Stiftung Heilig Kreuz

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JUGENDBURG
Stiftung Heilig Kreuz
St.-Michael-Str. 18
49661 Cloppenburg
Telefon: 0 44 71 / 88 05 - 70
Telefax: 0 44 71 / 88 05 - 71
E-Mail: [email protected]
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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Inhaltsverzeichnis

Auf einem Blick - Anschriften und Ansprechpartner
Seite 1

Leitbild – Was uns leitet ...
Seite 2

Zielgruppe – Für wen wir etwas tun ...
Seite 3

Pädagogische Konzeption – Was wir tun und wie wir es tun ...
Seite 5

„Mutter – Kind – Therapie“ – Wege aus der Sucht
Seite 11

Alkohol- / Drogenprävention
Seite 15

Sozialtherapeutische Wohngruppen
Seite 19

Sozialpädagogische Tagesgruppe
Seite 21

Betreute Wohnformen
Seite 23

Ambulante sozialpädagogische Hilfen
Seite 23

Die Stiftung Hl. Kreuz – Erziehungshilfe im Wandel
Seite 25
Gutes tun,
fröhlich sein
und die Spatzen pfeifen lassen...
(Don Bosco)
Auf einem Blick ....
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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Anschriften und Ansprechpartner
JUGENDBURG - Stiftung Heilig Kreuz
Kinder-, Jugend- und Familienhilf e
St.-Michael-Str. 18
49661 Cloppenburg
Postfach 11 48
49641 Cloppenburg
Telefon:
0 44 71 / 88 05 - 70 (Zentrale)
Telefax:
0 44 71 / 88 05 - 71
E-Mail: [email protected]
Leitung:
Verwaltungsleiter:
Erziehungsleiter:
Herr Andreas Schmedes
Herr Rainer Bernholt
Tel. 0 44 71 / 88 05 – 72
Tel. 0 44 71 / 88 05 – 76
Begleitender Dienst:
Familientherapeutin
Psychologin
Frau Anne Markos
Frau Christa Preuth-Stuke
Tel. 0 44 71 / 88 05 – 75
Tel. 0 44 71 / 88 05 – 78
Wohngruppen / Tagesgruppe:
Sozialtherapeutische Wohngruppe
„Schaalseeweg“
Schaalseeweg 5
49661 Cloppenburg
Tel. 0 44 71 / 88 05 – 82
Sozialtherapeutische Wohngruppe
„Sonnenblumenstraße“
Sonnenblumenstraße 5
49661 Cloppenburg
Tel. 0 44 71 / 88 05 – 83
Sozialpädagogische Tagesgruppe
„Mittendrin“
Sperlingstraße 14
49661 Cloppenburg
Tel. 0 44 71 – 88 05 – 81
Betreute Wohnformen / Ambulante Hilfen:
St.-Michael-Str. 18
49661 Cloppenburg
Tel. 0 44 71 – 88 05 – 78
Die „Stiftung Heilig Kreuz“ wurde 1946 als milde katholische Stiftung von Herrn Dechant Meyer und Amtsgerichtsdirektor Dr. Ostmann
gegründet und ist Mitglied

im Landescaritasverband Oldenburg, Vechta

im Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe (BvkE), Freiburg sowie der AGE
Osnabrück/Oldenburg
in der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen, Frankfurt
LEITBILD
Stand: Februar 2005
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...was uns leitet ...
Wir verstehen uns als Einrichtung für Kinder, Jugendliche und deren Familien,
die auf Grundlage des christlichen Menschenbildes im Miteinander Leben
gestaltet
Wir schätzen jedes Leben als gewollte Schöpfung Gottes
Wir unterstützen Eltern als entscheidende Partner in der Erziehung ihrer Kinder
Wir begleiten unsere Kinder und Jugendlichen ganzheitlich
Wir
fördern
durch
gegenseitige
Achtung
und
Wertschätzung
unsere
Dienstgemeinschaft
Wir dienen als Vorbild
Wir pflegen mit unseren Kooperationspartnern vertrauensvolle Beziehungen
Als eine Einrichtung im Bereich der Caritas verstehen wir uns als christliche
Dienstgemeinschaft, die geprägt ist aus der Tradition der Soziallehre der katholischen
Kirche. Dies bedeutet für uns die Annahme eines jeden Menschen in seiner Ganzheit und
Einmaligkeit als Gottes Geschöpf.
Daraus resultiert eine wertschätzende, hoffnungsvolle, akzeptierende und liebevolle
Grundhaltung, die gerade auch den andersdenkenden und in seinem Leben in Not
geratenen Menschen in den Mittelpunkt der Wahrnehmung und des Handelns nimmt.
Die Lebensgeschichten der jungen Menschen und ihrer Familien bieten uns Anlass und
Hintergrund Lebensentwürfe und Lebensgestaltungen zu erkennen und gemeinsam nach
weiteren Entwicklungsmöglichkeiten zu suchen. Wir suchen nach Stärken und Quellen und
glauben an die Entwicklungsmöglichkeiten einzelner und ihrer Familie.
ZIELGRUPPE
...für wen wir etwas tun ...
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen sowie Überforderungen in der
Erziehung sind die augenscheinlichsten Probleme, mit denen wir in unserer Arbeit zu tun
haben.
Die Lebenssituation von Kindern, Jugendlichen und Familien ist heute sehr komplex. Eltern
versuchen, ihre Kinder so gut sie nur können zu fördern und zu betreuen.
Sie kommen dabei aber an ihre Grenzen. Die Ursachen können sehr unterschiedlich und
multifaktoriell sein:



Beziehungsprobleme und –abbrüche der Eltern sind hier häufig ein Thema
persönlichkeitsbedingte Schwierigkeiten, den Erziehungsprozess zu steuern
psychosozial belastende Ereignisse in der Familie (seelische und auch körperliche
Krankheiten, insbesondere auch Suchterkrankungen, Behinderungen, Tod eines
Familienangehörigen, Verlust der Arbeit, Umzüge in neue Sozialräume etc.)
Durch unsere Erziehungshilfeangebote unterstützen wir Eltern in ihrer Erziehungsaufgabe:




durch
ambulante
sozialpädagogische
Maßnahmen
(Sozialpädagogische
Familienhilfe, Einzelbetreuungen, etc.)
durch teilstationäre Hilfe (Tagesgruppe)
durch stationäre Hilfe (Wohngruppen)
durch „Betreute Wohnformen“ (Betreutes Einzelwohnen für junge Volljährige)
Im Stationären Bereich nehmen wir Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren auf (im Einzelfall
auch jüngere Kinder, meistens als Geschwisterkinder).
In der Tagesgruppe werden schulpflichtige Kinder bis zum Alter von 14 Jahren
aufgenommen.
Im Bereich „Betreute Wohnformen“ werden junge Volljährige betreut.
Die Kinder und Jugendlichen zeigen vielfältige, von ihrer Umwelt als „störend“ empfundene,
Verhaltensweisen. Sie sind dabei oft in ihrer Entwicklung verzögert und haben Probleme im
Leistungsbereich (Schule, Ausbildung etc.)





aggressives Verhalten, auto-aggressives Verhalten (Selbstverletzung)
Wahrnehmungsstörungen, Grenzverletzungen
Distanzlosigkeit im Kontakt
Rückzugstendenzen
Mangelnde soziale Kompetenz im Umgang mit Jüngeren, Gleichaltrigen und
Erwachsenen

Fluchttendenzen, Verweigerungshaltung

Jugendkriminalität

Schulversagen, Schulverweigerung

Sexuell auffälliges Verhalten

Psychosomatische Störungen (u. a. auch Einnässen, Essstörungen, etc.)

Problematischer Umgang mit Suchtmitteln (Nikotin, Alkohol, Drogen, etc.)
ADHS (Aufmerksamkeitsprobleme / Hyperaktivität)
Bei den jungen Volljährigen wird sozialpädagogische Hilfe und Begleitung zur


weiteren Persönlichkeitsentwicklung und zur
eigenständigen Lebensführung (Verselbständigung)
geleistet.
Die Hilfen werden als Maßnahmen nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG, SGB
VIII) angeboten:

§ 20
Betreuung in Notsituationen
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg








§ 30
§ 31
§ 32
§ 34
§ 35
§ 35a
§ 41
§ 42
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Erziehungsbeistand
Sozialpädagogische Familienhilfe
Erziehung in einer Tagesgruppe
Heimerziehung, sonstige betreute Wohnform
Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung
Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche
Hilfe für junge Volljährige, Nachbetreuung
Inobhutnahme
Die Hilfe wird individuell auf den Hilfebedarf in der „Hilfeplanung“ (nach § 36 KJHG)
abgestimmt und dem Hilfsprozess entsprechend angepasst.
Vielfach sind die Kinder und Jugendlichen bereits in kinder- und jugendpsychiatrischer
Behandlung gewesen (ambulant, teilstationär oder stationär).
Im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Fachklinik für suchtkranke Frauen St. Vitus GmbH
in 49429 Visbek, nehmen wir Kinder stationär auf, deren Mütter eine stationäre
Suchtbehandlung wahrnehmen.
PÄDAGOGISCHE KONZEPTION
...was wir tun und wie wir es tun ...
Als Kinder-, Jugend- und Familienhilfe-Einrichtung widmen wir uns drei großen
Aufgabenbereichen:
1. Wir fördern Kinder, Jugendliche und junge Volljährige in ihrer
Entwicklung, berücksichtigen dabei ihre Einmaligkeit mit allen Ressourcen
und Defiziten.
Individualität
Unser sozialpädagogisches und –therapeutisches Angebot beschäftigt sich mit dem
jungen Menschen in seiner biographischen, einmaligen „Gewordenheit“. Massivere
Verhaltensprobleme und starke emotionale Belastungen sind zumeist der Anlass für
eine Unterbringung in teilstationären oder stationären Einrichtungen der Jugendhilfe.
Problemverständnis
Wir gehen davon aus, dass die Kinder und Jugendlichen nicht die für sie optimalen
Entwicklungsmöglichkeiten hatten. Langjährige neurotisierende Beziehungsmuster in
ihrer Familie sind hier von entscheidendem Einfluss. Starke psychische
Verunsicherungen, Orientierungslosigkeit, von außen als störend wahrgenommenes
Verhalten, insbesondere mangelnde Konfliktverarbeitung zumeist in aggressiver Art
sind oft Ausdruck Ich-struktureller Probleme und mangelndem Selbstwertgefühl.
Beziehungsarbeit
Ein zentraler Schwerpunkt unserer Betreuungskonzeption ist die „vertrauensvolle
Beziehung“ zwischen Pädagogen und dem Kind oder Jugendlichen. Zum einen ist sie
inhaltlich-methodischer Bestandteil unserer Bemühungen, zugleich auch Ziel. Dieses
Vertauensverhältnis zu einem „Erwachsenen“ ist der Schlüssel für die Annahme
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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weiterer Hilfe „von außen“ und eine exemplarische Beziehung, die stabil ist, Sicherheit
gewährt und Nähe und Distanz gut balanciert.
Der „gute Kontakt“ zum Kind und Jugendlichen ist unser wichtigster Motor für
gemeinsam festgelegte neue Schritte und Weiterentwicklungen. Beziehungsaufnahme
und –gestaltung haben für uns einen großen Stellenwert.
Jedes Kind und jeder Jugendliche hat seine Bezugserzieherin oder seinen
Bezugserzieher. Vom Aufnahmetag an bis zur Beendigung der Hilfe ist ein
„verläßlicher“ Mensch verantwortlich da. Er ist in ganz besonderer Weise
Ansprechpartner und „Zuständiger“.
Du und Ich
Der „innere Halt“ kommt von „äußerem Halt“. Die Sehnsucht junger Menschen nach
Sicherheit, Geborgenheit und dem Gefühl „total akzeptiert zu sein“, wird von uns im
Kontext unserer Arbeit verstanden und aufgegriffen. „Der Mensch wird am Du zum Ich“
(Martin Buber). Der mitmenschliche Umgang, der liebevolle Kontakt, eine faire (wo
möglich eine demokratische) Streitkultur und das grundsätzliche offene Vertrauen in
unserer Arbeit sind Eckpfeiler im Miteinander der Einrichtung.
Das „unterstützende Miteinander in Bewegung sein“ ist ein Prozess. Ziele werden
gemeinsam erarbeitet und dann in kleinen, angemessenen und gehbaren Schritten
verfolgt. Das Tempo von Veränderungen ist schwer vorhersehbar. Wir sind bemüht,
uns und dem Kind und Jugendlichen die Zeit zu lassen, die es oder er benötigt.
Leben und Lernen in einer Gruppe
Neben der einzelpädagogischen Prozessarbeit findet unsere sozialpädagogische
Betreuung in einer „Gruppe“ statt. Die Gruppe mit ihren gruppenpädagogischen und
gruppendynamischen Möglichkeiten holt den jungen Menschen aus seiner eigenen
Sichtweise ab und bietet vielfältige Lernfelder sowie Feedback-Möglichkeiten. Die
Gruppe ist alltägliches Trainingsfeld für soziale Erfahrungen. Hier wird eigenes
Verhalten von anderen wahrgenommen und gespiegelt. Verhaltensmuster von
anderen werden gesehen, bewertet und auch erlernt. Die Gruppe ergänzt den
einzelnen. Die Gruppe ist immer mehr als die Summe der einzelnen
Gruppenmitglieder. Gruppenpädagogik ist prozesshaft, kreativ und lebendig. Das
Setzen und Aushandeln von Gruppennormen, Gruppenwerten und der Umgang mit
Regelverletzungen ist Lernfeld für das Leben in einer komplexen Gesellschaft. Das
„Leben in der Gruppe“ ist etwas anderes als das Leben in einer Familie. Hier sind viele
Kinder und Jugendliche mit verschiedenen Problemen und Stärken. Die
„Erwachsenen“ sind nicht die Eltern, gleichwohl „erziehungsberechtigt“. Sie steuern die
Prozesse der Gruppe, im offenen oder thematischen Gruppengespräch, bei
Gruppenabenden, Ferienfahrten, und natürlich den alltäglichen Tagesablauf vom
Aufstehen, dem gemeinsamen Essen bis zum Zubettgehen.
Das Leben in einer Gruppe ist spannend und erzeugt Spannungen. Hier werden
Konflikte programmatisch. Sie sollen erkannt und dann angemessen gelöst werden.
Der Umgang mit unterschiedlichen Interessenlagen, der Umgang mit verschiedenen
Gefühlslagen und Charakteren will gelernt sein. In der Gruppe wird dieses tagtäglich
eingeübt. Gemeinschaft hat ihren Preis, der Kompromiss muss letztlich gefunden
werden, ohne dabei sich selbst aufzugeben.
Familienorientierung der Lebensbedingungen
Gruppenerfahrungen sind für uns wichtig. Wir möchten dabei unser Gruppenleben
weitgehend „familienähnlich“ strukturieren und hier möglichst „familiennahe“
Lebensbedingungen anbieten. Unsere Gruppen sind „dezentral“ in Cloppenburg in
Wohnstraßen angesiedelt, in denen eine lebendige Nachbarschaft gepflegt wird. Sie
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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sind in „äußerlich unauffälligen“ Häusern untergebracht. Die Kinder und Jugendlichen
leben in Einzel- oder Zweierzimmern. In der Gruppe wird gekocht und der Haushalt
geführt. Jede Gruppe verfügt über einen eigenen PKW. Das „Leben in einer
Einrichtung“ findet in der Wohngruppe statt.
Freizeit
Die Freizeitgestaltung nimmt einen wichtigen Platz in unseren Bemühungen ein.
Freizeit als „sinnvoll erlebte“, kreativ und spannend empfundene, lebendig gestaltete
freie Zeit soll in unserer pädagogischen Arbeit erfahrbar werden. Das einzelne Kind,
der einzelne Jugendliche wird nach Interessenlage und Fähigkeiten in seinen
Möglichkeiten angesprochen und unterstützt, aktiv zu werden. In der Gruppe wird
Freizeit gestaltet: im Zweierkontakt, in kleinen Gruppen oder mit der ganzen Gruppe.
Spiel und Sport haben einen hohen Stellenwert und fördern das Selbstwertgefühl und
das Gemeinschaftserleben („Ich gehöre dazu“). Eine jährliche Ferienfreizeit jeder
Gruppe ermöglicht intensive Erlebnisse und Lernfelder. Die Einbindung in örtliche
Jugendgruppen (Sportvereine, Pfadfinder, Reitverein, kirchliche Jugendgruppen,
Schützenverein usw.) soll neben der Gemeinschaftserfahrung neue Kontakte zu
anderen Kindern und Jugendlichen ermöglichen und eine Einbindung in das
Cloppenburger Leben. Angebote der offenen Jugendarbeit in Cloppenburg werden
nach Möglichkeit wahrgenommen.
Christliche Erziehung
Als eine katholische, christliche Einrichtung ist für uns das „gelebte Christsein“ als
personales Angebot ein wichtiger Baustein religiöser Erziehung. Wir setzen uns mit
den religiösen Fragen und Bedürfnissen junger Menschen auseinander. Fragen des
Glaubens, der Ethik und der Wertorientierung werden aufgegriffen und vermittelt. Die
Konfession eines Kindes oder Jugendlichen wird respektiert. Die Einbindung in die
kirchlichen Gemeinden wird gefördert.
Einzeltherapeutische Hilfen
Therapeutische Hilfen werden nach Hilfebedarf (Hilfeplanung) intern oder extern
angeboten.
Einzeltherapeutische
Maßnahmen
werden
von
Psychologen,
Familientherapeuten oder Sozialtherapeuten durchgeführt. Diagnostik und Anamnese
sind dafür Grundlage. Tiefergehende persönliche und psychische Probleme sind im
Gruppenalltag nur unzureichend bearbeitbar. Hier kann eine Einzelarbeit hilfreich sein.
Analytisch-tiefenpsychologische,
verhaltenstherapeutische
oder
systemische
Sichtweisen und Ansätze kommen hier zum Tragen. Wir arbeiten eng mit Kinder- und
Jugendpsychiatrien zusammen. Die Störungsbilder unserer Kinder und Jugendlichen
sind teilweise sehr ausgeprägt, so dass eine ambulante oder stationäre Behandlung in
einer Kinder- und Jugendpsychiatrie für eine gewisse Zeit angezeigt ist.
Wir sorgen extern über die vor Ort niedergelassenen Ärzte für eine gute medizinische
Versorgung unserer Kinder und Jugendlichen. Fachärzte werden bei Bedarf
konsultiert.
2. Wir unterstützen Eltern in ihren Erziehungsbemühungen
