studierenden-endbericht 2010

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STUDIERENDEN-ENDBERICHT 2010
Gastuniversität: University of Dar es Salaam - UDSM
Aufenthaltsdauer:
von März 2010
bis Juli 2010
1. Stadt, Land und Leute
Tansania liegt an der Ostküste Afrikas südlich des Äquators und hat eine Fläche von
945.087 km². Unter anderem beherbergt Tansania den größten Berg Afrikas (Mt.
Kilimanjaro – 5895 m) und teilt sich die drei größten Seen Afrikas (Lake Victoria,
Lake Tanganyika, Lake Malawi) mit den Nachbarländern. Die Hauptstadt ist Dodoma
wo
sich
der
Regierungssitz
befindet,
aber
das
wirkliche
Handels-
bzw.
Wirtschaftszentrum stellt Dar es Salaam („Hafen des Friedens“) dar. Diese Stadt,
auch kurz Dar genannt, ist rasend schnell und unkontrolliert gewachsen und hat
momentan eine Bevölkerung von über 3 Millionen Einwohner. Tansania hat knapp
130 Stämme, welche in Frieden miteinander leben. Teilt man die Bevölkerung in
Religionsgruppen, halten sich Christen und Moslems ca. die Waage und es gibt auch
noch kleine Minderheiten. Dabei kann man sagen, dass sich die Anhänger der
beiden unterschiedlichen Weltreligionen sehr gut untereinander verstehen und
harmonisch zusammenleben, was man auch daran sieht, dass in vielen Dörfern
direkt neben der Kirche eine Moschee steht. Die Leute selbst sind sehr nett und
hilfsbereit und immer offen für ein Gespräch.
2. Soziale Integration
Integrieren in die Gesellschaft kann man sich, wenn man das will, sehr leicht. Die
Einwohner sind sehr offen und lernen gerne neue Leute kennen. Für uns war die
Situation folgende: Da wir nicht an der Uni wohnen durften, weil die Studentenheime
nach Geschlechtern getrennt sind, haben wir ein Stückchen von der Uni
weggewohnt. Somit hatten wir jetzt nicht so den Kontakt zu einheimischen Studenten
wie ihn die anderen Austauschstudenten hatten, die im Studentenheim wohnten und
sich ein Zwei-Bett-Zimmer mit einem einheimischen Studenten teilen mussten. Doch
trotzdem hatten wir in unserem Dorf viel Kontakt mit den Einheimischen, weil wir
immer in den lokalen „Restaurants“ gegessen haben, Früchte oder andere
Lebensmittel dort gekauft haben. Weiters hatten wir auch öfters längere Gespräche
mit den Hausbesitzern oder wie wir ihn nannten mit unserem „Früchtemann“ bei dem
wir immer unser frisches Obst kauften. Wer wirklich die Sprache schnell und gut
lernen und sich richtig integrieren will, sollte bei einer Gastfamilie am Campus
wohnen wie es ein amerikanischer Austauschstudent gemacht hat. Laut ihm war das
sehr lehrreich und nett, jedoch musste er auch eine Stange Geld dafür bezahlen.
3. Unterkunft
Nachdem wir in den Studentenheimen am Campus nicht zusammen wohnen dürfen
(obwohl wir behauptet haben, dass wir verheiratet sind), weil die Heime nach
Geschlechtern getrennt sind, bekamen wir vom Accomodation Office eine Unterkunft
in der Nähe der Uni vorgeschlagen. Somit wurden wir nach Changanyikeni gebracht
wo wir in einem Haus ein Zimmer mit eigenem Bad und Balkon unser Reich nennen
durften. Es ist zwar circa doppelt so teuer wie im Heim, aber dafür hat man den
Luxus eigentlich immer Strom und Wasser zu haben. Denn in den Heimen an der Uni
kann es sein, dass man für 14 Tage kein Wasser hat und auch für mehrere Tage
keinen Strom. Außerdem ist es in Changanyikeni viel ruhiger und sicherer als am
Campus. Changanyikeni ist ein kleines, nettes Dorf ca. 1 km von der Uni entfernt wo
man auf der Straße alles kaufen kann, was man so zum leben braucht. Ein weiterer
Vorteil ist ebenfalls, dass man hier einen Wachmann hat, der die ganze Nacht
aufpasst, dass nicht eingebrochen wird. Nachdem wir andere Austauschstudenten
an der Uni in ihren Zimmern besucht haben, wissen wir auch wie diese ausschauen.
