Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Architekten Kollektiv AG schnebli menz sam architekten und partner ag giuliani.hönger ag Martin & Elisabeth Boesch burkhalter sumi architekten Suter • von Känel • Wild • AG Orts- und Regionalplaner FSU sia Baumackerstr. 42 Postfach 8050 Zürich Telefon 044 315 13 90 Fax 044 315 13 99 [email protected] 34083 – 19.6.2007 Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Inhaltsverzeichnis 1. Verfahren 1.1 Ausgangslage 1.2 Zielsetzung 1.3 Verfahren 3 4 4 2. Aufgabe 6 3. Projekte 8 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.6 Überblick Architekten Kollektiv AG schnebli menz sam architekten und partner ag giuliani.hönger ag Martin & Elisabeth Boesch burkhalter sumi architekten 4. Gesamtwürdigung und Empfehlungen 4.1 4.2 4.3 4.4 Gesamtwürdigung und Dank Planungsstrategie Gesamtkonzept Weiteres Vorgehen 5. Genehmigung 2 3 Suter • von Känel • Wild • AG 8 10 15 20 27 34 39 39 39 40 47 49 Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums 1. Verfahren 1.1 Klärung baurechtliche Rahmenbedingungen Ausgangslage Die Post und die Sulzer Immobilien AG als Eigentümerinnen des Areals Lagerplatz wollen gemeinsam mit der Stadt Winterthur das Areal soweit entwickeln, dass die baurechtlichen Rahmenbedingungen neu formuliert werden können. In einem ersten Schritt wird eine Testplanung durchgeführt. Eine überzeugende städtebauliche Idee für das Gesamtareal soll als Grundlage für die Anpassung der Bau- und Zonenordnung dienen. Zudem können aus dem Gesamtkonzept die Vorgaben für eine Weiterentwicklung der verschiedenen Überbauungsprojekte definiert werden. Das Areal Lagerplatz liegt zwischen der Bahnlinie und dem Strassenzug Zur Kesselschmiede / Tössfeldstrasse 3 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums 1.2 Umfassendes städtebauliches Gesamtkonzept Zielsetzung Es ist ein umfassendes Gesamtkonzept für das Areal Lagerplatz unter Berücksichtigung folgender Gesichtspunkte aufzuzeigen: • • einer überzeugenden Grundhaltung einer städtebaulich vertretbaren baulichen Dichte • einer urbanen Mischnutzung und der entsprechenden optimalen Nutzungsverteilung eines angemessenen Wohnanteils der denkmalpflegerischen Vorgaben eines attraktiven Freiraums einer optimaler Erschliessung einer zweckmässigen Etappierung • • • • • Erweiterung ZHW Innerhalb des Areals Lagerplatz ist im Rahmen des Gesamtkonzeptes die Möglichkeit der Erweiterung der Zürcher Hochschule Winterthur (ZHW) nachzuweisen. 1.3 Beurteilungsgremium 4 Verfahren Die Post: Manfred Jakob, Leiter Projektmanagement Alex von Teufenstein, dipl. Architekt ETH, Projektentwicklung Sulzer Immobilien AG: Martin Schmidli, Geschäftsführer Walter Muhmenthaler, dipl. Architekt ETH, Projektentwicklung Stadt Winterthur: Ernst Wohlwend, Stadtpräsident Kanton Zürich: Christoph Hänseler, Baudirektion Fachleute: Martin Spühler, dipl. Architekt BSA/SIA (Vorsitz) Beat Jordi, dipl. Architekt BSA/SIA Guido Hager, dipl. Landschaftsarch. BSLA Experten Stadt Winterthur: Reto Bieli, Denkmalpflege Michael Hauser, Stadtbaumeister Dr. Fridolin Störi, Leiter Baupolizeiamt Mark Würth, Stadtentwicklung Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Teilnehmer • • • • • Architekten Kollektiv AG, Winterthur schnebli menz sam architekten und partner ag, Zürich giuliani.hönger ag, Dipl. Architekten ETH-BSA-SIA, Zürich Martin & Elisabeth Boesch, Architekten ETH SIA BSA, Zürich burkhalter sumi architekten, ETH BSA SWB SIA, Zürich Verfahrensbegleitung Suter • von Känel • Wild • AG: Alwin Suter, Caroline Traber und Reto Wild Ablauf Die Teilnehmenden stellen dem Beurteilungsgremium an der Zwischenbesprechung die geprüften Lösungsansätze und an der Schlussbesprechung den aufgrund der Beurteilung vertieft bearbeiteten Lösungsansatz vor. Folgerungen Das Beurteilungsgremium erarbeitet aufgrund der Gesamtkonzepte, der Diskussionen und der Würdigungen der einzelnen Beiträge die Empfehlungen an die Entscheidungsträger. 5 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums 2. Aufgabe Gesamtkonzept Es ist ein städtebaulich überzeugendes Überbauungs- und Freiraumkonzept mit tragender Gesamtidee zu erarbeiten, welches im Hinblick auf eine künftige Neuzonierung die folgenden Themen behandelt: Bauliche Dichte Es ist eine bauliche Dichte vorzuschlagen, welche den teilnehmenden Teams als angemessen erscheint. Der Richtwert der Ausnützung liegt bei 200%, wobei der Spielraum 150% - 250% beträgt. Der zentralen Lage und der Richtplanfestlegung „Zentrumsgebiet von kantonaler Bedeutung“ ist Rechnung zu tragen. Bebauung Bauten entlang des SBB-Areals sind "unter Übernahme der bestehenden Volumen" zu erstellen. Das Erscheinungsbild mit den grossflächigen, geschlossenen Fassaden gegen die SBB ist für neue Bauten wegleitend. Höhere Gebäude sind jedoch nicht ausgeschlossen und sind im Rahmen des Gesamtkonzeptes zulässig. Die industrielle Prägung des Areals muss erkennbar bleiben, soll aber in einer modernen, den neuen Nutzungen entsprechenden Form interpretiert werden. 6 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Nutzungen Im Areal Lagerplatz wird ein urbanes, bahnhofnahes Mischquartier angestrebt. Von besonderer Bedeutung sind die Anordnung der verschiedenen Nutzungen und die Einbindung der Option ZHW ins Gesamtgefüge. Wohnungen und Büros mit grosser Attraktivität an geeigneter Lage sind zu schaffen, wobei eine flexible Wohn- und Büronutzung vorhanden sein muss. Der minimale Wohnanteil beträgt 30%. Die Erdgeschosse sind nutzungsflexibel für Verkauf, Dienstleistung, Gastronomie, Wohnatelier usw. zu gestalten. Auch kleinteilige Nutzungen wie Kleinbetriebe sollen weiterhin ihren Platz im Areal Lagerplatz haben. ZHW Die aktuelle mittelfristige Standortplanung der ZHW beabsichtigt, die Departemente Architektur und Bauingenieurwesen und Gesundheit sowie das Rektorat und die Verwaltung der Fachhochschule im Areal Sulzer Stadtmitte anzusiedeln. Mit einem Baubauungsnachweis ist darzulegen, wie eine Mischnutzung mit und ohne die Bauten der ZHW erreicht werden kann. Anhand des Richtraumprogrammes ist die Organisation der einzelnen Departemente der Fachhochschule aufzuzeigen. Eine mögliche etappenweise Realisierung der einzelnen Departemente ist darzustellen. Freiraum Es sind genügend, möglichst zusammenhängende und gut nutzbare Freiräume in Form von belebten und weitgehend verkehrsfreien Aussenaufenthaltsbereichen zu gestalten. Die Freiräume müssen an publikumsorientierte Nutzungen grenzen oder dem Wohnen zugeordnet sein. Insgesamt ist eine Freifläche von 20% der Arealfläche zu erstellen. Erschliessung und Parkplätze Die Zufahrt ins Areal Lagerplatz hat an maximal 2-3 Bereichen entlang der „Zur Kesselschmiede“ zu erfolgen. Der Lagerplatz hat gut zugänglich zu sein und die Durchlässigkeit sowie Anbindung an angrenzende Quartiere ist sicherzustellen. Die Aussenräume sind möglichst verkehrsfrei zu gestalten. Die Parkierungsanlage ist weitgehend unterirdisch anzuordnen. Die Zufahrten zu den Unterniveaugaragen sollen nahe bei der Arealzufahrt liegen. Etappierung / Baufelder (Verkaufseinheiten) Es ist aufzuzeigen, in welchen Etappen (Bauten und Baufelder) die Umnutzung des Areals Lagerplatz erfolgen kann. 7 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums 3. Projekte 3.1 Überblick Die fünf Projekte zeigen fünf unterschiedliche Ansätze auf. Die Projektreihenfolge entspricht dem Ablauf der Präsentationen und ist nicht wertend. Architekten Kollektiv AG Nutzflächen Geschossfläche (PBG) total Ausnützung (Arealfläche: 46'363 m2) Wohnungen Wohnanteil Publikumsorientierte Nutzungen Anteil publikumsorient. Nutzungen ZHW Nutzflächen (NF) SIA 416 Geschossflächen (GF) SIA 416 Verhältnis GF/NF Hochhäuser Anzahl / Höhe Lage Parkplätze 8 schnebli menz sam architekten und partner ag 93’147 m2 201% 103'310 m2 223% 30'300 m2 33% 4’747 m2 10% 31'412 m2 30% 4'672 m2 10% 20’196 m2 29’883 m2 68% 21'600 m2 33'269 m2 65% - - 816 868 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums giuliani.hönger ag Martin & Elisabeth Boesch burkhalter sumi architekten 93'797 m2 202% 34'186 m2 36% 12'231 m2 26% 93’028 m2 201% 28’719 m2 31% 7’973 m2 17% 99’436 m2 214% 35’752 m2 36% 1’987 m2 4% 19'950 m2 32'075 m2 62% 22’084 m2 30’654 m2 72% 23’600 m2 32’595 m2 72% 1 / 43m ehem. ZHW 1 / 28.10 m im Kopfbereich am Gleis 1 / wahlweise 25m, 60m, 90m im Kopfbereich 630 751 565 9 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums 3.2 Architekten Kollektiv AG Verfasser Architekten Kollektiv AG Obergasse 15 8400 Winterthur Beschrieb Das Herz der „Kleinstadt Lagerplatz“ – die Lagerhäuser entlang der Strasse und in der Arealmitte – mit den kleinmassstäblicheren Bauten, engen Gassen und Plätzen wird erhalten. Die Erscheinung gegen die Bahn soll weiterhin durch Grosskörper geprägt sein. Ein neues Gebiet mit Wohnbauten formuliert den Übergang vom Industrie- zum Wohnquartier. 