Vorwort

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 ( ) 
0.20
N
2
1
 02  ( / 2) 2
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.
Frequenzdichte für ein-atomiges Modell, =3.9
Frequenzdichte 
0.16
0.12
0.08
0.04
0.00
0
2
4
6
Energie 
8
File Phonon.opj
3.9. Spektrum der Gitterschwingungen in drei Dimensionen
Zur Berechnung von Dispersionsrelationen in drei Dimensionen geht man analog wie für
den beschriebenen, eindimensionalen Fall vor. Mit Hilfe der Bewegungsgleichungen der
Gitterteilchen berechnet man mit Hilfe der Determinanten die Eigenfrequenzen  j (q )
sowie die Eigenvektoren ξ j der Eigenschwingungen. Analog zum eindimensionalen Fall
erhält man z Bewegungsgleichungen für die z Atome in der Einheitszelle. Die
Auslenkungen ξ j der Atome sind Vektoren, denen man eine longitudinale und zwei
transversale Wellen zuordnet. Im Gesamten erhält man also aus den Nullstellen der
Determinanten 3z Gleichungen für 3z Frequenzzweige.
Notation:


Frequenzzweige mit   0 für q  0 :
Frequenzzweige mit   0 für q  0 :
3 akustische Zweige
3z  3 optische Zweige
Für allgemeine Positionen in der Brillouinzone sind die Zweige nicht entartet, wärend
entlang Symmetrierichtungen Entartung auftreten kann, i.e. Zweige fallen zusammen.
Die Frequenzdichte  ( ) erhält man durch Summation über die Frequenzdichten aller
Dispersionszweige. Die obere Integrationsgrenze  max ist gegeben durch die
Bestimmungsgleichung
3N 
 max
 d ( ) .
0
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Überall, wo die Ableitung der Dispersionsrelation nach dem Wellenvektor ein Maximum
erreicht, wird  ( ) maximal sein. Beachte, dass  (0)  0 ist für Kristalle mit mehr als
zwei räumlichen Dimensionen.
Analog wie für das Debye- oder das Einsteinmodell ordnet man jeder Eigenschwingung
einen harmonischen Oszillator zu der aufgrund der Quantenmechanik quantisiert ist. Der
Beitrag der Gitterschwingungen zur inneren Energie ist gegeben durch
U s (V , T ) 
 max
  ( )
1
2
 n d
mit
0
n 
1
exp(  /( k B T ))  1
und die spezifischen Wärme ist gegeben durch
CV (T ) 
U s (V , T )
.
T
In den folgenden zwei Figuren zeigen wir die Dispersionsrelationen von Kupfer und die
daraus resultierende Frequenzdichte (E. C. Svensson, B. N. Brockhouse and J. M. Rowe,
Phys. Rev. 155, 619 (1967)). Kupfer kristallisiert in der kubisch flächenzentrierten Form,
hat also 4 Atome pro kubischer Zelle. Da die primitive Zelle aber nur ein Atom enthält ist
z  3 und man beobachtet nur akustische Zweige. Entlang der [1 0 0] und der [1 1 1]
Richtung sind die zwei transversalen Moden entartet und man beobachtet nur einen
transversalen und einen akustischen Zweig. Beachte: Die Frequenz    /( 2 ) ist in
Einheiten 11012 s-1 = 1THz ausgedrückt.
Dispersionsrelationen entlang den Hauptsymmetrierichtungen in Kupfer (Svensson et al.,
Phys. Rev. 155, 619 (1967)).
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Aus der Kenntnis der Dispersionskurven aller Zweige, kann die Frequenzdichte  ( )
berechnet werden und damit die spezifische Wärme CV (T )   / T U s (T ,V ) .
1. Brillouinzone mit einigen
eingezeichneten, wichtigen
Punkten hoher Symmetrie.
Aus den obigen Dispersionsrelationen
berechnete Frequenzdichte  ( ) .
Beachte:   2 (Svensson et al.,
Phys. Rev. 155, 619 (1967).
3.10. Impuls von Phononen, Kristallimpuls
Wie bereits erwähnt besteht zwischen der Quantisierung von elektromagnetischen
Schwingungen in einem quaderförmigen, verspiegelten Hohlraum und den
Gitterschwingungen in einem Medium ein enger Zusammenhang.
Für elektromagnetische Wellen definiert man Photonen durch die Angabe des
Wellenvektors k und der (zwei möglichen) Polarisationsrichtungen s. Die Anzahl der
Photonen der Sorte k, s ist dann gegeben durch die Verteilung
nk , s  (exp(  s /( k B T ))) 1 . Die Energie der Photonen kann sich aufgrund der
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quantenmechanischen Behandlung als harmonischer Oszillator nur in ganzen Quanten
 s (k ) ändern. Photonen sind Bose Teilchen mit Spin 1.
Analog kann man den Gitterschwingungen Schallquanten zuordnen, die man als
Phononen bezeichnet. Man ordnet ihnen

eine Energie  j (q)


