1.1. Zur Periodisierung des MHD [1]

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MITTELHOCHDEUTSCHE
GRAMMATIK
MATERIALIEN
Ass. Prof. Dr. Karin Lichtblau
WS 2006/07
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
1.
ZUR SPRACHGESCHICHTE DES MITTELHOCHDEUTSCHEN
2 / 71
3
1.1.
Zur Periodisierung des MHD
3
1.2.
Schreibung und Aussprache
3
1.3. Lautwandel AHD > MHH > NHD
1.3.1.
Vom AHD zum MHD
1.3.2.
Vom MHD zum NHD
1.3.3.
Übungen: Sprachgeschichte
2.
MORPHOLOGIE
4
4
5
7
10
2.1. Verben
2.1.2.
Schwache Verben
2.1.3.
Starke Verben
2.1.4.
Besondere Verben
2.1.5.
Übungen: Verben
10
12
18
37
45
2.2. Substantive
2.2.1.
Deklination der Substantive
2.2.2.
Übungen: Substantive
49
50
53
2.3. Adjektive und Adverbien
2.3.1.
Starke Deklination der Adjektive
2.3.2.
Schwache Deklination der Adjektive
2.3.3.
Zum Gebrauch der Adjektivformen
2.3.4.
Komparation
2.3.5.
Adverbien
2.3.6.
Übungen: Adjektive und Adverbien
54
54
54
55
56
56
57
2.4.
58
3.
Pronomina
SYNTAX
60
3.1. Die Negation im Mhd.
3.1.1.
Formen
3.1.2.
Zur Negation in konjunktivischen Nebensätzen
60
60
61
3.2.
63
Zu den Genitivkonstruktionen
3.3. Eingeleitete Nebensätze
3.3.1.
Mhd. Konjunktionen
3.3.2.
Abhängige Sätze mit besonderer Einleitung
64
64
67
3.4. Besonderheiten der Satzfügung
Sparsamkeit des Ausdrucks - Ellipsen
Apokoinu
Anakoluth
69
69
70
70
3.5.
71
Zum Aufbau komplexer Sätze
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
1.
3 / 71
Zur Sprachgeschichte des Mittelhochdeutschen
1.1. Zur Periodisierung des MHD 1
ALTHOCHDEUTSCH
MITTELHOCHDEUTSCH
Frühmittelhochdeutsch
Klassisches Mittelhochdeutsch
Spätmittelhochdeutsch
FRÜHNEUHOCHDEUTSCH
750-1050
1050-1350
1050-1170
1170-1250
1250-1350
1350-1650
1.2. Schreibung und Aussprache
Vokale und Diphtonge:
Kurz- und Langvokale sind in der Aussprache deutlich zu unterscheiden!
GRAPHEM
LAUTWERT
BEISPIELE
Längen: /â/, /ê/, /î/, /ô/, /û/
Lange Monophtonge:
/œ/ oder /oe/
/æ/ oder /ae/
/iu/
[a:] [e:] [i:] [o:] [u:]
lân, lâzen, lêhen, mîn, an(e)bôz, mûs
lœsen
maere, dorfaere
iuwer, niuwe, hiuser, diutsch,
diuten, tiuvel, triuwe
[a] [ë/e] [i] [o] [u]
jagen,
sagen,
lëben,
loben,
[ä] [ö] [ü]
lobebaere, tugent, jugent, trähene,
öl, künec
[éi], [óu], [úo], [üe], [öu], [öi] gúote, brüeder, rüemen
[ö:]
[ä:]
[y:] (= immer Monophtong!)
Kürzen: /a/ /ë, e/ /i/ /o/ /u/
/ä/ /ö/ /ü/
Diphtonge: /ei/, /ou/, /uo/
/üe/, /öu/, /öi/

/ie/
[íe]
líebe, íe, gíezen, míete
(= ausnahmslos Diphtong!)
Konsonanten:
GRAPHEM
/z/ (manchmal als
Vokalen und im Auslaut
LAUTWERT
/;/)
nach [s] stimmlose Spirans
/z/ Wortanfang / nach Konsonant
[ts] dentale Affrikata = nhd. [tz]
BEISPIELE
ûz, daz, wazzer
zuo, zît, herze
/h/ im Auslaut / in den [X] Reibelaut
Verbindungen
/ht/,
/lh/,
/rh/
(Schriftvarianten /cht/, /lch/, /rch/)
sah (aber: sëhen [sehen]), solh,
durh, naht, iht, lieht, wahsen
/h/ Anlaut/Silbenanlaut vor Vokal
hûs, stahel, hœher, trähene
(‚Träne’), sëhen (aber: sah [saX]
Konsonantenverbindungen
/sp/ /sl/, /sm/, /sn/, /sw/
[h] Hauchlaut
/st/, s behält Lautwert = s+t ( stein, slange, smerze, swach
nhd.: sch+t
/sch/ (Schriftvarianten /sk/ /sc/ /sh/)
[sch]
scœne
/ph/
[pf]
phliht, phlëgen, phant
/w/
[w] mit bilabialer Komponente
wort, winter, wâ (‘wo’)
1
nach WEDDIGE 1996, S. 7
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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1.3. Lautwandel AHD > MHH > NHD
BEISPIELTEXTE:
1 : Glaubensbekenntnis
ahd. gilaubiu
mhd. ich geloube
nhd. ich glaube
in got fater almahtigon
an got vater almechtigen
an den allmächtigen Gott
scepphion himiles enti erda
schephaer himels unde der erde.
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
2 : Vaterunser
ahd. Fater unsêr
mhd. Vater unser
werde
nhd. Unser Vater
dû pist in himilum
kauuihit sî namo dîn.
der dû in dem himel bist geheileget sî dîn nam
Piqueme rîhhi dîn. Uuesa dîn uuillo,
zuo kum an uns daz rîche dîn dîn wille
der du in dem Himmel bist geheiligt werde dein Name
dein Reich komme dein Wille
geschehe.
1.3.1. Vom AHD zum MHD
Vokalismus
a) i-Umlaut:
z.B.: almahtigon - almehtigen
Mhd. Sekundärumlaut der im Ahd. noch nicht vom i-Umlaut (Primärumlaut) a > e
erfaßten Laute: a > e (auch vor /ht, hs, rw/ und vor i der zweitfolgenden Silbe) sowie Umlaut
aller übrigen Vokale und Diphtonge.
Umlaut vor i, î, j der Folgesilbe2
Primärumlaut
germ. a > ahd. e
(ahd. verhindert u.a. vor /ht, hs, rw/)
Sekundärumlaut
ahd. a > mhd. ä, e
o>ö
u>ü
â > æ, ae
ô > œ, oe
û > iu
ou > öu
uo > üe
ahd. Sg. gast - Pl. gesti
z.B.:
mahtig > mähtec, magadi > mägede
hof - hövesch, got - götinne
kunni > künne
mâri > maere
skôni > schoene
sûri > siure
loufit > löufet
guoti > güete
b) ahd. /iu/ > mhd. /iu/ = [y:]
z.B.: liuti > liute = [ly:te]; diutisc > tiutsch = [dy:tsch]
Spätahd. Diphtong /iu/ > mhd. langer Monophtong [y:], Diphtongschreibung bleibt
erhalten.
c) ahd. /ea, ia/, /eo, io/ > mhd. /ie/.
z.B.: hear, hiar > hier; ziohan > ziehen
Diphtongische Aussprache!
d) Nebensilbenabschwächung:
z.B. ahd. namo, turi, gilouba > mhd. name, tür, geloube / gloube.
Die im Ahd. noch vollen Vokale der nichtstarktonigen Silben werden im Mhd. zu
schwachtonigem // oder fallen ganz aus (Apokope bzw. Synkope):
Ausgenommen sind schwere Ableitungssuffixe wie -unge, -inne, -haft u.a.
2
WEDDIGE 1996, S. 19
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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Konsonantismus
a) Auslautverhärtung:
z.B.: tages - tac, neigen - neicte.
Stimmtonverlust von /b, d, g/ im Wort- und Silbenauslaut und entsprechende Schreibung im
Mhd. als /p, t, c/.
b) ahd. /sk, sc/ > mhd. /sch/
z.B: ahd. scrîban > mhd. schrîben.
Aussprachewandel von /sk, sc/ zum mhd. Zischlaut /sch/ im 11. Jh. geschrieben /sch/.
c) Assimilationen:
z.B. inbîz > imbîz; Lenisierung von /t/ nach Nasalen z.B. nante > nande.
d) Kontraktionen:
z.B. ahd. legit - mhd. leit, ahd. gibit > mhd. gît, mhd. slahen neben slân.
Medienschwund von /b, d, g/ sowie von /h/ zwischen Vokalen mit folgender
Vokalkontraktion.
1.3.2. Vom MHD zum NHD
mhd.
frühnhd.
alsô vertreip er den tac.
des morgens er nider lac,
daz er sîn wîp trûte
unz daz man messe lûte.
sô stuonden si ûf vil gelîche.
also vertrib er den tag.
des morgens er nider lag
daz er sein weib traute
untz daz man messe laute.
so stunden sy auf geleiche.
(nach WEDDIGE 1996, S. 32)
Vokalismus
a) Nhd. (bairische) Diphtongierung:
z.B.: sîn wîp > sein weib, ûf > auf
mîn niuwes hûs > mein neues Haus
mhd. /î/ > nhd. /ei/
mhd. /iu/ > nhd. /eu/ (/äu/)
mhd. /û/ > nhd. /au/
bî > bei
bîhte > Beichte
mîn, dîn, sîn > mein, dein, sein
gîsel > Geisel
île > Eile
mhd. /î/ > nhd. /ei/:
sîte > Seite, lîp > Leib
(nhd. /ei/ oder /ai/ kann aber auch
auf mhd. /ei/ zurückgehen:
mîn bein > mein Bein, seite
>Saite, leip > (Brot-)Laib)
iuch > euch
diuten > deuten
liuchten > leuchten
liute > Leute
niun > neun
mhd. /iu/ > nhd. /eu/ oder /äu/:
hiuser > Häuser
miuse > Mäuse
fliuget (Inf. fliegen) > fleugt
kriuchet
(Inf.
kriechen)>
kreucht (vgl noch: „was da
kreucht und fleucht“)
bû > Bau
brût > Braut
bûch > Bauch
hûs > Haus
hût > Haut
mhd. /û/ > nhd. /au/:
mûs > Maus
(nhd. /au/ kann aber auch auf mhd. /ou/
zurückgehen: ouge > Auge)
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
6 / 71
b) Nhd. (mitteldeutsche) Monophtongierung:
líebe guote brüeder > liebe gute Brüder
z.B.: stuonden > stunden
mhd. /ie/ [íe] > nhd. /ie/ [ī]
mhd. /uo/ > nhd. /ū/
mhd. /üe/ > nhd. /ü/
biegen
bieten
brief
fliegen
miete
/ie/: e gilt jetzt orthographisch als Längenzeichen,
daher auch
zige > Ziege, vihe > Vieh, vil > viel
bluome > Blume
bruoder > Bruder
buoch > Buch
muot >Mut
suochen > suchen
güete > Güte
müede > müde
grüene > grün
trüege > trüge
slüege > schlüge
c) Nhd. Dehnung und Kürzung:
 Dehnung mhd. kurzer Vokale
in betonter offener Silbe:
le-ben > lë-ben, lo-ben > lō-ben.
adel, hase, jagen, heben, gëben, lësen, biber ‘Biber’, bine ‘Biene’, boge ‘Bogen’, bote,
tugent, jugent, über, zügel
 Kürzung mhd. langer Vokale
bestimmten
Konsonantengruppen
r+Kons.):
vor
(ht,
brâh-te > brachte, dâhte > dachte
hêr-lich > herrlich
d) Rundung, Entrundung, Senkung
 Rundung bestimmter Vokale in der Nachbarschaft bestimmter Konsonanten,
helle > Hölle, zwelf > zwölf, swern > schwören, leffel > Löffel, lewe > Löwe, âne >
ohne, mâne > Mond, finf > fünf, wirde > Würde, liegen > lügen
 Entrundung z.B. mhd. küssen, slöufe > nhd. Kissen, Schleife.
 Senkung von u und ü (md., obd.) bes. vor Nasal zu o und ö:
sune > Sonne, sumer > Sommer, besunder > besonders, geswummen > geschwommen,
gewunnen > gewonnen, kumen > kommen, sun > Sohn
künec > König, günnen > gönnen, mügen > mögen.
e) Öffnung geschlossener Diphtonge /ei, öu, ou/ > nhd. /ai, äu, au/,
z.B. mhd. bein, böume, boum > nhd. Bein, Bäume, Baum.
Konsonantismus
a) Ausspracheveränderung des /s/ vor /p, t/ im Anlaut zum Zischlaut /sch/:
z.B. Stein, springen.
b) Aussprache- und Schreibveränderung des /s/ vor /l, m, n, w/ im Anlaut zum Zischlaut /sch/,
z.B. mhd. slange > nhd. Schlange, manchmal auch bei /s/ nach /r/ im In- und Auslaut z.B.
mhd. bars > nhd. Barsch, kirse > Kirsche.
c) Auslautverhärtung gilt nur mehr in der normierten gesprochenen Sprache, in der Schrift steht in
allen Formen /b, d, g/ [Vgl. o.: vertreip > vertrib; wîp > weib].
d) Schwund des /w/ zwischen nhd. /au/ oder /äu, eu/ und /e/,
z.B. mhd. frouwe > nhd. Frau, vröuwen > freuen.
e) Veränderung des inlautenden /w/ zu /b/ nach /l, r/,
z.B. mhd. varwe > nhd. Farbe, swalwe > Schwalbe.
f) Verstummen oder Schwund des /h/ silbenanlautend im Wortinnern, bes. n. /r, l/,
z.B. mhd. sehen > nhd se(h)en, bevelhen > befehlen.
g) Aussprache- u. Schreibänderung der Verbindung /hs/ zu nhd. /ks/ , z.B. mhd. vuhs > nhd. Fuchs
h) Wechsel von anlautendem /t/ zu /d/, z.B. mhd. tunkel > nhd. dunkel, aber auch umgekehrt
mhd. dôn > nhd. Ton.
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
1.3.3.
7 / 71
Übungen: Sprachgeschichte
3
A. Übungsprogramm:
1) Wie verändert das Mhd. den ahd. Vokalismus in End- und Nebensilben?
 gar nicht  6)
 Kürzung um eine More gemäß den Auslautgesetzen  12)
 Abschwächung zu e (= []), soweit nicht unter Nebenton erhalten  5)
2) Falsch! Die Veränderung von Vollvokalen > mhd. e = [] findet nur in unbetonten End- und Nebensilben
statt, niemals in akzentuierten Silben. Die Schreibung ä ist darüber hinaus deutliches Kennzeichen des
Sekundärumlauts, der hier vorliegt. Das i der Endung (ahd. wahsit) hat im Ahd. wegen der den
Umlaut hindernden Konsonantenverbindung hs noch keinen Umlaut bewirkt. Im Mhd. wird die
Palatalisierung nunmehr durchgeführt. Sie ergreift nicht nur solche a-Laute, die im Ahd. nicht vom
Primärumlaut betroffen wurden, sondern alle umlautfähigen Vokale, also auch o, u, uo, ou, â, ô und
û, die mhd. >ö, ü, üe, öu, æ, œ, iu [y:] werden.
 zurück zu  5)
3) Falsch! Lenisierung bedeutet im Gegenteil die mhd. Erweichung von t > d in der Umgebung von Sonanten
(Nasale, Liquiden), die im Nhd. wieder rückgängig gemacht wurde.
 Was läßt sich am Beispiel von ahd. heilag > mhd. heilec ‘heilig’ demonstrieren?
 die ahd. Lenisierung von c > k vor Sonanten  8)
 die Auslautverhärtung von ahd. -g > mhd. -c = [k]  10)
4) Richtig! - Warum ist ahd. choufan ‘kaufen’ zu mhd. koufen geworden, ahd. choufman dagegen in mhd.
koufman und nhd. Kaufmann unverändert geblieben?
 Kürzung um eine More führt gemäß den Auslautgesetzen bei â > a, bei a > e  9)
 die Verbindung -an ist unbetont, so daß ahd. -an > mhd. -en werden konnte; das Grundwort der
Zusammensetzung ahd. choufman trägt dagegen einen Nebenton, der die
Vokalabschwächung verhindert hat  5)
5) Richtig! - Was heißt Sekundärumlaut?
 die Umlautung auch der a-Laute, die im Ahd. vor folgendem i/j wegen dazwischenstehender
umlauthemmender Konsonantenverbindung nicht palatalisiert wurden, zu mhd. ä, zugleich
aber auch die alle umlautfähigen Vokale ergreifende Palatalisierung vor Folge-i/j  11)
 die Palatalisierung von ahd. a>e vor Folge-i/j  7)
6) Falsch! Das Mhd. unterscheidet sich vom Ahd. gerade dadurch, daß die ahd. Vollvokale in Neben- und
Endsilben zu e ([]) abgeschwächt wurden, soweit sie nicht unter Nebenton erhalten blieben.
 Was läßt sich am Beispiel von ahd. ladunga > mhd. ladunge ‘Ladung, Einladung’ zeigen?
 die Abschwächung von unbetontem Endungs-a > mhd. -e sowie die Erhaltung von nebentonigem u-  4)
 die Wirkung von Sekundärumlaut und Auslautverhärtung  9)
7) Falsch! Die Palatalisierung von ahd. a > e durch Folge-i/j als einzige Form des i-Umlauts im Ahd. wird als
Primärumlaut bezeichnet. Sekundärumlaut ist dagegen die Palatalisierung auch solcher a-Laute,
die ahd. noch nicht umgelautet worden waren, zu mhd. ä sowie die konsequente Umlautdurchführung
im Falle aller übrigen umlautfähigen Vokale.
 Was zeigt sich am Beispiel von ahd. wahsit > mhd. wähset ‘er wächst’?
 Abschwächung des Wurzelvokals a > ä/e  2)
 Sekundärumlaut im Mhd.  13)
8) Falsch! Seit wann geht die Entwicklung der Sprache rückwärts vom Mhd. zum Ahd.? Hier liegt
Auslautverhärtung (evtl. im Silbenauslaut) vor: die ahd. Media -g im Auslaut von heilag < mhd. -c
([k]) im Auslaut von heilec bzw. ahd. b d g + t > mhd. p t k + t (ahd. neigta > mhd. neicte etc.).
Lenisierung heißt dagegen die Erweichung von ahd. t > mhd. d in Verbindung mit Sonanten, also
etwa in ahd. zu hantôn, haltan > mhd. ze handen, haldan ‘zu Händen, halten’, allerdings nicht
konsequent durchgeführt und im Nhd. wieder rückgängig gemacht.
 zurück zu  11)
3
aus Bauer / Haage 1986, S. 133ff
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
8 / 71
9) Falsch! Die Beispiele zeigen sämtlich, wie die ahd. Vollvokale in End- und Nebensilben im Mhd. zu e ([])
abgeschwächt werden, als Vollvokale dagegen erhalten bleiben, wenn die Nebensilbe einen
Nebenton trug: ahd. ládùnga, chóufmàn > mhd. ladunge, koufman, aber ahd. ládùnga , chóufan <
