Reisebericht - Harley-Rolf

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14. März bis 18. April 2006
Camino Frances – Jakobsweg
St. Jean Pied de Port – Santiago de Compostela- Finisterre –
Biarritz – St. Jean Pied de Port mit Bus
14. März 2006
1. Tag
Schönes aber sehr kaltes Wetter. In Paris immer das gleiche Problem, spät ankommen, dann das Gate suchen. Wenn man wenig Zeit hat, wird es knapp. Weiterflug
nach Biarritz 13.20 Uhr. Mit dem Bus nach Bayonne, echt gut 1,20 Euro. Wetter 18
Grad im Schatten. Vom tiefsten Winter in Niederbayern in den Frühling!
18.10 Uhr Zug nach St. Jean Pied Port, 7,90 Euro. Dann sofort in die Pilgerherberge,
sehr schön in der Altstadt gelegen. Allerdings wird es in den Schlafräumen sehr eng
(8 Personen, 2 Iren, 1 Dänin, 2 Deutsche, 1 Engländer, 1 Italiener). Die Wirtin ist sehr
nett und ein Original. Ich musste meine ganzen Französischkenntnisse anwenden,
es war ein sehr netter Abend. Um 21 Uhr bin ich ins Bett gegangen.
15. März 2006
2. Tag
Von St. Jean Pied de Port nach Roncevalles,
26,5 km, 1.200 m Höhenunterschied
6.30 Uhr Aufstehen. War ziemlich anstrengend, besonders der viele Schnee zwischen Col de Bentarte und Col de Lepoeder. Aber die grandiose Landschaft entschädigt für Vieles. Das Wetter war herrlich, unten 20 Grad, ob am Pass sicher noch
10 Grad. Und den ganzen Tag über Sonne. Der Rucksack hat am Anfang ziemlich
gedrückt, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Die Pilgerherberge in Roncevalles ist schlimm. Alles sehr eng, 1 Klo und 1 Dusche für 16 Leute. Bin gespannt,
wie das Schlafen wird und vor allem die Luft. Abends habe ich Pilgermenue (8 Euro)
gegessen (Suppe, Forelle und Nachtisch, Wasser und Tischwein).
16. März 2006
3. Tag
Von Roncevalles nach Arre (5 km vor Pamplona)
Das mit dem Schlafen ging besser als ich gedacht habe, denn ich war sehr müde
und Ohropax sei Dank. Wieder herrliches Wetter. Morgens bei +3 Grad auf der Parkbank gefrühstückt, dann noch in der Bar ein großer! Kaffee (1,20 Euro). Ich bin als
letzter weggegangen und hab das Feld von hinten aufgerollt. Vor Zubiri hab ich die
letzte Gruppe eingeholt. Ab Zubiri ging das Gehen dann schwer. Blasen haben sich
angesagt. War froh, nach 37 km endlich die Herberge Trinidad de Arre zu sehen.
Eine sehr schöne Herberge, groß, mit vielen Duschen. Doch was soll’s: hier war ich
ganz allein! Zuerst die Blasen versorgt. Tut ganz schön weh und noch 720 km vor
mir. Aber die anderen haben das auch geschafft. Gegen 21 Uhr bin ich ins Bett, ohne Ohropax!
14. März bis 18. April 2006
Camino Frances – Jakobsweg
17. März 2006
4. Tag
Von Arre nach Punta la Reina
Habe trotz Blasen sehr gut geschlafen. In Pamplona habe ich eingekauft. Das Wetter
ist schön, aber windig.
In Uterga traf ich einen 26jährigen Brasilianer. Wir gingen die gesamte Strecke bis
Punta zusammen. Kleiner Umweg zur romanischer Kirche Eunate. Hatte wegen der
Blasen unterwegs ziemliche Schmerzen. Aber da muss man durch. Hoffe, dass es
morgen besser geht. Es ist einfach blöd, wenn die Blasen nicht so schnell heilen.
Heute sind wir in der Herberge 9 Personen, 1 Brasilianer, 2 Australier, 2 Amerikaner,
2 Mexikaner, 1 Spanier. Muss wohl wieder Ohropax nehmen. Werde auch bald ins
Bett gehen. Schön ist, dass im Aufenthaltsraum ein Feuer brennt.
