Programm - RAP-Tage

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13. Rheinische Allgemeine PSYCHOtherapietage
25. – 27.Oktober 2007, Bonn
KULTUR DER THERAPIE DER KULTUREN
Psychotherapie und Psychiatrie mit Migrationshintergrund
timetable - änderungen vorbehalten
Uhr Donnerstag 25.10.07
Freitag 26.10.07
Schwarz: Kultur
0900 Schneider: Suizid
Junglas:
Krank
durch
Umzug
Banger: Suchttherapie
Gephart: Der Andere
1030
Schwarz: Erfahrungen
1100 Coskun: Elterntraining
Holler-Zittlau:
Kindersprache
Spiske: Türken & Sucht
Rittenberg-Cogan:
Habasch: Traumata
1230 Multikulturelle Sensiblität
1400 Preuss: Jugendliche
Lang: Ressourcen
1530
1600
1730
Berg: Essstörung
interkulturell
Lotterer: Joining
Schwender: Afrika! Afrika!
Tüschen: Scham
Peseschkian: kostbare
Erfahrungen
Samstag 27.10.2007
Hover: Transkulturell
Wegener: Kannibalismus
Stein: Transgenerational
Stein: Migrantengruppen
Vogt: Sprache
Ünal: Therapie
Ab 13:00 h:
Mitric: Serbien
Shcherbatova: Vertrauen
Ziegenbein: Versorgung
Peseschkian:
Globalisierung
Heveling-Fischell:
Sozialraumorientierung
älterer
Tüschen: Schämst du dich
Programm in Progress
Stand: 14.05.2016
u.a.
Markus Banger, Bonn und Essen: Aufbau einer kultursensiblen und
kulturberücksichtigenden Suchttherapie
Norbert Berg, Bonn: Klinische Erfahrungen mit essgestörten Jugendlichen aus
verschiedenen Kulturkreisen
Asme Coskun, Köln: Elterntraining mit Migrationshintergrund
Hella Gephart, Siegburg: Der Andere
Gelas Habasch, Bonn: Psychische Erkrankungen bei Migranten
J. Michael Heveling-Fischell, Bonn: Wege einer sozialraumorientierten
Gesundheitsversorgung und –förderung älterer Migrantinnen und Migranten
Inge Holler-Zittlau, Marburg: Sprache ein Schlüssel zur Welt. Die Wirkung früher
Sprachstanderfassung in Kindertageseinrichtungen bei Kindern mit
Migrationshintergrund und Deutsch im Zweitspracherwerb
Detlef Hover, Stuttgart: Die Natur des Menschen – Möglichkeiten und Grenzen einer
transkulturellen Psychotherapie
Jürgen Junglas, Bonn: Krank durch Umzug
Anne M. Lang, Bonn: Transkulturell kompetente Vorgehensweisen aus
Ericksonschem Ressourcenorientierten Hintergrund
Karin Lotterer, Bonn: Erzählen erlaubt – Joining in der Arbeit mit Familien aus aller
Welt
Boris Mitric, Bad Honnef: Serbien muss sterbien
Nossrat Peseschkian, Wiesbaden: Eigene Erfahrungen sind teuer. Fremde
Erfahrungen sind kostbar. Positiver Umgang mit der Weltkrise im Zeitalter
der Globalisierung und Radikalizierung (Vortrag)
Nossrat Peseschkian, Wiesbaden: Psychotherapie und Psychosomatik im Zeitalter
der Globalisierung. Unter Einbeziehung von Geschichten und
Lebensweisheiten (workshop)
Ulrich Preuss, Bern: Jugendliche dissoziale Migranten
Katherine Rittenberg-Cogan, Bonn: Multikulturelle Sensibilität – Illusion oder
Realität? Eine Herausforderung für systemische Therapie mit Migranten
Barbara Schneider, J. Fritze, Frankfurt: Migration und Suizid
Reiner Schwarz, Köln: Kultur des Geldes
Reiner Schwarz, Köln: Erfahrungen in Psychotherapien mit Migranten
Georg Schwender, Bonn: Psychische Probleme afrikanischer Migrantenkinder und
ihre Behandlung
Stella Shcherbatova, Köln: Vertrauenstelefon für die jüdischen Zuwanderer in den
jüdischen Gemeinden Köln und Düsseldorf
Karoline Spiske, Erkan Kilic, Bonn: Suchterkrankungen bei türkischsprachigen
Patienten
Rolf Tüschen, Bonn: Hinter dem Vorhang der Scham – Der kulturelle Wandel des
Sterbens
Rolf Tüschen, Bonn: Schämst du dich nicht? – Scham in verschiedenen Kulturen und
in der Therapie
Arif Ünal, Köln: Psychotherapie mit MigrantInnen
Elena Vogt, Jürgen Vogt, Köln: Sprache, Psychologie und Behandlung
Bertram von der Stein, Köln: Transgenerationelle Traumatisierung verschiedener
Gruppen von Migranten in Deutschland. Verborgene Traumata von Kindern
und Enkeln
Bertram von der Stein, Boris Mitric, Stella Shtcherbatova: Gleichzeitigkeit der
Ungleichzeitigen -Verschiedene Gruppen von Migranten in Deutschland.
