BR-Alpha IT Kompakt, Folge 11: Grundlagen der Produktpolitik

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BR-Alpha IT Kompakt, Folge 11: Grundlagen der Produktpolitik:
Produktentwicklung und Markierung
Dr. rer pol. Kurt Jeschke, FH Deggendorf/Europea Business School
1. Einführung
Im Zentrum des Marketing stehen die von Unternehmen entwickelten und erstellten
Produkte und Dienstleistungen. Durch Produkte und Dienstleistungen erzielen
Unternehmen Umsätze und Gewinne. Durch Produkte und Dienstleistungen werden
die Bedürfnisse von Kunden befriedigt und die Anforderungen der Kunden
zufriedengestellt. Deswegen erstaunt es nicht, dass die Produktpolitik in der
Marketingpraxis und der Marketingtheorie auch als „das Herz des Marketing“
charakterisiert wird.
Aber darüber hinaus hat der Stellenwert der Produktpolitik in den letzten
Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Dies ist u.a. darauf zurückzuführen, dass
wir auf zahlreichen Produktmärkten eine technisch-funktionale Angleichung von
Produkten unterschiedlicher Hersteller mit immer kürzeren Produktlebenszyklen, d.h.
Verweildauern im Markt, finden, denken Sie etwa an den Bereich der
Unterhaltungselektronik oder die Automobilindustrie oder dass wir gerade auf
Dienstleistungsmärkten eine ausgesprochene Vielfalt an Dienstleistungsprodukten
finden, so dass sich die Kunden einem kaum überschaubaren Angebot und
erheblichen Orientierungsschwierigkeiten gegenüber sieht, denken Sie z.B. die
Situation im Markt für Versicherungsdienstleistungen.
Es gibt hinreichende Begründungen dafür, dass sich Sachgüter- wie
Dienstleistungsunternehmen mit dem Thema Produktpolitik auseinander setzen
sollten, um ihren Marketing- und Unternehmenserfolg sicherzustellen.
2. Was ist Produktpolitik?
Die Antwort auf die Frage, was ist Produktpolitik, war in der Marketingtheorie lange
Zeit durch ein instrumentelles Denken im Rahmen des sog. Marketing-Mix geprägt.
Dr. Kurt Jeschke, FH Deggendorf/EBS, 2003
S. 1
Nach dieser tendenziell statischen Auffassung ist die Produktpolitik neben der Preis, Kommunikations- und Distributionspolitik eines von vier Marketinginstrumenten, die
auf Basis einer systematischen Marktforschung entsprechend der im Markt
definierten Marktsegmente, also Kundengruppen, zu gestalten sind. Im englischen
Sprachraum wird dabei auch von den 4 P´s product, promotion, price und place
gesprochen. Nach diesem Verständnis umfasst die Produktpolitik u.a. die Festlegung
von Produkteigenschaften, von Garantie- und Serviceleistungen, die Wahl des
Produktprogramms, die Entwicklung neuer Produkte sowie die Markenbildung.
Chart 1: Einordnung der Produktpolitik – Instrumenteller Ansatz
Einordnung der Produktpolitik
Produktentwicklung
Produktprogramm
Serviceleistungen
Markierung
Marktsegmente
Kontrahierungspolitik
Kommunikationspolitik
Produktpolitik
Distributionspolitik
Marktforschung
Quelle: in Anlehnung an Mattmüller, 2000
Ein wesentlicher Nachteil der statischen Betrachtung der Produktpolitik besteht darin,
dass sie die Marketingprozesse der Unternehmenspraxis, die sehr stark an dem
Ablauf von Geschäftsprozessen zwischen Unternehmen und Kunden orientiert sind,
nicht hinreichend widerspiegelt. Vor diesem Hintergrund streben moderne
Marketingkonzepte ein marketing- und damit auch produktpolitisches Verständnis an,
dass sich unmittelbar an dem Ablauf von Tauschprozessen bzw.
Geschäftsbeziehungen orientiert. Ein Beispiel dafür ist der integrativ prozessuale
Marketingansatz. In dessen Mittelpunkt steht die Vorbereitung und Anbahnung sowie
der Abschluss und die Realisierung von Tauschprozessen sowie daraus abgeleitete
Marketingfunktionen.