18. März 2006
5. Tag
Punta de Reina nach Estella
Habe einigermaßen geschlafen. Beim Aufstehen hat es geregnet. Aber als ich losgelaufen bin, hat es aufgehört und erst wieder angefangen, als ich in der Herberge von
Estella war. Der Weg dorthin war sehr schwer. Viel Schlamm und dann immer wieder
diese Blasen, welche mir zu schaffen machen. Aber Pilger müssen anscheinend leiden. Rucksack und meine Kondition – kein Problem. Heute war es sehr kalt. Deshalb
fiel das Mittagessen aus und ich war schon um 15 Uhr in der Herberge. Mein mitwandernder Brasilianer bekam Probleme mit dem Knie und er nahm den Bus. Heute
ist die Herberge voll (Wochenende). Sonst sind alle da, welche auch gestern in Punta
la Reina waren. Es ist schon blöd, wenn man so schlecht laufen kann. Estella ist sehr
schön.
19. März 2006 6. Tag
Estella – Los Arcos
Über Nacht hat es geregnet. Aber es hörte auf, als wir losgingen. Meine Füße (Blasen) werden langsam besser. Das Wetter heute sehr angenehm, nicht zu kalt und
nicht zu arm. Bin heute die ganze Zeit allein gelaufen, da kann ich wegen der Blasen
meine Geschwindigkeit selbst bestimmen. Morgen wird es ein langer Tag werden
(ca. 30 km). Mal sehen, ob ich das überstehen werde. Am Mittag wurden alle Pilger
in Villamayor de Montjardin eingeladen: Wurst, Wein, Kaffee, Tee und Brot, alles kostenlos, aber es wurde eine Spende erwartet. Die Landschaft war wunderschön, sehr
hügelig und im Hintergrund die Berge.
20. März 2006
7. Tag
Los Arcos – Logroño
Über Nacht hat es wieder geregnet, aber dann morgens strahlend blauer Himmel.
Die Strecke ist nicht schwer, aber lang: 29 km. Aber die Landschaft ist sehr schön,
Weinberge, Felder und kleine Wälder wechseln sich ab Der Ort Viana war sehr
schön mit einer sehr schönen Kirche. Hier liegt Cesare Borgia begraben. Wir sind
nun in der Gegend La Rioja. Über den Ebro ging es in eine der schönsten Herbergen
bisher. Sie ist in Logroño. Habe meine Abendessen eingekauft. Die Blasen werden
langsam besser. Hoffe, dass ich in 2 – 3 Tagen wieder normal laufen kann.
14. März bis 18. April 2006
Camino Frances – Jakobsweg
21. März 2006
8. Tag
Logroño - Najera
Über Nacht hat es wieder mal geregnet. Aber pünktlich um 8 Uhr hat es aufgehört.
Es war ein sehr harter Tag: 32 km. Gegen 18 Uhr in der Herberge angekommen.
Hier herrscht ein strenges Regiment der Jakobsbruderschaft Najera. Schuhe ausziehen, dann werden nach den obligatorischen Stempeln die Betten zugewiesen. Allerdings ist es hier sehr sauber. Und für die Übernachtung wird eine Spende erwartet.
Bin ziemlich fertig. Die Blasen machen mir sehr zu schaffen. Und dann noch Schnupfen und Husten. Habe noch nie so lang gelitten und das freiwillig.
22. März 2006
9. Tag
Najera – Santo Domingo de la Calzada
Immer das Gleiche: Nachts Regen und morgens leicht bewölkt. Das Laufen fiel mir
anfangs sehr schwer. Obwohl die Blasen kleiner geworden sind, tun meine Zehen
sehr weh. Bis zur Mittagspause (ca. 15 km) hatte ich starke Schmerzen. Die Landschaft war sehr schön: Hügel und Weinberge und vor Santo Domingo dann große
Getreidefelder. Alles grünt und blüht. Auf der gesamten Strecke blies ein starker
Wind. Aber das ist besser als Regen. In Azofra hat die Herbergsleiterin die Kirchen
geöffnet und uns auf ein Teil des Kölner Domes hingewiesen. Nach der Ankunft eingekauft und dann die herrliche Kirche (Kloster!) von Santo Domingo besichtigt, viele
Baustile und herrliche Kunstwerke.
