Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur

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Testplanung
Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Architekten Kollektiv AG
schnebli menz sam architekten und partner ag
giuliani.hönger ag
Martin & Elisabeth Boesch
burkhalter sumi architekten
Suter • von Känel • Wild • AG
Orts- und Regionalplaner FSU sia
Baumackerstr. 42 Postfach 8050 Zürich
Telefon 044 315 13 90
Fax 044 315 13 99
[email protected]
34083 – 19.6.2007
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Inhaltsverzeichnis
1. Verfahren
1.1 Ausgangslage
1.2 Zielsetzung
1.3 Verfahren
3
4
4
2. Aufgabe
6
3. Projekte
8
3.1
3.2
3.3
3.4
3.5
3.6
Überblick
Architekten Kollektiv AG
schnebli menz sam architekten und partner ag
giuliani.hönger ag
Martin & Elisabeth Boesch
burkhalter sumi architekten
4. Gesamtwürdigung und Empfehlungen
4.1
4.2
4.3
4.4
Gesamtwürdigung und Dank
Planungsstrategie
Gesamtkonzept
Weiteres Vorgehen
5. Genehmigung
2
3
Suter • von Känel • Wild • AG
8
10
15
20
27
34
39
39
39
40
47
49
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
1. Verfahren
1.1
Klärung baurechtliche
Rahmenbedingungen
Ausgangslage
Die Post und die Sulzer Immobilien AG als Eigentümerinnen
des Areals Lagerplatz wollen gemeinsam mit der Stadt Winterthur das Areal soweit entwickeln, dass die baurechtlichen Rahmenbedingungen neu formuliert werden können.
In einem ersten Schritt wird eine Testplanung durchgeführt.
Eine überzeugende städtebauliche Idee für das Gesamtareal
soll als Grundlage für die Anpassung der Bau- und Zonenordnung dienen. Zudem können aus dem Gesamtkonzept die Vorgaben für eine Weiterentwicklung der verschiedenen Überbauungsprojekte definiert werden.
Das Areal Lagerplatz liegt
zwischen der Bahnlinie und dem
Strassenzug Zur Kesselschmiede /
Tössfeldstrasse
3
Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
1.2
Umfassendes
städtebauliches
Gesamtkonzept
Zielsetzung
Es ist ein umfassendes Gesamtkonzept für das Areal Lagerplatz unter Berücksichtigung folgender Gesichtspunkte aufzuzeigen:
•
•
einer überzeugenden Grundhaltung
einer städtebaulich vertretbaren baulichen Dichte
•
einer urbanen Mischnutzung und der entsprechenden
optimalen Nutzungsverteilung
eines angemessenen Wohnanteils
der denkmalpflegerischen Vorgaben
eines attraktiven Freiraums
einer optimaler Erschliessung
einer zweckmässigen Etappierung
•
•
•
•
•
Erweiterung ZHW
Innerhalb des Areals Lagerplatz ist im Rahmen des Gesamtkonzeptes die Möglichkeit der Erweiterung der Zürcher Hochschule Winterthur (ZHW) nachzuweisen.
1.3
Beurteilungsgremium
4
Verfahren
Die Post:
Manfred Jakob, Leiter Projektmanagement
Alex von Teufenstein, dipl. Architekt ETH,
Projektentwicklung
Sulzer
Immobilien AG:
Martin Schmidli, Geschäftsführer
Walter Muhmenthaler, dipl. Architekt ETH,
Projektentwicklung
Stadt Winterthur:
Ernst Wohlwend, Stadtpräsident
Kanton Zürich:
Christoph Hänseler, Baudirektion
Fachleute:
Martin Spühler,
dipl. Architekt BSA/SIA (Vorsitz)
Beat Jordi, dipl. Architekt BSA/SIA
Guido Hager, dipl. Landschaftsarch. BSLA
Experten
Stadt Winterthur:
Reto Bieli, Denkmalpflege
Michael Hauser, Stadtbaumeister
Dr. Fridolin Störi, Leiter Baupolizeiamt
Mark Würth, Stadtentwicklung
Suter • von Känel • Wild • AG
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Bericht des Beurteilungsgremiums
Teilnehmer
•
•
•
•
•
Architekten Kollektiv AG, Winterthur
schnebli menz sam architekten und partner ag, Zürich
giuliani.hönger ag, Dipl. Architekten ETH-BSA-SIA, Zürich
Martin & Elisabeth Boesch, Architekten ETH SIA BSA,
Zürich
burkhalter sumi architekten, ETH BSA SWB SIA, Zürich
Verfahrensbegleitung
Suter • von Känel • Wild • AG:
Alwin Suter, Caroline Traber und Reto Wild
Ablauf
Die Teilnehmenden stellen dem Beurteilungsgremium an der
Zwischenbesprechung die geprüften Lösungsansätze und an
der Schlussbesprechung den aufgrund der Beurteilung vertieft
bearbeiteten Lösungsansatz vor.
Folgerungen
Das Beurteilungsgremium erarbeitet aufgrund der Gesamtkonzepte, der Diskussionen und der Würdigungen der einzelnen
Beiträge die Empfehlungen an die Entscheidungsträger.
5
Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
2. Aufgabe
Gesamtkonzept
Es ist ein städtebaulich überzeugendes Überbauungs- und
Freiraumkonzept mit tragender Gesamtidee zu erarbeiten,
welches im Hinblick auf eine künftige Neuzonierung die folgenden Themen behandelt:
Bauliche Dichte
Es ist eine bauliche Dichte vorzuschlagen, welche den teilnehmenden Teams als angemessen erscheint. Der Richtwert der
Ausnützung liegt bei 200%, wobei der Spielraum 150% - 250%
beträgt. Der zentralen Lage und der Richtplanfestlegung „Zentrumsgebiet von kantonaler Bedeutung“ ist Rechnung zu
tragen.
Bebauung
Bauten entlang des SBB-Areals sind "unter Übernahme der
bestehenden Volumen" zu erstellen. Das Erscheinungsbild mit
den grossflächigen, geschlossenen Fassaden gegen die SBB
ist für neue Bauten wegleitend. Höhere Gebäude sind jedoch
nicht ausgeschlossen und sind im Rahmen des Gesamtkonzeptes zulässig.
Die industrielle Prägung des Areals muss erkennbar bleiben,
soll aber in einer modernen, den neuen Nutzungen entsprechenden Form interpretiert werden.
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Nutzungen
Im Areal Lagerplatz wird ein urbanes, bahnhofnahes Mischquartier angestrebt. Von besonderer Bedeutung sind die Anordnung der verschiedenen Nutzungen und die Einbindung der
Option ZHW ins Gesamtgefüge.
Wohnungen und Büros mit grosser Attraktivität an geeigneter
Lage sind zu schaffen, wobei eine flexible Wohn- und Büronutzung vorhanden sein muss. Der minimale Wohnanteil beträgt 30%. Die Erdgeschosse sind nutzungsflexibel für Verkauf,
Dienstleistung, Gastronomie, Wohnatelier usw. zu gestalten.
Auch kleinteilige Nutzungen wie Kleinbetriebe sollen weiterhin
ihren Platz im Areal Lagerplatz haben.
ZHW
Die aktuelle mittelfristige Standortplanung der ZHW beabsichtigt, die Departemente Architektur und Bauingenieurwesen und
Gesundheit sowie das Rektorat und die Verwaltung der Fachhochschule im Areal Sulzer Stadtmitte anzusiedeln. Mit einem
Baubauungsnachweis ist darzulegen, wie eine Mischnutzung
mit und ohne die Bauten der ZHW erreicht werden kann.
Anhand des Richtraumprogrammes ist die Organisation der
einzelnen Departemente der Fachhochschule aufzuzeigen.
Eine mögliche etappenweise Realisierung der einzelnen Departemente ist darzustellen.
Freiraum
Es sind genügend, möglichst zusammenhängende und gut
nutzbare Freiräume in Form von belebten und weitgehend verkehrsfreien Aussenaufenthaltsbereichen zu gestalten. Die Freiräume müssen an publikumsorientierte Nutzungen grenzen
oder dem Wohnen zugeordnet sein. Insgesamt ist eine Freifläche von 20% der Arealfläche zu erstellen.
Erschliessung und
Parkplätze
Die Zufahrt ins Areal Lagerplatz hat an maximal 2-3 Bereichen
entlang der „Zur Kesselschmiede“ zu erfolgen. Der Lagerplatz
hat gut zugänglich zu sein und die Durchlässigkeit sowie Anbindung an angrenzende Quartiere ist sicherzustellen. Die Aussenräume sind möglichst verkehrsfrei zu gestalten.
Die Parkierungsanlage ist weitgehend unterirdisch anzuordnen.
Die Zufahrten zu den Unterniveaugaragen sollen nahe bei der
Arealzufahrt liegen.
Etappierung / Baufelder
(Verkaufseinheiten)
Es ist aufzuzeigen, in welchen Etappen (Bauten und Baufelder)
die Umnutzung des Areals Lagerplatz erfolgen kann.
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
3. Projekte
3.1
Überblick
Die fünf Projekte zeigen fünf unterschiedliche Ansätze auf. Die
Projektreihenfolge entspricht dem Ablauf der Präsentationen
und ist nicht wertend.
Architekten Kollektiv AG
Nutzflächen
Geschossfläche (PBG) total
Ausnützung
(Arealfläche: 46'363 m2)
Wohnungen
Wohnanteil
Publikumsorientierte Nutzungen
Anteil publikumsorient. Nutzungen
ZHW
Nutzflächen (NF) SIA 416
Geschossflächen (GF) SIA 416
Verhältnis GF/NF
Hochhäuser
Anzahl / Höhe
Lage
Parkplätze
8
schnebli menz sam architekten und
partner ag
93’147 m2
201%
103'310 m2
223%
30'300 m2
33%
4’747 m2
10%
31'412 m2
30%
4'672 m2
10%
20’196 m2
29’883 m2
68%
21'600 m2
33'269 m2
65%
-
-
816
868
Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
giuliani.hönger ag
Martin & Elisabeth Boesch
burkhalter sumi architekten
93'797 m2
202%
34'186 m2
36%
12'231 m2
26%
93’028 m2
201%
28’719 m2
31%
7’973 m2
17%
99’436 m2
214%
35’752 m2
36%
1’987 m2
4%
19'950 m2
32'075 m2
62%
22’084 m2
30’654 m2
72%
23’600 m2
32’595 m2
72%
1 / 43m
ehem. ZHW
1 / 28.10 m
im Kopfbereich am Gleis
1 / wahlweise 25m, 60m, 90m
im Kopfbereich
630
751
565
9
Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
3.2
Architekten Kollektiv AG
Verfasser
Architekten Kollektiv AG
Obergasse 15
8400 Winterthur
Beschrieb
Das Herz der „Kleinstadt Lagerplatz“ – die Lagerhäuser entlang
der Strasse und in der Arealmitte – mit den kleinmassstäblicheren Bauten, engen Gassen und Plätzen wird erhalten. Die
Erscheinung gegen die Bahn soll weiterhin durch Grosskörper
geprägt sein. Ein neues Gebiet mit Wohnbauten formuliert den
Übergang vom Industrie- zum Wohnquartier.