Dr. Kurt Jeschke, FH Deggendorf/EBS, 2003
S. 2
Chart 2: Einordnung der Produktpolitik – Integrativ-Prozessualer Ansatz
Datenauswertung
Datenerfassung
Einleitung der
Folgetransaktion
ng
ru
ie
lis
ea
R
Begleitung der
Leistungsnutzung
Abgabe/
Annahme
Leistung
Information
Imagebildung
AnbieterNachfragerBeziehung
Handlungsauslösung
Einigung über
Objekt(e)
Einigung
über
Menge(n)
Einigung
über
Qualifi- Einigung Gegenzierung
über
leistung
zur Lei- Kondition(en)
stung
A
bs
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Vo
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Ansatzpunkte
der Produktpolitik im
Rahmen von
Marktprozessen
MarktBekanntprogramm- machung
erstellung
DatenInterpretation
ng
nu
ah
nb
A
tu
ng
Produktpolitik und Integrativ Prozessualer Ansatz
Quelle: in Anlehnung
an Mattmüller, 2000
Mit dieser dynamischen Perspektive finden sich die Aufgaben der Produktpolitik in
allen Phasen der Markttransaktion sowohl in Form der Marktprogrammgestaltung,
d.h. der Produktentwicklung und Gestaltung von Produktprogrammen, der
Bekanntmachung, Information und Imagebildung durch die Produktmarkierung, der
Einigung über die Objekte bzw. Produkte sowie in der Qualifizierung zur
Leistungsabgabe bzw. der Begleitung der Leistungsnutzung durch ein Unternehmen.
Um das Marketingverständnis zur Produktpolitik jedoch vollständig zu klären ist eine
weitere Frage zu beantworten. Sie lautet: Was ist ein Produkt bzw. eine
Dienstleistung? Chart 3 gibt uns dazu eine Antwort.
Dr. Kurt Jeschke, FH Deggendorf/EBS, 2003
S. 3
Chart 3: Produktverständnis des modernen Marketing
Produktverständnis des modernen Marketing
Produktzusatzmerkmale
Produktgrundmerkmale
Produktkern
• Materieller Kern
• Dienstleistungskern
• Grundnutzen
• Markierung
• Preis
• Serviceleistungen
• Garantieleistungen
• Transaktionsleistung
• Verbundleistung
Quelle: in Anlehnung an Meyer/Mattmüller, 1999
Kunden sind dann zufrieden und loyal, wenn ihre Erwartungen an Produkte sowie
Dienstleistungen übertroffen werden. Um die Kundenerwartungen zu erfüllen bzw. zu
übertreffen, müssen Produkte nicht nur aus einem Produkt- bzw. Leistungskern
bestehen, sondern weisen darüber hinaus ergänzende Produktgrundmerkmale in
Form der Markierung und des Produktpreises sowie Produktzusatzmerkmale, z.B. in
Form produkterweiternder Service- und Garantieleistungen auf. Produkte oder
Dienstleistungen sind nicht nur materielle Güter oder Services sondern
Nutzenbündel, die für den Kunden nutzenstiftende Funktionen ausüben. Um es auf
eine einfache Formel zu bringen: Ein Automobil wird nicht nur gekauft, weil es einen
Produktkern hat, der u.a. vier Räder und ein ausgeklügeltes innovatives
Antriebsaggregat umfasst um den Kunden von A nach B zu transportieren, sondern
weil es Freude am Fahren vermittelt, das Fabrikat einer imageträchtigen Marke ist
und umfangreiche Serviceleistungen in Form von Leasing- und
Finanzierungsangeboten, Mobilitätsgarantien und Pannenservice und vieles mehr
umfasst. Eine Versicherungsleistung wird nicht nur gekauft, um im Schadensfall
Leistungsansprüche geltend zu machen, sondern weil der Kunde darüber hinaus
gehende Nutzenerwartungen z.B. in Form einer individuellen Betreuung sowie
umfassender Informationen erwartet. Das folgende Chart verdeutlicht dies an einem
konkreten Beispiel aus der Versicherungsbranche.