23. März 2006
10. Tag
Santo Domingo de la Calzada – Belorado
Heute Nacht hat es einmal nicht geregnet. Dafür war es morgens sehr stark bewölkt.
Um 10 Uhr kann ein sehr starker Wind auf. Bin eine zeitlang mit Anna, einer jungen
Frau aus Barcelona gegangen. Sie hat in Tübingen und Wien studiert. Sie sprach
sehr gut Deutsch. Wir haben über Gott und die Welt diskutiert. Meine Füße werden
von Tag zu Tag besser. Habe aber immer noch Schmerzen. Hoffe, dass dies nach
Burgos vorbei sein wird.
24. März 2006
11. Tag
Belorado – Ages
Heute Morgen bläst ein starker Wind (Sturm). Sehr schwierig zu gehen. Dafür entschädigt der Regenbogen umsomehr. Dann fängt es aber an zu regnen. Kurz vor
den Bergen von Oca machen wir Stopp in einem preiswerten Fernfahrerlokal. In der
Zwischenzeit hat es auch aufgehört zu regnen. Die Bäume im Wald nehmen dem
Sturm die Kraft. Es macht richtig Spaß, trotz des sumpfigen Weges. Meine Blasen
machen kaum noch Probleme. Wir erreichen nach 12 km San Juan de Ortega. Wieder ist die Kirche mit dem prächtigen Grabmal geschlossen. Nach weiteren 2 km ist
Ages erreicht. Die Herberge hat beinahe Hotelcharakter. Eine der besten Herbergen
bisher. Zum Abendessen bereitet die Wirtin eine leckere Paella mit Kaninchen.
14. März bis 18. April 2006
Camino Frances – Jakobsweg
25. März 2006
Ages – Burgos
12. Tag
Das Wetter hat sich sehr gebessert. Es gab zwar noch Wind, aber man merkte es
nicht mehr so stark. Da meine Blasen sich sehr gebessert haben, sind wir die 25 km
in 5 Std. bis nach Burgos gelaufen. Nach dem Essen in der Herberge sind wir (Ruth,
Schweizerin) nach Burgos in die Altstadt gegangen und haben dort die herrliche Kathedrale angeschaut. Es ist ein wirklich bildhauerisches Gesamtkunstwerk. Dann
musste ich noch eine Wanderhose einkaufen, da meine alte am Po ein Loch hatte. In
der Herberge haben wir ein gemeinsames Abendessen eingenommen.
26. März 2006
13. Tag
Burgos – Hontanas
Heute sehr schönes Wetter. Es soll 18 Grad warm werden. Vorbei an kleinen Dörfern
gehen die Feldwege über endlose Weiten. Die Dörfer bestehen oft nur aus alten
Häusern. Eine sehr einsame Landschaft. Meinen Füßen geht es wieder gut, zwar
nicht 100 %ig, aber 90 % ist auch nicht schlecht. War heute wieder mit Marcio unterwegs. Wir sind sehr schnell gegangen. Obwohl es abends in der Sonne sehr schön
ist, soll es morgen regnen. Bin gespannt. Heute haben wir uns ein Abendessen für
7,50 Euro genehmigt, incl. 1 Flasche Wein, Wasser und Brot.
27. März 2006
14. Tag
Hantanas – Boadilla del Camino
Morgens war der Himmel bedeckt. Es sah nach Regen aus. Auf einer kaum befahrenen Straße ging es nach Castrojeriz. Unterwegs geht die Straße (früher Pilgerstraße)
direkt durch eine Kirche. Nach Castrojeriz ging es auf den Tafelberg Alto de Mostelares. Beim Abstieg kam Regen auf. Durch eine einsame Landschaft wird über den
Rio Pisuerga die Region Palencia erreicht. Pause in einer Bar und weiter über den
Otero Largo nach Boadilla. Durch das „Aprilwetter“ ändert sich das Licht und damit
die Landschaft. Die Wanderung war ein herrliches Erlebnis. Kaum beschreibbar. In
Boadilla Übernachtung in einer sehr schönen Herberge. Der Wirt hat ein Kaminfeuer
angemacht. So ließen wir den Tag gut ausklingen.