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Suter • von Känel • Wild • AG
Markus Jedele
Jozsef Kisdaroczi
Peter Wehrli
Sandrine Haeberli
Martin Kisdaroczi
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Städtebau / Nutzung
Die umgenutzten Bauten entlang der Strasse „Zur Kesselschmiede“ sowie die parallel liegenden Bauten und Nutzungen
in der Arealmitte sollen erhalten und weiterentwickelt werden.
In der Arealmitte liegen die publikumsorientierten Nutzungen.
An die Stelle der Halle 193 bei der Wylandbrücke treten zwei
Winkelbauten von 25m Höhe mit einem Hof. Die Grundrisse
sind als Zweispänner konzipiert, wobei unterschiedlich grosse
Mietflächen definiert werden können.
Der Wohnanteil wird im südwestlichen Arealteil konzentriert.
Die rund 225 Wohnungen sind in fünf Blocks, die ihrerseits aus
zwei Gebäuden bestehen, angeordnet. Nach aussen bilden
diese einen geschlossenen Körper, innen umschliessen sie
einen halbprivaten Hof. Die Ess- und Wohnbereiche sowie die
Loggien der Wohnungen sind auf die Höfe orientiert.
Freiraum
Die Abfolge von Gassen, die sich verengen oder aufweiten und
die Plätze prägen das Areal. Im ganzen Areal wird ein Asphaltbelag von Fassade zu Fassade vorgesehen. Die ins Areal führenden Schienenstränge bleiben erhalten. Die halbprivaten
Wohnhöfe sind gekiest und mit Birken bestockt. Entlang dem
Gleisfeld bleibt ein Industriegeleise mit einigen umfunktionierten
Bahnwagen, die als „Möblierung“ verschiedenen Zwecken
dienen, erhalten.
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Materialisierung
Für die grossen Neubauten entlang der Bahn wird eine mit
Backstein ausgemauerte Stahlkonstruktion vorgeschlagen. Die
Unterscheidung von Grossbauten und Wohnbauten erfolgt
durch die Farbe des Backsteins. Die Aufstockung der Halle 181
soll mit einer Beton- / Backsteinkonstruktion erfolgen.
Erschliessung und Parkierung
Die Autos werden an den beiden Arealenden direkt in die beiden Tiefgaragen geführt. In den grösseren Gassenräumen und
auf den Plätzen sind Parkplätze vorgesehen. In den schmalen
Gassen sind nur Güterumschlag und die Notzufahrt möglich.
ZHW
Die ZHW wird in den vier Gebäudeschiffen (drei Längsschiffe
und ein Anbau zur Bahn) der Halle 181 untergebracht. In der
Aufstockung und der Erweiterung der Halle 181 werden die
Unterrichtsräume der beiden Departemente angeordnet. Neben
der grossen Eingangshalle liegen die Hörsäle. Das Departement Gesundheit erhält im ältesten Hallenschiff einen eigenen
Gebäudeteil, welcher um vier Geschosse aufgestockt wird. Die
Arbeitsräume des Departements Architektur liegen auf zwei
Galeriegeschossen über den Hörsälen und die Unterrichtsräume sowie das Rektorat und die Verwaltung im Neubau.
Alternative Nutzung ZHW
Der Neubau gegen den Platz und die Büroräume entlang der
Bahn eignen sich als Dienstleistungs- und Büroräume. Im Hallenschiff könnten Freizeitangebote mit grossem Platzbedarf wie
Volleyball-, Badminton- und Kletterhalle untergebracht werden.
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Würdigung
Städtebau / Architektur
Auf Grund einer umfangreichen und sorgfältigen städtebaulichen Analyse entwickelten die Verfasser ein Konzept mit vier
Teilgebieten. Quartierprägend spielen die integrale Erhaltung
der Zeilenbauten "Zur Kesselschmiede" sowie die dahinterliegenden Hallenbauten eine wesentliche Rolle. Die Weiterentwicklung der bisherigen Nutzung ergänzt mit öffentlichen Betrieben macht an diesem zentralen Ort Sinn. Die etwas starre
Haltung mit dem Verzicht von Neubauten in diesem Gebiet hat
den Nachteil, dass volumetrisch keine Übergänge und Präzisierungen stattfinden können.
Im Gegensatz dazu gelingt es, mit den fünf Blockrandbauten
am Westrand vielfältige Beziehungen herzustellen. Mit der gelungenen Neuinterpretation der Wohntypologie des Tössfeldquartieres und der Verschränkung mit den Bauten im Osten
findet ein allseitiger Dialog statt. Die Hochparterrelösung mit
den Blockrandöffnungen lässt eine hohe Wohnqualität erwarten. Auch wenn eine klare und angenehme Wohnsituation entsteht, ist die Reduktion der imposanten Silhouette längs den
Gleisen ein Verlust.
Mit viel Verständnis für die Industriearchitektur wird die Halle
181 sehr geschickt für die ZHW genutzt. Der viergeschossige
Aufbau über der Halle und der im Osten angedockte Neubau
bilden eine attraktive Collage Alt – Neu. Überraschend ist der
Nachweis, wie sich die komplexe Struktur auch für Dienstleistungsnutzungen eignet.
Zwei hohe abgewinkelte Baukörper bilden bei der Wylandbrücke den Auftakt zum Lagerplatzareal. Durch ihre Stellung
und Massigkeit können sie städtebaulich nicht überzeugen. Die
grossen Gebäudetiefen sowie der enge Hofraum ermöglichen
keine Nutzungsflexibilität. Die zwei lateralen Einfahrtsrampen in
die beiden Parkhäuser beruhigen das gesamte Lagerplatzareal.
Es bleibt ein dichtes Netz für Fussgänger und Fahrradfahrer
gemischt mit moderatem Anlieferungsverkehr. Die drei- bis
viergeschossigen Parkhäuser werden sinnvollerweise unter den
Neubauten angeordnet. Bei der Zufahrt im Osten bleibt die
Frage von Konflikten mit den Fussgängern unbeantwortet. Die
Aufteilung in zwei Parkhäuser erlaubt einen flexiblen Ablauf der
einzelnen Etappen.
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Den Verfassern ist es mit Ausnahme der neuen Dienstleistungsbauten gelungen, die einzelnen Quartierteile überzeugend
zu entwickeln und einen entsprechenden Arealcharakter aufzubauen. Leider vermag städtebaulich durch die starke Isolierung
der einzelnen Teilgebiete die Gesamtanlage trotz einheitlicher
Materialisierung nicht zu überzeugen.
Freiraum
Die vorgeschlagene Freiraumstruktur ist vordergründig einfach
und bestechend: Die originalen Beläge mit den Bahnschienen
werden im urbanen Bereich belassen, die Wohnhöfe werden
als Schotter- und Kiesbelag mit Birken und Sukzessionsgrün
leicht erhöht hergestellt und zu den Bahngleisen hin bildet ein
stillgelegtes Gleis mit Spiel-Bahnwagen den Abschluss. Im
urbanen Bereich wird es schwierig sein, bei den Neubauten die
alten Beläge und Gleise zu halten. Sie müssten allenfalls aufwendig rekonstruiert werden. Zudem wirkt die Asphaltbelagsfläche ohne jedes Grün enorm gross. Die angestrebte Urbanität
der Belagsfläche wird mit der weitgehend fehlenden Erdgeschossnutzung kaum einzulösen sein. Das Sukzessionsgrün
der Wohnhöfe ist dazu nicht ein wirklicher Gegensatz, sondern
wird bei einer intensiven Nutzung eher als schütter begrünte,
ungepflegte Schotterfläche in Erscheinung treten. Die Trennung
des neuen Stadtteils vom Gleiskörper durch Spielbahnwagen
mutet romantisch an und dürfte dem selbstbewussten städtischen Auftritt kaum gerecht werden.
ZHW
Die Situierung der ZHW im Innern des Lagerplatz-Areals ist im
Rahmen der Grunddisposition des Vorschlags folgerichtig und
prinzipiell auch aus Sicht der Schule denkbar. Die umgebaute
und partiell aufgestockte Halle 181 präsentiert sich zusammen
mit dem neuen Anbau als spannungsvolle Schulanlage mit
vielfältig nutzbarem Raumangebot.
Investorenfreundlichkeit
Das Ausnützungsmass liegt in der Grössenordnung des Ausnützungsrichtwertes. Die klare Segmentierung und räumliche
Aufteilung der Nutzungen (Wohnen, Schule und Dienstleistungen) mit den entsprechenden spezifischen Gebäudetypologien
schränkt die Nutzungsflexibilität ein. Durch diese räumliche
Aufteilung ist die Etappierbarkeit bezüglich Nutzung erschwert
resp. es kann nicht auf Marktbedürfnisse reagiert werden.
Beispielsweise werden im Moment eher Wohnungen gesucht,
diese könnten jedoch erst nach der Verlegung der Hochschule
erstellt werden. Die dargestellten Volumen versprechen pro
Nutzungsart beziehungsweise Baufeld eine ökonomische
Bauweise.
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
3.3
Verfasser
schnebli menz sam
architekten und partner ag
Städtebau/Architektur:
schnebli menz sam
architekten und partner ag
Hardturmstrasse 175
8037 Zürich
Dolf Schnebli
Davide Servalli
Nadine Zietlow
Freiraum:
Atelier Girot, Gockhausen
Christophe Girot
Akustik / Lärmbekämpfung:
Braune Roth AG, Binz
Bernhard Braune
Beschrieb
Es ist die Gesamtidee, ein städtisches Quartier zu entwerfen,
das mit neuen Bauten die Geschichte des Ortes respektiert.
