10_1_Praktikum Kunststofftechnik

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Praktikum Kunststoffe – UV-VIS Spektroskopie
EU-Norm EN 1836 Transmission UV-Strahlung (UV-A und UV-B)
UV- Bereich 200nm – 400nm
VIS- Bereich 400-800nm
Unsere Augen können Strahlung im Bereich von 400nm (blaues Licht) – 800nm (rotes Licht) „sehen“,
d. h. unsere Stäbchen-Zellen (Hell-Dunkel-Sehen) und Zäpfchen-Zellen (Farb-Sehen) können
Strahlung in diesen Bereich in eine Information für unser Gehirn umwandeln.
Welche Stoffklassen spielen hier für Kunststoffe eine Rolle?
Optische Aufheller
Optische Aufheller sind chemische Verbindungen, die ultraviolette Strahlung absorbieren und die absorbierte Energie im blauvioletten Bereich wieder abgeben - sie fluoreszieren. Man verwendet
optische Aufheller, um Materialien wie z. B. Baumwolltextilien und Papier weißer erscheinen zu
lassen.
Zu den natürlichen Fluoreszenzfarbstoffen gehören z.B.
Cumarin
(im
Waldmeister)
und
Aesculin (in
Rosskastanien).
Diese werden Waschmitteln in geringen Mengen zugesetzt
und ziehen direkt auf die Faser auf.
Die Wirkungsweise der optischen Aufheller unterscheidet
sich vom traditionellen „Bläuen" der Wäsche. Bei dieser
Methode entsteht durch Zugabe geringer Mengen eines
blauen Farbstoffs durch „Auslöschung" aus Gelb und Blau ein heller Grauton.
Erklären Sie, warum beim Einsatz von optischen Aufhellern kein Grauton entsteht.
Sonnenschutzmittel
Sonnenschutzmittel sollen die menschliche Haut
schützen, indem sie schädigende UV-Strahlen absorbieren.
Ein körpereigenes Sonnenschutzmittel ist die Urocansäure, die durch UV-Strahlung in die cis- Form
umgewandelt wird.
UV-Absorber oder Lichtfilter, z.B. Zimtsäureester (3-Phenyl-2-propensäureester), wandeln die UVStrahlung in Wärme um.
Allen UV-Absorbern ist gemeinsam, dass ihre Moleküle Doppelbindungen enthalten.
Sonnenschutzmittel auf natürlicher Basis sind u.a. Avocado-, Mandel-, Sesam-, Erdnuss- und
Olivenöle.
Die Sonnenschutzwirkung gegen UV-A und UV-B kann durch Abdeckstoffe wir Titanoxid und Zinkoxid
noch verstärkt werden.
Je nach Wellenlänge sind die UV-Strahlen in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt
UV-Bereich
Wellenlänge in nm*
Absorption durch Ozonschicht
UV-A
320 - 400 (langwellig)
kaum
UV-B
280 - 320 (kurzwellig)
90 Prozent
UV-C
100 - 280 (extrem kurzwellig)
100 Prozent
Die auf Sonnenschutzmitteln nach deutschen Richtlinien angegebenen Lichtschutzfaktoren geben an,
um welchen Faktor der Aufenthalt in der Sonne verlängert werden kann, bis eine erste Rötung der
Haut auftritt.
Die Wahl des richtigen Lichtschutzfaktors hängt vom Hauttyp des Benutzers ab.
Warum sind die natürlichen Öle als Sonnenschutzmittel geeignet?
UV-Schutz für die Augen
Unser Auge ist genau wie unsere unbedeckte Haut der gesamten Strahlung der Umwelt ausgesetzt.
Sonnenbrillen, die das CE-Zeichen tragen, entsprechen den Anforderungen einer EU-Richtlinie. Diese
Richtlinie garantiert für "100% UV-Schutz", was in Europa bereits bei 380 nm gilt.
In diesem Bereich nimmt das Auge jedoch noch 78% der UV-Strahlung auf!
Diese Norm schreibt keinen Blauschutz vor, der zum vorbeugenden Schutz der Netzhaut wichtig ist.
