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Pressezentrum
Dokument 4225 PF
Sperrfrist:
Samstag, 31. Mai 2003; 13:00 Uhr
Veranstaltung:
Pressekonferenz
Titel:
Referent/in:
Dr. Elisabeth Raiser, Versoix/Schweiz
Ort:
Pressezentrum
Programm Seite:
Wir können heute eine erste Bilanz dieses ersten Ökumenischen Kirchentages (ÖKT)
ziehen. Meine Beobachtungen gliedern sich unter den folgenden Thesen:
Der Kirchentag ist ein Fest des Glaubens und zugleich ein Forum für die Suche nach
Glauben.
Es gibt zur Ökumene keine Alternative.
Auf dem Kirchentag herrscht eine Kultur des offenen und ehrlichen Dialogs.
In politischen Fragen bietet der Kirchentag ein Forum für Visionen von Kirche und
Gesellschaft und für neue Lösungsansätze.
Der Blick nach Osten spielt bei diesem Kirchentag eine wichtige Rolle.
Der Zusammenhang von Demokratie, Frieden, weltweiter Gerechtigkeit und nachhaltiger
Entwicklung wird auf diesem Kirchentag mit Händen greifbar. Das Trio Gerechtigkeit,
Frieden, Bewahrung der Schöpfung hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt.
Zu 1.
Die groen ökumenischen Gottesdienste des ÖKT waren überfüllt und geprägt von einer
konzentrierten und mitgehenden Frömmigkeit. Man merkte den Menschen die Freude an der
Gemeinsamkeit im Glauben an. Die am besten besuchten Veranstaltungen waren Vorträge
und Foren zu Glaubensfragen, beispielsweise das Podium „Sehnsucht nach religiöser
Heimat“ oder „Christ sein in der Welt von heute“. Die Bibelarbeiten luden in ihrer
ausnahmslos hohen Qualität zur Vertiefung des Glaubens ein. Gefreut hat mich, dass an
vielen Stellen gelacht wurde und spürbar war, dass der Glaube nicht nur eine tiefernste,
sondern auch eine heitere Sache ist.
Zu 2.
Es gibt zur Ökumene keine Alternative. Der ÖKT hat gezeigt: Die Menschen fühlen sich als
Träger der Ökumene und wollen die volle ökumenische Gemeinschaft. Alle Aussagen dazu
wurden mit einem rauschenden Beifall bedacht. Die Teilnehmenden am ÖKT sind bereit,
dafür selber viel einzusetzen, und sie erwarten von den Kirchenleitungen dringend weitere
Schritte, damit diese volle Gemeinschaft bald erreicht wird. Mir scheint, die Kirchenleitungen
müssen sich sputen, die anstehenden Fragen des Kirchen- und Amtsverständnisses intensiv
weiter zu diskutieren, und aus hoffentlich bald erreichten Annäherungen Konsequenzen
ziehen. Denn was helfen die Gespräche, wenn sich in der Praxis der gegenseitigen
Anerkennung nichts ändert?
Dabei wollen die Christen die Vielfalt im Glauben nicht aufgeben. Im Gegenteil, sie
empfinden sie als eine Bereicherung.
Text wie von Autor/in bereitgestellt. Es gilt das gesprochene Wort.
Veröffentlichung nur mit Genehmigung der Verfasserin/des Verfassers.
2
Der interreligiöse Dialog hat durch den Kirchentag einen wichtigen Impuls an der Basis
erfahren. Das christlich-jüdische Zentrum und Lehrhaus sowie das christlich – islamische
Zentrum wurden sehr gut besucht. In dieser Richtung müssen wir weiter gehen.
Zu 3.
Auf dem ÖKT herrscht eine Kultur des offenen und ehrlichen Dialogs. Sowohl in Fragen des
Glaubens und der Ökumene, wie in gesellschaftlichen und politischen Fragen wurden die
Gespräche mit groer Konzentration und einem spürbar engagierten Interesse an der
Position der Dialogpartner geführt. Streit bleibt dabei nicht aus, er wird jedoch fair
ausgetragen und ist lösungsorientiert. In allen politischen Debatten, selbst in Predigten, die
politische Themen aufnehmen, wurde deutlich, dass die alten Lösungsmodelle nicht mehr
funktionieren. Der Kirchentag ist ein Forum für neue Ideen, für Visionen von Kirche und
Gesellschaft, die Leitbilder für tatsächliche Politik sein können. Dabei hatte man den
Eindruck, dass sehr viele der Teilnehmenden auch zum Verzicht auf Erreichtes bereit sind,
wenn damit neue zukunftsfähige Lösungen befördert werden können.
Zu 4.
Der Blick nach Osten spielt beim ÖKT eine wichtige Rolle. Das gilt sowohl politisch wie
kirchlich. Wir brauchen nicht nur eine politische, sondern eine ökumenische Osterweiterung
und eine bessere Kenntnis der Orthodoxie. Dazu hat der Kirchentag wichtige Schritte getan.
Zu 5.
Der Zusammenhang von Demokratie, Frieden, weltweiter Gerechtigkeit und nachhaltiger
Entwicklung wird auf diesem Kirchentag mit Händen greifbar. Das Trio Gerechtigkeit,
Frieden, Bewahrung der Schöpfung hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Man sollte als
viertes Freiheit und Menschenwürde dazusetzen.
In zahlreichen gesellschaftspolitischen Veranstaltungen wurde deutlich, wie wichtig diese
sozialethischen Werte christlicher Tradition für die Gestaltung einer humanen und
nachhaltigen Politik auf nationaler, europäischer und globaler Ebene sind. Kein Friede ohne
Demokratie, keine Gerechtigkeit ohne Friede, keine Nachhaltigkeit ohne Gerechtigkeit, keine
Demokratie ohne Friede. Und man könnte die Begriffe jeweils vertauschen. Zweifellos ein
Höhepunkt des ÖKT mit dieser Botschaft war der Hauptvortrag von Bundestagspräsident
Wolfgang Thierse, aber auch anderer prominenter Redner und Rednerinnen aus der Politik.
Die Nähe der Politiker und ihre Gesprächsbereitschaft waren ein weiterer wichtiger Akzent.
Wie Frau Woldt gestern schon sagte: Das war Demokratie zum Anfassen.
Ein Letztes:
Ein groer Erfolg sind das Jugendzentrum und die vielen Open-air-Konzerte und
Veranstaltungen in der Stadt. Hier sind sich die Berliner und vor allem die Jugendlichen
begegnet. Der Empfang durch Berlin, aber auch durch Potsdam ist überwältigend.
Text wie von Autor/in bereitgestellt. Es gilt das gesprochene Wort.
Veröffentlichung nur mit Genehmigung der Verfasserin/des Verfassers.
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