Städtebau / Nutzung
Es sind drei Hofrandgebäude, ein Solitärbau und eine Zeile
längs der Zur Kesselschmiede vorgeschlagen.
Die Gebäude sind so konzipiert, dass in allen Erdgeschossen
und im ersten Obergeschoss publikumsorientierte Nutzungen
angesiedelt werden können.
In den unteren Geschossen der Hofrandgebäude im Bereich
der Halle 181 und der Halle 180 sind Dienstleistungsflächen
vorgesehen, die auch kleinteilig genutzt werden können.
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Die einseitig orientierten Wohnungen in den oberen Geschossen des Hofrandes "181" werden durch einen Laubengang
direkt erschlossen. Im Hofrand "180" sind Zweispänner-Wohnungen angeordnet. Alle Gebäude haben den Wohnungen
zugeordnete, frei vermietbare oder öffentliche Dachgärten.
Gegen die Bahnlinie dienen geschlossene Laubengänge der
Erschliessung der zur Westseite hin natürlich belüfteten
Räume.
Der quadratische Solitär im Bereich der Halle 194 ist für öffentliche Nutzungen vorgesehen. Das Erdgeschoss ist offen und
dient als wettergeschützter Teil des grossen Platzes.
Das schlanke, lange Gebäude längs der Strasse „Zur Kesselschmiede“ ist zweiteilig. Der nördliche Teil wird durch Laubengänge erschlossen. Damit wird im Erdgeschoss die Ein- und
Ausfahrt für die Unterniveaugarage ermöglicht. In den obersten
Geschossen liegen Duplex-Wohnungen mit direkter Verbindung
zum Dachgarten. Im südlichen Zeilenteil sind in den Obergeschossen Drei- und Vierzimmer-Wohnungen angeordnet.
Die ehemalige Portierloge soll denkmalpflegerisch wieder hergestellt werden als Kiosk genutzt werden.
Materialisierung
Über der Tiefgarage wird eine Ausgleichsdecke vorgesehen.
Darüber werden in allen Gebäuden im Betonskelette für die
Dienstleistungsebenen und Tragwände für den Wohnungsbau
vorgeschlagen. Die Aussenwände sind zwei Schalenkonstruktionen mit heller Backsteinverkleidung.
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Erschliessung und Parkierung
Die oberirdische Anlieferung erfolgt über eine Zufahrt entlang
der Bahnlinie. Ansonsten ist das Areal verkehrsfrei. Die Zufahrten zur Tiefgarage befinden sich im Bereich der Jägerstrasse und in der Zeile "Zur Kesselschmiede".
Freiraum
Als Bodenbeläge werden Asphalt, Beton und Elemente der
rückgebauten, bestehenden Bauten in verschiedenen Varianten
vorgeschlagen. Die Entwässerung soll durch offenliegende
Rigolen erfolgen. Das Regenwasser fliesst durch das Hofrandgebäude im Südwesten in den versenkten Betontrog, in dem
ein „Wald“ aus Eschen, Vogelkirschen, Glyzinien und Robinien
wächst.
ZHW
Die ZHW wird im Bereich der Halle 193 erstellt. Die Departemente Architektur und Gesundheit könnten einzeln gebaut werden, was gemäss Verfasser aber nicht vorteilhaft wäre. Die
Erschliessungskorridore an der Ostfassade dienen dem Schallschutz. Der Vorplatz zum Haupteingang wird definiert durch
den Zeilenbau und das Portico auf der Westseite des ZHWGebäudes.
Alternative Nutzung ZHW
Anstelle des ZHW-Gebäudes könnte ein den andern Hofrandgebäuden analoges Gebäude verwirklicht werden.
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Würdigung
Städtebau / Architektur
Ein radikaler Neubeginn auf dem Lagerplatzareal ist die tragende Idee des Projektes. Im Sinne einer "Città Ideale" wird ein
klassisches homogenes Quartier aufgebaut. Mit Ausnahme der
Grossmassstäblichkeit werden keine Erinnerungen an die ehemaligen Nutzungen und Freiräume gesucht. Die Arbeit zeichnet
sich als ein präzises, sorgfältig bearbeitetes Projekt aus und
geht weniger auf einen Planungsprozess mit grossen Unbekannten ein. Neben der einheitlichen Materialisierung werden
die Spielregeln im Aufbau des Schnittes gemacht. Generell
bleibt das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss für Dienstleistungen reserviert und gewohnt wird, mit Ausnahme der
ZHW, ab dem zweiten Obergeschoss. Wieso diese Trennung
von den Arkaden nicht übernommen wird, ist bei der Grösse
des Baukörpers unverständlich. Attraktiv gewertet wird der
Vorschlag einer Nutzung aller Dachflächen für die Wohnungen.
In einer ersten Etappe besetzen die ZHW und ein Ersatzbau
Kesselschmiede das Gelände bei der Wylandbrücke. Mit der
Erhaltung des Kiosks und dem Vermeiden einer Einfahrtsrampe
entsteht eine attraktive Eingangssituation und ein guter Auftakt
zum neuen Quartier. Die Fachhochschule erhält mit den zwei
Innenhöfen eine sinnvolle Organisation und könnte auch als
Dienstleistungsgebäude genutzt werden. Mit dem Realisieren
des ersten Teiles der Kesselschmiedezeile gelingt es die Einfahrtsrampe ins Gebäude zu integrieren und eine grosszügige
Einstellhalle zu bauen. Das Gelände im Westen steht nun zur
Realisierung der zweiten Etappe zur Verfügung. Die Öffnung
des Blockrandes im Erdgeschoss in Richtung Hauptplatz entspricht der städtebaulichen Setzung. Die durchgehende Zäsur
gegen Westen bleibt aus lärmtechnischen Überlegungen
unverständlich.
Auf Grund der Tiefgarage wäre es sinnvoll, das Hofrandgebäude, die Vervollständigung der Kesselschmiedezeile und den
Solitärbau gemeinsam in einer dritten Etappe zu realisieren.
Die grossflächige Nutzung eines Teiles des Hofrandgebäudes
trägt zur Identifikation bei und ergänzt mit dem Grossverteiler
das Nutzungsangebot. Mit der Anlieferungsstrasse entlang den
Gleisen sind bei allen Bauten die Ver- und Entsorgungen gewährleistet. Entsprechend dem traditionellen Bautyp einer
"Loggia dei Sulzer" wird das Gebäude im Erdgeschoss offen
gehalten und in den oberen Geschossen öffentlich genutzt. Ob
der fehlende Aussenraum eine Nutzung von Kindergarten und
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Hort zulässt ist fraglich. Die Legitimation erhält dieses wichtig
schräg gestellte Volumen nur durch die Geschichte der
Architektur.
Das bis ins kleinste Detail sorgfältig ausgearbeitete Projekt
stellt mit seiner hohen Dichte und absolut autonomen Haltung
einen wichtigen Diskussionsbeitrag dar. Der Städtebau ist präzise und der Ausdruck in seiner Art stimmig. Im Grundsatz verfehlt der Vorschlag jedoch die Absicht der Veranstalter, eine
Bauentwicklung in flexiblen und kleineren Schritten jedoch mit
direkten und nachvollziehbaren Beziehungen zur baulichen
Geschichte des Lagerplatzareals zu erhalten.
Freiraum
Der vorgeschlagene Freiraum besteht aus einem urbanen Bereich mit Asphalt, Beton und wieder verwendeten Abbruchmaterialien - durchzogen von Rigolen - und dem Spielwald. Diese
Zweiteilung ist gut nachvollziehbar und unterstützt die Architektur. Hingegen wird die Verwendung der drei unterschiedlichen
Materialien nicht gezeigt und ist schwierig vorstellbar. Die Rigolen im Wohnhof in ein Wasserbecken zu leiten und dann im
Wald versickern zu lassen ist ein schöner Gedanke, dürfte jedoch kaum realisierbar sein, da Regenwasser zu sehr verschmutzt ist, um als grosser Wasserspiegel wirken zu können.
Weshalb der Spielwald in einen Betontrog gelegt wird, ist nicht
verständlich. Der Wohnhof ohne jedes Grün wirkt hart, hingegen ist der Spielwald nebenan ein wohltuender Kontrast. Ebenso ist der Gedanke der Dachgärten positiv. Wie sehr diese das
Bild der grossvolumigen Architektur beeinflussen, wird nicht
weiter dargestellt.
ZHW
Die ZHW erhält einen prominenten Auftritt als markanter, weithin sichtbarer Kubus am stadtseitigen Eingang zum Lagerplatzareal. Die Anforderungen des aktuellen Raumprogramms werden erfüllt; der robuste, teils ein- und teils zweibündig angelegte
Grundriss lässt aber darüber hinaus problemlos auch andere
Dispositionen oder spätere Umnutzungen zu.
Investorenfreundlichkeit
Das Ausnützungsmass liegt über dem Ausnützungsrichtwert.
Das gewählte Konzept - quasi aus einem Guss - bedingt eine
Realisierung in sehr kurzer Zeit und möglichst aus einer Hand.
Eine wirtschaftliche Etappierung ist kaum möglich, da grosse
Vorinvestitionen in den Abbruch, den öffentlichen Raum, die
Einstellhalle usw. nötig sind. Das Nebeneinander von Alt und
Neu über einen längeren Zeitraum wurde nicht ausgewiesen
und ist aus Sicht der Nutzer und des Marktes kaum befriedigend lösbar. Die einzelnen Bauvolumen basieren auf rationellen Grundrissen und lassen dadurch günstige Kostenkennwerte erwarten.
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
3.4
Verfasser
giuliani.hönger ag
Städtebau / Architektur:
giuliani.hönger ag
Dipl. Architekten ETH-BSA-SIA
Hardstrasse 219
8005 Zürich
Lorenzo Giuliani
Christian Hönger
Tobias Ziegler
Caroline Schönauer
Daniela Frei
Verkehr:
Stadt-Raum-Verkehr, Birchler + Wicki Markus Birchler
Freiraum:
KuhnTruninger Landschaftsarchitekten Stephan Kuhn
Haustechnik und Bauphysik:
Peter Hartmann, dipl. Masch.-Ing. ETH
Beschrieb
Im Sinne eines wertvollen Erbes und einer unverwechselbaren
Qualität - Geometrie und Charakteristik der Aussenräume, besondere Raumstimmung geprägt durch die Materialität des
Backsteins sowie die Massstäblichkeit beziehungsweise die
Dimensionen der Baukörper - des bestehenden Ortes soll der
stadträumliche und atmosphärische Bezug zur industriellen
Vergangenheit auch nach der Transformation erhalten bleiben.