Besser ist eine Sonnenbrille mit "UV-Schutz 400" und nicht "100% UV-Schutz"!
UV-Schutzklassen
UV - Transmission
(Durchlässigkeit)
0
88%
kein ausreichender UV-Schutz
1
10%
ausreichender UV-Schutz für unsere Breiten
2
6,5%
guter UV-Schutz
3
0
Schutzbeurteilung
maximaler UV-Schutz von 100 %
(Wichtig für Hochgebirge und Meer)
UV-Stabilisatoren für Kunststoffe
UV-Strahlung mit Wellenlängen von 200 bis 400nm ist energiereich genug um chemische Bindungen
zu spalten, dabei werden Alkylradikale gebildet, die mit Sauerstoff zu Peroxidradikalen reagieren.
Der Wirkmechanismus der UV-Stabilisatoren ist ein anderer als der von Antioxidantien. UVStabilisatoren sollen nicht wie die Antioxidantien mit den entstandenen Reaktionsprodukten
reagieren sondern sie sollen schon deren Entstehung verhindern.
Es werden drei verschiedene Typen von UV-Stabilisatoren unterschieden:
1. UV-Absorber (Hydroxybenzophenon, Hydroxybenzotriazole, Zimtsäureester)
2. HALS-Stabilisatoren (Hindered-Amine-Light-Stabilizer)
3. UV-Quencher
Quelle: http://www.nemitzgmbh.de/site/programm/uv-stabilisatoren.php
UV-Absorber
UV-Absorber filtern den ultravioletten Anteil aus dem Licht. Dabei wird die Energie des absorbierten
Lichts in Wärme umgewandelt. Die Stärke der UV-Absorption hängt von der Wirkstoffkonzentration
und der Wandstärke des Endproduktes ab. Grundsätzlich erhält die Kunststoffoberfläche dadurch
keinen Schutz. UV-Absorber können Füllguter vor UV-Licht schützen.
Die Wirkung der UV-Stabilisatoren oder Lichtfilter kann mit einem UVVIS-Spektrometer vermessen
werden.
Die Wirkungsweise beruht ähnlich wie bei Sonnenschutzcremes auf einer abdeckenden und
reflektierenden Wirkung (Zusätze von ZnO und TiO2). Ebenso kann eine zusätzliche Aufnahme von
Strahlung durch dunkle Kunststoffe (Einarbeitung von Ruß in das Polymer) erreicht werden, diese
Stoffe funktionieren ähnlich wie optische Aufheller oder Sonnenschutzmittel.
HALS-Stabilisatoren
Einen weitergehenden Effekt zeigen die HALSStabilisatoren (Hindered-Amine-Light-Stabilizer).
Sie unterbinden Reaktionen aggressiver
Photooxidationsprodukte (Radikale, Peroxide)
sowohl an der Oberfläche als auch in den tiefer
gelegenen Schichten. Somit wird ein optimaler
Schutz praktisch unabhängig von der Wandstärke
des Endproduktes erreicht. Die Konzentration des
Wirkstoffs im Endprodukt bestimmt die ProduktLebensdauer.
Hals wirken als Radikalfänger. Selbst Ihre
Reaktionsprodukte wirken noch als Radikalfänger
und haben so eine hervorragende Langzeitwirkung.
Wegen der geringen Mengen, die zugesetzt werden
müssen sind sie insbesondere für Folien geeignet.
UV-Quencher
Quencher (Löscher) deaktivieren die Radikale und leiten die Energie letztlich in Form von Wärme ab.
Sie wirken unabhängig von der Schichtdicke und sind somit sehr gut für Folien geeignet.
Nickel-Quencher verursachen einen grünen Farbstich. Die Verwendung dieser nickelhaltigen
Produkte gerät allerdings aus ökologischen allergologischen Gründen zunehmend in die Kritik.
Thermostabilisatoren
Die Wirkung der Lichtschutzmittel wird durch eine zusätzliche Ausrüstung der Masterbatche mit
Thermostabilisatoren wie Phenolen oder Phosphiten unterstützt. Diese Antioxidantien schützen
sowohl das Polymer als auch die Lichtschutzmittel selbst bereits bei der Verarbeitung. Zusätzlich wird
das Polymer vor einer möglichen Beeinträchtigung durch Wärme und Sauerstoff in seinem
Lebenszyklus geschützt.