Es sind Zwei-Bett-Zimmer mit einem Schreibtisch, Bett und Kasten. Dusche und Klo
sind am Gang und wird somit mit den anderen Stockwerksbewohnern geteilt, dies ist
wohl auch ein Grund warum die Heime nach Geschlechtern getrennt sind, denn in
den manchen Duschen gibt es keine Tür oder Duschvorhang. Weiters mussten die
Austauschstudenten mit Einheimischen zusammenziehen, was manche überhaupt
nicht mochten und andere schon. Hängt von der jeweiligen Person ab.
4. Kosten
Ausgaben im Rahmen des Auslandsaufenthaltes in Euro pro Person pro Monat:
Unterbringung:
€ 110 (im Heim kostet es 350 USD fürs ganze Semester)
Verpflegung:
€ 90
Fahrtkosten:
€ 10
Bücher, Kopien, etc.:
€
Sonstiges:
€ 20
5
Ausgaben im Vorfeld bzw. einmalige Kosten während des Aufenthalts pro Person in Euro:
Hin – und Rückflug:
€ 621
Visum:
€
40 (50 USD sofort bei Einreise)
Aufenthaltsgenehmigung:
€
95 (120 USD, zur Verlängerung des 90-tägigen Visums)
Einschreibegebühren:
€ 260
Impfungen:
€ 400 (je nachdem was man bereits geimpft ist)
Reisekrankenversicherung: € 300
5. Sonstiges (Visum, Versicherung, etc.)
Visum haben wir nicht im Vorhinein beantragt, wir sind einfach nach Dar es Salaam
geflogen und haben am Flughafen das Visa-Formular ausgefüllt und haben die 50
USD bezahlt – das ganze hat vielleicht eine halbe Stunde gedauert und ist
problemlos abgelaufen.
Wir haben bei Statravel eine Reisekrankenversicherung abgeschlossen, welche uns
für die 7 Monate € 299 gekostet hat – dabei war alles versichert (Storno-, Gepäck-,
Diebstahl-, Unfall- und Rückholversicherung, etc). Zu beachten ist jedoch, dass
Krankheiten durch Insektenstiche nicht ausgeschlossen werden (was bei Malaria
also der Fall wäre)! Uns ist das nämlich passiert – in der Broschüre stand nichts
davon, erst nach Vertragsabschluss haben wir eine CD bekommen wo dann die
genauen Bedingungen standen – also unbedingt vorher nachfragen!!
6. Beschreibung der Gastuniversität
Die Universität von Dar es Salaam liegt außerhalb der Stadt auf einem Hügel, was
von Vorteil ist, da es nicht so stickig schwül ist wie in der Stadt, sondern immer ein
angenehmes Lüftchen weht. Es studieren ca. 13.000 Studenten – also ungefähr
gleich viel wie an der JKU Linz. Der Campus ist sehr weitläufig und beherbergt unter
anderem: Fußball-, Basketball- und Tennisplätze, einen Swimmingpool, ein
Krankenhaus, sieben Studentenheime und viele Privathäuser für Uniprofessoren und
Universitätsangestellte, drei Mensen, einige kleinere Cafes und natürlich auch viele
Lehr- und Seminargebäude. Durch das Universitätsgelände verläuft eine Straße auf
der unter anderem auch viele Dala-dalas (Kleinbusse) fahren die den An- und
Abtransport der nicht am Campus wohnenden Studenten ermöglichen bzw. die Fahrt
in die Stadt usw. einfach machen.
7. Anmelde- und Einschreibformalitäten
Die Anmelde- und Einschreibeformalitäten haben sich weniger aufwändig gestaltet
als erwartet! Zu Beginn des Semesters wurde bei jeder Fakultät ein vorläufiger
Stundenplan ausgehängt, auf welchem man herauslesen konnte welche Kurse
dieses Semester angeboten werden. Die ersten drei Wochen konnte man sich die
Kurse dann so zu sagen erstmal anschauen (wobei man sagen muss, dass die
ersten zwei Wochen kaum eine Vorlesung stattgefunden hat, da die meisten
Studenten noch gar nicht da waren und somit auch die Professoren es nicht für nötig
hielten zu erscheinen). Im jeweiligen Kurs erfährt man dann, wie man sich
schlussendlich für die Kurse anmelden muss (im Kurs selbst, im Institut und oder
online im ARIS – einfache Form von KUSSS).
