Entstehung des neuen Testaments

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Entstehung des neuen Testamentes
Johannes Varga, 5AK
Entstehung des neuen Testaments
Inhaltsverzeichnis
Die Bibel ..................................................................................................................... 3
Die Entstehung des neuen Testamentes .................................................................... 4
Das Verhältnis vom Neuen zum Alten Testament ................................................... 4
Entstehung und Eigenart der einzelnen Schriften des NT....................................... 5
Evangelien .............................................................................................................. 6
Ähnlichkeiten und Unterschiede der Evangelien ................................................. 7
Andere neutestamentliche Schriften ....................................................................... 9
Umfang und Text des Neuen Testamentes ................................................................ 9
Das Neue Testament: Ein Buch der Kirche, der Gemeinschaft .............................. 9
Andere, nichtkanonische Schriften aus neutestamentlicher Zeit ........................... 10
Der Text und seine Überlieferungen ..................................................................... 11
Die Heilige Schrift: Ein Buch des Lebens ................................................................. 12
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Die Bibel
Die Bibel galt und gilt noch heute in der abend- und morgenländischen Welt als das
Buch schlechthin. Die Bibel ist als schriftliches Dokument 2000 bis 3000 Jahre alt
und stammt aus dem altorientalischen bzw. griechisch-hellenistischen Kulturkreis.
„Bibel“ (griechisch: Biblia nach dem Hafen Byblos, dem Umschlagplatz des ägyptischen Papyrus) heißt ursprünglich Blatt, später Buch; schließlich wird „Bibel“ zur Bezeichnung des „Buches der Bücher“. Diese Bezeichnung gibt an, dass die Bibel das
wichtigste, das entscheidende Buch ist. Hier wird etwas geboten, was kein anderes
Werk bieten kann, nämlich die Bibel ist das Wort Gottes zum Heil der Menschen. Von
Hieronymus (einem der bedeutendsten Bibeltheologen im 4./5. Jhd.) stammt der
Ausspruch: „Die Schrift nicht kennen, heißt Christus nicht kennen“. Die Bibel erzählt
und macht offenbar, dass Gott in unserer menschlichen Geschichte wirkt, dass in
Jesus von Nazaret das Wort Gottes Mensch geworden ist.
Die Bibel, auch Heilige Schrift genannt, ist nicht ein Buch, sondern eine Sammlung
von vielen Einzelschriften. Die Bibel hat zwei große Teile: das Alte Testament und
das Neue Testament:

46 Bücher des Alten Testamentes

27 Bücher des Neuen Testamentes
Das Wort „Testament“ ist in diesem Zusammenhang nicht als letzter Wille eines
Sterbenden zu verstehen, sondern als Urkunde des Heilswillens Gottes.
Die 73 Einzelschriften waren ursprünglich unabhängig voneinander und haben eine
recht unterschiedliche Entstehungsgeschichte.
Die Einteilung des neuen Testamentes:
a) Evangelien nach
Matthäus
(Mt)
Markus
(Mk)
Lukas
(Lk)
Johannes
(Joh)
b) Apostelgeschichte (Apg)
c) Briefe und Lehrschriften: 13 paulinische Briefe + Hebräerbrief
7 katholische Briefe
d) Offenbarung des Johannes
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Worterklärungen:
„Evangelium“ kommt vom Griechischen und heißt „Gute Nachricht“ oder „Frohbotschaft“ oder „Siegesnachricht“.
„Paulinisch“ nennt man Briefe, die vom Apostel Paulus oder von seinen Schülern verfasst worden sind.
„Katholische“ Briefe („katholisch“ = umfassend) sind an keine spezielle Gemeinde
gerichtet.
Die Entstehung des neuen Testamentes
Die frühesten Schriften des Neuen Testaments sind die Briefe des Apostels Paulus.