28. März 2006
15. Tag
Boadilla del Camino - Carrion de los Condos
Strahlend blauer Himmel, aber sehr kalt, nur 4 Grad. Und dann noch ein sehr kalter
Wind. Seit Logroño jeden Tag Wind und immer von vorn. Dafür ist das Wetter sehr
schön, teilweise wolkig. Die Strecke an sich sehr schön, man geht durch riesige Weizenfelder, nur ab und zu ein Ort. Die Meseta ist schon sehr einsam. Viele Häuser
stehen leer, sind verfallen. Landflucht in allen Orten. Dann macht sich eine neue Blase am linken kleinen Zeh bemerkbar. Wann hört das endlich auf. Bin froh, endlich die
Herberge in Carrion erreicht zu haben. Sie ist im Kloster der Klarissinnen untergebracht. Hoffe, dass ich heute besser schlafen kann. Ich habe noch nie jemand so
schnarchen gehört wie gestern.
14. März bis 18. April 2006
Camino Frances – Jakobsweg
29. März 2006
16. Tag
Carrion de los Condes– San Nicolas del Real Camino
Heute war das Wetter bewölkt und kalt, 10 Grad. Die ersten 18 km waren sehr anstrengend. Der Weg ging auf einer Römerstraße (Via Äquitana) mit vielen dicken
Kieseln. Im Sommer bei heißem Wetter muss das der Horror sein. Bei den kühlen
Temperaturen kam man nicht ins Schwitzen. Heute ging ich ganz allein. Mein Brasilianer oder Freund kam 2 ½ Std. später an. Hier konnte man kostenlos ins Internet. Da
ich Zeit hatte, habe ich das genützt. Bin heute sehr müde. Waren immerhin 34 km.
Gott sei Dank hat es nicht geregnet, obwohl es immer so ausgesehen hat. War wieder ein kalter Wind. Darum war ich froh, dass ich meine Handschuhe dabei hatte.
30. März 2006
17. Tag
San Nicolas – Reliegos – 37,5 km
Beim Aufstehen sah es so aus, als ob es gleich regnen würde. Marcio, mein brasilianischer Begleiter, fühlte sich krank (er hatte die ganze Nacht Durchfall und Bauschmerzen). Hat wahrscheinlich etwas Schlechtes gegessen oder getrunken. Er wollte nochmals einen Tag ausruhen, da er auch Fieber hatte und erst am nächsten Tag
weitergehen. Die Strecke war sehr gut zu gehen, zwar etwas langweilig, aber so
konnte man schnell wandern. Trotzdem war ich froh, gegen 5 Uhr Reliegos erreicht
zu haben, zudem seit 14 Uhr ein starker Wind (Sturm) blies. Habe noch Obst eingekauft und etwas Kaltes gegessen. Die Herberge hat keine Heizung und im Haus ist
es sehr kalt.
31. März 2006
Reliegos – Leon
18. Tag
Morgens war ich immer noch sehr müde. Die Herberge war sehr kalt. Ab Mansilla
wurde es sehr laut: Der Camino führt direkt an der Nationalstraße entlang. Der Weg
in die Stadt zieht sich lang hin. In der Herberge der Benediktinerinnen traf ich auf
Helmut aus Österreich. Mit ihm zusammen habe ich dann das schöne Leon besichtigt. Eine sehr saubere Stadt. Abends gingen wir noch zusammen Kaffee trinken. Es
ist schon interessant, wie ab 20 Uhr das Leben in der Stadt beginnt. Kind und Kegel
sind unterwegs.
Den Abschluss des Tages bildet eine Andacht mit den Benediktinerinnen in deren
Kirche. Der Gesang war sehr schön.