20
Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Städtebau / Nutzung
Die Umrisse der bestehenden Gebäude werden als stadträumliche Grundfiguren, als so genannte Footprints übernommen.
Die ursprünglichen Hallenumrisse werden zu Baufeldern
umgedeutet.
Die Halle 180 der ZHW bleibt bestehen und wird auf der Südseite um einen neuen Schulhof für das Departement Gesundheit erweitert. Der Turm (Gebäude 189) wird aufgestockt.
Am nördlichen Ende des Areals wird ein neues Kopfgebäude
mit Dienstleistungsnutzung und publikumsorientierten Nutzungen gesetzt.
Zwischen diesen beiden markanten Baukörpern sind in alternierender Abfolge hochgezogene, stehende, sechsgeschossige
Bauten mit Wohnnutzungen und flache, liegende, dreigeschossige Bauten mit Büros vorgesehen. Die tieferen Volumen entlang dem Gleisfeld werden mittels einem Hochparterre mit den
nachfolgenden höheren Baukörpern zusammengefasst.
In der Mitte des Areals befinden sich die drei flächigen Hallenvolumen mit einer niederen Gebäudehöhe, von denen das Gebäude 118 in der bestehenden Form erhalten bleibt. Hier ist
eine publikumsorientierte Nutzung vorgesehen.
Entlang der Zur Kesselschmiede sind höhere Bauten mit Wohnungen, in den unteren beiden Geschossen Maisonette-Wohnungen mit Hochparterre, platziert.
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Materialisierung
Neben der Volumetrie der Bauten wird über die Materialisierung
mit Backsteinen ein Zusammenhang zur industriellen Arealgeschichte angestrebt.
Erschliessung und Parkierung
Die Erschliessung für Autos, Velos und Fussgänger erfolgt über
die beiden querliegenden Plätze Wylandplatz und Kesselschmiedeplatz. Die Autos können bis zu den beiden Besucherparkplätzen, beziehungsweise den Abfahrten zu den Tiefgaragen zufahren.
Der innere Bereich des Areals ist den Fussgängern und Radfahrern vorbehalten. Lediglich die Anlieferung und Notzufahrt
für die Gebäude entlang der Bahn erfolgen über diesen
Bereich. Die Anlieferung für die publikumorientierte Nutzung in
der Arealmitte erfolgt über Durchgänge in der Zeile Kesselschmiede.
Freiraum
Die Geometrie der Aussenräume mit den langgestreckten
Gassenräumen bleibt erhalten.
Innerhalb des Areals werden vier Plätze definiert, welche dem
jeweiligen Ort eine Identität geben und mit ihren Namen an die
industrielle Geschichte des Ortes erinnern sollen. Beim Kopfbau entsteht der Wylandplatz. Ein linearer Grünbereich dient
als Abschluss des Platzraumes und als Begleitung des Dammes. Am Übergang der linearen Bebauung zur ZHW wird der
Kesselschmiedeplatz angeordnet. Der Kohleturmplatz ist das
Zentrum der ZHW und dient als Eingangshof. Im Innern des
Areals liegt ein kleiner, zentraler Platzraum (Lagerplatz).
Unterlegt ist das ganze Gebiet mit einem Asphaltbelag. Zwischen dem Gleisfeld und den ersten Baukörpern wird Bahnschotter verwendet.
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
ZHW
Die Erweiterung der heutigen Schulanlage nach Süden erfolgt
mit einem querliegenden Baukörper. Damit entsteht eine dreiteilige Anlage mit bestehendem Schulgebäude, Turm und Hofraum sowie neuem Schultrakt. Im bestehenden Trakt werden
die zusätzlichen Nutzungen des Departements Architektur
nachverdichtet. Mit der Aufstockung des Turmes finden die
gemeinsamen öffentlichen Bereiche der Schule ihren Platz. Im
neuen zweibündigen Schultrakt sind die Unterrichtsräume des
Departementes Gesundheit untergebracht.
Alternative Nutzung ZHW
Wird die ZHW nicht im Lagerplatzareal erstellt, schlagen die
Verfasser drei alternative Baukörper mit Wohnungen und Büros
vor.
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Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Würdigung
Städtebau / Architektur
Das städtebauliche Konzept beruht auf dem Grundanliegen, die
heutigen räumlichen Qualitäten und die Stimmung des Areals
für die zukünftige Entwicklung des Areals aufzugreifen und
weiterzuführen. Im Gegensatz zum Ansatz der ersten Stufe
wird auf dem Hintergrund der Kritik in der Zwischenbesprechung die bestehende bauliche Substanz weitgehend durch
neue Bauten ersetzt. An den Endpunkten des Areals werden
durch einen würfelartigen Solitär im Norden und ein scheibenartiges Hochhaus im Bereich der erweiterten Fachhochschule
im Süden kubische Akzente gesetzt, die sowohl die Silhouette
zur Bahn als auch die Erkennbarkeit des Areals als Ganzes
unterstützen.
Zwischen diesen Akzenten entwickelt sich eine niedrigere
durch zwei in der Höhe alternierende Zeilenpaare gekennzeichnete Gebäudestruktur. Insgesamt entsteht eine volumetrisch
ruhige, ausgewogene Grunddisposition, die jedoch in Bezug
auf die Differenzierung öffentlicher und halböffentlicher Aussenräume undifferenziert aufgebaut ist. Sehr interessant und vom
inneren Aufbau und von der städtebaulichen Einbindung her
überzeugend ist der Vorschlag für die am heutigen Ort erweiterte Fachhochschule. Nicht zu befriedigen vermochte die Struktur
der arealinternen Freiraumfigur. Die platzartigen Ausweitungen
sind mit Ausnahme des nördlichen Zugangs zu knapp bemessen und sind als räumliche Schwerpunkte nicht identifizierbar.
Im Bereich des neu zu erstellenden, flachen Mehrzweckgebäudes entstehen unverständlich enge Verhältnisse.
Die Nutzungsverteilung wird auf dem Hintergrund der Kritik der
ersten Phase dahingehend verändert, dass auf die vertikale
Mischung von Nutzungen konsequent verzichtet wird. In den in
der Geschossigkeit differenzierten Zeilenpaaren werden in den
niedrigeren Gebäudezeilen jeweils Dienstleistungs- und Gewerberäume, in den höheren Zeilen Wohnungen untergebracht.
Unbesehen von der örtlichen Lage werden im Erdgeschoss
durchgehend Wohnungen vorgeschlagen. Trotz der Ausbildung
als Hochparterre vermag dies in Teilbereichen und insgesamt
nicht zu überzeugen.
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Dies gilt auch für die Anordnung der Dienstleistungsnutzung in
den niedrigen Zeilen zu den Geleisen, für die die Anlieferung
umständlich und für die Wohnungen empfindlich störend ist.
Die Zufahrten und die Erschliessung in den teilweise schmalen
Freiräumen sind grundsätzlich für das Wohnen im Erdgeschoss
schwer vorstellbar. Die Anordnung von zwei unabhängigen
Tiefgaragen ist aufgrund der Altlastenfrage verständlich führt
jedoch zu teilweise nicht an eine Parkierung angeschlossenen
Baufeldern.
Die Frage, ob Wohnen unter den vorgeschlagenen strukturellen
und räumlichen Rahmenbedingungen in den unteren Geschossen möglich wäre, muss bezweifelt werden und ist in den
Grundrissen und Schnitten auch nicht näher entwickelt. In den
oberen Geschossen dürften durch die Höhenstaffelung der
Zeilen teilweise gute Bedingungen für das Wohnen geschaffen
werden.
Die architektonisch an die bestehenden Bauten anknüpfende
homogene Erscheinung und Stimmung der Bauten wird mit
grossem Nachdruck als wichtiges Merkmal des städtebaulichen
Erscheinungsbildes vorgetragen. Ob dieses Anliegen über die
lange zu erwartende Realisierungsdauer realistisch und damit
angemessen ist, ist schwierig einzuschätzen.
Der sehr stark von Stimmungsmomenten getragene städtebauliche Vorschlag löst die den spezifischen Gegebenheiten des
Areals zugrundeliegenden schwierigen Problemstellungen, wie
beispielsweise die knappen Abmessungen in Ost-/Westrichtung
nicht. Trotz teilweise freiem Umgang mit der Position und der
Transformation der bestehenden Bauten ist die Frage eines
überzeugenden Ansatzes für die Wohnnutzung im mittleren
Abschnitt ungelöst geblieben.
Freiraum
Das gesamte Areal ist mit Asphalt unterlegt und einzelne Platzflächen werden begrünt. Dieses einfache Grundmuster ist gut
nachvollziehbar. Hingegen ist das Grössenverhältnis zwischen
Gassen und Plätzen nicht optimal, die Plätze wirken im Vergleich zu den Gassen klein und eng. Auch die Qualität der
Plätze und eines weiteren Grünelementes, den Vorgärten, lässt
noch nicht die Qualität einer Ergänzung zu den leeren Gassenräumen erkennen. Mit der hohen Zahl der Gassenräume wird
es schwierig sein, den urbanen Charakter der Erscheinung, wo
bis ins Erdgeschoss gewohnt und gearbeitet wird, mit Leben zu
füllen.
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Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
ZHW
Die Halle 180 mit der bestehenden Architekturschule wird Uförmig um einen zur Tössfeldstrasse hin offenen Hof herum erweitert. Es gelingt den Projektverfassenden, die einzelnen Teilbereiche der Schule volumetrisch eigenständig zu formulieren
und gleichzeitig zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen. Für die Behebung der energetischen und brandschutztechnischen Defizite der Halle 180 werden Lösungen vorgelegt.
Bedenkenswert sind die Überlegungen zum Einbezug der
grauen Energie in die Gesamtbetrachtung der Energiefrage.
