Interferenzen/Interférences Frankfurt am Main, 1.10.2013

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INFORMATION vom 1. Oktober 2013
Frankfurt am Main
Interferenzen/Interférences
Architektur. Deutschland – Frankreich 1800-2000
3. Oktober 2013– 12. Januar 2014
Deutsches Architekturmuseum (DAM), EG +1. OG
Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main
ERÖFFNUNG: Mi, 2. Oktober 2013, 19 Uhr
PRESSEKONFERENZ: Di, 1. Oktober 2013, 11 Uhr
FÜHRUNGEN: ab 5. Oktober jeweils samstags und
sonntags um 15 Uhr
Marcel Lods, Adolf Bayer, Wiederaufbau Mainz, Bebauungsplan, Unité
d’habitation Wallstraße, 1946, NL Bayer \ 40 \\ © Stadtverwaltung
Mainz – Stadtarchiv
ÖFFNUNGSZEITEN:
Di, Do — So 11 — 18 Uhr \ Mi 11 — 20 Uhr \
Mo geschlossen
ÜBER DIE AUSSTELLUNG
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GLIEDERUNG IN NEUN SEKTIONEN
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PUBLIKATION
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BEGLEITPROGRAMM
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IMPRESSUM
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VORSCHAU / KONTAKT
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PRESSEINFORMATION
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Interferenzen/Interférences
Frankfurt am Main, 1.10.2013
INTERFERENZEN PRÄGEN ARCHITEKTUR IN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH
Im Mittelpunkt der Ausstellung Interferenzen/Interférences stehen die Architekturräume
Frankreichs und Deutschlands und die vielfältigen Wechselbeziehungen, die sich im Verlauf
zweier Jahrhunderte von der französischen Revolution bis zur Gegenwart über die Grenzen
hinweg entwickelten.
Wie in der Physik, wo die in einem benachbarten elektromagnetischen Feld auftretenden
Störungen Interferenzen auslösen, bedingen sich die parallelen Geschichtsabläufe gegenseitig:
Theorien, Ideologien und Formensprachen zirkulieren in beiden Richtungen über die Grenzen
hinweg, während Debatten über die Monumentalität oder die Anwendung neuester Techniken
aufeinander folgen.
Besonderes Augenmerk legt die Schau auf die wechselseitige Beeinflussung der Metropolen, wie
Paris und Berlin sowie auf die Situation der Grenzregionen, deren Gestalt – wie im Fall von
Straßburg, Metz, dem Rheinland und der Saar – durch Annexionen und Besetzungen nachhaltig
geprägt wurde. Der Fluss der Ideen wird rekonstruiert, und es werden nicht nur Entwürfe und
Visionen dokumentiert, die ihren Weg über die Grenze nahmen. Erinnert wird auch an den
einige Male durch Krieg unterbrochenen Strom von Architekten und Stadtplanern, die sich als
Kundschafter, Missionare und Vermittler in beiden Richtungen bewegten. Beginnend mit
Friedrich Gilly und Karl Friedrich Schinkel wurden Reisen unternommen, wurde im anderen
Land beobachtet und skizziert. Andere wurden im jeweils anderen Land dauerhaft aktiv – wie
der aus Köln stammende Jakob Ignaz Hittorff, der 1810 nach Paris übersiedelte oder wie Finn
Geipel, der in unseren Tagen gleichzeitig in Berlin und Paris lebt und arbeitet. Wieder andere –
Architekten ebenso wie Intellektuelle oder Kritiker - pendelten hin und her und hinterließen
ihre Spuren.
Interferenzen erinnert nicht nur an die, die mit unterschiedlichen Motiven dafür sorgten, dass
die Baukulturen beider Länder aufeinandertrafen und Wechselwirkungen zustandekamen. Die
Ausstellung dokumentiert auch die wechselnden Leidenschaften der Akteure zwischen Neugier,
Bewunderung, Konfrontation, Rivalität, Dialog und Zusammenarbeit.
