Übersicht: Gesellschaft 1 Ziele

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Übersicht: ❶ Gesellschaft 1
Ziele
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Die Bedeutung von „Risikoeinschätzung“ erklären können, insbesondere für die im Unterricht
später thematisierte Verkehrssicherheit
Die Bedeutung von Faustregeln und Intuition an ausgewählten Beispielen erklären können.
Unterrichtsverlauf
Inhalt
Zeit / Bem.
Gesellschaft
Lehrperson zeigt anhand des „Bund“ Artikels vom Oktober 2013 in geeigneter
Weise, wie Risiken in der Bevölkerung wahrgenommen werden.
10‘ – 15‘
„Bund“ Artikel
„Risikoeinschätzung“
Nachdem ein kurzer Überblick über die Thematik im eigenen Schullehrplan
(z.B. Risiko und Sicherheit) vermittelt wurde, erteilt die Lehrperson den
Lernenden den Auftrag zum Skript „Einführung ins Thema“.
SLP Überblick
Auftrag: Bearbeiten Sie das Skript und lösen Sie die entsprechenden
Aufgaben dazu. Sie haben dafür 90 Minuten Zeit. Hinweis „innere
Differenzierung“: Dieser Auftrag sollte entweder als Einzelarbeit oder als
Partnerarbeit erteilt werden. Damit können lernschwächere mit Partnern
arbeiten und leistungsfähigere Lernende alleine und mit Zusatzaufträgen.
90‘
Schlussteil Reflexion schriftlich: Was habe ich heute gelernt? Lernziele
überprüfen.
15‘ – 25‘
Lernheft u. drgl.
Anschluss: Hausaufgaben / Ausblick
Skript
PC / Tablet /
Smartphone
Was heisst Risiko, was bedeutet Sicherheit? Faustregeln und Intuition. Wie werde ich
risikokompetent?
Risiko und Sicherheit
Was ist eigentlich Risiko, was bedeutet Sicherheit? Jeder Mensch schätzt diese beiden Ausdrücke
gewiss unterschiedlich ein. Bewertet die eine Person etwas als „sicher“, ist es für eine andere
„ungewiss“. Bloss stellen solche Bewertungen ausschliesslich persönliche Sichtweisen dar, die sich
einer angestrebten Objektivität entzieht. Allerdings: gibt es die überhaupt?
Der deutsche Philosoph Immanuel Kant forderte seine Zeitgenossen bereits im 18. Jahrhundert auf,
den Mut aufzubringen, Selbstverantwortung zu übernehmen für sich und sein Leben: Sapere aude!Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Dies ist heute umso wichtiger, da wir in
einer Welt voller Ungewissheiten leben. Oder in Worten von Benjamin Franklin ausgedrückt: „In
dieser Welt ist nichts gewiss ausser dem Tod und den Steuern.“
Viele heutige Zeitgenossen haben gerade dies verloren: vielmehr verlassen sie sich auf Beratung von
andern, auf Geschriebenes in Zeitungen oder auf so genannte Fachpersonen.
Solches selbst verantwortliche Handeln setzt nicht einfach Wissen voraus, das man sich aus Büchern
oder dem Internet aneignet. Vielmehr besteht die „eigene Wahrheit“ aus unzähligen persönlichen
Erfahrungen und Erlebnissen und auch aus persönlichen Gefühlen. Das so genannte „Bauchgefühl“
täuscht einen ebenso wenig wie Ratschläge von Dritten. Das Fremdwort dafür heisst Intuition.
Schauen Sie sich dazu folgenden Filmbeitrag an (Dauer: sechs Minuten):
http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=26087
Flugkapitän Sullenberger hatte keine Zeit, lange Berechnungen anzustellen. Er bediente sich einer
Faustregel, die ein Pilot während seiner Ausbildung gelernt hat:
Fixiere den Tower: Wenn der Tower in der Cockpitscheibe aufsteigt, schaffst du es nicht, zur
Landebahn zurückzukehren.