mhd. ladunge, koufen. Auslautgesetze des Germ., Sekundärumlaut oder Auslautverhärtung haben
hiermit nichts zu tun oder sind zwar auch wirksam, aber hier nicht relevant.
 zurück zu  1)
10) Richtig! - Wie läßt sich die mhd. Verschärfung der Medien b d g > p t k vor folgendem t erklären, die im
Nhd. (in der Schrift) durchgängig wieder aufgehoben wurde?
 als Auslautverhärtung im Silbenauslaut  14)
 als ahd. Lenisierung von mhd. p t k in sonantischer Umgebung  8)
11) Richtig! Wie nennen Sie die Erscheinung, daß im Mhd. die auslautenden Medien b d g zu den Tenues p t
k geworden sind?
 Lenisierung 3)
 Auslautverhärtung  14)
12) Falsch! Die Kürzung von ahd. Langvokalen um eine More tritt durchaus ein, doch ist das Resultat auch
dann mhd. e: ahd. lobôn, sagên > mhd. loben, sagen. D. h.: es kommt nicht so sehr auf die Länge oder
Kürze der Vokale an, sondern auf deren Betontheit oder Unbetontheit. Im letzteren Falle tritt die
Abschwächung ein, im ersteren nicht.
 Was lehrt das Beispiel ahd. ediling > mhd. edelinc ‘Mann von Adel’?
 Abschwächung von ahd. i in unbetonter Nebensilbe, Erhaltung von ahd. i in betonter Endsilbe  4)
 Wirkung von Sekundärumlaut und Auslautverhärtung  9)
13) Richtig! - Wodurch läßt sich erklären, daß ahd. sâlîg, gimuati, irougen, burdi > mhd. saelec, gemüete,
eröugen, bürde ‘selig, Gemüt, sich ereignen, Bürde’ geworden sind?
 Sekundärumlaut  11)
 Primärumlaut  2)
14) Ende des Übungsprogramms.
B. Übungen:
1) Zur Vokalabschwächung:
Wie lauten die folgenden ahd. Formen im Mhd.:
1. gisungan > ............................................
2. salbôt > .................................................
3. skiaro > .................................................
4. bôsi > ....................................................
5. egislîh > ................................................
6. sougen > ...............................................
7. sagêta > ................................................
2) Wodurch unterscheidet sich das Mhd. wohl am deutlichsten vom Ahd.? Geben Sie Beispiele an!
............................................................................................................................................................
3) Was heißt Primärumlaut?
.............................................................................................................................................................
4) Was heißt Sekundärumlaut?
.............................................................................................................................................................
5) Welche lautlichen Erscheinungen trennen das Nhd. vom Mhd.? Geben Sie Beispiele an!
.............................................................................................................................................................
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
6) Wie lauten die folgenden mhd. Wörter im Nhd.?:
1. îs > .....................................................................
2. mûl > ..................................................................
3. schrîben > ...........................................................
4. der rise > ......................daz rîs > .......................
5. vriunt > ...............................................................
6. schrîn > ..............................................................
7. huon >................................................................
8. helle > ...............................................................
9. slüege > .............................................................
10. künec > .............................................................
9 / 71
11. lîden > ............................................................
12. rûm >...............................................................
13. tûsent> ............................................................
14. liegen > ...............................................................
15. hiur > ...............................................................
16. ûf > ........................
ûz > ........................
17. luot (von laden) > .............................................
18. wirde > .............................................................
19. âne > ................................................................
20. lewe > ...............................................................
6) Vergleichen Sie die Sprachgestalt der beiden folgenden Texte und stellen Sie Gegensatzpaare zusammen,
die die Lautwandlungen vom Ahd. zum Mhd. illustrieren. Welche sprachlichen Kennzeichen weisen
den zweiten Text als frühmhd. aus?
Aus dem AHD. PHYSIOLOGUS (11. Jh.):4
Aus dem MHD. PHYSIOLOGUS (12. Jh., frühmhd.):5
De pantera
Der Panther
Ein tier heizzit pantera und ist miteuuare und ist
manegero bilido und ist vuile scone und ist demo
drachen fient.
Dar nach heizzet ein Panthere, mit mislicher
varwe, scone ist ez genuoch, dar zuo listich unde
gefuoch. von dem tiere man liset, dem Drachen ist
ez vient, swa ez in sihet.
So daz selbe tier sich sciere sich hat gesattet von
den tieren, die ez chan vahen wol, so leget ez sich
in sin hool. dri tage ez slæffet: so ez danne uf stet,
so rohot iz starche, von im chumet solich smache,
daz niht im gelichis in der werlde suozze ist.
So danne diu tier die alumbe sint, sine stimme
gehorint, so samenent si sich dar nach, ze dem
suozzem smache ist in gach. dem tiere si volgint,
swa ez hin oder her ferit.
Der Trache, so er sine stimme gehoret, in sinem
liche er sich birget, daz er niht vernemen mege
sine stimme an dem wege, die andiriu tier so
minnot: so liget er, sam er si tot.
Also tet der heilige Christ, der er wariu Panthera
ist, do er gesach daz mennisclich chunne mit dem
tievil bedwungen, von himil fuor er gereite mit
siner mennischeite.
[...]
Tes sito ist so gelegin, so ez sat ist misselihes, so
legit iz sih in sin hol unde slafæt trie taga. Tene so
stat ez uf unde furebringit ummezlihche lutun unde
hebit so suzzen stanc, daz er uberuuindit alle
bimentun.
Tene so diu tier uerro unde naho tie stimma
gehorrint, so samenont siu sih unde uolgen imo turih
di suzzi des stanhes.
Unde der dracho uuiret so uordtal, daz er liget, alsor
tot si, under der erdo.
Pantera diu bezeichenet unsirin trotin, [...] und [do] er
gecrucigot uuard, to raster in demo grabe trie taga,
also dir tet panttera, und an demo triten tage dorstun
er uon dien toton, vnde uuard daz sar so offenlihin
gehorit uber alle disa uuerilt, unde uberuuand den
drachin, den mihchelin tieuel.
7) Was weist den folgenden Text als früh-neuhochdeutsch aus?
Etliche wichtige vrsachen / Warumb alle Menschen sich vorm Sauffen hütten sollen. / Die Erste vrsache.
Die erste vrsache ist / das das Sauffen von Gott in seim Wort verboten ist. Saufen aber heisst (wie es alle
vernünfftige Menschen verstehen) wenn man mehr in Leib geusst / denn die notturfft foddert / Es geschehe
nun / auf wasserley weise / oder vmb wasserley vrsachen willen es geschehe / man thue es gleich aus eignem
vornemen / aus gewonheit / oder jemand zugefallen / so heissts doch alles gesoffen. Gleich wie Fressen / heisst
/ wenn man mehr speise in Leib stecket / denn die notturfft foddert. Denn essen vnd trincken ist vns von Gott
darumb gegeben / das wir den Hunger vnnd Durst damit vertreiben / vnd den Leib damit erhalten sollen / Was
nun darüber geschicht / das heisst alles gefressen vnnd gesoffen / vnnd ist ein missbrauch der Creaturn Gottes /
da hilfft keine entschuldigung fur. 6
4
F. Maurer (Hg.): Der altdeutsche Physiologus, Tübingen 1967 (ATB 67), S. 91f.
ibid., S. 7
66 Matthäus Friedrich, Wider den Saufteufel. In: Frühnhd. Lesebuch S. 93f
5
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
10 / 71
2.
Morphologie
2.1. Verben
starke
schwache
Verben
besondere Verben
PräteritoPräsentien
Ablaut
Ablaut
kein Ablaut
aber z.T. Vokalwechsel =
„Rückumlaut“
Part.Prät. -en
Dentalsuffix (Part.Prät.: -t) Dentalsuffix
Wurzelverben
athematische
Bildungsweise
1. Starke Verben:
 Ablaut: Formenbildung durch Veränderung des Stammvokals
 Part. Prät.wird mit dem Suffix -en gebildet
Kontrahierte
Verben
(vgl.
Wurzelverben)
Gemischte Verben
Mischung
starker u. schwacher
Formen: Ablaut
tw. Dentalsuffix
hëlfen half hulfen geholfen
geholfen
Präfix ge- sowohl bei st. als auch bei sw. Part. Prät., wenn das Verb nicht schon eine untrennbare
Vorsilbe bei sich hat (geriten  vergraben).
2. Schwache Verben:
 Dentalsuffix zur Bildung der finiten Präteritalformen + Part. Prät. leben - lëbe-t-e - gelëbe-t
3. Besondere Verben:
a) Präterito-Präsentien:
 Kennzeichen der starken als auch der schwachen Flexion: Ablaut und Dentalsuffix
durfen, dürfen (bedurfen/bedürfen)
suln, süln
gunnen, günnen (erbunnen, verbunnen)
tugen, tügen
kunnen, künnen
turren, türren
mugen, mügen
wizzen
muozen, müezen
b) Wurzelverben: athematische Bildungsweise7
tuon; gân / gên; sîn; stân / stên
c) Kontrahierte Verben: (vgl. Wurzelverben)
haben / hân; lâzen / lân
d) Mischung starker und schwacher Konjugation:
bringen; beginnen
e) wellen ‘wollen’: Besonderheiten aufgrund einer Funktionsverschiebung im Bereich der Modi.
 MHD > NHD:
a) Mhd. Konjugationsart = nhd. Konjugationsart (sehr häufig).
b) Mhd. stV > nhd. swV (häufig):
mhd. stV grînen – grein > nhd. swV greinen – greinte
mhd. stV smiegen – smouc > nhd. swV schmiegen – schmiegte
c) Mhd. swV > nhd. stV (selten): mhd. wîsen – wîste – gewîset > nhd. stV weisen – wies – gewiesen
analog: mhd. prîsen – nhd. preisen; mhd. gelîchen – nhd. gleichen
Vgl. auch nhd. Mischformen wie: dingen – bedingt, sich etw. ausbedungen haben, gedungen;
stecken – stak, gesteckt; fragen – frug, fragte
d) Mhd. Doppelformen werden im Nhd. vereinfacht:
mhd. stV brinnen – bran – gebrunnen + swV brennen – brante – gebrennet/gebrant
nhd. swV brennen – brannte – gebrannt
„athematische Bildungsweise“: die Flexionsendung schließt (ohne Thema- oder Bindevokal) unmittelbar an die Wurzel
an; z.B.: bind-e–t = Wurzel+Thema+Endung ↔ tuo–t Wurzel+Endung.
7
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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 Zu einigen Besonderheiten in der Verwendung mhd. Tempora und Modi
1. Futur:
 wird vertreten durch das Präsens. Eventuell mit zusätzlicher kontextueller Bestimmung.8
 Umschreibungen mit Hilfsverben: suln, wellen, müezen + Infinitiv
werden+Inf. (mhd. selten, häufiger ab Mitte 14. Jh., frühnhd.)
2. Präteritum:
Hat im Mhd. einen umfassenderen Funktionsbereich als im Nhd.: Als allgemeines Tempus für die
Vergangenheit tritt es ein für nhd. Imperfekt, Perfekt und Plusquamperfekt und ist jeweils dem
Kontext entsprechend zu übersetzen.
Daneben gibt es auch schon mhd. Umschreibungen für Perfekt und (seltener) Plusquamperfekt.
Perfekt: Bildung mit Umschreibung (analyt., periphrastisch): Präsens von hân, sîn + Part. Prät.
 hân + Part.Prät.:
ich hân gesezzen - ich habe (dort) gesessen,
 sîn + Part.Prät.:
ich bin gesezzen - ich habe mich gesetzt, sitze,
Plusquamperfekt:
 Zusammensetzung mit Vorsilbe ge-: ich gesach ‘ich hatte gesehen’. Je nach Kontext ist die
Verbform mit einem Perfekt oder einem Plusquamperfekt wiederzugeben, allerdings kann
die Verbindung ge- + Prät. auch einfache Vergangenheit bezeichnen!
 Seltener ist die Umschreibung mit dem Imperfekt von hân und sîn + Part. Prät.:
ich hâte gegëben, ich was gesezzen
3. Zu den Modi: Indikativ / Konjunktiv:
Wie nhd. Die Umschreibung mit modalen Hilfsverben (müezen, suln, kunnen ‚können’, mugen
‚können’, wellen) im Konj. Präsens / Präteritum ist jedoch mhd. seltener als nhd.
mit laster ir gescheiden sult von guoten recken sî
dâ vor müeze mich got hüeten alle tage.
Möhte ich verslâfen des winters zît.
4. Zu den Genera verbi: Aktiv / Passiv:
Wie nhd. Umschreibungen mit werden, sîn. 9
8
z.B.: alsô tuon ich iu morgen; dar nâch sô sihe ich schiere den stein unde den brunnen.
Perf., Plusquamperf. bin/was - worden sind mhd. nur vereinzelt belegt.
9 Passivbildungen
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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2.1.2.
Schwache Verben
 t-Suffix
 Stammvokal der Präsensformen unverändert
 Wechsel des Stammvokals zwischen Präsens und Präteritum
bei einer Gruppe von schwachen Verben.
Formenbildung
PRÄSENS
Präsensflexion (Ind., Konj., Part. Präs., Inf.) stimmt in den Endungen mit den starken Verben
überein, mit einer Ausnahme:
 Imp. Sg.: Endung auf -e (soweit nicht apokopiert - nach r, l und n):
z.B. lëbe, sëtze, suoche aber: hol, ner 
st. Bildung: gip, nim, hilf
 Wurzelvokal in den Präsensformen aller sw. Verben bleibt unverändert (↔ stV!)
PRÄSENS
Inf. (Präsensvokale)
Präs. Ind. Sg. 1.
2.
3.
Pl. 1.
2.
3.
Präs. Konj. Sg. 1.
2.
3.
Pl. 1.
2.
3.
sw. Verben
lëben (ë)
ich lëbe
du lëbest
er lëbet
wir lëben
ir lëbet
si lëbent
ich lëbe
du lëbest
er lëbe
wir lëben
ir lëbet
si lëben
hëlfen (ë/i)
ich hilfe
du hilfest
er hilfet
wir hëlfen
ir hëlfet
si hëlfent
ich hëlfe
du hëlfest
er hëlfe
wir hëlfen
ir hëlfet
si hëlfen
st. Verben
bieten (ie/iu) nëmen (ë/i)
ich biute
ich nime
du biutest
du nimest
er biutet
er nimet
wir bieten
wir nëmen
ir bietet
ir nëmet
si bietent
si nëment
ich biete
ich nëme
du bietest
du nëmest
er biete
er nëme
wir bieten
wir nëmen
ir bietet
ir nëmet
si bieten
si nëmen
graben (a/e)
ich grabe
du grebest
er grebet
wir graben
ir grabet
si grabent
ich grabe
du grabest
er grabe
wir graben
ir grabet
si graben
PRÄTERITUM
 Alle Formen werden mit einem Dentalsuffix gebildet
( bei den stV mit Ablaut).
 Ind. und Konj. haben die gleichen Personalendungen ( stV):
Sg. 1.
2.
3.
Pl. 1.
2.
3.
sw. PRÄTERITUM
Indikativ = Konjunktiv
lëbe-t-e
lëbe-t-est
lëbe-t-e
lëbe-t-en
lëbe-t-et
lëbe-t-en
Indikativ
ich bôt
du büte
er bôt
wir buten
ir butet
si buten
st. PRÄTERITUM