Investorenfreundlichkeit
Das Ausnützungsmass liegt in der Grössenordnung des Ausnützungsrichtwertes. Die gewählte Struktur lässt eine Etappierung und Durchmischung von neu und alt gut zu. Die gewählte
Typologie aufbauend auf der heutigen Struktur schränkt jedoch
die Nutzungsflexibilität indirekt ein. Die entlang der Bahn angeordneten grossen und tiefen Gebäude lassen sich wohl als
Dienstleistungsflächen nutzen, sind jedoch kaum zur Umwandlung in Wohnnutzung geeignet. Das Weiterbauen am bestehenden Standort der ZHW erweist sich als ökonomisch interessant.
Die zu erwartende Ökonomie der Wohnbauten ist gut, diejenige
der Dienstleistungsbauten fraglich.
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Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
3.5
Verfasser
Martin & Elisabeth Boesch
Städtebau / Architektur:
Martin & Elisabeth Boesch
Architekten ETH SIA BSA
Fröbelstrasse 10
8032 Zürich
Elisabeth Boesch
Martin Boesch
Christoph Ramser
Jonathan Bopp
Jules Hausherr
Nils Krämer
Freiraum:
Prof. Christiane Sörensen
Beratung:
Wanner Konzept AG
Hans Wanner
Lärmschutz:
Mühlebach, Akustik & Bauphysik
Beschrieb
Die städtebauliche Setzung ist aus dem Bestand heraus entwickelt. Das Industrieareal Lagerplatz soll in einem schrittweisen Transformationsprozess in ein Quartier für Wohnen, Lernen und Arbeiten verwandelt werden.
Städtebau / Nutzung
Eine Aussenraumfigur mit drei eigenständigen Plätzen - die Trilogie Pforte, Square, Forum - strukturiert das Areal Lagerplatz.
Die parallelen Bauten längs der Gasse, die Hofbauten unterschiedlicher Ausbildung entlang der Gleise und der Komplex
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Bericht des Beurteilungsgremiums
ZHW, beziehungsweise ein allfälliger Ersatzbau, bewirken die
räumliche Fassung dieser Orte.
Das Eckgebäude im Nordosten des Areals und die Bauten der
Gasse sind primär der Büronutzung gewidmet, die Hofbauten
entlang der Geleise zwischen Eckgebäude und ZHW dem
Wohnen. Zudem werden zwei "Joker" vorgeschlagen: der
kleinere Hofbau beim Square und der Neubau an der Südspitze
der Gasse lassen sich der einen wie der anderen Nutzung
zuordnen.
Am Square könnte eine weitere „Winterthurer Perle“ (Kulturbauten wie Museen oder Sammlungen) entstehen.
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Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Die Wohnungen im Hofrandgebäude "Gartenhof" sind gegen
den Lärm durch ein Wohnregal abgeschirmt. Das Gebäude ermöglicht dem rückwärtigen Bewohner des Hofes sowie dem
Bahnreisenden Sichtbezüge in die Tiefe des Raumes und damit
die Teilnahme am jeweils dahinterliegenden, anderen Raum.
3 mögliche Nutzungsverteilungen
Erschliessung und Parkierung
Die Hauptzufahrt zum Areal befindet sich in der Verlängerung
der Jägerstrasse. Über eine Durchfahrt durch die Gebäudezeile
hindurch sollen so wohl die Tiefgarage als auch die BesucherParkplätze erschlossen werden. Eine zusätzliche Einfahrt ab
der Tössfeldstrasse bedient die Tiefgarage bei der Halle 180.
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Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Die Einstellhallen konzentrieren sich auf einen Streifen parallel
zu den SBB-Geleisen und eine separate Tiefgarage im Bereich
ZHW. Solange das „Feld“ noch nicht überbaut ist, kann die Halle 181 als Parkhaus dienen. Die unterirdischen Einstellhallen
werden zusammen mit der schrittweisen Entwicklung des
Areals gebaut und können zusammengehängt werden.
Freiraum
Der nördliche Eingangsplatz, die Pforte, ist eine Komposition
des ehemaligen Pförtnerhäuschens und einem Kiefernhain. Im
Übergang vom Eingangsplatz zum nächsten Platz liegt die
„Markthalle“.
Der Square soll zum überörtlichen Anziehungspunkt werden.
Die lichte, transparente und stimmungsvolle „Orangerie“ schützt
den Platz vor dem Lärm aus dem Gleisraum.
Das Forum, am südlichen Ende des Gebietes, wird als ein Ort
beschrieben, der am stärksten vom industriellen Erbe geprägt
ist. Die Kranbahn und die offene Halle schaffen einen Aktionsraum für vielfältige Nutzungen.
Die Gasse stellt einen baumlosen urbanen inneren Freiraum
dar. Die Fassaden können individuell begrünt werden.
ZHW
Die ZHW wird im Bereich der heutigen ZHW erweitert. Die bestehende Halle 180 ist dem Departement Architektur zugeteilt.
Im mittleren Teil befindet sich das Departement Gesundheit
und das Rektorat mit Infrastruktur. Im südlichen Neubau teilen
sich die Departemente Architektur und Gesundheit die Räumlichkeiten.
Alternative Nutzung ZHW
Wird die ZHW nicht im Lagerplatzareal realisiert, sind ein Hofrand- und ein Zeilenbau mit Wohnnutzungen vorgesehen.
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Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Würdigung
mit ZHW-Neubau
ohne ZHW-Neubau
Städtebau / Architektur
Die sorgfältige Analyse des Ortes und der planerischen Problemstellung des Areals führte bereits in der ersten Stufe zu
einem differenzierten und phantasievollen Set von möglichen
konzeptionellen Massnahmen. Was in anderen Vorschlägen als
eher additive Anordnung zwar spezifisch aus dem Ort heraus
entwickelter Massnahmen wahrgenommen wurde, präsentiert
sich in der vorliegenden Planungsvision als identitätsstiftendes,
ernsthaftes und leistungsfähiges Planspiel, das in Form von
Szenarien entwickelt und dargestellt wird.
Aus den spezifischen Lagequalitäten auf dem Areal wurden in
einem iterativen Verfahren Festsetzungen gefunden, die zeigen, wie das Areal schrittweise weiterentwickelt werden könnte.
Die einzelnen Ansätze sind auf verschiedenen konzeptionellstädtebaulichen Ebenen angelegt und erfordern in jedem Zeitpunkt eine sorgfältige, der jeweiligen Fragestellung angemessene fachkompetente Umsetzung.
Von zentraler Bedeutung ist die Ausscheidung von drei platzartigen Freiräumen, die auf heute unbebauten Arealteilen angelegt sind. Der mit Pforte bezeichnete nördliche Platz wird durch
ein grossmassstäbliches Dienstleistungsgebäude mit akzentuierender Eckausbildung bestimmt. Seine Position als Brückenkopf ist bis auf die Frage der baulichen Beziehung zur Zufahrtsrampe zur Brücke überzeugend. Je nach Marktsituation könnte
dieses Dienstleistungsgebäude auch für Wohnungsbau genutzt
werden. In der Tiefe des Platzes wird die perlenkettenartige
Doppelzeile durch einen skulpturalen Baukörper ergänzt, der
als Möblierung des Platzes unterschiedliche Formen annehmen
könnte.
Der mit Square bezeichnete zu den Geleisen hin gelegene
Platz bildet einen ersten räumlichen Schwerpunkt innerhalb des
Areals und schafft Raum für die Anordnung eines grundsätzlich
freien, in der Interpretation als würfelartiger Solitär ausgelegten
Gebäudes.
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Der mit Forum bezeichnete dritte Platz im Bereich des heutigen
Zuganges zur Fachhochschule ist im Bereich der offenen, teilweise überdachten Halle vorgesehen. Er gewährleistet am
Übergang zum anschliessenden Wohnquartier den Zugang
zum Areal. Er ist von seiner städtebaulichen Wirkung her aufgrund der heterogenen Fassung am wenigsten klar lesbar und
müsste weiter präzisiert werden. Ob das bestehende, offene
Industriegebäude erhalten werden könnte, steht in enger
Abhängigkeit zur Entwicklung der benachbarten Baufelder.
Äusserst geschickt ist die Ausscheidung eines vierten städtischen Freiraumes des so genannten Gartenhofes, der Teil
eines grossen Wohnhofes ist. Durch diese Massnahme wird
sichergestellt, dass auch im mittleren Arealabschnitt Wohnungen, sogar als Familienwohnungen, realisiert werden könnten.
Dies wird nicht nur durch die grosszügigen Abmessungen, sondern auch durch eine spezielle als so genannte Regal bezeichnete transparente Ausbildung des Hofrandes zur Bahn hin erreicht. Dabei unterstützt die teilweise Transparenz dieses Hofrandes auch die differenzierte Wahrnehmung des Areals von
der Bahn her.
Die Gebäude der bestehenden strassenseitigen Doppelzeilen
sind grundsätzlich als einzelne Zeilen respektive Gebäude auf
unterschiedliche Art und Weise entwickelbar. Es könnten sowohl einzelne Gebäude als auch ganze Zeilen ersetzt werden.
Durch die doppelte Führung der nordsüdverlaufenden Freiraumachsen könnten die beiden Zeilen auch zusammengenommen neu interpretiert werden.
Für den Bereich der heutigen Fachhochschule werden im
Grundsatz flexible Szenarien, sei es für eine Erweiterung, einen
Ersatz oder einen etappierten Ersatz dargestellt. Die Möglichkeit mit einem Erweiterungsbau auch die Silhouette zur Bahn
zu steuern, wird als schöner Vorschlag begrüsst. Auch der
durch mehrheitlich nordsüdorientierte Wohnungen gebildete
weitere Wohnhof als Ersatz für die Halle 180 wird begrüsst. Ob
der lange südliche Wohnbaukörper auch in dieser Konstellation
städtebaulich Sinn machen würde, ist fraglich. Grundsätzlich
könnte der Bereich als Gesamtes unabhängig entwickelt
werden.
Das Planungskonzept überzeugt nicht nur durch das schrittweise und präzise Aufspüren der strategischen Problemstellungen, sondern auch durch den anregenden und komplexen
entwerferischen Umgang mit den widersprüchlichen Gegebenheiten und Anforderungen des Areals.
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Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Freiraum
Mit einer Vielfalt an Freiraumstruktur von differenzierten Plätzen
und Gassen, Wohn- und Bürohöfen wird ein urban wirkendes
Stadtgeflecht mit einem hohen Grad an Aufenthaltsqualität angeboten. Der Aussenraum bindet die unterschiedlichen Nutzungen und Architektursprachen wohltuend zusammen.
