Zur didaktischen Dimension des Modelldenkens - Bildungs

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Thomas Wurm :
Zur didaktischen Dimension des Modelldenkens
Was ist ein System ?
 Die Welt besteht aus Systemen, deren Einzelteile nicht wahllos
nebeneinander liegen, sondern zu einem bestimmten Aufbau vernetzt sind.
Dadurch verhält sich ein System (das Ganze bzw. Wirkungsgefüge) völlig
anders als seine Teile. > Jedes Glied eines Systems steht mit jedem anderen
in Wechselwirkung
 Es gibt keine geschlossenen, statischen Systeme (nur in der Theorie), da alles
miteinander auf irgendeine Art in Wechselwirkung miteinander steht.
 Da aber der Mensch nicht in der Lage ist dies alles zu verarbeiten, erstellt er
sich Modelle um die Welt zu begreifen > Wenn man nur Einzelsysteme
betrachtet, erkennt man Zusammenhänge nicht mehr und begeht Fehler.

Der Sinn und Zweck des Modelldenkens
 Was ist ein Modell:
- Modelle sind vereinfachte Repräsentationen der Realität und
zielen auf eine Verbesserung der Denkökonomie ab
 Ein komplexer Sachverhalt der Realität wird durch die Wahrnehmung und den
Verstand in ein abstraktes Modell, ein Denkmodell überführt, in dem nur das
Wesentliche (Reduktion) verwendet wird. Diesem Modell werden nun
zusätzliche Informationen aus dem Erfahrungsschatz, wie Logik und
Naturgesetzte hinzugefügt. Anschließend steht dem Bewusstsein ein neues
Denkmodell zur Verfügung, welches auf die Realität zurückprojiziert werden
kann (Transfer)
 Vereinfachte Denkmodelle erlauben in ihrer simplifizierten Weise ein partielles
Verständnis des Systems. > Das Denken benutzt Modelle als Hilfsmittel
 Modelle haben eine Hilfsfunktion und Veranschaulichungscharakter, da sie
beschreiben helfen komplexe Systeme zu verstehen
 Das Denken mit Modellen wird dadurch ausgezeichnet, dass es innerhalb des
Denkprozesses durch Veranschaulichung und Konkretisierung von abstrakten
Sachverhalten das Verständnis erleichtert, indem es wirksame Hilfestellungen
leistet
Die didaktische Dimension des Modelldenkens
 Bewusstsein des Menschen ist zum Verständnis der komplexen Welt
quantitativ unzureichend
 Die Lösung dieses Dilemmas ist das Ersetzten von Teilbereichen der
Wirklichkeit durch Denkmodelle, damit man wenigstens in Teilbereichen
erfolgreich denken kann.
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 Vereinfachte Denkmodelle erlauben in ihrer simplifizierten Weise ein partielles
Verständnis des Systems
 Entscheidend ist nicht nur, was mit wem verbunden ist, sondern auch, wie es
damit verbunden ist, also die Kenntnis der Wechselwirkungen zwischen den
Teilen
 Naturwissenschaften kennzeichnet sich dadurch aus, dass durch komplexe
Systeme einfache Ursache- Wirkungs- Beziehungen beschrieben oder
gesucht werden
 Die Ursachen sind oftmals sehr komplex
 Zur Verständigung eines Denkmodells und seiner Veranschaulichung wird das
Denkmodell auf einem materiellen Träger (Folie, Tafel) konkretisiert abgebildet
- Regekreise (positive und negative Rückkopplung)
 Die Schüller sollen lernen mehr in Wirkungsnetzen zu denken anstatt in
isolierten Einzelmodellen > kritisches Denken
 Aber auch der Rücktransfer von Denkmodellen und vernetzten Strukturen auf
das System ist wichtig
 In der Schule werden nur schon bekannte und gelöste Sachverhalte
behandelt, da die Verständlichkeit und Anschaulichkeit im Vordergrund steht
 Modelldenken ist von größter Wichtigkeit, da es zu neuen Erkenntnissen und
Wissenstransfer beiträgt
Modelldenken im Unterricht
 Neues und Fremdes wird durch Modellbildung anschauend beobachtet oder
interpretiert, sowohl in Naturwissenschaften, als auch Geisteswissenschaften
 Modelle können im Unterricht vernetztes Denken veranschaulichen, sei es als
Denkmodell, Anschauungsmodell, Funktionsmodell, Modellsituationen,
Modellkommunikation, etc.
 Jedes Bezugssystem kann durch ein Modell ausgedrückt werden
 Modelle dienen als Mittel der Informations- und Kenntnisgewinnung
 Aber: Modelle sind keine realitätsgerechten Abbildungen, die sich beliebig
verwenden lassen, sondern sie haben einen speziellen Zweck und Zeitdauer
für den Benutzer
 Die Reichweite und Aussagekraft wird oft sowohl von den Lehrenden und
Lernenden überschätzt.
Risiken des Modelldenkens
 Die Modellsituation ist dem Schüler bewusst zu machen, da es sonst als
Realobjekt betrachtet wird und das Bezugssystem vergessen wird > Modelle
repräsentieren oder präsentieren keine Wirklichkeit, sie sind in der Regel
exemplarisch
 Oft werden nur Einzelsysteme betrachtet, ohne dabei die Konsequenzen
vorauszusehen
 Durch falsches und eindimensionales Denken betrachtet sich der Mensch (als
Krone der Schöpfung?) nicht als Teil des Systems und stellt sich über
dasselbige, da er aufgrund des technischen Fortschritts seine vormals enge
Verbindung mit der Natur verloren hat
 die Beurteilung von einzelnen Systemteilen kann zu schwerwiegenden
Irrtümern führen
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 Eindimensionales, kurzsichtiges Denken führt in die Irre, da größere
Zusammenhänge nicht erkannt werden > Umweltzerstörung
 Es ist schwer vorherzusagen, wie sich im einzelnen ein Wirkungsgefüge
verändert, weil jedes System offen und somit ständigen Störungen ausgesetzt
ist.
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