1. April 2006
19. Tag
Leon – Villar de Mazarife
Zuerst habe ich vor dem Hotel (Parador) ein Foto mit dem Handy gemacht und Heike
zum Geburtstag gratuliert. Der ehemalige Sitz der Jakobsritter ist sehr schön. Der
Weg aus der Stadt zog sich lange hin. Das Wetter war sehr schön. Unterwegs traf ich
Helmut aus Österreich wieder. Bin mit ihm zusammen dann in die Herberge gegangen. Dort konnte man die warme Frühjahrssonne im Garten geniesen. Habe dann mit
Helmut alle Probleme dieser Welt diskutiert. Er kommt aus Aschau an der Donau,
nicht weit von Passau entfernt. Morgen werde ich dann allein weitergehen.
14. März bis 18. April 2006
Camino Frances – Jakobsweg
2. April 2006
20. Tag
Villa de Mazarife – Astorga
Bei schönem Wetter ging es schnurgerade nach Hospital del Orbigo. Die lange römische Steinbrücke ist sehr schön anzuschauen. Nach kurzer Rast weiter durch das
hügelige Land nach Astorga. Beim Gedenkkreuz für Santa Toribio wird lange Rast
gemacht und später gegen 17 Uhr Astorga angeschaut. Der Ort ist sehr sauber und
ein Zentrum der Schokoladenindustrie. Dann zwei Kaffee getrunken. Für 1,10 Euro
wirklich geschenkt, denn dazu bekam man auch noch was zum Essen. Abends nettes Gespräch mit Hospitalero (Deutsche) und einem and. Deutschen. Um 21 Uhr
schlafen gegangen.
3. April 2006
21. Tag
Astorga – Foncebadon
Heute war der schönste Tag seit Punta la Reina. Und es ging ins Gebirge. Was kann
schöner sein als eine Wanderung bei diesem Wetter. Nicht zu kalt und nicht zu heiß
(ca. 18 Grad). Die Strecke war sehr gut zu gehen. Bis Rabanal nicht anstrengend.
Dann kam der Anstieg nach Foncebadon. Bei der Ankunft an der Herberge hatte ich
großes Glück. Der Hospitalero war gerade angekommen und ich war der erste Gast
in diesem Jahr Eine einfache, aber schöne Herberge. Gemeinsam haben wir dann
die Gas-Warmwasserheizung in Gang gebracht. Nur mit dem Ofen hatte ich Probleme. Heute Nacht wird es sehr kalt werden. Gemeinsam (zwei Spanier kamen noch
fix und fertig an) haben wir zu Abend gegessen.
4. April 2006
Foncebadon – Ponferrada
22. Tag
Nach einer kalten Nacht (ich schätze das Zimmer hatte 5 Grad) ging es bei gutem
Wetter zum Cruz de Ferro. Da habe ich meinen Stein, den ich schon seit Tagen mit
mir getragen habe, auf den großen Steinhaufen geworfen. Dann begann der Abstieg
durch verfallene Dörfer. Das Dorf El Acebo war das erste Dorf, welches einen sehr
schönen Eindruck machte. Viele Häuser werden restauriert. Weiter abwärts, was
beim Gewicht des Rucksackes ganz schön in die Hüften und in die Knie ging. Beim
schönen Dorf Molinaseca mit Römerbrücke machte ich Mittag. Die restlichen Kilometer nach Ponferrada waren dann irgendwie schwer zu gehen. Habe dann nach dem
Duschen und Waschen den Ort mit der riesigen Templerburg besichtigt.
5. April 2006
23. Tag
Ponferrada – Villafranca del Bierzo
Über Nacht hat es geregnet. Aber beim Losgehen hat es aufgehört. Der Weg aus der
Stadt war wie immer langweilig und hart. Die Landschaft, die dann folgte, war sehr
ansprechend. Überall Weinberge und blühende Kirschbäume. Das Wetter wurde immer besser und wärmer (bis 25 Grad). Plötzlich bekam ich Schmerzen in der rechten
Hüfte. Wann hört das endlich mal auf. Sind die Blasen besser, kommt etwas anderes. Das mit der Hüfte ist sehr lästig. Ich hoffe, dass es morgen besser wird. Wenn
nicht, muss ich mal einen Tag Pause machen. In der Herberge ist es heute ziemlich
voll. Hoffe, dass ich schlafen kann. Eigentlich wollte ich ja weiter gehen, wusste aber
nicht, ob die nächste Herberge offen ist.
