Gallipoli - Silvia Matras: Home

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DIE UNBEKANNTE SCHÖNE
Die alten Griechen hatten immer schon einen guten Geschmack. Wenn sie eine
Stadt gründeten und sie dann „kale polis“ – die schöne Stadt - nannten, dann
war sie wirklich ein Juwel. Und das ist Gallipoli, wie sie heute heißt, noch
immer.
Haben Sie auch schon immer davon geträumt, unserem Winter zu entfliehen und
sich irgendwo in den Süden abzusetzen? Aber es sollte nicht eine der üblichen
touristischen Destinationen sein, sondern etwas Authentisches? Kein Ort, der
mit Mitte September die Luken dicht macht oder der nur aus Hotelanlagen
besteht? Leben, Alltag soll sich dort abspielen? Gar nicht leicht zu finden.
Gallipoli ist so ein Wunder. Dort geht das Leben das Jahr über seinen
gewohnten Gang, ob mit oder ohne Touristen, die selbst im Sommer nicht allzu
zahlreich sind.
Il Salento heißt der südlichste Zipfel Apuliens, im Westen vom Adriatischen, im
Osten vom Ionischen Meer umspült. An der Westküste liegt auf einer
löffelförmigen Halbinsel die zauberhafte Altstadt von Gallipoli, umgeben von
mächtigen Stadtmauern und beschützt von dem stark befestigten Castello
Aragonese aus dem 16. Jahrhundert.
Es gibt Orte, wo der innere Zeiger voll ausschlägt. Man meint, hier bleiben zu
wollen, ja bleiben zu müssen. Gallipoli ist so ein Ort. Durch eine Brücke mit
dem Festland und der Neustadt verbunden, liegt das centro antico wie ein
liebevoll gehegter Schatz inmitten des türkisblauen Meeres. Wo man auch geht,
es schimmert durch die Gassen, es riecht bis in die letzten Winkel der Höfe. Von
den Dachterrassen hat man einen herrlichen Blick über die Kirchen und Paläste
bis hin zu den kilometerlangen, weißen Sandstränden im Norden und Süden.
Blumentöpfe stehen vor den Hauseingängen, ein Fiat 500 parkt vor einem
Palazzo. Aus den kleinen Bars duftet es nach Kaffee und frischen cornetti. Wenn
der Gemüsemann mit seinem Minilastwagen durch die engen Gassen fährt und
seine Ware ausruft, tun sich Fenster auf, Körbe werden heruntergelassen und
Preisverhandlungen fliegen durch die Luft. Gegen Mittag wird es ruhig. Die
letzten Fische werden am Fischmarkt verkauft, dann geht man heim zum pranzo.
Vorher genehmigt man sich noch einen Aperitiv in einer der vielen kleinen Bars
an der Stadtmauer, schaut sinnend auf das Meer und freut sich auf die Spaghetti
con vongole oder ricci (Seeigel), ganz frisch von mamma zubereitet.
Das Leben in der Altstadt hat einen ruhigen, gleichmäßigen Rhythmus. Man
spürt, hier ist ein gewisser Wohlstand nicht erst seit gestern zu Hause. Millionen
von Ölbäumen lieferten und liefern das flüssige Gold. Bis noch vor einem
Jahrhundert wurde es in unterirdischen Ölmühlen hergestellt, wo Menschen
unter härtesten Bedingungen schuften mussten. Da sie auch dort schliefen,
kamen sie oft tage- und wochenlang nicht ans Tageslicht. Einige dieser
Ölmühlen sind heute als Museum zugänglich, und man bekommt eine
Vorstellung, wie hart und unmenschlich das Leben der Arbeiter in diesen
feuchtkalten Felsenlöchern war.
Das Öl, das unter der Erde produziert wurde, lieferte die Basis für den Luxus in
den darüber liegenden Palästen. Barock vom Feinsten war angesagt. Architekten
aus der bekannten Schule des Giuseppe Zimbalo sorgten für reich verzierte
Fassaden, prächtige Tore und mächtige Fenster. Der gelbe Sandstein „carparo“
war ideal dafür. Er ließ sich leicht formen, verhärtete sich an der Luft und wurde
auch nicht durch die salzhaltige Meeresluft zerstört. Paläste wie der der Familie
Tafuri in der Via Nizza oder der Familie Balsamo in der Via de Pace sind
Zeugnisse soliden Reichtums. Am prächtigsten wurde natürlich der Dom, darauf
legten die Geldmenschen wert. Und tatsächlich übertrifft er alle Paläste der Stadt
an Dekor! Wie eine Theaterkulisse ist die Fassade mit Statuen, Spitzenmustern
und Girlanden aus Früchten und Blumen geschmückt. Im Inneren prunken
riesige Barockbilder mit fülligen Leibern. Sie erzählen das Martyrium der
schönen, armen Agathe, der der Dom geweiht ist. Weil sie nicht mit dem
grausamen Landesfürsten schlafen wollte und auch nicht dem Glauben
abschwor, ließ der Barbar ihr Brüste und Zunge herausschneiden und sie bei
lebendigem Leib verbrennen. Das alles und mehr gibt es auf hundert
Quadratmeter großen Bildern im Dom zu sehen. Mit den Gebeinen der armen
Agathe wurde ein schwunghafter Handel betrieben. Viele Städte wollten sie
haben, war doch mit Reliquien gutes Geld zu machen. Sie wanderten nach
Catania, von dort nach Konstantinopel und landeten schließlich in Galatina,
einem Ort ganz in der Nähe von Gallipoli. Die Leute von Galatina freuten sich
über die Beute und errichteten ihr eine Kirche mit herrlicher Barockfassade.
Heute wird dort geheiratet wie auf dem Fließband. Kurioserweise dürfte die
arme Agathe zur Beschützerin der Hochzeitspaare avanciert sein.
In Gallipoli waren die Fischer unzufrieden. Was sollte man mit dem Dom
inmitten der Stadt? Den konnten sie vom Meer aus kaum sehen. Sie wollten ihre
eigenen Kirchen. Gleich mehrere. Oben auf der Stadtmauer sollten sie gebaut
werden, damit sie vom Meer aus gut sichtbar wären. Es entstanden sieben
einfache, schlicht gestaltete Kirchen, alle ganz verschiedenen Heiligen geweiht.
Die Fischer, die täglich aufs Meer hinausfahren, führen auch heute noch ihren
guten Fang auf deren Protektion zurück. Müde, aber zufrieden setzen sie sich am
Abend auf die Stufen ihrer Kirche, um ein bisschen zu schwatzen und der Sonne
beim Untergehen zuzusehen. Dann werden die Mauern der Häuser und Paläste
in ein überirdisches Rot getaucht. So ist der Abend in Gallipoli.
INFORMATIONEN
Allgemeine Auskünfte
Italienische Zentrale für Tourismus E.N.I.T
Kärntner Ring 4, 1010 Wien, T 01/505 16 39, Fax: 505 02 48
[email protected]
Allgemeines Prospektmaterial und Auskünfte zur Reisevorbereitung.
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T 0039/0833/261 096, www.bedandbreakfastlariviera.co
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