Chancen und Grenzen transkultureller Psychoanalyse und Psychotherapie
Bernhard Wegener, Berlin: Fremdheit und Einverleibung: Realer und symbolischer
Kannibalismus
Marc Ziegenbein, Wielant Machleidt, Iris Tatjana Calliess, Hannover: Migrantinnen
und Migranten im psychiatrischen und psychotherapeutischen
Versorgungsalltag
Prof. Dr. Markus Banger, Bonn: Aufbau einer kultursensiblen und
kulturberücksichtigenden Suchttherapie
Aktuell leben ca. 11. Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in der Bundesrepublik
Deutschland. Die Gruppe der Migranten ist ausgesprochen heterogen. In Bonn stellen
Bewohner aus den GUS Staaten unter ihnen den größten Anteil. Der Umgang mit
Abhängigkeitserkrankungen in diesen Ländern ist völlig anders als der in der Bundesrepublik
Deutschland. Hohe Abbruchquoten während einer stationären Entzugsbehandlung bei
Abhängigen von legalen und illegalen Drogen in der Suchtabteilung und geringe
Weitervermittlungsquoten in stationäre Entwöhnungsbehandlungen bei Spätaussiedlern aus
dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion führten zur Notwendigkeit einer
Neukonzeptualisierung. Mit finanzieller Unterstützung der Kommune konnte ein
Migrationspädagoge mit eigenem Migrationshintergrund eingestellt werden. Dieser konnte in
das Setting der Abteilung integriert werden und hat zu einer deutlichen Professionalisierung
im Umgang mit suchtkranken Migranten aus dem Bereich der ehemaligen Sojetunion
beigetragen. Aktuell konnte das Angebot für Menschen aus dem türkischen Kulturraum mit
finanzieller Unterstützung des LVR erweitert werden. Ein türkischer Arzt und eine türkische
Arzthelferin wurden hierzu eingestellt. Die Idee ist auch für die zweite große Gruppe von
Bonner Migranten ein eigenes niederschwelliges Angebot vorzuhalten.
Asme Coskun, Köln: Elterntraining mit Migrationshintergrund
Verhaltensauffälligkeiten von Kindern stellen für ihre Entwicklung eine Risiko dar und
wirken oft beeinträchtigend für das familiäre Zusammenleben.
Häufig sind auch die
Stressbelastungen der Familien, die die elterliche Erziehungsfähigkeit in mehrfacher Hinsicht
einschränken und zur Reduktion emotionale und zeitliche Verfügbarkeit der Eltern für ihre
Kinder führen. Dies trägt fortwährend zu einem inkonsequenten und dysfunktionalen
Erziehungsverhalten bei. Dadurch erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit für eine
ungünstige
Entwicklung
und
für
eine
Manifestierung
und
Stabilisierung
von
Verhaltensproblemen der Kinder.
Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsschwierigkeiten bei Kindern können am
wirksamsten u.a. auch durch die Förderung der elterlichen Erziehungskompetenzen
vermieden werden. Als besonders wirksam erweisen sich Maßnahmen, die möglichst früh im
Entwicklungsverlauf einsetzen und an den vorhandenen Entwicklungsrisiken (z.B.
neurologischen und kognitiven Defiziten der Kinder, schwierigen Temperamentsmerkmalen
und
Hyperaktivität,
multiplen
sozialen
Problemlagen
und
Defiziten
in
der
Erziehungskompetenz bei Familien und Eltern) ansetzen.
Das KES -Kompetenztraining für Eltern sozialauffälliger Kinder- ein präventives,
struckturiertes und verhaltensorientiertes Program, zielt darauf ab, die Fähigkeit der Elten für
einen möglichst konsisten und emotional unterstützenden Erziehung sowie das systematische
Grenzen-Setzen bei unerwünschtem Verhalten zu verstärken.
Mein Vortrag, der zu Vorstellung und Erfahrung in der Durchführung mit KES in der Praxis
dient, gliedert sich folgenderweisse:
- Konzeption des Trainings: Methoden, Ziele, Diagnostik, Indikation für das Trainings und
Rahmenbedingungen.
- Aufbau des Trainings : Vorstellung der einzelnen Sitzungseinheiten
- Modifizierung und Anwendung des bestehenden Trainingskonzeptes für Familien mit
türkischen Migrationhintergrund
J. Michael Heveling-Fischell, Bonn: Wege einer sozialraumorientierten
Gesundheitsversorgung und –förderung älterer Migrantinnen und Migranten
Körperliche, geistige und seelische Beeinträchtigungen setzen bei Migrantinnen und
Migranten aufgrund von Belastungen in ihrer Biografie und Lebensbedingungen häufiger und
früher ein als bei gleichaltrigen Deutschen. Der Bedarf an Diensten ambulanter Hilfe und
Pflege für ältere Migrantinnen und Migranten wird deutlich zunehmen. Es existieren
Hemmschellen im Umgang mit Einrichtungen, bei älteren Migranten fehlen oftmals
Kenntnisse über Angebote der Altenhilfe. Diese Situation schafft neue Anforderungen an
Gesundheits- und Pflegenetzwerke, erfordert eine stärkere Berücksichtigung dieser Menschen
in der Altenhilfe.