Weil der Tower in der Cockpitscheibe sichtbar war, nahm der Pilot Kurs auf den Hudson River zur
Notlandung. Intuitive Entscheide und Faustregeln sind manchmal besser als Technik und
Berechnungen. Was diese Welt heute vor allem braucht, sind Menschen, die risikokompetent sind,
also wissen, Risiken einzuschätzen und entsprechend zu handeln.
Wie schätzen Sie die folgenden Risiken ein, bzw. wovor haben Sie mehr Angst?
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Im Strassenverkehr ums Leben zu kommen oder mit einem Flugzeug abzustürzen?
Einen schlimmen KKW (Kernkraftwerk) – Unfall oder wegen Luftverschmutzung zu sterben?
Eine schlimme Schweinegrippewelle oder Opfer der jährlich wiederkehrenden Grippe zu
werden?
Die folgende Darstellung zeigt, dass wir eigentlich berechtigt Angst haben müssten, uns in den
Strassenverkehr zu begeben…
Relatives Risiko – absolutes Risiko: Das ist ein wichtiger Unterschied!
Häufig werden Nachrichten, die statistische Zahlen beinhalten, kaum in einen Gesamtzusammenhang
gestellt. Es wird auch oft nicht überlegt, ob die Angaben absolut oder relativ gemeint sind. Diese
Problematik wiederspiegeln die folgenden Beispiele.
Seit den frühen 1960er Jahren gibt es die Antibabypille. Nun sind wir heute bereits bei der dritten
Generation angelangt. Alle Jahre wurden die Frauen immer wieder aufgeschreckt, dass die Pille
Thrombosen verursachen kann (Blutgerinsel, Verklumpung).
Die britische Behörde für Arzneimittelsicherheit verbreitete die Nachricht, dass die dritte
Pillengeneration das Thromboserisiko verdoppelt – also um 100% erhöht! Diese Warnung führte im
folgenden Jahr in England und Wales zu 13‘000 zusätzlichen Abtreibungen, weil die Frauen sich nicht
mehr getrauten, die Pille einzunehmen.
Paradoxerweise bergen Schwangerschaften und Abtreibungen ein grösseres Thromboserisiko als die
Pillen der dritten Generation! Ein genaueres Hinsehen zeigte Folgendes: Die Studien, auf die sich die
Warnung stützte, hatten gezeigt, dass von je 7000 Frauen, welche die Vorgängerpille der zweiten
Generation genommen hatten, eine Frau eine Thrombose bekam und dass die Zahl sich bei Frauen,
die Pillen der dritten Generation nahmen, auf zwei erhöhte. Das heisst:
Die absolute Risikozunahme betrug nur 1 von 7000 und die relative Risikozunahme lag bei 100%!!
Hier gilt also die Faustregel: Frage stets, wie gross die absolute Risikozunahme ist. Die Menschen sind
heute vertraut mit allen Arten von Statistiken: Ballbesitz einer Mannschaft im Fussball, Anzahl Asse
im Tennis. Aber sind sie auch kritisch?
Wie sieht es bei der folgenden Statistik aus, die im Sommer 2013 herausgegeben wurde?
Haben Sie auch ähnliche Zahlen im Kopf? Vertrauen Sie dieser Statistik? Haben Sie genug
Bezugspunkte und Informationen dazu? Bloss: so einfach ist das nicht…
Die von Eurostat ausgewiesenen Arbeitslosenquoten sind für die Beschreibung der
Arbeitsmarktprobleme von Jugendlichen nur bedingt hilfreich. Denn sie lassen die hohe Anzahl an
Jugendlichen aussen vor, die sich in der Ausbildung oder im Studium befinden. Dies liegt im Konzept
der Arbeitsmarktstatistik begründet, die Eurostat selbst in einer Pressemitteilung vom 12. Juli 2013
erläutert:
Unter den Begriff Erwerbspersonen fallen dort alle Personen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen
können. Dies sind sowohl Erwerbstätige als auch Erwerbslose. Die von Eurostat ausgewiesene
Arbeitslosenquote berechnet sich als der Anteil der Erwerbslosen an den Erwerbspersonen.