Die Worte Jesu und die Erzählungen über sein Wirken wurden zunächst mündlich
weitergegeben; erst als der zeitliche Abstand zu den Ereignissen wuchs, entstand
das Bedürfnis nach schriftlicher Auszeichnung. Auf diesem Weg sind die Evangelien
entstanden. Fast alle neutestamentlichen Schriften wurden noch im 1. Jahrhundert
n.Chr. verfasst. Damals wie auch später gab es daneben noch eine Vielzahl von
Schriften, die im Titel vorgaben, Evangelien, Apostelgeschichten oder Jüngerbriefe
zu sein, aber die Botschaft von Jesus Christus oder die Lehre der Apostel aus eigener Sicht wiedergaben. Deshalb musste die frühe Kirche eine Entscheidung fällen,
welche Schriften als verbindlich galten. Dabei gab es, durch örtliche oder personelle
Gegebenheiten bestimmt, Unterschiede in der Auswahl. Am Ende des 2. Jahrhunderts n.Chr. stand jedoch das Neue Testament im Wesentlichen in seinem heutigen
Umfang fest. Die Auseinandersetzungen der Folgezeit führten im 4. Jahrhundert zur
endgültigen Festlegung eines "Kanons" (d.h. wörtlich "Richtschnur" von 27 Schriften,
der seitdem in allen großen Kirchen Geltung hat. In den 27 Schriften des Neuen Testaments wird entfaltet, was Jesus Christus für den einzelnen Menschen und für das
Heil der ganzen Welt bedeutet.
Das Verhältnis vom Neuen zum Alten Testament
Es mag zutreffen, dass man das Alte Testament fast nur durch die Zitate im Neuen
Testament kennt. Für Jesus selbst, für die Apostel und die Urgemeinden ist das AT
die Hl. Schrift. Die Urkirche erklärt mit Aussagen aus dem AT, was mit und durch Jesus geschehen ist. Die apostolische Kirche weist anhand von Schriftstellen aus dem
Alten Testament nach, dass Jesus der Messias ist. Diese Beispiele mögen genügen,
um zu zeigen, dass das AT für Jesus und die Urkirche die Heilige Schrift war und als
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solche anerkannt wurde. Wenn die Kirche diese Schriften als Altes Testament bezeichnet, soll gesagt werden, dass sie in ihm die Erzählung vom Heilshandeln Gottes
an Israel und den Menschen sieht; dieses Heilshandeln Gottes findet seinen Höhepunkt in Jesus Christus. Die Hl. Schrift des AT und NT ist als die eine Hl. Schrift zu
verstehen.
Wenn auch atl. (= alttestamentliche) Texte im Licht des NT neu zu lesen sind, so ist
grundsätzlich das AT durch das NT nicht überholt. Viele atl. Texte haben nach wie
vor bleibende Gültigkeit (z. B. die Kritik der Propheten an sozialen Missständen; die
Aussagen über die Schöpfung; der Aufruf zum Gebet; ...). Zusätzlich ist das NT ohne
das AT nur sehr eingeschränkt zu verstehen.
Entstehung und Eigenart der einzelnen Schriften des NT
6 v. Chr.
Christi Geburt
Leben Jesu: Fundament des Neuen Testaments; Verkündigung der
Frohen Botschaft; Tod und Auferstehung Jesu, Geistsendung
30 n. Chr. 1. Phase: Nach der Auferstehung mündliche Überlieferung der Worte
und Taten Jesu durch Apostel und Jünger inner-und außerhalb Palästinas. Augenzeugenberichte.
50 n. Chr. 2. Phase: Erste schriftliche Aufzeichnungen, ausgetauscht zwischen
christlichen Gemeinden. Bekenntnis- und Gottesdiestformeln. Sammlungen von Reden, Berichten.
100 n. Chr. 3. Phase: Ab 50 Sammlungen von Einzelschriften zu Briefsammlungen
(Paulusbriefe) und dann um 70 zu Evangelien (Mk um 70; Mt u. Lk um
80/85; Joh um 95) als Glaubenszeugnisse der Kirche von Tod und Auferstehung Jesu.
Jesus selbst hat nichts aufgeschrieben. Er gab den Auftrag, hinzugehen und allen
Menschen die Gottesherrschaft zu verkünden (Lk 9,2). Die Apostel predigten Jesu
Leben, seinen Tod und seine Auferweckung. In den Glaubensgemeinden entstanden
unterschiedliche Ausformungen des einen Glaubens an Jesus Christus.
Erste schriftliche Aufzeichnungen waren vermutlich früh vorhanden, sind uns aber
nicht erhalten. Die ersten uns erhaltenen Schriften des NT sind Briefe des Apostels
Paulus. Er verkündet die Botschaft Jesu Christi, das Evangelium (1 Kor 15,1-2). D.
h.: Die Briefliteratur entsteht zum Teil schon vor den Evangelien. Die Briefe sind aus
gegebenem Anlass an bestimmte Gemeinden geschrieben; sie wollen Anfragen beantworten, Probleme der betreffenden Gemeinde lösen und diese im Glauben festigen.
