Das Ego - eine Analyse Untersuchung des Egofaktors (21.7.2007) Sumiran: So wie es aussieht sind wir zu einer fixen Gruppe geworden. Wenn ich jetzt ein Foto machen würde, könnte man nicht sagen, ob das nun die Frühlingsgruppe oder die Herbstgruppe wäre. Das „Sitzen“ ist eine wunderbare Sache, weil ist niemals zu etwas Gewöhnlichem, Alltäglichem verkommt. Wenn es bestimmte Aktivitäten gibt, dann gibt es in ihr eine bestimmte Eigenschaft, die man diese durch die Qualität/Eigenschaft die man durch einer Form, Menge ersetzen kann, aber im Zazen können die Leute Schönheit in diesen Prozess nur durch eine Schönheit, die aus sich selbst hervorgeht, bringen. Im Tanz kann schöne Bewegung verborgen liegen, im Singen eine schöne Stimme, d.h. man muss das nicht unbedingt „verheiligen“, aber es wird zumindest Eindruck hinterlassen. Eindruck machen beim Sitzen in Meditation ist allerdings schwer, wenn es nicht eine tiefgründige Essenz besitzt. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass es sich hier um eine der reinsten Formen handelt, wie Sakrales Ausdruck finden kann: es gibt da nicht mehr, es gibt nur das Jetzt, das Dasein in seiner reinsten Form. So wie ein Mensch innerlich schön ist, so wird auch sein Sitzen etwas Magnetisches, Anziehendes an sich haben und der Prozess gewinnt an Faszination. Heute sind wir zum ersten Mal gesessen und sofort fühlt man, wie dieser Raum entsteht, der für sich selbst spricht. Hier gibt es Leute, die durchaus fähig sind diesen Raum mit Gehalt zu füllen … wenn jemand eine gewisse Sensibilität besitzt, wird er das fühlen können. Vor St. Petersburg hatte ich ein Seminar in Udomlja. Einer der Teilnehmer hat erzählt, wie er während des Sitzens in einen sehr tiefen Zustand des Beobachtens gelangte. In diesem Zustand hatte er das Gefühl, dass jemand von diesem Zustand wüsste. Dabei tauchte folgende Frage auf: Wenn jemand von diesem Zustand weiß, ist dann nicht der, der davon weiß, ein Teil einer Struktur des Egos, die einfach einen tiefen Zustand kennt? Es taucht also unweigerlich die Frage des Wissenden oder Erkennenden auf: WER weiß, WER erkennt? Dieser Teilnehmer hatte die Befürchtung, dass es sich um das Ego handelt, das weiß, dass es sich in tiefer Kontemplation befindet, tiefen Frieden fühlt usw. könnte es sich nicht um eine Falle handeln? WER ist der Wissende, der vom Frieden weiß? Die Frage ist von Bedeutung und wir versuchen uns jetzt mal mit ihr zu befassen. In uns gibt es den Wissenden und dieser Wissende weiß nicht nur, dass wir uns friedlich fühlen oder in Ekstase sind. Dieser Wissende weiß auch von unserem Schmerz, von unseren Leiden. Jemand oder etwas in uns weiß davon. WER ist dieser Wissende, ist er vielleicht das Ego? WER in uns weiß von allem, was mit uns im Leben passiert? Beginnend von den einfachsten Dingen bis zu irgendwelchen außergewöhnlichen Erfahrungen. WER weiß das alles? Ist es das Ego oder nicht das Ego? Was gibt es für Vorschläge von eurer Seite? Fr: Wenn es Erklärungen aus irgendwelchen Erläuterungen aus Texten gibt, dann …. Sumiran: Und wenn es diese nicht gibt? Fr: Wenn Liebe präsent ist und keine Anhaftung da ist, dann ist es nicht das Ego. Sumiran: Wer dann? Fr: Das Bewusstsein. Sumiran: Bewusstsein. Ja, das ist der Wissende, der über alles Bescheid weiß, nicht nur über innere Prozesse, sondern auch über äußere. Wenn etwa die Sonne aufgeht und wir wissen, dass die Sonne aufgeht, d.h. jemand weiß, dass die Sonne aufgegangen ist, das ist eine Art