Durch die Kombination der obengenannten Wirkstoffe wie Absorber und HALS mit
Thermostabilisatoren kann wegen der unterschiedlichen Wirkmechanismen ein Synergismus erreicht
werden. Unterschiedliche Schadensmechanismen werden parallel eingedämmt. Abhängig von
Kunststoffart und Verwendungszweck werden die Wirkstoffe in aufeinander abgestimmten
Konzentrationen zur Verfügung.
Halogenhaltige Flammschutzmittel und saure Medien stören die Wirkung von HALS-Stabilisatoren. In
diesen Fällen wird eine eingehende Testung notwendig.
Praktisches Beispiel:
Quelle: http://www.nemitzgmbh.de/site/programm/uv-stabilisatoren.php
Dosierung von CORDULEN ® UV 7957/PS.
Die oben stehende Abbildung zeigt die Vergilbung eines schlagzähen Polystyrols durch UV-Licht in
Abhängigkeit von der Dosierung an CORDULEN ® UV 7957/PS.
Die Dosierung der UV-Stabilisator-Masterbatche hängt von vielen Faktoren ab: Kunststofftype,
Querschnitt bzw. Schichtdicke der Fertigteile, Füllstoffe und Pigmente, Orientierung und Kristallinität
sowie geografischer Anwendungsbereich. Standorte in einem stark umweltbelasteten Umfeld
erfordern grundsätzlich eine etwas höhere Dosierung.
Die Bestimmung des Gelbheitsindex (yellowness index)
Quelle: http://www.labcognition.com/onlinehelp/de/yellowness_index.htm
Der Gelbheitsindex ist eine wichtige Eigenschaft in vielen industriellen Anwendungen. Zunächst
verursacht die Verarbeitung verschiedener Materialien eine Gelbfärbung. Weiterhin kann die
Reinheit einiger Produkte über den Gelbheitsgrad bestimmt werden. Einige Produkte nutzen zudem
durch Sonnenlicht, Temperatur oder andere Umwelteinflüsse ab und werden dabei gelb. Folglich ist
der Gelbheitsindex eine wichtige Variable in der Farb-, Textil, und Plastikindustrie.
Abhängig vom verwendeten Produkt existieren verschiedene Typen von Gelbheitsindizes. Zwei der
häufig verwendeten sind:
ο‚·
ο‚·
ASTM Designation E313-73 (Reapproved 1993), Standard Test Method for Indexes of Whiteness and Yellowness of Near-White, Opaque Materials
ASTM Designation D1925-70, Standard Test Method for Yellowness Index of Plastics
Proben die mit der Methode E313 gemessen werden, müssen nahezu weiß und undurchsichtig sein.
Proben die mittels E313 verglichen werden sollen, müssen Ähnlichkeiten im Glanz, der Textur, der
Lichtdurchlässigkeit und anderen physikalischen Attributen aufweisen.
Werde diese Voraussetzungen nicht erfüllt, sind die Gelbheitsindizes bedeutungslos. Farben,
Textilien, und Plastikprodukte werden häufig mit dieser Methode gemessen.
ASTM D1925 wurde kürzlich zurückgezogen, aber dieser Gelbheitsindex wird noch häufig
angewendet. Die Methode D1925 benötigt Proben aus nahezu farblosem, durchsichtigem oder fast
weißem, lichtdurchlässigem oder undurchlässigem Kunststoff bestehen. Proben die mittels D1925
verglichen werden sollen, müssen Ähnlichkeiten in der Transparenz, Durchlässigkeit,
Undurchlässigkeit, Dicke, Form und anderen physikalischen Attributen aufweisen.
Wie bei der Methode E313 sind die Werte bei Nichterfüllung dieser Voraussetzung bedeutungslos.