14. März bis 18. April 2006
Camino Frances – Jakobsweg
6. April 2006
24. Tag
Villafranca del Bierzo – La Faba
Nachts hat es stark geregnet. Beim Losgehen hat es aber aufgehört. Meine Hüfte
machte mir starke Probleme. Mit der Zeit wurde es besser. Leider ist das Tal, welches wir durchwandern, von der Autobahn stark beeinträchtigt. Vor 10 Jahren sah es
hier ganz anders aus. Der Lauf der Zeit. ½ Std. vor Erreichen der deutschen Herberge von La Faba fing es wieder an stark zu regnen. War froh, die saubere und schöne
Herberge erreicht zu haben. Wurde mit Kaffee und Kuchen empfangen (von einer
deutschen Hospitelera). Wir waren vier Personen (1 Deutscher, 2 Amerikaner (PeruHongkong). Gemeinsames Abendessen (Eintopf). War hervorragend. Die Hospitelera
ist eine Geistheilerin. Sie hat mich dann behandelt (ca. ¾ Std.). Obwohl ich von solchen Sachen wenig halte, bin ich dankbar für jede Hilfe. Sollte es helfen, werde ich
wohl umdenken müssen. Derek (Hongkong) spielte noch auf seiner Mundharmonika.
Ein sehr schöner Abend.
7. April 2006
La Faba – Samos (36 km)
25. Tag
In der Nacht hat es noch etwas geregnet. Am Morgen war dann nur noch Nebel in
den Bergen. Bin 8.35 Uhr losgelaufen, damit ich um ca. 10 Uhr in O’Cebreiro bin –
Webcam. Hat sehr gut geklappt. Der Anstieg war ziemlich anstrengend. Nach der
Besichtigung der uralten Kirche mit den Wunderreliqien war der Weg dann sehr leicht
bis auf 2 kleine Anstiege. Danach ging es nur noch bergab. In Triacastela war ich um
16 Uhr. Da das Wetter schön warm war, beschloss ich bis zum Kloster Samos (10
km) zu gehen. Die Herberge im Kloster ist eine einzige Enttäuschung und auch noch
ungeheizt. So ging ich schon um 21 Uhr ins Bett.
8. April 2006
26. Tag
Samos –Portmarin (32 km)
Nachdem es wieder bei Nacht geregnet hat, begann es aufzuklären und es wurde
der schönste/wärmste Tag auf dieser Reise. Anfangs hatte ich bis Sarria noch Hüftprobleme, danach wurde es wieder deutlich besser. Während der gesamten Reise
traf ich immer wieder Leute, die den Weg wegen Fußproblemen unterbrechen mussten. Heute war es ein Deutscher, der einen ganz dicken Knöchel hatte. Ich bin der
Überzeugung, dass meine Stöcke Schlimmeres verhindert haben. In der Herberge
merkte ich, dass Ostern kommt, denn die Herberge war praktisch voll. Bin gespannt,
wie es weitergeht. Morgen werde ich eine kürzere Strecke gehen.
9. April 2006
Portomarin – San Xioa
27. Tag
Nachts hat es wieder geregnet. Konnte nicht einschlafen. Neben mir ein deutscher
Schnarcher. Der Schlafsaal ist beinahe voll. Schätze 40 bis 60 Leute. Werde das in
Zukunft vermeiden. Morgens um 6 Uhr fangen die ersten an zu packen. Man muss
das mal erlebt haben. In Spanien sind Osterferien. Kam mir heute vor wie beim
Volkswandertag. Morgen soll es hinter mir noch schlimmer werden. Bin froh, einen
Tag früher zu sein. Das Gehen ging heute gut. War aber sehr müde, waren auch 28
14. März bis 18. April 2006
Camino Frances – Jakobsweg
km. Die Herberge ist sehr schön und gemütlich. Habe mir von einem Spanier telefonisch den Platz reservieren lassen. So kam ich ohne Stress hier an. Die Herberge
hat nur 16 Plätze. Der Preis für die Übernachtung/Frühstück/Abendessen/Wein 20
Euro. Der Wirt ist ein Supertyp. Es läuft eine CD mit keltischer Musik. Sitze am Kamin und schreibe. Jetzt sind es noch 70 km bis Santiago. Morgen noch 24 km.
