Wie der Irrtum in die Welt kam

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Liebe Freunde von Uranos!
Die Frage, wer der weiseste Mann im Staat sei, beantwortete das Delphische Orakel mit
Sokrates. Sokrates, der von sich selbst behauptete, „er wisse nur, daß er nichts weiß“,
schloß aus dem Orakelspruch, daß eben dieses sein Wissen (oder Nichtwissen?) der
offensichtliche Ausdruck seiner Weisheit sei. In seiner unnachahmlichen Logik folgerte er
daraus, daß jene Athener Bürger, die damals glaubten, viel zu wissen, eben gerade
deshalb nicht weise waren.
Auch wir leben in einem Zeitalter, das sich das „Zeitalter der Wissenschaften“ nennt.
Durch unsere Informationsmedien werden wir täglich mit neuem Wissen gefüttert – und
werden dennoch – oder gerade deswegen - nicht weise. Folgen wir den Gedanken des
Sokrates, so scheint Weisheit erst dort einzusetzen, wo alles Wissen aufhört. Weisheit
liegt jenseits des Wissens und möglicherweise auch jenseits dessen, was wir Menschen
überhaupt wissen können. So betrachtet gewinnt der Satz „Ich weiß, daß ich nichts weiß!“
eine neue Dimension, weil er – der Logik folgend – einen unauflöslichen Widerspruch in
sich trägt: Wie kann ein Mensch, der nach eigener Aussage nichts weiß, denn überhaupt
wissen, daß er nichts weiß!?
Und genau hier offenbart sich der wesentliche Unterschied zwischen Wissen und
Weisheit. Dieser Unterschied liegt weder im Wissen noch in der Weisheit, noch liegt er
irgendwo dazwischen, nein, der Unterschied liegt in uns Menschen selbst. Wenn wir etwas
wissen (oder glauben zu wissen), sind wir wie an einem Ziel angekommen: Da ich jetzt das
Erstrebte weiß, suche ich nicht mehr weiter. Wissen beendet also unseren
Erkenntnisprozess. Da ich jetzt etwas „bestimmt weiß“ bzw. „sicher erkannt habe“,
verdichtet sich mein Wissen zu „meiner Erkenntnis“ – und wird anschließend „meinen
Überzeugungen“ hinzugefügt. Der ganze Vorgang ist wie ein Innehalten auf dem Weg der
Erkenntnis, der leicht zum Stillstand führt.
Ganz anders verhält es sich, wenn wir uns – im Sinne Sokrates’ - stets vergegenwärtigen,
daß wir nichts wissen. Die nicht-wissende Instanz in uns veranlaßt uns nämlich weiter und
immer weiter zu suchen. Denn schließlich wollen wir ja wissen, weil eine Art
„Wissensdrang“ als treibende Kraft in uns verankert ist. Wer diesem Wissensdrang folgt
und jedes „momentane Wissen“ nur als kurzen Stillstand auf dem Weg der Erkenntnis
betrachtet, nur der ist ein Weiser. Er alleine befindet sich auf dem Pfad, der zur Weisheit
führt, - ein Pfad, dessen Ende wir nicht kennen.
Von Sokrates ist überliefert, daß er vorbeiziehende Passanten mit den Fragen „Woher
kommst Du?“ und „Wohin gehst Du?“ in ein Gespräch verwickelt hat. Es dauerte nie lange,
dann wurde das Gespräch zur philosophischen Betrachtung. Die ersten banalen Antworten
auf diese beiden Fragen lenkte Sokrates rasch an zwei Grenzen: Die Frage nach dem
„Woher?“ führte er zurück zur Geburt, die Frage nach dem „Wohin?“ führte er hin zum
Tod. Und wir wissen, daß jenseits von Geburt und Tod sich all das befindet, von dem wir
nichts wissen – wir wissen also doch, daß wir nichts wissen.
Sich jenen Erkenntnisbereich zu erschließen, der uns Antworten auf das „Woher?“ und
„Wohin? zu geben vermag, schien für Sokrates essentiell gewesen zu sein. Besonders
hier haben wir uns heute stark vom Denken der alten Griechen entfernt. Da unser
wissenschaftliches Denken eine Wirklichkeit jenseits der Zeit nicht akzeptiert, findet alles
Leben „innerhalb unserer (meßbaren) Zeit statt. Wir versuchen zwar die Grenzen der Zeit
zu erfassen, verweigern aber die Annahme, daß es jenseits dieser Grenzen noch „etwas“
gibt, von dem wir nichts wissen. So kommt es, daß – wissenschaftlich betrachtet – es von
einem Menschen vor seiner Geburt nichts gibt und nach seinem Tod auch nicht, außer
vielleicht ein bißchen Asche. Im universal-astronomischen Bereich herrscht dieselbe
Analogie: Vor der Geburt eines Universums, dem sogenannten Big-bang gibt es nichts und
nach dem Verschwinden im „Schwarzen Loch“ gibt es ebenfalls nichts.