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Eine erste Darstellung der Frohbotschaft Jesu Christi entsteht um 70 n. Chr. Es ist das
Markus-Evangelium. Damit ist eine eigene Literaturgattung geschaffen, die wir mit
„Evangelium“ bezeichnen (vgl. Mk 1,1). Diese Literaturform ist keine „Mitschrift“ oder
Tonbandaufnahme der Predigt Jesu, sondern Predigt der Apostel und der Urkirche
über Jesus, den „erhöhten Herrn“ - nach Ostern. Evangelien sind also keine wörtlichen
Aufzeichnungen von Reden Jesu oder Tatsachenberichte im Sinn des modernen Geschichtsverständnisses. Christengemeinden schreiben darin ihre Glaubensverkündigung und Glaubenserfahrungen nieder. Daher sind die Evangelien geprägt von der
Glaubenspraxis und ihren Problemen. Selbstverständlich findet sich in ihnen auch die
persönliche Eigenart des jeweiligen Verfassers.
Etwa um 130 n. Chr. entsteht die letzte Schrift des NT. Nicht alle neutestamentlichen
Schriften stammen von den Verfassern, denen sie zugeschrieben werden. So sind z.
B. die „Pastoralbriefe“ (1 Tim; 2 Tim; Tit) nicht von Paulus, wohl aber aus seiner
Schule.
Evangelien
Wie bereits erwähnt, wurde es mit zunehmendem zeitlichem Abstand zum historischen Jesus von Nazaret notwendig, die Erinnerungen an ihn, seine Erfahrungen der
Nähe Gottes und die Heilstaten Gottes durch Jesus auch schriftlich festzuhalten.
Ausgangspunkt und Mittelpunkt ist Jesus von Nazaret - das eine Evangelium (= die
eine Frohbotschaft) (I). Die Predigt der Apostel (II) führt zum Glauben verschiedener
Menschengruppen (= Gemeinden); um diesen Glauben einander mitzuteilen und feiern zu können, entstehen Gebete und Gottesdienstfeiern (III). Schließlich verbinden
die Verfasser der Evangelien vorhandenes Lehr- und Erzählgut über Jesus miteinander. Aus Predigt, Gebeten, Gottesdienstfeiern und Lehrgut entstehen die Evangelien
(IV). Diese sind geprägt von der persönlichen Eigenart des jeweiligen Verfassers
bzw. Evangelisten.
Die Evangelisten haben mündliche und schriftliche Quellen benutzt. Ihre Verfasser
haben aus verschiedenen Situationen heraus und für verschiedene Zielgruppen geschrieben: Markus als erster für heidenchristliche, Matthäus für judenchristliche, Lukas für Hörer der hellenistischen Welt. Der Verfasser des Johannesevangeliums
schrieb gar erst um die Jahrhundertwende in Kleinasien.
Wer sich diesen Werdegang der Evangelien bewusst macht und dem auch zustimmen kann, dass so viele menschliche Einflüsse an ihrem Zustandekommen gegeben
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sind, der hat einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis der Evangelien gefunden.
Freilich müssen wir uns auch über die Schriftinspiration klar werden.
Zuvor ist aber noch eine Tatsache bedeutsam: Die Evangelien sind Jahrzehnte nach
dem Leben und Wirken Jesu abgefasst worden. Sie stellen das „Ereignis, Jesus von
Nazaret“, im Rückblick dar. In diesem Rückblick stehen über allem das Kreuz und die
Auferstehung, ähnlich, wie man bei einem Zielfernrohr alles im Fadenkreuz sieht. Für
die Evangelien bedeutet dies, dass in ihnen Jesu Leben, seine Worte und sein Wirken immer vom Osterereignis, von seinem Tod und seiner Auferstehung her gedeutet
werden.
