw. 20%
Minderung).
Solarthermie
Bei 11 Häusern ist der First Nord-Süd ausgerichtet. D.h. die
Satteldachflächen sind nach Ost und West gerichtet. Bei einer aktiven
Solarnutzung sind aufgrund der fehlenden Südausrichtung nur
verminderte Solarerträge erzielbar. Da im Sommerhalbjahr lediglich mit
einer Ertragsminderung von ca. 10-15% zu rechnen ist, ist dennoch
eine Solar-Thermie-Nutzung zur Warmwasserbereitung möglich.
42
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Es ist sinnvoll eine Solaranlage für einen 4-köpfigen Haushalt zur
überwiegenden
Deckung
des
Warmwasserbedarfs
in
den
Sommermonaten ausgelegt, wofür Kollektorflächen von 8-10m²
ausreichen. Es lassen sich ca. 1.500 – 2.500 kWh bzw. ca. 150 – 250
Liter Öl pro Jahr einsparen. Das entspricht einer Einsparung von 650
kg CO2/a und Gebäude. Würde nur die Hälfte der Gebäude
Solarthermie nutzen entspräche das einer ungefähren Einsparung von
9.750 kg CO2/a.
Photovoltaik
Sofern die 20 Dachflächen mit Süd-Ost bzw. Süd-West-Ausrichtung mit
jeweils 10m² PV-Modulen belegt werden, können damit ca. 32.000 kWh
Strom/a
erzeugt
werden,
was
ca.
einem
Drittel
des
Gesamtstromverbrauches aller 31 Gebäude entspricht.
Aber auch die Ost- und Westdachflächen sind heute unter dem
Gesichtspunkt der Eigennutzung des erzeugten Stromes interessant.
1 kWh in Deutschland herkömmlich erzeugter Strom produziert in den
Kraftwerken 600 g CO2. Würden 32.000 kWh/a PV-Strom in der
Siedlung erzeugt würde damit 19.200 kg CO2 eingespart.
Es können sowohl einzelne PV-Anlagen auf jedem Dach mit eigenem
Wechselrichter
etc.
errichtet
werden,
als
auch
eine
Gemeinschaftsanlage. Die Gemeinschaftsanlage könnte z.B. durch
einen Betreiber wie die Energiegenossenschaft Fünfseeland (EGF)
errichtet und betrieben werden. Die Hauseigentümer werden
Genossenschaftsmitglied und verpachten Ihre Dachfläche an die EGF.
Die EGF tritt als Stromversorger auf und produziert ca. 1/4 bis ca. 1/3
des Strombedarfes selbst und kauft den Rest-Strombedarf zu. Die
Gemeinschaftsanlage hätte folgende Vor- und Nachteile:
+ geringere Investitionskosten durch Bündelung
+ Eigennutzungsanteil durch Gemeinschaftsanlage größer
+ dadurch auch Wirtschaftlichkeit besser
43
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
+
+
+
-
optionaler Batteriespeicher wirtschaftlicher
es muss sich nicht jeder selbst kümmern
ein Stromnetz ist bereits vorhanden
eigenes Gemeinschaftsstromnetz erforderlich z.B. durch Abkaufen
vom bisherigen Netzbetreiber
4.4
Nahwärmeversorgung für das gesamte Quartier,
Bei einer Gemeinschaftsheizung können die Einzelheizungen in den
Kellern entfallen. Die Wärmebereitstellung erfolgt über ein
Nahwärmenetz, das die zentral erzeugte Wärme verteilt und in jedem
Keller in einer kleinen Übergabestation an das Heizsystem im Gebäude
übergibt.
Im Rahmen des Konzeptes wurde beschlossen die Möglichkeit der
Nahwärme auszuweiten in die nähere Umgebung der Siedlung. Es wird
unabhängige Beratungen dazu für die Gemeinde geben um die
Wirtschaftlichkeit zu prüfen.
5.0
Aktionsplan für die Bürger
Energetische Sanierungsmaßnahmen sind für annähernd alle Gebäude
des Quartiers notwendig. Da gleichzeitig aufgrund des Baualters
sowieso Sanierungsmaßnahmen anstehen, ist es anzuraten die
Sanierungsmaßnahmen zu kombinieren. Da in den Häusern die
anstehenden Maßnahmen unterschiedlich sein können, ist es für den
Eigentümer hilfreich sich an nachfolgendem Sanierungsleitfaden mit
Checkliste auszurichten.
44
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
5.1
Sanierungsleitfaden für Hausbesitzer
Checkliste - Sanierungsablauf
Als Eigentümer kennen Sie Ihr Haus am besten und können bereits selbst
größere und kleinere Quellen der Energievergeudung ausfindig machen etwa eine veraltete Ölheizung oder ein ungedämmtes Dach. Auch
Gesundheitsgefahren wie Schimmelbefall gehören auf Ihre Liste.