Insbesondere gilt dies auch für eine kultursensible psychiatrische/psychosoziale ambulante
Behandlung und Beratung, für die Hilfe, Versorgung und Unterstützung an Demenz
erkrankter Migrantinnen und Migranten. Anliegen des Workshops ist es, Ideen und Konzepte
zu entwickeln um die Beratung und Betreuung älterer Migrantinnen und Migranten bedürfnisgerechter zu gestalten. Zu diskutieren ist, welche Strukturen und Angebote für eine
angemessene Begleitung, Behandlung und Pflege zu entwickeln sind. Wie können älterer
Migrantinnen und Migranten und ihre Angehörige besser unterstützt, ihnen der Zugang zu
Angeboten der Altenhilfe und der Geriatrie/Gerontopsychiatrie erleichtert werden? Ziel
stadtteilorientierter
Konzepte
sollte
es
sein
durch
spezifische
Beratungs-
und
Betreuungsangebote ein längeres Leben in der eigenen Wohnung und im Wohnumfeld zu
ermöglichen.
Zur Person:
J. Michael Heveling-Fischell (Dipl.-Sozialwissenschaftler) ist seit 2001 Seminarleiter für den
Bereich „Migration und Gesundheit“ am Bonner Institut für Migrationsforschung und
Interkulturelles Lernen (BIM e.V.); führt in diesem Rahmen Workshops durch und
veröffentlicht. Er ist Sprecher des AK „Migration und Gesundheit“ im Bonner Netzwerk
MIGRANET und betreut als verantwortlicher Redakteur die Radiosendung „Migra-Funk“.
Arbeitsschwerpunkt ist zur Zeit die Verbesserung der ambulanten Versorgung und Gesundheit
älterer MigrantInnen in Bonn.
Inge Holler-Zittlau: Sprache ein Schlüssel zur Welt. Die Wirkung früher
Sprachstanderfassung in Kindertageseinrichtungen bei Kindern mit
Migrationshintergrund und Deutsch im Zweitspracherwerb
Kommunikation ist Sprache und ein Schlüssel zur gesellschaftlichen Integration.
Untersuchungen belegen: bis zu 20% der monolingual deutscher Kinder und bis 50% der
Kinder mit Migrationshintergrund zeigen Probleme in der Kommunikation und im
Spracherwerb. Der Kindergarten ist ein Ort, an dem die Persönlichkeit von Kindern mit
Migrationshintergrund und Problemen in Zweitspracherwerb durch eine pädagogische
Kommunikations- und Sprachförderung und bei entsprechender Indikation durch eine
spezifischen Sprachtherapeutische Intervention nachhaltig unterstützt und gefördert werden
kann.
Ausgehend
von
Ergebnissen
Kindertageseinrichtungen
wird
früher
in
dem
Sprachstandserhebungen
workshop
das
eingesetzte
in
hessischen
Verfahren
zur
Sprachstandserfassung von Kindern vorgestellt, Möglichkeiten der Kommunikations- und
Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen aufgezeigt und die Entwicklungsperpektiven
von Kindern mit Migrationshintergrund an ausgewählten Fallbeispielen analysiert.
Inge Holler-Zittlau: Sonderschullehrerin und Sprachheilpädagogin, Lehrkraft für besondere
Aufgaben am Inst. Für Heil-und Sonderpädagogik, Abteilung Sprachheilpädagogik an der
Universität in Gießen, derzeit abgeordnete Mitarbeiterin im Projekt Sprachstandserfassung in
Hessischen Kindertageseinrichtungen an der JWG-Universität Frankfurt.
Detlef Hover, Stuttgart: Die Natur des Menschen - Möglichkeiten und Grenzen einer
transkulturellen Psychotherapie
Wenn man überlegt, ob und inwieweit eine transkulturelle Psychotherapie überhaupt möglich
ist, so muss man sich auch die Frage stellen, ob es so etwas wie eine universelle "Natur des
Menschen" überhaupt gibt und was dies in psychotherapeutischer Hinsicht sein könnte, das
allen Menschen zugleich zukommt. Für die Psychotherapie heißt dies konkret, sich ihrer impliziten und expliziten - anthropologischen Voraussetzungen bewusst zu werden.
Ausgangspunkt des Vortrags ist die Definition des Menschen als "vernünftiges Lebewesen",
welcher sich in zweifacher Weise angenähert werden soll: 1) von der Betrachtung des
Menschen als Lebewesen, 2) aus der Perspektive des Menschen als Kulturwesen. Von solchen
allgemeinen psychologisch-anthropologischen Überlegungen
ausgehend, werden elementare Bestimmungen der menschlichen Existenz abgeleitet,
psychische Störungsmöglichkeiten beschrieben und schließlich psychotherapeutische
Verfahren diskutiert, die als möglichst "transkulturell" gelten können.
Zur Person: Dipl.-Psych. Detlef Hover, Stuttgart. Studium der Psychologie und Philosophie.
Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis. Arbeitsschwerpunkte: Biografiearbeit,
Narrative Psychotherapie, Psychotraumatologie, philosophische Grundlagen der
Psychotherapie
Jürgen Junglas, Bonn:
Anne M. Lang, Bonn: Transkulturell kompetente Vorgehensweisen aus Ericksonschem
Ressourcenorientierten Hintergrund
Der Vortrag soll zeigen, dass es gerade bei Migrationskontext weniger darum geht
Patienten/Klienten in Form von Expertenwissen zu begegenen. Vielmehr wirkt in aktiver
Ankoppelung, in der Offenheit für Andersartigkeit, die Ressourcenhaltung und eine
therapeutische Vorgehensweise, die auf den Prozess statt auf statische Fakten schaut. Die
Kontexvariable des systemischen Denken bietet zudem Möglichkeiten Phänomene
vielschichtiger zu begreifen und zu verändern. Zu all dem werden Tools vorgestellt.
