Darmerkrankungen – Signale aus dem Bauch

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Gesundheit in besten Händen
DARMERKRANKUNGEN
Signale
aus dem
Bauch
• Wie die Verdauung funktioniert
• Was dem Darm Beschwerden bereitet
• Hilfe gegen die häufigsten Darmprobleme
Mit Tipps zur Darmgymnastik
]3
EINBLICK
Das richtige
Bauchgefühl
Sie können sich in der Regel darauf verlassen: Ihr
Bauch sagt Ihnen sofort, wenn etwas nicht stimmt.
Denn der Verdauungstrakt ist sehr empfindlich
und reagiert sowohl auf Stress als auch auf unausgewogene Ernährung oder zu wenig Bewegung
schnell mit Durchfall, Blähungen oder Verstopfungen.
Außerdem können Unverträglichkeit von Speisen,
Bakterien, Viren oder eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr die Ursachen dieser unangenehmen Beschwerden sein. Dann sind sie harmlos und verschwinden
nach kurzer Zeit von selbst. Und all diese Faktoren
können Sie selbst beeinflussen, um Ihren Darm
wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Doch dauern
die vermeintlich banalen Symptome längere Zeit an
oder kehren sie regelmäßig wieder, beeinträchtigen
sie nicht nur die Lebensqualität – sie können auch
Signale für eine ernsthafte Krankheit sein. Dann ist
ein Arztbesuch sinnvoll.
HINTERGRUND]4
Der lange Weg der Nahrung
ZAHLEN UND FAKTEN]6
Höchstleistungen
MONATELANG dachte ich,
DARMTRÄGHEIT]8
meine Bauchkrämpfe und
Gestörter Rhythmus
Durchfälle würden von allein
verschwinden. Bis ich deswegen
als Notfall in die Klinik kam
Der Darm wehrt sich
und eine chronisch entzünd-
REIZDARM]12
liche Darmerkrankung dia-
Aufruhr im Bauch
gnostiziert wurde. Anfangs
DIAGNOSTIK]14
war ich überfordert. Heute bin
ich zur Expertin geworden:
Ärztliche Spurensuche
Ich weiß, welche Medikamente
DARMGYMNASTIK]16
mir bei einem akuten Schub
Übungen für zu Hause
helfen und was ich für meine
DARMKREBS]18
allgemeine Darmgesundheit
Lange unerkannt
tun kann. Ich weiß jetzt auch,
wie sehr das gesamte Wohlbefinden von einem gesunden
Darm abhängen kann.
Ihre AOK – Die Gesundheitskasse
DURCHFALL]10
Almut Woller, 27, Studentin
BALANCE]20
6 Tipps für einen gesunden Darm
ADRESSEN UND LITERATUR]22
Hier finden Sie noch mehr Hilfe
4]
dass die einzelnen Nährstoffe aus der Nahrung
optimal in das Blut aufgenommen werden
können, das sie im Körper dorthin transportiert, wo sie gebraucht werden.
Der lange Weg der
Nahrung
Mit einem ausgeklügelten Verdauungssystem
sorgen Magen und Darm dafür, dass die Nahrung
optimal verwertet wird.
MEDIZIN-INFOS
Sie haben Fragen zu
medizinischen Themen oder zu
bestimmten Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten? Oder Sie brauchen zusätzliche Informationen über
ein Medikament? Oder Sie hätten
einfach gerne schnell einen ärztlichen Rat? Dann wenden Sie sich an
das Ärzte-Team der AOK. Die unabhängigen Ärzte und medizinischen
Fachleute stehen Ihnen rund um die
Uhr zur Verfügung und geben Ihnen
kompetent und umfassend Auskunft
– für AOK-Versicherte kostenlos. Die
Telefonnummer der Ärzte-Teams
finden Sie im Internet unter:
www.aok.de
Gut gekaut ist halb verdaut – so heißt eine
Volksweisheit. Und tatsächlich beginnt die
Verdauung mit dem Speichel bereits im Mund.
Durch die Speiseröhre gelangt das Essen in
den Magen, wo die Säure des Magensafts wie
eine „chemische Keule“ gegen die meisten
Bakterien und andere schädliche Keime wirkt.