Interferenzen präsentiert Originalzeichnungen und –pläne, Dokumente und Modelle. Unter
anderem werden Werke von J. W. Goethe, Eustache de Saint-Far, Friedrich Gilly, K. F. Schinkel,
Friedrich Weinbrenner, Leo von Klenze, Gottfried Semper, Victor Hugo, Viollet-Le-Duc,
Fernand Léger, Marcel Gromaire, Peter Behrens, Le Corbusier, Ernst Ludwig Kirchner, Walter
Gropius, Albert Speer, Paul Schmitthenner, Ernst Neufert, Rudolf Schwarz, Georges Candilis,
Rob Krier, Josef Paul Kleihues und Thomas Bayrle zu sehen sein. Das Schaffen bedeutender
Architekten, Stadt- und Landschaftsplaner, sowie von Künstlern und Intellektuellen wird
beleuchtet, die in einer von den Fieberkurven der Politik geschüttelten Epoche an den
Schnittstellen der beiden Baukulturen tätig waren.
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GLIEDERUNG DER AUSSTELLUNG IN NEUN SEKTIONEN
Die neun Sektionen haben mit Köln, Mainz, Karlsruhe, Stuttgart, Saarbrücken, Kassel,
Wiesbaden, Berlin, Straßburg, Metz, Thionville, Lyon, Reims, Marseille, Paris und noch anderen
Orten und Landschaften nicht nur die Geschichtsräume der beiden Länder im Blick. Beginnend
mit der Französischen Revolution und ihren Umwälzungen durchlaufen sie die Architekturen
des Industriezeitalters und der Moderne über zwei Jahrhunderte und münden in die Gegenwart
des vereinigten Europa.
1789-1848: Wechselnde Begeisterung für Gotik und Klassik
Die Periode zwischen der Französischen Revolution und der Julimonarchie wird von großen
politischen Umwälzungen geprägt, die in Deutschland in den Ruf nach nationaler Einheit
münden. Auch in der Baukultur zeichnen sich große Veränderungen ab, wobei zwei gegenläufige
Bewegungen die Begegnungen deutscher und französischer Architekten nach 1789 bestimmen.
Zahlreiche deutsche Intellektuelle zieht es an die Seine, darunter auch junge Architekten, die
wegen der Bauten oder zur Ausbildung nach Paris kommen. Dazu gehören unter anderem
Friedrich Gilly und später sein Schüler Karl Friedrich Schinkel. In den von den französischen
Armeen in Deutschland hinterlassenen Départements und Vasallenstaaten planen Ingenieure
und Architekten königliche Residenzen und neuartige Infrastrukturen in Orten wie Kassel und
Mainz. Der König von Württemberg gibt den auch von ihm geschätzten Lieblingsarchitekten
Napoleons, Percier und Fontaine, ein Landschloss in Auftrag, und Schinkel bezieht sich bei
seinem Entwurf für den ersten Berliner Museumsbau auf ihre Arbeiten.
Kurz darauf entwickelt sich eine neue romantische Sicht auf mittelalterliche Burgen und
gotische Kathedralen. Im Zentrum dieser Bewegung steht Köln, wo die Vollendung des Domes
zur nationalen Aufgabe erhoben wird. Zur Diskussion steht dabei auch der deutsche oder
französische Ursprung der Architektur des Mittelalters. So scheint es kein Zufall zu sein, dass
Sainte-Clotilde, die erste neugotische Kirche in Paris, nach einem Entwurf des aus Köln
stammenden Franz Christian Gau errichtet wird.
1848-1870: Der Morgen des Industriezeitalters
In den Jahren zwischen den europäischen Revolutionen um 1848 und dem französischpreußischen Krieg von 1870-1871 wird die Baukultur einerseits durch ihren Geschichtsbezug
und anderseits von den Veränderungen der Städte infolge der industriellen Revolution
bestimmt. Es bildet sich eine neue Architektur heraus, die von Fabriken über Markthallen zu
Kaufhäusern und Bahnhöfen reicht und auf die Erfordernisse der Modernisierung antwortet.
Der Umbau des Pariser Stadtgebiets, den der Präfekt Georges-Eugène Haussmann ab 1853 im
Auftrage von Napoleon III. durchführt, lässt auf den Trümmern der alten Stadt eine neue
einheitliche Stadtlandschaft entstehen. An ihr wiederum orientieren sich seit den 1860er Jahren
auch die Planungen zur Erweiterung deutscher Großstädte, wie James Hobrechts Vorschlag für
Berlin.
