Tipps und Regeln für Beratungssituationen

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Tipps und Regeln für Beratungssituationen
gegenüber Schülern/innen und Eltern
1. Kooperative Gesprächsführung
Eines der bekanntesten Modelle ist das der Kooperativen Gesprächsführung von Schulz
von Thun und Redlich, deren Trainingsprogramm in vielen Bundesländern bei der
Ausbildung von Beratungslehrerinnen und Beratungslehrern verwendet wird.
Die Autoren weisen Beratern zwei Aufgaben zu:
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Verstehen und
Leiten.
Den beiden Aufgaben sind jeweils vier Kommunikationsformen zuzuordnen:
Verstehen
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aufmerksam zuhören
Gefühle wiedergeben
offen fragen
Gedanken wiedergeben
Leiten
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Vorschläge sammeln
Beziehungen klären
transparent strukturieren
Stellung nehmen
"Wir gehen davon aus, dass der Berater zu einer guten Verständigung mit dem
Ratsuchenden beiträgt, wenn es ihm gelingt, zwei schwer miteinander zu vereinbarende
Aufgaben auszubalancieren. Er sollte den Ratsuchenden einfühlend verstehen und
gleichzeitig den Beratungsprozess aktiv leiten." (Alexander Redlich)
Weitere Ausführungen hierzu in:
"Beratungslehrer in der Praxis" (1999) herausgegeben von Norbert Grewe, & Heiner Wichterich im
Verlag Luchterhand
Trainingsprogramm von Friedemann Schulz von Thun und Alexander Redlich. Dies kann bezogen
werden über die
Arbeitsgruppe Beratung und Training (Schulz von Thun und Redlich), Fachbereich Psychologie der
Universität Hamburg, Von-Melle-Mark 5, 20146 Hamburg (Tel. 040 / 41 23 54 34).
Das Trainingsprogramm bietet Erklärungen und gute Übungsmöglichkeiten.
Jacobs und Redlich haben ein interaktives Trainingsprogramm erstellt. Das Computerprogramm ist
gut geeignet zum Einüben von Gesprächen. Es ist einfach zu handhaben und gibt auch Einblick in
Beratungssituationen, die nicht unmittelbar in den schulischen Bereich gehören.
Jacobs, M. & Redlich, A. (1998). Kommunikative Basiskompetenzen in Beratungs- und Coaching-
Gesprächen. Hamburg: Aufbruch Organisationsberatung. Rellinger Str. 23 20257
Hamburg
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aus: Gesprächsführung in der Einzelberatung, Kooperative Gesprächsführung in der Beratung, in:
Grewe, N. & Wichterich, H. (Hrsg.). Beratung an der Schule. (Loseblattsammlung
2. Systemisch-lösungsorientierter Ansatz
Verhaltensweisen einer Person werden durch sie umgebende soziale Systeme beeinflusst.
Die Systeme, mit denen ein Individuum Kontakt hat, beeinflussen sich gegenseitig.
Dieser Beeinflussungsprozess geschieht weder linear noch in eindeutigen UrsacheWirkungszusammenhängen.
Verhalten ist nicht konstant, sondern ständigen Änderungsprozessen - je nach den
Reaktionen der Umwelt und eigenen Reaktionen - unterworfen. Hier spielen
Wahrnehmungsprozesse eine große Rolle. Wirklichkeit wird vom Einzelnen konstruiert,
demnach gibt es auch keine objektive Realität. Die Interaktion von unterschiedlichen
Systemen wird immer durch deren jeweilige Interpretationen der Interaktion gesteuert.
Der Beratungslehrer / die Beratungslehrerin muss Zugang zu den subjektiven
Weltsichten (persönliche Landkarte) des Ratsuchenden erhalten und auch die anderen
Systeme, in denen dieser sich bewegt, und deren Weltsicht kennen.
Vertreter des lösungsorientierten Ansatzes werden von vorneherein das Zielverhalten
des Ratsuchenden in den Vordergrund stellen, gemeinsam mit dem Ratsuchenden
Lösungswege entwickeln, die aus seinem eigenen Verhaltenspotential erwachsen.
