Anhang 2

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Heidi Enke
Karspitzweg 2b
83229 Sachrang Tel.: 08057/904932
E-Mail: [email protected]
Fax: 08057/904934
Offener Brief an alle
Ärztinnen und Ärzte
Sachrang, 2.4.09
Betrug im Gesundheitssystem
Sehr geehrte Ärztinnen,
sehr geehrte Ärzte,
aus meiner Sicht haben die bisherigen Praxisschließungen in Bayern leider keine
konkreten Maßnahmen für die Ärzteschaft erwirkt, aber folgende Ziele sind u.a.
auf alle Fälle erreicht worden:
Die Öffentlichkeit, vor allem aber die Patienten, stehen hinter den Ärzten und
glauben erstmals den Argumenten der Ärzteschaft mehr als ihren Krankenkassen und Politikern. Diese Chance darf nicht ungenutzt bleiben.
Herr Söder hat sich in kürzester Zeit enorm in die Problematik eingearbeitet und
daraus auch die richtigen Schlüsse gezogen.
Die Medien sind erstmals (noch) mehr pro als contra.
Leider befürchte ich, dass die Ärzteschaft durch weitere Praxisschließungen auf
Kosten der Patientenversorgung, die erreichten Ziele wieder verliert. Diese
Befürchtung hat mich zu diesem Schreiben veranlasst.
Wenn der Patient mit dem Anliegen seiner Erkrankung zum Arzt kommt, ist für
ihn das Problem des Arztes von absolut untergeordneter Bedeutung. Somit ist
auch seine Solidarität zunächst nur sehr begrenzt. Vor allem die Diskussion um
das Einkommen der Ärzteschaft wird sich bald erschöpfen. Zu viele Menschen
in Deutschland haben finanzielle Probleme.
Weitere Praxisschließungen werden den Medien Zündstoff liefern um unterlassene ärztliche Hilfeleistungen anzuprangern. Patienten, die 3 Monate auf
einen Termin (z.B. beim Kardiologen) warten, werden auf Dauer für diese
Schließungen kein Verständnis aufbringen können.
Finanzielle Forderungen an Patienten, wie sie leider von einigen wenigen Ärzten
gestellt werden, sollten sofort eingestellt werden. Die gesetzlich Versicherten
Kassenpatienten sind den Ärzten nichts schuldig! Sie haben ihren Beitrag
geleistet. Es sind andere, die von den Ärzten für die katastrophale Entwicklung
ihrer Honorarentwicklung zur Verantwortung gezogen werden müssen.
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Das einzige Versäumnis, das der Kassenpatient zu verantworten hat, ist es, dass
er (bzw. seine Patientenvertreter) sich nie um die Verwendung seiner Beiträge
gekümmert haben.
Trotz ausreichender Einzahlung gibt es für ihn im Krankheitsfall keine
ausreichende Versorgung mehr.
Dieser Umstand ist ein Betrug am gesetzlich versicherten Bürger, sowie an der
Ärzteschaft, der öffentlich gemacht werden muss. Wenn die Ärzteschaft sich
weniger mit ihren internen Problemen beschäftigt und sich auch die Sichtweise
des Patienten zu eigen macht, der sein Recht auf eine leistungsfähige und
bedarfsgerechte medizinische Versorgung einfordert, die natürlich auch gerecht
honoriert werden soll, wird dies meines Erachtens die einzige Möglichkeit sein
eine freie Ärzteschaft (hausärztlich wie fachärztlich) zu erhalten.
Deshalb fordere ich alle auf, die in der kassenärztlichen Versorgung tätig sind,
mit Infoständen und Aktionstagen sich für unsere gesetzl. Versicherten Bürger
zu organisieren. Diese Maßnahmen sollten möglichst samstags, und generell
ohne Schließungen von Praxen erfolgen. Infomaterial und Unterschriftenlisten
sollen an diesen Infoständen ausliegen. Wir brauchen auch die Unterschriften
der gesunden gesetzlich Versicherten. Diese erscheinen weniger in den Praxen.