Konjunktiv
ich büte
du bütest
er büte
wir büten
ir bütet
si büten
 Das Part.Prät. swV endet auf -et ( stV auf -en)
sofern nicht Synkopierung in mhd. Zeit erfolgt ist,
z.B. gelëbet, aber: geholt

st. V.: geboten, geholfen, gegraben, gegëben
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
2.1.2.1.
13 / 71
Schwache Verben mit Wechsel des Stammvokals
(= schwache Verben mit „Rückumlaut“)
 brennen - brannte - gebrennet / gebrant
 hœren - hôrte - gehôrt
 grüenen - gruonte - gegruonet
 Präsensformen mit Umlaut
 Präteritalformen ohne Umlaut
 Part. Prät.: hier können 2 Formen nebeneinander stehen
gebrennet - gebrant
„RÜCKUMLAUT“
Im Präteritum hebt sich ein Teil der schwachen Verben durch den Wechsel des Stammvokals, den
sog. „Rückumlaut“ (z.B. noch nhd.: brennen - brannte - gebrannt) von allen anderen schwachen
Verben mit gleichbleibendem Wurzelvokal ab (z.B.: nern - nerte - genert). Dieser „Rückumlaut“
betrifft eine historische Verbklasse, die lang- und mehrsilbigen jan-Verben, die bei umlautfähigem
Wurzelvokal
 Umlaut im Präsens, jedoch nicht im Präteritum zeigen.
Daraus ergibt sich vom Standpunkt des Mhd. die Einteilung in:
 1. schwache Verben mit Wechsel des Stammvokals
 2. schwache Verben ohne Wechsel des Stammvokals
Sprachgeschichtlich gesehen sind die starken Verben die älteren, die schwachen Verben eine
germanische Neubildung, die aus starken Verben, Adjektiven oder Substantiven sekundär abgeleitet
wurden, mit Hilfe von Bildungssuffixen = germ. -jan-, ôn-, ên-. Noch im Ahd. lassen sich die
schwachen Verben ihren alten Bildungssuffixen entsprechend gruppieren (-jan-, -ôn-, -ên-Verben).
Im Mhd. ist die Zugehörigkeit zu diesen ursprünglichen Reihen nicht mehr aus der Form des
Infinitivs ablesbar, da alle Endungen in -en zusammengefallen sind.
Klasse
1a. kurzsilb. jan-Verben
1b. langsilb. jan-Verben
2. Klasse
3. Klasse
Zum Begriff „Rückumlaut“:
ahd.
nerren, nerrian
brennen
salbôn
sagên
mhd.
nern
brennen
salben
sagen
(= ein nie eingetretener Umlaut10)
Das j bzw. i dieser langsilbigen jan-Verben hat in den Präsensformen bei umlautfähigem
Stammvokal in jedem Falle Umlaut bewirkt.11 Im Präteritum dagegen ist dieser Umlaut bei den
langsilbigen jan-Verben unterblieben. Grund: Das umlautbedingende i im Präteritum war bereits
vor Einsetzen des Umlauts geschwunden12 (ahd. brannta), und so war diese Form nie umgelautet.
Bspl.: germ *sank-i-da > germ. *sank-da > ahd. sancta > mhd. sancte ‘senkte’
Beim „Rückumlaut“ handelt es sich also um einen überhaupt nicht eingetretenen Umlaut. Die
irreführende Bezeichnung „Rückumlaut“ geht auf J. GRIMM zurück, der fälschlich angenommen
hatte, daß die Verben den Umlaut, der im Präsens vorhanden ist, im Präteritum rückgängig gemacht
hätten. Mangels einer besseren hat man die Bezeichnung bis heute beibehalten.
10 und
nicht wie der Name naheliegt „ein rückgängig gemachter Umlaut“.
got. waljan - ahd. welen, wellen; got wandjan - ahd. wenten, wenden
12 = sog. vorahd. Synkope
11 vgl.
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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 „Rückumlaut“ betrifft langsilbige jan-Verben mit umlautfähigem Wurzelvokal:13
Zum Begriff „langsilbige jan-Verben“: Dazu zählen im MHD Verben mit
a) Langvokal/Diphtong in der Wurzelsilbe:
z.B.: hœren - hôrte - gehœret/gehôrt (analog: grüezen, lœsen, rüemen, trœsten, füeren, waenen).
b) Verben mit mehrfacher Konsonanz im Auslaut der Wurzelsilbe:
z.B.: ergetzen ‘vergessen machen, ergötzen’ - ergazte; setzen - sazte – gesazt; decken - dahte
(dacte) – gedecket/gedacht/gedact; schrecken; smecken; strecken ‘gerade machen’; wecken;
sterken – sterhte/starcte; merken – marhte/marcte/merkete (md.); blicken – blicte/blihte;
schepfen – schapfte/schafte/schepf(e)te.
c) Mehrsilbige Verben:
z.B.:
antwürten – antwurte; löugenen - lougente.
d) Verben, die das Prät. von Anfang an athematisch bilden:
z.B.:
denken - dâhte - 2.Sg. Ind. Prät. daehte u. dâhtest, Konj. daehte, Part. gedâht;
dünken/dunken - dûhte - Konj. diuhte - gedûht (vom Konj. ist nhd. ‘es deucht mir’ abgeleitet);
vürhten - vorhte - gevorht (Präs. vorhten, vörhten bes. md., im Prät. auch furhte);
würken/wurken/wirken - worhte – geworht.
 Welche Vokale wechseln bei den rückumlautenden Verben:
e- a; ü – u; æ – â; œ –ô; iu – û; üe- uo.
Beispiele:
vellen - valte - gevalter ‘fällen’, ergetzen – ergatzte, leschen – laschte, heften - hafte, senden- sante
(sande), sterken – starcte
nennen, pfenden, trenken, wenden, wermen, decken, recken, strecken, merken
antwürten - antwurte, drücken - dructe,
ü - u:
füllen, kürzen, küssen, füllen – fulte, wünschen, gürten, kürzen, nützen.
ae - â: bewaeren (bewârte) ‘wahrmachen’, smaehen, waenen (wânte) ‘hoffen, vermuten’, saejen - sâte.
bœsen ‘schlecht machen’, hœhen, hœnen, hœren, krœnen, lœsen, trœsten ‘Hoffnung geben,
œ - ô:
erheitern’.
hiulen - hûlte ‘heulen’, rûmen u. md. riumen ‘räumen’, sûmen u. siumen ‘säumen’.
iu - û:
üe - uo: büezen - buozte ‘besser machen’, vüegen, vüeren (vuorte), genüegen, grüenen, grüezen ‘freundlich
ansprechen’, hüeten (huote), prüeven, rüefen u. ruofen, üeben, blüejen (bluote), lüejen ‘brüllen’,
müejen.
e - a:
 MHD > NHD:
NHD nur noch wenige schwache Verben mit Rückumlaut, er ist durch Analogie ausgeglichen.
Bewahrt haben ihn nur Verben auf /nn/ und /nd/:
brennen, kennen, nennen, rennen, senden, wenden.
Doch bei /nd/ schon Doppelformen: sandte - sendete, wandte - wendete.
13
Langsilbige jan-Verben mit nicht umlautfähigem Wurzelvokal bilden alle Formen ohne Vokalwechsel, da Umlaut hier
nicht eintreten konnte: z.B. kêren - kêrte - gekêrt, spitzen - spitzte, blicken - blicte, îlen - îlte, teilen - teilte, zieren - zierte,
leiten - leit(t)e, neigen - neicte, gelouben – geloupte.
↔Kurzsilbige jan-Verben zeigen durchgehend in allen Formen Umlaut: z.B. got. nasjan - nasido > ahd. nerien – nerita.
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
2.1.2.2.
15 / 71
Schwache Verben ohne Wechsel des Stammvokals
 lëben - lëbete – gelëbet
 loben - lobete –gelobet
In historischer Sicht sind es:
a) kurzsilbige jan-Bildungen z.B.
nërn - nërte- genërt.
j bedingt Umlaut in allen Formen.14
Die meisten der kurzsilbigen jan-Verben haben allerdings im Mhd. noch Doppelformen (die auch
vom Mhd. her noch eine Zuordung zur historischen Klasse der kurzsilbigen jan-Verben
ermöglichen):
zeln/zellen ‘zählen, erzählen’, zelte/zalte - gezelt/gezalt, queln/quellen - qualte;
twelln/twelen - twalte ‘zögern’.
b) ôn-Bildungen,
beiten zögern, beten, bewaren ‘sorgen für’, bilden ‘darstellen’, baden, dingen ‘verhandeln’,
fluochen, folgen, fordern, hazzen, jagen, klagen, kosten, kreftigen, laben, laden, lônen,
machen (Prät. machte u. machete, Part. gemacht neben gemachet), danken, dienen, loben,
manen (mante), salben, vischen, rouben (zu roup), zeigen, schouwen (schou[we]te), ahten
(ahte), laden (ladete, latte), schaden (schadete, schatte).
c) ên-Bildungen,
armen ‘arm sein, arm werden’, alten ‘alt werden’, bleichen ‘bleich werden’, dagen
‘schweigen’, darben ‘Mangel haben’, erbarmen (erbarm(e)te), erstummen ‘stumm werden’,
grâwen ‘grau werden’, haben und hân ‘besitzen, haben’, hangen ‘hängen’, lëben (lëb(e)te),
losen ‘horchen’, mêren ‘größer werden’, nahten ‘Nacht werden’, tagen ‘Tag werden’,
siechen ‘krank werden’, trûwen/triuwen ‘glauben’, wachen (wach(e)te), warten
‘ausschauen’, wonen ‘bleiben, wohnen’, sagen, sorgen, volgen, vrâgen (vrâg(e)te, vrâcte).
 MHD > NHD:
Schon im Mhd. beginnt die Synkopierung, die sich im Nhd. dann durchgesetzt hat, zunächst nach r
und l und in mehrsilbigen Wörtern auch nach n. Im Nhd. fehlt der Bindevokal im Prät. und Part.
Prät. überhaupt, außer nach Dentalen (leitete, dichtete, weidete, schadete etc.) und nach
Kons.+Vokal (regnete, atmete, aber auch warnte).
14 s.
auch o.: got. nasjan - nasido > ahd. nerien – nerita.
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
2.1.2.3.
Sg. 1.
2.
3.
Pl. 1.
2.
3.
Sg. 1.
2.
3.
Pl. 1.
2.
3.
Sg. 1.
Pl. 1.
Pl. 2.
Sg. 1.
2.
3.
Pl. 1.
2.
3.
Sg. 1.
2.
3.
Pl. 1.
2.
3.
16 / 71
Flexionsschema der schwachen Verben
PRÄSENS
Infinitiv
hœren
zellen
Indikativ
hœre
zelle
hœrest
zelst
hœret
zelt
hœren
zellen
hœret
zellet
hœrent
zellent
Konjunktiv
hœre
zelle
hœrest
zellest
hœre
zelle
hœren
zellen
hœret
zellet
hœren
zellen
Imperativ
hœre
zel
hœren
zellen
hœret
zellet
Partizipium
hœrende
zellende
PRÄTERITUM
Indikativ
hôrte
zelte, zalte
hôrtest
zeltest, zaltest
hôrte
zelte, zalte
hôrten
zelten, zalten
hôrtet
zeltet, zaltet
hôrten
zelten, zalten
Konjunktiv
hôrte
zelte, zalte
hôrtest
zeltest, zaltest
hôrte
zelte, zalte
hôrten
zelten, zalten
hôrtet
zeltet, zaltet
hôrten
zelten, zalten
Partizipium Präteritum
gehœret, gehôrter gezelt, gezalt
ner(e)n
salben
ner
nerst
nert
nern
nert
nernt
salbe
salbest
salbet
salben
salbet
salbent
ner
nerst
ner
nern
nert
nern
salbe
salbest
salbe
salben
salbet
salben
ner
nern
nert
salbe
salben
salbet
nernde
salbende
nerte
nertest
nerte
nerten
nertet
nerten
salbete
salbetest
salbete
salbeten
salbetet
salbeten
nerte
nertest
nerte
nerten
nertet
nerten
salbete
salbetest
salbete
salbeten
salbetet
salbeten
genert
gesalbet
 MHD > NHD:
 Ausgleich des Rückumlauts
 Präs. Pl. 3.: -t fällt aus  hœrent > hören (wie bei der Flexion der st. Verben)
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
2.1.2.4.
17 / 71
Übungen: Schwache Verben
1) Ergänzen Sie jeweils die Formen der 1.Sg.Prät.Ind. und des Part.Prät. der folgenden schwachen Verben!
1. stellen
ge.................................
2. grüezen
ge.................................
3. lemen
ge.................................
4. legen
ge.................................
5. smelzen
ge.................................
6. swerzen
ge.................................
2) Erläutern Sie die Kennzeichen der schwachen Verben! Welche Unterschiede lassen sich gegenüber der
starken Konjugation feststellen?
3) Erklären Sie den Begriff „Rückumlaut“!
4) Ergänzen Sie den Infinitiv der folgenden Verbformen:
1. antwurte
9. nerte
2. gedâht
10. vorhte
3. sante
11. salbte
4. sprancte
12. wânte
5. gelebet
13. hôrte
6. truobte
14. lûte
7. schadete
15. gezalt
8. gewîht
16. gelobet
5) Worin unterscheidet sich die mhd. von der nhd. schwachen Verbflexion?
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
18 / 71
2.1.3. Starke Verben
Unter dieser Bezeichnung werden drei Gruppen von Verben zusammengefaßt, die ihre
Tempusstämme ursprünglich unterschiedlich bildeten:
 durch Ablaut
 durch Ablaut und Reduplikation
 durch Reduplikation
2.1.3.1.
Ablaut
Unter dem Begriff Ablaut versteht man den regelmäßigen Wechsel von Vokalen in etymologisch
verwandten Wörtern oder Wortelementen. Ablaut beruht auf den Betonungsverhältnissen im
Idg., dem Wechsel in Art und Stellung des Wortakzents. Ablaut wird eingesetzt
a) zur Konjugation des starken Verbs und
b) als Mittel der Wortbildung:
 Im German. werden mit Wortbildungssuffixen neue Wörter gebildet:
Bildung schwacher Verben zu starken: z.B. Kausativa genësen - nërn;
Substantivbildungen: grap - gruobe (graben, gruop)
2.1.3.2.
Ablautreihen
Die starken Verben werden aufgrund morphologischer Regelmäßigkeiten in 7 Ablautreihen oder klassen zusammengefaßt, wobei Stammvokal und Stammauslaut die Unterscheidungsmerkmale
für die Zuordnung der st. Verben zu den einzelnen Reihen bilden.
 Mhd. und nhd. Ablautreihen im Vergleich (nach: Sowinski, Probleme d. Übersetzens, S. 27):
Reihe
I.
II.
III.
IV.
V.
VI.
VII.
Mhd.
î - ei - i - i
schrîben - schreip - schriben - geschriben
ie - ô/ou - u -o
ziehen (ziuhe) - zôch - zugen - gezogen
liegen (liuge) - louc - lugen - gelogen
i/e - a - u - u/o (Nasal/Liquid + Kons.)
singen - sanc - sungen - gesungen
werden (wirde) - wart - wurten - (ge)worden
e - a - â - o (Nasal/Liquid)
nemen (nime) - nam - nâmen - genomen
brechen (briche) - brach - brâchen - gebrochen
e - a - â - e (Verschlußlaut/Spirans)
geben (gibe) - gap - gâben - gegeben
a - uo - uo - a
varn - vuor - vuoren - gevarn
a/â/ei/ou/ô/uo - ie - ie - a/â/ei/ou/ô/uo
halten - hielt - hielten - gehalten
râten - riet - rieten - gerâten
heizen - hiez - hiezen - geheizen
loufen - lief - liefen - geloufen
stôzen - stiez - stiezen - gestôzen
ruofen - rief - riefen - geruofen
Nhd.
schreiben - schrieb - schrieben - geschrieben
ziehen (ziehe) - zog - zogen – gezogen
lügen (lüge) - log - logen – gelogen
singen - sang - sangen – gesungen
werden - ward - wurden – geworden
nehmen - nahm - nahmen – genommen
brechen - brach - brachen – gebrochen
geben - gab - gaben – gegeben
fahren - fuhr - fuhren – gefahren
halten - hielt - hielten – gehalten
raten - riet - rieten – geraten
heißen - hieß - hießen – geheißen
laufen - lief - liefen – gelaufen
stoßen - stieß - stießen – gestoßen
rufen - rief - riefen – gerufen
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
19 / 71
2.1.3.3.
Stammformen und Paradigmen
Stammformen zur Bildung sämtlicher finiter und infiniter Formen eines starken Verbs:
1. Präsensstamm: Infinitiv / 1. P. Sg. Präs. Ind.
Gilt für das gesamte Präsens (Indikativ u. Konjunktiv).
2. Stamm des Sg. Prät.:
Der entsprechende Ablautvokal kommt in der 1. und 3. P. Sg. Prät. Ind. vor,
nicht aber in der 2. P. Sg.
3. Stamm des Pl. Prät:
Er bildet die Grundlage für den gesamten Plural Prät. Ind., außerdem für die 2. P.
Sg. Prät. Ind. sowie für sämtliche Formen des Prät. Konj.
4. Stamm des Part. Prät.
Übersicht zu den Stammformen der starken Verben
 ABGELEITETE
FORMEN
STAMMFORM