10 Suter • von Känel • Wild • AG Markus Jedele Jozsef Kisdaroczi Peter Wehrli Sandrine Haeberli Martin Kisdaroczi Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Städtebau / Nutzung Die umgenutzten Bauten entlang der Strasse „Zur Kesselschmiede“ sowie die parallel liegenden Bauten und Nutzungen in der Arealmitte sollen erhalten und weiterentwickelt werden. In der Arealmitte liegen die publikumsorientierten Nutzungen. An die Stelle der Halle 193 bei der Wylandbrücke treten zwei Winkelbauten von 25m Höhe mit einem Hof. Die Grundrisse sind als Zweispänner konzipiert, wobei unterschiedlich grosse Mietflächen definiert werden können. Der Wohnanteil wird im südwestlichen Arealteil konzentriert. Die rund 225 Wohnungen sind in fünf Blocks, die ihrerseits aus zwei Gebäuden bestehen, angeordnet. Nach aussen bilden diese einen geschlossenen Körper, innen umschliessen sie einen halbprivaten Hof. Die Ess- und Wohnbereiche sowie die Loggien der Wohnungen sind auf die Höfe orientiert. Freiraum Die Abfolge von Gassen, die sich verengen oder aufweiten und die Plätze prägen das Areal. Im ganzen Areal wird ein Asphaltbelag von Fassade zu Fassade vorgesehen. Die ins Areal führenden Schienenstränge bleiben erhalten. Die halbprivaten Wohnhöfe sind gekiest und mit Birken bestockt. Entlang dem Gleisfeld bleibt ein Industriegeleise mit einigen umfunktionierten Bahnwagen, die als „Möblierung“ verschiedenen Zwecken dienen, erhalten. 11 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Materialisierung Für die grossen Neubauten entlang der Bahn wird eine mit Backstein ausgemauerte Stahlkonstruktion vorgeschlagen. Die Unterscheidung von Grossbauten und Wohnbauten erfolgt durch die Farbe des Backsteins. Die Aufstockung der Halle 181 soll mit einer Beton- / Backsteinkonstruktion erfolgen. Erschliessung und Parkierung Die Autos werden an den beiden Arealenden direkt in die beiden Tiefgaragen geführt. In den grösseren Gassenräumen und auf den Plätzen sind Parkplätze vorgesehen. In den schmalen Gassen sind nur Güterumschlag und die Notzufahrt möglich. ZHW Die ZHW wird in den vier Gebäudeschiffen (drei Längsschiffe und ein Anbau zur Bahn) der Halle 181 untergebracht. In der Aufstockung und der Erweiterung der Halle 181 werden die Unterrichtsräume der beiden Departemente angeordnet. Neben der grossen Eingangshalle liegen die Hörsäle. Das Departement Gesundheit erhält im ältesten Hallenschiff einen eigenen Gebäudeteil, welcher um vier Geschosse aufgestockt wird. Die Arbeitsräume des Departements Architektur liegen auf zwei Galeriegeschossen über den Hörsälen und die Unterrichtsräume sowie das Rektorat und die Verwaltung im Neubau. Alternative Nutzung ZHW Der Neubau gegen den Platz und die Büroräume entlang der Bahn eignen sich als Dienstleistungs- und Büroräume. Im Hallenschiff könnten Freizeitangebote mit grossem Platzbedarf wie Volleyball-, Badminton- und Kletterhalle untergebracht werden. 12 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Würdigung Städtebau / Architektur Auf Grund einer umfangreichen und sorgfältigen städtebaulichen Analyse entwickelten die Verfasser ein Konzept mit vier Teilgebieten. Quartierprägend spielen die integrale Erhaltung der Zeilenbauten "Zur Kesselschmiede" sowie die dahinterliegenden Hallenbauten eine wesentliche Rolle. Die Weiterentwicklung der bisherigen Nutzung ergänzt mit öffentlichen Betrieben macht an diesem zentralen Ort Sinn. Die etwas starre Haltung mit dem Verzicht von Neubauten in diesem Gebiet hat den Nachteil, dass volumetrisch keine Übergänge und Präzisierungen stattfinden können. Im Gegensatz dazu gelingt es, mit den fünf Blockrandbauten am Westrand vielfältige Beziehungen herzustellen. Mit der gelungenen Neuinterpretation der Wohntypologie des Tössfeldquartieres und der Verschränkung mit den Bauten im Osten findet ein allseitiger Dialog statt. Die Hochparterrelösung mit den Blockrandöffnungen lässt eine hohe Wohnqualität erwarten. Auch wenn eine klare und angenehme Wohnsituation entsteht, ist die Reduktion der imposanten Silhouette längs den Gleisen ein Verlust. Mit viel Verständnis für die Industriearchitektur wird die Halle 181 sehr geschickt für die ZHW genutzt. Der viergeschossige Aufbau über der Halle und der im Osten angedockte Neubau bilden eine attraktive Collage Alt – Neu. Überraschend ist der Nachweis, wie sich die komplexe Struktur auch für Dienstleistungsnutzungen eignet. Zwei hohe abgewinkelte Baukörper bilden bei der Wylandbrücke den Auftakt zum Lagerplatzareal. Durch ihre Stellung und Massigkeit können sie städtebaulich nicht überzeugen. Die grossen Gebäudetiefen sowie der enge Hofraum ermöglichen keine Nutzungsflexibilität. Die zwei lateralen Einfahrtsrampen in die beiden Parkhäuser beruhigen das gesamte Lagerplatzareal. Es bleibt ein dichtes Netz für Fussgänger und Fahrradfahrer gemischt mit moderatem Anlieferungsverkehr. Die drei- bis viergeschossigen Parkhäuser werden sinnvollerweise unter den Neubauten angeordnet. Bei der Zufahrt im Osten bleibt die Frage von Konflikten mit den Fussgängern unbeantwortet. Die Aufteilung in zwei Parkhäuser erlaubt einen flexiblen Ablauf der einzelnen Etappen. 13 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Den Verfassern ist es mit Ausnahme der neuen Dienstleistungsbauten gelungen, die einzelnen Quartierteile überzeugend zu entwickeln und einen entsprechenden Arealcharakter aufzubauen. Leider vermag städtebaulich durch die starke Isolierung der einzelnen Teilgebiete die Gesamtanlage trotz einheitlicher Materialisierung nicht zu überzeugen. Freiraum Die vorgeschlagene Freiraumstruktur ist vordergründig einfach und bestechend: Die originalen Beläge mit den Bahnschienen werden im urbanen Bereich belassen, die Wohnhöfe werden als Schotter- und Kiesbelag mit Birken und Sukzessionsgrün leicht erhöht hergestellt und zu den Bahngleisen hin bildet ein stillgelegtes Gleis mit Spiel-Bahnwagen den Abschluss. Im urbanen Bereich wird es schwierig sein, bei den Neubauten die alten Beläge und Gleise zu halten. Sie müssten allenfalls aufwendig rekonstruiert werden. Zudem wirkt die Asphaltbelagsfläche ohne jedes Grün enorm gross. Die angestrebte Urbanität der Belagsfläche wird mit der weitgehend fehlenden Erdgeschossnutzung kaum einzulösen sein. Das Sukzessionsgrün der Wohnhöfe ist dazu nicht ein wirklicher Gegensatz, sondern wird bei einer intensiven Nutzung eher als schütter begrünte, ungepflegte Schotterfläche in Erscheinung treten. Die Trennung des neuen Stadtteils vom Gleiskörper durch Spielbahnwagen mutet romantisch an und dürfte dem selbstbewussten städtischen Auftritt kaum gerecht werden. ZHW Die Situierung der ZHW im Innern des Lagerplatz-Areals ist im Rahmen der Grunddisposition des Vorschlags folgerichtig und prinzipiell auch aus Sicht der Schule denkbar. Die umgebaute und partiell aufgestockte Halle 181 präsentiert sich zusammen mit dem neuen Anbau als spannungsvolle Schulanlage mit vielfältig nutzbarem Raumangebot. Investorenfreundlichkeit Das Ausnützungsmass liegt in der Grössenordnung des Ausnützungsrichtwertes. Die klare Segmentierung und räumliche Aufteilung der Nutzungen (Wohnen, Schule und Dienstleistungen) mit den entsprechenden spezifischen Gebäudetypologien schränkt die Nutzungsflexibilität ein. Durch diese räumliche Aufteilung ist die Etappierbarkeit bezüglich Nutzung erschwert resp. es kann nicht auf Marktbedürfnisse reagiert werden. Beispielsweise werden im Moment eher Wohnungen gesucht, diese könnten jedoch erst nach der Verlegung der Hochschule erstellt werden. Die dargestellten Volumen versprechen pro Nutzungsart beziehungsweise Baufeld eine ökonomische Bauweise. 14 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums 3.3 Verfasser schnebli menz sam architekten und partner ag Städtebau/Architektur: schnebli menz sam architekten und partner ag Hardturmstrasse 175 8037 Zürich Dolf Schnebli Davide Servalli Nadine Zietlow Freiraum: Atelier Girot, Gockhausen Christophe Girot Akustik / Lärmbekämpfung: Braune Roth AG, Binz Bernhard Braune Beschrieb Es ist die Gesamtidee, ein städtisches Quartier zu entwerfen, das mit neuen Bauten die Geschichte des Ortes respektiert. Städtebau / Nutzung Es sind drei Hofrandgebäude, ein Solitärbau und eine Zeile längs der Zur Kesselschmiede vorgeschlagen. Die Gebäude sind so konzipiert, dass in allen Erdgeschossen und im ersten Obergeschoss publikumsorientierte Nutzungen angesiedelt werden können. In den unteren Geschossen der Hofrandgebäude im Bereich der Halle 181 und der Halle 180 sind Dienstleistungsflächen vorgesehen, die auch kleinteilig genutzt werden können. 