DICKDARM RÄUMT AUF
Die vorletzte Station der Nahrung im Körper ist
der etwa 1,5 Meter lange Dickdarm. Hier werden dem restlichen Darminhalt Wasser sowie
Spurenelemente wie Mineralien und Vitamine
entzogen. Außerdem bauen Darmbakterien die
bis dahin transportierten Ballaststoffe ab. Nur
etwa ein Zwanzigstel von der Essensmenge,
die wir zu uns genommen haben, sammelt sich
im Enddarm und wird als unverwertbarer Nahrungsrest ausgeschieden.
NÜTZLICHER MIKROKOSMOS
Einen bedeutenden Anteil am Verdauungsprozess und der Weitergabe der Nährstoffe in das
Blut haben spezielle Mikroorganismen, die im
Dünndarm, vor allem aber im Dickdarm sitzen.
Diese Darmflora besteht aus mehreren hundert
Bakterienarten. Der Darm ist das größte Immunsystem des Körpers. Die Bakterien sowie
darmwandeigene Abwehrmechanismen verhindern, dass schädliche Stoffe durch die
Darmwand in den Körper gelangen. Außerdem
bilden sie lebenswichtige Vitamine wie das
Vitamin K, das bei der Blutgerinnung hilft, und
verschiedene B-Vitamine, die beispielsweise
bei dem Zusammenspiel von Gehirn und Nerven eine Rolle spielen. 쐍
MAGEN UND DARM – DAS VERDAUUNGSSYSTEM
MAGEN
HAUPTUMSCHLAGPLATZ DÜNNDARM
Portionsweise wandert die angesäuerte Nahrung dann in den drei bis fünf Meter langen
Dünndarm. Hier wird die Magensäure neutralisiert, und Gallenblase und Bauchspeicheldrüse geben fettlösende und enzymhaltige Verdauungssäfte hinzu: Die Nahrung wird in ihre
einzelnen Bausteine wie Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette, Vitamine, Mineralstoffe und Wasser
aufgespalten. Die Innenseite der Dünndarmwand liegt in Falten, die mit feinen Ausstülpungen, den Darmzotten, bedeckt sind. Sie
vergrößern die Oberfläche des Dünndarms so,
DICKDARM
DÜNNDARM
BLINDDARM
WURMFORTSATZ
(APPENDIX)
AFTER
MAST- ODER
ENDDARM
]7
Höchstleistungen
Der Verdauungstrakt ist ein sensibles Multitalent, das
ununterbrochen Höchstleistungen bringt. Spannende
Zahlen und Fakten:
9 Liter
Täglich rund
Wasser werden der Nahrung
im Darm entzogen.
33 und 43 Stunden
Insgesamt dauert es zwischen
von Nahrungsaufnahme bis Ausscheidung – je nachdem,
was man gegessen hat.
Die Gallenblase gibt
für die Fettverdauung
durchschnittlich
Gallenflüssigkeit
in den Dünndarm ab.
700 ml
2 bis 3 Liter
Magensaft produziert
ein Erwachsener täglich.
1,5 Liter
Bis zu
Speichel werden bei normaler
Ernährung gebildet.
8 Stunden und länger ver-
weilen sehr fettes Fleisch und
Ölsardinen im Magen – Fisch und
Reis dagegen nur 1,5 Stunden.
]9
WANN ZUM ARZT? Es gibt viele
Ursachen für einen trägen Darm. Meist sind
eine ballaststoffarme Ernährung, Flüssigkeitsmangel und zu wenig Bewegung
verantwortlich. Hier können Sie selbst viel
tun. Auch Stress, Hormonumstellungen,
verschiedene Medikamente (z. B. einige
Magensäurebinder, Eisenpräparate, Blutdrucksenker, Schlaf- und Beruhigungsmittel) und Grunderkrankungen (z. B. Schilddrüsenfunktionsstörungen) verlangsamen
die Darmfunktion. Bei anhaltender Verstopfung, auch im Wechsel mit Durchfällen,
Appetitlosigkeit oder häufigem Erbrechen,
bei Schmerzen oder gar Blut im Stuhl
sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen, um
ernsthafte Erkrankungen auszuschließen.
Gestörter
Rhythmus
Das Gefühl, eine Verstopfung zu haben, ist sehr subjektiv.
Abführmittel sind nicht die Lösung.
Dass der Mensch einmal täglich Stuhlgang haben
muss, ist einer von zahlreichen Irrtümern rund um
das Thema Verdauung. Es gibt keinen Normwert:
Drei Darmentleerungen pro Tag können ebenso
normal sein wie zwei in der Woche. Ärzte sprechen
erst dann von einer akuten Verstopfung (Obstipation), wenn der Stuhl zu wenig Wasser enthält und
verhärtet ist, dadurch schlecht gleitet und mindestens drei Tage ausbleibt.