Erziehungsverantwortung
Die Eltern sind maßgebliche Partner unserer erzieherischen Arbeit. Sie vertrauen uns
ihr Kind an. Wir nehmen diesen Auftrag an und üben gemeinsam mit den Eltern die
„Erziehungsverantwortung“ aus. Die elterliche Sorge (Personensorge) wird von den
Eltern oder Elternteilen ausgeübt. Wir stimmen von Anfang an, den Erziehungsauftrag
mit den Eltern ab. Beim Aufnahmegespräch und bei den regelmäßig stattfindenden
„Hilfeplan-Fortschreibungen“ wird der „Auftrag“ überprüft und gegebenenfalls erweitert
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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oder verändert. In diesen halbjährlichen Gesprächen wird mit allen Beteiligten (Eltern,
Jugendamt, Schule, Wohn-/Tagesgruppe, Kind/Jugendlicher...) der Hilfeprozess
überprüft und angepasst.
Das Scheitern als Anfang
Die Eltern unserer Kinder und Jugendlichen haben oft bereits einen „langen Weg“
hinter sich und teilweise wurden bereits andere Fachdienste und Hilfen in Anspruch
genommen (Beratungsstellen, Fachärzte, Kliniken usw.). Wir sehen oft die jahrelangen
Anstrengungen in den Erziehungsbemühungen, die dann jedoch nicht die
gewünschten Effekte bewirken. Die Erziehung und damit auch die Beziehung zwischen
Eltern und Kinder ist empfindlich gestört. Die Eltern fühlen sich hier oft stark
überfordert. Sie haben alles versucht, und dennoch sind sie in gewisser Weise als
Erziehende „gescheitert“. Das Eingestehen dieses „Scheiterns“ und die Annahme von
erzieherischer Hilfe ist der erste Schritt zur Verbesserung der Situation.
Wir greifen diese Situation im Kontakt mit den Eltern auf und holen sie dort ab, „wo sie
gerade stehen“. Auch die Eltern benötigen „Hilfe“. Sie müssen ihr „Scheitern“
verarbeiten und dann allmählich Veränderungsschritte gehen.
Beratung und Therapie für Familien
Familienberatung und Familientherapie sind bei uns zentrale Punkte des
Hilfskonzeptes. Wir stärken die Eltern in ihrer Elternrolle und ihrer
Erziehungsverantwortung und Erziehungspraxis. Wir arbeiten die bislang
aufgetretenen Schwierigkeiten und Probleme auf und suchen nach neuen, besseren
Wegen des Miteinanders in der Familie. Familienstrukturen, Familiengeschichte,
Kommunikationsmuster und einmaliges Wert- und Norm-Muster in der Familie,
Erziehungserfahrungen, Beziehungserfahrungen sind Ansatzpunkte der gemeinsamen
Analyse und Entwicklung von Zielen, die dann Schritt für Schritt angegangen werden.
Familiengespräche mit allen Familienmitgliedern sind hier eine wichtige
Erfahrungsebene. Aber auch das Gespräch mit einzelnen Familienmitgliedern ist oft
ein guter Ansatzpunkt.
Familiäres Leben nach Trennungen
In unserer Arbeit haben wir es sehr häufig mit Trennungen und Ehe-Scheidungen zu
tun. Eltern leben nicht mehr zusammen, ihre Beziehungen sind „zerbrochen“. Die
Kinder haben unter diesen Konflikten und langjährigen „Verstimmungen“ in der Familie
gelitten. Sie wollen einen guten Kontakt zur Mutter und zum Vater. Sie stehen oft in
einem heftigen „Loyalitätskonflikt“ zwischen den Elternteilen. Das ist für sie oft zum
„Zerreißen“. In Gesprächen lässt sich dieses „Zerrissensein“ klären und der Kontakt zu
Elternteilen sichern. Beziehungsklärungen auch noch nach Trennungen sind hilfreich.
Das Leben in „zusammengesetzten Familien“ („Patchwork-Familien“) mit neuen
Elternteilen und Stiefgeschwistern ist eine besondere Lebenssituation, die oft nur dann
gelingt, wenn die „eigene Familiengeschichte“ nicht verdrängt und verleugnet wird, und
schließlich auch aufgearbeitet ist, damit „wirklich“ etwas Neues zugelassen werden
kann.
Umgang mit Sucht
Ein weiterer großer Bereich unserer Elternberatung ist der Umgang mit „Sucht in der
Familie“ und der Umgang mit psychischen Erkrankungen eines Elternteiles.
Abhängigkeitserkrankungen betreffen alle Familienmitglieder, so natürlich auch die
Kinder, die oft jahrelang unter der Sucht eines Elternteiles leiden und dieses nicht in
angemessener Art und Weise ausdrücken oder „verarbeiten“ können. Wir richten hier
besonderes Augenmerk auf die Unterstützung im Umgang mit Suchterkrankungen (für
den Süchtigen als auch für Angehörige).
Stand: Februar 2005
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Regelmäßiger Kontakt zwischen Eltern und Kind
Wir fördern den regelmäßigen Kontakt zu den Eltern. Regelmäßige Fahrten zur Familie
(Heimfahrtwochenenden, Ferienaufenthalte, Tagesbesuche etc.) werden gemeinsam
abgestimmt. Anfänglich ist es zur Eingewöhnung oft hilfreich, den Kontakt auf Besuche
in der Gruppe zu beschränken (etwa 4 bis 6 Wochen). Wenn möglich wird ein fester
Telefontag mit beiden Elternteilen vereinbart. Das Kind und der Jugendliche lebt nicht
im Haushalt der Familie, ist selbstverständlich dennoch Mitglied der Familie und
„gehört dazu“. Wir halten Elternzimmer vor, um Kontakt und Besuche auch in der
Gruppe zu ermöglichen. Das Miterleben des Gruppenalltags ist hier eine wichtige
Erfahrung für Eltern und auch für ihre Kinder.
Elternabende und Feste
Regelmäßig stattfindende Elternabende, die auch Erziehungsthemen behandeln, sind
ein offener Raum für Austausch mit anderen Eltern und den Erziehern. Die Erfahrung,
mit ihren Problemen nicht alleine zu sein, ist hier hilfreich. Der Kontakt zu anderen
Eltern entlastet und ermöglicht Erfahrungsaustausch.
Das Feiern von Festen gehört für uns zum Leben dazu. Familien werden dazu
eingeladen. Zu Beginn der Sommerferien gehört ein Grillfest dazu, ebenso zu Beginn
der
Adventszeit
der
„Adventskaffee“.
Geburtstage,
Kommunionoder
Konfirmationsfeiern usw. sind Anlässe gemeinsam zu feiern.
3. Wir arbeiten an tragfähigen und motivierenden Perspektiven für die
Kinder, Jugendlichen, jungen Volljährigen und ihre Familien
Wir orientieren uns in unserer Arbeit an dem uns erteilten „Auftrag“ der Familien und
des Kostenträgers. Nicht immer ist am Anfang einer Erziehungshilfemaßnahme
abzusehen, welche Hintergründe, Probleme und „Ressourcen“ / Stärken mitschwingen
und wie der Hilfeprozess sich gestaltet. Die „Prozessdiagnostik“ bringt hier
Aufschlüsse, die in die Erziehungs-/Hilfeplanung einfließen. Für jedes Kind und
Jugendlichen wird halbjährlich ein Entwicklungsbericht angefertigt. Wir entwickeln
gemeinsam mit allen Prozessbeteiligten Ziele, die dann in konkreten
Handlungsschritten operationalisiert werden. Die Ziele werden in Hilfeplangesprächen
benannt und schriftlich protokolliert. Für einen guten Hilfeverlauf ist es sehr wichtig,
dass die Ziele eindeutig, klar formuliert, erreichbar und umsetzbar sind und natürlich
von allen Beteiligten, hier besonders vom Kind oder Jugendlichen, als motivierend
eingestuft werden. Es muss sich „lohnen“ an etwas zu arbeiten.
ZIELSETZUNG ...
Zwei grundlegende Zielsetzungen sind es, die wir verfolgen:
1.
Die Rückführung des Kindes oder Jugendlichen in die Familie
Nachdem die „Probleme“ erkannt und zu Zielformulierungen umgeformt wurden, wird
„strategisch“ an der Umsetzung der Zielvereinbarung „gearbeitet“. Es werden als realistisch
eingestufte Zeitplanungen festgelegt. Das Kind weiß, alle arbeiten daran mit: ich in der
Gruppe, meine Eltern in den Elterngesprächen und gemeinsam in der Familientherapie.
Bestimmte festgelegte Ziele sind dann zu erreichen. Das geht nicht immer geradlinig, aber
Schritt für Schritt kommt der Prozess voran, bis die Ziellinie erreicht ist. Dann kann die
Ablösungsphase einsetzen und das Kind oder der Jugendliche geht zurück in seine Familie,
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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die dann wieder die volle Erziehungsverantwortung übernehmen kann. Vor allem für jüngere
und schulpflichtige Kinder wird diese Zielsetzung formuliert.
2.
Die längerfristige Unterbringung, die dann in den Ablösungs- und
Verselbständigungsprozess des Jugendlichen oder jungen Volljährigen
mündet
Für ältere schulpflichtige Kinder und Jugendliche ist die „innere Ablösung“ von den
Eltern Thema. Sie sind stark an der Gruppe der Gleichaltrigen orientiert und mit
„jugendspezifischen“ Entwicklungsthemen beschäftigt. Sie sind in aller Regel auf
Grund ihrer Entwicklungsstufe und der bisherigen Schwierigkeiten nicht mehr in die
Familie zurück zu führen. Hier wird ebenfalls prozessorientiert die persönliche
Entwicklung aufgegriffen und gemeinsam an motivierenden „Lebensentwürfen“
gearbeitet. Die „Zukunft“ wird thematisiert und die berufliche Orientierung spielt hier
eine zentrale Rolle: Ausbildungsplatz-Suche, Besuch einer weiterführenden Schule,
berufliche Eingliederungsmaßnahmen. Der Prozess der Persönlichkeitsentwicklung
wird begleitet und fortgeführt in der Bestrebung, „selbständig“ zu werden, hin zur
Zielsetzung, in eine „Betreute Wohnform“ zu wechseln, bzw. vollverantwortlich aus der
Hilfe entlassen zu werden.
Sowohl das Kind oder der Jugendliche als auch seine Familie unterstützt die
gemeinsame Zielvereinbarung und arbeitet dann aktiv daran mit. Für alle Beteiligten
wird es als „lohnend“ empfunden, sich der Entwicklung zu stellen und daran
mitzuarbeiten.
„Ziele