Jedoch ist das Zentralanliegen der Evangelien die Bedeutung von Jesus Christus zu
vermitteln, weniger die historische Person. Auffallend ist das ähnliche Konzept des
Wirkungsrahmens Jesu bei den 3 „Synoptikern“ Markus, Matthäus und Lukas bzw.
das Abweichen in Sprache und Aufbau bei Johannes. Wir sehen, dass die Evangelien nicht einen biographischen Zweck verfolgen, sondern die heils-geschichtliche Bedeutung Jesu Christi für jetzt verkünden und bezeugen wollen. Die Synoptiker bringen kein Zeit-Schema der Wirksamkeit Jesu:
Markus
Matthäus
Lukas
Johannes
Vorgeschichten
Vorwort
Jesus tritt bei den Armen und Verachteten in der Provinz Galiläa auf.
Jesus tritt in Galiläa, Judäa und Jerusalem auf.
Jesus wandert nach Jerusalem. Ein Weg zum Leiden
und Sterben.
Er weilt viermal in Jerusalem.
Jesus tritt in Jerusalem dem Ort des Tempels und des
röm. Statthalters auf.
Kreuzigung Auferstehung
Jesus wird unter Pilatus ans Kreuz geschlagen. Auferstehung am Ostermorgen.
Ähnlichkeiten und Unterschiede der Evangelien
Es ist auffällig, dass Mk, Mt und Lk weitgehend übereinstimmen. Sie bauen sogar ihr
Evangelium weithin gleich auf. Wenn man Texte aus diesen drei Evangelien nebeneinander stellt, bemerkt man, dass sie oft nur geringfügig voneinander abweichen.
Wie lässt sich diese Verwandtschaft erklären? Die Antwort auf diese Frage finden wir
in der Entstehungsgeschichte:
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Das Mk-Evangelium besteht aus 661 Versen. Mt übernimmt davon ca. 600 Verse und
fügt 230 Verse aus der Logienquelle (Q) sowie 240 Verse aus Sonderquellen an. Lk
übernimmt aus dem Mk-Evangelium nur 350 Verse. 230 Verse fügt er (wie Mt) aus der
Logienquelle (Q) sowie 570 Verse aus verschiedenen Sonderquellen ein.
Das gesamte Mk-Evangelium umfasst 661 Verse. Davon sind bei Mt 600 Verse - also
fast das gesamte Mk-Ev. - ebenfalls vorhanden. Lukas hat allerdings nur 350 Verse
mit Mk gemeinsam. Wie ist dies zu erklären? Die Antwort wird in der so genannten
„Zweiquellentheorie“ gegeben. Das älteste Evangelium ist das des Mk; Mt und Lk
haben diese Schrift gekannt und Teile davon übernommen, allerdings manchmal ihren Absichten entsprechend verändert. Mk gilt als Vorlage, als erste Quellschrift für
Mt und Lk. Nun gibt es aber 235 Verse, die Mt und Lk gemeinsam haben, die aber
bei Mk nicht vorkommen. Die Wissenschaft nimmt heute an, dass Mt und Lk noch
eine zweite gemeinsame „Quellschrift“ kannten und verwendeten: die Redenquelle
oder „Logienquelle“. Sie wird mit dem Buchstaben „Q“ bezeichnet. Es bleiben in dieser Statistik noch 233 Verse, die Mt ganz allein hat. Man nennt dies sein „Sondergut“
(= S). Bei Lk umfasst das Sondergut sogar 564 Verse. Allgemein wird die „Zweiquellentheorie“ schematisch so dargestellt:
Mk
Logienquelle „Q“
mt Sondergut
lk Sondergut
Mt
Lk
Für Mathematiker:
Mt = Mk + Q + S bwz.
Lk = Mk + Q + S
Weil man die gemeinsamen Texte von Mk, Mt und Lk vergleichend „zusammenschauen“ kann, nennt man diese drei Evangelien die „synoptischen Evangelien“.
Das Johannesevangelium ist erst später entstanden und hat nur wenig Stoff mit den
Synoptikern gemeinsam. Auch gemeinsame Perikopen (= Schriftstellen) sind bei Joh
auf eigene Weise bearbeitet.
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Andere neutestamentliche Schriften
Wir halten zunächst nur fest: Briefe haben immer einen bestimmten Anlass, aus dem
heraus sie geschrieben werden. Dieser Anlass wird in den Paulusbriefen deutlich
genannt. Paulus behandelt eben meistens die Probleme einer Gemeinde. Seine Briefe geben Wegweisung im Glauben. Darüber hinaus gibt es noch sieben allgemeine
(= katholische) Briefe, die an keine spezielle Gemeinde oder Person gerichtet sind.