ABFÜHRMITTEL STARTEN
EINEN TEUFELSKREIS
BALLASTSTOFFE –
DIE GESUNDE ALTERNATIVE
Schätzungsweise jeder zehnte Deutsche greift
täglich zu Abführmitteln (Laxantien), um regelmäßig auf die Toilette gehen zu können. Doch
damit tut man sich keinen Gefallen. Denn Abführmittel entziehen dem Körper lebenswichtige Salze und Mineralstoffe, die für den Stoffwechsel in Muskeln, Herz, Nieren und für den
Darm selbst notwendig sind. Das wiederum
fördert die Darmträgheit – ein Teufelskreis mit
Suchtpotenzial. Außerdem kann dadurch die
Wirkung anderer Medikamente, beispielsweise
von Blutdrucksenkern, Antibiotika und hormonellen Verhütungsmitteln, gestört werden. Das
gilt für scheinbar harmlose pflanzliche Abführmittel ebenso wie für chemische. Ob und wie
Abführmittel eingenommen werden, sollte
deshalb mit dem Arzt abgesprochen werden.
Die einfachste Maßnahme, den Darm in
Schwung zu bringen, ist ausreichend zu trinken.
Ein großes Glas Wasser, auf einmal getrunken,
spült den Verdauungstrakt durch und sorgt dafür, dass der Stuhl aufweicht und ohne Anstrengung ausgeschieden werden kann. Grundsätzlich und langfristig hilft eine ballaststoffreiche
Ernährung. Ballaststoffe regen den trägen Darm
zu mehr Eigenbewegung an. Rund 30 Gramm
täglich werden empfohlen. Die sind schon in
einem gesunden Frühstück enthalten. Viele
Ballaststoffe stecken außerdem in Vollkorngetreideprodukten, Gemüse und Obst. Damit die
Ballaststoffe die Verdauung richtig ankurbeln
können, müssen sie mit viel Flüssigkeit kombiniert werden – am besten täglich rund zwei
Liter Wasser, Früchte- oder Kräutertees. 쐍
10 ]
Der Darm
wehrt sich
Wohl jeder Mensch hat hin und wieder Durchfall.
Wie kann man ihn selbst behandeln und wann sollte
man zum Arzt gehen?
Durchfall ist lästig und unangenehm – und immer ein Zeichen dafür,
dass der Körper sich gegen etwas wehrt. Bei akutem Durchfall sind
meist Keime die Ursache. Beispiel Kolibakterien: Sie befinden sich in verschmutztem Wasser oder auf verunreinigten Lebensmitteln. Gelangen
sie in den Darm, bilden sie dort Giftstoffe. Die Darmzellen wehren sich
dagegen, indem sie verstärkt Flüssigkeit abgeben und den Stuhl verdün-
DARMDIVERTIKEL
Durchfall und Erbrechen können auch Anzeichen von entzündeten Darmdivertikeln
sein. Das sind Ausstülpungen
in Dünn- oder Dickdarm. Bei
den meisten Menschen verursachen sie lebenslang keine
Symptome. Wenn sich die
Divertikel aber entzünden
oder sogar aufplatzen, können
Darmbakterien in den Bauchraum austreten. Die Folgen
sind Fieber, starke Übelkeit
und heftige Bauchschmerzen.
Ein sogenannter Darmdurchbruch kann lebensgefährlich
sein. Eine Abklärung durch
einen Arzt ist dann unbedingt
erforderlich. Darmdivertikel
können erblich bedingt sein.
Ein erhöhtes Risiko besteht
außerdem bei:
• Übergewicht
• Bewegungsmangel
• ballaststoffarmer
•
Ernährung
häufigen Verstopfungen
QUERSCHNITT DURCH DEN DARM
BLUTGEFÄSS
DIVERTIKEL
DIVERTIKEL
DARMINNERES
MUSKELSCHICHT
SCHLEIMHAUT
nen. Dadurch gehen dem Körper aber
auch wichtige Mineralstoffe verloren.