Dr. Kurt Jeschke, FH Deggendorf/EBS, 2003
S. 4
Chart 4: Das Produktversprechen der Allianz Private Krankenversicherung
Das Produktversprechen der Allianz
Privaten Krankenversicherung
Zusätzliche Service-Leistungen
Infos zum Thema Gesundheit
medizinische Vorsorge
Kundenbetreuung während Krankheit
Beratung/Betriebsfunktionen
umfangreiche Tarifpalette
individuelle Leistungskombination
Leistungsregulierung
Versicherungsschutz
tarifliche Kernleistungen
1. Kernprodukt
2. Marktleistung
3. Erweiterte
Services
Quelle: Vereinte Krankenversicherung, Allianz Gruppe, 2002
Das Produktversprechen der Allianz Private Krankenversicherung besteht aus dem
Kernprodukt, den Marktleistungen sowie erweiterten Services, die in ihrer Gesamtheit
das Nutzenbündel an diese Versicherungsleistung bestimmen und den Erwartungen
des Kunden an tarifliche Kernleistungen im Krankheitsfall, einer individuellen
Kundenberatung und Kundenbetreuung sowie zusätzlichen Serviceleistungen in
Form von Informationen zum Thema Gesundheit, medizinischer Vorsorge usw.
umfasst.
3. Ausgewählte Aufgabenbereiche der Produktpolitik
Die Produktpolitik eines Unternehmens umfasst ein sehr umfangreiches
Aufgabenspektrum. Maßnahmen, die den Produktkern betreffen, sind Gegenstand
der Produktentwicklungspolitik und umfassen sowohl Aufgaben der
Produktinnovation, der Produktvariation, der Produktmodifikation, sowie der
Produktelimination. Aufgaben im Bereich der Produktgrundmerkmale umfassen die
Aufgabenstellung der Markierung sowie der Preisfindung bzw. Preispositionierung.
Produktzusatzmerkmale beziehen sich auf die Gestaltung von Service- und
Garantieleistungen sowie das Angebot von Verbundleistungen.
Dr. Kurt Jeschke, FH Deggendorf/EBS, 2003
S. 5
Die weiteren Ausführungen konzentrieren sich auf zwei Schlüsselbereiche des
Produktkerns und der Produktgrundmerkmale, die für den Erfolg des
Produktangebots einer Unternehmung von zentraler Bedeutung sind. Es handelt sich
dabei um die Produktentwicklungspolitik in Form der Produktinnovation sowie die
Markierungspolitik eines Unternehmens.
3.1 Produktentwicklungspolitik
Die Produktentwicklungspolitik ist Ausdruck der notwendigen Dynamik der
Produktpolitik eines Unternehmens. Nur eine dynamische Produktpolitik kann den
Marketing- und Unternehmenserfolg sicherstellen. Die Einführung neuer, d.h.
innovativer Produkte durch ein Unternehmen, aber auch die Veränderung
bestehender Produkte schafft das Potenzial, den Unternehmenserfolg positiv zu
beeinflussen. Beispielsweise erzielt Hewlett Packard die Hälfte seiner
Konzerneinnahmen mit Produkten, die es ein Jahr vorher noch nicht gab. Neue
Produkte dienen nicht nur dem kurzfristigen Erfolg, sondern können zur langfristigen
Absicherung einer führenden Marktposition auf neuen Märkten genutzt werden.
Allerdings setzt dies voraus, die Risiken einer innovationsorientierten Produktpolitik
realistisch einzuschätzen und entsprechend vorsichtig zu handeln.
Als das entscheidende Kriterium für den Erfolg neuer Produkte gilt der
wahrgenommene Vorteil eines Produktes aus Sicht des Kunden. Von daher ist die
Kundenorientierung eines Unternehmens die Schlüsselgröße, um den ökonomischen
Erfolg von Produktinnovationen sicherzustellen.
Um eine optimale und erfolgreiche Produktentwicklungspolitik sicherzustellen, finden
sich in der Unternehmenspraxis unterschiedliche Konzepte der Produktentwicklung.
Diese haben den Charakter dynamischer Prozessmodelle, in deren Verlauf
unterschiedliche, mit der Entwicklung neuer Produkte anfallende Tätigkeiten bzw.
Einflussfaktoren seitens des Unternehmens zu managen sind. Von wesentlicher
Bedeutung ist es, die Kunden bereits frühzeitig in den Prozess der
Produktentwicklung zu involvieren (vgl. Chart 5).
