Holzbau > Reportage Hundegger Abbundsystem vereinheitlicht Daten & Fakten Hundegger Gründung: Geschäftsführer: 120 Programmierjahre für Holzbau-CNC-Fertigung Standort: Ein wahres Mammutprojekt setzte Abbundspezialist Hundegger um. Alle acht Maschinentypen wurden auf ein System namens „Cambium“ gebracht. Acht Typen? Ja, der Abbund-Weltmarktführer präsentierte im Januar zwei neue Anlagentypen. Mitarbeiter: Sortiment: B äume unterscheidet von den meisten anderen Pflanzen, dass sie auch in die Breite wachsen können, nicht nur in die Höhe, wie etwa Gräser, Kräuter und sogar Palmen. Fichte, Buchen und Konsorten besitzen ein Kambium. Diese Zellschicht gibt nach innen Holzzellen und nach außen Borke ab. Sie ist also Grundlage der kompletten Holz verarbeitenden Industrie. Ein paar Wertschöpfungsstufen weiter ist der Abbund der finale Schritt vor der Holznutzung in Wänden, Decken und Dächern. Beim CNC-Abbund kommt zumeist eine Anlage von Hundegger, Hawangen/DE, zum Einsatz. Über die Jahre haben die Allgäuer eine beeindruckende Vielfalt auf den Markt gebracht: die klassische Abbundanlage K2i, die Speedcut SC-3 für den schnellen Zuschnitt, die SPM-2 als Konfektionieranlage für alle Holzwerkstoffe und die PBA für Massivholzplatten und Brettsperrholz. Von 17. bis 23. Januar wurden in Hawangen zwei neue Typen präsentiert. Diese Eier legende Wollmilchsoftware Wer die Hundegger-Maschinen in Augenschein nimmt, bemerkt zunächst massive Rahmen oder durchdachte Aggregate unter den blaugelben Abdeckungen. Unsichtbar, aber mindestens ebenso wichtig ist die Software in der Maschine und im Büro. Bislang hat Hundegger für jede Anlage eine eigene Steuerung programmiert. Acht Maschinentypen bedeuten acht Softwareversionen. Damit ist jetzt Schluss. In den vergangenen Jahren stellte die 20-köpfige Softwareabteilung ein komplett neues System auf die Beine, welches künftig auf allen Hundegger-Maschinen laufen wird. „In Cambium stecken bereits unglaubliche 120 Mannjahre Entwicklerarbeit“, schilderte Vertriebsgeschäftsführer Walter Fahrenschon bei den Innovationstagen. Angesichts des Ergebnisses zeigte sich Fahrenschon „glücklich und stolz. Wir werden in fünf Jahren auf die Cambium-Einführung zurückblicken und sagen: ,Hier hat für Hundegger eine neue Ära begonnen‘.“ Cambium hat den Anspruch, alle Aufgaben ab der Konstruktion ohne zusätzliche Schnittstellen zu übernehmen. Die Konstruktionsdaten kommen von einem der etablierten CAD-Softwareanbieter. Dann führt Cambium folgende Schritte durch: ››Geometrische Optimierung (Nesting) ››Berechnung der nötigen Bearbeitungszeit ››Simulation der Bearbeitung (auf Wunsch) ››Ansteuerung der Maschine Der Franz im Büro und an der Maschine Diese „Eier legende Wollmilchsoftware“ schafft laut Software-Entwicklungschef Manuel Stürminger den Spagat zwischen höchstmöglicher Automation und gleichzeitiger Anpassungsfähigkeit. Was das heißt, zeigt folgendes Beispiel: Eine Pfette wird als Teil eines Dachstuhls aus dem CADProgramm übernommen. Der Arbeitsvorbereiter (nennen wir ihn Franz) kann nun die erforderlichen Bearbeitungsschritte (zum Beispiel einige Kerven und Bohrungen sowie eine Schäftung) automatisch vorgeben lassen. Cambium schlägt vor, in welcher Reihenfolge und mit welchem Werkzeug die Arbeitsschritte erledigt werden. Dieser