Der Ratsuchende wird prinzipiell als lösungskompetent angesehen.
Im Gespräch wird demnach versucht Zugang zu der "persönlichen Landkarte" des
Ratsuchenden zu bekommen und gemeinsam mit ihm Muster oder Strategien zur Lösung
zu entwickeln, die der Ratsuchende dann in der Realität umsetzen kann
3. Gespräche mit Schülerinnen und Schülern
Kritik und Fehlerbehandlung
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Kritik soll aufbauen und verändern und in der Zukunft bessere
Verhaltensweisen und Ergebnisse bringen.
Negative Kritik bringt sehr wenig. Die meisten der negativ
Kritisierten ziehen sich sofort in eine Verteidigungsstellung
zurück und bauen die Basis für einen Gegenschlag auf.
Ständige negative Kritik zerstört die Schaffensfreude, die
Leistungsfähigkeit und lähmt jegliche Initiative.
Daher:
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Unterlassen Sie jede negative Bemerkung, die doch keine
Veränderung zustande bringt.
Kritisieren Sie nicht, wenn der / die Kritisierte gerade unter
Druck ist oder gerade eine energieraubende Kraftarbeit hinter
sich hat. Gönnen sie ihm / ihr eine Erholungspause. Sprechen Sie
dann über notwendige Veränderungen.
Besprechen Sie Fehler und Mängel sachlich.
Vermeiden Sie Ironie und Sarkasmus.
Führen Sie kritische Gespräche unter vier Augen.
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Kritisieren Sie keine Abwesenden.
Kommentieren Sie weniger den Vorfall. Sprechen Sie darüber,
wie Vorfälle dieser Art in der Zukunft ausgeschaltet werden
können.
Teilen Sie dem Kritisierten mit, welche Unterstützung er für die
Zukunft von Ihnen bekommen wird, um bessere Leistungen
zustande zu bringen.
Halten Sie nach einem wichtigen Kritikgespräch das Ergebnis der
gemeinsamen Besprechung schriftlich fest.
Beispiele für nutzlose Kritik
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Da hättest du dich vorher erkundigen müssen.
Das hättest du selber wissen müssen.
Das hättest du selber merken können.
Das hättest du bedenken müssen.
Das hättest du nicht vergessen dürfen.
Das hättest du berücksichtigen müssen.
Von dir habe ich nichts anderes erwartet.
Darauf warte ich schon seit Monaten.
Das hätte ich dir vorher sagen können.
Habe ich dich davor nicht immer wieder gewarnt?
Jetzt haben wir also den Salat.
Jetzt ist es also so weit.
Genau das habe ich kommen sehen.
Du weißt es offenbar nicht besser.
Du kannst es offenbar nicht besser.
nach: Günter F. Gross, Checklist Kommunikation, München: verlag moderne
industrie,
14. Aufl. 1995, vergriffen, S. 136 f.
4. Zwölf Bausteine für den geduldigen Aufbau einer
Kommunikation mit Eltern
nach Reinhold Miller
Die Kooperation zwischen Eltern und Lehrern ist durch ein vielschichtiges
Spannungsverhältnis geprägt.
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In der Schule kommen Erwachsene zusammen, deren einzige Verbindung die
Klasse ihrer Kinder ist.
Sie sind wohl am Lernfortschritt ihres eigenen Kindes interessiert, jedoch wenig
an der Atmosphäre in der Klasse.
Lehrer sind häufig auch Eltern, kennen also häufig beide Positionen.
Eltern fühlen sich häufig dem Verwaltungsapparat Schule gegenüber ohnmächtig.
Elternabende, Elternbriefe und Elternsprechtage versetzen Eltern häufig in ihre
eigene Schulzeit mit all ihren negativen Gefühlen zurück.
Eltern sind durch ihren Alltag und ihre eigenen Sorgen so beschäftigt, dass sie
kaum noch frei sind für eine partizipative Elternarbeit in der Schule ihrer Kinder.