INDIKATIV
rîten
Infinitiv
 Präsens (Ind. + Konj.)
(Vokalwechsel zwischen Sg.
u. Pl. möglich!)

1./3.Sg.Ind.Prät
reit
 Präteritum:
1. + 3. Sg. Ind.

1./3.Pl.Ind.Prät
riten
 Präteritum
2. Sg. Ind.+
Pl. Ind.+
Konjunktiv

Part.Prät
geriten
 Part. Prät.
KONJUNKTIV
Sg.1. ich rîte
Sg.1. ich rîte
2. du rîtest
2. du rîtest
3 er rîtet
3. er rîte
Pl. 1. wir rîten
Pl. 1. wir rîten
2. ir rîtet
2. ir rîtet
3.si rîtent
3. si rîten
Sg.1. ich reit
2. ---------------------3. er reit
Pl.1.-3.----Sg.1. --------Sg.1. ich rite
2. du rite
2. du ritest
3. ---------3. er rite
Pl. 1. wir riten
Pl. 1. wir riten
2. ir ritet
2. ir ritet
3. si riten
3. si riten
geriten
z. B.: Verb der 1. Ablautreihe grîfen
1
grîfen
Sg.1.
2.
3.
Pl.1.
2.
3.
Indikativ
ich grîfe
du grîfest
er grîfet
wir grîfen
ir grîfet
si grîfent
2
greif
Präsens
Konjunktiv
ich grîfe
du grîfest
er grîfe
wir grîfen
ir grîfet
si grîfen
3
griffen
Präteritum
Indikativ
ich greif
du griffe
er greif
wir griffen
ir griffet
si griffen
4
gegriffen
Part. Prät.
Konjunktiv
ich griffe
du griffest
er griffe
wir griffen
ir griffet
si griffen
gegriffen
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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Paradigmen zur Flexion der starken Verben
Nur vom ahd. Paradigma her sind die mhd. und z.T. auch die nhd. Vokalveränderungen zu verstehen:
PRÄSENS
Sg. 1.
2.
3.
Pl. 1.
2.
3.
mhd.
gibe
gibest
gibet
gëben
gëbet
gëbent
Indikativ
ahd.
mhd.
gibu
biuge
gibis(t)
biugest
gibit
biuget
gëbamês biegen
gëbet
bieget
gëbant
biegent
mhd.
gap
gæbe
gap
gâben
gâbet
gâben
Indikativ
ahd.
mhd.
gab
bouc
gâbi
büge
gab
bouc
gâbum bugen
gâbet
buget
gâbun bugen
ahd.
biugu
biugis(t)
biugit
biogamês
bioget
biogant
mhd.
gëbe
gëbest
gëbe
gëben
gëbet
gëben
Konjunktiv
ahd.
mhd.
gëbe
biege
gëbês biegest
gëbe
biege
gëbên biegen
gëbet bieget
gëbên biegen
ahd.
bioge
biogês
bioge
biogên
biogêt
biogên
PRÄTERITUM
Sg. 1.
2.
3.
Pl. 1
2.
3.
mhd.
Sg. 2.
Pl. 1.
2.
gip
gëben
gëbet
gëben
Gen.
Dat..
gëbennes
gëbenne
gëbende
gegëben
ahd.
boug
bugi
boug
bugum
bugut
bugun
Imperativ
ahd.
mhd.
gib
biuc
gëbames
biegen
gëbet
bieget
Infinitiv
gëban
biegen
Gerundium
gëbannes
biegennes
gëbanne
biegenne
Partizipium Präsens
gëbanti
biegende
Partizipium Präteritum
gigëban
gebogen
mhd.
gæbe
gæbest
gæbe
gæben
gæbet
gæben
Konjunktiv
ahd.
mhd.
gâbi
büge
gâbîs
bügest
gâbi
büge
gâbim
bügen
gâbît
büget
gâbîn
bügen
ahd.
biug
biogamês
bioget (-at)
biogan
biogannes
bioganne
bioganti
gibogan
ahd.
bugi
bugîs
bugi
bugîm
bugît
bugîn
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
21 / 71
2.1.3.4.
Lautwechselerscheinungen in den Ablautreihen
a) Konsonantenwechsel - der „Grammatische Wechsel“
Als „Grammatischen Wechsel“ (GW) bezeichnet man im Mhd. die Alternanzen
h - g, d - t, f/v - b, s - r
z. B.: mhd.: zôch - zugen, snîde - sniten, dürfen - darben, kôs - kurn,
nhd.: ziehen - gezogen, schneiden - geschnitten, dürfen - darben, kiesen - erkoren,
in Wörtern oder Wortformen gleichen Stammes.
Dieser Wechsel ist im Mhd. vielfach schon ausgeglichen, noch mehr im Nhd. Er zeigt sich bei
wurzelverwandten Wörtern, bes. aber bei den verschiedenen Tempusformen der starken Verben.
Der GW hat sprachhistorische Gründe und fußt in den idg. Akzentverhältnissen. Im Germ. ergibt
sich aufgrund des Vernerschen Gesetzes ein synchronischer Wechsel zwischen stimmlosen und
stimmhaften Reibelauten innerhalb von Wörtern oder Wortformen gleichen Stammes. Diesen
germ. Alternanzen entsprechen infolge der lautlichen Entwicklung im Mhd. folgende Alternanzen:
germ.
mhd.
X-g Þ-d f-b
s-z
h - g d - t f/v - b s - r
Der im Idg. freie Wortakzent wechselte auch innerhalb der Flexionsformen. Die Wirkung des
(akzentabhängigen) Vernerschen Gesetzes (VG) betrifft daher nur einen Teil der Flexionsformen,
nämlich jene mit Endsilbenakzent:
Präsens und Präteritum Singular hatten Wurzelbetonung - der Akzent lag daher vor dem stl.
Reibelaut und dieser blieb erhalten;
Präteritum Plural und Partizip Flexionssilbenbetonung - mit Akzent auf der Folgesilbe, wodurch der
vorausliegende stl. Reibelaut zum sth. Reibelaut erweicht wurde.
Daher wechseln innerhalb ein und desselben Paradigmas bzw. der Wortfamilie die Konsonanten =
grammatischer Wechsel:
idg. Stammsilbenakzent im Präsens und im Präteritum Singular
(= Stammformen 1 + 2 d. st.V.):
 Präsens + Prät. Sg. = ohne VG  mhd.: h, d, f, s
idg. Endungsakzent im Plural des Präteritums und im Partizipium Präteritum
(= Stammformen 3 + 4 d. st. V.):
 Prät. Pl. + Part. Prät. = mit VG  mhd.: g, t, b, r
In Wörtern und Wortformen des gleichen Stammes ergibt sich daher mhd. und z. T. noch nhd. der
Wechsel zwischen folgenden Konsonanten:
h:g
d:t
f:b
s : r (<z)
ziehen - zugen (nhd. zogen) - gezogen, dazu zuc, zuges (‘Zug’); slahen - sluogen - geslagen;
swëher ‘Schwiegervater’ - swâger
snîden - sniten - gesniten; mîden - miten - gemiten; sëdel ‘Sitz’ - satel
Hefe - heben, dürfen - darben, verderben;
(häufig mhd. auch Doppelformen: wërven – wërben, heven - heben)
kiesen - kurn - gekorn, dazu kür (‘Kür’) und kosten; verliesen - verlurn - verloren, dazu
verlust; wësen - wâren – gewësen (im Part. Prät. ist hier Ausgleich erfolgt).
 Mhd. > Nhd.:
In der Konjugation der starken Verben ist der GW z. T. bis heute erkennbar, trotz Ausgleich und
Analogiebildungen im Nhd.:
ohne VG
mit VG
mhd. ziehen - zôch
mhd. zugen - gezogen
nhd. ziehen - zog (Ausgleich vom Pl. her)
nhd. zogen - gezogen
Auch nhd. z. T. noch innerhalb von Wortfamilien:
Hefe - heben; gedeihen - gediegen
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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b) Vokalwechselerscheinungen innerhalb der Ablautreihen
Abgesehen vom regelmäßigen Vokalwechsel zwischen Präsens und Präteritum aufgrund des Ablauts
(nhd.
reiten
-
ritt)
gibt
es
auch
innerhalb
der
Präsens-
bzw.
Präteritalformen
Vokalwechselerscheinungen, sprachhistorisch bedingt durch die lautliche Umgebung. Wechsel der
Stammvokale tritt ein:
In den Präsensformen:
 Sg. Ind. der Klassen II, IIIb, IV, V
 in der 2. 3. Sg. Präs. Ind. der Klassen VI und z. T. VII.
In den Präteritalformen: (2.P.Sg. Ind. richtet sich nach der 3. Stammform = Stammform
des Pl. Prät. + Konj. Prät., + Umlaut: ich/er bant [= 1.+3.P.Sg.] - wir bunden [= Pl.], du
bünde = 2.P.Sg.Ind., ich bünde etc. = Konj.)
 in der 2. Pers. Sg. Ind. Prät. der Klassen II-VI
 im Konj. Prät. der Klassen II-VI
Übersicht über Vokalwechsel innerhalb der Ablautreihen
I
IIa+b
Präsens
Präteritum
Sg.Präs.Ind. + Imp.
Konj. Prät.
2. Pers. Sg. Ind. Prät.
/u/ - /ü/
(guzzen ‘sie gossen’)
du güzze ‘du gossest’
ich güzze ‘ich gösse’
/u/ - /ü/
(sungen ‘sie sangen’)
du sünge ‘du sangst’
ich sünge ‘ich sänge’
/u/ - /ü/
(wir hulfen -’wir halfen’)
du hülfe ‘du halfst’
/a/- /ae/
(wir
nâmen
‘wir
nahmen’)
du naeme -’du nahmst’
du staele - ‘du stahlst’
/a/- /ae/
(wir gâben - ‘wir gaben’)
du gaebe ‘du gabst’
ich gaebe ‘ich gäbe’
/uo/ - /üe/
(wir gruoben - ‘wir
gruben’)
du grüebe - ‘du grubst’
/ie/ - /iu/
giezen – giuze
bieten – biute
IIIb
/ë/ - /i/
hëlfen – hilfe
IV
/ë/ - /i/
nëmen – nime
stëln - stil
V
/ë/ - /i/
gëben - gibe
VI
/a/ - /e/
(nur 2.+3.Sg. Ind. Präs.!)
du verst, er vert zu varn
VII
2.+3.Sg. Ind. Präs. Wechsel du raetest,er raetet/raet;
möglich zwischen:
du stœzest, er stœzet
/a/ - /e/
/â/ - /ae/
/ô/ - /œ/
/ou/ - /öu/
IIIa
Sprachhistorisch sind diese Vokalwechselerscheinungen zu differenzieren in Umlaut und Wechsel
bzw. Brechung des Wurzelvokals (vor /i, î, j/, vor /u/, vor /ë, a o ê/der Folgesilbe):
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a) Umlaut des Wurzelvokals
Alternanzen:
a, â, o, ô, u, û
//
e, ä, ae, ö, œ, ü, iu
Umlaut, d. h. Palatalisierung velarer Vokale a, o, u vor /i, î, j/ der Folgesilbe betrifft nur die
Formen, die einen umlautfähigen Wurzelvokal haben und zugleich im Ahd. eine i-haltige
Endung aufweisen: Umlaut findet sich daher
 im gesamten Konj. Prät.
 in der 2. Pers. Sg. Ind. Prät. der Klassen II-VI
 in der 2. 3. Sg. Präs. Ind. der Klassen VI und z. T. VII.
(Dazu kommen Ausnahmen in anderen Klassen).
b) Wechsel / Brechung des Wurzelvokals
Die Alternanzen /i/ - /ë/ sowie /iu/ - /ie/ ergeben sich aus den Folgevokalen, die im Ahd. noch
vorliegen, im Mhd. aber abgeschwächt sind: Vor /u/ und /i, î, j/ erscheint /i/ bzw. /iu/ (z. B.: ich gibe
< ahd. gibu), vor /ë, a, o, ê/ erscheint /ë/ bzw. /ie/ (z. B.: si gëbent < ahd. gëbant).
Sg. Präs. Ind.
Pl.Präs.Ind., Imp.Pl., Konj.Präs., Inf.,
Part.Präs., Gerundium
Mhd. Wurzelvokale
/i/ bzw. /iu/
/ë/ bzw. /ie/
Ahd. Vokale der Folgesilbe
/u/, /i/
/ë, a, o, ê/
Starke Verben mit
 Infinitiv-Wurzelvokal /ë/ oder /ie/ (z. B. nëmen, gëben, hëlfen; bieten, giezen)
wechseln also im
 Sg. Ind. Präs. und im Sg. Imp. zu /i/ bzw. /iu/
(z.B. ich nime, du nimest, er nimet, nim; ich giuze):
Ind. Präs.
Sg. 1.
2.
3.
Pl. 1.
2.
3.
mhd.
giuz-e
giuz-e-st
giuz-e-t
giez-e-n
giez-e-t
giez-e-nt
ahd.
giuz-u
giuz-i-s(t)
giuz-i-t
gioz-ê-m, -ê-n (-amês)
gioz-e-t
gioz-a-nt
mhd.
giuz
giuz
giez-e-n
giez-e-t
gioz-ê-m, -ê-n (-amês)
gioz-e-t
Wechsel
/ie/ - /iu/
Verbklasse
II
Beispiele
giezen – giuze
bieten - biute
/ë/ - /i/
IIIb
hëlfen - hilfe
(nicht für IIIa: binden, finden)
nëmen - nime
gëben - gibe
IV
V
Imperativ
ahd.
Nhd.
/ie/ in allen Formen des Präs. u. Imp.
(aber vgl. noch Formen wie: kreucht,
fleucht  mhd. iu > nhd. eu)
/e/ des Infinitivs steht im Pl. Präs.; /i/
im Sg. Präs. (hilfe, hilfst, hilft)
und im Sg. Imp. (hilf).
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
24 / 71
2.1.3.5.
Die Ablautreihen I - VII
 I. Ablautreihe:
Ia
rîten / rîte - reit - riten - geriten
//
î - ei - i - i
Ib
lîhen / lîhe - lêch - lihen - gelihen
//
î-ê-i-i
Kennzeichen der Verben der 1. Ablautreihe:
 Präsensstamm:
î.
 Präteritum Sg.:
Ia: ei
Ib: ê (Verben mit Wurzel auf Vokal, germ. h oder w .15)
Beispiele:
Ia: schînen, schrîten, strîten, bîzen, flîzen, blîben, schrîben, trîben, pfîfen, nîgen, swîgen,
slîchen, strîchen.
Ib: dîhen (gedeihen), rîhen (verbinden), sîhen, zîhen (zeihen)
Verben mit GW(= grammatischer Wechsel, s. u.):
1) d - t:
lîden - liten – geliten (Ia), so auch: brîden (flechten), mîden, nîden, rîden
(drehen), snîden.
2) s - r:
rîse – rirn (risen) – gerirn (gerisen) (Ia) (steigen, fallen)
3) h - g:
dîhen (gedeihen), rîhen (verbinden), sîhen, zîhen (zeihen), lîhen hat zumeist
keinen GW, z.T. aber im Part. Prät. g (geligen) (Ib).
 II. Ablautreihe:
IIa
biegen / biuge - bouc - bugen - gebogen
//
ie - ou - u -o
IIb
bieten / biute - bôt - buten - geboten
//
ie - ô - u - o
Kennzeichen der Verben der 2. Ablautreihe:
 Präsensstamm (IIa/IIb): ie (Sg. Präs. iu)
iu vor w
drei Verben mit û: sûfen, sûgen, lûchen (schließen)
 Präteritum Sg.:
IIa: ou
IIb: ô (Verben mit Wurzel t, d, s, z oder germ. h16)
Beispiele:
IIa: klieben (spalten), schieben, stieben, sliefen (schlüpfen), triefen; fliegen, liegen (lügen),
triegen (trügen), smiegen (schmiegen); kriechen, riechen (rauchen, riechen).
IIb: diezen (rauschen), verdriezen, sliezen, fliezen, giezen, (ge)niezen, schiezen, fliehen.
Verben mit GW:
1) d - t:
2) h - g:
3) s - r:
15 da
16
siude /sieden - suten – gesoten (IIb)
ziehe /ziehen - zôch - zugen - gezogen (aber nicht: fliehen!) (IIb)
kiuse / kiesen - kurn - gekorn; friesen (frieren), verliesen (verlieren), niesen
(IIb).
im Vorahd. germ. ai vor r, w und germ. h zu ê wurde.
da frühahd. germ. au vor Dentalen und vor germ. h zu ô wurde
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AR III, IV und V: Präsensvokal ë / i. Unterschiede in der wurzelschließenden Konsonanz.
 III. Ablautreihe:
Wurzel endet auf Nasal/Liquid + Konsonant
IIIa
binden / binde - bant - bunden - gebunden
//
i-a-u-u
IIIb
helfen / hilfe17 - half - hulfen - geholfen
//
e-a-u-o
Kennzeichen der Verben der 3. Ablautreihe:
 Präsensstamm: IIIa: i vor Nasalverbindung (nn, mm; n, m + anderer Konsonant)
IIIb: e vor Liquidverbindung (ll, rr; l, r + Konsonant)
18
 Part. Präteritum :
IIIa: u
IIIb: o
Beispiele:
IIIa: brimmen (brummen), glimmen, grimmen (wüten), krimmen (kratzen), klimmen, limmen
(heulen), swimmen, rimpfen (rümpfen), brinnen (brennen), beginnen, entrinnen,
sinnen, spinnen, slinden (schlingen), swinden, vinden, winden, dringen, klingen,
gelingen, singen, springen, twingen (zwingen), sinken, trinken, winken.19
IIIb: bellen, gellen, hellen (hallen), gelten, schelten, smelzen, bevelhen, empfelhen, werden,
sterben, verderben.
Verben mit GW (Wechsel schon im Präsens):
1) d – t:
vinden (Nebenform Pl. Prät. vunten), wërden (Pl. Prät. wurten, Part. Prät. worten).
2) h - g:
swelgen / swelhen (verschlucken)
3) f- b:
werben / werven (werben, sich bewegen), swerben (wirbeln).
AR IV und V: in der 3. Stufe langen Vokal 20.
 IV. Ablautreihe:
IV
nemen / nime - nam - nâmen - genomen
Wurzel endet auf einfachen Nasal/Liquid
//
e - a - â -o
Kennzeichen der Verben der 4. Ablautreihe:

