INTERNES DOKUMENT F_CES7722-2007_DOC

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Europäischer Wirtschafts- und Sozialausschuss
Brüssel, den 6. November 2007
Rede von Dimitris Dimitriadis,
Präsident des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses
anlässlich der 439. Plenartagung
am Mittwoch, den 24. Oktober 2007
(Offene Plenartagung zum Thema "Der Klimawandel
und die Lissabon-Strategie")
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Es gilt das gesprochene Wort
DE
-1Herr Präsident,
meine Herren Professoren
liebe Mitglieder,
meine Damen und Herren!
Zuerst möchte ich Professor Jean Jouzel und Professor Peter Bosch, die heute hier den Zwischenstaatlichen Ausschuss für den Klimawandel IPCC vertreten, sehr herzlich dazu gratulieren, dass der IPCC
gemeinsam mit dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore den Friedensnobelpreis 2007 gewonnen
hat.
Wir fühlen uns ferner geehrt, zwei weitere bedeutende Persönlichkeiten als Hauptredner unter uns zu
haben:
Professor Gonçalves Henriques vertritt hier den amtierenden portugiesischen Ratsvorsitz der Europäischen Union und kann uns daher die Vorbereitungen für den Klimagipfel auf Bali erläutern, wo die
Vertreter der Regierungen der EU-Mitgliedstaaten und die Vertreter der anderen Länder der Welt
zusammentreffen werden, um hoffentlich die Verhandlungen über ein Kyoto-Nachfolgeabkommen,
ein globales Abkommen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen, auf den Weg zu bringen.
Der slowenische Staatssekretär für Umwelt, Mitja Bricelj, wird mit seinen Kollegen im künftigen slowenischen Ratsvorsitz für die Folgemaßnahmen zur Klimakonferenz von Bali verantwortlich sein. Ich
heiße beide sehr herzlich willkommen. (PAUSE FÜR APPLAUS)
Schließlich ist es uns eine große Ehre, den bekannten Klimawandel-Wissenschaftler, Professor
Zerefos, zu unseren Mitgliedern zählen zu dürfen. Ich freue mich und ich bin stolz darauf, auch ihn
heute hier bei uns begrüßen zu dürfen.
Als ich letzten Oktober zum Präsidenten des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses
gewählt wurde, habe ich sofort den Klimawandel zu einem der wichtigsten Themen meiner Präsidentschaft erklärt.
Ich muss zugeben, ich bin kein Freund von Katastrophenszenarien wie jenen, die Martin Rees, Professor für Kosmologie an der Universität Cambridge, in seinem Buch "Unsere letzte Stunde" entwirft, in
dem er der Menschheit nur eine 50%-ige Überlebenschance für die Zeit nach 2100 einräumt.
Natürlich gibt es 20 Jahre nach Unterzeichnung des Montreal-Protokolls wenig Grund zum Feiern.
Die kostbare Schicht an toxischem Gas, die sich in einer Höhe von 25 km über der Erde befindet, verringert sich weiter und ein neues Problem ist aufgetreten, das die Sache noch komplizierter macht: der
Klimawandel.
Diese Klimaveränderung hat viele Facetten und Folgen, sowohl positive als auch negative.
.../...
-2Da die Zeit knapp und das Thema unermesslich ist, möchte ich mich auf die Veränderungen der Niederschlagsmuster und Regenfälle konzentrieren.
Veränderungen der Niederschlagsmuster z.B.:
Es ist richtig, dass ein Anstieg des Meeresspiegels verschiedene Auswirkungen haben wird, wie Überschwemmungen und die Verlagerung von Feuchtgebieten, Küstenerosion, ein höherer Salzgehalt und
Probleme bei der Entwässerung.
Es stimmt, dass Veränderungen der Niederschlagsmuster zusammen mit höheren Temperaturen zum
Aussterben bestimmter im Wasser lebender Arten führen können.
Es ist ebenso richtig, dass Meerwasser "frischer", das heißt weniger salzig wird, wenn der Süßwassereintrag aus den Flüssen zunimmt.