10. April 2006
San Xioa – Ribadiso
28. Tag
Über Nacht hat es noch etwas geregnet. Es ging ein kalter Wind und es wurde auch
sehr kalt. Habe sehr gut in der privaten Herberge geschlafen. Nach dem spanischen
Frühstück ging’s raus in die Kälte. Es blies immer noch ein starker Wind, aber zum
Glück schien die Sonne. Das Gehen fiel mir heute sehr schwer. Es war ein dauerndes Auf und Ab. Erst nach Melide ging es mir besser. Ich kam mir heute wieder vor
wie bei einem Volkswandertag. Viele Spanier waren unterwegs. In der Herberge von
Ribadiso habe ich dann ein 4-Bett-Zimmer ergattert. Ab 17 Uhr war die Herberge total überfüllt. War froh, schon um 15 Uhr dagewesen zu sein.
11. April 2006
Ribadiso – Santa Irene
29. Tag
In der Nacht hat es aufgeklärt und es war sehr kalt (Raureif am Morgen). Durch das
4-Bett-Zimmer konnte ich gut schlafen. Allerdings musste ich durch das viele Trinken
zweimal raus. Die Sanitäranlagen sind im Freien (wie auf einem Campingplatz).
Strahlend blauer Himmel und den ganzen Tag dazu angenehme Temperatur (18
Grad). Irgendwie fiel mir das Gehen sehr schwer. Bin froh, morgen nach Santiago zu
kommen. Nach 22 km fand ich eine schöne private Herberge, wo ich mich in den
Garten setzen konnte. Bin früh ins Bett gegangen. Es ist noch anzumerken, dass die
Strecke und das schöne Wetter sehr, sehr schön waren.
12. April 2006
Santa Irene – Santiago
30. Tag
Nachts war es wieder sehr kalt. Dafür am Morgen keine Wolke am Himmel. Das Laufen ging heute sehr gut. Um 13.30 Uhr hab ich Santiago erreicht. Was für eine Genugtuung nach all den Strapazen! 900 km in 30 Tagen = 30 km/Tag. Ich denke, das
ist nicht schlecht. Habe mir dann noch etwas Santiago angeschaut. Morgen werde
ich ganz gemütlich Santiago anschauen. Meine Hüfte schmerzt doch sehr. Irgendwie
bin ich stolz auf mich, obwohl das schon viele gemacht haben. Aber ich habe auch
viel Beschissenes erlebt.
13. April 2006
Santiago
31. Tag
14. März bis 18. April 2006
Camino Frances – Jakobsweg
Heute Nacht habe ich schlecht geschlafen, weil so ein paar Chaoten besoffen um 2
Uhr nachts von der Stadt zurück kamen und keine Rücksicht auf die Schlafenden
nahmen. Dafür war der Tag wieder wunderschön. Strahlend blauer Himmel. Habe
mir dann zuerst meine Urkunde abgeholt und dann den Jakob in der Kirche umarmt
und geküsst. Damit bin ich am Ende meiner Pilgerreise. Um 12 Uhr habe ich noch
am Pilgergottesdienst teilgenommen. Den kann man sich am Gründonnerstag
schenken, da die Kirche von Touristen voll war, welche keine Rücksicht auf die Gottesdienstbesucher nahmen. Es wurde geblitzt und gesprochen. Dann traf ich aus Zufall Marcio, den Brasilianer, vor der Kirche wieder. Es war ein herzliches Hallo. Kurz
darauf traf der Freund seines Vaters ein, der in Santiago wohnt. Er lud uns zum Kaffee in den Parador ein. Und irgendwie war ich ihm sympathisch, so dass er mich in
eine Landgaststätte einlud und anschließend zu einer Rundfahrt durch das nähere
Santiago. Um 19.30 Uhr zog ein Gründonnerstagsumzug mit Männern in Ku-KluxKlan ähnlichen Gewändern durch die Stadt. Um 20 Uhr fuhr ich in die Herberge, da
es ein anstrengender Tag war.