T
S
M
A
R
formulieren“
spezifisch
messbar
kzeptiert und aktivierend
realistisch
terminiert
„MUTTER-KIND-THERAPIE“
... Wege aus der Sucht ...
Kinder von suchtkranken Müttern
In einer Kooperation zwischen der Fachklinik für abhängigkeitskranke Frauen „St. Vitus
GmbH“ im 28 km entfernten Visbek und unserer Einrichtung nehmen wir Kinder von Müttern
auf, die sich in eine stationäre Suchttherapie begeben. Die Kinder werden im Rahmen des §
34 KJHG (SGB VIII) als Erziehungshilfemaßnahme in unserer Einrichtung aufgenommen.
Fachklinik:
St. Vitus GmbH
Ahlhorner-Straße 32
49429 Visbek
Telefon: 0 44 45 / 8 99 - 0
Jugendhilfeeinrichtung:
JUGENDBURG Stand: Februar 2005
Stiftung Hl. Kreuz
St. Michael-Str. 18
49661 Cloppenburg
Telefon: 0 44 71 / 88 05 - 70
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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Suchtkrankheiten sind in aller Regel „Familienkrankheiten“
Familienangehörige, hier sind es vor allem Partner, aber in besonderer Weise auch die
Kinder sind vom Suchtkranken „co-abhängig“. Sucht bedeutet für die Familie „im Sog der
Abhängigkeit“ zu sein.
Das „Nicht-Loslassen-können“, die immer wiederkehrenden Versuche, dem Süchtigen „zu
helfen“, den selbstvernichtenden Tendenzen etwas entgegensetzen zu wollen wird zu einer
Zerreißprobe für die innerfamiliären Beziehungen. Gerade in suchtkranken
Familiensystemen finden sich oft Trennungen und Scheidungen, aber auch das „Nichtvoneinander-Loskommen“ trotz gescheiterter Ehe, zerbrochener Familie. Jahrelang
bestimmt der Prozess der Abhängigkeitserkrankung den Alltag der Familie. Das „Problem“
wird lange Zeit nicht wahrgenommen, dann verschleiert, verleugnet, verdrängt. Die „Scham“
über die „Katastrophe“ verdunkelt die Familienatmosphäre.
Kinder leiden mit ...
Der Abhängige leidet unter seiner Sucht, die ihn „gefangen hält“. Dabei gerät oft aus dem
Blick, dass die Kinder in empfindlicher Weise mitleiden und in ihrer seelischen Entwicklung
Schaden nehmen.
Suchtkranke Eltern sind „nicht ausreichend verlässlich“, geben nicht den nötigen Halt, den
ihre Kinder für ihre eigene innere Entwicklung fordern.
Die Kinder übernehmen allzu oft Verantwortung, die ihnen nicht zukommt. Sie fühlen sich für
das „Funktionieren“ des familiären Zusammenlebens verantwortlich. Vielleicht auch für den
suchtkranken Elternteil. Die Sucht macht es Eltern sehr schwer, als „Erziehende“ und
„Erwachsene“ ihre Rolle einzunehmen.
Kinder geraten in „Erwachsenen-Rollen“. Sie führen den Haushalt, statt mit anderen Kindern
zu spielen. Gerade die ältesten Kinder geraten schnell in die Rolle für die Familie zu sorgen,
Verantwortung für die kleineren Geschwister zu übernehmen, bis hin zur Übernahme der
Erziehungsverantwortung.
Kinder von suchtkranken Elternteilen müssen „ihren Weg“ finden, mit der seelisch-geistigen
Belastungs- und Überforderungssituation umzugehen. Sie finden „Lösungen“, die tendenziell
gesellschaftlich unauffällig sind. Die Überforderung und das Dilemma, in dem sie stecken,
nehmen die Kinder oft erst Jahre später wahr. Für sie ist ihr Leben, ihr Alltag „die Realität“.
Der „Überlebenskampf“ nimmt so viel Platz ein, dass sie sich nicht um sich selbst und die
eigene Entwicklung kümmern können. Altersentsprechende Autonomie-Bewegungen, wie
„Ablösungen“ in der Jugend, das Entwickeln eines eigenen, kreativen Lebensentwurfes und
eine eigene Identität wird deutlich erschwert oder unmöglich gemacht. Sie „kleben“ an der
Familie. Eine Ablösung bedeutet für sie „Verrat“ und „Schuld“, auch ein „Versagen“.
Diese Kinder sind oft „unsichtbar“, sind „leistungsstark“, sehr „verantwortungsbewusst“ und
wirken für ihr Lebensalter „frühreif“. Sie sind „verkopft“, vernünftig und scheinen gute
Problemlöser für andere zu sein.
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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Teilweise verstecken sie sich wie ein „Chamäleon“ und reagieren immer auf die aktuelle
Situation, auf das was von ihnen gefordert wird. Sie beziehen keine eigenen Standpunkte.
Sie reagieren, statt im Kontakt zu agieren. Ihre eigenen Interessen stellen sie hinter die
Interessen ihres Umfeldes. Sie haben nicht gelernt, sich selbst wichtig nehmen zu dürfen.
Sie mussten in ihrer Familie auf das für sie nicht zu lösende Problem „reagieren“, die
Stimmung aufgreifen, ihre Bedürfnisse zurückstellen.
Einige Kinder reagieren mit stark „auffälligen Verhaltensweisen“. Sie sehen hier noch die
einzige Möglichkeit, sich die, wenn auch negative, Aufmerksamkeit ihrer Eltern zu sichern.
Sie fallen auf, weil sie nicht genügend Zuwendung, emotionale Sicherheit und Stabilität
erfahren.
Das jüngste Kind reagiert oft damit, dass es „unterhaltsam“ ist, sozusagen der
„Familienclown“ oder „Komiker“. Diese Rolle stabilisiert die Familie, denn so kann die oft
„grauenvolle Realität“ erträglich sein. Diese Rolle entspannt und harmonisiert in
angespannten Situationen. Das jüngste Kind ist vielleicht auch deshalb oft der
„Sonnenschein“, weil es von den älteren Geschwistern vor der „Sucht-Problematik“
geschützt wird.
In den meisten Fällen werden Kinder aber mit verschiedenen der beschriebenen Reaktionen
und Rollen reagieren.
Angst-, Schuld-, Scham- und Rachegefühle quälen
Angehörige und hier besonders die sich nicht schützen könnenden Kinder leiden massiv
unter emotionalen Belastungen. Häufig empfinden sie Scham für das „Problem“ der Familie.
Sie fühlen sich schuldig, weil sie nichts verändern können, obwohl sie das möchten und
glauben, nicht genügend getan zu haben. Sie haben oft „Angstgefühle“ (Furcht vor Gewalt,
vor Vernachlässigung, Einsamkeit, Ausgeliefertsein, vor Krankheit und oft ist es die Angst
vor dem Verlust des Suchtkranken). Auch Rachegefühle kommen auf: Rache für Unrecht,
das erlitten wird. Kinder haben ein sehr genaues, untrügliches Gespür für Gerechtigkeit und
ungerechte Behandlungen.
Symptome
Neben den oben beschriebenen Anpassungsleistungen finden sich folgende Probleme bei
den Kindern:

Schlafstörungen (Angst vor Dunkelheit, Alpträume...)

Trennungsängste von den Eltern

Wut und Reizbarkeit (leicht explodieren)

Lauern auf mögliche Gefahren in der Umwelt

Konzentrationsprobleme (vor allem in der Schule)

Empfindung des eigenen Lebens als „brüchig“ (Pessimismus, Hoffnungslosigkeit,
Gefühl der eingeschränkten Zukunft)

Schuldgefühle, Depressionen, Suizidgedanken

Panikattacken
Die Mütter kümmern sich um sich selbst
In der stationären Suchtbehandlung, die mehrere Wochen dauert, setzt sich die Mutter mit
ihrer Suchtproblematik auseinander und findet einen Weg, mit dieser Erkrankung
umzugehen. Das Ziel bei stoffgebundenen Süchten ist die Suchtmittelabstinenz.
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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In einzel- und gruppentherapeutischen Sitzungen und weiteren vielfältigen therapeutischen
Angeboten kann die Mutter sich um sich selbst kümmern und Strategien entwickeln,
zukünftig suchtmittelfrei zu leben.
Die Kinder leben während der Therapie in unserer Einrichtung
Während der Therapiezeit der Mutter, unter Umständen auch noch für eine gewisse Zeit
danach, wird das Kind (bzw. die Kinder) in einer unserer sozialtherapeutischen
Wohngruppen stationär sozialpädagogisch betreut und gefördert. Wir halten die getrennte
Unterbringung von Mutter und Kind für sinnvoll, weil so gewährleistet ist, dass sich sowohl
die Mutter als auch das Kind ausreichend um sich selbst kümmern können. Die Trennung
fällt vielen Müttern sehr schwer, insbesondere bei jüngeren Kindern. Wir wissen aus
Erfahrung, dass die Kinder sich schnell in die neue Umgebung einleben und die
Wohngruppe als „Zuhause auf Zeit“ einstufen. Die Kinder besuchen während der
Unterbringung die öffentlichen Schulen in Cloppenburg. Der Kontakt zwischen Mutter und
Kind wird durch verbindlich abgesprochene Telefonkontakte und Besuche ermöglicht. Hier
ist eine größtmögliche „Beziehungs- und Kontaktsicherheit“ hilfreich. In den Wohngruppen
besteht die Möglichkeit, an Besuchswochenenden im „Elternzimmer“ zu übernachten und so
am Alltag des Kindes teilzunehmen. Der persönliche und telefonische Austausch zu den
Pädagogen der Wohngruppe ist uns dabei ein wichtiges Anliegen.
Kontakt zwischen Klinik und Jugendburg
Beide Einrichtungen arbeiten eng zusammen. Kurz nach Beginn der Unterbringung findet
ein erstes „Hilfeplan-Gespräch“ mit allen am Hilfsprozess-Beteiligten (Eltern, Therapeut,
Erzieher, Lehrer, Sozialarbeiter usw.) statt. Für jedes Kind wird je nach Schwierigkeiten und
Stärken ein Betreuungs-/ Erziehungsplan entwickelt. Im weiteren Verlauf finden
„Abstimmungsgespräche“ zwischen behandelnden Therapeuten und den pädagogischen
Mitarbeitern statt. Mütter werden zu den Elternabenden der Jugendburg eingeladen. Der
Transport zwischen der Klinik und der Jugendburg wird von uns sichergestellt.
Sozialpädagogisch-therapeutische Betreuung des Kindes
In der Wohngruppe wird in besonderer Weise auf die beschriebene Lebenserfahrung der
Kinder von suchtkranken Elternteilen eingegangen. Die Kinder „werden abgeholt, wo sie
stehen“.
Ihre
Lebensgeschichte
und
ihre
psychosozialen
Defizite
werden
prozessdiagnostisch erfasst und im Einzelgespräch mit dem Bezugserzieher bearbeitet. Wir
arbeiten an der kritischen Auseinandersetzung mit der Suchtthematik und der Verbesserung
der innerfamiliären Beziehungen. Das „Erlebte“ und die chronische Überforderungssituation
brauchen Zeit, um „verarbeitet zu werden“. Oft sind Gefühle „verschüttet“ (Abwehr) und
schwer zugänglich.
Darüber hinaus steht die „Gruppe“ als soziales Lernfeld zur Verfügung, das vielfältige
Lernschritte im Umgang mit jüngeren, gleichaltrigen und älteren Kindern und Jugendlichen
erlaubt. Die Gruppe bietet ein Trainingsfeld, wie aktiv „eigene Bedürfnisse“ wahrgenommen
und eingefordert werden und wie mit Konflikten umzugehen ist. Weitere therapeutische
Einzelgespräche mit Familientherapeuten werden nach Bedarf angeboten. In Einzelfällen
kann darüber hinaus eine psychologische Diagnostik und Psychotherapie intern über
Fachleistungsstunden als Sonderleistung durchgeführt werden.
„Ein sicheres Zeichen von Sucht ist das Bedürfnis,
uns selbst und andere zu täuschen,
Sucht ist alles, worüber wir versucht sind
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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zu lügen, zu verdrängen, zu verstecken,
Sucht ist alles, was wir nicht bereit sind aufzugeben...“
Alkohol- / Drogenprävention
Pädagogischer Umgang mit Alkohol- / Drogenkonsum mißbrauch, -abhängigkeit
Grundsätzlich ist laut Leistungsbeschreibung und Konzeption eine Aufnahme und ein
Verbleib in der Einrichtung bei bekannter Alkohol- oder Drogen-Abhängigkeit (Sucht) nicht
möglich. Das resultiert aus dem Fachwissen und der Erfahrung, dass der Abhängige nicht
wirklich erzieherisch zugänglich und steuerbar ist und letztlich sich in seinem Leben alles um
den Konsum und die Beschaffung, bzw. den „Ausstieg“ dreht. Persönliche Entwicklung und
schulisches Lernen werden dadurch kaum mehr möglich.
Wir wissen aber auch darum, dass viele Jugendliche im Rahmen ihrer adoleszenten
Entwicklungsphase Alkohol, bzw. auch Drogen probieren. Sie wollen sich erproben und
wissen, welche Wirkung die Suchtmittel auf das seelische Erleben entfalten. Und natürlich
gehört auch dazu, dass der Probier-Konsum eine soziale Statusfrage im Kreis der
Gleichaltrigengruppe (peers) ist. Wenn scheinbar „alle“ Bier trinken oder „kiffen“, gilt das
doch als das „Normale“, die Gruppennorm, der man sich dann unterwirft, um soziale
Anerkennung zu bekommen. In den meisten Fällen wird der Drogen-Probierkonsum dann
wieder eingestellt. In einigen Fällen mündet er in einen gewohnheitsmäßigen Gebrauch,
später dann in den Missbrauch und dessen Folge der Sucht. Diese Entwicklung kann bei
Jugendlichen viel schneller vorangehen als bei „reiferen“ Personen, da sie unkritischer sind
und in der Regel, ihr schwaches Selbstwertgefühl durch den Konsum „regulieren“, bzw. dann
Entspannung und Ruhe erfahren. Die Frustrations-Toleranz (Streß-Festigkeit) wird immer
niedriger, da jede Anforderung tendentiell zugunsten der Flucht in den Konsum vermieden
wird. Ein Teufelskreislauf beginnt.
Damit wir einen solchen „Teufelskreislauf“ erkennen und durchbrechen können, haben wir
folgende erzieherischen Gesichtspunkte zu berücksichtigen:





Prävention
Erkennen von Konsum und Missbrauch
Kontrolle im Verdachtsfall
Beratung
Therapeutische Hilfen
Prävention
Der Umgang mit Suchtmitteln findet in der Gesellschaft fast überall, teilweise öffentlich statt.
Das Erzieher-Verhalten, die Grundeinstellung auch zum Thema Alkohol, Nikotin, Cannabis,
usw. prägt stark die Erzieher-Persönlichkeit und entscheidet über die Glaubwürdigkeit im
pädagogischen Alltag.
„ERZIEHUNG IST BEISPIEL UND LIEBE – SONST NICHTS“ (Friedrich Fröbel, 1782 –
1852)
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
Seite 16 von 26
Die Erzieher sind „Vorbilder“ im Umgang mit Suchtmitteln. Während der Dienstzeit, auch
nicht bei Ferienfahrten usw., wird grundsätzlich vom diensthabenden und verantwortlichen
Personal kein Alkohol konsumiert. Im Freizeitbereich wird ebenfalls auf die wesentliche
Vorbildfunktion geachtet.
Die Kinder und Jugendlichen achten mehr auf das Erzieher-Handeln, als auf das
gesprochene Wort. Dessen sind wir uns in der pädagogischen Arbeit stets bewusst.
Die Vermeidung von missbräuchlichen oder abhängigen Suchtmittelkonsum ist ein
wesentliches Ziel unserer pädagogischen Arbeit.
Dazu gehört
a) eine Aufklärung,
b) eine Stabilisierung der Persönlichkeit
c) ein sinnvolles Freizeit und Erlebniskonzept
d) Striktes Drogenverbot in der Gruppe
Aufklärung
In der Wohngruppe / Tagesgruppe wird aktiv über die Gefahren der Suchtmittel informiert.
Dazu werden auch externe Fachkräfte eingeladen (Präventionsfachkraft der
Suchtberatungsstelle
Edith-Stein,
Jugendbeauftragter
der
Kriminalpolizei,
....Drogenberatungsstelle...).
In Gruppengesprächen wird konkret auf Gefahren hingewiesen, aber auch wie man sich vor
dem „Probieren“ schützen kann. Das „Nein sagen!“ ist für viele nicht einfach. Das muß
immer wieder thematisiert und auch z.B. im Rollenspiel erprobt werden. Filme zum Thema
sollen zur Information und anschließenden Diskussion gezeigt werden.
Die „gruppeninterne“ Aufklärung soll ½ -jährlich stattfinden.
Im Einzelgespräch mit den Erziehern ist auf den einzelnen Jugendlichen einzugehen.
Stabilisierung der Persönlichkeit
Hierzu gehört der Bereich der Festigung der eigenen Persönlichkeit, aber auch das Erlernen
von geeigneten Vermeidungs- und Ablehnungsstrategien gegenüber den Gefahren der
Suchtmittel.
Der Jugendliche braucht hier einen klaren und verlässlichen Bezugsrahmen in der
Wohngruppe. In Einzel- und Gruppengesprächen soll sich der Jugendliche orientieren und
positionieren können. Die Stärkung des Selbstvertrauens und der Stressfestigkeit sind dabei
allgemeine Ziele. Bei psychischen Problemen sind therapeutische Gespräche oder ärztliche
Hilfen ergänzend angezeigt.
Freizeit und Erlebniskonzept
Auch durch konkretes Tun und soziales Handeln wird die eigene Persönlichkeit gebildet und
gefestigt (Sport, Freizeit, musischer und kreativer Bereich...).
Das „Abhängen“ in der Freizeit fördert die Gefahr in Kontakt mit Drogenkreisen zu kommen,
bzw. dort seinen Platz zu finden. Darauf soll im Freizeit- und Ausgang-Verhalten geachtet
werden. Eine Kontrolle, wo der Jugendliche sich aufhält, mit wem er bekannt ist
(vollständiger Name und Wohnort) und sich trifft ist hier notwendig.
Alle Jugendlichen sollen ein Hobby finden und entwickeln. Das ist ein Prozeß, der von uns
initiiert und begleitet werden muß. Die Einbindung in Vereine oder Jugendgruppen ist dabei
unser vorrangiges Ziel.
Die körperliche Bewegung ist uns ebenfalls sehr wichtig. Sportangebote sollen
gruppenintern, aber auch außerhalb wahrgenommen werden.
Erlebnisse zu schaffen, die jenseits der „normalen Gruppenerfahrung“ liegen, sind zur
Selbsterfahrung sehr wesentlich (z.B. Zeltlager, Klettern, ...). Sich ausprobieren können und
die eigenen Grenzen finden sind dabei für uns leitend.
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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Striktes Drogenverbot in der Gruppe
In den Gruppenregeln wird das strikte Drogenverbot für die Gruppen eingefordert. Das
bedeutet: der Besitz und der Konsum sind verboten! Selbstverständlich auch das Verteilen
oder Handeln damit!
Bei Verstößen wird die Erziehungsleitung informiert. Die sorgeberechtigten Eltern und das
Jugendamt werden dann informiert. Die Polizei wird ebenfalls in Kenntnis gesetzt.
Der Umgang mit alkoholischen Getränken ist ebenfalls stark reglementiert. „Harte
Alkoholika“ (Korn, Wodga usw.) sind grundsätzlich nicht erlaubt. In den Zimmern der
Bewohner ist Alkohol ebenfalls grundsätzlich nicht erlaubt. Nach Team-Beratung und TeamEntschluß kann im Einzelfall einem Jugendlichen anlässlich einer Feier (z.B.
Geburtstagsparty) in der Gruppe der Konsum von Bier, Sekt oder Wein gestattet werden.
Das wird erzieherisch kontrolliert.
Erkennen von Konsum und Missbrauch
Die Mitarbeiter achten darauf, ob es Hinweise den Konsums bei Jugendlichen gibt. Die
Drogen-spezifischen Merkmale des Konsums und der Veränderungen am Konsumenten
sollen den Erziehern bekannt sein.
Sie nehmen an internen und externen Schulungen statt und informieren sich bei konkreten
Informations-Bedarf selbständig (Suchtberatung, Polizei usw.).
Im Gruppenhandbuch sind die wesentlichen Informationen über die wichtigsten Suchtmittel
nachzulesen.
Alkohol und Drogen sowie Drogen-Utensilien werden selbstverständlich sofort einbehalten
und an die Erziehungsleitung weitergeleitet.
Bei einer Drogen- oder Alkoholvergiftung ist eine medizinische Versorgung notwendig! Der
Jugendliche wird zur Beobachtung in die Ambulanz des Krankenhauses gebracht.
Kontrolle im Verdachtsfall
Besteht ein Verdacht auf Drogenkonsum, so soll dieser Verdacht dem Jugendlichen
mitgeteilt werden. Die Erziehungsleitung ist darüber ebenfalls zu informieren. Die
Sorgeberechtigten sollen informiert werden und einem Drogentest zustimmen (vor einem
Test!).
Die Erzieher machen dann im Gesundheitsamt einen Termin ab und begleiten den
Jugendlichen zum
Drogen-Test
(„Drogen-Screening“), der von Ärzten des
Gesundheitsamtes durchgeführt wird. Die Kosten werden Landkreis-intern geregelt.
Das Ergebnis des Drogentests soll den sorgeberechtigten Eltern, der Erziehungsleitung und
dem Jugendamt mitgeteilt werden. Falls der Jugendliche sich weigert einen Drogentest zu
machen, müssen die am Hilfeprozeß Beteiligten beraten und entscheiden, wie weiter
vorzugehen ist.
Ist der Test positiv, d. h. es wurde ein Konsum nachgewiesen, sollen weitere für den
Jugendlichen spontan festgesetzte Kontrollen durch das Gesundheitsamt folgen.
Zur Kontrolle gehört, dass bei begründetem Verdacht auf Konsum und Lagerung von
Drogen das persönliche Zimmer des Jugendlichen – nach Möglichkeit in dessen Beisein und
mit seinem Einverständnis! - durchsucht wird. Der Erzieher sollte hier zur eigenen
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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Absicherung einen weiteren Mitarbeiter (z.B. Erziehungsleitung, Kollege, Hauswirtschafterin)
hinzuziehen.
Die Erziehungsleitung ist über die Durchsuchung und das Ergebnis zu informieren.
Beratung
Ist der Konsum nachgewiesen, soll in der Gruppe mit dem Jugendlichen darüber
gesprochen werden.
Im Wiederholungsfalle des nachgewiesenen Konsums soll der Jugendliche vom Erzieher
begleitet zum Suchtberater, um sich im persönlichen Gespräch über die Gefahren des
Konsums und Möglichkeiten des „Ausstiegs“ zu informieren (Suchtberatungsstelle EdithStein, Bürgermeister-Heukamp-Str. 22, Tel. 81673). Weitere Beratungsgespräche sollen bei
Bedarf abgesprochen werden. Ob der Erzieher den Jugendlichen jeweils begleitet, wird im
Einzelfall entschieden.
Therapeutische Hilfen
Falls die Beratungsgespräche nicht greifen, bzw. ein anhaltender Konsum festzustellen ist,
ist die weitere erzieherische Betreuung bei uns in Frage gestellt, da das Konsum-Thema
(Sucht?) in den Vordergrund getreten ist.
Bei einer ausreichenden Mitarbeit des Jugendlichen wird versucht, eine Entgiftung und
Therapie-Einrichtung zu finden. Eventuell reicht eine ambulante Therapie aus
(Suchtberatungsstelle). In den meisten Fällen wird eine stationäre Behandlung in einer
Facheinrichtung notwendig.
Bei unklarer Situation oder schwerwiegender Problematik ist über die „Ambulanz oder
Klärungsstelle für Kinder- u. Jugendpsychiatrie“ (Clemens-August-Jugendklinik,
Neuenkirchen, Tel. 05493 – 504 .- 300 / 303) ein kurzfristiger Termin auszumachen und eine
fachärztliche Begutachtung einzuholen. Diese soll gemeinsam mit den Sorgeberechtigten
und dem Jugendamt erörtert werden, damit über das weitere Vorgehen entschieden werden
kann.
Ein anhaltender Konsum führt letztlich zur Beendigung der Betreuung durch uns, da wir
ansonsten die Suchtgefährdung, bzw. Abhängigkeit dulden und verlängern.
SOZIALTHERAPEUTISCHE WOHNGRUPPEN
für Kinder und Jugendliche
Wohngruppe „Schaalseeweg“
Wohngruppe „Sonnenblumenstraße“
JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz
Schaalseeweg 5
49661 Cloppenburg
JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz
Sonnenblumenstr. 5
49661 Cloppenburg
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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- 10 Plätze -
- 10 Plätze -
Telefon:
0 44 71 / 88 05 - 82 (Direktdurchwahl)
0 44 71 / 88 05 - 76 (Erziehungsleitung)
0 44 71 / 88 05 - 70 (Zentrale)
Telefax:
04471 / 88 05 - 71
Telefon:
0 44 71 / 88 05 - 83 (Direktdurchwahl)
0 44 71 / 88 05 - 76 (Erziehungsleitung)
0 44 71 / 88 05 - 70 (Zentrale)
Telefax:
04471 / 88 05 - 71
In den alters- und geschlechtsgemischten Wohngruppen leben bis zu 10 Kinder und
Jugendliche. Sie werden in jeder Wohngruppe von 4,5 sozialpädagogischen Mitarbeitern
(Erzieher, Sozialpädagogen) betreut. Eine Hauswirtschafterin versorgt jeweils den Haushalt.
Die Kinder und Jugendlichen werden in der alltäglichen Lebensbewältigung unterstützt und
einzel- und gruppenpädagogisch gefördert.
Sie gestalten ihr Lebensumfeld und den Alltag im Zusammenleben. Gemeinsam wird der
wöchentliche Speiseplan erstellt oder Spiel- und Freizeitaktionen geplant. Die Erzieher
sorgen für den Rahmen und strukturieren ihn. Die Bewohner leben in Einzel- oder
Zweierzimmern im Haus. Ein großer Freizeitraum im Obergeschoss bzw. Nebengebäude
kann für vielfältige Freizeitaktionen genutzt werden (Billardtisch, Sitzecke, Spielfläche usw.).
Die Gärten sind nach pädagogischen Gesichtspunkten gestaltet und bieten Sitzflächen,
einen Spielplatz / Sandkasten sowie Rasenflächen.
Die Bearbeitung von Konflikten und Störungen in sozialen Bezügen und der Familie sind
neben der Stärkung von Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und sozialintegrativen