15 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Die einseitig orientierten Wohnungen in den oberen Geschossen des Hofrandes "181" werden durch einen Laubengang direkt erschlossen. Im Hofrand "180" sind Zweispänner-Wohnungen angeordnet. Alle Gebäude haben den Wohnungen zugeordnete, frei vermietbare oder öffentliche Dachgärten. Gegen die Bahnlinie dienen geschlossene Laubengänge der Erschliessung der zur Westseite hin natürlich belüfteten Räume. Der quadratische Solitär im Bereich der Halle 194 ist für öffentliche Nutzungen vorgesehen. Das Erdgeschoss ist offen und dient als wettergeschützter Teil des grossen Platzes. Das schlanke, lange Gebäude längs der Strasse „Zur Kesselschmiede“ ist zweiteilig. Der nördliche Teil wird durch Laubengänge erschlossen. Damit wird im Erdgeschoss die Ein- und Ausfahrt für die Unterniveaugarage ermöglicht. In den obersten Geschossen liegen Duplex-Wohnungen mit direkter Verbindung zum Dachgarten. Im südlichen Zeilenteil sind in den Obergeschossen Drei- und Vierzimmer-Wohnungen angeordnet. Die ehemalige Portierloge soll denkmalpflegerisch wieder hergestellt werden als Kiosk genutzt werden. Materialisierung Über der Tiefgarage wird eine Ausgleichsdecke vorgesehen. Darüber werden in allen Gebäuden im Betonskelette für die Dienstleistungsebenen und Tragwände für den Wohnungsbau vorgeschlagen. Die Aussenwände sind zwei Schalenkonstruktionen mit heller Backsteinverkleidung. 16 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Erschliessung und Parkierung Die oberirdische Anlieferung erfolgt über eine Zufahrt entlang der Bahnlinie. Ansonsten ist das Areal verkehrsfrei. Die Zufahrten zur Tiefgarage befinden sich im Bereich der Jägerstrasse und in der Zeile "Zur Kesselschmiede". Freiraum Als Bodenbeläge werden Asphalt, Beton und Elemente der rückgebauten, bestehenden Bauten in verschiedenen Varianten vorgeschlagen. Die Entwässerung soll durch offenliegende Rigolen erfolgen. Das Regenwasser fliesst durch das Hofrandgebäude im Südwesten in den versenkten Betontrog, in dem ein „Wald“ aus Eschen, Vogelkirschen, Glyzinien und Robinien wächst. ZHW Die ZHW wird im Bereich der Halle 193 erstellt. Die Departemente Architektur und Gesundheit könnten einzeln gebaut werden, was gemäss Verfasser aber nicht vorteilhaft wäre. Die Erschliessungskorridore an der Ostfassade dienen dem Schallschutz. Der Vorplatz zum Haupteingang wird definiert durch den Zeilenbau und das Portico auf der Westseite des ZHWGebäudes. Alternative Nutzung ZHW Anstelle des ZHW-Gebäudes könnte ein den andern Hofrandgebäuden analoges Gebäude verwirklicht werden. 17 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Würdigung Städtebau / Architektur Ein radikaler Neubeginn auf dem Lagerplatzareal ist die tragende Idee des Projektes. Im Sinne einer "Città Ideale" wird ein klassisches homogenes Quartier aufgebaut. Mit Ausnahme der Grossmassstäblichkeit werden keine Erinnerungen an die ehemaligen Nutzungen und Freiräume gesucht. Die Arbeit zeichnet sich als ein präzises, sorgfältig bearbeitetes Projekt aus und geht weniger auf einen Planungsprozess mit grossen Unbekannten ein. Neben der einheitlichen Materialisierung werden die Spielregeln im Aufbau des Schnittes gemacht. Generell bleibt das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss für Dienstleistungen reserviert und gewohnt wird, mit Ausnahme der ZHW, ab dem zweiten Obergeschoss. Wieso diese Trennung von den Arkaden nicht übernommen wird, ist bei der Grösse des Baukörpers unverständlich. Attraktiv gewertet wird der Vorschlag einer Nutzung aller Dachflächen für die Wohnungen. In einer ersten Etappe besetzen die ZHW und ein Ersatzbau Kesselschmiede das Gelände bei der Wylandbrücke. Mit der Erhaltung des Kiosks und dem Vermeiden einer Einfahrtsrampe entsteht eine attraktive Eingangssituation und ein guter Auftakt zum neuen Quartier. Die Fachhochschule erhält mit den zwei Innenhöfen eine sinnvolle Organisation und könnte auch als Dienstleistungsgebäude genutzt werden. Mit dem Realisieren des ersten Teiles der Kesselschmiedezeile gelingt es die Einfahrtsrampe ins Gebäude zu integrieren und eine grosszügige Einstellhalle zu bauen. Das Gelände im Westen steht nun zur Realisierung der zweiten Etappe zur Verfügung. Die Öffnung des Blockrandes im Erdgeschoss in Richtung Hauptplatz entspricht der städtebaulichen Setzung. Die durchgehende Zäsur gegen Westen bleibt aus lärmtechnischen Überlegungen unverständlich. Auf Grund der Tiefgarage wäre es sinnvoll, das Hofrandgebäude, die Vervollständigung der Kesselschmiedezeile und den Solitärbau gemeinsam in einer dritten Etappe zu realisieren. Die grossflächige Nutzung eines Teiles des Hofrandgebäudes trägt zur Identifikation bei und ergänzt mit dem Grossverteiler das Nutzungsangebot. Mit der Anlieferungsstrasse entlang den Gleisen sind bei allen Bauten die Ver- und Entsorgungen gewährleistet. Entsprechend dem traditionellen Bautyp einer "Loggia dei Sulzer" wird das Gebäude im Erdgeschoss offen gehalten und in den oberen Geschossen öffentlich genutzt. Ob der fehlende Aussenraum eine Nutzung von Kindergarten und 18 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Hort zulässt ist fraglich. Die Legitimation erhält dieses wichtig schräg gestellte Volumen nur durch die Geschichte der Architektur. Das bis ins kleinste Detail sorgfältig ausgearbeitete Projekt stellt mit seiner hohen Dichte und absolut autonomen Haltung einen wichtigen Diskussionsbeitrag dar. Der Städtebau ist präzise und der Ausdruck in seiner Art stimmig. Im Grundsatz verfehlt der Vorschlag jedoch die Absicht der Veranstalter, eine Bauentwicklung in flexiblen und kleineren Schritten jedoch mit direkten und nachvollziehbaren Beziehungen zur baulichen Geschichte des Lagerplatzareals zu erhalten. Freiraum Der vorgeschlagene Freiraum besteht aus einem urbanen Bereich mit Asphalt, Beton und wieder verwendeten Abbruchmaterialien - durchzogen von Rigolen - und dem Spielwald. Diese Zweiteilung ist gut nachvollziehbar und unterstützt die Architektur. Hingegen wird die Verwendung der drei unterschiedlichen Materialien nicht gezeigt und ist schwierig vorstellbar. Die Rigolen im Wohnhof in ein Wasserbecken zu leiten und dann im Wald versickern zu lassen ist ein schöner Gedanke, dürfte jedoch kaum realisierbar sein, da Regenwasser zu sehr verschmutzt ist, um als grosser Wasserspiegel wirken zu können. Weshalb der Spielwald in einen Betontrog gelegt wird, ist nicht verständlich. Der Wohnhof ohne jedes Grün wirkt hart, hingegen ist der Spielwald nebenan ein wohltuender Kontrast. Ebenso ist der Gedanke der Dachgärten positiv. Wie sehr diese das Bild der grossvolumigen Architektur beeinflussen, wird nicht weiter dargestellt. ZHW Die ZHW erhält einen prominenten Auftritt als markanter, weithin sichtbarer Kubus am stadtseitigen Eingang zum Lagerplatzareal. Die Anforderungen des aktuellen Raumprogramms werden erfüllt; der robuste, teils ein- und teils zweibündig angelegte Grundriss lässt aber darüber hinaus problemlos auch andere Dispositionen oder spätere Umnutzungen zu. Investorenfreundlichkeit Das Ausnützungsmass liegt über dem Ausnützungsrichtwert. Das gewählte Konzept - quasi aus einem Guss - bedingt eine Realisierung in sehr kurzer Zeit und möglichst aus einer Hand. Eine wirtschaftliche Etappierung ist kaum möglich, da grosse Vorinvestitionen in den Abbruch, den öffentlichen Raum, die Einstellhalle usw. nötig sind. Das Nebeneinander von Alt und Neu über einen längeren Zeitraum wurde nicht ausgewiesen und ist aus Sicht der Nutzer und des Marktes kaum befriedigend lösbar. Die einzelnen Bauvolumen basieren auf rationellen Grundrissen und lassen dadurch günstige Kostenkennwerte erwarten. 19 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums 3.4 Verfasser giuliani.hönger ag Städtebau / Architektur: giuliani.hönger ag Dipl. Architekten ETH-BSA-SIA Hardstrasse 219 8005 Zürich Lorenzo Giuliani Christian Hönger Tobias Ziegler Caroline Schönauer Daniela Frei Verkehr: Stadt-Raum-Verkehr, Birchler + Wicki Markus Birchler Freiraum: KuhnTruninger Landschaftsarchitekten Stephan Kuhn Haustechnik und Bauphysik: Peter Hartmann, dipl. Masch.-Ing. ETH Beschrieb Im Sinne eines wertvollen Erbes und einer unverwechselbaren Qualität - Geometrie und Charakteristik der Aussenräume, besondere Raumstimmung geprägt durch die Materialität des Backsteins sowie die Massstäblichkeit beziehungsweise die Dimensionen der Baukörper - des bestehenden Ortes soll der stadträumliche und atmosphärische Bezug zur industriellen Vergangenheit auch nach der Transformation erhalten bleiben. 