ZHW
Die zusätzlich zu den bestehenden Räumen des Departements
Architektur erforderlichen Nutzflächen werden in mehreren, der
Halle 180 südwestlich angelagerten und in der Höhe subtil gestaffelten Raumschichten angeordnet. Der Flächennachweis ist
erbracht; die Anordnung der einzelnen Bereiche der Schule ist
jedoch nur teilweise erkennbar. Gemäss den Abklärungen der
Projektverfassenden ist der Umbau der Halle 180 zu einer
baurechtlich bewilligungsfähigen Schulanlage möglich.
Investorenfreundlichkeit
Das Ausnützungsmass liegt in der Grössenordnung des Ausnützungsrichtwertes. Die gewählte Struktur lässt eine Etappierung, wie auch die gewünschte Nutzungsflexibilität gut zu. Das
Quartier kann über einen längeren Zeitraum „wachsen“ und das
Nebeneinander von Alt und Neu ist gut denkbar. Die differenzierten qualitativ hochstehenden Aussenräume und Gebäude
unterstützen die Adressbildung. Die gewählten Gebäudetypologien versprechen eine kostengünstige Bauweise. Die Ergänzungsbauten am aktuellen Standort der ZHW zeigen eine
sehr wirtschaftliche Lösung auf.
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Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
3.6
Verfasser
burkhalter sumi architekten
Städtebau /Architektur:
burkhalter sumi architekten
ETH BSA SWB SIA
Münstergasse 18a
8001 Zürich
Marianne Burkhalter
Christian Sumi
Yves Schihin
Lea Hürlimann
Claudia Rockstroh
Gisele Gloor
Freiraum:
Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich
Beratung Investorentauglichkeit:
Blickpunkt Lebensraum, Uster
Beat Odinga
Beschrieb
Die Mantellinien der bestehenden Gebäude werden als „Footprints“ übernommen und daraus neue Baufelder entwickelt.
Das ehemalige Industrieareal wird schrittweise in ein neues
Gebiet für Dienstleistungen und Wohnungen überführt. Alt und
Neu bleiben in den verschiedensten Konstellationen nebeneinander bestehen.
Städtebau / Nutzung
In der Verlängerung des Katharina Sulzer-Platzes markiert ein
60m hohes Hochhaus als Kopfbau den Eintritt zum Areal. Der
Bau ist gegenüber der Strasse leicht zurückversetzt. In Zusammenhang mit dem Sulzerhochhaus und dem Swisscom-Tower
wären als "Dreiklang" auch 90m Höhe denkbar. Um eine Ein-
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
passung in die Silhouette zu gewährleisten, beurteilen die Verfasser eine Höhe von 25m als vertretbar. Im Erdgeschoss und
im 1. Obergeschoss sind publikumsorientierte Nutzungen, in
den darüber liegenden Obergeschossen je nach Bedarf
Wohnungen oder Büros vorgesehen.
Die Höhen der Gebäude beschreiben einen unteren (12 - 15m)
und einen oberen Horizont (21 - 25m). Die Gebäude entlang
der Bahn liegen im unteren Horizont. Im Inneren des Areals
wird der untere Horizont weitergeführt.
An den öffentlichen Plätzen ("gute Adressen") werden Kopfbauten mit Höhen im oberen Horizont gesetzt. In diesen Bauten
sind publikumsorientierte Nutzungen angeordnet.
Der Hofrandbau an der „Zur Kesselschmiede“, der Kopfbau
beim Eingang und der Hofrandbau bei der Wylandbrücke sind
Dienstleistungsbauten. In den Baufeldern 180 und 181 sind
Wohngebäude vorgeschlagen.
Die Gebäude der ZHW an der "Zur Kesselschmiede" sind 4und 5-geschossig.
Erschliessung und Parkierung
Die Zufahrt zum Areal Lagerplatz erfolgt im Kopfbereich, im
Bereich der Jägerstrasse und ab der Tössfeldstrasse. Diese
Zufahrten führen direkt in die Tiefgaragen.
Freiraum
Vom Kopfbau führt eine Promenade durch die Bebauung, woran sich drei Plätze angliedern. Vier Querverbindungen vernetzen die Bebauung über die Strasse „Zur Kesselschmiede“
hinweg mit dem - später noch zu öffnenden - Areal Werk 1.
35
Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Bei den Hofrandbebauungen lassen sich ruhige Innenhöfe
realisieren, die asphaltiert sind und mit Pflanzbecken ausgestattet werden. Der Aussenraum der Wohnzeilen zeigt sich als
Park mit hochstämmigen Bäumen auf grüner Wiese.
ZHW
Die Gebäude der ZHW werden entlang der „Zur Kesselschmiede“ (im Bereich der Gebäude 163-167, 188, 190 und
195) und im Bereich der Hallen 118 und 161 erstellt.
Als zweiter möglicher Standort wird eine Erweiterung oder ein
Neubau an der heutigen Lage erwähnt.
Als Alternative sind Bürogebäude vorgesehen.
Alternative Nutzung ZHW
36
Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
Würdigung
Städtebau / Architektur
Das von den Verfassern entwickelte konzeptionelle Instrument
einer flexiblen Transformation auf der Grundlage der so genannten Footprints wurde in der Überarbeitung in Bezug auf die
Hierarchisierung der Freiraumfigur und die Präzisierung der zukünftigen städtebaulichen Einbindung wesentlich weiterentwickelt. Ohne die Grundzüge zu schwächen, wurde durch einen
örtlich freieren Umgang mit der heutigen Struktur ein differenzierter und in mehrerer Hinsicht sehr interessanter und leistungsfähiger planerischer Ansatz entwickelt.
Drei kleinere ungerichtete Plätze beidseitig der mittleren Längsachse unterstützen den Rhythmus der Freiraumfigur und definieren im Bereich einer Serie von Querverbindungen Schwerpunkte und Zugangsorte zum Areal. Ein grosser Querplatz im
Bereich nördlich der heutigen ZHW sichert konzeptionell einen
freien Umgang mit dem südlichen, für Wohnungsbau prädestinierten Areal. Als städtebaulicher Merkpunkt wird am Nordende
ein akzentuierender, auf Nah- und Fernwirkung ausgelegter
Baukörper, z.B. in Form eines sechzig Meter hohen Hochhauses, vorgeschlagen. Die drei kleineren Plätze werden als arealinterne Identifikationspunkte verstanden und jeweils durch
örtliche Erhöhungen der Gebäude ausgezeichnet.
Diese konzeptionell-planerischen Massnahmen werden als teilweise sehr leistungsfähig beurteilt. Die Mehrfachfunktion des
Hochhauses ist in Bezug auf seine Nutzung als Wohnturm und
eine Konzentration der Ausnützung grundsätzlich interessant
und könnte den Zugang städtebaulich akzentuieren und klären.
Im Vergleich zu anderen vergleichbaren Dispositionen an diesem Ort wurde die Lage auf dem heutigen Zugangsplatz sowohl in seiner Rolle als Fokus des Katharina Sulzer-Platzes als
auch in Bezug auf seine Position gegenüber den Gleisen als
nicht richtig begründet beurteilt. Nicht zu überzeugen vermochte die Setzung des Hochhauses am nördlichen Ende. Das
Verstellen des Zuganges mit dem Hochhaus aber auch der
Massstabssprung wurde als unglücklich gewertet.
Grundsätzlich überzeugend war die illustrierte riesige Palette
möglicher Realisierungen und Etappierungen. Die äussere und
arealinterne Erschliessung erfolgt von der „Zur Kesselschmiede“ und von der mittleren Freiraumachse her. Der als Variante
vorgeschlagene Standort der Hochschule entlang der „Zur
Kesselschmiede“ war ein insofern interessanter Vorschlag, als
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
er die Frage der Rolle und der Lage der Hochschule an einem
konkreten Beispiel zu diskutieren erlaubt. Es zeigt sich jedoch,
dass die Hochschule als eigentlicher Nutzungsmagnet funktionieren und deshalb auch als solcher genutzt werden kann
oder soll; die Anordnung an der Strasse führt eher zu einer Abwertung der Standortqualität der rückwärtigen Baufelder.
Die grosse räumliche und strukturelle Vielfalt der illustrierten
kubischen Interpretation des Grundmusters wurde im Vergleich
als eher additiv empfunden. Die im Ansatz interessante vorgeschlagene Differenzierung der Höhe der Gebäudezeilen vermochte eine Grundproblematik des Areals, nämlich die Schaffung von Rahmenbedingungen für die Realisierung von Wohnungsbau im mittleren Arealabschnitt nicht zu beantworten.
Durch die schmalen, weitgehend uniformen Zwischenräume
zwischen den längsorientierten Zeilen entstehen trotz örtlicher
Aufweitungen in den unteren Geschossen keine befriedigenden
Verhältnisse für Wohnen. Die konkret dargestellten Wohnkonzepte stellen zwar interessante Vorschläge dar, vermögen aber
die planerische Problematik nicht aufzulösen. Hier wäre ein,
wenn auch nur örtlich freierer Umgang mit den bestehenden
Strukturvorgaben unumgänglich gewesen.
Das vorgeschlagene planerische Konzept weist auf verschiedenen Ebenen sehr wertvolle und stimmungsvoll umgesetzte
Qualitäten auf. Durch den vielleicht etwas zu zuvorkommenden
Umgang mit der bestehenden Struktur hat das Konzept die
grundsätzliche Frage des Umganges mit dem mittleren Arealteil
nicht vollumfänglich lösen können.
Freiraum
Die Freiraumstruktur ist differenziert und überzeugend. Plätze
und Gassen, Grünhöfe und Gärten bilden im jeweiligen Kontext
zu den Gebäuden eine Einheit und bilden dennoch, über das
gesamte Quartier gesehen, eine homogene Grüngestaltung.
Die Zäsur der neu interpretierten Kranbahn wird als sehr positiv
gewürdigt. Hingegen bleiben die 3 Plätze zu gleichförmig.
ZHW
Der Flächennachweis für die ZHW wird erbracht und mit der
vorgeschlagenen Anordnung der geforderten Räume kann eine
funktionsfähige Schulanlage erstellt werden. Am gewählten
Standort und in der dargestellten Form kann die ZHW jedoch
nicht die angestrebte Präsenz in der Stadt Winterthur erreichen,
wie dies mit den beiden anderen Standorten der Fall ist.