Viel trinken und eine fettfreie, leicht
gesalzene Schonkost unterstützen den
Körper dabei, die Bakterien zu bekämpfen. Ist der Durchfall nicht innerhalb von
zwei bis vier Tagen verschwunden, ist
Blut enthalten oder kommt es zu starken Beschwerden, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Er kann bei Keiminfektionen ein Antibiotikum verschreiben und
ernsthafte Erkrankungen oder Unverträglichkeiten ausschließen.
VIRENINFEKTION
Auch Viren können Durchfall verursachen. Bekannte Vertreter sind Noroviren
und Rotaviren. Über Schmier- und Tröpfcheninfektionen gelangen sie in den Verdauungstrakt. Werden die Krankheitserreger mit dem Stuhl ausgeschieden und
gelangen dann durch die Aufnahme von
verunreinigtem Wasser oder Lebensmitteln in den Körper, ist das eine Schmierinfektion. Bei einer Tröpfcheninfektion
erfolgt die Ansteckung durch feinste
Tröpfchen, die zum Beispiel beim Niesen,
Husten oder Sprechen übertragen werden. Anders als die Bakterien schädigen
Viren die Darmschleimhaut direkt. Solche Infektionen gehen fast immer mit
starken Beschwerden einher. Weil Antibiotika gegen Viren nicht wirken, können
meist nur die Symptome behandelt werden. Ausreichend zu trinken ist auch bei
Virusinfektionen wichtig. Wird die Flüssigkeit immer wieder erbrochen, kann
ein Krankenhausaufenthalt notwendig
werden, wo der Flüssigkeitsverlust durch
Infusionen ausgeglichen wird. 쐍
HILFE BEI DURCHFALL
So unterstützen Sie bei leichtem Durchfall
Ihren Körper beim Gesundwerden und verringern die Ansteckungsgefahr:
• ein bis zwei Tage nur leichte Kost wie Zwieback, Salzkartoffeln oder Haferflocken essen
• eine selbst hergestellte Elektrolytlösung
trinken: 2 Esslöffel Zucker und ein kleiner
Teelöffel Salz pro Liter Tee oder Wasser
• sich körperlich schonen
• verstärkt auf persönliche Hygiene achten:
mehrmals täglich die Hände waschen,
Handtücher täglich wechseln
• intimen Kontakt zu anderen Personen
vermeiden
] 13
Aufruhr
im Bauch
Wie sehr Darm, Nervensystem und Psyche zusammenspielen können, zeigt sich am Reizdarmsyndrom.
Manche Menschen haben häufig Verstopfung oder Durchfall im Wechsel, andere Völlegefühl und Blähungen oder
auch zusätzlich Schmerzen und Krämpfe im Unterbauch.
Zehn bis zwanzig Prozent der 35- bis 50-Jährigen leiden
unter einem sogenannten Reizdarm. Die Beschwerden
beeinträchtigen das tägliche Leben sehr.
HILFE BEI DER DIAGNOSE
AUSLÖSER NOCH UNKLAR
Weil die Symptome eher unspezifisch sind, ist
die Diagnose des Reizdarmsyndroms nicht
ganz einfach. Folgende medizinischen Kriterien
können dem Arzt als Anhaltspunkt für gezielte
Untersuchungen dienen:
• Die Schmerzen oder das Unwohlsein sind in
den letzten drei Monaten an mindestens
drei Tagen pro Monat aufgetreten.
Die
• Beschwerden bestehen seit mindestens
sechs Monaten.
• Die Beschwerden lassen nach dem Stuhlgang nach.
• Mit Beginn der Beschwerden verändert sich
die Häufigkeit des Stuhlgangs.
Mit
• Beginn der Beschwerden verändert sich
das Aussehen des Stuhls.
Die Ursachen für diese Dickdarmerkrankung
sind noch nicht vollständig bekannt. Es wird
vermutet, dass Störungen der Darmmuskulatur und überempfindliche Darmnerven eine
Rolle spielen. Möglicherweise können die Darmnerven nicht angemessen auf die alltäglichen
Belastungen des Magen-Darm-Trakts reagieren. Außerdem tritt das Reizdarmsyndrom bei
Menschen, die eine Darminfektion hatten, häufiger auf. Auch psychische Belastungen,
Ernährungsgewohnheiten und Lebensmittelunverträglichkeiten werden als mögliche Auslöser vermutet.
ENTSPANNUNG FÜR
DEN DARM: Gereizt oder
entspannt? Bei vielen Menschen
reagiert der Darm sofort auf die
allgemeine Stimmungslage. Um
Beschwerden vorzubeugen, wird
regelmäßige maßvolle Bewegung wie Schwimmen, Fahrradfahren oder Spazierengehen
empfohlen. Auch Auszeiten zur
Entspannung und Übungen zum
Stressabbau wie Yoga können
das Darmgleichgewicht unterstützen.