Die Apostelgeschichte zeigt die rasche, sieghafte Ausbreitung der Heilsbotschaft von
Jesus Christus hinein in die ganze damals bekannte Welt. Die „Offenbarung“ (= Apokalypse), auch „Offenbarung des Johannes“ genannt, ist ein apokalyptischprophetisches Buch. Sie zeigt die Situation bestehender Christengemeinden in
Kleinasien und tröstet dann das Gottesvolk, das immer unter Bedrängnis zu leiden
haben wird. Am Ende aber wird die Scheinherrschaft des Bösen jäh und unerwartet
überwunden werden durch Christus, dem die universale Herrschaft übergeben wird.
Genaue Einleitungen zu den einzelnen Schriften werden jeweils im Verlauf des Bibelkurses gegeben, wenn wir die betreffende Schrift lesen und erklären.
Unterschied zwischen Prophet und Apokalyptiker
 Propheten = Seher, Deuter: sind nicht Menschen, die etwas voraussagen, sondern ihrer Zeit den Willen Gottes ansagen, offen heraussagen. Prophetische Literatur
ist Wegweisung im Glauben in der jeweiligen Zeit.
 Apokalyptiker = Offenbarer, Enthüller: sind Menschen, die der leidgeprüften
Glaubensgemeinde Mut machen, durch den Ausblick auf eine sieghafte Zukunft, die
in Gottes Heilsplan bereits feststeht. Apokalyptische Schriften sind also keine Drohund Angstschriften der Bibel, sondern sie spenden Trost und Zuversicht durch den
Ausblick auf den Endsieg des Guten, nämlich Gottes.
Umfang und Text des Neuen Testamentes
Das Neue Testament: Ein Buch der Kirche, der Gemeinschaft
Wie kam es zum neuen Testament?
1. Stufe: Menschen haben mit Jesus Christus gelebt. Sie haben die Erfahrung gemacht, in ihm ist Gott mit uns. Sie geben diese Erfahrung mündlich weiter.
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2. Stufe: Es entsteht eine mündliche Überlieferung (Tradition) über die Person Jesu, über Tod und Auferstehung, seine Reden, seine Taten, seine Sendung
- in den ersten Christengemeinden. Es entstehen Redesammlungen, Gebetstexte - erste schriftliche Aufzeichnungen.
3. Stufe: Sammlung und Bearbeitungen: Die urchristlichen Schriften (Redesammlungen, Briefe, Gebetstexte) wurden im Gottesdienst verwendet, gesammelt und abgeschrieben.
4. Stufe: Aus der Ausbreitung des Christentums, dem Tod der Apostel und der Augenzeugen und anderen Ereignissen ergibt sich die Notwendigkeit der
letzten schriftlichen Fixierung.
Bereits im NT (Kol 4,16) wird ein Austausch von Briefen unter den Gemeinden angeregt. Die Glaubensgemeinde urteilt darüber, welche Schriften als echte Glaubensschriften gelten sollen: sie einigt sich über den Kanon der Offenbarungsschriften.
Die ntl. Schriften sind zwischen 50 und 150 n. Chr. abgefasst worden. Eine einheitliche Auffassung darüber, welche Schriften zum Kanon des Neuen Testamentes gehören, gibt es aber erst gegen Ende des 4. Jhds., dann allerdings bei allen Synoden
der damaligen Zeit bzw. bei allen Kirchenvätern.
Das Wort „Kanon“ ist ein aus dem Semitischen übernommenes griechisches Wort. Es
bedeutet „gerader Stab“, „Richtscheit“, „Maßstab“. Der Kanon ist also das Verzeichnis
aller zum Neuen Testament gehörenden Schriften einerseits, andererseits ist der Inhalt
dieser kanonischen Bücher Norm und Richtschnur für den Glauben. Eine dogmatische
Entscheidung über die 27 Schriften des Neuen Testaments brachte erst 1546 das
Konzil von Trient aufgrund der Auseinandersetzung mit Martin Luther.