Lernerfahrungen in der Gruppe wichtige sozialpädagogisch-therapeutische Leitziele.
Das Gespräch untereinander ist hier hilfreich, vor allem der Kontakt zum Erzieher. Probleme
und Schwierigkeiten können offen angesprochen und gelöst werden. Hier bleibt niemand mit
seinen Sorgen alleine. Die Gruppengespräche am Tisch, zu bestimmten Themen und bei
Gruppenabenden sind ein offenes Forum für Themen, die die Gruppe beschäftigen oder die
anstehen. Die Gruppe ist ein wichtiger Lernort. Das Erleben von Gemeinschaft und
Solidarität, von Nähe und Vertrauen untereinander muss immer wieder trainiert werden.
Die Kinder und Jugendlichen besuchen die öffentlichen Schulen in Cloppenburg. Am
Nachmittag wird großer Wert auf die Hausaufgaben-Erledigung gelegt. Die schulischen
Leistungen zu verbessern und dadurch psychisch zu entlasten, fördert das Wohlbefinden
und vor allem bei Jugendlichen die Ausbildungsperspektive. Wir kümmern uns um
Ausbildungsperspektiven und berufliche Orientierung in Form von Praktika und
Weitervermittlung in beruflich qualifizierende Maßnahmen vor Ort (u. a. auch Maßnahmen
des Arbeitsamtes).
Die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Eltern und dem Team der Wohngruppe wird
durch die systemische Familienberatung und –therapie ergänzt. Alle arbeiten eng und gut
vernetzt miteinander und arbeiten an gemeinsam festgelegen Zielsetzungen mit.
Die Kinder und Jugendlichen kommen überwiegend aus dem Landkreis Cloppenburg, den
angrenzenden Landkreisen (Vechta, Osnabrück, Emsland, Oldenburg, Ammerland) und
darüber hinaus aus dem ganzen Bundesgebiet auf Anfrage. Wir halten eine wohnortnahe
Unterbringung in vielen Fällen für hilfreich. In einigen Fällen kann eine Trennung aus dem
bisherigen Umfeld sinnvoll und gewünscht sein, um „neue Lebenserfahrungen“ zu
ermöglichen.
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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Die Seele
eines Kindes
gleicht
einem Seismographen
sie zeichnet
feinste Schwingungen
auf
schon
ein Blick
ein Wort
wirken oft lebenslang
nach
so
oder
so
(Hans-Herbert Dreiske, aus:
Ohne Netz, Gedichte zur Kindheit, Freiburg 1987)
SOZIALPÄDAGOGISCHE T AGESGRUPPE
für schulpflichtige Kinder
Tagesgruppe „Mittendrin“
JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz
Sperlingstr. 14
49661 Cloppenburg
- 10 Plätze Telefon:
0 44 71 / 88 05 - 81 (Direktdurchwahl)
0 44 71 / 88 05 - 76 (Erziehungsleitung)
0 44 71 / 88 05 - 70 (Zentrale)
Telefax:
04471 / 88 05 - 71
Die Tagesgruppe „Mittendrin“ ist ein teilstationäres Erziehungshilfe-Angebot für
schulpflichtige Kinder aus dem Landkreis Cloppenburg (und den angrenzenden Landkreisen
auf Anfrage).
Die Kinder sind in aller Regel innerfamiliär oder schulisch „auffällig“ geworden, vor allem im
Sozialverhalten. Sie entziehen sich erzieherischer Konsequenzen und erkennen elterliche
und erwachsene „Autorität“ nicht mehr ausreichend an. Sie suchen oft nach Grenzen und
Orientierung. Ambulante Hilfen (Beratung, soziale Gruppenarbeit, Sozialpädagogische
Familienhilfe, ambulante kinder-psychiatrische Behandlung usw. ) reichen nicht aus, die
Schwierigkeiten in der Erziehung zu lösen, bzw. das Erziehungsverhalten der Eltern zu
stärken.
Die Tagesgruppe hat 10 Plätze für Jungen und Mädchen. Bei der Aufnahme wird ein
individueller Erziehungsplan erstellt. Die vorhandenen Stärken werden umfassend analysiert.
Die Erziehungsziele werden festgelegt und im Rahmen der „Hilfeplan-Fortschreibung“
überprüft und gegebenenfalls korrigiert.
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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Wesentliches Ziel der Maßnahme ist es, den Verbleib der Kinder in der Familie zu sichern
und die Erziehungskompetenz der Eltern zu erhöhen.
Die Kinder lernen in der Gruppe das Leben in „Gemeinschaft“ und können hier ihr
Sozialverhalten trainieren und verbessern. Die Gruppe ist hier eine wichtige Erfahrung für
viele Kinder. Das Akzeptieren und das Einhalten von gesetzten Gruppennormen und –
werten wird ebenso eingeübt wie das „demokratische“ Sich-einbringen und Verantwortung
tragen für sich und andere.
Die Eltern bleiben ab Aufnahmetag in engem Kontakt zur Tagesgruppe. Die Kinder bleiben
bis 17.30 Uhr in der Gruppe und werden dann von den Eltern abgeholt, bzw. nach Hause
gebracht. Das tägliche „Tür-und-Angel-Gepräch“ ist für die Zusammenarbeit genauso
wichtig, wie Einzel-, Paar- und Familiengespräche mit den pädagogischen Mitarbeitern bzw.
den Familientherapeuten. Im vertrauensvollen Kontakt können konkrete und individuell
abgestimmte Verbesserungsvorschläge für die alltägliche Erziehungspraxis in der Familie
erarbeitet werden. Persönliche Hintergründe für die Problemgeschichte können
aufgearbeitet werden. Bei Elternabenden werden „erzieherische Grundlagen“ vermittelt und
Erfahrungsaustausch ermöglicht.
Nach dem Schulbesuch (montags bis freitags) verbringen die Kinder die Mittagszeit und den
Nachmittag in der sozialpädagogischen Tagesgruppe. Gemeinschaft wird bereits beim
Abholen, beim Mittagessen und später in der Freizeit erprobt und gelebt.
Die schulischen Hausarbeiten und das Vorbereiten von Klassenarbeiten sind wesentliche
Bestandteile der erzieherischen Förderung.
Der gute Kontakt zwischen den Erziehern und dem einzelnen Kind ist von großer Bedeutung
für Entwicklungsfortschritte des Kindes. Gezielte Ferien- und Freizeit-Aktionen sowie jährlich
eine Gruppenfreizeit sind wichtige Erlebnisse für die Kinder.
Zum Abendessen sind die Kinder wieder in ihrer Familie.
V o r b i l d
Wir sind das Vorgegebene.
Unsere Kinder finden uns vor;
unsere Wertorientierungen
und unseren Lebensstil,
unser Engagement
und unsere Gleichgültigkeit,
unseren Glauben und unseren Unglauben.
(Karl Ernst Nipkow, Pädagoge)
BETREUTE WOHNFORMEN
Im Rahmen erzieherischer Hilfen vor allem für „junge Volljährige“ werden „flexibel“ gestaltete
Betreuungsrahmen gemeinsam mit allen Beteiligten an der „Hilfeplanung“ festgelegt und
umgesetzt. Die Hilfe wird über Fachleistungsstunden mit dem Kostenträger abgerechnet.
Der Betreuungsrahmen variiert nach Bedarf und Entwicklung von 2 bis zu 15 Stunden
sozialpädagogische Einzelbetreuung pro Woche.
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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In den meisten Fällen kommen die Betreuten im „Verselbständigungsprozess“ des Betreuten
Wohnens aus einer stationären Wohngruppe (in aller Regel aus der eigenen Einrichtung).
Sie befinden sich in Berufsausbildung oder schulischer Ausbildung. Die Betreuten leben in
einer eigenen Wohnung, die von der Einrichtung für die Hilfemaßnahme angemietet wird,
mit der Option, dass der Betreute nach Beendigung der Hilfe diese, „seine“ Wohnung als
Mieter übernehmen kann.
Es soll eine selbständige Lebensführung erprobt und trainiert werden mit dem Ziel, möglichst
eigenverantwortlich den Alltag zu bewältigen. Erzieherische Hilfe bedeutet hier „Hilfe zur
Selbsthilfe“. Die Haushaltsführung, die finanziellen und administrativen Anforderungen eines
„selbständig lebenden Bürgers“ müssen konsequent vom Betreuten mit Hilfe des Betreuers
umgesetzt werden.
Die Persönlichkeitsentwicklung ist in aller Regel noch nicht ausreichend gefestigt und hier ist
ein weiterer Teil der sozialpädagogischen Begleitung die Besprechung anliegender
Probleme und Sorgen und die Motivationsstärkung hinsichtlich Ausbildung und Schule.
Das finden von „Kontakten“ und der Umgang mit der Freizeit sind weitere inhaltliche
Schwerpunkte.
Die Hilfe findet im wesentlichen statt in Einzelgesprächen in der Wohnung des Betreuten. Es
können aber auch Gespräche in den Räumen der Jugendburg stattfinden, insbesondere
Gespräche mit mehreren Teilnehmern, wie „Hilfeplan-Fortschreibungen“ oder
Familiengespräche.
AMBULANTE SOZIALPÄDAGOGISCHE HILFEN
Ambulante erzieherische Hilfen nach
„Fachleistungsstunden“ angeboten.
§
27
ff.
KJHG/SGB
VIII
werden
über
Ambulante Nachsorge-Gespräche
Nach Beendigung einer teilstationären oder stationären Hilfe kann es für die Sicherung des
Erfolges der Maßnahme sinnvoll sein, das Kind oder den Jugendlichen und seine Familie
„nachzubetreuen“.
Die Bezugspädagogen oder Therapeuten kennen die Problemlagen und die Entwicklung im
gemeinsamen Hilfeprozess. Hieran kann in der ambulanten Nachsorge angeknüpft werden
und weitere Entwicklungsschritte werden begleitet. Das kann in Einzel-, Paar- oder
Familiengesprächen stattfinden.
In aller
Regel wird ein Zeitrahmen und
Fachleistungsstundenrahmen in der Hilfeplanung des Abschlussgespräches bei
Notwendigkeit vereinbart.
Sozialpädagogische Familienhilfe
Akute oder chronische erzieherische und psychosoziale Krisen in Familien sind Anlass für
sozialpädagogische Familienhilfe, die in Form von Fachleistungsstunden angeboten wird.
Der Familienhelfer geht in die Familie, um dort an den gemeinsam festgelegten Zielen mit
der Familie zu arbeiten. Das erfordert ein besonderes Vertrauensverhältnis.
Die Erziehungskompetenz der Eltern soll dabei gestärkt werden. Problemlagen in Familien
sind vielfältig und so sind „Ansätze“ der Hilfe ebenso vielfältig. Hilfe kann hier auch die
Vermittlung an weitere Hilfeanbieter bedeuten (z. B. Schuldnerberatung etc.).
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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Einzelberatung und Paarberatung sind hier bei Partnerschaftsthemen ein wichtiger Baustein
der Hilfe.
Die sozialpädagogische Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit ihren
Entwicklungsverzögerungen und mangelnden Konfliktlösungsmöglichkeiten sind außerdem
ein inhaltlicher Schwerpunkt der Familienhilfe.
Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung / Erziehungsbeistandschaft / flexible
Einzelbetreuungen von Kindern und Jugendlichen
Individuelle ambulante sozialpädagogische Hilfen werden über Fachleistungsstunden
angeboten. Die Hilfe wird von sozialpädagogischen Mitarbeitern der Jugendburg
durchgeführt, die über langjährige berufliche Erfahrungen im stationären oder teilstationären
Bereich der Jugendhilfe verfügen (Erzieher, Sozialpädagogen...).
Sie orientieren sich am Einzelfall und den Problemlagen und in der Hilfeplanung
festgelegten Zielsetzungen.
Der Betreuungsrahmen kann hier stark variieren und bis zu 20 Betreuungsstunden pro
Woche betragen. Diese Form ambulanter Hilfe macht Sinn, wenn der „Lernort Gruppe“ noch
nicht oder nicht mehr angezeigt ist oder das Kind, bzw. der Jugendliche im elterlichen
Haushalt lebt und dort betreut wird.
Inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit sind:

Vertrauensaufbau zum Pädagogen

Besprechen von Problemen und Lösungen

Gemeinsam Schritte der „Lösungen“ erarbeiten und gehen

Begleitung beim „Trainieren“ neuer Verhaltensmuster

Verhaltensbeobachtung und –beschreibung

Freizeitpädagogische Unterstützung

Begleitung in der persönlichen Entwicklung

„Ablösungsthemen“, jugendspezifische Themen

Umgang mit Sexualität und Partnerschaft

Verbesserung der Kommunikation und des Kontaktes zu den Gleichaltrigen (soziale
Integration), evtl. Einbindung in eine Jugendgruppe

Verbesserung der Kommunikation und des Kontaktes zu den Eltern und
Geschwistern

Gespräche mit den Eltern über die Verbesserung der Erziehungspraxis

Gespräche mit Klassenlehrer, Ausbildungsbetrieb
Hausaufgabenbetreuung,
Lernen
für
Klassenarbeiten,
usw.
...
DIE
STIFTUNG HL. KREUZ
... Erziehungshilfe im Wandel ...
Seit 1932 bestand in Cloppenburg eine Initiative zur Gründung eines „Waisenhauses“. Durch
die nationalsozialistische Volkswohlfahrt, die alle konfessionellen Planungen dieser Art
ablehnte, und den 2. Weltkrieg konnte erst 1946 die Stiftung „Heilig Kreuz“ ins Leben
gerufen werden. Maßgeblich beteiligt waren Herr Dechant Meyer, Pfarrer von St. Andreas,
und Herr Amtsgerichtsdirektor Ostmann.
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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Sinn der milden katholischen Stiftung war es, wie aus § 1 der Satzung hervorgeht u. a.
„...den Waisenkindern nach Möglichkeit das Elternhaus zu ersetzen und sie zu brauchbaren
Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft zu erziehen...“.
Durch großzügige Spenden und Übereignungen von landwirtschaftlichen Flächen sowie
durch das Angebot, das Herrenhaus des Gutes Vehr (bei Quakenbrück) vorübergehend
nutzen zu dürfen, konnte mit der sozialen Arbeit der Stiftung und der Betreuung von Kindern
und Jugendlichen durch Ordensschwestern (Thuiner Franziskanerinnen) begonnen werden.
Die Beschaffung von Baumaterialien und die Geldentwertung der Nachkriegsjahre waren
große Hindernisse beim Aufbau eines Waisenhausgebäudes in Cloppenburg-Stapelfeld.
Viele „Kollekten“, Haussammlungen, Spenden von Getreide bei guten Ernten,
Vermächtnisse der im Krieg gefallenen Söhne und Väter und die Bereitschaft von Firmen,
500 Ladungen mit Baumaterial kostenlos zu transportieren, machten im Mai 1950 den ersten
Spatenstich des „Waisenhauses“ möglich.
1953 war der Neubau in Cloppenburg-Stapelfeld fertig. 70 Kinder und Jugendliche zogen in
die 11 Schlafräume des Heimes ein. Nach der kompletten Fertigstellung des Gebäudes
lebten im Haus durchschnittlich 140 Waisenkinder, davon manchmal bis zu 30 Säuglinge.
Als 1964 die Kinderzahl über 180 stieg, musste die Grundschule des Ortsteils erweitert
werden. Inzwischen waren es nicht mehr wie zu Beginn „Waisenkinder“, sondern Kinderund Jugendliche, die aus „problematischen Erziehungssituationen“ kamen und die oft
verhaltensauffällig waren.
1975 siedelte das „Kinderheim Heilig Kreuz“ von Cloppenburg-Stapelfeld in die umgebaute
„JUGENDBURG St. Michael“ in Cloppenburg-Bethen. Hier war vorher ein katholisches
Internat für Gymnasiasten untergebracht, die in Cloppenburg das Clemens-AugustGymnasium besuchten.
In eigens errichteten neuen „Wohngruppen-Häusern“ (je 10 Plätze) auf dem neuen
Heimgelände und im Hauptgebäude der „JUGENDBURG Heilig Kreuz“ an der St.-MichaelStraße war insgesamt Platz für 90 Kinder und Jugendliche. Die Ordensschwestern der
Thuiner Franziskanerinnen leiteten die Einrichtung und arbeiteten in der erzieherischen
Praxis der Wohngruppen, die sich dann konzeptionell am heilpädagogischen Konzept des
Münchener Waisenhauses von Andreas Mehringer orientierten.
Die „Heimkampagne“ (ausgelöst durch die „linke Bewegung“ Ende der 60er Jahre, die ihre
erste nachhaltig bekannt gewordene Aktion im hessischen Landesfürsorgeheim „Staffelberg“
1969 inszenierte) und die kritische Auseinandersetzung mit der Erziehungspraxis in großen,
meist „autoritär“ geführten Heimeinrichtungen, führte zu strukturellen Veränderungen in der
Erziehungspraxis der Kinder- und Jugendheime. Die Einrichtungen wurden in den 70er
Jahren kleiner, heilpädagogisch und therapeutisch orientierter, fachlich qualifizierter und im
Angebot differenzierter.
So „schrumpfte“ auch die „JUGENDBURG Heilig Kreuz“ in den 70er und 80er Jahren von
einer „großen Heimeinrichtung“ auf eine Größe von 4 Wohngruppen auf dem Heimgelände
in Cloppenburg-Bethen zusammen mit 36 Plätzen und qualifizierte sich fachlich weiter, um
den geänderten sozialpädagogischen Anforderungen gerecht zu werden.
1988 wurde dann mit der „Außenwohngruppe Forstweg“ die erste Heimgruppe für 6
männliche Jugendliche „dezentralisiert“.
1989 zogen 3 Wohngruppen in die Innenstadt von Cloppenburg auf das ehemalige Gelände
des St. Vincenzhauses an der Soestenstraße. Das St. Vincenzhaus übernahm das
Heimgelände der JUGENDBURG an der St.-Michael-Straße und konnte sich hier in der
räumlichen Ausdehnung weiterentwickeln.
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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Die Ordensschwestern verließen 1989 die JUGENDBURG Heilig Kreuz zum 31.07., denn
der Konvent war auf Grund der kleinen Größe nicht mehr haltbar. Ein wesentlicher Schritt
hin zur Normalisierung der Lebensbedingungen war zudem für die Wohngruppen, dass sie
als „Selbstversorger-Gruppen“ die Haushaltsführung (Kochen, Waschen, usw. ...)
übernahmen.
Die JUGENDBURG Heilig Kreuz orientierte sich in den 90er Jahren fachlich an
sozialtherapeutischen und systemischen Konzepten sozialer Arbeit. Die stärkere
Einbeziehung der Eltern und Familien in die Hilfsprozesse war ein wesentlicher Punkt der
Weiterentwicklung, ebenso die Weiterentwicklung freizeit- und erlebnispädagogischer
Ansätze. Familientherapeut, Psychologische Beratung und Freizeitpädagogin wurde im
Begleitenden Dienst etabliert.
1991 wurde erstmals in Kooperation mit der Fachklinik St. Vitus GmbH in Visbek ein Kind
aufgenommen, dessen Mutter eine stationäre Suchtbehandlung in der Klinik wahrnahm. Das
Konzept der „Mutter-Kind-Therapie“ wurde in den folgenden Jahren weiterentwickelt, weil die
Notwendigkeit der sozialpädagogischen und therapeutischen Begleitung der „Kinder von
suchtkranken Müttern“ gesehen wurde (Co-Abhängigkeit der Familie).
1994 sind die 3 auf dem „Heimgelände“ an der Soestenstraße verbliebenen alters- und
geschlechtsgemischten Wohngruppen in verschiedene Stadtteile gezogen. Es wurden für
diesen Zweck neue Wohngruppenhäuser gebaut, bzw. umgebaut. Die „Lebenswelt“ Heim
fand nun ausschließlich in dezentralisierten „Außenwohngruppen“ statt, die in Wohnstraßen
mit aktiven Nachbarschaften integriert wurden (Sonnenblumenstraße, Schaalseeweg, St.Georg-Straße, Forstweg).
Die Leitung der JUGENDBURG Heilig Kreuz befindet sich seit Anfang 1995 wieder in den
Räumen an der St.-Michael-Straße in Cloppenburg-Bethen.
1997 wurde die sozialpädagogische Tagesgruppe „Mittendrin“ in der Sonnenblumenstraße
eingerichtet. Zugleich wurde ein Fachdienst für ambulante sozialpädagogische Maßnahme
und „Betreute Wohnformen“ eingerichtet. Die Tagesgruppe zog im Jahr 1999 in ein
größeres Gebäude in die Sperlingstraße 14 in Cloppenburg.
Die stationären Wohngruppen sowie der Fachdienst „ambulante Hilfen / Betreute
Wohnformen“ wurden von August 2000 bis Dezember 2002 im Rahmen einer
Einrichtungsfusion mit dem St. Vincenzhaus als Jugendhilfeabteilung im St. Vincenzhaus
geführt. Seit Januar 2003 sind die sozialtherapeutischen Wohngruppen „Schaalseeweg 5“
und „Sonnenblumenstraße 5“ sowie der „ambulante Bereich / Betreute Wohnformen“ wieder
in Trägerschaft der JUGENDBURG Heilig Kreuz.Dieser „historische Ablauf“ macht deutlich,
dass Erziehungshilfe ein „bewegtes und bewegendes Feld“ ist, das sich immer wieder den
neuen Herausforderungen stellt, ohne zugleich die eigenen Wurzeln zu vergessen.
Erziehungshilfe und Jugendhilfe wandelten sich in der JUGENDBURG Heilig Kreuz vom
Waisenhaus mit 180 Kindern und Jugendlichen hin zu einer differenzierten ambulanten,
teilstationären und stationären dezentralisierten Angebotsstruktur für zur Zeit insgesamt 36
Kinder, Jugendliche und junge Volljährige.
Die Geschichte der Einrichtung ist auch die Geschichte der vielen Menschen, die in dieser
„Einrichtung“ lebten und arbeiteten:

viele Menschen, die sich hier für psychosozial benachteiligte Kinder und Jugendliche
engagierten - als Förderer, Verantwortliche und Mitarbeiter

sowie viele Menschen, die hier „Teile ihrer Kindheit oder Jugend“ verbrachten, oder
aber hier ihre gesamte Kindheit und Jugend verlebten.
Allen gemeinsam ist die „gemeinsame Erfahrung“ und die eigene persönliche Entwicklung.
Stand: Februar 2005
Konzeption JUGENDBURG – Stiftung Hl. Kreuz, Cloppenburg
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Das Ganze ist immer mehr als die Summe aller Teile.
Ihr sagt: „Der Umgang mit Kindern ermüdet uns.“
Ihr habt recht.
Ihr sagt: „ Denn wir müssen zu ihrer Begriffswelt hinuntersteigen.
Hinuntersteigen, uns herabneigen, beugen, kleiner machen.“
Ihr irrt euch.
Nicht das ermüdet uns.
Sondern – dass wir zu ihren Gefühlen emporklimmen müssen.
Emporklimmen, uns ausstrecken, auf die Zehenspitzen stellen,
hinlangen.
Um nicht zu verletzen.“
(Janusz Korczak, poln. Arzt u. Pädagoge, * 1878, im KZ Treblinka 1942 ermordet)
Stand: Februar 2005
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