Außenwände ungedämmt und nur
Im Haus zieht es
30cm stark
Die Räume werden nicht warm
Es gibt Schimmel in einzelnen
Räumen
Sie verbrauchen über 12 Liter
Heizöl/m² Wohnfläche im Jahr
Sie verbrauchen
Gas/m² im Jahr
Es gibt Fehlstellen im Außenputz
die repariert werden müssen.
Die Fassade muss neu gestrichen
werden.
Sind die Fenster älter als Baujahr
1990
Im Bereich großer
elemente zieht es.
Ist das Dach ungedämmt oder nur
gering gedämmt
Der Dachraum wird nicht warm im
Winter.
Sie
betreiben
eine
Zusatzheizung im Dachgeschoß.
Sind die Wohnräume unter dem
Dach im Sommer sehr heiß.
Sie haben eine ungedämmt Decke
zu einem kalten Dachraum.
Sie haben im Erdgeschoss kalte
Füße.
Die Kellerdecke ist ungedämmt.
Eine Dachterrassensanierung ist
erforderlich.
Der Grundriss muss angepasst
werden.
über
12
m³
Fenster-
Diese Anregungen zur ersten persönlichen Energieanalyse in ihrem Haus
geben Aufschluss auf anstehende und notwendige Sanierungs45
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
maßnahmen.
Das vorliegende Konzept stellt in Kapitel 4 Sanierungsmaßnahmen vor, die
speziell auf die Gebäude des Quartiers zugeschnitten sind. Auch
Energieeinspar-berechnungen, Sanierungskosten und Amortisationskosten
sind speziell für die Gebäude der Siedlung ermittelt.
Hier finden Sie den Ablauf einer Sanierung, von der Schwachstellenanalyse
über Handlungsempfehlungen und Finanzierung bis zur Bauüberwachung.
Energieberatung
Ein zertifizierter Energieberater/in kann sie zusätzlich zu einer
Wohnkomfort-maximierung, zu einer sinnvollen Sanierungsplanung und zu
möglichen Förder-programmen beraten.
Das Beantragen von Fördergeldern und zinsgünstigen Sanierungsdarlehen
(derzeitiger
Zinssatz 1%) kann ebenfalls von Energieberatern oder
Architekten durchgeführt werden.
Energetische Sanierungs-Maßnahmen / Bauliche Veränderungen
Nach der Beratung entscheiden Sie, welche Maßnahmen für ihr Gebäude
eine wirtschaftliche Lösung darstellen um Energie einzusparen. Notwendige
Instandhaltungsmaßnahmen und rein bauliche Veränderungen wie z.B.
Anbau eines Windfanges oder Veränderung von Fensteröffnungen werden
hier mit berücksichtigt.
Nach Festlegung aller Sanierungsmaßnahmen können die staatlichen
Förderungen für ihr Vorhaben konkret beantragt werden. Bei vorgesehenen
KfW-Förderungen müssen die baulichen Vorgaben der KfW-Bank
eingehalten werden und die Maßnahmen dürfen erst nach Erhalt des
Bewilligungsbescheides begonnen werden.
Förderungen durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhr (Bafa)
z.B.für Pelletheizungen und Solaranlagen, können nach erfolgter Leistung
beantragt werden.
46
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
Kostenaufstellung
Kostenangebote für die angedachten Sanierungsmaßnahmen können in
Eigenregie eingeholt werden, was aber in der Regel dazu führt das es sehr
schwierig wird die Angebote untereinander zu vergleichen. Ein beauftragter
Architekt erstellt eine Ausschreibung in der die Leistungen genau
beschrieben werden und so gut vergleichbar sind.
Kostenangebote für energetische Sanierung und altersgerechten Umbau
Kostenangebote für sonstige bauliche Maßnahmen
Kosten für Bauwasser, Strom, Gerüst, Baustellentoilette
Kosten für Planungsleistungen
Finanzierung / Fördermöglichkeiten
Zur Unterstützung der Finanzierung können zusätzlich zum Eigenkapital
eventuelle Fördermaßnahmen in Anspruch genommen werden. Für
größere Sanierungen ist entsprechend einer Sanierungsplanung auch eine
Finanzierungsplanung notwendig.
Klären welche Förderungen für ihre Maßnahmen zur Verfügung stehen.
(z.B. KfW-Bank, BAFA, Förderungen durch Gemeinde)
Wann muss ein Förderantrag gestellt werden.
Welche technischen Mindestanforderungen müssen erfüllt werden um die
Förderung zu erhalten.