Der Gelbheitsindex YI nach E313-73 wird über folgende Formel berechnet:
π‘ŒπΌ = 100 βˆ™ (1 −
0,847 βˆ™ 𝑍
)
π‘Œ
für den Gelbheitsindex nach D1925 gilt
π‘ŒπΌ = 100 βˆ™
1,274641506 βˆ™ π‘₯ − 1,057434092 βˆ™ 𝑍
𝑦
Wobei x, y und z die drei Tristimuluswerte sind.
Die Tristimuluswerte X, Y und Z stellen die Anteile der drei Primärfarben (Rot, Grün und Blau) am
sichtbaren Licht der Wellenlängen 380-780 nm dar die den Farbstimulus spezifizieren.
Näheres finden Sie unter
http://www.labcognition.com/onlinehelp/de/tristimulus_values.htm
Untersuchungsmethoden im sichtbaren Licht.
Kunststoffe können auch makroskopisch und mikroskopisch im sichtbaren Bereich der Strahlung
zwischen 400 und 800nm charakterisiert werden. Dazu werden Dünnschliffe oder Dünnschnitte
(Mikrotom) von Kunststoffen angefertigt und begutachtet. Unter polarisiertem Licht zeigen sich
interessante Eigenschaften.
Quelle: http://www.kmuratgeber.ch/docs/5_SWA_Kunststoffe_d.pdf
Mikrostruktur eines Mehrkomponenten Polymerblends (Dünnschliff im polarisierten Durchlicht).
Spannungsoptik
Eine andere Methode Kunststoffe in polarisiertem Licht zu charakterisieren ist die Spannungsoptik.
Wie der Name schon sagt, werden hierbei die in lichtdurchlässigen Kunststoffen nach ihrer
Formgebung entstehenden Spannungen untersucht.
Dazu sehen wir uns zunächst an, was polarisiertes Licht eigentlich ist. Licht ist elektromagnetische
Strahlung und die hat vektorielle Eigenschaften. Ein Vektor zeigt in Ausbreitungsrichtung (hier z) und
im Winkel von 90° dazu, jeweils ein magnetischer und ein elektrischer Vektor (y oder x).
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/41/Rising_circular.gif
Werden alle drei Vektoren addiert entsteht so ein spiralförmiger Verlauf (schwarze Kurve), dieses
Licht wird als zirkumpolares (umlaufendes) Licht bezeichnet und ist so was wie die „Normalform“
einer einzelnen Lichtwelle, dem Photon.
Nun machen wir etwas Drastisches und nehmen mit einem Filter dem Licht einfach einen der im 90°
Winkel stehenden Vektoren in x oder y Richtung weg. Es ist egal ob es der elektrische oder
magnetische Vektor ist das Ergebnis bleibt gleich, es bleibt nur eine Schwingungsebene in x-Richtung
(blauer Wellenzug) oder in Y-Richtung (roter Wellenzug) übrig.
Hinweis: Den elektrischen und den magnetischen Vektor hätten wir auch mit Max und Moritz
bezeichnen können, es ist nur eine richtungsabhängige Größe, der gleichen Eigenschaft.
Auf diese Weise erhalten wir linear polarisiertes Licht. Jedes LCD-Display hat solch einen Filter und
wir können uns das gleich an einem Display eines Computers oder Handys anschauen, wir brauchen
nur einen zweiten Polarisationsfilter.
Quelle: http://www.arstechnica.de/technik/foto/polarisation/polfilter1.html
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Polarisationsfilter#/media/File:Animation_polariseur.gif
Polarisationsfilter gibt es als billige Folie oder etwas teurer in der Fotoabteilung.
Wie können wir nun dieses linear polarisierte Licht für die Spannungsoptik nutzen?
Eine Kleinigkeit fehlt noch, die Lichtbrechung.