einen Impuls K  q  G k
und einen Spin 0 zu.
(   2 / q )
Hier bezeichnet j den Dispersionszweig und q denWellenvektor des Phonons in Bezug
auf die 1. Brillouinzone. Den Vektor K bezeichnet man als Kristallimpuls. Die Zahl
nq , j  (exp(  j /( k B T ))) 1 gibt an, wieviele Phononen mit der Energie  j (q) bei der
Temperatur T angeregt sind. Während sich das Photon mit der Lichtgeschwindigkeit c
ausbreitet, bewegt sich das Phonon mit der Schallgeschwindigkeit c s .
Obwohl bei der Ausbreitung einer Gitterschwingung im zweitlichen Mittel, wie beim
Photon, keine Materie transportiert wird (Ausnahme: LA-Phonon bei q  0 ), ordnet man
dem Photon formal den Kristallimpuls K zu. Der Begriff des Impulses erlaubt eine
einfache Beschreibung von Streuproblemen mit Phononen.
Beispiele für Streuprozesse:

Photon – Phonon: Lichtstreuung (Brillouin- oder Ramanstreuung), Streuung von
Röntgen- oder Synchrotronstrahlung (Braggreflexion, inelastisch)
ki
kf
ki
q
kf

Phonon – Phonon: z. B. Wärmeleitung
q
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q2
q
q1

Phonon – Neutron: Messung von Dispersionsrelationen

Phonon – Magnon: magnetoelastische Effekte

etc.
Für Streuprozesse gelten die Gesetze für Impuls- und Energieerhaltung:

Impulserhaltung:
k f  k i  K  k i  (q  G k )

Energieerhaltung:
 s , f   s ,i   j .
Notation:

k f , k i : Wellenvektoren des gestreuten (final) und einfallenden (incident) Photons


K  q  G k : Kristallimpuls K, reduzierter Wellenvektor q, reziproker
Gittervektor Gk
 s , f ,  s ,i : Energie des Photons nach und vor dem Streuprozess

 j : Phononenenergie. Beachte, dass die Phononenenergie aufgrund der
Periodizität des Gitters nur von q abhängt.
3.11. Rückstossfreie Emission von Photonen: Mössbauer Effekt
Die geometrischen Bedingungen zur Beobachtung von Braggpeaks wurden hergeleitet
unter der Annahme eines streng periodischen Gitters. Wir haben gesehen, dass
Braggreflexion nur möglich ist, wenn der Wellenvektor des einfallenden Photons einen
Gitterpunkt mit dem Rand einer Brillouinzone verbindet. Die Impulserhaltung lautet
aufgrund der Ewald’schen Konstruktion
k f  k i  (q  G k )  k i  G k , gleichbedeutend mit k i  k f  Q .
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Bei der Reflexion des Photons wird auf den Kristall der Masse M der Impuls
Q   (k i  k f ) übertragen. Als Beispiel betrachten wir die Rückstossenergie auf einen
1 g schweren Kristall mit Kupfer K  -Strahlung (8.8 keV):
ER 
 2 Q 2  2 (2k i ) 2 2 2 (k i c) 2 2( ) 2



.
2M
2M
Mc 2
Mc 2
Beachte: Qmax  2k i . Damit erhalten wir
E R 2 2  8800 eV  1.6  10 19 Cb


 10  29
 Mc 2
10 -3 g  (3  10 8 ms ) 2
Der Streuprozess kann also als wirklich elastisch betrachtet werden, solange der
Kristallimpuls vom Kristall als ganzes übernommen wird und nicht von den einzelnen
Atomen. Die Energie der Photonen ändert sich bei Braggreflexion praktisch nicht. Es
werden keine Gitterschwingungen erzeugt, da offensichtlich q  0 und  j  0 ist. Dies
nennt man einen Nullphononen-Prozess.
Die inelastische Streuung kann ebenfalls als Stossprozess aufgefasst werden. Man
unterscheidet

Einphononen-Prozesse: es wird ein Phonon erzeugt k f  k i  q  G k

Mehrphononen-Prozesse: obwohl weniger wahrscheinlich, können mehrere
Phononen gleichzeitig erzeugt und/oder vernichtet werden:
k f  k i  qi  G k .
i
Durch die Wirkung der Phononen werden die Photonen in verschiedene Richtungen
gestreut. Dies führt zu einem “diffusen” Untergrund von Streuung zwischen den
Braggpeaks und insbesondere auch bei den Braggpositionen selbst. Beide Effekte führen
zu einer Erniedrigung der Braggpeaks. Die Abnahme der Braggintensität in Funktion der
Temperatur ist gegeben durch den Debye-Waller Faktor. Er ist ein Mass für das Auftreten
von Nullphononen-Prozessen und nimmt mit zunehmender Temperatur ab.
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Der Mössbauer Effekt (1958, TUM) ist eine direkte Konsequenz des Auftretens von
Nullphononen-Prozessen in Kristallen. Ein freier, ruhender Atomkern geht von einem
angeregten Zustand Ea unter Emission eines -Quants in den Grundzustand E g über.
Die Energie des emittierten Photons mit dem Impuls k ist um die Rückstossenergie
2
E
p2
2k 2
 2 (kc) 2
ER 