Investorenfreundlichkeit
Das Ausnützungsmass liegt über dem Ausnützungsrichtwert.
Die vorgeschlagene Struktur lässt eine Etappierung gut zu. Die
gewählte Typologie bietet die geforderte Nutzungsflexibilität.
Die Differenzierung der Aussenräume unterstützt die Adressbildung. Die einzelnen Bautypen basieren auf ökonomischen
Grundrissen, die kostengünstiges Bauen versprechen.
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Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
4. Gesamtwürdigung und
Empfehlungen
4.1
Gesamtwürdigung und Dank
Das Beurteilungsgremium würdigt die Qualität der Gesamtkonzepte sowie das hohe Niveau der analytischen städtebaulichen
Auseinandersetzung und der Diskussionen in der Zwischenbesprechung und der Schlusspräsentation. Das Beurteilungsgremium dankt den fünf Teams für das grosse Engagement.
Das Testplanungsverfahren führte zu sehr wertvollen Resultaten, welche alle einen wichtigen Beitrag für die künftige Entwicklung des Areals leisten. Die unterschiedlichen Ansätze
haben im Beurteilungsgremium zu intensiven Diskussionen
geführt. Dies ermöglicht zielgerichtete Empfehlungen für das
weitere Handeln zu formulieren.
Es hat sich gezeigt, dass das Testplanungsverfahren zweckmässig und angemessen war, um anhand von verschiedenen
Gesamtkonzepten die erfolgversprechendste städtebauliche
Haltung auf dem Areal Lagerplatz zu beschreiben.
4.2
Planungsstrategie
Die Testplanung hat gezeigt, dass eine gute städtebauliche
Entwicklung des Areales nicht ausschliesslich mit bewährten
planerischen Instrumenten gesteuert werden kann. Im Rahmen
der Anpassung der Bau- und Zonenordnung sind zur Sicherung
der städtebaulichen Qualitäten die wichtigsten Eckwerte festzulegen. Da diese offen zu formulierenden Regeln fallweise
nicht ausreichend sind, um die Qualität dieses an einer wichtigen Zugangsachse von Winterthur gelegenen Areales zu
sichern, sind für exponierte und grössere Arealteile geeignete
qualitätssichernde Verfahren vorzusehen.
Von besonderer Wichtigkeit ist die Planung eines durchgehenden Freiraumes, der die unterschiedlichen Bauten und Etappen
zusammenbinden wird.
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Bericht des Beurteilungsgremiums
4.3
Gesamtkonzept
Das Beurteilungsgremium empfiehlt folgende inhaltlichen Themen im Sinne einer Synthese weiterzuverfolgen.
Städtebauliche
Grundhaltung
Das Areal Lagerplatz ist schrittweise von einem zwischengenutzten ehemaligen Industrieareal in ein Quartier für Wohnen,
Arbeiten, Lernen und Unterhalten umzuwandeln. Das neue
Quartier lebt von seiner ursprünglichen aber vor allem auch von
der neu zu entwickelnden Identität. Die städtebauliche Setzung
ist aus dem Bestand heraus zu entwickeln („Footprints“). Der
Freiraum strukturiert das Areal und ist Grundstein der klaren
und eindeutigen Adressbildung. Wegleitend ist dabei der
Vorschlag des Architekturbüros Martin und Elisabeth Boesch.
Gesamtkonzept
Freiraum
Von zentraler Bedeutung für die planerische Entwicklungsstrategie haben sich die Definition geeigneter öffentlicher Freiräume, respektive die Definition einer freiräumlichen Figur herausgestellt. Mit der Ausscheidung und Gestaltung von robusten, urbanen Freiräumen wird das Freiraumkonzept des Sulzerareals
Stadtmitte weitergeführt. Es ist ein das ganze Areal umfassender zusammenhängender Freiraum von durchgehend hoher
Qualität zu planen. Die wichtigsten Teilbereiche sind:
•
Ein in Ost-West-Richtung verlaufender Freiraum, der die
Verbindung vom Eingang bei der Wylandbrücke zum
Wohnquartier sicherstellt und die unabhängige Entwicklung
des Areals der heutigen Fachhochschule ermöglicht.
•
Kleinere Plätze, die als Schwerpunkte eine strukturierende
und rythmisierende Funktion innerhalb der bestehenden
Freiraumstruktur entfalten:
- Platzartige Strassenaufweitung im Kopfbereich, welche
den Eintritt ins Areal bildet
- Zu den Gleisen hin gelegener Platz („Square“) zwischen
den Baufeldern 3 und 4, als erster räumlicher Schwerpunkt im Areal
40
Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
•
•
- Länglicher - allenfalls überdachter - Platz beim Gebäude
180, welcher durch die Kranbahn vom industriellen Erbe
geprägt ist und eine bewusste Zäsur im Areal bildet.
Nebengasse zwischen den Gebäuden entlang der Zur Kesselschmiede und den Gebäuden 118 und 161, sofern trotz
der Nebengasse eine zweckmässige Bebauung des
zugehörigen Baufeldes möglich bleibt.
Die Ausscheidung von halbprivaten, grosszügigen Freiräumen in den Hofrandbauten, die es erlauben im Areal
Wohnungen mit guter Wohnqualität zu realisieren.
Mit Querverbindungen und durchlässigen Erdgeschossen ist
eine hohe Durchgängigkeit sowie eine Vernetzung des Strassenraumes mit dem identitätsbildenden Gleisfeld sicherzustellen. Die Zuweisung von Nutzungen und Funktionen zu den einzelnen Freiräumen ist in einem nächsten Schritt noch auszuformulieren. Der Freiflächenanteil (begrünte Fläche und verkehrsfreie Hartflächen) sollte mindestens 30% betragen.
Bebauung
Die neuen und umgenutzten Bauten auf dem gesamten Areal
Lagerplatz sollen die Spuren ehemaliger Industrieareale weitertragen. Im Gegensatz zu den Sulzer-Arealen Zürcherstrasse
wo die "raumverdrängenden" Bauvolumen dominieren, ist im
Areal Lagerplatz die Addition verschiedener Bauten (Hallen und
Bürogebäude) strukturbildend.
Die Adressbildung ist zweistufig aufzubauen. Einerseits soll das
Areal Lagerplatz für sich eine Adresse bilden. Andererseits ist
im Areal die Adressbildung einzelner Überbauungen durch die
Schaffung von wieder erkennbaren Orten zu fördern.
Baufelder
Baufelder / Volumenverteilung
Die Baufelder ergeben sich aus der Freiraumfigur, die das
Areal strukturiert. Die Höhenentwicklung leitet sich aus der
gewünschten Silhouette zum Gleisfeld und der angestrebten
Staffelung der Baukörper ab.
41
Suter • von Känel • Wild • AG
Testplanung Areal Lagerplatz Winterthur
Bericht des Beurteilungsgremiums
•
Die Bauten entlang der Bahnlinie haben durch ihre Erscheinung an ihre Vorgängerbauten zu erinnern. Es ist
eine modulierte Abfolge von unterschiedlich hohen und
langen Fassaden anzustreben. Die Gebäude sind durch
unterschiedlich breite Gassenräume getrennt.
•
Das Baufeld 4 schafft mit Bauten ähnlicher Höhe wie am
Katharina Sulzer-Platz und im Areal Zürcherstrasse Bereich 2 (Cityhalle) eine Verbindung zum Areal Lagerplatz.
•
Als Auftakt des Areals kann im Baufeld ZHW ein Turmbau
(Gebäude 189) am Gleisfeld platziert werden. Am nördlichen Ende des Areals könnte zudem ein neues, höheres
Gebäude gesetzt werden, welches dem Areal einen markanten, stadträumlichen Abschluss verleiht. Diese beiden
Bauten können Gebäudehöhen von über 25 Meter aufweisen und gelten daher baurechtlich als Hochhäuser.
Die Kleinmassstäblichkeit der Überbauung entlang der „Zur
Kesselschmiede“ soll erhalten bleiben.
•
Höhenabwicklung
Schnitt durch Baufelder 2 und 5
Schnitt durch Baufelder 4 und 5
Schnitt durch Baufelder 1, 2, 3 und 4 (Zustand mit ZHW)
Erscheinungsbild gegen Bahnlinie (Zustand mit ZHW)
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Architektur
Die Bauten sollen in Anlehnung an die industrielle Vergangenheit unabhängig von der Nutzung im architektonischen
Ausdruck - mit Rücksicht auf die beiden Gebäudetypen Hallen
und Zeilen - grosszügig und körperhaft sein.
In erster Linie ist eine hohe architektonische Qualität wichtig.
Heute sind die verschieden farbenen Backsteine, eingesetzt in
unterschiedlichen Konstruktionsarten, charakteristisch.
Eine bauliche Dichte von 200%* respektive rund 95’000m2 Geschossflächen** ist für das neue urbane Quartier angemessen
und städtebaulich verträglich.
Bauliche Dichte
* anrechenbare Grundfläche = Fläche Gesamtareal (46´363 m2)
** Geschossflächen = alle dem Wohnen, Arbeiten und sonst dem dauernden
Aufenthalt dienenden oder hiefür verwendbaren Räumen in Voll-, Unter- und
Dachgeschossen
Öffentlich-rechtlicher Vertrag über
die bauliche Weiterentwicklung des
Sulzer-Areals Stadtmitte
Die im öffentlich-rechtlichen Vertrag über die bauliche Weiterentwicklung des Sulzer-Areals Stadtmitte gestellte Anforderung
bezüglich der Erscheinung des Areals Lagerplatz erachtet das
Beurteilungsgremium mit dem gewählten Gesamtkonzept als
eingehalten.
Die Erhöhung der Silhouette im Bahnbereich entlastet das
Baufeld 5 ("Zur Kesselschmiede"). Die architektonische und
städtebauliche Durchbildung neuer Bauten entlang der Bahn
sollte unter Berücksichtigung der Charakteristik des Bestandes
gestaltet werden.
Im Areal Stadtmitte ist neben den bezeichneten Schutzobjekten
gemäss Vertrag ein für das Areal typischer einfacher Industriebau (ohne besondere denkmalpflegerische oder architektonische Qualitäten) als Zeitzeuge zu erhalten. Im Areal Lagerplatz
kommt dazu das Gebäude 118 in Frage. Das Gebäude 118
könnte mit dem gewählten Konzept erhalten bleiben.