In der Schule haben wir etwas von der Lichtgeschwindigkeit c = 300 000 km/s oder 3 x 108 m/s
gehört. Das gilt aber nur für das Vakuum, alle anderen Medien sind optisch dichter, besitzen eine
größere Brechungszahl ni > 1 und damit eine geringere Lichtausbreitungsgeschwindigkeit νi (Nü). Die
Frequenz f des Lichts bleibt konstant, die Wellenlänge λi vergrößert sich also gegenüber der
Wellenlänge λc im Vakuum entsprechend. Es gilt:
π΅π‘Ÿπ‘’π‘β„Žπ‘’π‘›π‘”π‘ π‘§π‘Žβ„Žπ‘™ 𝑛𝑖 =
πΏπ‘–π‘β„Žπ‘‘π‘”π‘’π‘ π‘β„Žπ‘€π‘–π‘›π‘‘π‘–π‘”π‘˜π‘’π‘–π‘‘ 𝑐
πœ†π‘–
=
πΏπ‘–π‘β„Žπ‘‘π‘Žπ‘’π‘ π‘π‘Ÿπ‘’π‘–π‘‘π‘’π‘›π‘”π‘ π‘”π‘’π‘ π‘β„Žπ‘€π‘–π‘›π‘‘π‘–π‘˜π‘’π‘–π‘‘ πœˆπ‘–
πœ†π‘
Das Verhalten des Lichtes in einem Körper hängt also von seiner optischen Dichte ab und da gibt es
Körper die optisch isotrop (richtungsunabhängig) sind und eine konstante Brechzahl in alle
Raumrichtungen haben und eben Körper die optisch anisotrop (richtungsabhängig) sind und keine
konstante Brechzahl in alle Raumrichtungen haben, praktisch also eine zweite Brechung verursachen.
Der Effekt wird dann als Doppelbrechung bezeichnet.
Manche Werkstoffe wie z.B. Araldit (Epoxydharz), Plexiglas (PMMA) oder Makrolan zeigen den Effekt
der Spannungsdoppelbrechung. Im unbelasteten Zustand sind sie optisch isotrop, bei Beanspruchung
jedoch werden sie optisch anisotrop.
Die Richtungen der optischen Anisotropie fallen in die Hauptspannungsrichtungen des Werkstücks.
Liegt die Polarisationsebene in Richtung einer Zugspannung haben die Lichtwellen eine größere
Ausbreitungsgeschwindigkeit, liegt sie dagegen in Richtung einer Druckspannung eine geringere
Ausbreitungsgeschwindigkeit.
Diesen Effekt nutzt man in der Spannungsoptik aus. Dabei sollte das zu untersuchende Objekt aus
einer Platte konstanter Dicke d gefertigt sein und einem ebenen Spannungszustand ausgesetzt
werden damit die Ergebnisse leichter ausdeuten werden können.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Polarisationsfilter#/media/File:Stress_analysis_of_plastic_lens.png
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Polarisationsfilter#/media/File:Strain_in_Glass.jpg
Die drei Möglichen Umsetzungen des Prinzips sind dem Script der Uni Ulm entnommen:
Quelle: https://www.uni-ulm.de/fileadmin/website_uni_ulm/uzwr/mmsm/mmsm1ws1213/Spannungsoptik-fuer-MMSM1-und-SiSo-WS2012-13.pdf
Anordnung: Linearpolariskop, Dunkelfeldanordnung, monochromatisches Licht
Ein Modell aus einer ebenen Platte spannungsdoppelbrechenden Materials wird zwischen Polarisator
und Analysator gebracht und einem ebenen Spannungszustand mit der Kraft F belastet . Die
Polarisationsrichtungen von Polarisator und Analysator stehen senkrecht zueinander
(Dunkelfeldanordnung).
Der Aufbau wird mit monochromatischem Licht durchstrahlt. Auf das Modell trifft also linear
polarisiertes Licht einer Wellenlänge. Der Feldstärkevektor kann nun in zwei senkrecht zueinander
stehende Komponenten (A1 und A2) in Richtung der beiden Hauptspannungen (Zug- und
Druckspannung) σ1 (Sigma) und σ2 (Sigma) zerlegt werden. Durch die unterschiedlichen
Ausbreitungsgeschwindigkeiten in den beiden Hauptspannungen treten die beiden Teilwellen mit
einer Phasenverschiebung δ(N) oder auch Δx zueinander wieder aus dem Testkörper aus. Die Größe
der Phasenverschiebung Δx hängt von der Hauptspannungsdifferenz (σ1 - σ2) ab.