LANGER WEG ZUR BEHANDLUNG
Die Diagnose kann sehr langwierig sein und
deshalb vergehen manchmal Monate, bis eine
individuelle Behandlung gefunden ist. Diese
orientiert sich meist an den vorherrschenden
Symptomen: Müssen eher der Schmerz und die
Krämpfe oder eher Durchfälle oder Verstopfung gelindert werden? Daneben können kleine ballaststoffreiche Mahlzeiten, regelmäßige
körperliche Aktivität, das Erlernen von Entspannungsübungen und unter Umständen eine
psychotherapeutische Beratung hilfreich sein.
Die gute Nachricht: Bei vielen Menschen verschwinden die Beschwerden von allein. 쐍
STRESS SCHLÄGT mir auf den Magen. Wenn mir
alles zu viel wird, spielt meine Verdauung verrückt.
Der Arzt hat mir Entspannungsübungen empfohlen, die mir tatsächlich sehr helfen – gegen den
Stress und gegen die Bauchschmerzen.
Cornelia Lutz, 34, Vorstandsassistentin
14 ]
Ärztliche
Spurensuche
Zur Diagnose von akuten oder
chronischen Darmbeschwerden gibt
es verschiedene Möglichkeiten.
TASTEN UND ABHÖREN
Bei Darmbeschwerden erhält der Hausarzt schon einen ersten
wichtigen Eindruck durch das Abtasten. Ein gefüllter Darm fühlt
sich anders an als ein leerer und schmerzende Regionen lassen
sich eingrenzen. Durch das Klopfen auf den Bauch und Abhören
mit dem Stethoskop werden auch krankhafte Darmgeräusche
bzw. das Fehlen von normalen Darmgeräuschen hörbar.
LABOR
Manche Darmerkrankungen verändern die Blutwerte. Einen
wichtigen Hinweis geben Entzündungswerte, die Menge des roten Blutfarbstoffes oder Antikörper gegen bestimmte Erreger.
entzündlichen Darmerkrankungen).
Veränderungen in der Innenschicht
des Darms können mit dieser Methode
nicht erfasst werden.
DICKDARMSPIEGELUNG
(KOLOSKOPIE)
Die Dickdarmspiegelung ist eine Untersuchung des Dickdarms (Kolon) mit
einem Spezialendoskop. Dieses besteht aus einem flexiblen Schlauch mit
Lichtquelle und Kamera, der über den
After in den Darm eingebracht wird. So
kann der Gastroenterologe das Innere
des Dickdarms betrachten, bei Bedarf
Gewebeproben entnehmen und sogar
kleinere operative Eingriffe durchführen. Diese Methode ist die aussagekräftigste zur Erkennung von Darmveränderungen wie Divertikel, Blutungen,
Entzündungen oder Verengungen.
RÖNTGEN
Nach einem Einlauf mit einem
Kontrastmittel und anschließendem
Röntgen werden Veränderungen und
Unregelmäßigkeiten in der Schleimhautstruktur der Darmwand sichtbar. 쐍
• Wo genau sind Ihre Beschwerden?
• Seit wann bestehen sie?
• Wie häufig treten sie auf und wie lange halten
STUHLTEST (HÄMOKKULTTEST)
Mit dieser einfachen Suchmethode wird verstecktes Blut im
Stuhl erkennbar als mögliches Zeichen für Darmpolypen, Divertikel oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.
WICHTIGE INFOS FÜR DEN ARZT
sie an?
IMMER IM URLAUB, wenn das Essen
• Treten die Beschwerden zu einem speziellen
anders war als gewohnt, litt ich unter
furchtbaren Durchfällen und Schmerzen.
ULTRASCHALL
Als die dann auch im Alltag immer häufi-
Diese Untersuchung kann der Hausarzt oder ein Gastroenterologe durchführen. Mit dem Ultraschall können zum
Beispiel einzelne Darmschlingen sichtbar gemacht oder eine Verdickung der Darmwand erkannt werden (häufig bei chronisch-
ger wurden, diagnostizierte mein Arzt
Darmdivertikel. Seit die operativ entfernt
wurden, geht es mir wieder gut.
