Name: Martin Stadlbauer Anschrift: Hans-Böckler-Str. 77 46236 Bottrop Telefon: 02041 / 26937 Email: [email protected] Abschlussbericht über die Stipendienzeit von September 2002 bis Januar 2003 in Kazan’ in der Russländischen Föderation Programm: Semesterstipendium für Slavisten Referat: 325 Ich bin mit der Weitergabe meines Namens, meiner Anschrift, meiner Telefonnummer und Email-Adresse an künftige Stipendiaten des DAAD einverstanden, um eine eventuelle Kontaktaufnahme zu ermöglichen. Datum Unterschrift Inhaltsverzeichnis Besuch (Visum Reise) Einige wichtige Regeln zu Beginn §1 Papier ist geduldig §2 Über alles lässt sich reden §3 Glaube niemandem etwas, das du dir nicht selbst vorstellen kannst §3 Ну видешь. Всё будет хорошо! Dies dürften wohl die wichtigsten Regeln sein, wenn man zu einem Stipendium in die RF aufbricht. Egal ob die Botschaft, die Bahn, das Ausländerbüro in Kazan’ (Mezhdunarodnyj otdel’), die Miliz, egal ob Reisepass, Visum, Registrierung oder Gesundheitszeugnisse – wer mit obigen Regeln ans Werk geht und sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt wird bald auch die scheinbar größten Komplikationen mit Leichtigkeit meistern. Daher: KEINE PANIK! Visum Die ersten Komplikationen traten bei der Visumsbeschaffung auf. Die Einladungen aus Kazan’ trafen erst Mitte/Ende August in Deutschland ein. In Deutschland heißt zunächst auf dem heimischen Computer als Email. Damit bin ich natürlich sofort zum Konsulat nach Bonn gefahren um mein Visum zu beantragen. Leider benötigt das Konsulat bei Halbjahresvisen die Einladung als Telex auf ihren eigenen Computern – und das dauert ca. drei Tage länger als zu mir auf den Rechner. Außerdem behauptete der Mitarbeiter zu Studienzwecken könnten nur Monatsvisen erteilt werden und ich solle Kazan’ bitten eine neue Einladung in Auftrag zu geben. Dazu siehe §3 oben. Auf Rat von Frau Moritz wandte ich mich an den Vizekonsul, der dem DAAD als wohlgesonnen gilt, wandte §2 an, und es erfüllte sich §4: Zwei Tage später hielt ich mein Visum in meinen Händen. Es sei noch erwähnt, das ein Einreisevisum ebenfalls eine Überlegung wert ist, da es deutlich günstiger ist und Aus- und Wiedereinreisen ins Land durchaus möglich sind, diese jedoch wenigstens eine Woche vorher geplant sein müssen. Kosten: Mehrfachvisum 140 € Einreisevisum 40 € Aus- und Wiedereinreise mit Einreisevisum 150 Rubel (5 €) Anreise Wie die meisten Stipendiaten kam ich mit der Gruppe mit dem Zug nach Kazan’. Ein Stipendiat war bereit die Fahrkarten und die Transitvisen für Weißrussland zu besorgen (für beides gibt es Gruppentarife). Es gibt Züge ab Berlin (dreimal die Woche, Ankunft ca. 23 Uhr) und Züge ab Köln (täglich, Ankunft 9 Uhr), die nonstop bis Moskau fahren. Dort wurde uns beim Umsteigen mit all unserem Gepäck durch den DAAD und die Kazaner Uni geholfen, auch waren die Fahrkarten Moskau-Kazan bereits gekauft worden. Natürlich könnte man auch fliegen, doch um einen Kulturschock zu vermeiden (bei Flugreisenden fast die Regel) und weil’s einfach schön ist, plädiere ich für den Zug. Kosten: Zugfahrt Köln-Moskau 145 € Transitvisum Weißrussland 20 € Zugfahrt Moskau-Kazan’ 17 € Flug Deutschland-Moskau ca. 220 € Flug Deutschland-Kazan’ ca. 500 € Unterkunft Im wesentlichen gibt es drei Möglichkeiten in Kazan’ unterzukommen: das Wohnheim, die eigene Wohnung oder die Gastmutter. Bereits auf dem Vortreffen in Bonn sollte man sich überlegen, welche der Möglichkeiten man in Erwägung zieht. Obwohl das russische Wohnheim kein besonders guten Ruf geniest, haben sich fünf Stipendiaten (darunter auch ich) dazu entschieden. Und ich muss sagen: Echt ganz in Ordnung. Es wurde keine einzige lebendige