Boris Mitric, Bad Honnef: Serbien muss sterbien
Zu Beginn ein Fall, der die schwierigen Übertragungs- Gegenübertragungsprozesse
veranschaulichen soll, wenn die historischen Hintergründe sowohl Patientin und Therapeut
auf unvorhergesehene Weise einholen und somit die Bedeutung geschichtlicher Hintergründe
betont.
Es folgen Information zu dem sogenannten „ehemaligen“ Jugoslawien.
Prof. Dr. med Nossrat Peseschkian, Wiesbaden, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie,
Psychotherapie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin. Begründer der Positiven
Psychotherapie, Gründer und Leiter der Internationalen Akademie für Positive und
Transkulturelle Psychotherapie in Wiesbaden. Intensive Forschungs- und Lehrtätigkeit in über
60 Staaten. 1997 erhielt er den Richard-Merten-Preis für Qualitätssicherung in der Positiven
Psychotherapie, 2006 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Autor von 23 erfolgreichen
Büchern.
Langgasse 38 – 40, 65183 Wiesbaden; Tel 0611 34 11 67 5, Fax 06 11 34 11 67 6,
[email protected]
Diese Veranstaltungen sind nicht nur eine Informationsquelle, sondern auch eine Oase der
Entspannung.
Ulrich Preuss, Bern: Jugendliche dissoziale Migranten
Migration und der damit verbundene Wechsel der Kultur ist ein deutliches Kennzeichen der
Zeit. Dass dieser Wechsel einerseits aus erlebten Belastungen am alten Lebensort und durch
den Integrationsdruck in der neuen Heimat nicht zwangsläufig erfolgreich verläuft ist
nachvollziehbar. Insbesondere die Kinder aus Migrantenfamilien erleben teilweise schon
traumatisiert die soziale Integration als schwierig oder versagen darin. Subgruppenbildung,
dissoziale Entwicklung und Kriminalität sind typische Symptome. Jugendliche sind nicht
mehr mit den üblichen erzieherischen Mitteln zu steuern und Jugendhilfemaßnahmen wegen
der Umfang des Risikopotentials und aufgrund des Mangels an Ressourcen häufig
überfordert. Einen bedeutenden Teil der Risikofaktoren bilden psychische Störungen
unterschiedlicher Ätiologie.
Aus der Perspektive der unzureichenden Literaturgrundlage und den klinischen praktischen
Erfahrungen mit dieser Gruppe Jugendlicher wird über die spezifischen Probleme berichtet
und
eine
Gesamtschau
möglicher
sozialer
und
psychologisch/psychiatrischer
Interventionsmöglichkeiten erstellt. Migration ist ein bedeutender Faktor dissozialer
Entwicklungen und dies kann durch eine Vielzahl von Belegen gesichert werden. Zeitige
Interventionen sind möglich, notwendig und diese Jugendlichen bilden eine in der Kinderund Jugendpsychiatrie unterschätzte, unterversorgte und unattraktive Patientengruppe.
Schneider B., Fritze J., Frankfurt: Migration und Suizid
Ungefähr ein Fünftel der deutschen Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund.
In mehreren epidemiologischen Studien wurde wiederholt ein erhöhtes Suizidrisiko für
Migranten nachgewiesen. Jedoch sind aus mehreren Gründen die Ergebnisse zum
Zusammenhang zwischen Migration und Suizidalität nicht eindeutig. In diesem Beitrag sollen
nationale und internationale Forschungsergebnisse sowie sich daraus ergebende Ansätze zur
Suizidprävention in Deutschland vorgestellt und diskutiert werden.
Reiner Schwarz, Köln: Kultur des Geldes (Vortrag)
Eine Gefahr in der Psychotherapie von Migranten besteht bekanntermaßen in der
Absolutierung westlicher kultureller Normen, die sich von denen der Herkunftsländer unserer
Patienten unterscheiden. Unser Verhältnis zum Geld ist christlich geprägt: dem Armen soll
vom Reichen gegeben werden, man darf nicht prahlen und es ist illegitim, über Reichtum
Macht und Privilegien einzufordern, da alle vermeintlich gleich sind. Daran halten sich auch
hier keineswegs alle, aber unsere Kaste der Psychotherapeuten ist sicher sehr von diesen
Idealen geprägt und dies beeinflusst die Behandlungen. Vielen ist unbekannt, dass Menschen
in anderen Kulturen andere Werte schätzen und selbst dann, wenn entsprechende
Informationen gegeben werden, fällt die Akzeptanz dieser Andersartigkeit schwer. Denn die
Erfüllung unserer Normen, z.B. bzgl. Geld, bedeutet moralische Hochschätzung und ethische
Höherwertigkeit. Absolutierung zeigt sich häufig in der Formulierung: „Das ist so“. Wer
anders denkt und vor allem dann auch handelt, ist auch hier ethisch minderwertig und wird
verurteilt, ebenfalls dann in der Psychotherapie. Viele könne sich nicht vorstellen, was Armut
wirklich bedeutet. Wir sind es gewöhnt, versorgt zu werden, von unserer Familie, unseren
Lebenspartnern oder vom Staat. Wir wären niemals bereit, unsere eigenen Interessen,
Wünsche und Abneigungen aufzugeben, nur um nicht arm zu sein. Konfrontiert mit den
Verhaltensweisen der Migranten ist eine typische Reaktion: „Dafür muss es eine andere
Lösung geben“ - nur das eine solche dort eben nicht existiert. Vergleichbare Probleme gibt es
auch bezüglich sexueller Normen oder in der Frage der Rechten und Pflichten gegenüber der
eigenen Familie sowie in vielen anderen Lebensbereichen.