Elisabeth Sinn, 55, Hausfrau
•
•
•
Anlass auf (bestimmte Speisen und Getränke,
Alkoholgenuss, Stress)?
Gab es zuvor eine Veränderung Ihrer Lebensumstände (Reise, Stress, Umstellung der Ernährung)?
Welche Medikamente nehmen Sie ein?
Gibt es Befunde, die dazu schon bei einem anderen
Arzt erhoben wurden?
] 17
LOCKERT STAUUNGEN IM DARM
Übungen für
zu Hause
Für eine gute Verdauung
braucht der Darm eine
Muskelstütze von außen.
Viele Berufstätige sitzen den ganzen
Tag und haben nach Feierabend
auch nur wenig Ausgleich. Fehlt die
Bewegung, erschlafft die Muskulatur – auch die des Darms. Außerdem
fehlt dem Darmsystem die muskuläre Stütze und Führung. Spezielle
Gymnastikübungen, kombiniert mit
gezielter Atmung, wirken wie eine
sanfte Massage auf den Darm. Der
Wechsel zwischen Muskelan- und
-entspannung entkrampft und aktiviert die Bauchmuskeltätigkeit. 쐍
Legen Sie sich auf den Rücken, stellen Sie
die Beine vor dem Gesäß auf. Streichen
Sie mit der flachen Hand im Uhrzeigersinn über Ihre Bauchdecke. Rechts unten
beginnen und nach oben, über den
Magen nach links und wieder hinunter.
Massieren Sie mit einem nassen, kalten
Leinentuch. Das hilft, Luftansammlungen
im Darm zu lösen.
FÖRDERT DIE DARMBEWEGUNG
DEHNT DEN BAUCHRAUM
REGT DARM UND KREISLAUF AN
Legen Sie sich auf den Rücken. Die Arme
seitlich neben den Körper legen, Handflächen nach unten. Die Beine im 90-GradWinkel anziehen. Das Becken leicht nach
vorn kippen. Nun losradeln und dabei
gleichmäßig atmen. Das bringt Kreislauf
und Stoffwechsel auf Touren. 30 Sekunden radeln, 30 Sekunden Pause, 10 Wiederholungen.
DEHNT DEN BRUSTKORB,
TRAINIERT BAUCH UND RÜCKEN
Setzen Sie sich mit dem Po auf die Fersen, verschränken Sie die Finger hinter dem Po. Atmen
Sie langsam aus und legen Sie dabei den Bauch
auf die Oberschenkel und die Stirn auf den
Boden. Anschließend die Arme gestreckt so
weit wie möglich in Richtung Kopf führen.
Atmen Sie ruhig weiter. Position einige Sekunden halten und mit dem Einatmen in umgekehrter Reihenfolge wieder in den Fersensitz
zurückkehren. 10 Wiederholungen.
Stellen Sie auf dem Rücken liegend die Füße
auf. Dabei heben Sie das Becken, die Unterschenkel stehen senkrecht zum Boden, die
Hände liegen mit den Handflächen nach unten neben den Füßen. Drücken Sie das Becken
beim Einatmen so weit wie möglich nach
oben. Kurz halten. Bei tiefem Ausatmen den
Rücken langsam abrollen und das Becken ablegen. 10 Wiederholungen.
Setzen Sie im Vierfüßlerstand die Knie hüftbreit auf. Strecken Sie beim Einatmen das linke
Bein waagerecht nach hinten und heben Sie
den Kopf dabei an. Halten Sie die Spannung
und die Luft kurz an. Beim bewussten Ausatmen einen Buckel machen und das linke Knie
und das Kinn zur Brust ziehen. 10 Wiederholungen. Seite wechseln.
] 19
KREBSFRÜH ERKENNUNG
Bösartige Tumoren im Darm
entwickeln sich häufig langsam aus gutartigen Wucherungen, den Darmpolypen.
Diese Veränderungen können bei Früherkennungsuntersuchungen festgestellt
und entfernt werden. Je eher eine Krebserkrankung erkannt wird, desto besser sind
die Heilungschancen. Nehmen Sie deshalb
regelmäßig Früherkennungsuntersuchungen wahr: Im Alter von 50 bis 54 Jahren
können Sie einmal jährlich bei Ihrem
Hausarzt, einem Internisten, Frauenarzt
oder Urologen einen Test auf Blut im Stuhl
machen lassen. Ab 55 Jahren haben Sie
Anspruch auf zwei Darmspiegelungen im
Abstand von zehn Jahren oder auf eine
Stuhluntersuchung alle zwei Jahre.
www.aok.de
Lange
unerkannt
Weil ein Darmtumor anfangs
keine typischen Beschwerden
zeigt, wird er oft erst spät erkannt.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können Leben retten.