20 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Städtebau / Nutzung Die Umrisse der bestehenden Gebäude werden als stadträumliche Grundfiguren, als so genannte Footprints übernommen. Die ursprünglichen Hallenumrisse werden zu Baufeldern umgedeutet. Die Halle 180 der ZHW bleibt bestehen und wird auf der Südseite um einen neuen Schulhof für das Departement Gesundheit erweitert. Der Turm (Gebäude 189) wird aufgestockt. Am nördlichen Ende des Areals wird ein neues Kopfgebäude mit Dienstleistungsnutzung und publikumsorientierten Nutzungen gesetzt. Zwischen diesen beiden markanten Baukörpern sind in alternierender Abfolge hochgezogene, stehende, sechsgeschossige Bauten mit Wohnnutzungen und flache, liegende, dreigeschossige Bauten mit Büros vorgesehen. Die tieferen Volumen entlang dem Gleisfeld werden mittels einem Hochparterre mit den nachfolgenden höheren Baukörpern zusammengefasst. In der Mitte des Areals befinden sich die drei flächigen Hallenvolumen mit einer niederen Gebäudehöhe, von denen das Gebäude 118 in der bestehenden Form erhalten bleibt. Hier ist eine publikumsorientierte Nutzung vorgesehen. Entlang der Zur Kesselschmiede sind höhere Bauten mit Wohnungen, in den unteren beiden Geschossen Maisonette-Wohnungen mit Hochparterre, platziert. 21 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Materialisierung Neben der Volumetrie der Bauten wird über die Materialisierung mit Backsteinen ein Zusammenhang zur industriellen Arealgeschichte angestrebt. Erschliessung und Parkierung Die Erschliessung für Autos, Velos und Fussgänger erfolgt über die beiden querliegenden Plätze Wylandplatz und Kesselschmiedeplatz. Die Autos können bis zu den beiden Besucherparkplätzen, beziehungsweise den Abfahrten zu den Tiefgaragen zufahren. Der innere Bereich des Areals ist den Fussgängern und Radfahrern vorbehalten. Lediglich die Anlieferung und Notzufahrt für die Gebäude entlang der Bahn erfolgen über diesen Bereich. Die Anlieferung für die publikumorientierte Nutzung in der Arealmitte erfolgt über Durchgänge in der Zeile Kesselschmiede. Freiraum Die Geometrie der Aussenräume mit den langgestreckten Gassenräumen bleibt erhalten. Innerhalb des Areals werden vier Plätze definiert, welche dem jeweiligen Ort eine Identität geben und mit ihren Namen an die industrielle Geschichte des Ortes erinnern sollen. Beim Kopfbau entsteht der Wylandplatz. Ein linearer Grünbereich dient als Abschluss des Platzraumes und als Begleitung des Dammes. Am Übergang der linearen Bebauung zur ZHW wird der Kesselschmiedeplatz angeordnet. Der Kohleturmplatz ist das Zentrum der ZHW und dient als Eingangshof. Im Innern des Areals liegt ein kleiner, zentraler Platzraum (Lagerplatz). Unterlegt ist das ganze Gebiet mit einem Asphaltbelag. Zwischen dem Gleisfeld und den ersten Baukörpern wird Bahnschotter verwendet. 22 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums ZHW Die Erweiterung der heutigen Schulanlage nach Süden erfolgt mit einem querliegenden Baukörper. Damit entsteht eine dreiteilige Anlage mit bestehendem Schulgebäude, Turm und Hofraum sowie neuem Schultrakt. Im bestehenden Trakt werden die zusätzlichen Nutzungen des Departements Architektur nachverdichtet. Mit der Aufstockung des Turmes finden die gemeinsamen öffentlichen Bereiche der Schule ihren Platz. Im neuen zweibündigen Schultrakt sind die Unterrichtsräume des Departementes Gesundheit untergebracht. Alternative Nutzung ZHW Wird die ZHW nicht im Lagerplatzareal erstellt, schlagen die Verfasser drei alternative Baukörper mit Wohnungen und Büros vor. 23 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Würdigung Städtebau / Architektur Das städtebauliche Konzept beruht auf dem Grundanliegen, die heutigen räumlichen Qualitäten und die Stimmung des Areals für die zukünftige Entwicklung des Areals aufzugreifen und weiterzuführen. Im Gegensatz zum Ansatz der ersten Stufe wird auf dem Hintergrund der Kritik in der Zwischenbesprechung die bestehende bauliche Substanz weitgehend durch neue Bauten ersetzt. An den Endpunkten des Areals werden durch einen würfelartigen Solitär im Norden und ein scheibenartiges Hochhaus im Bereich der erweiterten Fachhochschule im Süden kubische Akzente gesetzt, die sowohl die Silhouette zur Bahn als auch die Erkennbarkeit des Areals als Ganzes unterstützen. Zwischen diesen Akzenten entwickelt sich eine niedrigere durch zwei in der Höhe alternierende Zeilenpaare gekennzeichnete Gebäudestruktur. Insgesamt entsteht eine volumetrisch ruhige, ausgewogene Grunddisposition, die jedoch in Bezug auf die Differenzierung öffentlicher und halböffentlicher Aussenräume undifferenziert aufgebaut ist. Sehr interessant und vom inneren Aufbau und von der städtebaulichen Einbindung her überzeugend ist der Vorschlag für die am heutigen Ort erweiterte Fachhochschule. Nicht zu befriedigen vermochte die Struktur der arealinternen Freiraumfigur. Die platzartigen Ausweitungen sind mit Ausnahme des nördlichen Zugangs zu knapp bemessen und sind als räumliche Schwerpunkte nicht identifizierbar. Im Bereich des neu zu erstellenden, flachen Mehrzweckgebäudes entstehen unverständlich enge Verhältnisse. Die Nutzungsverteilung wird auf dem Hintergrund der Kritik der ersten Phase dahingehend verändert, dass auf die vertikale Mischung von Nutzungen konsequent verzichtet wird. In den in der Geschossigkeit differenzierten Zeilenpaaren werden in den niedrigeren Gebäudezeilen jeweils Dienstleistungs- und Gewerberäume, in den höheren Zeilen Wohnungen untergebracht. Unbesehen von der örtlichen Lage werden im Erdgeschoss durchgehend Wohnungen vorgeschlagen. Trotz der Ausbildung als Hochparterre vermag dies in Teilbereichen und insgesamt nicht zu überzeugen. 24 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Dies gilt auch für die Anordnung der Dienstleistungsnutzung in den niedrigen Zeilen zu den Geleisen, für die die Anlieferung umständlich und für die Wohnungen empfindlich störend ist. Die Zufahrten und die Erschliessung in den teilweise schmalen Freiräumen sind grundsätzlich für das Wohnen im Erdgeschoss schwer vorstellbar. Die Anordnung von zwei unabhängigen Tiefgaragen ist aufgrund der Altlastenfrage verständlich führt jedoch zu teilweise nicht an eine Parkierung angeschlossenen Baufeldern. Die Frage, ob Wohnen unter den vorgeschlagenen strukturellen und räumlichen Rahmenbedingungen in den unteren Geschossen möglich wäre, muss bezweifelt werden und ist in den Grundrissen und Schnitten auch nicht näher entwickelt. In den oberen Geschossen dürften durch die Höhenstaffelung der Zeilen teilweise gute Bedingungen für das Wohnen geschaffen werden. Die architektonisch an die bestehenden Bauten anknüpfende homogene Erscheinung und Stimmung der Bauten wird mit grossem Nachdruck als wichtiges Merkmal des städtebaulichen Erscheinungsbildes vorgetragen. Ob dieses Anliegen über die lange zu erwartende Realisierungsdauer realistisch und damit angemessen ist, ist schwierig einzuschätzen. Der sehr stark von Stimmungsmomenten getragene städtebauliche Vorschlag löst die den spezifischen Gegebenheiten des Areals zugrundeliegenden schwierigen Problemstellungen, wie beispielsweise die knappen Abmessungen in Ost-/Westrichtung nicht. Trotz teilweise freiem Umgang mit der Position und der Transformation der bestehenden Bauten ist die Frage eines überzeugenden Ansatzes für die Wohnnutzung im mittleren Abschnitt ungelöst geblieben. Freiraum Das gesamte Areal ist mit Asphalt unterlegt und einzelne Platzflächen werden begrünt. Dieses einfache Grundmuster ist gut nachvollziehbar. Hingegen ist das Grössenverhältnis zwischen Gassen und Plätzen nicht optimal, die Plätze wirken im Vergleich zu den Gassen klein und eng. Auch die Qualität der Plätze und eines weiteren Grünelementes, den Vorgärten, lässt noch nicht die Qualität einer Ergänzung zu den leeren Gassenräumen erkennen. Mit der hohen Zahl der Gassenräume wird es schwierig sein, den urbanen Charakter der Erscheinung, wo bis ins Erdgeschoss gewohnt und gearbeitet wird, mit Leben zu füllen. 25 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums ZHW Die Halle 180 mit der bestehenden Architekturschule wird Uförmig um einen zur Tössfeldstrasse hin offenen Hof herum erweitert. Es gelingt den Projektverfassenden, die einzelnen Teilbereiche der Schule volumetrisch eigenständig zu formulieren und gleichzeitig zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen. Für die Behebung der energetischen und brandschutztechnischen Defizite der Halle 180 werden Lösungen vorgelegt. Bedenkenswert sind die Überlegungen zum Einbezug der grauen Energie in die Gesamtbetrachtung der Energiefrage. Investorenfreundlichkeit Das Ausnützungsmass liegt in der Grössenordnung des Ausnützungsrichtwertes. Die gewählte Struktur lässt eine Etappierung und Durchmischung von neu und alt gut zu. Die gewählte Typologie aufbauend auf der heutigen Struktur schränkt jedoch die Nutzungsflexibilität indirekt ein. Die entlang der Bahn angeordneten grossen und tiefen Gebäude lassen sich wohl als Dienstleistungsflächen nutzen, sind jedoch kaum zur Umwandlung in Wohnnutzung geeignet. Das Weiterbauen am bestehenden Standort der ZHW erweist sich als ökonomisch interessant. Die zu erwartende Ökonomie der Wohnbauten ist gut, diejenige der Dienstleistungsbauten fraglich. 