Ein geringerer Salzgehalt des Arktischen Ozeans, der von einem höheren Wasserabfluss aus Flüssen
und dem Schmelzen der Eisdecke auf dem Meer ausgelöst wird, kann durch die Veränderung von
Meeresströmungen wie dem Golfstrom große Auswirkungen auf das globale Klima haben.
Andererseits dürfen wir nicht vergessen, dass das den Menschen zur Verfügung stehende Süßwasser
begrenzt ist. Da alles Leben und die Gesundheit auf der Erde von Wasser abhängen, ist es immer noch
eine sehr wertvolle natürliche Ressource.
So wertvoll, dass der Vertreter der Republik Kongo beim UN-Sicherheitsrat im April 2007 sagte:
"Das wird nicht das erste Mal sein, dass die Menschen um Land, Wasser und natürliche Ressourcen
kämpfen."
Das US Military Advisory Board veröffentlichte im April 2007 einen aufschlussreichen Bericht, in
dem stand, dass der Klimawandel nach derzeitiger Einschätzung eine ernste Gefahr für die nationale
Sicherheit der Vereinigten Staaten darstellt.
Wir gehen davon aus, dass der starke Niederschlag mit dem Klimawandel zusammenhängt, aber laut
WHO haben 100 Millionen Europäer keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Damit sind sie Krankheiten ausgesetzt, die auf verschmutztes Wasser zurückzuführen sind und rund 18.000 Todesfälle pro
Jahr verursachen.
Wir erkennen also, dass dieser Klimawandel je nach den nationalen und lokalen geografischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen und Bedürfnissen jedes Landes gesehen und erklärt wird.
Ich bin fest davon überzeugt, dass wir uns, wenn wir uns dem "Phänomen Klimawandel" stellen und
es angehen, aus der Abhängigkeit von der primären Produktion und Schwerindustrie lösen, zu einer
Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft entwickeln und dadurch Forschung und Innovation fördern
werden, wobei Wissen die neue "Ressource" sein wird.
.../...
-3-
Wir brauchen einen langfristigen politischen Rahmen, mindestens bis zum Jahr 2030, der den Bürgern
und Investoren das notwendige Vertrauen für die Bewältigung ihres Alltags und für langfristige Investitionen gibt.
Im Moment gibt es eine Reihe verschiedener Szenarien und es kommen täglich neue hinzu.
Bis heute sehen viele entwickelte Länder das Thema Klimawandel als eine Angelegenheit, die mit
Armut zusammenhängt.
Eine Angelegenheit, die wir verstehen, gegen die wir aber kaum etwas unternehmen. Eine Angelegenheit, die einen anderen Kontinent betrifft, die wir nicht deutlich "sehen" können und die uns nicht
direkt beeinträchtigt.
Die entwickelten Länder haben die Mittel, um die Umwelt mehr zu verschmutzen, die Entwicklungsländer aber nicht!
Die entwickelten Länder haben die Mittel, um Lösungen zu finden, während die Entwicklungsländer
diese nicht haben.
Die Dinge ändern sich und die klimatischen Bedingungen halten sich nicht an Grenzen.
Ein US-Bürger braucht im Durchschnitt 10 Hektar der Erde, um sein Leben leben zu können, während
ein Afrikaner nur einen Hektar Erde benötigt!
Die Sonne liefert der Erde 10 000 Mal mehr Energie, wie der Mensch verbrauchen kann, aber
1,7 Milliarden Menschen haben immer noch keinen Zugang zu Strom.
Wir müssen uns Folgendes vor Augen halten:
Der Erdboden birgt die Überreste unserer Vergangenheit und die Hoffnungen für unsere Zukunft.
Er ist ein Genspeicher.
Ein Lebensreservoir für die jetzigen und künftigen Generationen.
Der WWF sagt:
Wir haben nur einen Planeten, auf dem wir leben können. Wenn alle Länder so viel natürliche Ressourcen konsumieren und den gleichen Ausstoß an Kohlendioxid produzieren würden wie wir, dann
BRÄUCHTEN WIR DREI PLANETEN ZUM LEBEN.
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