Dr. Kurt Jeschke, FH Deggendorf/EBS, 2003
S. 6
Chart 5: Idealtypischer Produktentwicklungsprozess
Idealtypischer Produktentwicklungsprozess
0. Situationsanalyse
II. Screening
III. Konzeptentwicklung
IV. Konzeptbewertung
V. Produktentwicklung
VI. Produktbewertung
Bewertungsphasen
Gestaltungsphasen
I. Opportunity
Identification
VII. Nullserie
VIII. Markttest
IX. Markteinführung
Quelle: Hansen
/ Hennig-Thurau/
Schrader, 2001
Ausgangspunkt der systematischen Weiter- oder Neuentwicklung von Produkten ist
eine strategische Analyse der Unternehmenssituation (Phase 0: Situationsanalyse),
um bspw. festzustellen, in welche Phase des Produktlebenszyklus sich ein Produkt
befindet und welchen Handlungsbedarf dies generiert. Im Rahmen der Phase I:
Opportunity Identification) geht es darum, mögliche Produktideen für neue Produkte
oder alternative Positionierungen für modifizierte bestehende Produkte zu ermitteln.
Die Screeningphase II entscheidet darüber, ob ein eingeschlagener Weg weiter
verfolgt oder abgebrochen werden soll. In der Phase der Konzeptentwicklung wird
eine Produktidee weiterentwickelt um in ein konkretes Produktkonzept überführt,
dass in der Konzeptbewertung (Phase IV) aus Sicht der Kunden, des Marketing und
anderer Anspruchgruppen zu bewerten ist. Im Rahmen der Produktkonstruktion wird
das Produktkonzept in ein reales Produkt überführt (Phase V) und hinsichtlich seiner
Funktionalität und kundenseitigen Akzeptanz getestet (Produktbewertung Phase VI).
Auf Basis einer Nullserie (Phase VII) erfolgt ein abschließender Markttest (Phase
VIII), der im Falle erfolgreicher Testergebnisse zu einer umfassenden
Markteinführung des Produkts führt (Phase IX).
Einer der größten Produktflops der letzten Jahre war der Satellitentelefondienst
IRIDIUM des Amerikanischen Technologiekonzerns Motorola: Das Produktbündel
Dr. Kurt Jeschke, FH Deggendorf/EBS, 2003
S. 7
aus Satellitennetz, Satellitenmobiles und begleitenden Serviceprogrammen floppte.
Hauptgrund für das Scheitern waren die fehlenden Kunden: Der Satellitendienst
hatte auf Millionen Benutzer gehofft, im Jahr 2000 waren es jedoch erst 55.000. Der
Siegeszug des Internet, hohe Kosten von anfangs 3000 $ für die schweren und
unhandlichen Satellitentelefone sowie extrem hohe Gebühren von zu Beginn 7 $ pro
Minute schreckten die Kunden ab. Die Verluste des Programms summierten sich auf
annähernd 5 Mrd. $.
Wovon hängt der Erfolg eines neu entwickelten Produktes oder einer Dienstleistung
im Markt ab? Letztendlich entscheiden Kunden über den ökonomischen Erfolg oder
Misserfolg eines Produkts oder einer Dienstleistung. Deswegen kommt dem Aufbau
und der Aufrechterhaltung eines hohen Präferenzwertes als kundengerichtetem Ziel
der Produktpolitik eine zentrale Bedeutung zu. Unter einem Präferenzwert verstehen
wir den durch einen Kunden erwarteten subjektiven Produktnutzen sowie das damit
verbundene Ziel einer hohen Kundenzufriedenheit. Die Gestaltung der
Kundenpräferenz erfolgt im Rahmen der Positionierung eines Produktes oder einer
Dienstleistung. Dabei werden Produkte anhand zentraler Produkteigenschaften in
einem mehrdimensionalen Marktraum positioniert, mit den Wettbewerbsprodukten
bzw. –positionierungen verglichen und Strategien der Präferenzwertoptimierung
durch Anpassung des Produkts an die bestehenden Bedürfnisse oder durch
Veränderung von Kundenbedürfnissen abgeleitet. Aber Kunden treffen ihre
Kaufentscheidungen nicht isoliert, sondern unter Einfluss der Angebote relevanter
Wettbewerber. Konsequenterweise muss der Wettbewerb aktiv in die Betrachtung
eingebunden werden. Im Rahmen wettbewerbsgerichteter Ziele strebt die
Produktpolitik eine Alleinstellung des Produkts i.S. einer unique selling proposition
(usp) an. Unternehmen verfolgen dieses Ziel, indem sie ihre Produkte mit einem
einzigartigen Produktvorteil ausstatten und sich auf diese Weise von der Konkurrenz
abheben.