26 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums 3.5 Verfasser Martin & Elisabeth Boesch Städtebau / Architektur: Martin & Elisabeth Boesch Architekten ETH SIA BSA Fröbelstrasse 10 8032 Zürich Elisabeth Boesch Martin Boesch Christoph Ramser Jonathan Bopp Jules Hausherr Nils Krämer Freiraum: Prof. Christiane Sörensen Beratung: Wanner Konzept AG Hans Wanner Lärmschutz: Mühlebach, Akustik & Bauphysik Beschrieb Die städtebauliche Setzung ist aus dem Bestand heraus entwickelt. Das Industrieareal Lagerplatz soll in einem schrittweisen Transformationsprozess in ein Quartier für Wohnen, Lernen und Arbeiten verwandelt werden. Städtebau / Nutzung Eine Aussenraumfigur mit drei eigenständigen Plätzen - die Trilogie Pforte, Square, Forum - strukturiert das Areal Lagerplatz. Die parallelen Bauten längs der Gasse, die Hofbauten unterschiedlicher Ausbildung entlang der Gleise und der Komplex 27 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums ZHW, beziehungsweise ein allfälliger Ersatzbau, bewirken die räumliche Fassung dieser Orte. Das Eckgebäude im Nordosten des Areals und die Bauten der Gasse sind primär der Büronutzung gewidmet, die Hofbauten entlang der Geleise zwischen Eckgebäude und ZHW dem Wohnen. Zudem werden zwei "Joker" vorgeschlagen: der kleinere Hofbau beim Square und der Neubau an der Südspitze der Gasse lassen sich der einen wie der anderen Nutzung zuordnen. Am Square könnte eine weitere „Winterthurer Perle“ (Kulturbauten wie Museen oder Sammlungen) entstehen. 28 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Die Wohnungen im Hofrandgebäude "Gartenhof" sind gegen den Lärm durch ein Wohnregal abgeschirmt. Das Gebäude ermöglicht dem rückwärtigen Bewohner des Hofes sowie dem Bahnreisenden Sichtbezüge in die Tiefe des Raumes und damit die Teilnahme am jeweils dahinterliegenden, anderen Raum. 3 mögliche Nutzungsverteilungen Erschliessung und Parkierung Die Hauptzufahrt zum Areal befindet sich in der Verlängerung der Jägerstrasse. Über eine Durchfahrt durch die Gebäudezeile hindurch sollen so wohl die Tiefgarage als auch die BesucherParkplätze erschlossen werden. Eine zusätzliche Einfahrt ab der Tössfeldstrasse bedient die Tiefgarage bei der Halle 180. 29 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Die Einstellhallen konzentrieren sich auf einen Streifen parallel zu den SBB-Geleisen und eine separate Tiefgarage im Bereich ZHW. Solange das „Feld“ noch nicht überbaut ist, kann die Halle 181 als Parkhaus dienen. Die unterirdischen Einstellhallen werden zusammen mit der schrittweisen Entwicklung des Areals gebaut und können zusammengehängt werden. Freiraum Der nördliche Eingangsplatz, die Pforte, ist eine Komposition des ehemaligen Pförtnerhäuschens und einem Kiefernhain. Im Übergang vom Eingangsplatz zum nächsten Platz liegt die „Markthalle“. Der Square soll zum überörtlichen Anziehungspunkt werden. Die lichte, transparente und stimmungsvolle „Orangerie“ schützt den Platz vor dem Lärm aus dem Gleisraum. Das Forum, am südlichen Ende des Gebietes, wird als ein Ort beschrieben, der am stärksten vom industriellen Erbe geprägt ist. Die Kranbahn und die offene Halle schaffen einen Aktionsraum für vielfältige Nutzungen. Die Gasse stellt einen baumlosen urbanen inneren Freiraum dar. Die Fassaden können individuell begrünt werden. ZHW Die ZHW wird im Bereich der heutigen ZHW erweitert. Die bestehende Halle 180 ist dem Departement Architektur zugeteilt. Im mittleren Teil befindet sich das Departement Gesundheit und das Rektorat mit Infrastruktur. Im südlichen Neubau teilen sich die Departemente Architektur und Gesundheit die Räumlichkeiten. Alternative Nutzung ZHW Wird die ZHW nicht im Lagerplatzareal realisiert, sind ein Hofrand- und ein Zeilenbau mit Wohnnutzungen vorgesehen. 30 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Würdigung mit ZHW-Neubau ohne ZHW-Neubau Städtebau / Architektur Die sorgfältige Analyse des Ortes und der planerischen Problemstellung des Areals führte bereits in der ersten Stufe zu einem differenzierten und phantasievollen Set von möglichen konzeptionellen Massnahmen. Was in anderen Vorschlägen als eher additive Anordnung zwar spezifisch aus dem Ort heraus entwickelter Massnahmen wahrgenommen wurde, präsentiert sich in der vorliegenden Planungsvision als identitätsstiftendes, ernsthaftes und leistungsfähiges Planspiel, das in Form von Szenarien entwickelt und dargestellt wird. Aus den spezifischen Lagequalitäten auf dem Areal wurden in einem iterativen Verfahren Festsetzungen gefunden, die zeigen, wie das Areal schrittweise weiterentwickelt werden könnte. Die einzelnen Ansätze sind auf verschiedenen konzeptionellstädtebaulichen Ebenen angelegt und erfordern in jedem Zeitpunkt eine sorgfältige, der jeweiligen Fragestellung angemessene fachkompetente Umsetzung. Von zentraler Bedeutung ist die Ausscheidung von drei platzartigen Freiräumen, die auf heute unbebauten Arealteilen angelegt sind. Der mit Pforte bezeichnete nördliche Platz wird durch ein grossmassstäbliches Dienstleistungsgebäude mit akzentuierender Eckausbildung bestimmt. Seine Position als Brückenkopf ist bis auf die Frage der baulichen Beziehung zur Zufahrtsrampe zur Brücke überzeugend. Je nach Marktsituation könnte dieses Dienstleistungsgebäude auch für Wohnungsbau genutzt werden. In der Tiefe des Platzes wird die perlenkettenartige Doppelzeile durch einen skulpturalen Baukörper ergänzt, der als Möblierung des Platzes unterschiedliche Formen annehmen könnte. Der mit Square bezeichnete zu den Geleisen hin gelegene Platz bildet einen ersten räumlichen Schwerpunkt innerhalb des Areals und schafft Raum für die Anordnung eines grundsätzlich freien, in der Interpretation als würfelartiger Solitär ausgelegten Gebäudes. 31 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Der mit Forum bezeichnete dritte Platz im Bereich des heutigen Zuganges zur Fachhochschule ist im Bereich der offenen, teilweise überdachten Halle vorgesehen. Er gewährleistet am Übergang zum anschliessenden Wohnquartier den Zugang zum Areal. Er ist von seiner städtebaulichen Wirkung her aufgrund der heterogenen Fassung am wenigsten klar lesbar und müsste weiter präzisiert werden. Ob das bestehende, offene Industriegebäude erhalten werden könnte, steht in enger Abhängigkeit zur Entwicklung der benachbarten Baufelder. Äusserst geschickt ist die Ausscheidung eines vierten städtischen Freiraumes des so genannten Gartenhofes, der Teil eines grossen Wohnhofes ist. Durch diese Massnahme wird sichergestellt, dass auch im mittleren Arealabschnitt Wohnungen, sogar als Familienwohnungen, realisiert werden könnten. Dies wird nicht nur durch die grosszügigen Abmessungen, sondern auch durch eine spezielle als so genannte Regal bezeichnete transparente Ausbildung des Hofrandes zur Bahn hin erreicht. Dabei unterstützt die teilweise Transparenz dieses Hofrandes auch die differenzierte Wahrnehmung des Areals von der Bahn her. Die Gebäude der bestehenden strassenseitigen Doppelzeilen sind grundsätzlich als einzelne Zeilen respektive Gebäude auf unterschiedliche Art und Weise entwickelbar. Es könnten sowohl einzelne Gebäude als auch ganze Zeilen ersetzt werden. Durch die doppelte Führung der nordsüdverlaufenden Freiraumachsen könnten die beiden Zeilen auch zusammengenommen neu interpretiert werden. Für den Bereich der heutigen Fachhochschule werden im Grundsatz flexible Szenarien, sei es für eine Erweiterung, einen Ersatz oder einen etappierten Ersatz dargestellt. Die Möglichkeit mit einem Erweiterungsbau auch die Silhouette zur Bahn zu steuern, wird als schöner Vorschlag begrüsst. Auch der durch mehrheitlich nordsüdorientierte Wohnungen gebildete weitere Wohnhof als Ersatz für die Halle 180 wird begrüsst. Ob der lange südliche Wohnbaukörper auch in dieser Konstellation städtebaulich Sinn machen würde, ist fraglich. Grundsätzlich könnte der Bereich als Gesamtes unabhängig entwickelt werden. Das Planungskonzept überzeugt nicht nur durch das schrittweise und präzise Aufspüren der strategischen Problemstellungen, sondern auch durch den anregenden und komplexen entwerferischen Umgang mit den widersprüchlichen Gegebenheiten und Anforderungen des Areals. 