Erwerbspersonen sind alle Personen ab 15 Jahren, die zu einem Zeitpunkt als Arbeitnehmer,
Selbständiger oder mithelfender Familienangehöriger gearbeitet haben. Als erwerbslos wird man
bezeichnet, wenn man zu einem Zeitpunkt ohne Arbeit ist, für die Aufnahme einer Arbeit zur
Verfügung steht und in den vergangenen vier Wochen aktiv nach Arbeit gesucht hat. NichtErwerbspersonen hingegen sind alle Personen, die zu einem Zeitpunkt dem Arbeitsmarkt nicht zur
Verfügung stehen oder keine Arbeit suchen. Darunter fallen beispielsweise Hausfrauen und -männer,
aber auch alle Personen einer Bevölkerungsgruppe, die sich noch in einer Ausbildung befinden. Die
Gruppe der Nicht-Erwerbspersonen wird bei der Berechnung der Arbeitslosenquote nicht
berücksichtigt – weshalb die Arbeitslosenquote nur eine unzureichende Aussagekraft für die
Arbeitsmarktsituation von Jugendlichen hat.
Hierzu ein Beispiel: Wenn in einem Land mit 100 Jugendlichen alle mit 15 Jahren die Ausbildung
abgeschlossen haben und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, aber nur 80 von diesen
Jugendlichen einer Arbeit nachgehen, liegt die Arbeitslosen- quote bei 20%. Gehen jedoch 50 der 100
Jugendlichen auf eine weiterführende Schule und sind 20 der verbleibenden 50 Jugendlichen
arbeitslos, liegt die Arbeitslosenquote bei 40%, da die Jugendlichen auf der weiterführenden Schule
nicht in die Berechnung der Arbeitslosenquote eingehen.
Wie kann man nun eine aussagekräftige Statistik der Arbeitsmarktsituation von Jugendlichen
erhalten? Zum einen könnte man den Anteil der erwerbslosen Jugendlichen an allen Jugendlichen
berechnen. Führt man dies mit den Daten von Eurostat durch, erhält man für Griechenland eine
alternative Arbeitslosenquote von 17% (statt 60%), eine von 21% für Spanien (statt 57%), für Italien
12% und für Portugal 15% (statt jeweils 42%).
Risikokompetent?
Hier können Sie Ihr Wissen kurz testen:
http://www.unipark.de/uc/silberhorn/b5e1/ospe.php?SES=4df353a264ba43971868bee48350bf84&s
yid=271072&sid=271073&act=start&js=16&flash=1108
Jede Person kann (und müsste) sich auf seine eigene Intuition verlassen. Viele Alltagshandlungen sind
denn auch automatisiert und passieren ohne Denkanstrengung, also intuitiv:
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Wir bedienen ein Fahrzeug und können uns gleichzeitig mit dem Sitznachbarn im Auto
unterhalten.
Wir brauchen das Essbesteck ohne Anleitung und führen Tischgespräche.
Wir schnüren uns die Schuhbändel wenn nötig ohne hinzusehen.
Etc.
Dort, wo diese Automatismen fehlen, müssen wir uns mehr oder weniger anstrengen, und
insbesondere erfordert die Handlung „Aufmerksamkeit“. Wir müssen uns auf die Sache
konzentrieren, damit „sie“ gelingt. Auch hier gibt es „riskantere“ Unterfangen und weniger
risikoreiche:
-
Das Gericht auf einer Herdplatte muss für bestimmte Zeit im Auge behalten werden.
Eine anspruchsvolle Aufgabe lösen kann ich bloss bei voller Konzentration.
Bei der folgenden Aufgabe liegt es nicht drin, sich ablenken zu lassen, sie erfordert für die korrekte
Lösung Konzentration. Hier hilft uns auch nicht viel Intuition, sondern Denk- und
Vorstellungsvermögen. Einstein bekam diese Knobelaufgabe von seinem Freund Wertheiner gestellt
und fiel darauf hinein… Irren ist menschlich!
Versuchen Sie, diese Aufgabe zu lösen:
Ein altes klappriges Auto soll einen Weg von 2km fahren, einen Hügel hinauf (1km) und hinunter (1
km). Den ersten km – den Anstieg – kann’s, weil’s so alt ist, nicht rascher fahren als mit der
Durchschnittsgeschwindigkeit von 15km/h. Frage: Wie rasch muss es den zweiten km fahren – beim
Herunterfahren ist es natürlich rascher – ,um eine gesamte Durchschnittsgeschwindigkeit (für den
Gesamtweg) von 30 km/h zu erreichen?