Bei einer erforderlichen Kreditaufnahme muss evtl. das Grundstück belastet
werden. Es besteht aber häufig der dringende Wunsch der Eigentümer, ihre
Immobilie lastenfrei an die Erben zu übergeben. Daraus wiederum entsteht
dann der Gedanke im Alter keinen Kredit mehr zu bekommen. Hier
empfehlen wir unbedingt sich mit Erben zu besprechen.
Evtl. ist eine vorzeitige Überschreibung ein guter Weg bei der die
Finanzierung einer Sanierung dann mit Hilfe der Erben erfolgen kann, mit
47
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
dem großen Vorteil für die Erben, ein im Erbfall bereits saniertes
höherwertiges Gebäude zu übernehmen.
Evtl. ist auch eine Beteiligung der Erben an den Sanierungskosten denkbar,
die als kleine Miete abgezahlt werden kann.
Scheuen Sie den Weg des familiären Gespräches nicht, eine Sanierung ist
in der Sanierungsphase unangenehm. Diese ist aber schnell vorüber. Dann
aber können Sie in einem behaglichen Gebäude angepasst an das
Älterwerden gut leben.
Beauftragung von Handwerkern
Die Durchführung der Sanierungsmaßnahmen erfolgt durch, von Ihnen oder
ihrem Architekten, ausgewählte Handwerksbetriebe. Es erweist sich als
ratsam Referenzen der Firmen abzufragen.
Vertragsgrundlage nach BGB oder VOB Teil B
Ausführungsdetails und Pläne
Genaue Massenermittlung
Nochmal prüfen von Material, Farben, technischen Anforderungen,
Festlegen des Ausführungszeitraumes
Zahlungsbedingungen
Bauablauf
Eine qualifizierte Bauleitung sollte die ordnungsgemäße Umsetzung der
Maßnahmen überwachen.
Bauzeitenplan und Ausführungsdetails
Festlegen von regelmäßigen Vor-Ort-Besprechungen
Führen eines Bautagebuches
Evt. Abschließende Qualitätskontrolle durch Thermografie oder
Luftdichtigkeitstest
Abrechnung / Fördermittel abrufen
Den Abschluss bilden die Abrechnung der durchgeführten Leistungen und
48
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
das Einholen von bewilligten günstigen Krediten oder Förderzuschüssen.
Sind die Rechnungen nachvollziehbar und vollständig.
Nur mangelfreie Leistungen abrechnen
Der Bauabschluss
Zum Ende der Baumaßnahme gibt es noch ein paar Dinge an die gedacht
werden muss.
Nach EnEV muss der Handwerker nach Durchführung von energetischen
Sanierungsmaßnahme
unverzüglich
dem
Bauherren
eine
Unternehmererklärungen vorlegen die dieser 5 Jahre aufbewahren muss.
Bei neuer Heizung: Handwerker muss Nachweisformular über Erfüllung des
EEWärmeGesetzes vorlegen.
Mit Abschluss der Arbeiten müssen die Verwendungsnachweise für die
beantragten Förderungen eingereicht werden.
Energieausweis für das energetisch optimierte Gebäude
Genießen
Jetzt haben Sie viele Jahre ein behagliches Zuhause und die
Energiepreisentwicklung lässt sie kalt.
49
Integriertes Quartierssanierungskonzept / Siedlung Ringstraße
5.2
Weiterer Hinweis zu Garagenplätzen:
Die Garagenplätze befinden sich im Gemeinschaftseigentum der
Parteien die eine Garage haben.
Es wurde von den Anwohnern in den Bürgerversammlungen der
Zustand der Garagenhöfe als sehr sanierungsbedürftig beschrieben.
Der Teerbelagbedarf einer Reparatur und die Dächer sind teilweise
undicht. Desweiteren befindet sich in den Garagenhöfen kein Strom
und damit auch kein Licht. Dieses wird als ungünstig beschrieben. Die
Eigentümergemeinschaft ist nach Beschreibung der Anwohner nicht
aktiv und bildet für Sanierungen keine Rücklagen.
Wir empfehlen den Anwohnern dringend sich zu organisieren, sich bei
rechtlichen Fragen zu Eigentümergemeinschaften beraten zu lassen
z.B. durch eine Hausverwaltung. Eine Hausverwaltung kann auch die
Organisation der Rücklagenbildung sehr einfach für die Gemeinschaft
in die Hand nehmen. Sie erstellt jährlich einen Wirtschaftsplan und
beruft eine Versammlung ein, so dass die Garageneigentümer über die
Höhe ihrer regelmäßig zu zahlenden Rücklagen entscheiden können
und über den Stand informiert werden. Außerdem haben sie so
Gelegenheit über erforderliche Reparaturen zu diskutieren.
50
Herunterladen