Kakerlake gesehen, die Duschen befanden sich zwar im Keller, waren aber sehr gut, es war immer warm und die Küche auch immer sauber. Die einzigen Nachteile waren, dass es kein Telefon gab (nur eins bei der Wachtjorka, auf dem man sich täglich drei Minuten anrufen lassen kann) und wir Jungen mussten das Zimmer zu dritt teilen. Diese sind dafür aber auch sehr groß, wenigstens 25 m². Die zwei Mädchen wohnten zu zweit, und das schien auch sehr unproblematisch zu sein. Eine andere Möglichkeit war die Wohnung (in der Regel für Zweier-WGs ausgelegt). In Bonn sah es so aus, als gäbe es zunächst nur eine, doch in Kazan’ angekommen war ersichtlich, das dies kein so großes Problem darstellt. Zwei von uns wohnten zunächst bei einer Gastmutter, bevor sie zusammenzogen. Eine lettische Austauschstudentin wohnte auch eine ganze Weile bei einer Gastmutter, bis sie es einfach nicht mehr aushielt und eine Wohnung suchte. Zunächst schaute ich mir die Wohnung nur aus Spaß an, doch da konnte ich nicht nein sagen, so zog ich mit in die Wohnung ein. Übrigens ein Tipp für alle, die ebenfalls die Wohnung bevorzugen: Falls es nicht von vornherein klappt – Geht erst ins Wohnheim, dann das Mezhdunarodnyj otdel’ fragen, die vermitteln Wohnungen - und sich die Wohnung in Ruhe anschauen. Von der dritten Möglichkeit, das Leben bei einer Gastmutter, würde ich eher abraten. Freiheitseinbußen (nicht nur bezüglich des eigenen Magens) und ständig gut gemeinte Ratschläge sind Geschmackssache. Es ist gar einmal vorgekommen, das eine Gastmutter Wochen nicht mehr mit einem geredet hat, nachdem sie herausgefunden hatte, das man die Wäsche in die Wäscherei statt in ihre erfahrenen Hände gegeben hatte. Zu mehr Sprachpraxis führt diese Wohnform übrigens nicht – worüber will man sich ein halbes Jahr lang schon mit einer älteren Dame unterhalten? Kosten: Wohnheim (6 Monate) 1076,94 Rubel (35 €) Wohnung 100 € pro Monat/Person Gastmutter pro Monat 200 € incl. Verpflegung u. Gesellschaft Geld Wer nicht im Wohnheim wohnt sollte das Geld für die Miete bar in Euro mitnehmen. Der Umtausch in Dollar ist sinnlos, da im Moment der Euro stärker ist und auch als es umgekehrt war, zwischen Dollar und Euro nicht besonders unterschieden wurde. Zwar können auch Dollar im Prinzip am Automaten gezogen werden, die waren aber immer gerade aus, als ich welche brauchte. Außerdem sollte man immer einige Euro als Notreserve besitzen. Rubel können immer mit der EC-Karte am Automaten gezogen werden. Der Automat im Hotel Tatarstan ist bereits DAAD-erprobt und machte nie Probleme, empfehlenswert. In Moskau ist einer Stipendiatin die EC-Karte vom Automaten gefressen worden. Automaten sind Vertrauenssache! Ich würde nicht aus einem x-beliebigen ziehen, sondern nur aus wohlbekannten. VISA- und sonstige Kreditkarten nie in einen Automaten stecken! Das ist nicht sicher! Wer Dollar kauft, sollte darauf achten, das sie nicht beschädigt sind und ihr Ausgabedatum sollte 1996 oder später sein. Sonst noch nützlich ist es, sein Girokonto onlinefähig zu machen, um gegebenenfalls auch von Kazan’ aus agieren zu können. Ich habe davon öfter Gebrauch gemacht und es macht einen sicheren Eindruck. Reiseschecks sind in Russland ein Fluch, man bekommt sie nur schwer eingelöst, Euro-Reisechecks werden nur in einer einzigen Kazaner Bank angenommen. Am besten ist wohl die EC-Karte, ausserdem ist der Kurs hier am besten. 