Geduld

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Klinikseelsorge
Geduld
„Was ich jetzt am meisten brauche, ist Geduld.“ Wie oft höre ich diesen Satz an den
Krankenbetten, wenn ich mit Patienten spreche. Nach einer Operation braucht jemand
Geduld, bis er wieder aufstehen kann. Ein
anderer braucht Geduld, bis eine Wunde
verheilt ist oder bestimmte Keime nicht mehr
nachweisbar sind. Manche brauchen Geduld,
weil sie doch nicht an diesem oder jenem
Tag operiert werden können, weil ein Notfall noch Vorrang hat und sie so noch eine
Nacht warten müssen. Manchmal hilft es,
seine Ungeduld und Unruhe in Gesprächen
los zu werden. Manchmal ist es ein Gebet,
dass einem eine größere Gelassenheit bringt.
Manchmal ist es einfach eine Postkarte mit
einem weisen Spruch: „Habe Geduld. Keine
Windmühle läuft dem Wind nach.“
Geduld zu haben, ist die Fähigkeit etwas ruhig abzuwarten. Geduld ist eine der sieben
Tugenden. Geduld hat etwas mit Ausdauer
zu tun und mit Warten. Und nicht selten
stellt gerade die Warterei die Geduld auf eine
harte Probe. Von wem Geduld verlangt wird,
der muss einiges tragen und ertragen. Kann
es nicht endlich besser werden? Wann ist es
endlich vorbei? Muss ich auch in Zukunft
damit leben? Oft fragen Patienten so oder
ähnlich.
Das Wort „Patient“ ist übrigens ein Fremdwort und kommt von dem lateinischen Wort
„pati“ und das meint so viel wie erdulden.
Das französische oder englische Wort für Geduld ist das Wort patience. Und das kennen
wieder manche als Geduldsspiel, wenn die
Karten in Reihen von oben nach unten gelegt
werden. Ein Patient ist also in erster Linie ein
Mensch, der Geduld braucht, ein Wartender,
ein Mensch mit Ausdauer, der einiges auszuhalten hat. Und weil das so schwer ist, sind
Patienten eben oft auch ungeduldig und wütend und die Nerven liegen blank oder die
Tränen stehen einem bis zum Hals. „Geduld
ist die schwierigste Form der Tapferkeit.“
Wenn das doch immer so leicht wäre, tapfer
sein, ertragen können oder den Mut nicht zu
verlieren.
Dabei ist ein früheres Wort für Geduld das
Wort Langmut. Das sagt niemand mehr, aber
es drückt aus, was Menschen, die mit einer
Krankheit leben müssen vor allem brauchen:
Mut und das manchmal für eine lange Zeit,
also einen „langen Mut“. Und so ist Geduld
auch die Kunst zu hoffen.
Ihr Klinikseelsorger
Pfarrer Christian Sparsbrod
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