Mit der Gründung neuer Architekturfakultäten an den Technischen Hochschulen wandeln sich
in Preußen und anderen deutschen Ländern die Ausbildungsprogramme, die bis dahin
ausschließlich auf dem Modell der Pariser École des beaux-arts und der École polytechnique
beruhten, welche allerdings weiterhin noch häufig von deutschen Studenten besucht werden.
Eine kleine Gruppe von industriellen und Philanthropen sucht mit experimentellen
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Bauvorhaben Lösungen für die drängende Wohnungsfrage der Arbeitermassen zu finden. Das
von Charles Fourier und Victor Considérant entwickelte Ideal des Phalanstère inspiriert eine
Reihe ungewöhnlicher Projekte, so Wilhelm Stiers Entwurf einer Armenstadt in Berlin oder das
von dem Fabrikanten Jean-Baptiste Godin in Guise errichtete Familistère.
1870-1900: Nationales Denken und neues Stadtleben
Der Krieg von 1870-1871 hat weitreichende Auswirkungen auf Architektur und Städtebau. Die
symbolisch in der Spiegelgalerie von Versailles beschlossene Gründung des Deutschen Reichs
verstärkt die Rolle Berlins und hat ein spektakuläres Wachstum der Städte des neuen Staates
zur Folge. In den annektierten Gebieten der Reichslande Elsass-Lothringen finden,
insbesondere in Straßburg und Metz, anspruchsvolle Stadterweiterungen statt.
Auch in den Memorialbauten hinterlässt der Krieg seine Spuren. Das bedeutendste französische
Erinnerungsmal an ihn schafft Auguste Bartholdi mit dem Löwen von Belfort. In Berlin baut
Franz Schwechten die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, und im ganzen Reich entstehen
Hunderte von Denkmälern, die Kaiser Wilhelm I. oder seinem Kanzler Bismarck gewidmet sind.
Zugleich bleibt die Architektur des neuen Reichs stark dem französischen Geschmack
verpflichtet. Das noch lange für viele Städte des Reichs gültige Vorbild der Haussmannschen
Stadterneuerung verblasst allmählich zugunsten ins Umland aufgelöster Stadtformen, in deren
Zentren sich allerdings weiterhin die Mietskasernen zusammenballen.
Die im Denken der Architekten allgegenwärtige Geschichte wird zum Ausgangspunkt
weiterreichender Strategien der Denkmalpflege. Viollet-le-Duc führt die Restaurierung des
Schlosses Pierrefonds zu Ende und versteht dies als ein Lehrstück des Rationalismus.
Phantasievoll, aber stärker auf Ergebnissen der Bauforschung aufbauend, sucht derweil Bodo
Ebhardt, die Ruine der Hohkönigsburg zu einer symbolischen Residenz des deutschen Kaisers
im Elsass umzugestalten.
1900-1914: Reformkultur und neue Ästhetik
Um die Jahrhundertwende verändern sich Großstadtkultur und Architektur unter dem Druck
der sozialen Bewegungen und aufgrund der Bemühungen einer neuen Generation von
Schriftstellern, Künstlern und Architekten. Gleichzeitig intensivieren sich die
Austauschprozesse zwischen unterschiedlichsten Bewegungen, Formen und Diskursen. In den
Jahren vor dem Ersten Weltkrieg erreichen die Schriften Friedrich Nietzsches Frankreich, in
Deutschland hingegen stoßen die Ideen Henri Bergsons auf reges Interesse.
Als Reaktion auf die Ballung der Bevölkerung in den Städten und als Antwort auf die soziale
Frage werden neue Städtebaustrategien entwickelt. Das aus Großbritannien übernommene
Konzept der Gartenstadt findet erste Anwendungen in Hellerau bei Dresden und im Stockfeld
an der Peripherie von Straßburg, später auch in Staaken bei Berlin und andernorts.
Ausstellungen befördern die Auseinandersetzung mit der Architektursprache monumentaler
Bauten. So antwortet gewissermaßen die Jahrhunderthalle von Max Berg 1913 in Breslau auf die
Pariser Maschinenhalle von 1889 und auf die ersten Betonbauten von François Hennebique und
Auguste Perret in Paris.