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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Elternabenden sind in immer weniger
Fällen die Erzeuger der Kinder, sondern Erziehungsberechtigte, d.h. Zweitväter
oder -mütter, Großeltern, Sozialpädagogen, Adoptiveltern.
Es gibt bei den Erziehungsberechtigten ausländischer Kinder häufig
Sprachschwierigkeiten, Gefühle von Unsicherheit dem System Schule gegenüber
und andere Erwartenshaltungen an den Auftrag von Schule
Auf der Basis dieser Bestandsaufnahme und des Buches Friedemann Schulz von Thun:
Miteinander reden: Störungen und Klärungen. Reinbek 1987 hat Miller folgende 12
Empfehlungen entwickelt
1. Herkunft der Eltern beachten
Eltern oder andere Erziehungsberechtigte unserer Schülerinnen und Schüler kommen
heute nicht mehr aus gleichen oder ähnlichen gesellschaftlichen Schichten,
Erlebniswelten oder Kulturkreisen. Lehrerinnen und Lehrersollten sich die Frage stellen:
Wie kann ich diesen unterschiedlichen Personen gerecht werden. Es ist ratsam, den IstZustand zu akzeptieren. Das bewahrt den Lehrer / die Lehrerin davor, Schwierigkeiten in
der Kommunikation interpretieren oder kontrollieren zu wollen.
2. Die Erwartungen der Eltern wahrnehmen
Die verschiedenen Eltern haben eine Vielzahl unterschiedlicher Erwartungen an den
Lehrer / die Lehrerin. Diese sind geprägt durch ihre eigenen Schulerfahrungen, ihre
Erwartungen an sich selbst als Eltern und gesellschaftliche Erfordernisse. Miller sagt
dazu: 'Ich nehme die Erwartungen an und lasse sie in mir wirken. Dann entscheide ich
mich - häufig im inneren und äußeren Dialog mit Eltern und Kolleginnen und Kollegen was ich tun und wie ich handeln werde.
3. Verschiedene "Zeit-Räume" anbieten
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Beziehungen herstellen über Telefonate, persönliche Begegnungen, persönliche
Einladungsschreiben, Feste und Feiern.
Flexible Zeiten anbieten, die den unterschiedlichen Arbeitszeiten gerecht werden.
Geeignete Treffpunkte wählen: ansprechende Räumlichkeiten in der Schule
suchen oder ruhige außerschulische Orte.
4. Wirklichkeiten und Sichtweisen akzeptieren
Ein wichtiger Punkt in einer offenen Kommunikation ist die Akzeptanz der von Eltern
offen oder verschlüsselten Aussagen. ein anderer, den eigenen Standpunkt deutlich
machen und damit die unterschiedlichen Sichtweisen erfahrbar werden lassen.
5. Klare Botschaften senden
Äußere Klarheit setzt innere Klarheit voraus. Hilfreich ist dafür, die vier Seiten einer
Kommunikation als Klärungsinstrument zu berücksichtigen.
6. Botschaften 'übersetzen'
In Gesprächen, vor allem wenn Klagen und Vorwürfe geäußert werden, ist es hilfreich,
Klärungen zu erreichen, indem man
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ruhige Rückfragen einsetzt, um zu überprüfen, ob man die Aussage richtig
gedeutet hat
nicht mit denselben Wortwaffen zurückschlägt
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die nonverbalen Botschaften übersetzt
7. Wahrnehmung, Wirkung und Interpretation unterscheiden
Es ist gefährlich, wahrgenommenes Verhalten, das mich ärgert (z.B. Störungen) zu
interpretieren, weil ich damit einer Täuschung unterliegen kann. Um Klarheit zu erlangen,
kann ich nachfragen, z.B. 'Kann es sein, dass ...
8. Emotionen zulassen
Gefühle sind häufig der 'Motor' unseres Handelns. Lehrer/innen sind häufig in
Situationen, die Emotionen der Eltern zu erleben: Freude, Wut, Angst. Es tut Eltern gut,
wenn sie in dem Moment einfühlsam begleitet werden.