Es ist zudem anzustreben, dass die kleinmassstäbliche Überbauung entlang der „Zur Kesselschmiede“ behutsam weiterentwickelt wird.
Nutzungen
Ein Wohnanteil von mindestens 30% resp. rund 30’000m2 - bei
einer Ausnützung von 200% - ist angemessen und zweckmässig umsetzbar. Es ist ein vielfältiger Wohnungsmix anzustreben.
Zur Belebung des Areals sind in den zentralen, inneren Bereichen in den Erdgeschossen publikumsorientierte Nutzungen
erwünscht. Diese tragen zur Belebung und damit zur Sicherheit
des Areals bei. Ein Anteil von bis zu 5% publikumsorientierten
Nutzungen (rund 4'500 m2) dürfte realistisch sein. Damit sich
derartige Nutzungen ansiedeln, sind folgende fördernde
Massnahmen umzusetzen:
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•
•
Die publikumsorientierten Nutzungen sind örtlich zu
konzentrieren. Schwerpunkte könnten der innere Kopfbereich, die Nebengasse sowie das Baufeld 3 sein.
In den Erdgeschossen sind Geschosshöhen von mindestens 3.50 Meter - allenfalls auch überhohe Räume mit
integrierten Galeriegeschossen (z.B. für Wohnen und
Arbeiten) - zu realisieren.
•
Der vorgelagerte Freiraum ist so auszugestalten, dass der
Betrieb von publikumsorientierten Nutzungen attraktiv ist.
•
Es ist zu prüfen, ob und wenn ja wie kleinteilige Nutzungen
mit schwacher Ertragskraft gefördert werden können.
Innerhalb des Gesamtareals muss eine Flexibilität zur örtlichen
und zeitlichen Realisierung der Mindestanteile Wohnen und
publikumsorientierte Nutzungen gewährleistet werden. Im
Baufeld 2 ist ein hoher Wohnanteil erwünscht.
Nutzungsschwerpunkte
(Zustand mit ZHW)
Nutzungsschwerpunkte
(Zustand ohne ZHW)
ZHW
Die ZHW - sofern der Kanton sich für den Standort Lagerplatz
entscheidet - sollte am heutigen Ort belassen und erweitert
werden. Dies ist im Hinblick auf die Ausstrahlung der Halle 180
als Ausbildungsstätte für Architekten und Bauingenieure sinnvoll. Im Rahmen der Testplanung überzeugte der Ansatz des
Teams giuliani.hönger mit einer dreiteiligen Anlage.
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Mit der Testplanung wurde der Nachweis erbracht, dass die
Realisierung des dritten Standortes der Fachhochschule in der
Stadt Winterthur (auch) auf diesem Areal mit hoher Qualität
möglich ist. Das Areal Lagerplatz ist eine valable dritte Alternative zu den beiden anderen zur Diskussion stehenden Schulstandorten im Bereich Sulzerareal Stadtmitte.
Der grundsätzliche Standortentscheid der ZHW innerhalb
Winterthurs sollte baldmöglichst herbeigeführt werden.
Erschliessung
Die Baufelder sollten grundsätzlich unabhängig erschlossen
werden, wobei eine mehrere Baufelder umfassende, in Etappen
erstellbare Tiefgarage anzustreben ist, um die Anzahl der
Ein-/Ausfahrten entlang der Zur Kesselschmiede / Tössfeldstrasse und die Anzahl der oberirdischen Zufahrten zu minimieren.
Die Freiräume innerhalb des Areals sind möglichst verkehrsarm
zu halten (Begegnungszone resp. Fussgängerzone analog den
Freiräumen im Sulzerareal Zürcherstrasse).
Die Zufahrten zu den Tiefgaragen sollten innerhalb der Gebäude angeordnet werden.
Erschliessung
(Zustand mit ZHW)
Umwelt
Die Gebäudekörper entlang den Gleisen haben eine lärmabschirmende Wirkung auf die hinterliegenden Bauten und Freiräume zu übernehmen. Die Wohnungen und Büroräume sind
so zu konzipieren, dass sie gleisabgewandt gelüftet werden
können.
Baurecht
Beim 2 Stunden-Schattenwurf ist von einem Referenzschatten
des maximal zulässigen Gebäudeumrisses und Gebäudeprofils
gemäss der noch festzulegenden Zone auszugehen. Die Beschattung von Arbeitsräumen ist zulässig.
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Die Anforderungen bei der Umnutzung von bestehenden Hallen
bezüglich des Brandschutzes sowie der Wärmedämmung und
die Festlegung der entsprechenden Massnahmen können erst
nach Vorliegen von Bauprojekten festgelegt werden.
Der erforderliche Grenzabstand gegen die Wylandbrücke ist
verbindlich auf 3.5 Meter festzulegen.
Sofern eine Freiflächenziffer festgelegt wird, sind verkehrsfreie
Hartflächen als Freiflächen anzurechnen.
Entwicklungseinheiten
Mit der Ausscheidung und klaren Abgrenzung der Baufelder
sind unabhängige Entwicklungseinheiten, welche allenfalls in
Etappen überbaut werden können, zu schaffen. Dabei müssen
alte und neue Bebauungen auf längere Zeit in verschiedenen
Konstellationen nebeneinander bestehen können.
Die Baufelder müssen eine hohe Flexibilität bezüglich der Möglichkeit der Schaffung von Wohnbauten oder Bürobauten aufweisen, um auf die jeweilige Marktsituation reagieren zu
können.
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4.4
Grundsatz
Weiteres Vorgehen
Die Entwicklung des im kantonalen Zentrumsgebiet liegenden
Areals kann weiterhin nur auf der Basis einer engen und vertrauensvollen Kooperation zwischen den Grundeigentümern
und der Stadt erfolgen. Neben den öffentlich-rechtlichen Regelungen sind private und verwaltungsanweisende Richtlinien zu
erarbeiten.
Die grundlegenden planerischen Entscheide sind in den dafür
vorgesehenen Verfahren, insbesondere in der Bau- und Zonenordnung, vom Grossen Gemeinderat zu fällen.
Der Rahmenplan ist für die Grundeigentümer und den Stadtrat
ein Instrument einer prozessorientierten Arealentwicklung und
dokumentiert das Ergebnis der Testplanung und der Vertiefung.
Vertiefung Testplanung
Mit der Testplanung konnten nicht alle Aspekte abschliessend
geklärt werden. In einer Vertiefung sind gemeinsam mit dem
Architekturbüro Martin und Elisabeth Boesch die folgenden
offenen Fragen zu beantworten:
•
Klärungen zum Gesamtkonzept:
- Ergänzende Nachweise zur Überbauung des Baufeldes
4 (alternative Überbauungsvorschläge) und des Baufeldes 5 (Auswirkungen Freihaltung Nebengasse)
- Volumetrische Ausgestaltung des Kopfbaues im Baufeld 5 (insbesondere Gebäudehöhe)
- Funktion, Anzahl, Lage und Umfang der pavillonartigen
Gebäude
- Erwünschte Fusswegbeziehungen und notwendige
Zufahrten für Motorfahrzeuge im Freiraum
•
Zweckmässige Umsetzung des Gesamtkonzeptes in ein
Planungsinstrument (z.B. Spielraum im Grundriss der
Baufelder, Spielraum bezüglich der Höhenabwicklung,
Zuteilung der Geschossflächen auf die einzelnen
Baufelder, Verschiebungsspielraum von Geschossflächen
zwischen Baufeldern)
Die bezüglich der ZHW erforderliche Konkretisierung im Baufeld 1 erfolgt durch die Baudirektion.
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Bericht des Beurteilungsgremiums
Die Vertiefung wird durch das Gremium „Vertiefung Testplanung / Rahmenplan“ geleitet und beurteilt:
-
Michael Hauser, Stadtbaumeister Winterthur (Co-Vorsitz)
Walter Muhmenthaler, Sulzer Immobilien AG (Co-Vorsitz)
Dr. Fridolin Störi, Leiter Baupolizeiamt
Alex von Teufenstein, Die Post
Mark Würth, Leiter Stadtentwicklung
Weitere Mitglieder des Beurteilungsgremiums Testplanung sind
bei Bedarf zur weiteren Begleitung beizuziehen. Vertreter der
Fachjury ist Beat Jordi und steht dem Architekturbüro Martin
und Elisabeth Boesch bei Bedarf als Ansprechpartner zur
Verfügung.
Der Vertiefungsprozess soll bis Ende August 2007 abgeschlossen werden.
Rahmenplan
Der Entwurf des Rahmenplanes aus dem Jahre 2005 ist aufgrund der Empfehlungen und der Vertiefung weiterzubearbeiten
und fertig zu stellen.
Der Rahmenplan soll bis Ende September 2007 vorliegen.
Bau- und Zonenordnung
Aufgrund der Testplanung, der Vertiefung zur Testplanung und
des Rahmenplanes ist durch das Gremium „Vertiefung Testplanung/Rahmenplan“ zu Handen des Stadtrates ein Änderungsvorschlag zur Bau- und Zonenordnung auszuarbeiten. Die
qualitätssichernden Eckwerte (z.B. Definition der Baufelder,
maximale Geschossflächen, minimaler Wohnanteil, minimaler
Anteil publikumsorientierte Nutzungen, maximale Gebäudehöhen, minimale Freiflächen) sollen in der Nutzungsplanung
festgelegt werden.
Umsetzung
Die Grundeigentümer erarbeiten für den Freiraum detaillierte
Gestaltungsleitlinien und Gestaltungsprojekte und ziehen dazu
einen geeigneten Freiraumgestalter bei. Gleichzeitig sind die
Erschliessungsanlagen zu planen und die entsprechenden
Regelungen zu treffen.
Für Bauvorhaben reichen die Grundeigentümer und Bauherren
Baugesuche ein, die den neuen Bestimmungen in der Bau- und
Zonenordnung entsprechen.
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Bericht des Beurteilungsgremiums
5. Genehmigung
Winterthur, 25. Mai 2007
Der vorliegende Bericht wurde von den Mitgliedern des Beurteilungsgremiums und den Experten genehmigt:
Guido Hager
Christoph Hänseler
Manfred Jakob
Beat Jordi
Walter Muhmenthaler
Martin Schmidli
Martin Spühler
Alex von Teufenstein
Ernst Wohlwend
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Experten:
Reto Bieli
Michael Hauser
Dr. Fridolin Störi
Mark Würth
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