Andere, nichtkanonische Schriften aus neutestamentlicher Zeit
Wir wissen, dass neben den biblischen Schriften noch zahlreiche andere Glaubensschriften entstanden sind, die nicht zum Kanon des NT gehören. Wenn sie mit dem
Anspruch verbreitet wurden, Hl. Schrift zu sein, aber von der Kirche ausgeschieden
wurden, nennen wir sie „apokryphe“ (= nicht anerkannte) Schriften. Solche apokryphe Schriften sind z. B. das Thomasevangelium, das Protoevangelium des Jakobus,
das Pseudo-Matthäusevangelium. Ausschlaggebend für die Aufnahme von Schriften
in den Kanon war (1.) der verbreitete Gebrauch im Gottesdienst, sodass eine Glaubensübereinstimmung zwischen den einzelnen Kirchen gewährleistet war. Die Schriften mussten (2.) geeignet sein zur Unterweisung im Glauben und (3.) in der Tradition
eines Apostels stehen.
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Der Text und seine Überlieferungen
Das Neue Testament ist in allen Teilen ursprünglich griechisch abgefasst. Wir kennen von keinem biblischen Buch das Original. Ein Grund dafür ist das schlechte Material. Darum waren Abschriften sehr wichtig. Die Abschreibearbeit galt als hochenwickelte Kunst und wurde in berühmten Schreibschulen geleistet. Dennoch sind
durch Abschreibfehler manche Textveränderungen entstanden.
Durch die Verbreitung des Christentums wurden Übersetzungen notwendig. Jede
Sprache hat ihren eigenen Wortschatz, ihre eigenen Wendungen und bildhaften
Ausdrücke, die sich nicht wörtlich übertragen lassen. Darum ringt jeder Übersetzer
mit dem Problem, den Sinn, den ein Verfasser in sein Buch hineingelegt hat, möglichst treu zu bewahren. Zugleich aber ist jede Übersetzung notwendigerweise auch
eine Auslegung des Originaltextes. Für die kath. Kirche war bis in jüngste Zeit die lateinische Übersetzung von Hieronymus (+ 420 n. Chr.) der maßgebliche Text. Sie
wurde Vulgata genannt. 1979 trat an die Stelle der Vulgata die Neo-Vulgata, ein Text,
der den modernen Möglichkeiten des Übersetzens entspricht.
Durch Abschriften und Übersetzungen ergaben sich Textunterschiede, die sogenannten Lesevarianten. Im Laufe der Zeit wurden für das NT 5000 verschiedene
handschriftliche Abschriften der Bibeltexte gefunden, die teilweise fast an die Entstehungszeit zurückreichen. Der älteste gefundene neutestamentliche Bibeltext ist ein
Papyrus, der so genannte P 52. Er ist 125 n. Chr. in Ägypten entstanden. Der Papyrus
enthält Teile von Joh 18,31-33,37; 18,31-33.37; er ist kaum mehr als 30 Jahre vom Original entfernt. Sehr bedeutsam sind die aufgefundenen Codices, die ursprünglich vollständige Bibelabschriften waren. Meist sind sie nur teilweise erhalten geblieben.
Durch den Vergleich der verschiedenen Handschriften wurde ein sehr guter Text, der
dem Original weitgehend entspricht, erstellt. Dies ist die Aufgabe der Textkritik. Das
NT ist also zuverlässig und texttreu.
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Die Heilige Schrift: Ein Buch des Lebens
Die Hl. Schrift ist uns Lebensweisung; mehr noch: sie ist uns Lebensquelle. Das ganze Leben soll von der biblischen Botschaft gestaltet werden. So war es zur Zeit der
Urkirche und der ersten christlichen Jahrhunderte. Die Kirchenväter gehen in ihren
theologischen Schriften von der Hl. Schrift aus; Theologie ist in den ersten christlichen Jahrhunderten wesentlich Schriftauslegung. Wenn die Kirche „bibelfremd“ wurde, folgten immer Zeiten des religiösen Niederganges. In einer solchen Geschichtsperiode lebte Martin Luther. Er ist mit seinem Anliegen, die Bibel wieder in den Mittelpunkt
des Glaubenslebens zu stellen, nicht gehört worden. Im Zuge der Gegenreformation
wurde den Katholiken der Zugang zur Hl. Schrift zunächst erschwert. Erst im 18. Jhdt.
entstanden neue katholische Bibelausgaben in der Landessprache. Dieses distanzierte Verhältnis zur Bibel wirkt heute noch bei vielen Katholiken nach.
Das 2. Vatikanische Konzil hat das Anliegen aufgegriffen, die Bibel wieder mehr ins
Glaubensleben einzubeziehen.
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