100 Euro sind ungefähr 3500 Rubel. Faustregel zur Umrechnung: Rubel mal drei und Null abstreichen gleich Euro. Versorgung Zwar gibt es genügend Apotheken in Kazan’ doch sollte man seine gewohnten Mittelchen (besonders gegen Erkältung usw.) selbst mitbringen. Bekleidung gibt es günstig auf den Märkten (Moskovskyj und Zentral’nyj rynok), jedoch von miserabler Qualität. Für Jacken usw. lohnt es sich da schon mal nach Moskau zu fahren. Produkte zur Körperpflege können gut auf jedem beliebigen Markt gekauft werden. Lebensmittel, besonders Obst, Gemüse, Fleisch usw. gibt’s auf dem Zentral’nyj rynok, etwas teurer ist da der Chekhovskyj rynok. Ein guter Supermarkt sind der ‚Subcontinent’ an der Pushkin ur. Und der ‚Merian’ am Park pobedy. Während bis Oktober Gemüse sehr gut und günstig noch zu bekommen sind, wird es im Dezember und Januar schwieriger. Gescheites Gemüse gibt es dann in den Kellerräumen des Zentral’nyj rynok. Fisch gibt es immer und das auch sehr preiswert. Leitungswasser kann abgekocht getrunken werden, schmeckt jedoch noch immer gewöhnungsbedürftig. Es gibt Firmen, die Trinkwasser in großen Kanistern bis nach Hause liefern (siehe z.B. gelbe Seiten), 19 Liter kosten 95 Rubel. Außer den beiden eben erwähnten Märkten ist vor allem noch der Vietnamskyj rynok zu erwähnen. Dort gibt es zwar keine Lebensmittel, dafür aber alles andere. Liegt außerhalb und ist am besten mit der Marshrutka zu erreichen (Die Endstation heißt auch Vietnamskyj rynok). Habe mir dort Winterschuhe für 550 Rubel geholt, die waren auch echt gut und halten noch immer, von den Hausschlappen dort (80 Rubel) bekamen aber alle die sich dort noch damit eingedeckt hatten spätestens nach zwei Tagen Fußschmerzen (vermutlich von der Schaumstoffsohle, bei deren Anblick jeder Orthopäde aufschreien dürfte). Und nicht nur einige Küchenartikel vom Markt leisten mir in Deutschland gute Dienste, ein Muss sind die wohlbekannten karierten Plastiktaschen in allen möglichen Größen. Ein- und Ausfuhrliste Ein kleiner Überblick über die Sachen, die man nach Russland mitnehmen sollte, und die, die man unbedingt nach Deutschland mitbringen sollte. Nach Russland: Passbilder (ca. 4 Stück für den Anfang) Badeschlappen und zur Sicherheit Fußpilzmittel (unbedingt) Packung Glühfix (für kalte Wintertage) Wecker (für Langschläfer) Nach Deutschland: Ein Karierte-Taschen-Komplekt Gewürze (für Plov, Sazivi, usw.) Banja-Artikel wie Machalka Das Klima Bei der Ankunft Anfang September kann es durchaus noch +30°C sein, doch im Dezember kann aus dem ‚+’ schon ein ‚-’ geworden sein. Das ist wegen des kontinentalen Klimas nicht so schlimm wie es klingt, doch sollte man daher warme Sachen nicht vergessen (z.B. lange Unterhosen) Kazan Obwohl Kazan über eine Million Einwohner hat, herrscht eine gemütliche Kleinstadtatmosphäre. Das liegt daran, dass das Zentrum recht alt und klein ist, die meisten Menschen aber in der Platte in weit entfernten Rayons leben. Nach einiger Zeit scheint einem die Decke auf den Kopf zu fallen. Eine Kurzreise nach Moskau kann da Abhilfe schaffen – nach der Rückkehr ist man einfach froh dort und nicht in einer russischen Riesenmetropole gelandet zu sein. Die Universität, Märkte und Geschäfte, Kunst und Kultur, Bierklausen und Beatschuppen, das Leben spielt sich in der Altstadt ab. Verkehr Dorthin gelangt man recht einfach mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Straßenbahnnetz ist zwar übersichtlich und hinreichend, doch sollte kann man mit den Bussen und besonders Marshrutken viel Zeit sparen. Die Kosten liegen für die Straßenbahnmonatskarte bei 120 Rubel für Studenten, Einzelfahrt 4 Rubel, Marshrutka 7 Rubel. Der öffentliche Verkehr fährt bis 11, im Winter bis 10 abends. Danach kann man sich ein ‚Auto fangen’. Da geht recht einfach und kostet auch nicht viel. Man sollte nur ein paar Sicherheitsregeln beachten. Kulturelles Leben Das kulturelle Leben in Kazan ist sehr vielfältig. Eine Übersicht über Veranstaltungen