Reiner Schwarz, Köln: Erfahrungen in Psychotherapien mit Migranten (Workshop)
Fallbeispiele des Referenten sollen dazu dienen, die Probleme zu diskutieren. Eigene Fälle der
Teilnehmer sind sehr gewünscht. Patienten aus anderen Herkunftsländern gehe nicht nur mit
Geld anders um, sondern auch mit ihrer Sexualität und vielen anderen Dingen. Wir meinen
z.B., unser Umgang mit Sexualität sei liberal und fortschrittlich und setzen voraus, dass vor
allen Dingen Migrantinnen in dieser Hinsicht unterdrückt (oder traumatisiert) sind. Wenn man
genauer hinschaut, zeigt sich manches anders. Jede Behandlung setzt eine emphatische
Beziehung voraus, in der nicht gewertet werden soll. Viele sind sich sicher, was Recht und
Unrecht ist, wer Opfer und wer Täter ist. In anderen Ländern sieht man so etwas anders.
Besondere Probleme ergeben sich bei binationalen Ehen und Familien. Was sind die Rechte
und Pflichten der Ehepartner, wie gestaltet sich der Ablösungsprozess der Kinder?
Psychotherapie ist in vielen (aber nicht allen) außereuropäischen Ländern weitgehend
unbekannt. Sie ist für Migranten (nur) hier, wie alle Leistungen des Gesundheitswesens,
unentgeltlich zugänglich. Ein nicht geringer Anteil von Zuwanderern nimmt dieses
kostenfreie Angebot gerne an und es kommt zu einer massiven Inanspruchnahme des
Gesundheitswesens, die im Heimatland nie möglich wäre. Oft zeigen sich hartnäckige
Beschwerden, die sich auch bei vollem Einsatz aller therapeutischen Maßnahmen, inklusive
von Psychotherapie, als behandlungsresistent erweisen, die aber sistieren, sobald die Person
wieder zu Hause ist, wo nicht nur die Psychotherapie gar nicht zu Verfügung steht. Viele
sehen Migranten als im Heimatland gequälte und misshandelte Personen, denen sie helfen
können und wollen. Da die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut also gegen Unrecht
kämpft, ist sie mithin selbst moralisch gut und könnte Dankbarkeit erwarten. An Beispielen ist
zu zeigen, dass viel aneinander vorbeigeredet wird und beide Parteien eigene Interessen
verfolgen.
Stella Shcherbatova, Köln: Vertrauenstelefon für die jüdischen Zuwanderer in den
jüdischen Gemeinden Köln und Düsseldorf
Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, welche Rolle ein muttersprachlicher
Vertrauenstelefonsdienst für die Integration der russisch – jüdischen Migranten spielt, die
Anfang der 90er Jahren nach Deutschland kamen.
Ein russischsprachiges Vertrauenstelefonsnetz wurde seit Juli 2001 in den jüdischen
Gemeinden Köln und Düsseldorf
aufgebaut, um für die russischsprachigen Migranten
psychologische Unterstützung und einen Informationsdienst zu leisten.
Die meisten Benutzer des Vertrauenstelefons sind jüdische Neuzuwanderer, so genannte
„Kontingentflüchtlinge“, die seit letzen 15 Jahren aus den Ländern der ehemaligen
Sowjetunion eingewandert sind. Den Status „Kontingentflüchtling“ haben alle jüdischen
Migranten bis zum Eintritt des neuen Zuwanderungsgesetzes im Januar 2005 erhalten.
Es wird die folgenden Themen erläutern:
1) Bedingungen, unter denen die russisch-jüdische Migration stattgefunden hat.
2) Beschreibung der Erwartungen, mit denen die Zuwanderer seitens der politischen
Öffentlichkeit und der jüdischen Gemeinden konfrontiert wurden.
3) Darstellung des sozial-psychologischen Profils der Neuzuwanderer.
4) Die Geschichte der seelischen Telefondienste in Deutschland, Russland und Israel.
5) Rolle des Vertrauenstelefons in den jüdischen Gemeinden.
6) Die Entwicklung des Vertrauenstelefons in der jüdischen Gemeinden Köln –Düsseldorf.
7) Zusammengefasste Problemkategorien und Einzelprobleme der Klienten.
Karoline Spiske, Erkan Kilic, Bonn: Suchterkrankungen bei türkischsprachigen
Patienten
Wir wollen im Workshop unsere Erfahrungen und Kenntnisse aus dem seit einem Jahr
bestehenden Modellprojekt für suchterkrankte Patienten aus dem türkischsprachigen
Kulturraum mit dem Fokus einer modernen Behandlung der Suchterkrankung und der
psychischen Begleiterkrankungen (wie Depression, Angststörung, Psychosen oder
Persönlichkeitstörungen vorstellen.
Bei einem Anteil von 11-13% der Migranten im Versorgungsgebiet der Rheinischen Kliniken
Bonn ist eine Förderung der interkulturellen Kompetenz der sychiatrisch/psychotherapeutisch
tätigen Kollegen unumgänglich.
Während die erste Einwanderergeneration durch ihre kulturelle Idendität, ihre Werte und ihr
soziales Zusammenleben von der Drogenproblematik nicht betroffen war, variiert in der
zweiten wie auch in der dritten Generation die traditionelle Moralvorstellung in
Abhängigkeit vom häuslichen Milieu, sowie von der bikulturellen Sichtweise ihrer
Lebenssituation.