8. Studienjahreinteilung
Beginn der Vorlesungszeit:
29. März 2010
Ende der Vorlesungszeit:
07. Juli 2010
Beginn der Prüfungszeit:
12. Juli 2010
Ende der Prüfungszeit:
23. Juli 2010
9. Einführungswoche bzw. –veranstaltungen
Die Einführungswoche bzw. besser gesagt der Einführungstag findet in der Woche
vor Semesterbeginn statt. Hier kommen alle Austauschstudenten zusammen und
erhalten Vorträge von verschiedenen Personen über Sicherheit, Gesundheit,
Verhalten an der Uni, Ablauf der Kurse etc. In der Mittagspause wird ein typisch
einheimisches Essen aufgetischt und am Schluss der Veranstaltung wird noch ein
Gruppenfoto gemacht.
10.Kursangebot
und
besuchte
Kurse
(kurze
Beschreibung
und
evtl.
Bewertung)
Wir haben vier Kurse gemacht, drei Development Studies Kurse und einen KorallenÖkologie Kurs. Vor allem die Development Studies Kurse waren sehr gut – es war
wirklich interessant aus der Sicht eines Entwicklungslandes zu hören, was die
Probleme sind, warum es nach wie vor ein Entwicklungsland ist und was im
Vergleich China anders gemacht hat, etc.
Development Perspectives II (DS 102):
Das war sozusagen ein Einführungskurs in dem man Theorien lernt bzw. auch die
geschichtliche Entwicklung Tansanias. Dieser Kurs war relativ interessant und wurde
in neun Kapitel aufgeteilt – jedes Kapitel wurde von einem anderen Professor
behandelt, wobei wir gute und weniger gute Vorträge erhielten.
Planning, Public Policy and Development (DS 213)
In diesem Kurs wurde gelehrt wie man Policies entwickelt, wer sie beeinflussen kann
und wie man vorgehen muss um eine Policy erfolgreich implementieren zu können.
Auch dieser Kurs war sehr interessant. Man lernt wer in Tansania die politische
Macht hat bzw. dass viel falsch läuft, weil nicht die richtigen Menschen in die Planung
miteinbezogen werden (zB. werden oft Frauen nicht gefragt, wenn über ihre
Probleme entschieden wird). In diesem Kurs hatten wir zwei Professoren die sehr
kompetent waren, sehr gut englisch sprechen und den Kurs auch relativ interessant
gestaltet haben.
Poverty Analysis and Alternative Strategies for Development (DS214):
Das war unser Lieblingskurs. Hier wurde analysiert warum Tansania noch immer ein
Entwicklungsland ist, was zB die Chinesen anders gemacht haben und wie sich
Tansania über die Zeit entwickelt hat (vor, während und nach der Kolonialzeit). Es
war sehr interessant das aus der Sicht eines Entwicklungslandes zu hören.
Coral Reef Ecology (AQ 321):
Diesen Kurs haben wir ausgewählt, da wir für unsere Wahlfächer auch etwas ganz
anderes haben wollten (etwas was einfach nichts mit Wirtschaft zu tun hat). Hier hat
man allgemein über Korallen und deren Empfindlichkeit gegenüber externe
Einwirkungen (z.B. Verschmutzung, erhöhte Wassertemperatur etc.) gelernt und
später auch wie Tansania selbst versucht die Korallen entlang der ca. 1.400 km
langen Küste zu schützen. Am Ende gab es auch einen praktischen Teil, bei dem
man mit dem Professor Schnorcheln ging.
Wir hatten im Gegensatz zu anderen Austauschstudenten keine Probleme mit den
Professoren – andere hatten oft das Problem, dass die Professoren nicht regelmäßig
erschienen sind usw. – das kam bei uns gar nicht vor! Unsere Professoren waren
sehr motiviert und sind so gut wie immer erschienen – schließlich ging es bei den
Kursen ja um die Entwicklung Tansanias und das liegt den Professoren selbst sehr
am Herzen!
11.Credits-Verteilung bezogen auf Kurse, „study workload“ pro Semester
Jeder Kurs setzt sich aus 2 Vorlesungen (je 1 h) und 1 Seminar (1 h) pro Woche
zusammen – somit 3 Einheiten pro Woche. Leider ist es nicht an einem Tag sondern
meist an drei verschiedenen Tagen, somit muss man bei nur vier Kursen zu zwölf
verschiedenen Terminen gehen. Dabei ist es gar nicht so einfach Kurse zu finden,
die sich nicht überschneiden (also wo alle 3 Kurse jeweils zu einem anderen Termin
sind).