32 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Freiraum Mit einer Vielfalt an Freiraumstruktur von differenzierten Plätzen und Gassen, Wohn- und Bürohöfen wird ein urban wirkendes Stadtgeflecht mit einem hohen Grad an Aufenthaltsqualität angeboten. Der Aussenraum bindet die unterschiedlichen Nutzungen und Architektursprachen wohltuend zusammen. ZHW Die zusätzlich zu den bestehenden Räumen des Departements Architektur erforderlichen Nutzflächen werden in mehreren, der Halle 180 südwestlich angelagerten und in der Höhe subtil gestaffelten Raumschichten angeordnet. Der Flächennachweis ist erbracht; die Anordnung der einzelnen Bereiche der Schule ist jedoch nur teilweise erkennbar. Gemäss den Abklärungen der Projektverfassenden ist der Umbau der Halle 180 zu einer baurechtlich bewilligungsfähigen Schulanlage möglich. Investorenfreundlichkeit Das Ausnützungsmass liegt in der Grössenordnung des Ausnützungsrichtwertes. Die gewählte Struktur lässt eine Etappierung, wie auch die gewünschte Nutzungsflexibilität gut zu. Das Quartier kann über einen längeren Zeitraum „wachsen“ und das Nebeneinander von Alt und Neu ist gut denkbar. Die differenzierten qualitativ hochstehenden Aussenräume und Gebäude unterstützen die Adressbildung. Die gewählten Gebäudetypologien versprechen eine kostengünstige Bauweise. Die Ergänzungsbauten am aktuellen Standort der ZHW zeigen eine sehr wirtschaftliche Lösung auf. 33 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums 3.6 Verfasser burkhalter sumi architekten Städtebau /Architektur: burkhalter sumi architekten ETH BSA SWB SIA Münstergasse 18a 8001 Zürich Marianne Burkhalter Christian Sumi Yves Schihin Lea Hürlimann Claudia Rockstroh Gisele Gloor Freiraum: Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich Beratung Investorentauglichkeit: Blickpunkt Lebensraum, Uster Beat Odinga Beschrieb Die Mantellinien der bestehenden Gebäude werden als „Footprints“ übernommen und daraus neue Baufelder entwickelt. Das ehemalige Industrieareal wird schrittweise in ein neues Gebiet für Dienstleistungen und Wohnungen überführt. Alt und Neu bleiben in den verschiedensten Konstellationen nebeneinander bestehen. Städtebau / Nutzung In der Verlängerung des Katharina Sulzer-Platzes markiert ein 60m hohes Hochhaus als Kopfbau den Eintritt zum Areal. Der Bau ist gegenüber der Strasse leicht zurückversetzt. In Zusammenhang mit dem Sulzerhochhaus und dem Swisscom-Tower wären als "Dreiklang" auch 90m Höhe denkbar. Um eine Ein- 34 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums passung in die Silhouette zu gewährleisten, beurteilen die Verfasser eine Höhe von 25m als vertretbar. Im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss sind publikumsorientierte Nutzungen, in den darüber liegenden Obergeschossen je nach Bedarf Wohnungen oder Büros vorgesehen. Die Höhen der Gebäude beschreiben einen unteren (12 - 15m) und einen oberen Horizont (21 - 25m). Die Gebäude entlang der Bahn liegen im unteren Horizont. Im Inneren des Areals wird der untere Horizont weitergeführt. An den öffentlichen Plätzen ("gute Adressen") werden Kopfbauten mit Höhen im oberen Horizont gesetzt. In diesen Bauten sind publikumsorientierte Nutzungen angeordnet. Der Hofrandbau an der „Zur Kesselschmiede“, der Kopfbau beim Eingang und der Hofrandbau bei der Wylandbrücke sind Dienstleistungsbauten. In den Baufeldern 180 und 181 sind Wohngebäude vorgeschlagen. Die Gebäude der ZHW an der "Zur Kesselschmiede" sind 4und 5-geschossig. Erschliessung und Parkierung Die Zufahrt zum Areal Lagerplatz erfolgt im Kopfbereich, im Bereich der Jägerstrasse und ab der Tössfeldstrasse. Diese Zufahrten führen direkt in die Tiefgaragen. Freiraum Vom Kopfbau führt eine Promenade durch die Bebauung, woran sich drei Plätze angliedern. Vier Querverbindungen vernetzen die Bebauung über die Strasse „Zur Kesselschmiede“ hinweg mit dem - später noch zu öffnenden - Areal Werk 1. 35 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Bei den Hofrandbebauungen lassen sich ruhige Innenhöfe realisieren, die asphaltiert sind und mit Pflanzbecken ausgestattet werden. Der Aussenraum der Wohnzeilen zeigt sich als Park mit hochstämmigen Bäumen auf grüner Wiese. ZHW Die Gebäude der ZHW werden entlang der „Zur Kesselschmiede“ (im Bereich der Gebäude 163-167, 188, 190 und 195) und im Bereich der Hallen 118 und 161 erstellt. Als zweiter möglicher Standort wird eine Erweiterung oder ein Neubau an der heutigen Lage erwähnt. Als Alternative sind Bürogebäude vorgesehen. Alternative Nutzung ZHW 36 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Würdigung Städtebau / Architektur Das von den Verfassern entwickelte konzeptionelle Instrument einer flexiblen Transformation auf der Grundlage der so genannten Footprints wurde in der Überarbeitung in Bezug auf die Hierarchisierung der Freiraumfigur und die Präzisierung der zukünftigen städtebaulichen Einbindung wesentlich weiterentwickelt. Ohne die Grundzüge zu schwächen, wurde durch einen örtlich freieren Umgang mit der heutigen Struktur ein differenzierter und in mehrerer Hinsicht sehr interessanter und leistungsfähiger planerischer Ansatz entwickelt. Drei kleinere ungerichtete Plätze beidseitig der mittleren Längsachse unterstützen den Rhythmus der Freiraumfigur und definieren im Bereich einer Serie von Querverbindungen Schwerpunkte und Zugangsorte zum Areal. Ein grosser Querplatz im Bereich nördlich der heutigen ZHW sichert konzeptionell einen freien Umgang mit dem südlichen, für Wohnungsbau prädestinierten Areal. Als städtebaulicher Merkpunkt wird am Nordende ein akzentuierender, auf Nah- und Fernwirkung ausgelegter Baukörper, z.B. in Form eines sechzig Meter hohen Hochhauses, vorgeschlagen. Die drei kleineren Plätze werden als arealinterne Identifikationspunkte verstanden und jeweils durch örtliche Erhöhungen der Gebäude ausgezeichnet. Diese konzeptionell-planerischen Massnahmen werden als teilweise sehr leistungsfähig beurteilt. Die Mehrfachfunktion des Hochhauses ist in Bezug auf seine Nutzung als Wohnturm und eine Konzentration der Ausnützung grundsätzlich interessant und könnte den Zugang städtebaulich akzentuieren und klären. Im Vergleich zu anderen vergleichbaren Dispositionen an diesem Ort wurde die Lage auf dem heutigen Zugangsplatz sowohl in seiner Rolle als Fokus des Katharina Sulzer-Platzes als auch in Bezug auf seine Position gegenüber den Gleisen als nicht richtig begründet beurteilt. Nicht zu überzeugen vermochte die Setzung des Hochhauses am nördlichen Ende. Das Verstellen des Zuganges mit dem Hochhaus aber auch der Massstabssprung wurde als unglücklich gewertet. Grundsätzlich überzeugend war die illustrierte riesige Palette möglicher Realisierungen und Etappierungen. Die äussere und arealinterne Erschliessung erfolgt von der „Zur Kesselschmiede“ und von der mittleren Freiraumachse her. Der als Variante vorgeschlagene Standort der Hochschule entlang der „Zur Kesselschmiede“ war ein insofern interessanter Vorschlag, als 37 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums er die Frage der Rolle und der Lage der Hochschule an einem konkreten Beispiel zu diskutieren erlaubt. Es zeigt sich jedoch, dass die Hochschule als eigentlicher Nutzungsmagnet funktionieren und deshalb auch als solcher genutzt werden kann oder soll; die Anordnung an der Strasse führt eher zu einer Abwertung der Standortqualität der rückwärtigen Baufelder. Die grosse räumliche und strukturelle Vielfalt der illustrierten kubischen Interpretation des Grundmusters wurde im Vergleich als eher additiv empfunden. Die im Ansatz interessante vorgeschlagene Differenzierung der Höhe der Gebäudezeilen vermochte eine Grundproblematik des Areals, nämlich die Schaffung von Rahmenbedingungen für die Realisierung von Wohnungsbau im mittleren Arealabschnitt nicht zu beantworten. Durch die schmalen, weitgehend uniformen Zwischenräume zwischen den längsorientierten Zeilen entstehen trotz örtlicher Aufweitungen in den unteren Geschossen keine befriedigenden Verhältnisse für Wohnen. Die konkret dargestellten Wohnkonzepte stellen zwar interessante Vorschläge dar, vermögen aber die planerische Problematik nicht aufzulösen. Hier wäre ein, wenn auch nur örtlich freierer Umgang mit den bestehenden Strukturvorgaben unumgänglich gewesen. Das vorgeschlagene planerische Konzept weist auf verschiedenen Ebenen sehr wertvolle und stimmungsvoll umgesetzte Qualitäten auf. Durch den vielleicht etwas zu zuvorkommenden Umgang mit der bestehenden Struktur hat das Konzept die grundsätzliche Frage des Umganges mit dem mittleren Arealteil nicht vollumfänglich lösen können. Freiraum Die Freiraumstruktur ist differenziert und überzeugend. Plätze und Gassen, Grünhöfe und Gärten bilden im jeweiligen Kontext zu den Gebäuden eine Einheit und bilden dennoch, über das gesamte Quartier gesehen, eine homogene Grüngestaltung. Die Zäsur der neu interpretierten Kranbahn wird als sehr positiv gewürdigt. Hingegen bleiben die 3 Plätze zu gleichförmig. ZHW Der Flächennachweis für die ZHW wird erbracht und mit der vorgeschlagenen Anordnung der geforderten Räume kann eine funktionsfähige Schulanlage erstellt werden. Am gewählten Standort und in der dargestellten Form kann die ZHW jedoch nicht die angestrebte Präsenz in der Stadt Winterthur erreichen, wie dies mit den beiden anderen Standorten der Fall ist. Investorenfreundlichkeit Das Ausnützungsmass liegt über dem Ausnützungsrichtwert. Die vorgeschlagene Struktur lässt eine Etappierung gut zu. Die gewählte Typologie bietet die geforderte Nutzungsflexibilität. Die Differenzierung der Aussenräume unterstützt die Adressbildung. Die einzelnen Bautypen basieren auf ökonomischen Grundrissen, die kostengünstiges Bauen versprechen. 