kann im Mezhdunarodnyj otdel’ eingesehen werden. Karten für Konzerte, Theater und Oper sollte man sich rechzeitig besorgen, da diese häufig ausverkauft sind. Mag auch manch eine Inszenierung Geschmacksache sein, besonders das Theater auf der Bauman ur. spaltet da die Gemüter, doch war ich z.B. von der zeitgenössischen Version der Dreigroschenoper einfach begeistert – wer in Russland lebt, wird sehen wie aktuell das Stück auch heute noch ist (und daher eine zeitgenössische Inszenierung verdient). Nachtleben Während im September sich das Leben auf der Bauman ur. abspielt, verstummt es dort auch mit Einbruch der kalten Tage. Die meisten Kneipen sind schnell aufgefunden, etwas versteckt aber empfehlenswert ist das Baltika: an der Pushkin ur. die Treppen zum Wohnheim der Pädagogen hoch. Restaurants Zum täglichen Mittagstisch eignen sich die Mensa im Hochhaus der Uni, die nach einiger Zeit abhängig macht und sehr günstig ist (ca. 40 Rubel), die ‚Luxusmensa’ im Hauptgebäude (ca. 80 Rubel), das Dom Chaja (ca. 80 Rubel, gute Auswahl), Sytyj papa u.a. Ein kulinarisches Muss ist der ‚Shvedskyj stol’’: Für 200 Rubel Schlemmen und sich nach Hause rollen. Leider nicht ganz leicht zu finden: auf der Kreml ur. Richtung Kremel, kurz davor führt eine Treppe rechts auf eine Strasse in schlechtem Zustand. Nach 300 Metern ist der Shwedskyj stol’ schon zu sehen. Verbindung mit der Außenwelt Telefonieren kann man zum einen beim Hauptpostamt oder im Telefonladen in der Kabine. Von der normalen Telefonzelle aus kann man auch in andere Städte und ins Ausland anrufen, ist jedoch sehr teuer. Von einem heimischen Telefon zahlt man den Preis wie im Telefonladen. Wer die Möglichkeit hat sollte sich die ‚Nju-Ton’-Karten holen: Telefonieren von daheim ohne Rechnung auf Telefonkarte, und das viel günstiger. Bei Auslandsgesprächen am besten durchrufen und anrufen lassen (Vor-Vorwahlen wie 010012 ca. 9 cent/Min.). Zwar wird ein Telefon mit Tonwahlmöglichkeit benötigt, doch falls nicht vorhanden: Ab 300 Rubel gibt’s schon welche. Das Internet kann man im Prinzip auch in der Uni nutzen, doch sind die Rechner dort viel zu langsam. Internetsalons finden sich aber reichlich und kosten auch nicht so viel (30 Rubel/Stunde), z.B. im Uniks-Gebäude. Man sollte sich auch mal auf nichtrussischen Medien über die Ereignisse in der Welt informieren. (Vaterländische Zeitungen gibt es viele, solche wie die Nezavisymaja gazeta habe ich in Kazan dagegen nicht gefunden). Wer seinem Wohnungsbriefkasten mistraut kann Post und Päckchen auch an das Mezhdunarodnyj otdel’ schicken lassen. Uni Das Mezhdunarodnyj otdel’ Am ersten Tag stehen Eröffnungsfeier und Begrüssung im Mezhdunarodnyj otdel’ auf dem Plan. Hier sollte man gleich seine Unterlagen mitnehmen: Reisepass, Versicherungsnachweis (am besten Kopie), HIV-Test (ebenfalls Kopie), 6 Passbilder (kann man preiswert in der Stadt machen lassen ca. 60 Rubel 6 St.). Passbilder braucht man ständig, habe glaub ich über ein Duzend in Russland verbraucht. Registrierung und alles weitere macht die Uni. Man bekommt eine beglaubigte Ausweiskopie. Statt des richtigen Reisepasses habe ich immer diese mit mir geführt. Das ist Geschmackssache, und man sollte abschätzen wie einbruchsicher die eigene Unterkunft ist. Selbst bei der Moskauer Miliz hatte ich aber mit der Kopie keine Probleme. Sonst bietet das otdel’ eine Vielzahl von Serviceleistungen (Adressen, Theaterkarten etc.). Bei Auskünften aber nicht vergessen: keine Gewähr. Genaue Zugfahrpläne, Öffnungszeiten usw. weiß selbst Nina Vassiljevna nicht genau auswendig, auch wenn sie sonst ein zuverlässiger Ansprechpartner ist. Der Stundenplan Außer den obligatorischen