Vorschlag wird in der Regel ausreichen. Wenn Franz den Kappschnitt aber lieber geräumt und nicht gesägt haben will, kann er das jederzeit ändern. Manuell eingestellte Arbeitsweisen kann er abspeichern und bei Bedarf wieder aufrufen. Franz ist auch für die Bedienung der Hundegger-Anlage zuständig. Dort läuft dasselbe Programm wie im Büro. Als er den Auftrag aufruft, überrascht ihn eine Bohrung, die bei Pfetten eher unüblich ist. Der gelernte Zimmermann kann nun über Cambium direkt an der Maschine nachsehen, wo jedes Einzelteil im Dachstuhl platziert ist, und vergewissert sich, dass die Bohrung so in Ordnung ist. Was dann kommt, kennen die Hundegger-Kunden gut: Man drückt auf „Play“ und das Werk läuft. Alles viel flexibler Cambium wird künftig das komplette Hundegger-Sortiment ansteuern. Das sind neben den Bildquelle: Plackner Ganz genau schauten sich die Holzbauprofis die neuen Hundegger-Anlagen an haben bereits die neue Softwaregrundlage „Cambium“, welche ebenfalls bei den Innovationstagen den über 1000 Besuchern nähergebracht wurde. 1978 Hans Hundegger, Otto Nothelfer, Walter Fahrenschon, Hans Schillmeier Hawangen/DE, weltweit 26 Niederlassungen und Vertretungen 400, davon 300 in Hawangen Abbundanlagen, Zuschnitt, Portalbearbeitungsanlagen, Plattenkonfektion, Hobelmaschinen, MHM- u. PHE-Linien Vertriebsgeschäftsführer Walter Fahrenschon beantwortete Fragen zum Cambium, einem System, worüber er „stolz und glücklich“ ist 22 H o l zk u r i e r 06 • 07.02. 2013 Unternehmensgründer Hans Hundegger (2. v. re.) und Arno Gaggl (1. v. re), Repräsentant von Hundegger in Österreich, im Gespräch Reportage > Holzbau Mit größtem Interesse verfolgten die Besucher der Hundegger-Innovationstage die Präsentationen – in Summe kamen über 1000 Gäste nach Hawangen Abbund- und Zuschnittanlagen auch die Mechanisierungslösungen sowie die Massiv-Holz-Mauer-Fertigungslinie und die Profilholz-Elementenlinie. Anstatt acht Maschinen- und zahlreiche Dateitypen pflegen zu müssen, konzentrieren sich die Entwickler nun allein auf Cambium. Die existenten „Einzelstab-Konstruktionsprogramme“ der bestehenden Anlagen werden indes natürlich weiter gepflegt. Reihe von Vorteilen Die Vereinheitlichung hat für die Anwender eine Reihe von Vorteilen. Die Implementierung einer zweiten Hundegger-Anlage ist nun wesentlich einfacher, weil die Bedienung gleich bleibt. Mitarbeiter sind flexibler einsetzbar, weil die AV mit demselben Programm arbeitet wie der Bediener an der Anlage (s. das Beispiel von Franz). Der Austausch von Anlagen ist softwareseitig kein Problem mehr. Und: „Updates können nun viel schneller umgesetzt werden“, versprach Stürminger beim Vortrag während der Innovationstage. Mammutaufgabe bewältigt Mit 4400 installierten Anlagen besitzt Hundegger eigenen Angaben nach einen beeindruckenden Weltmarktanteil von über 90 % beim CNC-Abbund. Trotzdem war die Entwicklung von Cambium eine „Mammutaufgabe“, wie Technikvorstand Hans Schillmeier sagte. Es hat sich aber gelohnt. Die Vielfalt der Hundegger-Anlagen wächst nämlich ständig. So wurde etwa die Abbundanlage „Robot-Drive“ (s. Kasten re.) anlässlich der Innovationstage präsentiert. Zudem war ein Prototyp der „PBA-Drive“, eines Bearbeitungszentrums für BSP mit fixem Portal und höherer Kapazität als die klassische PBA, im Einsatz zusehen. Die neuen Hundegger-Anlagen werden bereits mit Cambium ausgeliefert. Abhängig vom Typ kann das System auch nachgerüstet werden. Um die wachsende Zahl von Cambium-Nutzern zu vernetzen, organisiert Hundegger ab dem III. Quartal regionale Anwendertreffen. hp ‹ „Was ist denn das?