In einer kollektivistisch orientierten Gesellschaft wird bei Suchtproblemen in der Regel
versucht in der Familie oder Gemeinschaft verschwiegen eine Lösung wie durch kalten
Entzug zu erreichen. Im Falle einer unvermeidlichen Bekanntgabe kann sich die Familie für
die Verstoßung, leider seltener auch für die Unterstützung des Süchtigen entscheiden.
Hierbei ist unser Ziel die kultursensible und kulturberücksichtigende kognitiv-behavioral
orientierte Suchttherapie näher zu bringen, Ressourcen zu erarbeiten, affektive Bedingungen
klar zu stellen, das Beziehungsgefüge transparenter zu machen, die Familie als unterstützende
Ressource in die Suchtbehandlung einzubeziehen sowie die motivationale Gesprächsführung
bei Kommunikation mit Migranten als einen hoffnungsvollen Weg für eine Veränderung
hervorzuheben
Dr. med. Rolf Tüschen, Bonn: Hinter dem Vorhang der Scham - Der kulturelle Wandel
des Sterbens
Dargelegt wird die kulturelle Prägung der Scham, ihre soziale Funktion und ihre
intrapsychische Bedeutung. Mit kulturellen Veränderungen und verbesserten medizinischen
Behandlungen wandelt sich das Sterben. Das Sterben wird hinter den Vorhang der Scham
verschoben. Viele psychische Störungen im Alter sind eigentlich Auseinandersetzungen mit
dem Sterben. Sie stossen zunehmend auf überalterte Behandlungsteams, die das Sterben
abwehren.
Dr. med. Rolf Tüschen, Bonn: "Schämst du dich nicht? - Scham in verschiedenen
Kulturen und in der Therapie."
Wofür schämen wir uns, wofür hätten sich unsere Vorfahren geschämt, haben unsere Kinder
neue Anlässe zur Scham? Wofür schämen sich Menschen anderer Kulturen? Welche Rolle
spielt Scham in der Therapie? Wird sie vernachlässigt? Verdeckt sie nicht auch andere
Affekte? - Viele Fragen, denen wir hoffentlich in einem lebhaften Austausch nachgehen
werden.
Arif Ünal, Köln: Psychotherapie mit MigrantInnen
Die Menschen mit Migrationshintergrund sind in dem ambulant psychotherapeutischen
Versorgungssystems anzutreffen. Sie sind nicht nur ein Fall mit ihren Krankheitsbildern,
sondern bringen ihre kulturellen, sprachlichen und schichtspezifischen Eigenarten in dieses
System mit ein.
Ob und wie werden diese Besonderheiten in der therapeutischen Prozess einbezogen?
Wo sind die Übereinstimmungen oder Probleme zwischen Versorgungsauftrag und die
Erwartungen an den MigrantInnen?
Wie kann (Mann/Frau) die Zufriedenheit der TherapeutInnen und PatientInnen
erhöhen?
Ich werde am Anfang kurz einen Überblick geben
über die Tätigkeitsfelder des Gesundheitszentrums für MigrantInnen (GfM) in Köln
die Situation der psychisch-kranken MigrantInnen und
ihr Krankheits- und Gesundheitsverständnis
Arif Ünal, Diplom-Sozialarbeiter, Mediziner und Familientherapeut. Leitet seit November
1995 das Gesundheitszentrum für MigrantInnen in Köln. Mitglied des Aufsichtsrates der
Kliniken der Stadt Köln, Kuratoriums- und Beiratsmitglied der Porzer Klinik gGmbH
Elena Vogt, Jürgen Vogt, Köln: Sprache, Psychologie und Behandlung
Was ist „Deutsche Kultur“? Von den Germanen bis zur „Leitkultur“. (Jürgen Vogt)
„Wie ich nach Deutschland kam.“ Ein Erfahrungsbericht (Elena Vogt)
Zweisprachigkeit in Kindergarten und Schule (Elena Vogt)
Sprache, Intelligenz und Schule (Elena Vogt, Jürgen Vogt)
Psychotherapeutische Arbeit mit Menschen aus anderen Kulturkreisen (Jürgen Vogt)
Dr. med. Bertram von der Stein, Köln: Transgenerationelle Traumatisierung
verschiedener Gruppen von Migranten in Deutschland. Verborgene Traumata von
Kindern und Enkeln
Migration kann in die Persönlickeitsentwicklung eines Menschen akut – oder kumulativ
traumatisierend
eingreifen
durch
Armut
und
Verfolgung im
Herkunftsland,
den
Migrationprozess selbst, aber auch durch postmigratorische Erfahrungen im Aufnahmeland.
Die Identität als Übergangsraum zwischen innerer personaler uns äußerer sozialer
Entwicklung (Erikson 1976) ist häufig irritiert. Im Durchgangsraum Deutschlands spielte
Migration immer eine große Rolle, auch wenn dies im Nationalsozialismus verleugnet wurde.
Katastrophen wie der Holocaust, der zweite Weltkrieges mit Vernichtung von Millionen von
Menschen haben viele nachhaltig traumatisiert. Auch danach kamen Menschen mit
traumatischem
Erfahrungshintergrund:
Vertriebene Deutsche, sog.