In Paris verändern der Kunsthändler Siegfried Bing mit seiner Galerie und der Kritiker Julius
Meier-Graefe mit seinen Zeitschriften die französische Kulturszene. Das deutsche Kunstgewerbe
zeigt bei der Pariser Weltausstellung 1900 und dann 1910 beim Salon d’Automne nicht nur
kühne, mit dem Historismus brechende Formen, sondern zugleich bis dahin unbekannte
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Kooperationsformen zwischen Kunst und Industrie, wie sie der 1907 gegründete Deutsche
Werkbund befördert hatte.
1914-1939: Konkurrierende Moderne
Während des Ersten Weltkriegs findet der Eisenbeton neue Anwendungsfelder in Militärbauten,
zugleich wird die Standardisierung des Bauwesens vorangetrieben. Die Zerstörung zahlreicher
Baudenkmale löst auf französischer Seite eine verschärfte nationalistische Polemik aus und
macht Städte wie Reims nach dem Krieg zu städtebaulichen Versuchsfeldern.
Beide Länder verfolgen aufmerksam die unterschiedlichen Wege der jeweiligen
Architekturmoderne. In Paris bleibt die Vorherrschaft der École des beaux-arts unangefochten,
wogegen das Bauhaus neue Ausbildungsmodelle erprobt. Der Deutsche Werkbund, der 1925 an
der Exposition des arts décoratifs (Kunstgewerbeausstellung) in Paris noch nicht teilnehmen
kann, findet 1927 mit der Stuttgarter Weißenhofsiedlung viel Beachtung und ist auch 1930 beim
Pariser Salon des Artistes décorateurs außerordentlich erfolgreich. Auf der Pariser
Weltausstellung von 1937 scheint sich Albert Speers Deutscher Pavillon außer mit seinem
sowjetischen Gegenüber auch mit dem Eiffelturm messen zu wollen.
Nach dem Krieg erfordert die Bekämpfung der Wohnungsnot größte Anstrengungen. Während
im Deutschland der zwanziger Jahre allenthalben moderne Wohnsiedlungen errichtet werden,
folgt der französische Wiederaufbau eher der Gartenstadtidee. So vergehen einige Jahre, bis die
Frankfurter und Berliner Siedlungen auch den Wohnungsbau im Umland von Paris
beeinflussen. In einem Klima des Chauvinismus, der gegenüber der Zeit vor dem Ersten
Weltkrieg noch zugenommen hat, entwickeln sich die Fachzeitschriften dank der Beiträge
engagierter Kritiker, die man in einigen Fällen als regelrechte Doppelagenten bezeichnen kann,
zu den herausragenden Medien für den Austausch von Ideen und Formen.
1939-1949: Besetzungen und Wiederaufbau
Die französische Niederlage führt 1940 zu einer erneuten Annexion von Elsass-Lothringen
durch das Dritte Reich. Während zur Schaffung eines Groß-Straßburg als Hauptstadt eines
neuen Gaus beiderseits des Rheins ein Wettbewerb ausgelobt wird, planen im ehemaligen
Département Moselle, dessen französischsprachiger Bevölkerungsteil deportiert worden war,
Architekten aus Deutschland wie Emil Steffann und Rudolf Schwarz den Wiederaufbau
zerstörter Dörfer und die Modernisierung der Industrieregion.
Im Gegensatz zur vier Jahre dauernden Besatzung Frankreichs durch die Nationalsozialisten ist
der ebenso kurze Zeitraum zwischen der Kapitulation und der Gründung der beiden deutschen
Staaten 1949 besonders reich an Kontakten und Projekten. Bei den Demonstrativbauvorhaben
für die französische Besatzungszone und die Saar bringen Marcel Lods für Mainz und GeorgesHenri Pingusson für Saarbrücken Gestaltungsmodelle ins Spiel, wie sie Le Corbusier für SaintDié entwickelt hatte.
Trotz der großen Anstrengungen von französischer Seite, die Prinzipien des funktionalistischen
Städtebaus zu verbreiten und für deutsche Architekten Studienreisen zu französischen
Wiederaufbauprojekten zu organisieren, werden ihre Projekte von einigen französischen
Militärs torpediert und auch von der lokalen Bevölkerung abgelehnt. Obwohl so die meisten der
in diesen Jahren erarbeiteten Pläne nicht verwirklicht werden, wirken sie dennoch noch
jahrelang nach.