14. April 2006
Santiago – Negreira
32. Tag
Der Tag begann wieder mit strahlend blauem Himmel. Am Anfang war ich noch sehr
müde, aber später ging es dann ganz gut. Irgendwie drückt der Rucksack doch gewaltig. Gegen Mittag zogen Wolken auf. Rast machte ich an einer wunderschönen
Brücke. Dann war es noch ein schöner Weg bis nach Negreira.
15. April 2006
33. Tag
Negreira – Olveiroa (32 km)
Über Nacht hat es geregnet und am Morgen sah das Wetter nicht gut aus. Es hat
dann nicht viel geregnet, aber die Wege waren sehr verschlammt. Ich kam einigermasssen vorwärts, nur mit dem Rucksack stimmte es nicht. Er hing immer schief. Hat
meinen Rücken sehr belastet. Dann, 4 km vor dem Ziel, fing es an zu schütten. Hatte
überhaupt nicht mehr damit gerechnet und auch meine Hose nicht gewechselt. Zur
Strafe lief mir das Wasser oben in die Schuhe herein. Alles schwamm. Und der
Rucksack tat 2 km vor Ankunft so weh, dass ich kaum mehr gehen konnte. Habe die
Herberge mit Ach und Krach geschafft. Aber die heiße Dusche wirkte Wunder.
16. April 2006
34. Tag
Olveiroa – Finisterre (31 km)
Bei Nacht hat es geschüttet ohne Ende. Auch beim Weggehen fing es wieder an. Die
Strecke war landschaftlich sehr schön. Über große Heideflächen ging es Richtung
Meer. Die Strecke war auch nicht so anstrengend wie gestern. Angenehm zu gehen.
Dann plötzlich der Blick auf das Meer. Wie muss es früher den Pilgern ergangen
sein, als sie zum erstenmal im Leben das Meer sahen. An der Küste entlang, teilweise auf der Straße, mit viel Verkehr (Ostern) kam ich gegen 18 Uhr in Finisterre an.
Die Herberge liegt mitten im Ort. Trotz Regen am Anfang war der Tag ok.
17. April 2006
35. Tag
Finisterre – Santiago (Bus)
14. März bis 18. April 2006
Camino Frances – Jakobsweg
Das Wetter war wieder wunderschön. In der Bar zwei Kaffee getrunken und zwei
Toast gegessen (2,50 Euro). Anschließend bis ans Ende der Welt gegangen und dort
3 schöne Stunden mit relaxen verbracht. Der Weg Hin und Zurück (1,5 Std. = 6 km)
war ebenfalls schön. Um 13.45 Uhr fuhr der Bus nach Santiago (10,70 Euro). Gegen
16 Uhr in Santiago angekommen. ½ Std. Fußweg zum schönen Hotel. In die Stadt
gefahren, Geschenke gekauft und Essen eingekauft. Dann in die Buslinie 6 gestiegen, allerdings falsche Richtung. 1 Std. Stadtrundfahrt, gegen 20 Uhr im Hotel angekommen, gegessen und gepackt.
18. April 2006
Santiago – Stuttgart
36. Tag
Über Nacht hat es wieder viel geregnet. Da Himmel sah grau aus. Ausgecheckt, Gepäck deponiert und dann in die Stadt zum Bummeln. Meine Füße haben sich noch
nicht beruhigt. Sie brennen, kribbeln immer noch. Da das Wetter schön, aber kalt
war, habe ich in Santiago meine „Stammbar“ aufgesucht. Bin immer wieder begeistert, wie viel Kaffee man für 1,20 Euro bekommt. Gegen 13 Uhr im Hotel. Gepäck
geholt und dann auf den Flughafen gefahren. Immer nervig die Warterei auf dem
Flughafen.
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