Präsensstamm: e vor einfachem Nasal, vor ch [h]21, vor (z.T. auch nach)
einfachem Liquidlaut.
Beispiele:
quemen (kommen), zemen (ziemen), queln (Qual leiden), steln, bern (tragen), swern
(schwären), leschen (erlöschen), vlehten, treffen, brechen, sprechen, stechen, schrecken
(erschrecken), dehsen ([Flachs] schwingen), vehten.
17 Md.
steht 1.P.Sg.Präs.Ind. e statt i: ich helfe.
Es heißt binden  helfen, und gebunden  geholfen weil die Verbindung Nasal+Konsonant den a-Umlaut i>e, u>o
verhinderte
19 Doppelkonsonanz wird im Auslaut vereinfacht, deshalb Sg. Prät. bram, entran etc
20 Dehnstufe statt der Schwundstufe
21 < germ. h
18
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
 V. Ablautreihe:
V
26 / 71
Wurzel auf einfachen Konsonanten (kein Nasal/Liquid)
gëben / gibe - gap - gâben - gegëben
//
ë-a-â-ë
Kennzeichen der Verben der 5. Ablautreihe:
 Präsensstamm: e (auch im Part. Prät.) vor einfachem Konsonanten (d.h. vor
Verschlußlaut oder Spirans; nicht vor Nasal oder Liquid l, m, n, r,
ch) bzw. vor Doppelkonsonanten22.
Beispiele:
wëben, pflëgen, jëhen, geschëhen, sëhen, trëten, ezzen, vergezzen, vrezzen.
Verben mit GW:
1) s - r:
2) h - g:
wësen (was wâren gewësen), jësen (gären), lësen, genësen.
Prät. Pl. immer: wâren, jâren; Ausgleichsformen zu genësen, lësen: lâsen,
genâsen u. seltener lâren, genâren; Part. Prät.: gewësen, gejësen, gelësen
(selten gelërn), genësen (selten genërn).
GW-Restformen zu sëhen: Pl. Prät. sâgen neben sâhen.
Zur AR V zählen auch drei sog.
 j-Präsentien - bitten, lig(g)en, sitzen:
Kennzeichen: i im ganzen Präsens
Doppelkonsonanz bzw. Affrikata23.
Übrige Formen regelmäßig:
bat bâten gebëten
lac lâgen gelëgen
saz sâzen gesëzzen
 VI. Ablautreihe:
VI
tragen / trage - truoc - truogen - getragen
//
a - uo - uo -a
Kennzeichen der Verben der 6. Ablautreihe:
 Präsensstamm/Part. Prät: a
 Kein Vokalwechsel innerhalb des Präteritums (≠AR 1-5)
Beispiele:
maln (mahlen), varn, laden (beladen), waschen, graben, schaffen, nagen,
tragen, slahen (schlagen), twahen (waschen), wahsen.
Zur AR VI zählen auch die
 j-Präsentien (heven) heben, entseben (wahrnehmen), swern (schwören), schepfen:
Kennzeichen: e (Umlaut des Wurzelvokals) im gesamten Präsens.
Übrige Formen regelmäßig:
Verben mit GW:
1) h - g:
huop huoben erhaben
entsuop entsuoben entsaben
swuor swuoren geswarn (meist aber gesworn nach AR IV)
schepfen schuof schuofen geschaffen
slahe sluoc sluogen geslagen, ebenso bei twahen waschen; das g ist aus dem
Plur. des Prät. in den Sing. eingedrungen (sluog>sluoc), da die Übereinstimmung
des Wurzelvokals auch die Angleichung des wurzelschließenden Kons. begünstigte.
2) f – b:
22 die durch
entseben (häufig mit GW)
die 2. Lautverschiebung entstanden sind.
Folgen der westgerm. Konsonantendehung: Präsens urspr. mit ja-Thema gebildet, deshalb sind Gemination und Umlaut
wirksam geworden.
23
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
27 / 71
 VII. Ablautreihe:
Kennzeichen der Verben der 7. Ablautreihe:
 Präsensstamm:
a, â, ei, ou, ô, uo
 Präteritum:
ie in allen Formen24
 VIIa
halten - hielt - hielten - gehalten
râten - riet - rieten - gerâten
heizen - hiez - hiezen - geheizen
Kennzeichen:
 Präsensstamm:
//
//
//
a - ie - ie - a
â - ie - ie - â
ei - ie - ie - ei
a vor ll, nn, l+Kons., n+Kons, â, ei 25
Beispiele:
vallen, wallen (sieden), valten, schalten (schieben), spalten, walten, salzen, walzen, bannen;
brâten, lâzen, blâsen, slâfen; scheiden, sweifen.
 VIIb
loufen - lief - liefen - geloufen
stôzen - stiez - stiezen - gestôzen
ruofen - rief - riefen - geruofen
Kennzeichen:
 Präsensstamm:
//
//
//
ou - ie - ie - ou
ô - ie - ie -ô
uo - ie - ie -uo
ou, ô, uo
Beispiele:
houwen (hie/hiu - hiewen/hiuwen – gehouwen); schrôten (schneiden), bôzen (schlagen);
wuofen (wehklagen).
24
Die Bildung der Präteritalformen erfolgte hier ursprünglich durch einfache Reduplikation (Rückdopplung) des
wurzelanlautenden Konsonanten (z.B. got. haítan - Prät. haíhaít [héhait]) oder durch Reduplikation und Ablaut (z.B. got.
lêtan - Prät. lailôt [lélôt]). In beiden Fällen erfolgte im As. und im Ahd. Kontraktion in den Präteritalformen; Ergebnis ist
im Mhd. ie in allen Formen des Präteritums. Der Schwund der Reduplikationssilbe ergibt neue Wurzelvokale für das
Präteritum, die sich von den Wurzelvokalen des Präsens unterscheiden; daher: im Ahd./Mhd. bilden diese Verben ihr
Präteritum wie die ablautenden (Part. Prät. ebenfalls auf -en).
25 diese Verben werden nhd. vielfach schwach flektiert.
2.1.3.6.
Übersicht über die Ablautreihen
Ablautreihen I -III
STAMMVOKALE
I
PARADIGMA
a
î - ei - i - i
rîten - reit - riten - geriten
b
î-ê-i-i
lîhen - lêch - lihen - gelihen
ie - ou - u - o
biegen - bouc - bugen - gebogen
(biuge)
II a
KENNZEICHEN
VOKALWECHSEL (BRECHUNG / UMLAUT)
Sg. Prät. ei
[ germ. ai>ei]
Sg. Prät. ê:
Verben mit Wurzel auf w
oder germ. h [ germ.
ai>ê vor r, h, w]
Sg. Prät. ou
iu / ie
(Präsens)
[ ahd. au > ou]
ü/u
(Präteritum)
b
III a
Präsens Ind. Sg. iu / Pl. ie:
ich biute - wir bieten
[Präs. Sg. ahd. Endungsvokale u (1.) und i (2.3.Sg., Imp.) 
ie  ahd. eo>io>ie vor a, o e
iu  ahd. eu>iu vor i, u, j]
ie - ô - u - o
bieten - bôt - buten - geboten
(biute)
Sg. Prät. ô:
vor Dentalen (d, t, z, s)
und germ. h
[ ahd. au>ô vor
Dentalen und h]
i-a-u-u
binden - bant - bunden - gebunden
Nasal + Konsonant
ü/u
(nn, mm, n + K., m + K.) (Präteritum)
[i im Präsens
 ahd. e>i
vor i, j, u,
Nasalverbind
ung (binden)]
Liquid + Konsonant
i/ë
Präsens Ind. Sg. i / Pl. ë:
(ll, rr, l + K. , r + K.)
(Präsens)
ich hilfe  wir hëlfen
[Präs. Sg. ahd. Endungsvokale u (1.) und i (2.3.Sg., Imp.) 
ü/u
i  ahd. e>i vor i, j, u]
(Präteritum) Präteritum Indikativ 2. Sg. - ü:
du hülfe/ wir hulfen
(Pl. -u / Sg. 1., 3. a - ich, er half; wie binden)
Präteritum Konjunktiv: ü
Sg.1.+3. hülfe, 2. hülfest, Pl.1.+3. hülfen, 2.hülfet (wie binden)
b e-a-u-o
helfen - half - hulfen - geholfen
(hilfe)
Präteritum Indikativ 2. Sg. ü / Pl. -u:
du büte/wir buten [=Umlaut  i der Endung]
(Sg. 1., 3. ou, ô - ich, er bouc, bôt)
Präteritum Konjunktiv: ü
 Sg.1.+3. büte, 2. bütest, Pl.1.+3. büten, 2. bütet [=Umlaut  i der
Endung]
Präteritum Indikativ 2. Sg. ü / Pl. -u:
du bünde/wir bunden [=Umlaut  i der Endung]
(Sg. 1., 3. a - ich, er bant)
Präteritum Konjunktiv: ü
Sg.1.+3. bünde, 2. bündest, Pl.1.+3. bünden, 2. bündet
[=Umlaut  i der Endung]
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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Ablautreihen IV -VI
STAMMVOKALE
IV
e-a-â-o
PARADIGMA
KENNZEICHEN
VOKALWECHSEL (BRECHUNG /UMLAUT)
nëmen - nam - nâmen – genomen
(nime)
stëln - stal - stâlen – gestoln
(stil)
sprëchen - sprach – sprâchen - gesprochen
(spriche)
einf. Nasal oder Liquid nach
bzw. vor dem Wurzelvokal (m,
n, l, r + V.; V. + m, n, l, r) und
Verben auf -ch
(sprëchen, stëchen, vëhten)
gëben -gap - gâben – gegëben
(gibe)
Verschlußlaut oder Spirans: i/ë
Wurzel schließt mit anderem (Präsens)
Kons. als Nasal oder Liquid.
1. = 4. Ablautstufe (ë)
æ
(Präteritum)
V
ë-a-â-ë
VI
a - uo - uo - a graben - gruop - gruoben - gegraben
1. = 4. Ablautstufe (a)
2. = 3. Ablautstufe (uo)
i/ë
(Präsens)
æ
(Präteritum)
e/a
(Präsens)
üe
(Präteritum)
Präsens Ind. Sg. i / Pl.- ë:
ich nime  wir nëmen
[Präs. Sg. ahd. Endungsvokale u (1.) und i (2.3.Sg., Imp.)]
Präteritum Indikativ 2. Sg. æ:
du næme/stæle [=Umlaut  i der Endung]
(Sg. 1., 3. + Pl. a - ich nam/ich stal)
Präteritum Konjunktiv æ:
Sg.1.+3.
næme/stæle,
2.
næmest/stælest,
Pl.1.+3.
næmen/stælen, 2. næmet/stælet [=Umlaut  i der Endung]
Präsens Ind. Sg. i / Pl. ë:
ich gibe  wir gëben
[Präs. Sg. ahd. Endungsvokale u (1.) und i (2.3.Sg., Imp.)]
Präteritum Indikativ 2. Sg. æ:
du gæbe [=Umlaut  i der Endung]
(Sg. 1. + Pl. a - ich gap)
Präteritum Konjunktiv æ:
Sg.1.+3. gæbe, 2. gæbest, Pl.1.+3. gæben, 2. gæbet
[=Umlaut  i der Endung]
Präsens Ind. Sg. 2.+3. - e / Sg. 1. + Pl. -a:
ich grabe, wir graben  du grebest, er grebet; ich var, wir varn
 du verst, er vert
[=Umlaut]
Präteritum Indikativ 2. Sg. - üe:
du grüebe [=Umlaut  i der Endung]
(Sg. 1. + Pl. uo - ich gruop)
Präteritum Konjunktiv: üe
Sg.1.+3. grüebe, 2. grüebest, Pl.1.+3. grüeben, 2. grüebet
[=Umlaut  i der Endung]
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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Ablautreihe VII
STAMMVOKALE
PARADIGMA
KENNZEICHEN
VOKALWECHSEL (BRECHUNG /UMLAUT)
halten - hielt - hielten - gehalten
1.
=
4. a
Ablautstufe
e/a
(Präsens)
â - ie - ie -â
râten - riet - rieten - gerâten
VIIa:
â
æ/â
(Präsens)
ei - ie - ie -ei
heizen - hiez - hiezen – geheizen
a - â - ei
ei
VIIb:
ou
œ/ô
(Präsens)
ou - ô - uo
ô
öu/ou
(Präsens)
VII a a - ie - ie -a
b ou - ie - ie - ou
loufen - lief - liefen – geloufen
ô- ie - ie - ô
stôzen - stiez - stiezen - gestôzen
uo - ie - ie -ô
ruofen - rief - riefen - geruofen
Präteritum:
ie
(2.=3.
Ablautstufe)
Präsens Ind. Sg. 2+3.:
Umlaut kann eintreten - e/a
haltet/heltet; bannet/bennet
Präsens Ind. Sg. 2+3.:
Umlaut kann eintreten – æ/â
rætest/rætet; slæfest/slæfet
Präsens Ind. Sg. 2+3.:
Umlaut kann eintreten  öu/ou
loufet/löufet
Präsens Ind. Sg. 2+3.:
Umlaut kann eintreten  œ/ô
stœzest, stœzet
uo
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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2.1.3.7.
I
Tabelle zur Flexion der starken Verben
II
grîfen
lîden
dîhen
biegen
bieten
kiesen
Sg.1.
2.
3.
Pl.1.
2.
3.
grîfe
grîfest
grîfet
grîfen
grîfet
grîfent
lîde
lîdest
lîdet
lîden
lîdet
lîdent
dîhe
dîhest
dîhet
dîhen
dîhet
dîhent
biuge
biugest
biuget
biegen
bieget
biegent
biute
biutest
biutet
bieten
bietet
bietent
kiuse
kiusest
kiuset
kiesen
kieset
kiesent
Sg.1.
2.
3.
Pl.1.
2.
3.
grîfe
grîfest
grîfe
grîfen
grîfet
grîfen
lîde
lîdest
lîde
lîden
lîdet
lîden
dîhe
dîhest
dîhe
dîhen
dîhet
dîhen
biege
biegest
biege
biegen
bieget
biegen
biete
bietest
biete
bieten
bietet
bieten
kiese
kiesest
kiese
kiesen
kieset
kiesen
Sg.2
Pl.1.
2.
grîf
grîfen
grîfet
lît
lîden
lîden
dîch
dîhen
dîhet
biuc
biegen
bieget
dîhende
biegende
III
IV
INFINITIV
binden
helfen
nëmen
V
VI
stëln
gëben
lësen
bitten
graben
slahen
stil
stilst
stilt
stëln
stëlt
stëlnt
gibe
gibest
gibet
gëben
gëbet
gëbent
lise
lisest
liset
lësen
lëset
lësent
bitte
bitest
bitet
bitten
bittet
bittent
grabe
grebest
grebet
graben
grabet
grabent
slahe
slehest
slehet
slahen
slahet
slahent
nëme
nëmest
nëme
nëmen
nëmet
nëmen
stël
stëlst
stël
stëln
stëlt
stëln
gëbe
gëbest
gëbe
gëben
gëbet
gëben
lëse
lësest
lëse
lësen
lëset
lësen
bitte
bittest
bitte
bitten
bittet
bitten
grabe
grabest
grabe
graben
grabet
graben
slahe
slahest
slahe
slahen
slahet
slahen
nim
nëmen
nëmet
stil
stëln
stëlt
gip
gëben
gëbet
lis
lësen
lëset
bite
bitten
bittet
grap
graben
grabet
slach
slahen
slahet
nëmende
stëlnde gëbende lësende
bittende
grabende
slahende
PRÄSENS – INDIKATIV
binde
bindest
bindet
binden
bindet
bindent
hilfe
hilfest
hilfet
hëlfen
hëlfet
hëlfent
nime
nimest
nimet
nëmen
nëmet
nëment
PRÄSENS – KONJUNKTIV
grîfende lîdende
binde
hëlfe
bindest
hëlfest
binde
hëlfe
binden
hëlfen
bindet
hëlfet
binden
hëlfen
IMPERATIV
biut
kius
bint
hilf
bieten
kiesen
binden
hëlfen
bietet
kieset
bindet
hëlfet
PARTIZIPIUM
bietende kiesende bindende hëlfende
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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I
II
III
IV
PRÄTERITUM INDIKATIV
V
Sg.1.
greif
leit
dêch
bouc
bôt
kôs
bant
half
nam
stal
2.
griffe
lite
dige
büge
büte
kür(e)
bünde
hülfe
næme
stæle
3.
greif
leit
dêch
bouc
bôt
kôs
bant
half
nam
stal
Pl.1
griffen
liten
digen
bugen
buten
kur(e)n
bunden
hulfen
nâmen
stâlen
2.
griffet
litet
diget
buget
butet
kur(e)t
bundet
hulfet
nâmet
stâlet
3.
griffen
liten
digen
bugen
buten
kur(e)n
bunden
hulfen
nâmen
stâlen
VI
gap
gæbe
gap
gâben
was
wære
was
wâren
bat
bæte
bat
bâten
gâbet
gâben
wâret
wâren
bâtet
bâten
gæbe
gæbest
wære bæte
wærest bætest
gæbe
gæben
wære bæte
wæren bæten
gæbet
gæben
wæret bætet
wæren bæten
gruop
grüebe
gruop
gruobe
n
gruobet
gruobe
n
sluoc
slüege
sluoc
sluoge
n
sluoget
sluoge
n
grüebe
grüebe
st
grüebe
grüebe
n
grüebet
grüebe
n
slüege
slüeges
t
slüege
slüege
n
slüeget
slüege
n
PRÄTERITUM KONJUNKTIV
Sg.1.
griffe
lite
dige
büge
büte
kür(e)
bünde
hülfe
næme
stæle
2.
griffest
litest
digest
bügest
bütest
kür(e)st
bündest
hülfest
næmest
stælest
3.
griffe
lite
dige
büge
büte
kür(e)
bünde
hülfe
næme
stæle
Pl.1.
griffen
liten
digen
bügen
büten
kür(e)n
bünden
hülfen
næmen
stælen
2.
griffet
litet
diget
büget
bütet
kür(e)t
bündet
hülfet
næmet
stælet
3.
griffen
liten
digen
bügen
büten
kür(e)n
bünden
hülfen
næmen
stælen
PARTIZIPIUM PRÄTERITUM
gegriffe gelite gedige geboge gebote gekorn gebunde geholf genome gestoln gegëben
n
n
n
n
n
n
en
n
gewëse gebëte
n
n
gegrab geslage
en
n
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
32 / 71
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
VII a
halten
Sg.1.
2.
3.
Pl.1.
2.
3.
halte
haltest (heltest)
haltet (heltet)
halten
haltet
haltent
Sg.1.
2.
3.
Pl.1.
2.
3.
halte
haltest
halte
halten
haltet
halten
Sg.2.
Pl.1.
2.
halt
halten
haltet
haltende
Sg.1.
2.
3.
Pl.1.
2.
3.
hielt
hielte
hielt
hielten
hieltet
hielten
Sg.1.
2.
3.
Pl.1.
2.
3.
hielte
hieltest
hielte
hielten
hieltet
hielten
gehalten
INFINITIV
râten
heizen
loufen
PRÄSENS INDIKATIV
râte
heize
loufe
râtest (rætest)
heizest
loufest (löufest)
râtet (rætet)
heizet
loufet (löufet)
râten
heizen
loufen
râtet
heizet
loufet
râtent
heizent
loufent
PRÄSENS-KONJUNKTIV
râte
heize
loufe
râtest
heizest
loufest
râte
heize
loufe
râten
heizen
loufen
râtet
heizet
loufet
râten
heizen
loufen
IMPERATIV
rât
heiz
louf
râten
heizen
loufen
râtet
heizet
loufet
Partizipium Präsens
râtende
heizende
loufende
PRÄTERITUM INDIKATIV
riet
hiez
lief
riete
hieze
liefe
riet
hiez
lief
rieten
hiezen
liefen
rietet
hiezet
liefet
rieten
hiezen
liefen
PRÄTERITUM KONJUNKTIV
riete
hieze
liefe
rietest
hiezest
liefest
riete
hieze
liefe
rieten
hiezen
liefen
rietet
hiezet
liefet
rieten
hiezen
liefen
PARTIZIPIUM PRÄTERITUM
gerâten
geheizen
geloufen
33 / 71
VII b
stôzen
ruofen
stôze
stôzest (stœzest)
stôzet (stœzet)
stôzen
stôzet
stôzent
ruofe
ruofest
ruofet
ruofen
ruofet
ruofent
stôze
stôzest
stôze
stôzen
stôzet
stôzen
ruofe
ruofest
ruofe
ruofen
ruofet
ruofen
stôz
stôzen
stôzet
ruof
ruofen
ruofet
stôzende
ruofende
stiez
stieze
stiez
stiezen
stiezet
stiezen
rief
riefe
rief
riefen
riefet
riefen
stieze
stiezest
stieze
stiezen
stiezet
stiezen
riefe
riefest
riefe
riefen
riefet
riefen
gestôzen
geruofen
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
34 / 71
2.1.3.8.
Zur Ermittlung des Stammvokals der Infinitivform
und der Ablautreihe starker Verben
1. Ermittlung des Infinitivvokals und der Ablautreihe vom Präsensstamm aus
Präsensstamm
î (dîhen)
ie (biegen)
i (binden)
e (helfen)
a (graben)
â (râten)
ei (heizen)
ou (loufen)
uo (ruofen)
ô (stôzen)
Infinitiv
î (grîfen, dîhen)
ie (biegen, bieten)
i (binden)
e (helfen, nemen, geben)
a (graben, halten)
â (râten)
ei (heizen)
ou (loufen)
uo (ruofen)
ô (stôzen)
Klasse
Ia, Ib
IIa, IIb
IIIa
IIIb, IV, V
VI, VII
VII
VII
VII
VII
VII
2. Ermittlung des Infinitivvokals und der Ablautreihe vom 1. Präteritalstamm aus
Prät. (1)-Stamm
ei (greif)
ê (dêch)
ou (bouc)
ô (bôt)
a (bant, half)
uo (gruop)
ie (hielt, riet)
Infinitiv
î (grîfen, dîhen)
Klasse
Ia, Ib
ie (biegen, bieten)
IIa, IIb
i (binden)
e (helfen, nemen, geben)
a (graben)
a, â, ei, ou, uo ô
IIIa
IIIb, IV, V
VI
VII
3. Ermittlung des Infinitivvokals und der Ablautreihe vom 2. Präteritalstamm aus
Prät. (2) -Stamm
i (griffen, riten)
u (bugen, hulfen)
â (nâmen, gâben)
uo (gruoben)
ie (hielten, rieten)
Infinitiv
î (grîfen, dîhen)
ie (biegen, bieten)
i (binden)
e (helfen)
e (nemen, geben)
a (graben)
a, â, ei, ou, uo, ô
Klasse
Ia, Ib
IIa, IIb
IIIa
IIIb
IV, V
VI
VII
4. Ermittlung des Infinitvvokals und der Ablautreihe vom Partizip II aus
Part. II-Stamm
i (gegriffen, gedigen)
u (gebunden)
o (gebogen, geholfen)
e (gegeben)
a (gegraben, gehalten)
â (gerâten)
ei (geheizen)
ou (geloufen)
uo (geruofen)
ô (gestôzen)
(Aus:
Infinitiv
î (grîfen, dîhen)
i (binden)
ie (biegen, bieten)
e (helfen, nemen)
e (geben)
a (graben, halten)
â (râten)
ei (heizen)
ou (loufen)
uo (ruofen)
ô (stozen)
Klasse
Ia, Ib
IIIa
IIa, IIb
IIIb, IV
V
VI, VII
VII
J. SINGER, Grundzüge einer rezeptiven Grammatik des Mittelhochdeutschen. Paderborn / München / Wien /
Zürich 1996, S. 261-265)
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
2.1.3.9.
35 / 71
Übungen: Starke Verben
A. Zu den Ablautreihen 1-3
1) Erläutern Sie die Ursache für den unterschiedlichen Stammvokal im Part. Prät. an dem Beispiel geholfen gebunden!
2) Bestimmen Sie die Ablautreihen der folgenden Infinitive und geben Sie die Stammformen an!
1. sliefen
5. snîden
2. trinken
6. dîhen
3. smiegen
7. mîden
4. ziehen
8. gelten
9. zîhen
13. verderben
10. sieden
14. schînen
11. swinden
15. riechen
12. klieben
16. werben
3) Wie heißt der Infinitiv der folgenden mhd. Präteritalformen? Geben Sie die Ablautreihen an!
1. er streit
9. gebliben
2. si lêch
10. wir rigen
3. gesigen
11. geschoben
4. er kloup
12. du rüche
5. ez flôz
13. gekorn
6. si güzzen
14. ez swant
7. wir schulten
15. si brunnen
8. er swal
16. wir griffen
B. Zu den Ablautreihen 4-7:
1) Bestimmen Sie die Ablautreihen der folgenden Infinitive und geben Sie die Stammformen an!
1. steln
9. wesen
2. scheiden
10. graben
3. tragen
11. halten
4. lesen
12. bannen
5. quêln
13. jehen
6. sitzen
14. maln
7. râten
15. heben
8. swern
16. treten
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
36 / 71
2) Wie heißt der Infinitiv der folgenden mhd. Präteritalformen? Geben Sie die Ablautreihen an!
1. getreten
9. si liefe
2. er næme
10. gesworn
3. wir brâchen
11. genesen
4. si wâren
12. si zâmen
5. wir sluogen
13. gehouwen
6. gesprochen
14. er briet
7. si âzen
15. er luot
8. du trüegest
16. geheizen
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
37 / 71
2.1.4. Besondere Verben
Präterito-Präsentien
Als Präterito-Präsentien bezeichnet man eine kleine Gruppe von 9 ursprünglich starken Verben:
durfen, dürfen (bedurfen/bedürfen)
gunnen, günnen (erbunnen, verbunnen)
kunnen, künnen
mugen, mügen
muozen, müezen
suln, süln
tugen, tügen
turren, türren
wizzen
Ihre Bedeutung weicht im Nhd. z.T. erheblich gegenüber dem Mhd. ab:
suln, süln
‘müssen,
etw.
mhd.
schuldig
sein’