D. h. Bereiche gleicher Hauptspannungen (Zug- und Druckspannung), genauer gleicher
Hauptspannungsdifferenz haben die gleiche Phasenverschiebung sind also Isochromate
(Farbgleiche).
Es gilt die Spannungsoptische Grundgleichung:
πΌπ‘ π‘œπ‘β„Žπ‘Ÿπ‘œπ‘šπ‘Žπ‘‘π‘’π‘›π‘œπ‘Ÿπ‘‘π‘›π‘’π‘›π‘” π‘š =
π‘š =
π‘ƒβ„Žπ‘Žπ‘ π‘’π‘›π‘£π‘’π‘Ÿπ‘ π‘β„Žπ‘–π‘’π‘π‘’π‘›π‘” Δπ‘₯
π‘Šπ‘’π‘™π‘™π‘’π‘›π‘™ä𝑛𝑔𝑒 πΏπ‘–π‘β„Žπ‘‘ (π‘‰π‘Žπ‘˜π‘’π‘’π‘š) πœ†
π‘†π‘β„Žπ‘–π‘β„Žπ‘‘π‘‘π‘–π‘π‘˜π‘’ 𝑑
βˆ™ (𝜎1 − 𝜎2 )
π‘†π‘π‘Žπ‘›π‘›π‘’π‘›π‘”π‘ π‘œπ‘π‘‘π‘–π‘ π‘β„Žπ‘’π‘Ÿ πΈπ‘–π‘›β„Žπ‘’π‘–π‘‘π‘ π‘˜π‘œπ‘’π‘“π‘“π‘–π‘§π‘–π‘’π‘›π‘‘ 𝑆 𝛿
Der Analysator lässt von diesen Teilwellen nur die Komponenten in Polarisationsrichtung (H1 und H2)
durch. Es gilt nun dass diese beiden Komponenten stets gleich groß und entgegengesetzt sind (H1 =
H2). Diese beiden Komponenten heben sich gerade auf, wenn die Phasenverschiebung Null oder ein
ganzzahliges Vielfaches der Wellenlänge beträgt (m = 0,1,2,…). Diese Stellen erscheinen auf der
Probe als dunkle Linien, so genannten Isochromaten (Farbgleiche).
Durch Abzählen der Isochromatenordnung kann man auf die absolute Hauptspannungsdifferenz
schließen.
Zusätzlich erscheinen auf der Probe alle die Stellen dunkel, die keine Spannungsdoppelbrechung
erfahren, das sind neben den Isochromaten nullter Ordnung (m = 0) alle die Stellen an denen die
Polarisationsrichtung des einfallenden Lichts auf eine der Hauptspannungsrichtungen fällt. Diese
Linien heißen Isoklinen (Richtungsgleiche). Mit ihrer Hilfe kann man auf die
Hauptspannungsrichtungen in der Probe schließen.
Anordnung: Linearpolariskop, Dunkelfeldanordnung, polychromatisches Licht
Wird das oben beschriebene Linearpolariskop mit polychromatischem (weißem) Licht betrieben,
dann treten die Auslöschungseffekte für jede Wellenlänge an anderen Stellen der Probe auf.
An der Stelle einer Auslöschung einer Farbe erscheint die Komplementärfarbe. Die Isoklinen
erscheinen nun als Streifen einer Farbe (deshalb heißen sie so). Die Isochromate nullter Ordnung und
die Isoklinen erscheinen unverändert als dunkle Streifen.
3-poit bending in a linear lolariscope: isocromes an the 30° isocline (black)
Anordnung: Zirkularpolariskop, Dunkelfeldanordnung, polychromatisches Licht
Bei dieser Anordnung werden zusätzlich zwei λ/4-Platten in den Strahlengang gebracht, das sind
dieselben Polfilter wie Polarisator und Analysator. Die erste λ/4-Platte wird mit ihrer Hauptrichtung
um 45° gegenüber der Polarisationsrichtung des Polarisators gedreht angeordnet. So erhält man
zirkular polarisiertes Licht. Streng genommen ist die λ /4-Platte nur für eine bestimmte Wellenlänge
ausgelegt, der Versuch müsste dann mit monochromatischem Licht betrieben werden. Die λ /4-Platte
arbeitet aber für den gesamten, letztlich doch kleinen sichtbaren Spektralbereich des Lichts mit
brauchbarer Qualität, es kann weißes Licht verwendet werden. Es entsteht so ein Zirkularpolariskop.