Und dennoch sagt uns eine innere Stimme, daß es so nicht stimmt.
Folgen wir dieser inneren Stimme und dem Geist des Sokrates. Wagen wir die Fragen
nach dem, was vor unserer Geburt war und was nach unserem Tod sein wird. Es sind
keine verrückten Fragen, sondern Fragen, die unser Bewußtsein erweitern. Falls wir –
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wenn auch nur im Ansatz – hier Antworten finden, dann werden sie unsere Gegenwart, d.h.
unser jetziges Leben bereichern und in vielen Situationen erleichtern. Gerade in
schicksalhaften Situationen, bei Krankheiten und Konflikten, bei Widerständen und
Zwängen suchen wir den dahinter verborgenen Sinn. Wir suchen ihn deshalb, weil wir die
Erfahrung gemacht haben, daß uns die Einsicht in die Sinnhaftigkeit eines Ereignisses
besser mit dieser Situation umgehen läßt. Obendrein steckt im Sinn auch eine Richtung:
Der Sinn zeigt uns, wohin uns das Ereignis bewegen will. Nur selten wird uns bewußt, daß
alles, was für einen Menschen „sinnvoll“ ist, stets im Zusammenhang mit unserem
übergeordneten Lebenssinn steht. Und genau dieser Lebenssinn läßt sich eher begreifen,
wenn wir wissen oder zumindest ahnen, woher wir kommen und wohin wir gehen. Die zwei
Fragen des Sokrates sind also keineswegs unbedeutende oder gar überflüssige Fragen.
Vielmehr wollen sie uns mit unserem Lebenssinn verbinden, damit wir unser Leben daran
ausrichten können. Der Lebenssinn ist die große Leitlinie unseres Lebens, an ihm
orientiert sich unser Schicksal, in ihm steckt das Geheimnis eines erfüllten und befreiten
Lebens.
Der Seminarzyklus „Woher komme ich?“, „Wo stehe ich?“ und „Wohin gehe ich?“ will
helfen, unseren Lebenssinn deutlicher zu erfassen. Der erste Teil, der sich vorwiegend mit
unserer Herkunft befaßt, findet statt am
Sa, de 27. Januar (Beginn 10h) bis So, den 28. Januar 2007 (Ende 17h)
Aszendent und 12. Haus
Die Vergangenheit unserer Persönlichkeit
Das „Zeichen hinter dem Aszendenten“ (= 12. Haus bei äqualen Häusern!) hat in seiner
kosmischen Symbolik Vergangenheitsbedeutung. Und ein Aspekt unseres Lebens, das
wissen wir, steht unter dem Thema der „Vergangenheitsbewältigung“. Diesem Thema
werden wir uns auf zweierlei Art und Weise zuwenden.
Erstens werden wir einen „Blick in unsere Vergangenheit“ nehmen. Im Horoskop stellt sich
unsere Vergangenheit auf zwei Ebenen dar, auf einer thematischen Ebene (absteigender
Mondknoten) und auf einer persönlich-konkreten Ebene (Zeichen des 12. Hauses).
Zum zweiten werden wir uns den Weg anschauen, der uns hilft, uns von der
Vergangenheit abzulösen (Aszendent). Dabei wird deutlich werden, daß jeder
weiterführende Weg die Lösung von der Vergangenheit mit sich bringt. Wir müssen also
nicht, wie wir immer glauben, uns von der „Vergangenheit lösen“, sondern unsere Zukunft
meistern. So dient gerade dieses erste Seminar dazu, ein letztes Mal unsere
Vergangenheit anzuschauen, um anschließend unseren "ersten Schritt in die Zukunft"
näher anzuschauen.
Wie immer liegt uns nicht nur daran, die Weisheit der Astrologie zu vermitteln. Wir sind
auch weiterhin sehr bestrebt, die Selbsterkenntnis unserer Teilnehmer zu fördern. Bei der
Besprechung von Horoskopen im Seminar verwenden wir deshalb Teilnehmerhoroskope .
Frühlingshafte Grüsse aus Wackersberg senden
Ruth und Wolfgang
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