‘müssen’
Umschreibung
- Futur
von:
- Imperativ
nhd.
‘können’ (=wissen, ‘dürfen’ (=erlaubt ‘sollen’
verstehen, imstande sein)
sein etc.)
Bedeutungen
kunnen, künnen
‘wissen, verstehen’

‘können,
vermögen’
durfen, dürfen
‘müssen,
brauchen,
bedürfen’

‘können, dürfen’
mugen, mügen
‘(physisch)
können, imstande
sein’
‘mögen’
(=wollen)
müezen
‘können,
dürfen,
müssen’
- Futur
- Wunsch
‘müssen’
„Präterito-Präsentien“ - Definition:
Diese Gruppe von Verben hat ihr ursprüngliches Präsens verloren, ihre Präteritalform hat
Präsensbedeutung angenommen. Aus der Ablautstufe des Plural bilden die Prät. Präs. einen neuen
Infinitiv und ein neues schwaches Präteritum, dessen Konjunktiv z.T. Umlaut aufweist. Damit
stehen sie zwischen den starken und schwachen Verben als Mischklasse.
Formal sind die Prät.-Präs. als Präteritalformen gekennzeichnet durch:
 Ablaut zwischen Sg. u. Pl. Präs. (entsprechend dem Prät. der st. Verben):
weiz - wizzen = reit - riten (I)
darf - durfen = warf - wurfen (III)
 Endungslosigkeit der 1. + 3. Sg. Präs. (entsprechend dem Prät. der st. Verben):
ich/er darf = ich/er warf ( Präs. ich wirfe, er wirfet)
Flexion:
Die Präsensflexion unterscheidet sich nur wenig von der des Prät. der st. Verben:
 Plural (entspricht dem Infinitiv) zeigt z. T. Umlaut (dürfen, künnen).
 2. Sg. auf -t bzw. -st (du solt, du darft, du kanst).
Die Partizipien werden aus der Pluralwurzel gebildet, das Partizipium Prät. z. T. stark:
 Part. Präs. wizzende (< Pl. wizzen), Part. Prät. gewist, gewest;
 bei gunnen: gunnende - gegunnen und gegunnet (auch gegunst).
Dazu noch: bedorft zu durfen / dürfen.
Das Präteritum wird bei den Prät.-Präs. neu gebildet, und zwar durch Anhängen von -t (d) , dem
Kennzeichen der schwachen Präteritalendung, ohne Bindevokal an die Pluralwurzel:
 kan - Pl. kunnen - Prät. kunde.
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
38 / 71
Zuordnung zu den Ablautreihen:
Nach den Ablautverhältnissen im Präsens (d. h. den Formen des germ. Präteritums) lassen sich die
Prät. Präs. den ersten 6 Klassen / Ablautreihen der st. Verben zuordnen, dabei ist in der IV. und
V. Ablautreihe der Plural Präs. allerdings ein u - suln, mugen (analog zur Schwundstufe der III.
Ablautreihe - bunden, hulfen - und abweichend von den st. Verben, die hier ein dehnstufiges â
zeigen - nâmen, gâben).
I. Ablautreihe
II. Ablautreihe
III. Ablautreihe
wizzen
tugen, tügen
gunnen
Wie gunnen:
erbunnen, verbunnen
kunnen, künnen
durfen, dürfen
IV. Ablautreihe
V. Ablautreihe
VI. Ablautreihe
‘wissen’
‘helfen, nützen, brauchbar sein , taugen’
‘gönnen, erlauben, gern sehen an jem.’ (mhd. auf etwas
Zukünftiges bezogen)
‘beneiden, mißgönnen’
urspr. ‘wissen, verstehen, (geistig) können’, doch auch
mhd. schon ‘können, vermögen’
urspr. Notwendigkeit, Erfordernis gemeint:
‘bedürfen, brauchen’.
Mhd. Wandlung zu ‘können, dürfen’.
Wie durfen, dürfen:
bedurfen, bedürfen;
Part. Prät. bedorft (Part.
Prät. nur von bedurfen
gebildet)
‘wagen, sich (ge)trauen’
turren, türren
suln, süln.
‘müssen, verpflichtet sein, (etw.) schuldig sein, sollen’;
bezeichnet urspr. die Notwendigkeit oder Erfordernis
einer Handlung, in Abhängigkeit von Normen, nicht vom
personalen Subjekt bestimmt; doch bereits mhd. häufig
ins Subjekt verlagert.
Gelegentlich als Hilfsverb zur Umschreibung des Futurs
und des Imperativs verwendet
Bedeutung fast immer ‘(physisch) können, imstande sein’
mugen, mügen
(bis Frnhd.)
müezen.
urspr. ‘sollen, müssen, können, mögen, dürfen’, dann
‘müssen’, die Notwendigkeit einer Handlung meinend;
mhd.: beide Verwendungsweisen, sowie als Hilfsverb zur
Umschreibung des Futurs und als Ausdruck eines
Wunsches verwendet
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
39 / 71
Tabelle zur Flexion der Präterito-Präsentien
I.
wizzen
eigen
tugen, tügen
gunnen, günnen
Sg.
1.+3.
2.
Pl.
1.+3.
2.
weiz
-
touc
gan
III.
PRÄSENS
Infinitiv
kunnen, künnen
durfen, dürfen
Indikativ
kann
darf
weist
wizzen
eigen
tugen, tügen
ganst
gunnen, günnen
kanst
kunnen, künnen
wizzet
-
gunnet, günnet
Sg.
1.+3.
2.
Pl.
1.+3.
2.
wizze
eige
tuge, tüge
gunne, günne
kunnet, künnet
durfet, dürfet
Konjunktiv
kunne, künne
durfe, dürfe
wizzest
wizzen
-
etc.
gunnest, günnest
gunnen, günnen
kunnest, künnest
kunnen, künnen
wizzet
-
gunnet, günnet
Sg.
1.+3.
2.
wisse,
wesse,
wiste, weste
wissest, wessest,
wistest, westest
wissen,
wessen,
wisten, westen
wisset,
wesset,
wistet, westet
-
tohte
gunde (gonde)
kunnet, künnet
durfet, dürfet
PRÄTERITUM
Indikativ
kunde (konde)
dorfte
-
etc.
gundest (gondest)
kundest (kondest)
dorftest
-
gunden (gonden)
kunden (konden)
-
gundet (gondet)
kundet (kondet)
Pl.
1.+3.
2.
Sg.
1.+3.
2.
Pl.
1.+3.
2.
II.
IV.
V.
VI.
turren, türren
suln, süln
mugen, mügen
müezen
tar
sol, (sal)
mac
muoz
tarst
turren, türren
solt
suln, süln
muost
müezen
sult, sült
maht
mugen, mügen
magen, megen
muget, müget
turre, türre
sul, sül
muge, müge
müeze
etc.
sulst, sülst
sulen, sülen
mugest, mügest
mugen, mügen
müezest
müezen
sulet, sület
muget, müget
müezet
torste
solde, solte
mahte, mohte
muose, muoste
etc.
dorften
soldest,
mahtest, mohtest
soltest
solden, solten mahten, mohten
dorftet
soldet, soltet
mahtet, mohtet
muosest,
muostest
muosen,
muosten
muoset, muostet
mähte, möhte
müese, müeste
darft
durfen, dürfen
durfest, dürfest
durfen, dürfen
müezet
-
töhte
günde, gunde
Konjunktiv
künde, kunde
dörfte
törste
sölde, solte
wie
-
etc.
gündest, gundest
kündest, kundest
dörftest
etc.
Prät.
-
günden, gunden
künden, kunden
dörften
söldest,
mähtest, möhtest
soltest
sölden, solten mähten, möhten
müesest,
müestest
müesen, müesten
Ind.
-
gündet, gundet
söldet, soltet
müeset, müestet
gewist, gewest
eigen
gegunnen, gegunnet
kündet, kundet
dörftet
Partizipium Präteritum
bedorft
mähtet, möhtet
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
2.1.4.2.
40 / 71
wellen ‘wollen’
Den Indikativformen dieses Verbs liegen ursprüngliche Konjunktivformen zugrunde; aus der Wurzel
des Plurals und nach Art der schwachen jan-Verben wurde ein neuer Konjunktiv gebildet.
Präsens:
 Sg. Präs. Ind. wil  alter Optativ Stamm *wël
 Pluralform wellen  germ *waljan > ahd. wellen (Gemination und Umlaut),
gilt für Plural und Konjunktiv flektieren schwach.
Präteritum:
 von der Pl.-Wurzel schwach gebildet:
germ. *walda > ahd. wolta > mhd. wolte (Umlaut war nicht möglich, a wurde zwischen w und l
zu o umgefärbt).
INFINITIV
wellen
PRÄSENS
Indikativ
Sg. 1.
2.
3.
Pl. 1.
2.
3.
wil(e)
wil(e), wilt
wil(e)
wellen (weln)
wellet (welt)
wellen(t), (welnt)
Part. Präsens
wellende
PRÄTERITUM
Indikativ
wolte, wolde
Konjunktiv
welle
wellest
welle
wellen
wellet
wellen
Konjunktiv
wolte, wolde
Part. Prät.
gewellet, gewellt; gewöllet, gewölt
 wellen unterscheidet sich von den Prät. Präs. durch den
Präsens-Vokal i - ich wil
(wie ich stil;  ich stal, oder ich darf = Prät.-Präs. = Prät. Stamm  nëmen - nam).
 wellen ist als alter Optativ unterschieden von den Indikativformen:
3. P. Sg. ohne -t - er wil ( er stilt).
 Mhd. > Nhd.:
wellen hat mhd. mit wenigen Ausnahmen die gleiche Bedeutung wie nhd., wird auch zur
Umschreibung des Futurs eingesetzt.
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
2.1.4.3.
tuon
gân / gên
sîn
stân / stên
41 / 71
Wurzelverben
Kennzeichen: athematische Bildung der Präsensformen (daher auch: athematische Verben). Die
Endung tritt unmittelbar an die verbale Wurzel,
vgl. Inf. mhd. tuo-n, gâ-n, stâ-n, sî-n.
Grundsätzlich sind alle Präsensformen dieser Verben einsilbig.
 tuon
Sg. 1.
2.
3.
Pl. 1.
2.
3.
Imperativ
Präsens
Indikativ Konjunktiv
tuon
tuo
tuost
tuost
tuot
tuo
tuon
tuon
tuot
tuot
tuont
tuon
Sg.
tuo
Pl. 1. tuon
2.
tuot
Präteritum
Indikativ Konjunktiv
tët(e)
tæte
tæte
tætest
tët(e)
tæte
tâten
tæten
tâtet
tætet
tâten
tæten
Part. Präs.
tuonde
Part. Prät.
getân
 gân / gên und stân / stên
Beide Verben flektieren im Präs. völlig gleich; im Präteritum flektiert gân wie ein Verb der VII.,
stân wie ein Verb der VI. AR.
Präsens
Indikativ
Konjunktiv
Sg. 1. gân, gên
gê, gâ
stân, stên
stâ, stê
2.
gâst, gêst
gêst, gâst
stâst, stêst
stâst, stêst
3.
gât, gêt
gê, gâ
stât, stêt
stâ, stê
Pl. 1. gân, gên
gên
stân, stên
stên
2.
gât, gêt
gêt
stât, stêt
stêt
3.
gânt, gênt
gên
stânt, stênt
stên
Inf. gân, gên; stân, stên
Imp. gâ, gê, ganc; stâ, stê, stant
Indikativ
gienc, gie
stuont
gienge
stüende
gienc, gie
stuont
giengen
stuonden
gienget
stuondet
giengen
stuonden
Präteritum
Konjunktiv
gienge
stüende
giengest
stüendest
gienge
stüende
giengen
stüenden
gienget
stüendet
giengen
stüenden
Part. Präs. gânde, gênde; stânde, stênde
Part. Prät.: gegangen, gegân; gestanden, gestân
Zur Herkunft der Formen:
Beide Verben werden aus zwei verschiedenen Stämmen gebildet:
 1) Stamm eines ahd. st. Verbs (gangan, stantan)
 2) Stamm eines Wurzelpräsens (gân/gên, stân/stên)
Im Mhd. kommen im Präsens nur die Kurzformen gân / gên, stân / stên vor, gangan und stantan
dagegen gar nicht, mit Ausnahme des Imperativs und der alem. Konjunktivform gange.
Alle Präteritalformen dagegen werden von gangan und stantan gebildet; gie, gegân; gestân sind erst
im Mhd. aufgekommen.
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
42 / 71
 sîn
Präsens
Präteritum
sîn, wësen
nur wësen (V. AR, gW)
Indikativ
Konjunktiv
Indikativ
Konjunktiv
Sg. 1. bin
sî (wëse)
was
wære
2.
bist
sist (wësest)
wære
wærest
3.
ist
sî /wëse)
was
wære
Pl. 1. birn, sîn, md. sint sîn (wësen)
wâren
wæren
2.
birt, sît
sît (wëset)
wâret
wæret
3.
sint, md. sîn
sîn (wësen)
wâren
wæren
Inf. wësen, sîn
Imp. Sg. wis, bis; Pl. wëset, sît
Part. Präs. wësende, sînde
Part. Prät. gewësen bair., md. (gesîn = alem., gewëst = md., dann bair.)
1. Verbum substantivum, bezeichnet das Dasein, die Existenz: er ist = ‘er existiert’;
2. Hilfsverb: er ist gegangen (Hilfsverb zur Tempuscharakteristik), er ist ein ritter (Hilfsverb als
Kopula).
Zur Herkunft der Formen:
Die Flexionsformen werden aus 3 Wurzeln gebildet:
 1. *es- in ahd. mhd. nhd. ist, lat est.
Schwundstufe dazu ist s: 3. Pl. Präs. s-int < idg. *s-énti und im Konj. s-î (î=
Optativkennzeichen), nhd. sei.
 2. *bheu, *bhû- (thematisches Verb), lat. futurus, fui, nhd. ich bin
1. Sg. idg. *bheuo > germ *biu = ags. beo; im b der dt. Formen erhalten
 3. *ues- = Wurzel des st. Verbs der V. AR wësen.
wësen gibt es noch im Ahd. als regelmäßiges st. Verb in allen Tempora. Im Präs. tritt es aber meist als
Verbum subst. auf = ‘existieren, geschehen’, und es wird hier bald durch die mit *bhu- und *esgebildeten Formen verdrängt.
Im Mhd. ist der Ind. Präs. von wësen nur noch vereinzelt belegt, im Konj. und im Imp. hielten sich
dagegen die von wësen abgeleiteten Formen (vgl. gangan : gân, gên; stantan : stân, stên)
Im Ind. Präs. ist in allen mit b anlautenden Formen eine Verbindung der Wurzeln *bhu- und *eseingetreten: *bhu- liefert das b, *es- + Personalendung den übrigen Wortteil.
2.1.4.4.
Kontrahierte Verben - hân, lân
Diese Kontraktionen sind für das Mhd. charakteristisch. Sie setzen im 11. Jh. ein. Vorbild waren
dafür vielleicht gân neben gangan und die anderen Wurzelverben, und hân < haben, lân < lâzen
stimmen im Präs. auch völlig mit gân überein.
Kontrahierte und unkontrahierte Formen stehen in der Flexion nebeneinander:
 kontrahierte Formen v.a. im Ind., Inf., Part.Präs.; häufig als Hilfsverb
 unkontrahierte Formen v.a. im Konj.Präs., Prät.;
häufig als ‘halten’ und im Konj.Präs. des Hilfsverbs.
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
43 / 71
 haben > hân
Sg. 1.
Präsens
Indikativ Konjunktiv
hân
habe
2.
hâst
habest
3.
hât
habe
Präteritum
Indikativ
Konjunktiv
hâte, hæte, hêt(e), hæt(e), hæte, hæte, hete, hiete
hiet(e), hatte, heite
hâtest, hætest, hêtest etc. und
auch hæte, hête, hiete etc.
hâte, hæte, hêt(e), hæt(e),
hiet(e), hatte, heite
Pl. 1.
hân
haben
2.
hât
habet
3.
hânt
haben
Inf. hân
Part. Prät. gehabet, gehapt, md. gehât, gehat
 lâzen > lân
Kontrahierte Formen kommen schon seit dem 10. Jh. vor. Flexion wie gân, stân:
Sg. 1.
2.
3.
Pl. 1.
2.
3.
Inf. lân
Imp. lâ, lât
Präsens
Indikativ Konjunktiv
lân (lâ)
lâ
lâst, læst lâst
lât, læt
lâ
lân
lân
lât
lât
lânt
lân
Präteritum
Indikativ
Konjunktiv
liez, lie
lieze
liezen
liezen
Part. Prät. gelân
 Andere Kontraktionen
-h-:
hâhen > hân ‘hängen’, vâhen > vân
Prät. hienc, vienc und in Analogie zu gie, auch hie und vie.
versmâhen > versmân, vlêhen > vlên, sëhen > sên ; slâhen > slân ‘schlagen’ etc.
-agi-, -egi- > ei
sagit, sagis > segis, segit > seist; gesagit > geseit
im Bair. auch -age- > -ei-:
sagês, sagêt > seist, seit, gesagêt > geseit, klages, klaget > kleist, kleit, geklaget > gekleit etc.
-ige-, -ibe-, -ide-, -ege-, -ebe-, -ede- > î
2.3.Sg. Präs. Ind > ei bei schw.Verben auch im Prät., Part. Prät.
ligen > lîst, lît; gëben > gîst, gît; sagen > seist
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
44 / 71
2.1.4.5.
Mischung starker und schwacher Konjugation
bringen und beginnen (erkunnen, verkunnen) = starke Verben der III. AR mit Mischformen.
 bringen
st. Präteritalformen (selten):
branc - brungen
sw. Präteritalformen (häufiger):
1., 3. P. Sg. Prät. Ind. brâhte,
2.P.Sg. braehte / brâhtest
braehte: Elemente st. u. sw. Konj. sind in dieser Form vereint:
stark - die 2.P.Sg.Prät.Ind. endet auf e und weist Umlaut auf
schwach - die Form ist mit Dentalsuffix gebildet.
Pl. brâhten,
Part.Prät. brâht (bringen ist perfektiv, daher Part.Prät. ohne ge-)
 beginnen
Prät. Sg.
st.:
sw.:
began
begunde
Pl. Prät.nur sw.:
begunden
Part. Prät.
st. / sw.
begunnen, md. begunst, begonst.
 erkunnen ‘kennenlernen’, verkunnen ‘nicht kennen, verzweifeln’
Part. Prät. sw.:
Part.Prät. st.:
er-, verkunnet
er-, verkunnen
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
2.1.4.6.
45 / 71
Übungen: Besondere Verben
Übersetzen Sie die folgenden nhd. Formen ins Mhd.
1. daß ich gehe
11. du kannst (mügen)
2. er wußte
12. ich tue
3. wir konnten (mügen)
13. wir konnten (kunnen)
4. ich gehe
14. daß er tue
5. du sollst (suln)
15. du darfst (durfen)
6. er wagte (turren)
16. ich habe
7. daß ich habe
17. er wollte
8. wir wollen
18. brauchst du? (durfen)
9. weißt du?
19. ich gönne
10. du willst
20. du bist
2.1.5. Übungen: Verben
1) Wie heißt der Infinitiv der folgenden mhd. Präteritalformen?
1. er nerte
11. ich lief
2. er stiez
12. si biezen ‘schlagen’
3. si streich
13. wir verlur(e)n
4. wir slufen
14. si gelâgen
5. er schriet
15. si brunnen
6. si biten
16. er swüere
7. er hielte
17. si bunden
8. er riete
18. gesezzen
9. ez diuzet
19. du hôrtest
10. du sliche
20. ich slouf
2) Bestimmen Sie die Ablautreihen der folgenden Infinitive und geben Sie Stammformen und Ablautreihen an!
1. ligen
11. weten (‘binden’)
2. sprechen
12. riezen (‘weinen’)
3. vâhen
13. nagen (‘nagen’)
4. schînen
14. ber(e)n
5. fliegen
15. schelten
6. varn
16. walten
7. vinden
17. vrezzen
8. sîhen
18. slahen
9. sieden
19. swimmen
10. houwen
20. zîhen
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
3) Übersetzen Sie die folgenden nhd. Formen ins Mhd.
1. du warst
2. ich gehe
3. du wirst
4. er finde (Konj.)
5. ich schloff
6. du schlichst
7. es blühte (blüejen)
8. er sendete
9. du hörst
10. du hörtest
11. er trägt
12. du trägst
13. ihr hieltet
14. gingst du?
15. sie liehen
16. wir sprengten
17. wir lasen
18. ich kann nicht lesen
19. wir bannten (bannen, stV)
20. es rauscht (diezen, stV)
21. er brüllte (limmen, stV)
22. aufgesteckt (rîhen, stV)
23. er spie (spîwen, stV)
24. du verschlucktest nicht (swelhen, stV)
25. wir erlitten Qual (queln, stV)
26. wir quälten (sw.V.!)
27. er sagte (jehen, stV)
28. gesessen
29. du mahltest (maln, stV)
30. ich lieh
31. du bogst
32. du rietest
33. du hobst
34. wir kamen
35. gekommen
46 / 71
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
47 / 71
36. sie dankten
37. sie lösen
38. du löstest
39. sie banden
40. gebunden
41. sie sandten
42. ich zieh (zîhen)
43. du rochst
44. du hieltest
45. du schwurst
46. wir nahmen
47. genommen
48. sie warteten (nicht warten!)
49. sie brannten (brinnen, stV)
50. gebrannt (brinnen, stV)
51. sie brannten (brennen, swV)
52. ich genas
53. du fandst
54. du kannst (vermagst mügen)
55. stehlen (Inf.)
56. sie gediehen (gedîhen)
57. du bietest (bieten)
58. ich bot
59. du warfst (werfen)
60. du schiedst
61. sie gedeihen
62. ich werde
Übungsprogramm (zur Selbstkontrolle):26
1) In welche Ablautreihe gehören Formen wie mhd. du vlüge, büte, güzze ‘du flogst, botest, gossest’?
 6. AR 3)
 3. AR 7)
 2. AR 13)
2) Falsch! Ursprünglicher Endungsvokal war noch im Ahd. i. Er hat nicht nur Umlaut von a > e (Primärumlaut),
sondern auch Hebung von e > i bzw. eu > iu bewirkt. Dagegen haben die Endungsvokale a/e in Inf. und
Pl. Präs. Ind. sowie im gesamten Präs. Konj. Brechung hervorgerufen bzw. Hebung verhindert.
 zurück zu 13)
26 aus
Bauer / Haage 1986, S. 134ff
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
48 / 71
3) Falsch! Die Präteritalformen der 6. Ablautreihe werden mhd. durch uo gekennzeichnet. Der i-Umlaut als
Merkmal der 2.Sg.Prät.Ind. müßte somit üe lauten.
 Wie erklären Sie, daß dem nhd. du ludest ein mhd. du lüede entspricht?
 das Verb gehört in die 6. Ablautreihe mit Präteritalvokal uo; die alte Aoristendung (ahd. -i) hat im
Mhd. i-Umlaut bewirkt und ist durch Vokalabschwächung >e geworden. 4)
 das Verb gehört in die 2. Ablautreihe mit Präteritalvokal u; die alte Aoristendung (ahd. -i) hat im
Mhd. i-Umlaut bewirkt und ist durch Vokalabschwächung >e geworden. 5)
4) Richtig! - Bestimmen Sie Form und Ablautreihe von mhd. du trügest ‘du betrögst’!
 2.Sg. Prät.Konj., 2. AR 13)
 2.Sg. Prät.Ind., 2.AR 5)
5) Falsch! Die mhd. i-Umlaute ü, æ und üe (die als Präteritalvokale mit i-Umlaut nur in der 2.Sg. Prät.Ind. sowie
im Konj.Prät. auftreten können) sind so verteilt, daß ü+K in AR 2, ü+N/LK in AR 3a/b, æ in den AR 4
und 5 sowie üe in AR 6 auftreten. Die Endung -e ist der mhd. Rest des ahd. -i, einer alten Aoristendung,
die seit dem Ahd. Flexionsendung der 2.Sg. Prät.Ind. ist.
 zurück zu 1)
6) Falsch! Das mhd. -e als Endung der 1.Sg. Präs.Ind. geht auf ahd. -u zurück. Dieses aber hat Hebung von e > i
bewirkt.
 Bilden Sie die 2.Sg. Präs.Ind. des mhd. starken Verbs klieben ‘spalten’!
 du kliebest 2)
 du kliubest 10)
7) Falsch! Die 3. Ablautreihe weist im Pl.Prät. zwar ein u auf, das durch i-Umlaut in der 2.Sg. Prät.Ind. > ü wird,
aber stets nur in Verbindung mit Nasal/Liquid + Konsonant.
 Bestimmen Sie Form und Ablautreihe von mhd. du süngest ‘du sängest’!
 2.Sg. Prät.Ind., AR 3a 5)
 2.Sg. Prät.Konj., AR 3a 4)
8) Richtig! - Bilden Sie die Form der 3.Sg. Prät.Ind. des schwachen Verbs mhd. lemen ‘lemen’!
 er lem(e)te 14)
 er lam(e)te 11)
9) Richtig! - Welche schwachen Verben des Mhd. unterscheiden sich deutlich in der Art ihrer Flexion
voneinander?
 schwache Verben mit gleichbleibendem Wurzelvokal und schwache Verben mit wechselndem
Wurzelvokal 14)
 ôn-, ên- und jan-Verben 12)
10) Richtig! - Die mhd. Form er kiuset bedeutet ‘er wählt’. Wie lautet der Inf. des Verbs?
 kiusen 2)
 kiesen 9)
11) Hier sind die Bedingungen des Primärumlauts sowie des Rückumlauts zu beachten. Ein e in mhd. hengen
‘hängen’ kann nur Resultat des Primärumlauts von a > e sein, da altes idg./germ. e vor Nasalverbindung
> i hätte werden müssen. Es liegt also ein jan-Verb vor. Langwurzelige jan-Verben weisen Rückumlaut
auf: er hancte. Kurszsilbige jan-Verben dagegen unterlassen den Rückumlaut: mhd. lemen/lem(e)te,
legen/legete ‘lähmte, legte’. - Zurück zu 9)
12) Falsch! Diese Kategorisierung gilt noch im Ahd.. Doch schon dort ist das Bildungssuffix der jan-Verben > en geworden. Im Mhd. sind die ahd. ôn- und ên-Verben zusammengefallen (Infinitivendung -en). Es
bleibt daher mhd. nur noch die Unterscheidung zwischen normalen schwachen Verben mit
gleichbleibendem und schwachen Verben mit wechselndem Wurzelvokal.
Bilden Sie die 3.Sg.Prät.Ind. des schwachen Verbs mhd. hengen ‘hängen’!
 er hencte  11)
 er hancte  8)
13)Richtig! - Wie lautet die 1.Sg.Präs.Ind. des starken Verbs mhd. trëten ‘treten’?

