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GS-Kursmaterialien
Geographie und Schule, Heft 189
Entwicklung mitteleuropäischer Städte
Stadtgenese als Ausgangspunkt heutiger Strukturen und Prozesse im urbanen Raum
Erwartete Schülerleistung
Aufgabe 1
a) Gliedern Sie aus der vorliegenden Topographischen Karte von Koblenz die stadtgenetischen Phasen
heraus, indem Sie sie farblich markieren und in der Legende entsprechend eintragen.
Lösung siehe unten – Kartenblatt
b) Beschreiben Sie ihre charakteristischen Merkmale.
Die mittelalterliche Stadt zeigt den typischen Grundriss dieser Epoche. Durch die verkehrsgünstige
Lage am Fluss Mosel („Brückenstadt“) entsteht eine halbkreisförmige Anlage, wobei dieser Straßenring die ehemalige Befestigung (Mauer oder Wälle) markiert. Innerhalb dieses Halbkreises findet man
ein wenig geregeltes Netz von Straßen und Plätzen sowie, ebenfalls typisch, eine Hauptkirche (siehe
Foto M3). Einige Straßen führen aus dem Ring heraus und kennzeichnen so die Lage der früheren
Stadttore.
Ebenfalls am Fluss, diesmal jedoch am Rhein, befindet sich der Teil der Stadt, der auf den Absolutismus zurückgeht. Dominiert wird er vom Schloss des absolutistischen Herrschers, hier einem sächsischen Kurfürsten (siehe M1). Diese Schlossanlage setzt sich in unmittelbarer Nähe im Straßenverlauf
fort. Die übrigen Gebäude waren für Hofbeamte, Handwerker etc. bestimmt. Straßen und weitere
Gebäude waren bzw. sind also auf das Schloss ausgerichtet.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sorgte die Industrialisierung für ein zwar ebenfalls geregelten, jedoch ganz anderen Grundriss. Die Straßen verlaufen parallel zueinander, an ihren Kreuzungen oder dort, wo sie von einer Diagonalen geschnitten werden, entstehen Plätze. Neben diesem
regelmäßigen, geplanten Straßennetz, wird die Blockbebauung zum zweiten charakteristischen
Merkmal. Die Straßenfronten weisen in der Regel eine lückenlose Bebauung auf.
Im Südwesten des Kartenausschnitts sieht man eine Großwohnsiedlung (Karthause) mit ihren typischen Elementen: durchgeplante und durchstrukturierte Anlage; unterschiedliche Haustypen vom
Hochhaus im NW bis hin zu Reihenhäusern und freistehenden Einfamilienhäusern im SO; Öffentliche
Gebäude (eventuell Schulen, Einkaufszentrum) und möglicherweise Gewerbe-Bauten; ein hierarchisiertes Straßennetz, ausgehend von einer zentralen Durchgangsstarße.
Aufgabe 2
Wählen Sie zwei Teilräume aus und erläutern Sie die Entwicklungen, die zu ihrem heutigen
Erscheinungsbild geführt haben.
Hier werden kurz alle vier Teilräume vorgestellt:
Mittelalterlicher Teil: Die Lage am Fluss war gleichzeitig verkehrsgünstig als auch strategisch günstig.
Dadurch entstand ein Städtewachstum, das sich jedoch räumlich und bevölkerungsmäßig nur langsam vollzog. Von daher wurde relativ ungeregelt gebaut, so wie man gerade Wohn- und Arbeitsraum
brauchte. Da die meisten Städter nicht über große Einkommen verfügten, waren Bebauung und Straßennetz meist relativ kleinteilig und eng. Zum Schutz der Stadt wurde eine Stadtmauer errichtet, die
für eine starke Abgrenzung vom Umland sorgte und erst spät abgerissen wurde. Die Brücke über die
Donau stärkte die Stellung der Stadt, besonders auch in wirtschaftlicher Hinsicht.