In jeder Stadt, in jedem Dorf, überall könnten Bürger, Ärzte, Apotheker,
Arzthelferinnen usw. sich stundenweise dort einbringen. Der Aufwand wäre
gering aber die Wirkung und der Druck auf Politik und Krankenkassen mit
Sicherheit enorm.
Kämpfen Sie gegen eine Gesundheitsreform, die die Interessen des Beitragszahlers (Bürger) nicht mehr vertritt, sondern die Interessen der gewinnorientierten Krankenkassen und Konzernen in den Vordergrund stellt. Bei dieser
Gesundheitsreform sind die Beitragszahler, die Ärzteschaft und viele andere
Gruppierungen, die mit der Versorgung im Krankheitsfall gebraucht werden die
Betrogenen. Sie als Verlierer zu bezeichnen erscheint mir zu milde ausgedrückt.
Der Betrug stellt sich für die Versicherten aus meiner Sicht als gesetzlich
versicherte Bürgerin u.a. folgenderweise dar:
Mit der Vorstellung, dass sie im Krankheitsfall versorgt werden, zahlen die
Bürger monatlich ihre Krankenkassenbeiträge ein. Diese Annahme ist berechtigt
und der wahre Zweck einer Krankenversicherung. Unser Staat und die meisten
Krankenkassen haben aber seit Jahren eine andere Vorstellung und haben
deshalb entsprechende Paragraphen, Programme usw. eingeführt. Wir
Versicherten haben die Fehlentwicklung an diesen Stellen lange nicht erkannt,
weil man es geschickt verstanden hatte die Übermittelung der negativen
Botschaften an unsere Ärzten, Apothekern usw. zu delegieren, die ihrerseits ja
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auch unausweichlich diesen Bestimmungen ausgeliefert sind. Das ist ein
perfides Spiel.
So sind wir, wie unsere Ärzte, in die Argumentationsfalle gelaufen, dass unsere
Beiträge nicht mehr für die Versorgung ausreichen die Einhaltung der
gesetzlichen Gebührenordnung (5,11 Cent) sicherzustellen, sodass die Ärzte
jetzt z. B. in den Verkauf fragwürdiger IGEL-Leistungen getrieben werden.
Herr Prof. Lauterbach veröffentlicht doch lieber eine Studie zur 2.KlassenMedizin, anstatt uns darüber aufzuklären, dass die ständige Nichteinhaltung der
gesetzlichen Gebührenordnung seitens der Krankenkassen der große Nachteil
für uns Kassenpatienten ist. Dass diese Gebührenordnung seit 1.1.09 mit der
Umsetzung zur Euro-Gebührenordnung einfach mit 30% Reduzierung von den
Krankenkassen, der Bundes-KV und von unserem Staat festgelegt wurde, ist ein
Skandal, der in der Öffentlichkeit noch gar nicht angekommen ist. Selbst die
Ärzte scheinen sich, unter Androhung noch schlimmerer Auswirkungen durch
den Gesundheitsfond, damit noch viel zu wenig auseinanderzusetzen.
Uns Bürger klärt keiner darüber auf, dass durch Angebote der Krankenkasse
(Boni), Callcenter, Programme (DMP) u. andere sinnlose Programme der
Krankenkasse, die Gelder für eine bedarfsgerechte und dringend erforderliche
Heilbehandlung in einem nicht unerheblichen Ausmaß in diese fragwürdigen
Kanäle läuft. Die Krankenkassen und Konzerne verdienen lieber an diesen
Programmen anstatt unsere Beiträge für ihren eigentlichen Zweck zu
verwenden.
Ärztinnen, Ärzte, Apotheker, medizinisches Fachpersonal usw. kämpft für
uns gesetzlich versicherte Bürger! Wenn der Betrug an uns gestoppt wird,
dann wird auch der Betrug an die Menschen, die uns medizinisch
versorgen, ein Ende nehmen!