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1949-1961: Modernisierung, Dialoge und Ausstellungen
In den zwölf Jahren zwischen der Gründung der beiden deutschen Staaten 1949 und dem Bau
der Berliner Mauer 1961 beziehen sich Bundesrepublik und DDR in Fragen der
Industrialisierung der Bauproduktion parallel zueinander auf Frankreich. Wie bei den „ZUP“,
den Sonderbauzonen an den Stadträndern, die ab 1953 in Frankreich ausgewiesen werden, wird
in beiden deutschen Staaten beim Bau von Großsiedlungen das französische
Vorfertigungssystem Camus verwendet.
1957 findet in West-Berlin eine Internationale Bauausstellung statt, die Interbau, deren
organischer und fließender Städtebau als ein Schaufenster der „Freien Welt“ gegenüber der
Fluchtlinienplanung der Stalinallee in Ost-Berlin gedacht ist. Im Jahr darauf ist die französische
Beteiligung an dem internationalen Wettbewerb „Hauptstadt Berlin“, bei dem Entwürfe für die
hypothetische Hauptstadt eines wiedervereinigten Deutschlands gesucht werden, größer als die
jeder anderen Nation.
Bleibenden Ausdruck erhalten die Interferenzen in diesen Jahre vor allem im Kirchenbau. Die
Fachzeitschrift L’Art sacré widmet sich den Notkirchen der deutschen Architekten Otto
Bartning und Emil Steffann, während der Glasmeister Gabriel Loire im Auftrag von Egon
Eiermann blaue Fensterwände für die neue Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche entwirft, die in
der Ruine des Vorgängerbaus entsteht. Auch der Auftrag an Jean-Charles Moreux für die
Hamburger Kirche Sankt Ansgar kommt durch das Netzwerk zustande, das sich zwischen den
Protagonisten des modernen Sakralbaus gebildet hat.
1961-1989: Krise des Neuen Bauens und Wiederentdeckung der Urbanität
Während immer mehr Studenten die Ausbildungsstätten im Nachbarland besuchen, entstehen
neue Bauten aus sich überkreuzenden Aktivitäten, wie das deutsche Haus der Cité universitaire
in Paris von Johannes Krahn oder seine Arbeiten für die französischen Kulturinstitute in
Deutschland, die von Pierre Vago und Fritz Bornemann gemeinsam errichtete
Universitätsbibliothek in Bonn oder das Kernforschungszentrum von Erich Schelling in
Grenoble. Einen einmaligen Sonderfall aber stellt zweifellos die Zusammenarbeit des
Architekten Werner Ruhnau mit dem Maler Yves Klein beim Bau des Musiktheaters von
Gelsenkirchen dar.
Bei den jetzt in großer Zahl errichteten Großsiedlungen setzt sich eine Parallelentwicklung fort,
die schon in den Jahren zuvor begonnen hatte. Fast gleichzeitig gerät in Frankreich und
Deutschland das vorherrschende Gestaltungsmodell in die Kritik. Es werden flexiblere
Lösungen gesucht, die jedoch die industrielle Massenproduktion nicht in Frage stellen sollen.
Die Trabantenstadt Toulouse-Le Mirail findet so großen Anklang, dass ihre Erbauer, die
Architektengemeinschaft Georges Candilis, Alexis Josic und Shadrach Woods, zu mehreren
Wettbewerben in der Bundesrepublik eingeladen werden und schließlich in Berlin den Auftrag
zu einem Neubau für die Freie Universität erhalten. In Paris realisiert zur gleichen Zeit der
Deutsche Martin Schulz van Treeck im Sanierungsgebiet des 19. Arrondissements sein
spektakuläres Projekt der „Orgues de Flandres“.
Ein neu erwachtes Interesse an Urbanität lässt Forderungen nach einer kompakteren Stadt und
einer abwechslungsreicheren Architektur aufkommen, auf die das Programm der Berliner IBA
antwortet. Für diese Internationale Bauausstellung, die das Wohnen in der Innenstadt
thematisiert, werden zwischen 1979 und 1987 beispielhafte Bauten realisiert.