2
2M Kern 2M Kern 2M Kern c
2M Kern c 2
vermindert. Um einen zweiten Kern mit dem Photon wieder anzuregen, ist die Energie
E  E R erforderlich (vergleiche mit einem Gas: Die Emissions- und Absorptionslinien
sind ebenfalls gegeneinander verschoben). Falls die Linien teilweise überlappen, kann
Resonanzabsorption auftreten, d.h. ein Teil der emittierten -Quanten wird von
identischen Kernen im Grundzustand absorbiert. Nehmen wir als Beispiel das Isotop
Fe57: Hier ist die Linienbreite für die 14.4 keV Linie äusserst klein,   5  10 9 eV. Man
erwartet deshalb, dass keine Resonanzarbsorption auftreten kann.
Sind die Eisenatome jedoch Teil eines Kristalls, wird der Rückstoss vom gesamten
Kristall aufgenommen (wie bei der Braggstreuung), i.e. die Rückstossenergie ist massivst
reduziert
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ER 
E
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2
2M Kristallc 2
und Resonanzabsorption wird möglich. Man kann also einen für den Mössbauereffekt
massgebenden Debye-Waller Faktor einführen. Wir wollen dies an dieser Stelle nicht tun.
In Analogie zum Debye-Waller Faktor für Röntgenstreuung wird der Anteil der
rückstossfreien Emission- und Absorption von -Quanten bei tiefer Temperatur am
grössten sein.
Der Mössbauer Effekt eignet sich zum Studium von zahlreichen Problemen aus der
Physik und Chemie. Wir diskutieren hier als Beispiel die Hyperfeinaufspaltung in Fe. Die
ungepaarten Elektronen erzeugen am Kernort ein Magnetfeld von der Grössenordnung
4  10 7 A/m. Dadurch wird der Grundzustand mit der Kernspinquantenzahl I  12 in zwei
und der angeregte Zustand mit I  32 in vier Zustände aufgespalten. Aufgrund der
Selektionsregeln | M | 1 sind sechs Übergänge möglich. Da die Hyperfeinaufspaltung
ca. 30 mal grösser (  10 7 eV) ist als die natürliche Linienbreite  , können die einzelnen
Übergänge aufgelöst werden.
Das Experiment wird wie folgt durchgeführt: Die Quelle enthält das radioaktive Isotop
Co57, das in den angeregten Zustand Fe57 zerfällt. Durch die Bewegung der Quelle kann
die Frequenz der ausgesandte -Strahlung durch den Dopplereffekt leicht verschoben
werden. Wenn die ausgesandte Strahlung eine Frequenz hat, die der Frequenz einer Linie
im Grundzustand entspricht, werden die -Quanten absorbiert. Der Detektor zeigt dann
ein Minimum in der Zählrate an.
Die folgende Figur zeigt ein Messergebnis eine Mössbauerexperiments an einer Probe
aus dünnen Schichten von Fe. Manchmal ist auch eine Isomerie-Verschiebung des
Linienspektrums sichtbar, die durch die unterschiedliche Ladungsverteilung der
Elektronen am Kernort für verschiedene Anregungszustände verursacht wird.
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G. S. Case, M. F. Thomas, C. A.
Lucas, D. Mannix, P. Böni, S.
Tixier, and S. Langridge, J. Phys.:
Condens. Matter 13, 9699 (2001).
3.12. Messung von Phonondispersionsrelationen
Phononen in Festkörpern haben typische Wellenzahlen von 2 – 5 Å-1 und Energien von
ca. 15 meV. Aus diesem Grund ist es schwierig, mit Röntgen- oder
Synchrotronstreuung die Dispersionsrelationen von Phononen zu bestimmen, da für die
geeigneten Wellenzahlen die Photonenenergie von der Grössenordnung 10 keV ist.
Neutronen sind viel besser geeignet, weil sowohl die Impulse als auch die Energien
vergleichbar sind mit Phononenergien. Aus diesem Grund sind alle Dispersionsrelationen
von Materialien mit Ausnahme von ganz wenigen Beispielen (Wasser, Quarz) mit Hilfe
von Neutronenstreuung bestimmt worden. Im Prinzip sind natürlich die beiden
Methoden komplementär, da bei Licht- und Röntgenstreuung die Bewegung der
Elektronen gemessen wird, während bei der Neutronenstreuung direkt die Bewegung der
Kerne bestimmt wird.
In einem typischen Neutronenstreuexperiment beleuchtet man die Probe mit einem
monochromatischen Strahl, der durch Braggreflexion an einem Graphitkristall oder Cu
Kristall erzeugt wird. Die gestreuten Neutronen werden ebenfalls nach der Energie
analysiert und detektiert. Dieses Instrument nennt man “Dreiachsenspektrometer
(Monochromator – Probe – Analysator) und ist an fast jedem Forschungsreaktor zu
finden. Meistens wird der Analysiatorkristall auf einen fixen Energieübertrag eingestellt
und man variiert die Einfallsenergie der Neutronen. Damit sind auch die Beträge der
Wellenvektroren der einfallenden und gestreuten Neutronen bestimmt. Durch Wahl des
Streuwinkels kann dann der Streuvektor eingestellt werden.
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