Chart 6 verdeutlicht dieses Vorgehen anhand unseres bereits erwähnten
Fallbeispiels aus der Versicherungsbranche.
Dr. Kurt Jeschke, FH Deggendorf/EBS, 2003
S. 8
Chart 6:
Produktpositionierung am Beispiel der Allianz Private
Krankenversicherung
Angestrebte Markenpositionierung im
Versicherungsmarkt
Sicherheit / Sympathie
Allianz
hoch
Private
Krankenversicherung
Modernität /
Dynamik
hoch
gering
gering
= Positionierung Wettbewerb
Quelle: Vereinte Krankenversicherung, Allianz Gruppe, 2002
Mit einer Produktpositionierung muß ein konkretes Leistungsversprechen verbunden
sein. Im Fall der Allianz Private Krankenversicherung lässt sich dieses
Leistungsversprechen mit der Aussage „Mehr tun“ bündeln.
Chart 7:
Grundpositionierung: Die Allianz Private Krankenversicherung
Dr. Kurt Jeschke, FH Deggendorf/EBS, 2003
S. 9
Grundpositionierung: Die Allianz Private
Krankenversicherung
„MEHR TUN“
Die Allianz Private Krankenversicherung ist der engagierte
und zuverlässige Partner, für den der individuelle Kunde
im Mittelpunkt steht. Sie bietet ihm nicht nur unkomplizierte und schnelle Kostenerstattung, sondern tut mehr:
Sie engagiert sich, denkt mit und steht mit Rat und Tat zur
Seite - immer dann, wenn der Kunde es will.
Quelle: Vereinte Krankenversicherung, Allianz Gruppe, 2002
3.2 Die Produktmarkierung
Neben der Produktentwicklungspolitik stellt die Markierung eines Produktes bzw.
Produktprogramms einen weiteren Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Produktpolitik
dar. Marken unterscheiden die Waren und Dienstleistungen eines Unternehmens von
denjenigen anderer Unternehmen. Marken ermöglichen damit die Wiedererkennung
bzw. Identifizierung von Markenartikeln durch Kunden und beeinflussen darüber
hinaus die gesamte Wahrnehmung von Produkteigenschaften und Produktqualitäten
seitens des Kunden. Marken wirken imagebildend. Sie vermitteln den Kunden einen
ideellen Nutzen, reduzieren den Suchaufwand des Kunden, steigern das Vertrauen
des Kunden in die konstante Qualität des Markenprodukts und sind damit die
Grundlage für den Aufbau dauerhafter Kundenbeziehungen. Chart 7 verdeutlicht die
Vorteile von Produktmarken aus Sicht der Kunden und Unternehmen.
Chart 8: Vorteile von Produktmarken
Dr. Kurt Jeschke, FH Deggendorf/EBS, 2003
S. 10
Die Vorteile von Produktmarken
Vorteile für den Kunden
• eindeutige Orientierung bei
einem kaum überschaubaren
Angebot unterschiedlichster
Produkte,
• bündeln rationalen und
emotionalen Nutzen,
• werden immer in die
Überlegung zur
Kaufentscheidung mit
einbezogen
Vorteile für das Unternehmen
• Klare Differenzierung
vom Wettbewerb
• Deutliche Umsatz- und
Kostenvorteile durch starke
Markenbindung
- höhere Umsätze je Kunde
- höhere Preisbereitschaft
Quelle: McKinsey, marketing journal 02/02
Als Teilbereich der Produktpolitik weist die Markenpolitik insofern eine
Querschnittsfunktion auf, als sie Fragestellungen der Produktentwicklungspolitik (z.B.
bzgl. der Positionierung von Produkten), der Produktverpackung (z.B. der
Visualisierung des Markenzeichens auf der Verpackung) und der Programmpolitik
(z.B. des Markentransfers auf andere Produkte) aufweist.
Der Aufbau von Marken kann nur langfristig erfolgen und ist äußerst kostenintensiv.
So kann allein die deutschlandweite Einführung eines neuen Produktes
Markeninvestitionen in Höhe von zwei- bis dreistelligen Mio € Beträgen erfordern.