Gastarbeiter aus
verschiedenen Ländern Südeuropas und der Türkei, Spätaussiedler aus Osteuropa,
asylsuchende Flüchtlinge und jüdische Kontingentflüchtlinge, um nur einige zu nennen.
Verminderte Grenzbildung ist ein universales Phänomen zwischen traumatisierten Eltern und
deren Nachkommen (Kogan 2006). Traumatisierte haben selten präzise Erinnerungen, können
Gefühle schlecht mit Vorstellungen verbinden und können ihre Erfahrungen schlecht
versprachlichen. Die Abwehr geschieht durch verstärkte Zuwendung zum Alltagsgeschäft, so
sind viele
angepasst und leistungsfähig. Diese „pathologische Normalität“ hat
mit
Einkapselung, Abspaltung des Traumas zu tun. Die zur Verstummung führende Macht des
Traumas führt zu einer Wirkung über das Individuum hinaus mit Niederschlag in Kultur und
Gesellschaft. Dies führt bei Nachkommen zu Störungen, die häufig fehlinterpretiert und
inadäquat behandelt werden, gerade bei jenen Menschen, die vordergründig perfekt integriert
sind. Kaum jemand hat sich für ihre Familiengeschichte interessiert, sie selbst oft am
wenigsten. Man muss sie nicht suchen, sondern nur finden, denn sie treten in nahezu jeder
psychotherapeutischen Klinik und Praxis in Deutschland auf. Ihre Zahl wird zunehmen. Oft
sehen Therapeuten mit ähnlicher Vorgeschichte den Wald vor lauter Bäumen nicht. Der
Vortrag soll ein psychoanalytischer Werkstattbericht sein, der ausgehend von Fallvignetten
die Problematik konkretisiert und mögliche therapeutische Konsequenzen aufzeigt.
Literatur: Bergmann, M.S., Jucovy M. E. , Kestenberg, J.S. (1990,1995): Kinder der Täter, Kinder
der Opfer. Psychoanalyse und Holocaust. Frankfurt a. M. (Fischer); Bohleber, W. (1997): Trauma,
Identifizierung und historischer Kontext. Über die Notwendigkeit, die NS-Vergangenheit in den
psychoanalytischen Deutungsprozess einzubeziehen. In: Psyche, 9/10, S. 958–995; Brooks Brenneis,
C. (1998): Gedächtnissysteme und der psychoanalytische Abruf von Trauma-Erinnerungen. In: Psyche
1998 S. 801-823; Eckstaedt, A. (1999) Ein Vertriebenenschicksal in der dritten Generation.
In:Schlösser Anne-Marie & Höhfeld, Kurt (Hg): Trennungen.. S. 137 153. Gießen
(Psychosozialverlag); Erim, Y. (2002): Psychotherapie mit Migranten. In: Senf, W., Broda, W. (Hrsg)
Praxis der Psychotherapie, ein integratives Lehrbuch der Psychotherapie Thieme Stuttgart S. 634-639;
Erikson, E.H. (1976): Identität und Lebenszyklus. Frankfurt a. M. (Suhrkamp); Freud, S. (1917):
Trauer und Melancholie. G.W. X, S. 428; Freud, S. (1923): Das Ich und das Es. G.W. XIII , S.237;
Gampel, Y. (1994): Identifizierung, Identität und generationsübergreifende Transmission. In: Z. f.
psychoanal. Theorie und Praxis IX 3, S. 301–319; Grinberg L., Grinberg R. (1990): Psychoanalyse der
Migration und des Exils. Stuttgart (Verlag Internationale Psychoanalyse); Han, P. (2000): Soziologie
der Migration. Stuttgart UTB; Hirsch, M. (1999): Die Wirkung schwerer Verluste auf die zweite
Generation am Beispiel des Überlebensschuldgefühls und des »Ersatzkindes«. In: Schlösser, AnneMaie & Höhfeld, Kurt:Trennungen. S.125 - 136 Gießen (Psychosozial-Verlag); Hochheimer, W.
(1966): Zur Rolle von Autorität Psyche 20: 495- 520; Kogan, I. (2003): On being a dead, beloved
child. Psychoanalytic Quarterly 72 (3): 727-767; Mitscherlich A. und M. (1967): Die Unfähigkeit zu
trauern. München (Piper); Rank, O.(1924): Das Trauma der Geburt. Frankfurt a. M. (Fischer); Spiegel,
D., Cardena E. (1991): Desintergrated experince: the dissociative disorder revisited. In: J. Abnorm
Psychol. 100, S. 366-378; Volkan, V (2000): Gruppenidentität und auserwähltes Trauma. In: Psyche
54 , S. 931–95
Dr. med. Bertram von der Stein, Boris Mitric, Stella Shtcherbatova: Gleichzeitigkeit der
Ungleichzeitigen -Verschiedene Gruppen von Migranten in Deutschland. Chancen und
Grenzen transkultureller Psychoanalyse und Psychotherapie.
Kulturspezifische Angebote
speziell auf bestimmte Ethnien zugeschnitten sind eher die
Ausnahme und vielfach von den Patienten nicht gewünscht. In der alltäglichen Arbeit mit
Migranten kommt es nicht selten ob in der
„Sprachverwirrungen“
und
Einzeltherapie oder in Gruppen zu
Verständnisschwierigkeiten,
die
jenseits
vordergründiger
Sprachinkompetenz liegen. Der Workshop soll die Teilnehmer ermuntern eigene Erfahrungen
einzubringen, so dass ein reger Erfahrungsaustausch mit den Referenten entsteht. Dabei sollen
noch einmal theoretische Aspekte aus den Vorträgen in Bezug zur Praxis gesetzt werden und
hierbei Chancen und Grenzen von Therapien beleuchtet werden in denen sich Menschen aus
verschiedenen Kulturräumen begegnen.