(Die Lösung liegt bei der Lehrperson)
Fühlen Sie sich mit Ihrer Antwort „sicher“ oder zweifeln Sie? Wie gross schätzen Sie das Risiko ein,
dass Sie eine falsche Lösung haben?
„Multitasking“ ist ein weit verbreitetes Lieblingswort – und auch ein weit verbreiteter Irrtum.
Entgegen der Annahmen von vielen Menschen können wir nicht verschiedenste Dinge gleichzeitig
korrekt ausführen oder entscheiden. Dies ist – wie oben beschrieben – bloss bei Tätigkeiten der Fall,
bei denen Dinge automatisch getan werden und gleichzeitig Aufmerksamkeit für etwas anderes
möglich ist.
Dies zeigt sich etwa beim
Bedienen des eigenen Smartphones: Man ist
manchmal mit dem Verfassen von
Textnachrichten so sehr beschäftigt, dass man
das periphere (in der Umgebung)
Sehen verliert. In einer Studie wird berichtet,
dass sich zwei Drittel der Briten
beim Abfassen von Textnachrichten so sehr
auf ihr Smartphone konzentrieren,
dass ihnen das periphere Sehen verloren geht.
Einige Städte haben deshalb ihre Strassenlaternen gepolstert….
Quelle: shinyshiny.tv Im Bild: Brick Lane in London
Zusammengefasst
Um Risiken einschätzen zu können, braucht es manchmal Wissen und Erfahrung, manchmal aber
auch die eigene Intuition (Bauchgefühl). Vielfach helfen einfache Faustregeln, die man kennen muss.
Wir beschäftigen uns im Unterricht vor allem mit Risiken im Strassenverkehr, der Gesundheit und
dem Geldverkehr. Hier geht’s zur Startseite im Bereich Strassenverkehr: www.play4safety.ch
Menschen verspüren bei Testergebnissen oder Behandlungen häufig ein Bedürfnis nach Sicherheit.
Doch basieren selbst unsere wichtigsten Entscheidungen meist auf Ungewissheiten. Die folgenden
Fragen können Sie sich stellen, um diese Risiken besser zu verstehen:
1. Was für ein Risiko besteht?
Handelt es sich um das Risiko zu sterben, eine Krankheit zu haben oder gar nur ein bestimmtes
Symptom zu zeigen?
2. Auf welchen Zeitraum bezieht sich eine Wahrscheinlichkeitsangabe?
Ein Zeitraum von zehn Jahren ist informativer als "lebenslang", da sich Risiken mit der Zeit ändern
können.
3. Wie groß ist das Risiko?
Es sollte in absoluten Zahlen angegeben sein. Beispiel: "13 von 1.000 50-jährigen Raucherinnen
sterben innerhalb von zehn Jahren an einer Herzerkrankung."
4. Zähle ich zu einer Risikogruppe?
Beruhen die vorliegenden Zahlen auf Stichproben, die in Alter, Geschlecht und anderen
gesundheitsrelevanten Merkmalen zu Ihnen passen?
5. Was sind die Nachteile des Befunds?
Wie viele Testergebnisse sind falsch-positiv? Werden auch Abnormitäten oder harmlose
Erkrankungen entdeckt, die niemals Symptome verursacht hätten, aber unnötige Behandlungen nach
sich ziehen?
Weiterführendes Video zur Thematik:
http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=20494
Quellen:
Risiko; G. Gigerenzer; Bertelsmann 2013
http://www.harding-center.de/
Lösung zur Aufgabe
Auto
Die Strasse nach oben ist 1km lang. Das Auto fährt mit 15km/h, also braucht es vier Minuten, um die
Spitze zu erreichen.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h entspricht zwei Kilometern in vier Minuten. Folglich
müsste das Auto die ganze Strecke in vier Minuten zurücklegen. Doch diese vier Minuten sind schon
für den Weg den Hügel hinauf aufgebraucht…
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