Der Einsatz der Marke ist Ausdruck der Markenstrategie eines Unternehmens.
In Verbindung mit der Produktentwicklung kommt dabei der Frage eine besondere
Bedeutung zu, ob neue Produkte eine Verbindung zu bereits existierenden
Produktmarken oder Herstellermarken aufweisen sollen oder nicht. Erfolgt eine
Bezugnahme auf bereits etablierte Marken, liegt eine Markentransferstrategie vor.
Wird dagegen – z.B. aus Gründen der Risikoreduktion – keine Markenverbindung
hergestellt, wird von einer Neu- bzw. Einzelmarkenstrategie gesprochen.
Voraussetzung dafür ist, das die Marke über eine ganz bestimmte Position am Markt
und über eine spezifische Markenidentität verfügt. Der wesentliche Vorteil dieser
Strategie ist in der Unabhängigkeit und Eigenständigen Führung der Marke zu
sehen. Ein wesentlicher Nachteil besteht in der Kostenintensität eigenständiger
Marken. Für jede Produktmarke muss aufs neue um Glaubwürdigkeit und Vertrauen
gerungen werden, um dauerhafte Kundenbindungen sicherzustellen.
Dr. Kurt Jeschke, FH Deggendorf/EBS, 2003
S. 11
Kostendegressionseffekte über verschiedene Marken können kaum genutzt werden.
Entsprechend finden sich Einzelmarkenstrategien i.d.R. nur bei finanzstarken
Unternehmen, die in der Lage sind, verschiedene Einzelmarken parallel zu
vermarkten. Denken Sie dabei u.a. an die Konzerne Procter & Gamble mit den
Einzelmarken Ariel, Tempo, Punica, Pampers oder Henkel mit den Einzelmarken
Pritt, Schauma Schampoo, Persil und Der General.
Markentransferstrategien zielen darauf ab, das Renommee einer Unternehmensoder Produktmarke für die Einführung eines neuen Produktes zu nutzen.
Unternehmen erreichen damit ein breiteres Anwendungsfeld für den Einsatz ihre
Vermarktungsinstrumente und damit Kostendegressionsvorteile (z.B. in Form
einheitlicher Werbung und Produktverpackungsdesigns). Markentransferstrategien
sind dann förderlich, wenn ein Herkunfts-Goodwill im Markt besteht und dieser
absatzfördernd für ein neues Produkt ist.
Um Produkte und Dienstleistungen erfolgreich in den Markt zu führen, und im
Rahmen von Geschäftsbeziehungen zukünftige Kaufentscheidungen der Kunden
anzubahnen, ist nicht nur die Entwicklung innovativer und leistungsfähiger Produkte
sowie die Markenbildung, sonder auch die Markenkommunikation von zentraler
Bedeutung. Mit ihr werden Produkt bekannt gemacht und über sie informiert, mit ihr
werden Produkt- und Markenimages gebildet und Kaufentscheidungen des
Konsumenten ausgelöst. Die Markenkommunikation bedient sich dabei der ganzen
Palette möglicher Kommunikationsmedien
Literaturhinweise
Hansen, U./Hennig-Thurau, Th./Schrader, U. (2001): Produktpolitik, 3. Aufl.,
Stuttgart
Hermann, A. (2001): Stichwort Produktpolitik, in: Diller, H. (Hrsg.): Vahlens Großes
Marketing Lexikon, 2. Aufl., München, S.1412-1413
Jeschke, K. (1995): Nachkaufmarketing. Kundenzufriedenheit und Kundenbindung
auf Konsumgütermärkten, Frankfurt/Main, Berlin, Paris New York
Dr. Kurt Jeschke, FH Deggendorf/EBS, 2003
S. 12
Mattmüller, R. (2000); Integrativ-Prozessuales Marketing. Eine Einführung,
Wiesbaden
Meyer, A./Mattmüller, R. (1999): Marketing, in: Corsten, H./Reiß, M. (Hrsg.);
Betriebswirtschaftslehre, 3. Aufl., München, S.811-890
Sabel, H. (1995): Produktpolitik, in: Tietz, B. (Hrsg.): Enzyklopädie der
Betriebswirtschaftslehre IV, Handwörterbuch des Marketing, Stuttgart, Sp. 21352151
Dr. Kurt Jeschke, FH Deggendorf/EBS, 2003
S. 13
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