“, fragten sich manche einer angesichts der neuen „PBADrive“, die BSP-Platten erstmals mit einem stehenden Portal bearbeitet Ganz schön kompakt: Nur drei Meter lang ist der Arbeitsbereich der neuen Robot-Drive-Stababbundanlage von Hundegger Günstiger Alleskönner auf wenig Platz „Robot-Drive“ heißt die neue Stababbundanlage von Hundegger. Die Maschine sei ideal für Holzbaubetriebe, deren Hauptinteresse in hoher Flexibilität mit nahezu unbegrenzten Bearbeitungsmöglichkeiten liegt, beschreibt der Hersteller. Die Robot-Drive besticht mit kompakten Ausmaßen. Die Bearbeitungskabine findet auf nur drei Metern Platz. Bei einer maximalen Holzlänge von beispielsweise 10 m ein- und ausgangsseitig braucht die Anlage nur 23,7 m Hallenlänge. Die Tiefe hängt von der Type ab. Hundegger bietet die Robot-Drive in drei Ausführungen an (der Mindestquerschnitt liegt bei allen drei Anlagen bei 2 mal 6 cm): ››Robot-Drive 450 für Querschnitte bis 30 mal 45 cm ››Robot-Drive 625 für Querschnitte bis 30 mal 62,5 cm ››Robot-Drive 1250 für Querschnitte bis 30 mal 125 cm Herzstück der Anlage ist ein Sechsachs-Roboterarm. Dieses „RobotAggregat“ besitzt eine Spindel mit 12 kW Leistung, die bis 12.000 U/min drehen kann. Ja nach Bearbeitungsvorgabe wählt die CNC-Anlage aus einem der 16 Werkzeuge mit einer Länge von bis zu 295 mm aus. Mittels eines HSK-63-F-Spannfutters werden Sägeblätter, Bohrer, Finger-, Scheiben-, Schwalbenschwanz- und Walzenfräser, aber auch Markierstifte zur Bauteilbeschriftung gefasst. Erstmals ist damit eine CNC-Bearbeitung auf allen sechs Bauteilseiten ohne Umkanten möglich. Ein etwaiger zweiter Durchlauf ist ebenfalls unnötig. Der Roboterarm ist so konstruiert, dass er über und unter dem Stab positioniert werden kann. Die Hölzer „schweben“ im Bearbeitungsbereich frei. Um trotzdem höchstmögliche Präzision zu gewährleisten, gibt es auf der Ausgabeseite einen verfahrbaren Tisch. Der klemmt den Holzstab möglichst nah an der Bearbeitungsstelle und verhindert damit ein Durchbiegen oder Vibrationen. Eine echte Innovation ist das zum Patent angemeldete Vorschubsystem „HMC“. Sensoren erfassen in Echtzeit die Position des Werkstücks. Durch die präzise Überwachung können Walzen verwendet werden. Das spart Platz und ist vom Handling her schonend. Da auch nicht mehr umgekantet wird, gehören unschöne Druckstellen auf dem Holz der Vergangenheit an. Hundegger-typisch kann die Leistung der Robot-Drive mit optionalen Aggregaten erhöht werden. Ein von oben arbeitendes FünfachsSäge-/Schlitz-/Markieraggregat führt mit dem 800 mm-Sägeblatt Bearbeitungen aus, während sich der Roboterarm gleichzeitig mit dem nächsten Werkzeug ausstattet. Bohrungen für Sparrennägel, Plattenaufdoppelungen und Ähnliches können bis zu zwei optional erhältliche Horizontal-Bohraggregate ohne Werkzeugwechsel erledigen. Lösungen für Holzhandling (Einförderautomatik, hydraulischer Hubtisch, Holzablage) und die Restholzentsorgung komplettieren die Robot-Drive. ‹ H o l zk u r i e r 06 • 07.02. 2013 23