9. Verhaltensweisen, nicht Personen bewerten
Im Gespräch mit Eltern und Erziehungsberechtigten stehen die Verhaltensweisen der
Kinder häufig im Mittelpunkt, aber nicht eine Abwertung der Person.
10. Sachen klären, Vereinbarungen treffen
Wenn Wirklichkeit und Sichtweisen gegenseitig akzeptiert und Emotionen zugelassen
werden, und wenn Eltern und Lehrer/innen erfahren, dass sie in ihrer Person nicht
bewertet werden, wenn also Vertrauen und Offenheit entstanden sind, dann ist auch der
Kopf frei für Sachklärungen, und in der Folge ist es dann auch möglich, Vereinbarungen
zu treffen.
11. Grenzen respektieren
Es gibt bei der Kommunikation in der Schule persönliche und institutionelle Grenzen. Sie
sind zu respektieren und zu akzeptieren. Werden diese Grenzen transparent gemacht,
werden auch die Spielräume gesehen, in denen Erfahrungsaustausch und Dialog,
Meinungsbildung und Klärung möglich sind.
12. Mit Wünschen leben.
Vieles ist wünschenswert und erstrebenswert, aber nicht alles ist machbar, realisierbar.
Mit dieser realistischen Sichtweise lässt sich im Schulalltag vieles bewegen, ohne zu
resignieren
Zusammenfassung eines Aufsatzes von: Reinhold Miller in "Pädagogik" 5/92
14 goldene Sätze für die professionelle Elternverärgerung:
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Das ist völlig ausgeschlossen.
Das kann gar nicht stimmen.
Da müssen Sie sich täuschen.
Das gibt es bei uns nicht.
Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.
Das habe ich noch nie gehört.
Das ist noch nie vorgekommen.
Sie sind der / die Erste.
Sie sind der / die Einzige.
Da müssen Sie / Ihr Kind selber irgend etwas falsch gemacht haben.
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Sie sind / Ihr Kind ist da sicher besonders empfindlich.
Vergessen Sie bitte nicht, dass wir eine gute Schule sind.
Dafür haben wir zu viel Erfahrung im Umgang mit Kindern.
Von den anderen Eltern der Klasse haben wir diese Beschwerde noch nie
gehört
Das richtige Verhalten für die professionelle Behandlung von
Elternbeschwerden:
Vielleicht ist der Anlass für die Beschwerde von der Sache, Größenordnung und von der
Auswirkung her geringfügig und banal. Das sagt jedoch nichts aus über die emotionale
Wirkung. Eine ungeeignete Bemerkung kann Eltern in einen Zustand versetzen als hätte
man ihr Kind geraubt.
Es ist völlig sinnlos in einer solchen Situation mit sachlichen Argumenten zu beginnen.
was der "Geschädigte" benötigt, sind Mitgefühl, Höflichkeit, Liebenswürdigkeit und
deutlich erkennbare Wertschätzung ihm gegenüber.
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Hören Sie ihm geduldig zu. Lassen Sie ihn ausreden. Unterbrechen Sie ihn
nicht.
Schenken Sie ihm Ihre volle Aufmerksamkeit.
Machen Sie keine Bemerkungen, die ihn noch eher reizen.
Demonstrieren Sie Ihren Willen, ihm zu helfen.
Diffamieren Sie nicht
 seine Bedeutung
 sein Niveau
 seinen Status
 seine Beurteilungsfähigkeit
 seine Erfahrungen
 seine Intelligenz
Vergleichen Sie ihn nicht abwertend mit anderen.
Machen Sie keine Gegenvorwürfe
Versuchen Sie nicht sofort, den Vorfall zu verharmlosen.
Lassen Sie ihn erkennen, wie bedeutend er und seine Mitarbeit für Sie ist
und was Sie deshalb unternehmen wollen, um ihn zufrieden zu stellen
nach: Günter F. Gross, Checklist Kommunikation, München: verlag moderne industrie,
14. Aufl. 1995, vergriffen, S. 98
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