 ich trite  9)
 ich trete  6)
14) Richtig! - Ende des Übungsprogramms.
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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2.2. Substantive
Deklinationsformen im Mhd.:
1. Vokalische / starke Deklination
2. Konsonantische / schwache Deklination
3. Besondere Formen der Deklination:
Verwandtschaftsnamen auf -er
Wurzelnomina.
Aus historischer Sicht unterscheidet man in der starken Dekl.:
 a-, ja-, wa- Stämme =
 ô-, jô-, wô- Stämme =
 i-, u- Stämme
=
Maskulina und Neutra
Feminina
Maskulina / Feminina / Neutra
Bei der schwachen Deklination lassen sich ebenso wie bei der starken ursprünglich einzelne Stämme
unterscheiden, je nach dem Konsonanten des Stammsuffixes:




es/-os-Stämme
r-Stämme
nt-/nd-Stämme (Partizipialstämme)
n- (an-, jan-, ôn-, jôn-, în-) Stämme
Diese n-Deklination hat im Germ. besondere Bedeutung erlangt: Die meisten schwachen Substanitve
werden wie die n-Stämme flektiert; schon im Germ. dient diese Flexion dazu, Adjektive zu
substantivieren, und schließlich kann schon im Germ. jedes Adjektiv wie ein Substantiv der n-Dekl.
flektiert werden. Im Nhd. geht der Pl. der gemischten Dekl. auf die n-Dekl. zurück.
 Mhd. > Nhd.:
Mit dem Zusammenfall vieler Kasusendungen im Mhd. auf Grund der Endsilbenabschwächung
fallen etliche im Ahd. noch klar unterschiedene Deklinationsklassen zusammen, die Trennung
zwischen den einzelnen Kasus geht z.T. verloren („Kasusnivellierung“):
Akk. = Nom. (schon mhd.)
Dat. Sg. fällt nhd. das im Mhd. fast immer noch vorhandene -e weg
Gen. wird im Nhd. oft ersetzt.
Im Pl. stimmen schon mhd. der Nom., Gen. und Akk. vielfach überein.
In der schw. Dekl. ist nur noch der Nom. von den übrigen Kasus unterschieden.
Die Kennzeichnung der grammatischen Form übernehmen andere Wortarten, die das Substantiv
begleiten und z.T. selbst noch die vollen Endungen besitzen, z.B. Pronomen und bestimmter Artikel.
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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2.2.1. Deklination der Substantive
Starke Substantive
Gen.Sg. -(e)s, -e oder endungslos:
z.B. Gen.Sg.Mask. des gastes, Gen.Sg.Fem. der êre, der kraft
Schwache Substantive
Gen.Sg. -(e)n,
z.B. Gen.Sg.Mask. des boten
2.2.1.1.
Starke Deklination
Maskulina: a-, ja-, wa- und i-Stämme.
Neutra: a-, ja-, wa-Stämme und Wörter mit Plural auf -er (lamp - lember, alte iz/az-Stämme)
Feminina: ô- , jô-, wô- und i-Stämme.
Maskulina
germ.
Sg.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Pl.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
a-Stämme
ja-Stämme
[erst ahd.] *hërdi(j)a‘Dienst’
‘Hirte’
[nhd. schwach!]
der tac
dienest
hirte
des tages
dienstes1) hirtes
dem(e) tage dienste
hirte
den tac
dienest
hirte
die tage
dienste
hirte
der tage
dienste
hirte
den tagen
diensten
hirten
die tage
dienste
hirte
*daga‘Tag’
wa-Stämme i-Stämme
*saiwa*gasti‘See’
‘Gast’
sê
sêwes
sêwe
sê
sêwe
sêwe
sêwen
sêwe
gast
gastes
gaste
gast
geste
geste
gesten
geste
 a-Stämme:
Mit Ausnahme des im Mhd. noch obligatorischen -e im Dat.Sg. gleicht die Flexion der nhd.
Bei den a-Stämmen mit umlautfähigem Vokal dringt der Umlaut im Plural in ausgehender mhd. Zeit
von den i-Stämmen her auch hier ein, so daß dann eine genaue Zuordnung zu den a- oder i-Stämmen
nicht möglich ist, z.B. noch die stabe - die stebe, die halme - die helme, die sarke - die serke ‘Särge’.
Ungebräuchlich ist der Umlaut mhd. noch bei boume, fademe ‘Fäden’, wolve.
 ja-Stämme:
Umlaut; Endungs-e in fast allen Formen (außer Gen.Sg. -es und Dat. Pl. -en) (< ja der Endung).
 wa-Stämme:
In den Formen mit Kasusendung ist das w des ursprünglichen Themas erhalten.
 i-Stämme:
Bei umlautfähigem Stammvokal im Pl. Umlaut: z.B. mhd. Nom.Sg. gast - Nom.Pl. geste (< ahd. gast,
gesti). Später hat sich der Umlaut als Pluralkennzeichen auch auf Wörter anderer Deklinationsklassen
ausgebreitet.
Mhd. Hinweise auf historische Klasse: w in Formen mit Kasusendung weist auf ursprüngliche
Zugehörigkeit zu den wa- Stämmen. Umlaut, Endungs-e als (unsichere) Indizien.
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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Neutra
germ.
Sg.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Pl.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
a-Stämme
ja-Stämme
wa-Stämme Plural auf -er
*worda*kunja‘knewa*lambaz-/‘Wort’
‘Fenster’ ‘Geschlecht’ ‘Knie’
iz‘Lamm’
daz wort
venster
künne
knie
lamp
des wortes
vensters künnes
kniewes
lambes
dem(e) worte venster
künne
kniewe
lambe
daz wort
venster
künne
knie
lamp
venster
künne
knie
lember
diu wort
der worte
venster
künne
kniewe
lember(e)
den worten
venstern künnen
kniewen
lember(e)n
venster
künne
knie
lember
diu wort
 a-Stämme:
Gegenüber den mask. a-Stämmen sind hier Nom. und Akk. Pl. endungslos, gleichen also Nom. und
Akk. Sg.
 ja-Stämme:
Bei umlautfähigem Stammvokal bewirkt die j-Erweiterung des Themas im Sg. und Pl. Umlaut. Der
Nom. und Akk.Sg. enden auf -e.
 wa-Stämme:
In den Formen mit Kasusendung zeigt sich noch das -w- des Stammes, z.B. Gen.Sg. kniewes, z.T. ist
das -w- allerdings bereits ausgefallen, z.B. Gen.Sg. knies.
 Substantive mit Plural auf -er:
Die Kasusendungen entsprechen der a-Deklination. Bei umlautfähigem Stammvokal tritt Umlaut in den
Pluralformen auf.
Noch im Mhd. breitet sich die Pluralbildung auf -er aus und erfaßt im Übergang zum Frnhd. sowohl
neutr. als auch mask. Substantive, z.B. ämter, böumer, geister, schilder, tücher. Bei einer Reihe von
Wörtern ergibt sich dadurch ein Nebeneinander von zwei Pluraformen, z.B. Schilde - Schilder, Tuche Tücher u.a. Im Lauf der Zeit ist dann z.T. Bedeutungsdifferenzierung eingetreten.
Feminina
germ.
Sg.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Pl.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
ô-Stämme
*gibô*talô‘Gabe’
‘Zahl’
diu gëbe
zal
der gëbe
zal
der gëbe
zal
die gëbe
zal
die gëbe
zal
der gëben zaln
den gëben zaln
die gëbe
zal
jô-Stämme
*brugjô‘Brücke’
brücke
brücke
brücke
brücke
brücke
brücken
brücken
brücke
wô-Stämme
‘klêwô‘Klaue’
klâwe
klâwe
klâwe
klâwe
klâwe
klâwen
klâwen
klâwe
i-Stämme
*krafti‘Kraft’
kraft
krefte, kraft
krefte, kraft
kraft
krefte
krefte
kreften
krefte
 ô-Stämme:
Alle Kasus des Sg. sowie Nom. und Akk.Pl. enden auf -e; Gen. und Dat.Pl. gehen auf -en aus.
 jô-Stämme
Ursprüngliche jô-Stämme sind brücke (auch schwach dekl.), helle ‘Hölle’, minne, rede, rippe.
Auswirkung des j (oder i): Umlaut, z.T. auch Doppelkonsonanz.
Hierher gehören auch die Fem. auf -în und -inne, z.B. vriundîn, vriundinne, daneben aber auch vriundin.
 wô-Stämme
haben im allgemeinen Doppelformen, z.B. klâ - klâwe (Nom.Sg.) und klân - klâwen (Gen., Dat.Pl.); ê êwe ‘Gesetz, Ehe’; wê - wêwe ‘Weh, Schmerz’, nar - narwe ‘Narbe’, swal - swalwe ‘Schwalbe’.
Ausnahmen: triuwe, riuwe ‘Reue’, ouwe ‘Aue’, varwe ‘Farbe’.
 i-Stämme:
Sie zeigen Umlaut bei umlautfähigem Stammvokal im Plural und Doppelformen (mit und ohne
Umlaut) im Gen. und Dat. Sg. (z.B.: diu burc - Gen.Sg. der bürge; hant)
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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2.2.1.2.
germ.
Sg.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Pl.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Maskulinum
*hanan*aran‘Hahn’
‘Aar’
der hane
ar
des hanen
arn
dem(e) hanen
arn
den hanen
arn
die hanen
arn
der hanen
arn
den hanen
arn
die hanen
arn
Schwache Deklination
Femininum
‘tungôn‘Zunge’
diu zunge
der zungen
der zungen
die zungen
die zungen
der zungen
den zungen
die zungen
Neutrum
*hërtôn‘Herz’
daz hërze
des hërzen
dem(e) hërzen
daz hërze
diu hërzen
der hërzen
den hërzen
diu hërzen
Eine Reihe mhd. Wörter endet auf -e, das aber zum Nhd. hin schwindet, z.B. hane, herzoge, schelme, stërne
‘Stern’ etc., andererseits tritt im Nhd. ein -n an das End-e des Nom.Sg., z.B. galge, brunne, knoche.
Schwache Neutra sind nur 4 Wörter: hërze, ouge, ôre, wange; mensche kann als Neutr., aber auch als Mask.
gebraucht werden.
 Mhd. > Nhd.:
Genuswechsel mhd. -nhd.:
Im Mhd. hat eine Reihe von Wörtern schwankendes Geschlecht:
Mask. u. Neutr.: borst (auch Fem. borste), mensche.
Mask. u. Fem.: âmeize, rëbe, rôse, slange, sunne etc.
Mhd. vorwiegend Mask.: angest, banc, hîrat, last, pîn (doch bereits mundartlich feminine
Entsprechungen, z.T. mit eigener fem. Form, vgl. pîne).
Entgegen dem Nhd. sind Mask. backe, blintslîche, höuschrëcke, karre, kol(e) (aber mhd. auch
st.Neutr.), schërbe, vanc, wade etc.
Wechsel von starker zu schwacher Deklination:
urspr. starke Mask. auf -en > nhd. schw. Mask. auf -e, z.B. raben > Rabe.
Schwankungen zwischen st. u. schw. Flexion sind mhd. häufig, z.B. gebûr- gebûre, hëlm - hëlme.
2.2.1.3.
Besondere Formen der Deklination
Verwandtschaftsnamen auf -er
Die Verwandtschaftsnamen auf -er bildeten urspr. eine einheitliche Flexionsklasse. Sie gehörten zu den
konsonantischen Stämmen. Im Mhd. kommen Formen mit und ohne Flexionsendungen nebeneinander vor. Für
den Plural gibt es auch umgelautete Formen in Analogie zu den i-Stämmen, z.B. veter(e).
Sg.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
vater
vater(es)
vater(e)
vater
Pl.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
vater(e), veter(e)
vater(e), veter(e)
vater(e)n, veter(e)n
vater(e), veter(e)
Die Fem. bleiben im Sg. unverändert; im Pl. werden sie z.T. wie ô-Stämme (Dat.Pl. muoter(e)n), z.T. wie iStämme (Dat.Pl. müeter(e)n) flektiert.
Wurzelnomina
Es handelt sich hier um einsilbige Substantive, an deren Wurzel unmittelbar die Flexionsendung trat, ohne
dazwischen gestelltes Thema.
man. Im Mhd. bleibt man entweder in allen Kasus des Sg. und Pl. endungslos, oder es richtet sich nach der aDeklination.
Sg.Nom.
Gen.
dat.
Akk.
man
man, mannes
man, manne
man
Pl.Nom.
Gen.
dat.
Akk.
man, manne
man, manne
man, mannen
man, manne
naht richtet sich nach der i-Deklination, behält aber auch seine umlautlose Form bei, vgl. ze den wîhen nahten. Der Einfluß von tages ermöglicht die adverbiale Form des nahtes.
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
Sg.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
naht
naht(e),
nähte
naht(e),
nähte
naht
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Pl.Nom.
Gen.
nahte, nähte
nahte, nähte
Dat.
nahten, nähten
Akk.
nahte, nähte
vuoz. Es flektiert meist nach der i-Deklination (als Maßbezeichnung wird es nach Zahlwörern unflektiert
verwendet), ebenso burc (Gen.Sg. der burc, der bürge), brust.
Personennamen
Personennamen können stark oder schwach flektiert werden.
Personennamen auf Konsonant flektieren stark: Maskulina, die auf Konsonant auslauten, werden wie aStämme dekliniert (im Akk.Sg. enden sie häufig auf -en), z.B. Parzival, Sîfrit. Mitunter sind dabei die
Flexionsendungen von Dat. und Akk.Sg. vertauscht, manchmal fehlen sie auch ganz. - Feminina, die
auf Konsonant enden, z.B. die Namen auf- burc, -hilt, -lint flektieren ebenfalls stark. Obwohl sie im
Nom.Sg. kein - e haben, richten sie sich nach der ô-Deklination.
Personennamen auf -e werden schwach dekliniert, z.B. Wate (Mask.), Hilde. Gelegentlich treten auch
endungslose Formen auf.
Sg.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Sîfrit
Sîfrides/-en, Sîfrit
Sîfride/-en, Sîfrit
Sîfrit, Sîfriden/-e
Sg.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Kriemhilt
Kriemhilde/-en, Kriemhilt
Kriemhilde/-en, Kriemhilt
Kriemhilt/Kriemhilden
2.2.2. Übungen: Substantive
1) Worin gründet das Fehlen des Umlautes in nhd. Formen wie allerhand und vorhanden, während das
Substantiv Hand im Plural umlautet?
2)Wie erklären Sie sich das Nebeneinander von nhd. Pluralformen wie z.B.: Schilde - Schilder, Tuche - Tücher,
Worte - Wörter?
3) Bestimmen Sie folgende Substantivformen (Genus, Kasus), nennen Sie alle Möglichkeiten!
diu vrouwe, die vrouwen, der vrouwen (= sw. F.)
diu kint, daz kint, der kinde (= st. N.)
der bürge (= sw. M. od. st. F.)
diu herzen (= sw. N.)
der krefte (= st. F.)
daz rîche, diu rîche (= st. N.)
daz wort, diu wort (= st. N.)
4) Erklären Sie die folgenden Substantivformen:
sê - sêwes / knie - kniewes / brâ - brâwe
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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2.3. Adjektive und Adverbien
2.3.1. Starke Deklination der Adjektive
Maskulina und Neutra folgen der a-Deklination der Substantive, Feminina der ô-Deklination.
Es stehen nominale und pronominale Formen nebeneinander (jeweilige Endungen nach der Flexion
des Nomens bzw. der Pronomina).
Sg.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Pl.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Maskulinum Neutrum
Femininum
blinder, blint blindez, blint blindiu, -e, blint
blinder(e)
blindes
blindes
blindem(e)
blindem(e)
blinder(e)
blinden
blindez, blint blinde
blinde
blindiu, (-e)
blinde
blinder(e)
blinder(e)
blinder(e)
blinden
blinden
blinden
blinde
blindiu, (-e)
blinde
*Die fettgedruckten Formen sind auf die nominale (substantivische) Flexion zurückzuführen. Die
fettgedruckten Formen im Nom.Sg.Mask./Neutr./Fem. und im Akk.Sg.Neutr. (= blint) werden auch
als unflektiert bezeichnet. Diese sog. unflektierten Formen sind durch lautgesetzlichen Schwund der
Endungen entstanden.
 1. endungslose Formen: = a-(ô-)Deklination: blint = tac, wort
 2. pronominale Formen: blinder, blindiu, blindez = der diu daz
2.3.2. Schwache Deklination der Adjektive
Die schwache Deklination des mhd. Adjektivs stimmt ganz mit der des schwachen Substantivs
überein.
 Einziger Unterschied zum Nhd.:
 Akk.Sg.Fem. auf -en (wie beim sw. Substantiv)  Nhd. auf -e:
mhd. ich sah die kleinen swalwen  nhd. Sg. oder Pl.: ich sah die kleine Schwalbe
oder die kleinen Schwalben.
Sg.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Pl.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Maskulinum
blinde
blinden
blinden
blinden
blinden
blinden
blinden
blinden
Neutrum
blinde
blinden
blinden
blinde
blinden
blinden
blinden
blinden
Femininum
blinde
blinden
blinden
blinden
blinden
blinden
blinden
blinden
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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2.3.3. Zum Gebrauch der Adjektivformen
Die starken und schwachen Formen des Adjektivs werden im Mhd. im allgemeinen in gleicher
Weise verwendet wie im Nhd.:
attributiv
stark oder schwach
prädikativ
im allgemeinen endungslos
1. schwache Formen nach
stark flektierten Formen
best. Artikel
Demonstrativpronomen
Plural des Pers.pron.
aller guoten vrouwen, eines (des, dises, mînes) lieben sunes
der guote ritter
disiu edele vrouwe
wir guoten ritter
2. starke Formen nach
(endungslosem) unbest. Artikel
(endungslosem) Possessivpron.
Sg. d. Pers.Pron.
ohne Artikel
ein guoter ritter
mîn guoter ritter
ich tumber mensche
guoter man
Jedoch können Abweichungen von der zu erwartenden Form auftreten:
In attributiver Stellung:
 Die starke nominale (sog. unflektierte) Form des Adjektivs kann neben der st.
pronominalen Form im Nom.Sg.Mask./Neutr./Fem. und im Akk.Sg.Neutr. verwendet
werden:
ein guot man ‘ein guter Mann’; lieht gesteine, ein junc man, ein guot frouwe.
 Nach dem bestimmten Artikel kann neben der allgemein gebräuchlichen sw.
Adjektivform auch das pronominal flektierte Adjektiv stehen:
ûz dem betouwetem grase.
 In der Anrede sind st. und sw. Formen möglich:
zieren helde, aber auch: guote liute.
 Ist das attributive Adjektiv nachgestellt, so wird meistens die nominale (sog.
unflektierte) Form benutzt,
z.B. den dëgen guot, von dirre maget guot, ein ritter gemeit
 seltener die pronominale,
z.B. ein wolken sô trüebez.
In prädikativer Stellung:
 Neben der gebräuchlicheren nominalen (sog. unflektierten) Form kann auch die
pronominale verwendet werden:
sîn jâmer wart sô vester, ich sach in tôten, er kom gesunder in daz lant.
 Selten erscheint hier die sw. Form:
er lît ze tôde erslagene.
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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2.3.4. Komparation
1. Bildungsweise von Komparativ und Superlativ
Mhd. stehen im Komparativ und Superlativ umgelautete und umlautlose Formen nebeneinander:
z.B.: alt - alter/elter, junc - junger(e)/jünger(e) -; lanc - langer/lenger.
Der Komparativ konnte im Ahd. mit -iro/-ôro und der Superlativ mit -isto/-ôsto gebildet
werden: Die Formen mit i riefen Umlaut des Wurzelvokals hervor.
Bildungssuffixe
ahd.
mhd.
-iro/-isto
-er / -est
-oro/-ôsto
ahd.
jung-iro
jung-ôro
Komparativ
mhd.
jünger(e)
junger(e)
Superlativ
ahd.
mhd.
jung-isto
jüng(e)ste
jung-ôsto
jung(e)ste
2. Suppletivsteigerung
guot
übel
michel ‘groß’
lützel ‘klein’
bezzer(e)
wirser(e)
mêre, mêrer(e), mêrre
minner(e), minre
bezzest, beste
wirsest, wir(se)ste
meiste
min(ne)ste, minnest
2.3.5. Adverbien
a) Bildungsweise mit Morphem -e (ahd. -o):
ahd.
ubil
ubilô/ubilo
Adjektiv
Adverb
mhd.
übel
übele
nhd.
übel
übel
b) Adjektiv und Adverb auf -e: Adjektiv mit Umlaut / Adverb ohne Umlaut:
Bei den ja/jô-Stämmen enden im Mhd. sowohl die unflektierte Adjektivform als auch das
Adjektivadverb auf -e. Der Stammvokal des Adverbs ist im Gegensatz zum unflektierten
Adjektiv nicht umgelautet, da beim Adverb im Ahd. anstelle des Themas i das Morphem -o
auftrat.
Adjektiv
Adverb
ahd.
skôni
skôno
mhd.
schœne
schône
nhd
schön
schon
z.B.: herte-harte, spaete-spâte, süeze-suoze, veste-vaste.
c) Adverbbildung mit -lîche/-lîchen:
Vor allem bei Adjektiven auf -ec/-ic und -isch:
z.B.: trûrec - trûreclîche; aber auch: ganz - ganzlîche.
d) Suppletivbildung: guot - wol
Aus einem anderen Stamm wird das regelmäßige Adverb zu guot gebildet: wol.
Daneben allmählich auch: guote.
Komparation. In der Regel werden die einsilbigen Adjektivadverbien ohne Umlautung des
Stammvokals gesteigert:
hôhe - hôher - hôhest.
Einige Sonderfälle der Steigerung des Adjektivadverbs sind
baz ‘besser’ - beste
ê ‘früher’ - êrs(e)
mê/mêr(e) ‘mehr’ - meist(e)
min/minner/minre ‘weniger’ - minn(e)ste
sît/sider/sint/sînt ‘später’
wirs ‘schlechter’ - wirs(e)st(e).
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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 Mhd. - Nhd.:
Schon im Spätmhd. wird die Endung der Adjektivadverbien mehr und mehr aufgegeben und der
Umlaut ausgeglichen, so daß im Nhd. Adjektiv und Adjektivadverb nicht mehr formal
unterschieden sind, abgesehen von lang - lange. Allerdings gibt es Formen, bei denen infolge
Bedeutungsdifferezierung von Adjektiv und Adjektivadverb der Umlaut auch im Nhd. nicht
ausgeglichen ist (fest und fast, schön und schon).
2.3.6. Übungen: Adjektive und Adverbien
1) Wie erklären Sie sich das Nebeneinander der Formen mhd. enge und ange ‘eng’?
2) Wie lautet das mhd. Adverb zum Adjektiv süeze ‘süß’?
3) Wie lauten die Adverbformen der folgenden Adjektiva?
1.
2.
3.
4.
5.
kleine
trûrec
veste
küene
swære
6. schœne
7. spæte
8. guot
9. senfte
10. trüebe
4) Zu welchen Adjektiven stellen Sie die folgenden Adverbformen?
ganzlîche
harte
suoze
baz
5) Welche Möglichkeiten der Adverbbildung gibt es im Mhd.?
6) Erklären Sie das Nebeneinander von Formen wie blâ - blâwer, grâ - grâwer.
7) Erklären Sie das Nebeneinander von Formen
alt - alter/elter, junc - junger(e)/jünger(e) - jung(e)ste/jüng(e)ste; lanc - langer/lenger.
8) Wie lautet der Positiv der folgenden Steigerungsformen:
bezzer(e)
wirsest
meiste
minner
9) Bilden Sie den Komparativ und Superlativ zu folgenden Adjektivformen:
lützel
michel
übel
10) Erläutern Sie die folgenden Beispiele zur Adjektivflexion!
er sah den dëgen guot
sîn jâmer wart sô vester
ein junc man
11) Wann wird im Mhd. im allgemeinen die starke, wann die schwache Adjektivflexion verwendet?
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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2.4. Pronomina
a) Personalpronomina
Pronomina der 1. und 2. Person
Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
1.p.Sg.
ich
mîn, mînes, mîner
mir
mich
2.P.Sg.
du, dû
dîn, dînes, dîner
dir
dich
1.P.Pl.
wir
unser
uns
(unsich) uns
Pronomina der 3. Person
3.P.Sg.
Mask.
Fem.
ër
si sî siu sie
(ës) sîn
ire ir
ime im
ire ir
(inen) in sie si sî
3.P.Pl.
sie sî si
ire ir
in
Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Nom., Akk.
Gen.
Dat.
Neutr.
ëz
ës (sîn)
ime im
ëz
siu sie sî si
b) Reflexivpronomina
Sg. Gen.
Dat.
Akk.
Pl. Gen.
Dat.
Akk.
Mask. /Neutr.
sîn
im(e)
sich
ir(e)
in
sich
Fem.
ir
ir
sich
c) Possessivpronomina
Sg. 1.P.
2.
3.
mîn
dîn
sîn, ir
Pl.1.
2.
3.
unser
iuwer
ir
d) Demonstrativpronomina. Artikel
Einfaches Demonstrativpronomen. Artikel
Sg.Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Pl.Nom. Akk.
Gen.
Dat.
Mask.
der
Neutr.
daz
des
deme
den
daz
die
diu
der(e)
den
Fem.
diu die
der(e)
der(e)
die
die
Zusammengesetztes Demonstrativpronomen
Sg. Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Pl.Nom. Akk.
Gen.
Dat.
Mask.
Neutr.
dirre diser ditze diz
dises
disem(e)
disen
ditze diz
diese
disiu dise
dirre dieser
disen
Fem.
disiu
dirre, diser
dirre diser
dise
dise
2.P.Pl.
ir
iuwer
iu (iuch)
iuch
Lichtblau: Mhd.Gramm.-Materialien
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e) Andere einfache Demonstrativa
ander ‚der zweite, der andere’; jener, jeniu, jenez; selp (Identitätspronomen)
f) Interrogativpronomina
Sg. Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Instr.
Mask./Fem.
wer
wes
wem(e)
wen
Neutr.
waz
wes
wem
waz
wiu
weder ‘welcher von beiden?’
welch ‘wie beschaffen?, welcher?’
Adverbialer Gebrauch u.a. der Fragepronomina:
wâ(r ‚wo’; war ‚wohin’; wannen ‚woher’
wie ‚wie’; wande ‚weshalb’
Pronominaladjektive:
g) Relativpronomina
 Demonstrativpronomina als Relativum: der, diu, daz.
 verallgemeinernde Relativa:
swer ‘wer immer’; swaz ‘was auch immer’
sweder ‘welcher auch von beiden’; swelch ‘welch auch’
swâ ‘wo auch’; swie ‘wie auch’
 Bildung von Relativsätzen aus Demonstrativsätzen + Adverbien:
wâ(r) ‘wo’; war ‘wohin’; wannen ‘woher’
wie; wande ‘weshalb’
h) Indefinitpronomina