38 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums 4. Gesamtwürdigung und Empfehlungen 4.1 Gesamtwürdigung und Dank Das Beurteilungsgremium würdigt die Qualität der Gesamtkonzepte sowie das hohe Niveau der analytischen städtebaulichen Auseinandersetzung und der Diskussionen in der Zwischenbesprechung und der Schlusspräsentation. Das Beurteilungsgremium dankt den fünf Teams für das grosse Engagement. Das Testplanungsverfahren führte zu sehr wertvollen Resultaten, welche alle einen wichtigen Beitrag für die künftige Entwicklung des Areals leisten. Die unterschiedlichen Ansätze haben im Beurteilungsgremium zu intensiven Diskussionen geführt. Dies ermöglicht zielgerichtete Empfehlungen für das weitere Handeln zu formulieren. Es hat sich gezeigt, dass das Testplanungsverfahren zweckmässig und angemessen war, um anhand von verschiedenen Gesamtkonzepten die erfolgversprechendste städtebauliche Haltung auf dem Areal Lagerplatz zu beschreiben. 4.2 Planungsstrategie Die Testplanung hat gezeigt, dass eine gute städtebauliche Entwicklung des Areales nicht ausschliesslich mit bewährten planerischen Instrumenten gesteuert werden kann. Im Rahmen der Anpassung der Bau- und Zonenordnung sind zur Sicherung der städtebaulichen Qualitäten die wichtigsten Eckwerte festzulegen. Da diese offen zu formulierenden Regeln fallweise nicht ausreichend sind, um die Qualität dieses an einer wichtigen Zugangsachse von Winterthur gelegenen Areales zu sichern, sind für exponierte und grössere Arealteile geeignete qualitätssichernde Verfahren vorzusehen. Von besonderer Wichtigkeit ist die Planung eines durchgehenden Freiraumes, der die unterschiedlichen Bauten und Etappen zusammenbinden wird. 39 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums 4.3 Gesamtkonzept Das Beurteilungsgremium empfiehlt folgende inhaltlichen Themen im Sinne einer Synthese weiterzuverfolgen. Städtebauliche Grundhaltung Das Areal Lagerplatz ist schrittweise von einem zwischengenutzten ehemaligen Industrieareal in ein Quartier für Wohnen, Arbeiten, Lernen und Unterhalten umzuwandeln. Das neue Quartier lebt von seiner ursprünglichen aber vor allem auch von der neu zu entwickelnden Identität. Die städtebauliche Setzung ist aus dem Bestand heraus zu entwickeln („Footprints“). Der Freiraum strukturiert das Areal und ist Grundstein der klaren und eindeutigen Adressbildung. Wegleitend ist dabei der Vorschlag des Architekturbüros Martin und Elisabeth Boesch. Gesamtkonzept Freiraum Von zentraler Bedeutung für die planerische Entwicklungsstrategie haben sich die Definition geeigneter öffentlicher Freiräume, respektive die Definition einer freiräumlichen Figur herausgestellt. Mit der Ausscheidung und Gestaltung von robusten, urbanen Freiräumen wird das Freiraumkonzept des Sulzerareals Stadtmitte weitergeführt. Es ist ein das ganze Areal umfassender zusammenhängender Freiraum von durchgehend hoher Qualität zu planen. Die wichtigsten Teilbereiche sind: • Ein in Ost-West-Richtung verlaufender Freiraum, der die Verbindung vom Eingang bei der Wylandbrücke zum Wohnquartier sicherstellt und die unabhängige Entwicklung des Areals der heutigen Fachhochschule ermöglicht. • Kleinere Plätze, die als Schwerpunkte eine strukturierende und rythmisierende Funktion innerhalb der bestehenden Freiraumstruktur entfalten: - Platzartige Strassenaufweitung im Kopfbereich, welche den Eintritt ins Areal bildet - Zu den Gleisen hin gelegener Platz („Square“) zwischen den Baufeldern 3 und 4, als erster räumlicher Schwerpunkt im Areal 40 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums • • - Länglicher - allenfalls überdachter - Platz beim Gebäude 180, welcher durch die Kranbahn vom industriellen Erbe geprägt ist und eine bewusste Zäsur im Areal bildet. Nebengasse zwischen den Gebäuden entlang der Zur Kesselschmiede und den Gebäuden 118 und 161, sofern trotz der Nebengasse eine zweckmässige Bebauung des zugehörigen Baufeldes möglich bleibt. Die Ausscheidung von halbprivaten, grosszügigen Freiräumen in den Hofrandbauten, die es erlauben im Areal Wohnungen mit guter Wohnqualität zu realisieren. Mit Querverbindungen und durchlässigen Erdgeschossen ist eine hohe Durchgängigkeit sowie eine Vernetzung des Strassenraumes mit dem identitätsbildenden Gleisfeld sicherzustellen. Die Zuweisung von Nutzungen und Funktionen zu den einzelnen Freiräumen ist in einem nächsten Schritt noch auszuformulieren. Der Freiflächenanteil (begrünte Fläche und verkehrsfreie Hartflächen) sollte mindestens 30% betragen. Bebauung Die neuen und umgenutzten Bauten auf dem gesamten Areal Lagerplatz sollen die Spuren ehemaliger Industrieareale weitertragen. Im Gegensatz zu den Sulzer-Arealen Zürcherstrasse wo die "raumverdrängenden" Bauvolumen dominieren, ist im Areal Lagerplatz die Addition verschiedener Bauten (Hallen und Bürogebäude) strukturbildend. Die Adressbildung ist zweistufig aufzubauen. Einerseits soll das Areal Lagerplatz für sich eine Adresse bilden. Andererseits ist im Areal die Adressbildung einzelner Überbauungen durch die Schaffung von wieder erkennbaren Orten zu fördern. Baufelder Baufelder / Volumenverteilung Die Baufelder ergeben sich aus der Freiraumfigur, die das Areal strukturiert. Die Höhenentwicklung leitet sich aus der gewünschten Silhouette zum Gleisfeld und der angestrebten Staffelung der Baukörper ab. 41 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums • Die Bauten entlang der Bahnlinie haben durch ihre Erscheinung an ihre Vorgängerbauten zu erinnern. Es ist eine modulierte Abfolge von unterschiedlich hohen und langen Fassaden anzustreben. Die Gebäude sind durch unterschiedlich breite Gassenräume getrennt. • Das Baufeld 4 schafft mit Bauten ähnlicher Höhe wie am Katharina Sulzer-Platz und im Areal Zürcherstrasse Bereich 2 (Cityhalle) eine Verbindung zum Areal Lagerplatz. • Als Auftakt des Areals kann im Baufeld ZHW ein Turmbau (Gebäude 189) am Gleisfeld platziert werden. Am nördlichen Ende des Areals könnte zudem ein neues, höheres Gebäude gesetzt werden, welches dem Areal einen markanten, stadträumlichen Abschluss verleiht. Diese beiden Bauten können Gebäudehöhen von über 25 Meter aufweisen und gelten daher baurechtlich als Hochhäuser. Die Kleinmassstäblichkeit der Überbauung entlang der „Zur Kesselschmiede“ soll erhalten bleiben. • Höhenabwicklung Schnitt durch Baufelder 2 und 5 Schnitt durch Baufelder 4 und 5 Schnitt durch Baufelder 1, 2, 3 und 4 (Zustand mit ZHW) Erscheinungsbild gegen Bahnlinie (Zustand mit ZHW) 42 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Architektur Die Bauten sollen in Anlehnung an die industrielle Vergangenheit unabhängig von der Nutzung im architektonischen Ausdruck - mit Rücksicht auf die beiden Gebäudetypen Hallen und Zeilen - grosszügig und körperhaft sein. In erster Linie ist eine hohe architektonische Qualität wichtig. Heute sind die verschieden farbenen Backsteine, eingesetzt in unterschiedlichen Konstruktionsarten, charakteristisch. Eine bauliche Dichte von 200%* respektive rund 95’000m2 Geschossflächen** ist für das neue urbane Quartier angemessen und städtebaulich verträglich. Bauliche Dichte * anrechenbare Grundfläche = Fläche Gesamtareal (46´363 m2) ** Geschossflächen = alle dem Wohnen, Arbeiten und sonst dem dauernden Aufenthalt dienenden oder hiefür verwendbaren Räumen in Voll-, Unter- und Dachgeschossen Öffentlich-rechtlicher Vertrag über die bauliche Weiterentwicklung des Sulzer-Areals Stadtmitte Die im öffentlich-rechtlichen Vertrag über die bauliche Weiterentwicklung des Sulzer-Areals Stadtmitte gestellte Anforderung bezüglich der Erscheinung des Areals Lagerplatz erachtet das Beurteilungsgremium mit dem gewählten Gesamtkonzept als eingehalten. Die Erhöhung der Silhouette im Bahnbereich entlastet das Baufeld 5 ("Zur Kesselschmiede"). Die architektonische und städtebauliche Durchbildung neuer Bauten entlang der Bahn sollte unter Berücksichtigung der Charakteristik des Bestandes gestaltet werden. Im Areal Stadtmitte ist neben den bezeichneten Schutzobjekten gemäss Vertrag ein für das Areal typischer einfacher Industriebau (ohne besondere denkmalpflegerische oder architektonische Qualitäten) als Zeitzeuge zu erhalten. Im Areal Lagerplatz kommt dazu das Gebäude 118 in Frage. Das