Krankenkassen und Politiker, die sich für uns Beitragszahler stark machen, den
Patienten und seine ausreichende und zweckmässige medizinische Versorgung
wieder in den Mittelpunkt ihrer Interessen stellen, sollen mit uns kämpfen und
eines der besten Gesundheitssysteme auf dieser Welt wieder in Ordnung
bringen!
Wenn die Krankenkassen tatsächlich noch im Sinne der Versicherten handeln
würden, dann müssten sie mit uns auf die Straße gehen und uns über die
staatlichen Maßnahmen zur Vernichtung der freien Fachärzte aufklären. Wir
wollen keine weiteren MVZ’s, die von Konzernen betrieben werden. Wir zahlen
unsere Beiträge für eine freie Ärzteschaft.
Stattdessen nützen Krankenkassen die gesetzlichen Vorgaben für eine integrierte
Versorgung aus und Gründen sogar selber MVZ’s um damit „Kasse zu
machen“. In ihrer, durch Gesundheitsökonomen bewusst herbeigeführten
existentiellen Not wird die Ärzteschaft in die integrierte Versorgung getrieben,
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die absolut nicht im Interesse der Patienten liegt. Eine Pauschalvergütung für
ärztliche Leistungen kann nie unser Interesse sein.
Wir Versicherten werden in Zukunft wachsamer auf die Maßnahmen unserer
Krankenkassen achten. Wir werden sie in Zukunft hartnäckiger fragen warum
sie nicht unsere Bedürfnisse, sondern mehr und mehr ihre eigens Profitdenken
in den Vordergrund stellt.
Wir werden auch die angeblichen Patientenvertreter Fragen worin sie ihre
Aufgabe eigentlich sehen.
Die Krankenkassen, die sich wieder um ihre eigentlichen Aufgaben
kümmern und die Versorgung im Krankheitsfall gewährleisten, werden die
Krankenkassen der Zukunft sein!
Den Politikern, die sich wieder für uns einsetzen und eine
Gesundheitsreform erst dann unterschreiben, wenn sie auch verständlich
und rechtzeitig vorgelegt wird, werden wir unser Vertrauen wieder
aussprechen können.
Diese Forderungen stellen wir für alle Bürger in diesem Land. Angeblich gibt es
Gewinner bei dieser Reform. Wo sind denn die Ärzte in freien Praxen im
Norden, Osten oder sonst wo in diesem Land, die nach gesetzlicher Gebührenordnung (5,11 Cent) bezahlt werden? Bekommen dort die Versicherten jetzt eine
bessere Versorgung? Können sie mit gutem Gewissen sagen, dass seit 1.1.09 in
diesen Ländern die freie Ärzteschaft wieder in der Lage ist uns gut zu versorgen
und leistungsgerecht dafür bezahlt zu werden. Ich befürchte, dass die
eigentlichen Gewinner in diesen Ländern die von Konzernen getragenen MVZ’s
und andere Institute sind.
Es kann nicht angehen, dass sich die Ärzte in den vermeintlichen „Gewinnerländern“ damit zufrieden geben, dass jetzt alle in gleicher Weise mit zu wenig
dastehen.
Es geht hier nicht um Verlierer und Gewinner unter den Ärzten und Arztguppen,
sondern um eine gute Versorgung für uns Versicherte in allen Bundesländern.
Der Betrug an uns findet in allen Ländern statt!!
Macht allen endlich klar, dass billige Ärzte und billiges Fachpersonal nur eine
billige medizinische Versorgung bedeuten kann!
Deshalb kämpft mit uns gegen eine Gesundheitsreform die in erster Linie
Konzernen und gewinnorientierten Krankenkassen nützt!
Ich wünsche uns Bürgern und allen Beteiligten viel Glück, wir werden es
brauchen, denn unsere Gegner sind sehr mächtig.
Heidi Enke
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