Veranstaltungen konnten wir uns weitere aus den verschiedensten Fakultäten aussuchen und diese besuchen. Kommentierte Vorlesungsverzeichnisse gibt es zwar nicht, doch hängen an den Fakultäten die Veranstaltungen aus. Anmelden muss man sich in der Regel nicht, doch sollte man im Lehrstuhl mal nachfragen, ob die ausgewählte Veranstaltung denn das richtige sei, eventuell mit dem Dozenten sprechen. So wurde ich im Lehrstuhl für Algebra allerherzlichst beraten (oh, ein Student aus Deutschland, wie lange haben wir das nicht mehr gehabt!), die Dozentin einer Vorlesung in Kunstgeschichte verteilte extra für uns Deutsche ein kleines Skript. Beim Lehrstuhl für russische Sprache wünschten wir und zum obligatorischen Programm noch einen Phonetikkurs, der dann auch eingerichtet wurde. (Ob ein Phonetikkurs sinnvoll ist, ist eine andere Frage. Auch wer in Deutschland nie speziell Phonetik gemacht hat: Die Aussprache lernt man woanders, nicht im Kurs – und vor manch einer russischen Intonationskonstruktion sollte man besser verschont bleiben!) Sehr begeistert war ich von dem Sprachpraxiskurs, Stilistik der Umgangssprache, und -mein absoluter Favorit- russische Lieder. Der Kurs Obuchenie pis’mo war zwar sehr arbeitsintensiv, dafür habe ich dort aber sehr viel für meine Schriftsprache getan. Nur der Grammatikkurs hat leider keine bleibende Wirkung hinterlassen, auch wenn die Dozentin sehr gut war. Zwei Stunden lang nur zwischen vollendetem und unvollendetem Aspekt unterscheiden zu müssen führte bald Konzentrationsschwächen und der Aufnahme des 50/50-Prinzips. Auch wenn der Lehrstuhl bedauerte, dass gerade die Grammatik in diesem Jahr von drei auf eine Veranstaltung gekürzt wurde: ich bedauerte sicher nicht. Freizeit Wer bezüglich Theater, Oper und Konservatorium informiert sein will, fragt zum einen im Mezhdunarodnyj otdel’ oder an den Veranstaltungsorten nach, und sollte sich die Zeitschrift ‚Ofisha’ kaufen. Im September bietet die Uni einige Exkursionen in die Umgebung an, im Oktober in Museen. Den Den’ filfaka sollte man sich auch nicht entgehen lassen. Wenn man die Stadt einwenig erkundet, ob zu Fuß oder mit der Straßenbahn, findet man bald einige nette Plätze, der Park Gorkogo, Park Pobedy, das Eislaufstadion (Schlittschuhe können geliehen werden). Man darf nur nicht vergessen, dass das Erkunden ab Mitte November auf Grund der Witterung immer unangenehmer wird. Ich habe außerdem Gitarrenunterricht genommen, an den Lehrer bin ich über eine Gastmutter eines Studenten gekommen, aber da kann man auch in der Veranstaltung ‚russische Lieder’ nachfragen, der Preis (5$) ist für unsere Verhältnisse sehr günstig. Übrigens ein weiterer Grund mit dem Zug zu fahren: so konnte ich meine Gitarre mitnehmen. Es ist möglich im Uniks Sportkurse zu besuchen, doch war weder etwas passendes für mich dabei, noch waren diese günstig. Auch ist Joggen (vom Radfahren ganz abgesehen) eher schwer möglich. Da ich mich auf Schlittschuhen leider nicht halten kann musste ich in Kazan auf Sport verzichten. Doch um dennoch ins Schwitzen zu kommen gibt es glücklicherweise die Banja. Ob’jazatel’no! Schlappen und Handtuch nicht vergessen, Machalka vom Markt. Banja No3 (in der Nähe des Pl. Svobody) ist sehr empfehlenswert, das Kombinat Zdorovija gefiel mir nicht so gut. Reisen Reisen im Lande sind besonders mit dem Zug günstig durchzuführen. Nach Moskau und St. Petersburg gibt es Direktzüge. Man sollte die Karten wenigstens eine Woche vorher besorgen, am besten vor 9 Uhr morgens, so braucht man nicht lange warten. Zwar gibt es auch Agenturen die die Karten ohne anstehen zu müssen verkaufen, doch die nehmen kräftig Provision. Ich persönlich bevorzuge