Gebäude 118 könnte mit dem gewählten Konzept erhalten bleiben. Es ist zudem anzustreben, dass die kleinmassstäbliche Überbauung entlang der „Zur Kesselschmiede“ behutsam weiterentwickelt wird. Nutzungen Ein Wohnanteil von mindestens 30% resp. rund 30’000m2 - bei einer Ausnützung von 200% - ist angemessen und zweckmässig umsetzbar. Es ist ein vielfältiger Wohnungsmix anzustreben. Zur Belebung des Areals sind in den zentralen, inneren Bereichen in den Erdgeschossen publikumsorientierte Nutzungen erwünscht. Diese tragen zur Belebung und damit zur Sicherheit des Areals bei. Ein Anteil von bis zu 5% publikumsorientierten Nutzungen (rund 4'500 m2) dürfte realistisch sein. Damit sich derartige Nutzungen ansiedeln, sind folgende fördernde Massnahmen umzusetzen: 43 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums • • Die publikumsorientierten Nutzungen sind örtlich zu konzentrieren. Schwerpunkte könnten der innere Kopfbereich, die Nebengasse sowie das Baufeld 3 sein. In den Erdgeschossen sind Geschosshöhen von mindestens 3.50 Meter - allenfalls auch überhohe Räume mit integrierten Galeriegeschossen (z.B. für Wohnen und Arbeiten) - zu realisieren. • Der vorgelagerte Freiraum ist so auszugestalten, dass der Betrieb von publikumsorientierten Nutzungen attraktiv ist. • Es ist zu prüfen, ob und wenn ja wie kleinteilige Nutzungen mit schwacher Ertragskraft gefördert werden können. Innerhalb des Gesamtareals muss eine Flexibilität zur örtlichen und zeitlichen Realisierung der Mindestanteile Wohnen und publikumsorientierte Nutzungen gewährleistet werden. Im Baufeld 2 ist ein hoher Wohnanteil erwünscht. Nutzungsschwerpunkte (Zustand mit ZHW) Nutzungsschwerpunkte (Zustand ohne ZHW) ZHW Die ZHW - sofern der Kanton sich für den Standort Lagerplatz entscheidet - sollte am heutigen Ort belassen und erweitert werden. Dies ist im Hinblick auf die Ausstrahlung der Halle 180 als Ausbildungsstätte für Architekten und Bauingenieure sinnvoll. Im Rahmen der Testplanung überzeugte der Ansatz des Teams giuliani.hönger mit einer dreiteiligen Anlage. 44 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Mit der Testplanung wurde der Nachweis erbracht, dass die Realisierung des dritten Standortes der Fachhochschule in der Stadt Winterthur (auch) auf diesem Areal mit hoher Qualität möglich ist. Das Areal Lagerplatz ist eine valable dritte Alternative zu den beiden anderen zur Diskussion stehenden Schulstandorten im Bereich Sulzerareal Stadtmitte. Der grundsätzliche Standortentscheid der ZHW innerhalb Winterthurs sollte baldmöglichst herbeigeführt werden. Erschliessung Die Baufelder sollten grundsätzlich unabhängig erschlossen werden, wobei eine mehrere Baufelder umfassende, in Etappen erstellbare Tiefgarage anzustreben ist, um die Anzahl der Ein-/Ausfahrten entlang der Zur Kesselschmiede / Tössfeldstrasse und die Anzahl der oberirdischen Zufahrten zu minimieren. Die Freiräume innerhalb des Areals sind möglichst verkehrsarm zu halten (Begegnungszone resp. Fussgängerzone analog den Freiräumen im Sulzerareal Zürcherstrasse). Die Zufahrten zu den Tiefgaragen sollten innerhalb der Gebäude angeordnet werden. Erschliessung (Zustand mit ZHW) Umwelt Die Gebäudekörper entlang den Gleisen haben eine lärmabschirmende Wirkung auf die hinterliegenden Bauten und Freiräume zu übernehmen. Die Wohnungen und Büroräume sind so zu konzipieren, dass sie gleisabgewandt gelüftet werden können. Baurecht Beim 2 Stunden-Schattenwurf ist von einem Referenzschatten des maximal zulässigen Gebäudeumrisses und Gebäudeprofils gemäss der noch festzulegenden Zone auszugehen. Die Beschattung von Arbeitsräumen ist zulässig. 45 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Die Anforderungen bei der Umnutzung von bestehenden Hallen bezüglich des Brandschutzes sowie der Wärmedämmung und die Festlegung der entsprechenden Massnahmen können erst nach Vorliegen von Bauprojekten festgelegt werden. Der erforderliche Grenzabstand gegen die Wylandbrücke ist verbindlich auf 3.5 Meter festzulegen. Sofern eine Freiflächenziffer festgelegt wird, sind verkehrsfreie Hartflächen als Freiflächen anzurechnen. Entwicklungseinheiten Mit der Ausscheidung und klaren Abgrenzung der Baufelder sind unabhängige Entwicklungseinheiten, welche allenfalls in Etappen überbaut werden können, zu schaffen. Dabei müssen alte und neue Bebauungen auf längere Zeit in verschiedenen Konstellationen nebeneinander bestehen können. Die Baufelder müssen eine hohe Flexibilität bezüglich der Möglichkeit der Schaffung von Wohnbauten oder Bürobauten aufweisen, um auf die jeweilige Marktsituation reagieren zu können. 46 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums 4.4 Grundsatz Weiteres Vorgehen Die Entwicklung des im kantonalen Zentrumsgebiet liegenden Areals kann weiterhin nur auf der Basis einer engen und vertrauensvollen Kooperation zwischen den Grundeigentümern und der Stadt erfolgen. Neben den öffentlich-rechtlichen Regelungen sind private und verwaltungsanweisende Richtlinien zu erarbeiten. Die grundlegenden planerischen Entscheide sind in den dafür vorgesehenen Verfahren, insbesondere in der Bau- und Zonenordnung, vom Grossen Gemeinderat zu fällen. Der Rahmenplan ist für die Grundeigentümer und den Stadtrat ein Instrument einer prozessorientierten Arealentwicklung und dokumentiert das Ergebnis der Testplanung und der Vertiefung. Vertiefung Testplanung Mit der Testplanung konnten nicht alle Aspekte abschliessend geklärt werden. In einer Vertiefung sind gemeinsam mit dem Architekturbüro Martin und Elisabeth Boesch die folgenden offenen Fragen zu beantworten: • Klärungen zum Gesamtkonzept: - Ergänzende Nachweise zur Überbauung des Baufeldes 4 (alternative Überbauungsvorschläge) und des Baufeldes 5 (Auswirkungen Freihaltung Nebengasse) - Volumetrische Ausgestaltung des Kopfbaues im Baufeld 5 (insbesondere Gebäudehöhe) - Funktion, Anzahl, Lage und Umfang der pavillonartigen Gebäude - Erwünschte Fusswegbeziehungen und notwendige Zufahrten für Motorfahrzeuge im Freiraum • Zweckmässige Umsetzung des Gesamtkonzeptes in ein Planungsinstrument (z.B. Spielraum im Grundriss der Baufelder, Spielraum bezüglich der Höhenabwicklung, Zuteilung der Geschossflächen auf die einzelnen Baufelder, Verschiebungsspielraum von Geschossflächen zwischen Baufeldern) Die bezüglich der ZHW erforderliche Konkretisierung im Baufeld 1 erfolgt durch die Baudirektion. 47 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Die Vertiefung wird durch das Gremium „Vertiefung Testplanung / Rahmenplan“ geleitet und beurteilt: - Michael Hauser, Stadtbaumeister Winterthur (Co-Vorsitz) Walter Muhmenthaler, Sulzer Immobilien AG (Co-Vorsitz) Dr. Fridolin Störi, Leiter Baupolizeiamt Alex von Teufenstein, Die Post Mark Würth, Leiter Stadtentwicklung Weitere Mitglieder des Beurteilungsgremiums Testplanung sind bei Bedarf zur weiteren Begleitung beizuziehen. Vertreter der Fachjury ist Beat Jordi und steht dem Architekturbüro Martin und Elisabeth Boesch bei Bedarf als Ansprechpartner zur Verfügung. Der Vertiefungsprozess soll bis Ende August 2007 abgeschlossen werden. Rahmenplan Der Entwurf des Rahmenplanes aus dem Jahre 2005 ist aufgrund der Empfehlungen und der Vertiefung weiterzubearbeiten und fertig zu stellen. Der Rahmenplan soll bis Ende September 2007 vorliegen. Bau- und Zonenordnung Aufgrund der Testplanung, der Vertiefung zur Testplanung und des Rahmenplanes ist durch das Gremium „Vertiefung Testplanung/Rahmenplan“ zu Handen des Stadtrates ein Änderungsvorschlag zur Bau- und Zonenordnung auszuarbeiten. Die qualitätssichernden Eckwerte (z.B. Definition der Baufelder, maximale Geschossflächen, minimaler Wohnanteil, minimaler Anteil publikumsorientierte Nutzungen, maximale Gebäudehöhen, minimale Freiflächen) sollen in der Nutzungsplanung festgelegt werden. Umsetzung Die Grundeigentümer erarbeiten für den Freiraum detaillierte Gestaltungsleitlinien und Gestaltungsprojekte und ziehen dazu einen geeigneten Freiraumgestalter bei. Gleichzeitig sind die Erschliessungsanlagen zu planen und die entsprechenden Regelungen zu treffen. Für Bauvorhaben reichen die Grundeigentümer und Bauherren Baugesuche ein, die den neuen Bestimmungen in der Bau- und Zonenordnung entsprechen. 48 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums 5. Genehmigung Winterthur, 25. Mai 2007 Der vorliegende Bericht wurde von den Mitgliedern des Beurteilungsgremiums und den Experten genehmigt: Guido Hager Christoph Hänseler Manfred Jakob Beat Jordi Walter Muhmenthaler Martin Schmidli Martin Spühler Alex von Teufenstein Ernst Wohlwend 49 Suter • von Känel • Wild • AG Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur Bericht des Beurteilungsgremiums Experten: Reto Bieli Michael Hauser Dr. Fridolin Störi Mark Würth 50 Suter • von Känel • Wild • AG