12.Benotungssystem
Die Noten setzen sich aus 40 % „course-work“ (Gruppenarbeit, Präsentation,
Zwischentest und Mitarbeit) und 60 % „final exam“ zusammen. Wir haben nur 4
Kurse gemacht und es war trotzdem immer was zu tun, weil man entweder eine
Gruppenarbeit machen muss, oder ein Zwischentest ansteht. Dabei muss man noch
sagen, dass es wichtig ist in den Kurs zu gehen, denn es wird im Kurs ca. eine
Woche zuvor angekündigt, wann der Zwischentest stattfindet bzw. oft wird auch erst
im Seminar geklärt wer die darauffolgende Woche die nächste Seminarfrage
präsentieren muss. Kann man eine Einheit mal nicht besuchen, dann muss man sich
einfach mit dem Professor auseinander setzen, dann ist das kein Problem! Die
Professoren sind sehr nett und einsichtig! Nach der Notenkonferenz (welche bei uns
Ende August war) kommen dann die Noten ins Aris und das Links Office druckt die
Scheine dann aus und lässt sie unterschreiben und stempeln. Hat man einen Teil der
Anforderungen versäumt (z.B. man war nicht beim Zwischentest, oder hat keine
Arbeit abgegeben), bekommt man ein „incomplete“ was soviel bedeutet, dass man
durchgefallen ist!
13.Akademische Beratung/Betreuung
An der Uni ist das Links Office für die Betreuung der Austauschstudenten
verantwortlich. Mama Kaaya und ihre Assistentin Ikunda sind für generelle Fragen
ganz gut, aber ansonsten macht es mehr Sinn mit den jeweiligen Instituten bzw.
Professoren selbst zu kommunizieren – das spart Zeit und Nerven. Die Professoren
bzw. Direktoren der einzelnen Institute sind sehr hilfsbereit und nett.
14.Resümee
Einfach nur sensationell! Tansania ist ein fantastisches und vielfältiges Land und die
Menschen sind sehr freundlich. Wir sind soviel wie möglich herumgereist und haben
die Zeit hier sehr genossen! Mit Tansania haben wir einfach die richtige Wahl
getroffen – wir wollten nicht nach Amerika bzw. in ein Land in Europa, wir wollten
was erleben, etwas anderes sehen als das was wir von zu Hause kennen. Tansania
ist ganz anders, aber wunderschön (natürlich gibt es auch Schattenseiten). Aber am
besten sieht man sich unseren Blog an, dann kann man sich selbst ein Bild machen
(Adresse steht am Ende des Berichts)! Schlussendlich können wir sagen, dass
dieses Auslandssemester eine einmalige und unvergessliche Erfahrung war und wir
diese niemals missen möchten. Aus diesem Grund hoffen wir, dass die JKU nicht die
Partnerschaft mit der UDSM auflöst – das wäre zu schade!
15.Tipps und was man sonst noch unbedingt wissen sollte
Wir hatten immer Probleme mit Maestro bzw. MasterCard Geld zu bekommen. An
der Uni gibt es jetzt zwar einen Bankomat bei dem wir meistens (!) abheben konnten
– leider auch nicht immer und das größere Problem ist, wenn man herumreist kommt
es oft vor, dass in der ganzen Stadt keine Bank ist, welche Maestro oder MasterCard
akzeptiert. Außerdem zahlt man pro Behebung Gebühren von ca. € 8 – 10. Somit
haben wir hier ein Bankkonto eröffnet (bei der CRDB-Bank) und einmalig einen
größeren Geldbetrag überwiesen, was uns Geld, Nerven und Zeit gespart hat.
An der Uni gibt es ein gutes Internetcafe, sowie auch in der Shopping-Mal Mlimani
City. In den Studentenheimen sollte es auch W-Lan geben, aber das funktioniert laut
den anderen Studenten nur sporadisch. Somit haben wir uns, nachdem wir sowieso
off-campus gelebt haben, einen Internetstick gekauft, welcher einmalig ca. € 15
kostet und um unbegrenzten Internetzugang zu haben zahlt man momentan ca. € 15
pro Monat (leider ist es zu gewissen Tageszeiten nicht gerade das schnellste).
Um die Scheine auch wirklich zu bekommen, wäre es von Vorteil so wie wir länger zu
bleiben bzw. schon im Vorhinein zu sorgen, dass die Professoren wissen wie wichtig
es ist, dass man die Scheine erhält! Bestenfalls besorgt man sich noch gleich eine
Telefonnummer oder E-Mail Adresse um im Notfall den Professor kontaktieren (und
ihm Beine machen kann).
Für Fotos bzw. Geschichten stellen wir gerne unseren Blog zur Verfügung den wir für
unsere Familie und Freunde gemacht haben:
http://www.jambo-tansania.blogspot.com/
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