Absolutistischer Teil: Die Fürsten des Absolutismus ahmten vor allem die französischen Könige nach.
Das Schloss des Herrschers sollte, genau wie das Versailler Vorbild, seine Macht und zentrale Stellung
zum Ausdruck bringen. Hier wurde es an den Rhein gelegt, wahrscheinlich wegen der Attraktivität
dieser Lage. Die Zentrierung der Siedlung auf das Schloss wird absichtlich im Straßengrundriss deutlich: Die zentrale Achse vor dem Schloss setzt sich in der dazugehörigen Stadt fort, ebenso wie bestimmte Formen, hier z.B. die Bögen. Insgesamt entsteht eine im Gegensatz zum Mittelalter strukturierte, geplante Anlage.
Industriezeitalterlicher Teil: Auch wenn die Industrialisierung in Koblenz nur bescheidenen Umfang
hatte, erkennt man doch die räumliche Nähe dieser Viertel zum Gewerbe. Diese Nähe war aufgrund
fehlender Mobilität der Arbeiter zwingend erforderlich. Für die neue, schlecht verdienende Arbeiterklasse musste also billiger Wohnraum geschaffen werden – daher die Blockbebauung. Es handelt sich
um mehrgeschossige Mietshäuser für die vom Land auf der Suche nach Arbeit in die Stadt strömenden Menschen („Landflucht“).
Großwohnsiedlung: Nachdem mit zunehmendem Wohlstand nach dem „Wirtschaftswunder“ die
Suburbanisierung einsetzte, begann eine unkontrollierte Zersiedelung des Umlands. Gleichzeitig fand
in den Innenstädten durch deren Tertiärisierung eine Verdrängung der Wohnbevölkerung statt. Und
drittens schließlich benötigten viele junge Familien mit Kindern (es war die Zeit der hohen Geburtenraten) preiswerten Wohnraum. Auf der Basis dieser Gründe entstanden die Großwohnsiedlungen an
den Rändern der Städte. Eine konzentrierte Bebauung bremste die Zersiedelung, das Vorhandensein
von Hochhäusern schuf preiswerten Wohnraum, und die zum Rand hin niedriger werdende Bebauung bediente einkommensstärkere Gruppen. Verknüpft wurde die Großwohnsiedlung mit der Stadt
durch eine größere Straße. Doch um einem ausufernden Pendlertum vorzubeugen, entstanden Versorgungseinrichtungen vor Ort und oft wurde auch Gewerbe angesiedelt.
Aufgabe 3
Die Aussage lässt sich am besten belegen, wenn man einen der vorher skizzierten Teilräume als Beispiel nimmt, wie den mittelalterlichen Stadtkern:
Er ist aufgrund seiner historischen Vergangenheit räumlich klein und vom Grundriss her eng und unregelmäßig. Seit den 1970er Jahren hat sich aber dieser Kern in den mitteleuropäischen Städten zur
City gewandelt, d.h. dass ausgerechnet der engste Stadtteilraum zu dem mit der höchsten Funktionalität geworden ist. Höchste Arbeitsplatzdichte und höchste Dichte an tertiären Einrichtungen mit den
hier entstehenden Besucherströmen generieren ausgerechnet hier ein extrem hohes Verkehrsaufkommen. Die Zielkonflikte, vor die die Stadtplaner aufgrund der Genese dieses Teilraums gestellt
werden, erfahren eine Verschärfung dadurch, dass sich zumindest teilweise City und Altstadt überschneiden. Es ergibt sich die Notwendigkeit des Denkmalschutzes, auch wegen der touristischen
Funktion und wegen des Freizeitwerts dieses Raums.
Alles in allem liegt es also in der Genese der heutigen Innenstadt begründet, dass sie einen der anspruchsvollsten, komplexesten und umstrittensten Räume für die aktuelle und zukünftige Stadtplanung darstellt.
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