den Platzkartnyj, denn man kommt schnell mit interessanten Leuten ins Gespräch. Wichtig: Personen ab 1,60m Körpergröße sollten nicht den Platz an der Seite wählen, auch wenn dieser ein paar Rubel günstiger ist (in der Fachsprache: на боку bzw. дешёвое место). Flugtickets gibt es z.B. an der ул. Правобулачная, dafür muss man nicht zum Flughafen. I Lande fliegen ist auch relativ günstig (z.B. 150$ Moskau - Baikal-See, eine Idee für den Februar). Auf jeden Fall sollte man sich nicht entgehen lassen, die Dimensionen und Unterschiede in diesem Lande kennen zu lernen. Besuch Das Visum sollten sich die Besucher am besten in einem russischen Reisebüro besorgen. Das Touristenvisum gibt es für zwei und für vier Wochen. Mein Favorit: Natascha Reisen, Hamburger Str. 4 , 48155 Münster Tel: 0251/ 14 Tage: 55 €, 4 Wochen 65 € Einfach anrufen und Pass und Bild hinschicken. Die Registrierung bekommt man in Kazan bei FranzTours, Levobulochnaja für 20 €. Ob der Stempel eine ‚echte’ Registrierung ist, das weiß niemand, doch bislang hatte niemand damit Probleme, im Gegenteil: dem Grenzbeamten, Milizionär usw. muss man nur das Zauberwort ‚Tatarstan’ nennen und er wird ganz schnell wieder verschwinden und ‚Gute Reise’ wünschen. Rückreise Noch ein Tipp für die Rückreise. Ich bin über das Baltikum zurückgefahren und war hellauf begeistert. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt für ein Besuch dort als nach fünf Monaten Russland, obwohl – oder gerade weil – Russland und das Baltikum nach der Wende so verschiedene Wege gegangen sind. Es gibt zwar eine Fähre von Riga nach Deutschland, die war aber einfach grausig. Ich empfehle daher eine andere Route als ich sie gefahren bin: Kazan-Moskau-Riga-Tallinn-(St.Petersburg –gut ein Mehrfachvisum zu haben!)Helsinki. Auf der Fähre ab Helsinki sind andere Stipendiaten gefahren und waren sehr zufrieden (www.finnlines.fi). Andere Möglichkeit: Kazan-St. Petersburg-Tallinn-Riga-Vilnius-Kaliningrad Im Baltikum gibt es übrigens keine Bahnlinien zwischen den Hauptstädten, dafür schnelle und günstige Buslinien, die mehrmals täglich verkehren. (www.ecolines.lv) Und: die Zollkontrollen im Zug- und Flugverkehr sind zwar bei Deutschen sehr human (‚Ach, Sie sind det? Na, dann noch jute Reise, wa!’) doch an deutschen Fährhäfen wird man ordentlich gefilzt(‚Ist dos etwo Kovioar?!’), also Freimengen nicht überziehen! Schluss Die Zeit in Kazan hat mir unheimlich Spass gemacht, ich habe viel gelernt, nicht nur was die Sprache oder das Land angeht. Ich bin froh in einer Stadt wie Kazan gewesen zu sein (auch wenn man sich nicht davor scheuen sollte über den Tellerrand der Republik Tatarstan zu blicken). Das Programm das der DAAD mit der Uni Kazan vereinbart hat, hat mir auch sehr gefallen. Die organisatorischen Probleme lösten sich nach anfänglichen Hürden alle überraschend schnell, und selbst dem oft als chaotisch verschriebenen Mezhdunarodnyj otdel’ möchte ich hier mal danken. Ich habe sehr viele angenehme Erfahrungen mit den Menschen im Lande gemacht, die deutlich überwiegen, auch wenn man als Ausländer leider manchmal die schlimmsten Idioten an sich zieht. Ich kann nur jedem raten eine solche Gelegenheit zu nutzen, wenn es nur irgend möglich ist, und danke dem DAAD für das Stipendium und wünsche allen künftigen Stipendiaten alles Gute! Adressen Botschaften Unterkünfte St. Petersburg, International YH, ул. 3-ая Советская 28, [email protected] +7 812 3298018 (390 Rubel) Tallinn: Merevaik YH, Sopruse Str. 182 [email protected] ++372 6553767 (ca. 7€) Riga: Hostel ‘Turiba’, 26 Nicgales iela ++371 7549012 (4 Lats ca. 6€) (Wohnheim der Lebensmittelproduzenten) Visa und Registrierung KGU Sonstiges