‚jeder’: singularische Benennung aller Mitglieder einer Gruppe mit
gelîch + Gen. Pl.: manneglîch, mannelîch, menlich ‚jedermann’
gelîch + ie-: iegelîch, ieclîch, iegeslîch nhd. ‚jeglich’
welch + ie-: iewelch ‚jeder’
weder + ie- / ge-: ieweder, geweder ‚jeder’
deweder + ie-: ietweder ‚jeder von beiden’
‚man’: kann den einzelnen so wie die Gesamtheit vertreten
man + ie-: ieman, dazu: nieman ‚niemand’
‚mancher’: Bezeichnung mehrerer Mitglieder einer Gruppe durch
manec, etelîch (v.a. im Pl. ‚manche’), sumelîch ‚irgendeiner, mancher’
‚irgendeiner’: bezeichnet einen einzelnen aus einer Gruppe
sum, ein
ein + dech-: dechein, dehein, dekein, daraus: mhd. kein ‚irgendeiner’ (in dieser
Bedeutung bis ins 16. Jh.)
wer + etes-: etewer, eteswer
-lîch, -lich + etes-: etelîch, eteslîch, etzlîch
weder + dech-: dechweder, deweder ‚irgendeiner von beiden’
man + ie-: ieman ‚jemand’
‚keiner’: diese Wörter entstehen durch
-Verneinung pronominaler Bezeichnungen für ‚irgendeiner, einer von beiden, man’:
nechein, nekein, nehein (enhein, enkein); neweder, enweder ‚keiner von
beiden’; nieman
-Bedeutungsänderung von dehein ‚irgendeiner’ > dehein ‚keiner’ (zunächst nur in
Verbindung mit Negationspartikel, dann auch ohne)
‚alles’: al
‚etwas’: iht (ieht, icht, iet, ît, et); etewaz, etwaz.
‚nichts’: wiht ‚etwas’ + Negationspartikel ni oder unbest. Adv. nie ‚nie, durchaus nicht’:
niwiht, niewiht, niet, dann auch einsilbig (u.a.) als nieht, nicht, niuht, nît.
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3.
Syntax
3.1. Die Negation im Mhd.
3.1.1. Formen
1. ne / ne + niht
ichn weiz obe ich schoene bin.
si enwesten wie gebâren.
done torste ich vrâgen vürbaz.
dane wart jâmer niht vermiten.
ichn tar niht langer bî iuch wesen.
3. ne + andere Pronomina bzw. Adverbien statt niht (nieman, nie etc.)
niemen was ir gram.
daz ich nie schoener kint gesach.
ezne gebôt nie wirt mêre sîme gaste groezer êre.
4. ein bast, ein ber, ein blat, eine bône, ein brôt, ein ei, ein hâr, ein strô
si ne vorhtent niht ein bast uns.
wan ern gaebe drumbe niht ein strô
nun vürhte ich dîne stange unde dich niht eine halbe bône.
5. „Litotes“: lützel, wênec, kleine, selten
er hât uns nu vil lange lützel dienste getân. (= gar keinen Dienst)
dô sprach er grüezenlîche dar
ze Parzivâle: ders kleine (= wenig, nicht) war nam.
ir habet mir noch vil wênic her ze lande brâht.
swie selten (= nie) wîp mannes bite.
6. Häufung von Negationen
ichn gehôrt bî mînen tagen nie selhes niht gesagen.
daz in niht enschadete die ünde noch diu fluot.
diu minne ist weder man noch wîp.
daz er vordes noch sît deheine schoener nie gewan.
7. iht, ieman, ie, iemer, iender können in der Funktion von niht, nieman, nie, niemer, niender
verwendet werden:
a) Im selbständigen Satz:
‘ouwê’, sprach er, ’sun min, sol ich dich iemer gesehen?’ („werde ich dich niemals mehr
erblicken“ oder auch: „jemals wieder“)
‘nû sage mir: tuont sî dir iht?’ ‘sî lobtenz, taet ich in niht’ („sage mir, tun sie dir etwas/nichts?
- Sie wären froh, wenn ich ihnen nichts tun würde“)
wil ab iemen wesen frô, daz wir iemer in den sorgen niht enleben? („will / wird wieder
irgendjemand froh sein, so daß wir nicht weiter in Betrübnis leben?“ oder „will denn
niemand froh sein, damit wir nicht immer weiter in Betrübnis leben?“)
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b) Im abhängigen Satz:
Meist in daz-Sätzen und in von waenen abhängigen Sätzen ohne Negation. Modus im abhängigen Satz
ist meist der Konjunktiv.
ich waene man dâ iemen âne weinen vant („niemanden, der nicht weinte“)
den gebôt si daz si iemer ritters wurden lût („daß sie nie das Wort Ritter erwähnten“)
nû sihe ich gerne daz mich iuwer minne iht unminne („daß eure Liebe mich nicht hasse“)
maneger frâget waz ich klage unde giht des einen daz ez iht von herzen gê („daß es nicht von
Herzen komme“)
In daz-Sätzen, die von Verben mit prohibitiver Bedeutung abhängen oder von Verben / verbalen
Ausdrücken, mit denen in anderer Weise eine verneinende Vorstellung verbunden ist (z.B.: vermeiden,
leugnen, verhindern etc.), kann, für nhd. Sprachgefühl pleonastisch, eine eindeutige Negation
erscheinen:
jâ verbôt ich iu an den lîp daz ir niht ensoldet sprechen („ich verbot euch bei Gefahr des
Lebens, daß ihr sprächet“)
‘ich hete wol behüetet’, sprach diu küneginne, ‘daz, daz ich niht vermeldet hete sînen lîp’
(„ich hätte das wohl verhütet, daß ich ihn verraten hätte“)
Die Negation kann unter den genannten Voraussetzungen aber auch fehlen:
ich behüete wol daz, daz ich im kome sô nâhen (aber: ich kan daz wol bewarn daz ich im so
nahen nimmer sol gevarn)
3.1.2. Zur Negation in konjunktivischen Nebensätzen
a) Aussage des Hauptsatzes wird eingeschränkt:
„Negativ-exzipierende Sätze“ = durch ne negierte konjunktivische Sätze von exzipierender
Bedeutung:
nhd. „es sei denn, daß...“, „wenn nicht...“.
Geben eine Bedingung für eine Ausnahme von dem im Obersatz Ausgesagten an.
Die Aussage ist formal negiert oder dem Inhalt nach negativ, seltener positiv.
Im exzipierenden Satz steht immer der Konjunktiv. Er geht dem Obersatz voraus oder ist
nachgestellt.
diun ner dich, du bist ungenesen („du wirst nicht geheilt werden, es sei denn, daß sie dich
heilt“ - „wenn sie dich nicht heilt, wirst du nicht geheilt werden“)
dô riefens alle, ern taete sînen lewen hin, mit im envaehte nieman da („alle riefen, niemand
werde mit ihm kämpfen, es sei denn, daß er seinen Löwen wegsperrte“)
Fehlendes ne: Wenn der übergeordnete Satz negiert ist, kann ne im exzipierenden Satz ohne Ersatz
fehlen.
ich singe niht, es welle tagen („ich singe nicht, es sei denn, daß es Tag werden will“ - „ich
singe nur, wenn der Tag anbricht“).
Danne im exzipierenden Satz: Der exzipierende Satz kann zusätzlich das Adverb danne enthalten;
danne gewinnt allmählich die Funktion eines zusätzlichen formalen Charakteristikums dieses
Satztyps, nach dem Schwinden von ne im späteren Mittelalters bleibt es das einzige.
wir sîn vil ungescheiden, ez entuo dan der tôt („wir trennen uns nicht, es sei denn, daß der
Tod uns scheide“ - „nur der Tod kann uns trennen“).
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danne allein kann formales Kennzeichen des exzipierenden Satzes sein:
des sint ir iemer ungenesen got welle dan der arzat wesen („deshalb werdet ihr nie geheilt
werden, es sei denn, Gott wolle der Arzt sein“ - „nur Gott kann euch heilen“)
b) Aussage des Hauptsatzes wird erläutert: - nhd. „daß nicht...“, ohne daß...“, ohne zu...“,
Relativum + „nicht“.
dehein koufman hete ir site, ern verdürbe dâ mite („kein Kaufmann hätte diese ihre Art, ohne
dabei zugrunde zu gehen.“ - „jeder Kaufmann, der sich so verhielte, würde zugrunde
gehen“)
ich waene nieman in der werlde lebe, ern habe ein leit („ich glaube, niemand lebt in dieser
Welt ohne Sorgen“)
c) Aussage des Hauptsatzes wird ergänzt: - nhd. „daß“ oder Infinitiv + „zu“, ohne Negation.
Nach übergeordneten Sätzen mit formal verneintem Verb (niht vergezzen, niht verdriezen, niht erlân
etc.) erscheint in konjunktionslosen konjunktivischen Nebensätzen trotz positiver Aussage die
Negationspartikel ne. (Der übergeordnete Satz kann auch ein abhängiges hypothetisches Satzgebilde
ohne formale Verneinung sein.)
Parzivâl des niht vergaz ern holte sînes bruoder swert („Parzival vergaß nicht, seines Bruders
Schwert zu holen“)
diu maget enlie niht umbe daz si enwolde rîten vürbaz („das Mädchen ließ sich nicht davon
abbringen, weiterzureiten“)
Übungen: Übersetzen Sie die folgenden Beispielsätze:
1. den lîp wil ich verliesen, sine werde mîn wîp.
2. ern beschirme iuch eine, ir sît tôt.
3. in enwelle got behüeten, du muost in schiere verloren hân.
4. si sælic wîp enspreche ‘sinc’, niemer mê gesinge ich liet.
5. niemen kan erwenden daz, ez tuo ein edeliu frouwe.
6. ze kâmere enkunde ouch niht gesîn, Brangæne enmüese ez wizzen.
7. der vischære niht enliez ern tæte als in sîn herre hiez.
8. ouch enwart dâ niht vergezzen wirn heten alles des die kraft daz man dâ heizet wirtschaft.
9. desn ist dehein mîn gast erlân erne müese sî (die Riesen) bestân.
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3.2. Zu den Genitivkonstruktionen
1. Partitiver Genitiv:
er az daz brôt und tranc dâ zuo eines wazzers daz er vant.
Iwânet dô brach der liehten bluomen zeime dach.
wand ich sô lieber geste selten her gewunnen hân.
dar zuo ist êren mir geschehen.
mir kom so rehte lieber geste nie.
2. niemen + wan / danne:
ob iemen lebete wan sîn und dîn.
er hât hie niemen denne mîn.
3. Genitiv + sîn / werden:
daz er des tôdes müese wesen.
der van ist Hôrandes.
er wânde, er waere der vînde.
dû bist mir ze ungnaediges muotes.
4. Genitiv der Relation:
daz im prîses niemen glîchen mac.
si wurden des ze râte.
5. Genitiv drückt Ursache, Mittel, Modalität aus:
si vreuten sich ir jugent..
der rede si lachten.
des habent die wârheit sîne lantliute.
des einen slags daz ors lac tôt.
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3.3. Eingeleitete Nebensätze
3.3.1. Mhd. Konjunktionen
dâ 1)
dô 2)
sît 3)
wan (daz),
niuwan, niwan,
niht wan 4)
wande,
want, wan
5)
„da“,
„dort“,
„(dort,)
wo“
lokal
temporal
kausal
„damals“,
„(damals,)
als“
„nachdem“
,
„seit(dem)
“:
„da“,
„weil“:
„denn“,
„da“, „weil“
„außer“, „nur
nicht“, „nur“
„aber“, „sondern“
exzipierend
einschränkend
adversativ
einschränkend
konditional
„nur daß“, „wenn
nicht“, „wofern
nicht“
„warum
nicht“
fragend
„als“ (nach ander
und verneintem
Komparativ)
vergleichend
als, alsô siehe sô
alsam siehe sam.
1)
dâ
ist immer lokal:
1.
demonstrativ: „da“, „dort“:
dâ z’Arabîe „in Arabien“
modal: „bei der Gelegenheit“; im Anfang erläuternder Antworten:
dâ stên ich disen tieren bî „ich bewache diese Tiere“.
2.
relativ: „(dort,) wo“: der dâ; an die stat dâ „dorthin, wo“;
dâ mite „womit“
si vunden in dâ er lac „fanden ihn liegen, dort wo...“
danne, denne
Vergleichskonjunktion nach Komparativ „als“:
2)
dô
wîzer danne snê.
ist immer temporal: „damals“, „(damals,) als“
(mit Präteritum) „als“:
dô er sî sach, sî sprach.
Im Hauptsatz: „dann“, „da“:
dô rieten sîne vriunde, daz er... „da rieten seine
Freunde, daß er ...“;
adverbial: „damals“
(Übergang von der zeitlichen zur kausalen Bedeutung (nhd. „da“) zeichnet sich Mhd.
noch kaum ab: dô si niht solde genesen, dô erbarmete in ir nôt.)
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ob
konditional „wenn“:
waz töhte, ob ich mich selben trüge?
sam, alsam (vgl. sô)
vergleichend „(ebenso) wie“:
doch tete si sam („wie“) diu wîp tuont
mit Konjunktiv „wie wenn“, „als ob“:
man sach die ringe rîsen sam sî waeren von strô
(„...die Panzerringe fallen, als ob sie...“)
3)
sît (daz)
1. temporal „nachdem“, „seit(dem)“:
sît ich her wart verkouft, sô hân ich smaelîch arbeit gedolt;
mit Gen.:
sît des tages; sît des „seitdem“.
2. kausal „da“, „weil“:
er muoz verzagen als ein wip, sît wîbes herze hât sîn lîp
(„...weil er das Herz einer Frau hat“).
sô, alsô, als
1. vergleichend „wie“:
sô man sagt;
grüene sô der klê;
du tuost als diu kint;
er gie alsô der mit ellen in sturme werben kann; („wie einer, der“)
„wie wenn“, „als ob“:
ir gebâret als ir sît vrô;
2. temporal-konditional „wenn“ (sehr häufig):
daz wir in dem tôde sweben, sô wir aller beste waenen leben;
daz sol sîn getân, als wir komen widere;
3. sô adversativ „dagegen“:
ich bin heiden, sô ist diu vrouwe kristen.
swenne, swanne
temporal-konditional (immer mit temporaler Grundbedeutung) „jedesmal, wenn“, „wenn“:
swenne aber si mîn ouge an siht, seht sô tagt ez in dem herzen mîn;
swenn ir bejaget ir ungunst sô müezet ir gunêret sîn.
swie
konzessiv „obgleich“ (häufig):
swie er ein Sahse waere, im was dâ heime unmaere sich ze verligen.
und
1. nebenordnend, häufig mit Inversion des Subjekts, „und“:
sie wîsent uns zu himele und varent si (statt si varent) zer helle;
2. oft vor Konditionalsätzen mit Anfangsstellung des Verbs, „wenn“:
ich erkande in wol, und saehe ich in „...wenn ich ihn sähe“
3. relativ:
des scheltens unde („welches“, „das“) man ir tete;
öfter: die wîle und „die Zeit, die“, „solange wie“:
alle wîle und ich mac.
4)
wan (daz), niuwan, niwan, niht wan (entspricht stets dem englischen „but“)
1. exzipierend „außer“, „nur nicht“:
niemer niemen bevinde daz wan („außer“, „als“) er unt ich;
si truogen alle hungers mâl wan („nur nicht“) der junge Parzivâl;
einschränkend „nur“ (oft adverbial gebraucht):
dâ sterbent wan die veigen („nur die Todgeweihten“);
2. einschränkend-adversativ „aber“, „sondern“:
er nam für sich niht sorgen war wan („sondern“) lebete.
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3. einschränkend-konditional „nur daß“, „wenn nicht (gewesen wäre)“, „wofern nicht“:
ouch waere ich tôt von sîner hant wan daz („wenn nicht“) mir half mîn seneschalt;
wan diu tarnkappe („wenn die T. nicht gewesen wäre“, vgl. engl. „but for“) sie
waeren tôt dâ bestân;
4. vergleichend nach verneintem Komparativ oder ander „als“:
diu sprach niht mê wan ‘ouwê’;
der anders niht wan strîtes gert.
5)
wande, want, wan
1. kausal, wie nhd. „denn“ mit Hauptsatzwortfolge:
wan ich wil in gehorsam wesen und...;
„da“, „weil“ mit Nebensatzwortfolge:
der hiez der unbekante, wand in nieman da bekande;
2. fragend „warum nicht“:
wan minnest du mich?
und wünschend:
wan waer daz wâr! („wäre das doch wahr!“).
Übungen: Übersetzen Sie die folgenden Beispielsätze:
1. dô der sumer komen was...
2. dâ ich ie mit vorhten bat, dâ wil ich nu gebieten
3. dô in der rise komen sach, daz was sîn spot
4. dô diesiu rede was getân, dô sprach aber der guote man
5. sît daz wir von in schieden, hât in iemen iht getân?
6. des selben hân ich mich her wol behuot, sît ich ir gap beidiu herze unde lîp
7. ich gib dir strît, sît du des gers
8. si fuorten doch niht mêre niwan tûsent man
9. er ist anders denne wir gevar
10. sît diu selbe schulde niemans ist wan mîn
11. swie ich nieman liep si dan ir
12. ob ir zen Hiunen hêtet nieman danne mîn
13. daz tæt ich wunderlîchen gerne wan deich fürhte dîne lâge
14. si wære in dem leide erstorben, wan daz si der trost labete
15. der lewe wolt sich stechen durch den bûch, wan daz im der herre Iwein dannoch lebende vor schein
16. ich enacht niht ûf mîn leben und wære sunder zwîvel tôt, wan der hagel und diu nôt in kurzer wîle gelac
17. ich suochte sîne hulde, wan er was merre danne ich
18. ôwê, wan het ich iwer kunst!
19. Êve enhaetez nie getân / und enwaere ez ir verboten nie.
20. daz prîset in und sleht er mich.
21. ir sult wol lâzen schouwen und habt ir rîche wât.
22. Ich man’ iuch der genâden und ir mir habt gesworn..
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3.3.2. Abhängige Sätze mit besonderer Einleitung
Relativsätze
dâ „wo“
dar „wohin“
dannen „woher“
swâ „wo (auch immer)“
swar „wohin (auch immer)“
swannen „woher (auch immer)“
der, diu, daz
swer/swaz „wer, was (auch immer)“
swelch „welcher“
sweder „welcher von beiden“
sô; und (mhd. selten)
und + die wîle, alle wîle, al(le) die wîle
„solange“.
in eine gruft, dar selten kom des windes luft.
der besten vrühte ist er vol, sô ie ûf erden vunden wart.
die wile und er daz leben hat, so sol er mit den lebenden leben.
Indirekte Fragesätze
wâ „wo“
war „wohin“
wannen „woher“
wanne „wann“
wer/waz,
welch
weder „welcher von beiden“
wie „wie“
nune weste mîn her Iwein von wederm sî (die Stimme) waere von den zwein, von wurme ode
von tiere.
sî vrâget in, wannen er kaeme geriten.
Konjunktionale Nebensätze
Temporale Sätze
dô „als“
swanne / swenne „(jedesmal,) wenn“
sô „als, sowie, [dann] wenn“
alsô / alse / als „sowie“
die wîle „solange wie, während“.
unz (daz), biz (daz), „(solange) bis,
(solange) wie“
innen des, under des „indessen, während“
ê (daz) „bevor, ehe“
sît (daz) „seitdem, nachdem“
nu(n)(daz) „als [nun], wie nun, nachdem nun“
bidaz / bedaz „während dessen, daß..., indessen“
swie „sowie, (dann) wenn“; und „wie, sowie, als“ (selten)
dô in der rise komen sach, daz was sîn spot
swenn ir uns komet, ir werdent hôh enpfangen
sô si gedâht an Helchen, daz tet ir inneclîche wê
alse es danne zit si, so bin ich unde Isot da bi
den volgte ich eine wîle, unz daz ich eine burc ersach
sît daz wir von in scieden, hât in iemen iht getân?
Konditionale Sätze
ob „wenn“
und
swenne „wenn“, „sobald“
sô
swie
waz töhte ob ich mich selben trüge.
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Konzessive Sätze
doch „obgleich, wiewohl“
(s)wie „wiewohl, wenn auch, obgleich
aleine(e) „obwohl, obgleich“
ane „wenn gleich“
ob „wenn auch, wenn gleich“
doch er guot ellen trüege, Erec in von dem rosse schiet
daz die ringe von den knien zestuben, swie si waeren îserîn
alein er wêre niht rîch des guotes, doch was er rîch sinniges muotes
ob ez halt frou Kamille waere („und wäre es auch...“, „selbst Frau Kamille...“), ez wurde
iedoch versuocht an sie.
Kausale Sätze
sît (daz) „da, weil“
nû „da nun“
wand(e) / want(e) / wan(e) „da“, „weil“
(al) die wîle (daz): „da“, „weil“
durch daz „um des willen, daß..., deshalb weil“
für daz „dafür daß, weil“
umbe daz „dafür daß, weil“
sît ir michs niht welt erlân, so vernemet ez
nû wir der hereverte ledic worden sîn, sô wil ich jagen rîten
ich suochte sîne hulde, wan er was merre danne ich
Finale Sätze
durch daz
ûf daz
daz
„daß“, „damit“
dar umbe hât er sich genant, daz er sîner arbeit iht âne lôn belîbe.
Modal-konsekutive Sätze
daz
alsô, so, solh + daz
„so, daß“, „in der Weise, daß“.
dô sluoc der herre Sîfrit daz al daz velt erdôz
si striten alsô sêre daz al diu burc erscal.
Modale Sätze
so „wie, dementsprechend wie, wo wie“
so ie (+ Komparativ) - so ie (+ Komparativ) „je - desto“
als(o) „so wie, wie wenn, als ob“.
sam / alsam „(in gleicher Weise) wie“
swie „wie auch immer, ganz so wie, wie“
daz
danne „als“
ich wil iu gerne bewarn den lîp sô ich beste kan
sô ich ie mere zühte hân, sô ich ie minre werdekeit bejage
nû was der leu ûz komen, als ir ê habent vernomen
man sach die ringe rîsen sam sî waeren von strô
er beleip die naht swier mohte
irn habt keinen bezzern vriunt dan er ist.
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Zu den Nebensätzen mit daz
daz alleine oder in Verbindung mit Adverbien oder adverbialen Ausdrücken: unz daz, biz daz, durch
daz, fur daz, umbe daz, ûf daz; sît (daz), nû (daz), ê (daz), noch denne (daz), die wîle (daz), swenne
(daz).
Objektsatz: daz bediutet sich alsus, daz wir in dem tôde sweben
Modalsatz: ein ritter sô gelêret was daz er an den buochen las
Finalsatz: ich enhân niht rosses daz ich dar gerîte
Temporalsatz: der helt doch niene tranc ê daz der künic getrunke
3.4. Besonderheiten der Satzfügung
Sparsamkeit des Ausdrucks - Ellipsen
Nichtbezeichnung syntaktischer Glieder, die auch hätten bezeichnet werden können:
1. Nichtbezeichnung eines Pronomens:
nu binden ûf die helme.
wistich nu, waz getaete, waz rates hie zuo haete.
darnach ist ein tîer heizit panthera.
2. Nichtbezeichnung eines Infinitivs:
lâz dir mîn laster leit.
done mohte der gast weder vür noch wider.
3. Nichtbezeichnung des Verbums finitum:
hie slac, dâ stich.
si tâtenz dâ, wizzet daz, sô nie drî ritter baz.
sam mir got, so mir got (helfe); sam mir mîn lîp ...
4. Konstruktionen mit wan, niuwan:
jô braeche ich rôsen wunder, wan der dorn.
5. Nichtbezeichnung eines nominalen Objekts:
Wenn der Begriff sich aus der Situation in einem bestimmten Milieu als selbstverständlich ergibt, v.a.
im Bereich von Sondersprachen und der Sprache bestimmter sozialer Gruppen (z.B.:
Turnierterminologie):
rüeren, trans. = „in Bewegung setzen, antreiben, berühren“
mit sporn si vaste ruorten, die die juncfrouwen fuorten
(„heftig trieben mit den Sporen [die Pferde] an diejenigen, die die Jungfrauen wegführten“
sus kam er her gerüeret („kam eilends herangeritten“), als den der tiuvel vüeret.
rennen, trans. = „laufen machen, jagen, treiben“
waz hilfet daz man traegen esel mit snellem marke rennet?
ohne Objekt: „reiten, eilen“
an der selben stunde kam Marke gerant ze dem gevelle („ritt daher, kam angesprengt“)
sprengen, trans. (daz ors) = „das Roß springen lassen, galoppieren“
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Apokoinu
(< griech. apo koinou= „vom Gemeinsamen“)
Ein Satzglied ist zwei aneinanderstoßenden (fast immer) koordinierten Sätzen gemeinsam, und ist
grammatisch-syntaktisch doppelt zu beziehen, sowohl auf den vorangehenden Satz wie auf den
folgenden:
dô spranc von dem gesidele /her Hagene/ alsô sprach.
Gâwân an den zîten sach in der siule rîten / ein rîter und ein frouwen / moht er dâ beidiu
schouwen.
Das Apokoinu kann im zweiten Satz einen anderen syntaktischen Wert haben als im ersten Satz, wenn
die Form doppelte Auffassung gestattet (Kasusdivergenz):
heiz Hôranden bringen: dem ist wol erkant / alle site Hagenen (Subj./Akk.-Obj.) / hât er wol
gesehen
Anakoluth
Satzfügungen, in denen eine begonnene Konstruktion nicht in der zu erwartenden Weise weitergeführt
wird, sondern unvermerkt in eine andere Konstruktion übergeht. Es handelt sich um
Konstruktionsmischungen, wie sie in der gesprochenen Sprache häufig begegnen; auch bewußt als
stilist. Mittel gebraucht.
1. Ein durch einen Gliedsatz unterbrochener Hauptsatz wird anders fortgesetzt wird, als es die
Konstruktion verlangt:
nû chundet uns daz buoch sus, daz der priester, der hêrre Eusêbius, di wîl er jungelinch was, /
in den swarzen buochen er las.
2. Wechsel von indirekter zu direkter Rede, im selben Satz, innerhalb einer Satzperiode oder auch an
sie anschließend (selten: Übergang von direkter Rede zu indirekter).
3. Wechsel der Konstruktion bei gleichwertigen Satzgliedern („syntaktische Dissimilation“): z.B.
Wechsel einer konjunktionslosen Form eines abhängigen Satzes mit einer solchen mit
Konjunktion:
dô sagete man ir umben grâl, daz ûf erde niht so rîches was, unt des pflaege ein künec hiez
Anfortas
Dazu gehören auch Fälle, in denen und daz / oder daz an die Stelle einer anderen Konjunktion tritt, die
zu wiederholen gewesen wäre; es nimmt damit die einleitende Konjunktion des voraufgehenden
Satzes auf und ist wie jene zu übersetzen:
dô gote wart gedienet unt daz man dâ gesanc, mit ungefüegem leide vil des volkes ranc („Als
die Totenmesse gehalten war und man den Gesang beendet hatte ...“)
Wenn einem Relativsatz ein zweiter syntaktisch gleichwertiger durch und angeschlossener folgt, wird
nicht das Relativpronomen wiederholt, sondern das Personalpronomen der 3. Person gesetzt:
die haiden die dô dâ wâren unt si diu grôzen wunder vernâmen
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3.5. Zum Aufbau komplexer Sätze
Verbindung eines übergeordneten Satzes mit einem untergeordneten Satz
Einschaltung von Gliedsätzen
a) Einschaltung eines abhängigen Satzes (= Konditionalsatz oder konjunktionslos) in den
übergeordneten Satz:
nu gich, wellestu genesen, sicherheit.
und ouch diu erbe mîn, erwirbest duz mit sterke, diu sulen dir undertaenec sîn.
b) Einschaltung eines Relativsatzes vor das Satzglied, das er ergänzt:
des dînen guoten willen gibe ich dir ze lône, die ich tragen solte, mîner muoter Gêrlinde
krône.
c) Relativsatz wird dem übergeordneten vorangestellt:
dar nâch ie ranc mîn herze, wie wol ich daz verendet hân.
d) Einschaltung des übergeordneten Satzes in den abhängigen Satz:
ist iemen baz enpfangen, daz ist mir unbekant, dan die helede maere in Sigemundes lant.
Verbindung eines übergeordneten Satzes mit mehr als einem untergeordneten Satz
a) Untergeordnete Sätze folgen nach dem Grad ihrer Abhängigkeit:
nu helfe dir des hant, dem aller kumber ist bekant, ob dir sô wol gelinge, daz dich ein slâ dar
bringe, aldâ du Munsalvaesche sihst, dâ du mir dîner freuden gihst.
b) Untergeordneter Satz niedereren Grades steht vor dem untergeordneten Satz höheren Grades, der
Hauptsatz folgt den beiden untergeordneten oder geht beiden voran (Betonung):
wa man in verhouwen solde, do er daz an mir ervant, wie moht ich des getrouwen daz er im
trüege haz?
c) Vorangestellter Relativsatz als Subjekt eines folgenden Satzes (wird in diesem durch
Personalpronomen wiederaufgenommen):
mîn gedinge ist, der ich bin holt mit rehten triuwen, dazs ouch mir daz selbe sî.
QUELLEN
Bauer / Haage 1986
Bauer, G./B. D. Haage: Einführung in die diachrone Sprachwissenschaft. Göppingen
1986 (= GAG 459). (Übungsprogramme)
Helm / Ebbinghaus 1980 Helm, K./E. A. Ebbinghaus, Abriß der mittelhochdeutschen Grammatik. 5.Aufl.
Tübingen 1980.
Mettke 1989
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