Literatur: Bergmann, M.S., Jucovy M. E. , Kestenberg, J.S. (1990,1995): Kinder der Täter, Kinder
der Opfer. Psychoanalyse und Holocaust. Frankfurt a. M. (Fischer). Bohleber, W. (1997): Trauma,
Identifizierung und historischer Kontext. Über die Notwendigkeit, die NS-Vergangenheit in den
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Dr. Dr. Bernhard Wegener: Kannibalismus
Es war der Vorwurf des Kannibalismus einer der vorgetragenen Gründe zur Legitimation der
Gewaltanwendung der Eroberer gegen die Einwohner Mesoamerikas. Eine tiefe kulturelle
Spaltung entstand zwischen Ur-Amerika und dem Abendland.
Die ersten Berichte sind weder frei von Vorurteilen, noch war das Bemühen erkennbar, ein
realistisches Bild zu zeichnen. Es entstand eine Tradition des Vorurteils, das sich bis in die
Gegenwart fortsetzt. Auch ethnologische Studien sind nicht solchen Präjudizien exempt.
In Anthropologie, Religion, Geschichte, Kunst, Medizin und Psychologie treten auf
verschiedensten Ebenen Themen der Anthropophagie auf. Es handelt sich um moderne
Probleme, der Inkorporation oder andererseits der Vernichtung des Fremden, um
Hochachtung oder Schmach, um Miteinander oder Dominanz usw.
Anthropophagie ist zu einem Symbolbegriff der Gegenwart geworden, der bezeichnet, dass
Herrschende Beherrschte ausbeuten (z. B. Organ“spenden“ von indischen Kindern für USBürger). Der Krieg ist ein Anthropophag. In der Süd- und Mittelamerikanischen Literatur trat
ein neues Selbstbewusstsein in der Bezeichnung als anthropophag hervor, als Abgrenzung zu
europäischen Traditionen. Der Menschenfresser ist dort jemand, der den anderen achtet und
in sich hineinlässt, eine geistige Union bewirken will.
Daneben stehen die Figuren des Schauerromans, der Vampire und Halbtoten, die
angstmachenden Schimären des Unterbewussten, der Sarkophag (=Fleischfresser).
Es wird in dem Referat versucht, die unterschiedlichen Ansätze aufzuzeigen in ihren
Bezügen zur Gegenwart.
PD Dr. Marc Ziegenbein, Wielant Machleidt, Iris Tatjana Calliess, Hannover:
Migrantinnen und Migranten im psychiatrischen und psychotherapeutischen
Versorgungsalltag
Die Zahl der Migranten hat sich seit 1975 weltweit mehr als verdoppelt. Laut
Ausländerzentralregister (Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Ausländerfragen
2005) lebten Ende des Jahres 2005 6,8 Millionen Menschen mit einer ausländischen
Staatsangehörigkeit in Deutschland. Dies entspricht einem Ausländeranteil von 8,2 % an der
Gesamtbevölkerung. Fast die Hälfte dieser Menschen lebt bereits länger als 10 Jahre in
Deutschland. In dieser Statistik sind die deutschstämmigen Aussiedler aus Osteuropa nicht
mit enthalten, da sie bereits im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft sind oder diese
unmittelbar bei Einreise erhalten. Zudem führt die Ausländerstatistik auch diejenigen
Migranten nicht mehr auf, die mittlerweile eingebürgert wurden. Auch illegale Einwanderer
sind
statistisch
nicht
erfasst.
Im
Ergebnis
ist
der
Anteil
der
Menschen
mit
Migrationshintergrund an der Bevölkerung deutlich höher als die Ausländerstatistik ausweist.
Die größte Gruppe der ausländischen Wohnbevölkerung bildeten die türkischen
Staatsangehörigen: Ende des Jahres 2005 lebten 1,76 Millionen Migranten aus der Türkei in
Deutschland, was ca. einem Viertel (26,1 %) der gesamten ausländischen Wohnbevölkerung
entspricht. In einer Positionsbestimmung der Bundesregierung zum Integrationsgipfel am 14.
Juli 2007 wird erklärt, dass Deutschland nicht erst seit der Anwerbung von Gastarbeitern Ziel
von Zuwanderung sei. Ferner heißt es dort, dass unser Land auf eine lange und prägende
Migrationstradition mit zahlreichen Beispielen erfolgreicher Integration zurückblicke und
dass die Integration von Zuwanderern eine der großen politischen und gesellschaftlichen
Herausforderungen
in
Deutschland
sei.
Das
Gesundheitssystem
mit
seinen
Versorgungsangeboten nimmt dabei eine Schlüsselposition ein. Mit dem Vortrag soll zum
Verständnis für die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung von Migranten
beigetragen werden. Dabei werden die bestehenden Versorgungsangebote und Strategien
kritisch beleuchtet und ein Ausblick gegeben.
Priv.-Doz. Dr. med. Marc Ziegenbein, Abteilung Sozialpsychiatrie und Psychotherapie,
Medizinische Hochschule Hannover, OE 7120, Carl-Neuberg-Str. 1, D-30625 Hannover, Tel:
0511-532-6617/18, Fax: 0511-532-2408, [email protected]
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