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1989 bis heute: Im Herzen eines neuen Europas
In den zwei Jahrzehnten nach der deutschen Wiedervereinigung nimmt die internationale
Mobilität weiter zu. An der Neugestaltung des vereinigten Berlins beteiligen sich mehrerer
französische Architekten, so Jean Nouvel, Dominique Perrault und Claude Vasconi. Weitere
Internationale Bauausstellungen folgen dem erfolgreichen Berliner Vorbild und haben eine
bemerkenswerte Ausstrahlung auf die französische Städtebaupolitik. Das gilt vor allem für die
IBA Emscher Park mit ihrer vorbildlichen Neustrukturierung des weiträumigen
Industriegebietes an der Ruhr.
Die Arbeitsfelder der Architektur, des Städtebaus und der Landschaftsplanung beider Länder
durchdringen sich heute auf vorher nicht gekannte Weise. Beispielhaft für diese Entwicklung
steht das Werk Finn Geipels und seine zeitweilige Zusammenarbeit mit Nicolas Michelin. In der
anderen Richtung ist das Büro TER des Landschaftsplaners Henri Bava zu nennen, das in vielen
deutschen Städten tätig ist.
Räume des Austausches zwischen den Regionen haben sich vor allem zu beiden Seiten der
Grenze gebildet, die zunehmend an Bedeutung verliert. Die Stadtentwicklungspläne von
Straßburg, die in Kooperation mit der Stadt Kehl über den Rhein hinweg reichen, werden zum
Vorbild grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Das symbolisiert der zur Landesgartenschau
von 2004 angelegte „Garten der zwei Ufer“, in dem die Fußgängerbrücke von Marc Mimram als
zentrales Bindeglied der beiden Länder fungiert.
PUBLIKATION
Interferenzen
Interférences
Architektur.
Deutschland – Frankreich 1800–2000
Herausgeber: Jean-Louis Cohen, Hartmut Frank
Texte: Barry Bergdoll, Andreas Beyer, Anne-Marie
Châtelet, Jean-Louis Cohen, Hartmut Frank, Christian
Freigang, Wolfgang Voigt, Christiane Weber, Volker
Ziegler u.a.
ca. 468 Seiten mit 330 meist farbigen Abbildungen
Format 23 x 28 cm. Hardcover
ISBN: 978 3 8030 0770 4
Museumsshop: Euro 39,Buchhandel: Euro 49,90
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Frankfurt am Main, 1.10.2013
Sa/So, 15 Uhr ab 5. Oktober, Öffentliche Führungen mit Yorck Förster, Eintritt ins Museum
9,- Euro/4,50 Euro erm.
9. Oktober 2013, 17 Uhr
Sonderführung durch die Ausstellung für Lehrkräfte
Wolfgang Voigt, Kurator der Ausstellung, kostenlos
30. Oktober 2013, 19—21 Uhr
Vorträge im Auditorium des DAM/Eintritt 5,- EUR:
Siedlung und Grand Ensemble. Tendenzen des Wohnungsbaus in Frankreich und
Deutschland
DW Dreysse, Frankfurt und Volker Ziegler, Straßburg
5. November 2013, 19—21 Uhr
Vorträge im Auditorium des DAM/Eintritt 5,- EUR:
Kaiserpalast, Universität, Kirchen, Gauhalle: Deutsche Architekten in Straßburg
1871—1945
Laus Nohlen, Straßburg und Wolfgang Voigt, DAM
7. November 2013, 9—20 Uhr
Tages-Exkursion mit Bus:
Straßburg zwischen den Baukulturen Deutschlands und Frankreichs
Leitung: Wolfgang Voigt, DAM; Klaus Nohlen und Volker Ziegler, Straßburg
Unkostenbeitrag: 25 €. Anmeldung bis 30. Oktober 2013 im Sekretariat des DAM unter 069-212
36706 oder [email protected]
13. November 2013, 19—21 Uhr
Vorträge im Auditorium des DAM\Eintritt 5,- EUR:
Kölnische Neugotik in Paris, Versailles in Bayern. Deutsch-französische
Interferenzen im 19. Jahrhundert
Mario Kramp, Köln und Christoph Hölz, München\Innsbruck
27. November 2013, 19—21 Uhr
Präsentationen und Podiumsgespräch im Auditorium des DAM/Eintritt 5,- EUR:
Bauten und Projekte in Deutschland und Frankreich. Planen ohne Grenzen?