Nach Schätzungen des Robert KochInstituts in Berlin erkranken jedes Jahr
über 70000 Menschen an Darmkrebs.
Er gehört zu den häufigsten bösartigen
Krebserkrankungen. Warum er entsteht, ist noch nicht eindeutig geklärt.
Doch die Faktoren, die das Darmkrebsrisiko erhöhen, wurden in zahlreichen wissenschaftlichen Studien
eindeutig nachgewiesen. Übergewicht, zu wenig Bewegung und eine
fettreiche Ernährung mit zu wenig
Ballaststoffen, zu wenig Gemüse und
zu viel Wurst und rotem Fleisch, regelmäßig Alkohol und Zigaretten fördern die Entstehung
von Darmkrebs. Auch kann die Veranlagung
vererbt werden. Daneben besteht ein erhöhtes
Risiko durch andere Krankheiten wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.
FRÜHE DIAGNOSTIK IST WICHTIG
Bei Darmkrebs sind die Heilungschancen sehr
hoch – wenn er frühzeitig erkannt wird. Deshalb bietet die AOK regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen an. Außerdem sollte sich jeder
selbst beobachten und bei folgenden Krank-
heitszeichen einen Arzt aufsuchen:
• veränderte Stuhlgewohnheiten wie über
längere Zeit anhaltende Verstopfung und
Durchfall im Wechsel
• Blut im Stuhl (schwarzer Stuhl)
• Schleimhautbeimischungen im Stuhl
• unerklärbarer Gewichtsverlust
• Blutarmut (Blässe, Müdigkeit)
• wochenlang andauernde Leibschmerzen
• Darmverschluss
Der Erfolg einer Therapie hängt vor allem davon ab, wo im Darm der Krebs lokalisiert ist und
in welchem Stadium er sich befindet. 쐍
] 21
6 Tipps für einen
FETTBEWUSST ESSEN
gesunden Darm
Rotes Fleisch wie von Rind, Schwein, Lamm
und Ziege sollte nur selten auf den Teller kommen. Studien zeigen, dass es das Darmkrebsrisiko erhöht – möglicherweise wegen des
hohen Anteils an gesättigten Fetten. Fisch
hingegen enthält mehrfach ungesättigte
Omega-3-Fettsäuren, die dem Darm guttun.
Wenn Sie Fisch nicht so gerne mögen: Rapsöl,
Walnussöl, Leinsamenöl, Sojaöl und Leinsamen sind ebenfalls gute Lieferanten dieser
gesunden Fette.
MEHR BEWEGEN
Regelmäßige körperliche Aktivität – am besten
Ausdauersport – bringt den Darm auf Touren:
Er wird besser durchblutet, die Verdauung
kommt in Schwung, Nährstoffe werden optimal aufgenommen und Gase können besser
entweichen. Unterstützen Sie Ihren Darm
außerdem von außen: mit gezieltem Bauchmuskeltraining.
DARMFLORA STÄRKEN
GELASSENER WERDEN
Eine gesunde Darmflora ist nicht nur für
die Verdauung, sondern für das gesamte
Immunsystem wichtig. Dabei sind gar keine
speziellen Nahrungsmittel oder Tabletten, die
besondere Bakterienkulturen enthalten (Probiotika), notwendig. Wenn Sie täglich Lebensmittel wie Joghurt, Kefir, Buttermilch, Molke
oder Sauerkraut in Ihren Speiseplan einbauen, sind Sie mit diesen nützlichen Bakterien
ausreichend versorgt.
Weil das Nervensystem und der Darm eng
miteinander verknüpft sind, schadet ihm
auch anhaltender Stress. Denn dabei werden Hormone aktiviert, die das Immunsystem im Darm schädigen, Durchfälle verursachen und sogar eine Darmentzündung auslösen können. Mit dem AOK-Programm
Stress im Griff können Sie lernen, Stress gezielt abzubauen.