Das nun zwar abgeschwächte zirkular polarisierte Licht, können Sie sich auch als zwei neue
zueinander senkrecht stehende (linear polarisierte) Teilwellen gleicher Wellenlänge und Amplitude
mit der Phasenverschiebung von λ/4 vorstellen, trifft auf die zweite λ/4-Platte. Diese, um 90°
gegenüber der ersten λ/4-Platte gedreht, bewirkt, dass die Phasenverschiebung zwischen den
Teilwellen wieder aufgehoben wird. Wir erhalten linear polarisiertes Licht, das bei einer
Dunkelfeldanordnung nicht durch den anschließenden Analysator treten kann.
Wird nun eine belastet spannungsoptische Probe zwischen die λ/4-Platten so treten die gleichen
Effekte wie im Linearpolariskop auf und es sind Isochromaten als farbige Streifen zu beobachten. Da
jedoch das zirkular polarisierte Licht nicht mehr rein in die Richtung einer Hauptspannung fallen
kann, treten keine Isoklinen auf. Ein solches Bild kann bezüglich der Isochromaten besser
ausgewertet werden.
3-point bending in a circular polariscope: isochromes, free of isoclines.
Spezialfall: Dreidimensionale Spannungsanalyse
Um räumliche Probleme zu beschreiben, gibt es zwei Verfahren.
Einfrierverfahren
Das dreidimensionale Bauteil wird aus Epoxydharz nachgebaut, entsprechend belastet und dabei
langsam erwärmt. Das Epoxydharz wird "weich" und verformt sich entsprechend der Belastung.
Danach erfolgt ebenso schrittweise eine Abkühlung, bei der sich das Modell verfestigt. Der
Spannungszustand ist nun "eingefroren". Das Bauteil kann dann in ebene Scheiben zerschnitten
werden, die dann analysiert werden können.
Oberflächenschichtverfahren mit Reflexionspolariskop
Das Bauteil wird erst mit einer reflektierenden, dann mit einer spannungsoptisch aktiven Schicht aus
Kunststoff überzogen. Die Oberflächendehnung des Bauteils wird auf die spannungsoptische Schicht
übertragen und erzeugt einen annähernd ebenen Spannungszustand in der Schicht.
Anwendungen
Isochromatenbilder können schon ohne quantitative Auswertung wichtige Hinweise zur
Spannungsverteilung liefern. Ein ungleichförmiges Muster deutet auf einen ungünstigen Kraftfluss
hin. Stellen mit hoher Liniendichte deuten auf große Spannungsgradienten hin.
Der ungünstige Kraftfluss in einem gekerbten Bauteil wird durch den Vergleich zu einem Bauteil mit
sanfter Querschnittsänderung deutlich. Auch bei einer Winkelplatte haben scharfe Kanten einen
ungünstigen Einfluss auf die Spannungsverteilung. Deutlich erkennbar, ist die rechte
geschwungene Ausführung mit dem größeren Radius überlegen.
Comparision to the Finite Element Method
The general FE software package ANSYS Workbench can used for setting up and analyzing a 3-point
beam bending model in order to compare the optical findings with numerical results.
The important steps are as follows:
ο‚·
ο‚·
ο‚·
Preprocessor (setting up the model, geometry, FE mesh, material properties, load and
boundrary conditions)
Processor (solution)
Postprocessor (results)
The FE analysis shows increasing tensile stresses to the bottom (outer side of the beam curvature)
and compressive stresses to the top of the beam (inner curve side). In addition the stress amount
decreases with the distance to the beam midsection. The results are consistent to the optical findings
showed in the figure.
Result of the FE analysis:
Normal stresses in direction of the beam long axis. Tensile stresses (bottom, red) and compressive
stresses (top, blue).
Untersuchung Dreieck mit TFT-Display und Sony F717 mit Polfilter
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