Dominique Perrault, Paris und Finn Geipel, Berlin\Paris
10. Dezember 2013, 18 Uhr
Film/Deutsches Filmmuseum, Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt / Eintritt: 7,- EUR / ermäßigt
5,- EUR
Sous les Toits de Paris (1930) von René Clair
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17. Dezember 2013, 18 Uhr
Film/Deutsches Filmmuseum, Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt / Eintritt: 7,- EUR / ermäßigt
5,- EUR
Allô Berlin? Ici Paris! (1932) von Julien Duvivier
7. Januar 2014, 18 Uhr
Film/Deutsches Filmmuseum, Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt / Eintritt: 7,- EUR / ermäßigt
5,- EUR
Berlin – Alexanderplatz (1931) von Phil Jutzi am 7.01. um 18.00 Uhr.
8. Januar 2014, 19—21 Uhr
Vortrag/Eintritt 5,- EUR:
Interferenzen. Abschied von nationaler Architekturgeschichte.
Ein Erfahrungsbericht.
Jean-Louis Cohen, New York und Hartmut Frank, Hamburg
Vortragssaal Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt
12. Januar 2014, 18—19.15 Uhr
Vortrag/Eintritt 5,- EUR:
Franco-German Romanticism in Architecture 1830—1880.
Barry Bergdoll, Columbia University New York
Vortragssaal Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt
(Vortrag in englischer Sprache)
Pressefotos zur Vorankündigung und für die Dauer der Ausstellung unter www.dam-online.de
im Bereich „Presse“
IMPRESSUM
Interferenzen/Interférences.
Architektur. Deutschland – Frankreich 1800-2000
3. Oktober 2013 – 12. Januar 2014 im Deutschen Architekturmuseum (DAM), EG + 1. OG
Interferenzen ist ein Gemeinschaftsprojekt des Musée d’art moderne et contemporain de Strasbourg
(MAMCS), der École nationale supérieure d’architecture de Strasbourg (ENSAS) und des Deutschen
Architekturmuseums (DAM), Frankfurt am Main.
Direktor Peter Cachola Schmal
Kuratoren Jean-Louis Cohen, Hartmut Frank
Assoziierter Kurator Volker Ziegler
Kurator im DAM und Koordination des Katalogs Wolfgang Voigt
Dokumentation und Recherche Jean-Louis Cohen, Hartmut Frank, Volker Ziegler
Ausstellungsassistenz und Szenografie Evelyn Steiner, Jonas Malzahn
PRESSEINFORMATION
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Interferenzen/Interférences
Frankfurt am Main, 1.10.2013
Übersetzungen Katalog Bernd Weiss, Volker Ziegler
Registrar Wolfgang Welker
Archiv Inge Wolf
Sekretariat und Verwaltung Inka Plechaty, Jaqueline Brauer
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Stefanie Lampe, Susanne Lehmann
Gestaltung Deserve Raum und Medien Design Mario Lorenz
Einladungskarte, Plakat, Fahne Gardeners Frankfurt
Schreiner Schreinerei Oliver Taschke, Offenbach
Tafeln inditec GmbH, Bad Camberg
Aufbau unter der Leitung von Christian Walter: Marina Barry, Ulrich Diekmann, Felix Imiola, Karsten
Kraft, Caroline Krause, Eike Laeuen, Harald Pompl, Michael Reiter, Jörn-Luca Schön, Angela Tonner,
Gerhard Winkler, Valerian Wolenik
In Kooperation mit:
Für die großzügige Förderung der zweiten Ausstellungsstation im DAM bedanken wir uns bei :
Institut Français
Deutschland
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Interferenzen/Interférences
Frankfurt am Main, 1.10.2013
08. Februar – 20. April 2014
Mies van der Rohe Award 2013
15. Februar. – 20. April 2014
Playboy Architecture 1953-1979
01. Februar – 11. Mai 2014
DAM Preis für Architektur in Deutschland 2013
DEUTSCHES ARCHITEKTURMUSEUM
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main, Germany, www.dam-online.de
Stefanie Lampe, M.A.
T +49 (0)69 212 36318 \ F +49 (0)69 212 36386
[email protected]
Susanne Lehmann, M.A.
T +49 (0)69 212 31326 \ F +49 (0)69 212 36386
[email protected]
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