ALKOHOL MEIDEN
ÜBERGEWICHT ABBAUEN
Täglich 1,5 bis 2 Liter Wasser oder Tee unterstützen die Darmtätigkeit. Alkohol hingegen
ist einer der größten Feinde des Darms. Vor
allem die Schleimhaut im Dünndarm ist sehr
empfindlich und kann bei übermäßigem
oder häufigem Alkoholgenuss mit Reizungen
oder Entzündungen reagieren.
Übergewichtige Menschen haben ein doppelt
so hohes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken,
wie Normalgewichtige. Fettgewebe kann
selbst Hormone bilden. Chronische Entzündungsreaktionen im Darm und Zellentartungen sind mögliche Folgen. Halten Sie ein
gesundes Wohlfühlgewicht und ernähren
Sie sich ausgewogen. Das AOK-Programm
Abnehmen mit Genuss unterstützt Sie dabei.
] 23
Hier finden Sie
noch mehr Hilfe
Wenn Sie weitere Informationen und Tipps zur
Darm-gesundheit suchen, sind Sie hier richtig:
ADRESSEN
LITERATUR
Gastro-Liga e. V.
Sven-David Müller, Christine Weissenberger
Friedrich-List-Straße 13, D-35398 Gießen
Tel. 0641 974810
geschaeftsstelle@gastro-liga.de
www.gastro-liga.de
Ernährungsratgeber Magen und Darm –
Genießen erlaubt
Schlütersche 2012, 19,95 Euro
Thilo Schleip, Dr. Gabi Hoffbauer
Stiftung LebensBlicke
Reizdarm – Was wirklich dahinter steckt
Schuckertstr. 37, 67063 Ludwigshafen
Tel. 0621 549306-1611
stiftung@lebensblicke.de
www.lebensblicke.de
Gräfe & Unzer 2009, 12,99 Euro
Deutsche Morbus Crohn/Colitis
ulcerosa Vereinigung (DCCV) e. V.
Reinhardtstraße 18, 10117 Berlin
Tel. 030 2000392-0
www.dccv.de
Deutsche Krebshilfe e.V.
Buschstr. 32, 53113 Bonn
Tel. 0228 729900
deutsche@krebshilfe.de
www.krebshilfe.de
Gudrun Biller-Nagel, Christiane Schäfer
Gesund Essen bei Morbus Crohn und
Colitis ulcerosa
Trias 2012, 19,95 Euro
INTERNET
www.aok.de
www.darmkrebs.de
www.dzg-online.de
(Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e. V.)
www.reizdarmselbsthilfe.de
www.dge.de
(Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.)
Eine Information Ihrer AOK. © wdv Gesellschaft
für Medien und Kommunikation mbH & Co. OHG,
Siemensstraße 6, 61352 Bad Homburg.
Verantwortlich: Beate Stotz-Jonas, Telefon: 06172 670-300, Telefax:
06172 670-272, E-Mail: b.stotz-jonas@wdv.de. Redaktion: Corina Rüb.
Fachliche Beratung: Prof. Dr. Jürgen F. Riemann (Gastro-Liga e. V.).
Text: Dr. Leonie Stöhr. Gestaltungskonzept: Susanne Weser.
Gestaltung: Heike Kleinhenz. Bildredaktion: Theresa Rundel. Fotos:
corbis, wdv/O. Hermann, wdv/J. Lauer, wdv/A. Peisl, wdv/B. Rüttger,
wdv/O. Szekely. Illustrationen: E. Nohel. Druck: Wacker Offsetdruck
GmbH, Remshalden-Grunbach. Vertrieb: MEDIEN-SERVICE, Telefon
06172 670-101, Telefax 06172 670-480. Gemäß § 13 SGB I sind die Sozialversicherungsträger verpflichtet, die Bevölkerung im Rahmen ihrer
Zuständigkeit aufzuklären. Stand: Februar 2013. Bestell-Nr.: 092/920
Gesucht? Gefunden!
Ihr AOK-Gesundheitsnavigator auf
www.aok-gesundheitsnavi.de
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bevorstehende Operation ein besonders geeignetes Krankenhaus auswählen? Oder sich über die Verträglichkeit eines neuen
Medikamentes informieren? Für mehr Durchblick in Sachen Gesundheit hat die AOK gemeinsam mit der „Weissen Liste“ für Sie
ein Orientierungssystem entwickelt, das Ihnen – leicht verständlich – verlässliche Informationen liefert. Testen Sie uns auf
www.aok-gesundheitsnavi.de: z. B. Arzneimittelnavigator, Krankenhausnavigator, Pflegenavigator, Arztnavigator.
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