Wissen. Wenn ich weiß, wie hoch meine Körpertemperatur ist, ist das auch eine Art von Wissen und es gibt natürlich den Wissenden, der davon weiß. Man sagt, dass es die Natur des Bewusstseins ist – zu „wissen“. Das Bewusstsein spiegelt wider, wie ein Spiegel. In China erzählt man von einem alten Spiegel dessen Natur es ist zu wissen. Wenn ihr vor einem Spiegel steht, spiegelt dieser euch wider, d.h. er weiß davon, dass ihr vor ihm aufgetaucht seid. Die Widerspiegelung ist seine Art des Wissens, d.h. indem er euch wiederspiegelt, weiß er, dass ihr vor ihm steht. Eine andere Eigenschaft des Spiegels ist, dass er euer Bild nicht speichert und sich nicht daran erinnert. D.h. wenn ihr entsteht, wenn ihr seid, weiß er von euch, wenn ihr vor ihm nicht seid, dann weiß von euch gar nichts, weil ihr einfach nicht da seid. Diese zwei Eigenschaften – die Fähigkeit widerzuspiegeln mittels Wissen und die Fähigkeit sich nicht zu erinnern, d.h. nicht zu „verstauben“, keinen Staub bei sich anzusammeln, es sind dies Besonderheiten, die dieser Wissende besitzt. Wenn ein Mensch geboren wird oder eben irgendeine andere Form, weiß man davon, d.h. es entsteht ein Wissen darüber, dass etwas geboren wurde, irgendein Objekt ist erschienen und jemand weiß davon, es entsteht das Wissen oder das „sich bewusst machen“ des Körpers. Was ist das sich bewusst machen des Körpers? Das ist Wissen, d.h. jemand beginnt davon zu wissen, dass es einen Körper gibt, und mittels dieses Körpers machen wir bestimmte Erfahrungen. In Wirklichkeit existiert dieser Wissende und die Natur oder die Welt, mit einem Wort das, was man im Osten Prakriti nennt. Der Wissende weiß von der Welt, er erfährt sie, folglich entsteht die Welt für ihn. Auch über uns, durch uns weiß „jemand“ von dieser Welt, jemand weiß von unserem Körper und weiß von anderen Menschen, über die Sonne über die Sterne. D.h. es gibt den Wissenden, den man Nirguna (das was jenseits der Gunas ist) nennt, man nennt ihn auch Shiva, und es gibt die Welt, Prakriti oder Shakti, wovon der Wissende weiß. Das heißt also, dass es zwei Erscheinungen oder Phänomene gibt: Prakriti, die Natur und Shiva, also der, der von dieser Natur weiß. Es ist also noch nicht die Rede vom individuellen Wissenden. Die Natur spiegelt sich im Spiegel des Absoluten wider. Folglich existiert der Spiegel auch, weil ja jemand von dieser Natur, von dieser Welt weiß. Diese zwei Erscheinungen, die Natur und der der von der Natur weiß, sind offensichtlich, wir können sie nicht leugnen. Nächster Schritt ist zu verstehen, was denn das Ego ist, wo und wie es zwischen diesen beiden Phänomenen plötzlich auftaucht: zwischen der Natur und dem Sehenden der Natur, zwischen Shiva und Shakti. Davon zu wissen, dass Ekstase, Schmerz, Vergnügen und Freude erlebt wird ist noch nicht das Ego, sondern eure ureigenste Fähigkeit: Was immer auch in der Welt passieren möge, der Wissende wird davon wissen, seine Natur ist es widerzuspiegeln. Jede beliebige Erscheinung, die in dieser Welt als Form von Energie auftritt, spiegelt sich im Spiegel des Absoluten wider und wird zu Wissen. Zum Beispiel, es entsteht ein Kind. Was heißt, dass es entsteht? Das heißt, dass jemand davon weiß. D.h.: sobald eine Form entsteht, entsteht auch sofort eine Widerspiegelung dieser Form als eine Art von Wissen. Folglich kann in der Welt nichts als Energie geboren werden, ohne dass es sich in diesem absoluten Spiegel widerspiegeln würde. Und die Natur produziert ständig abertausende neue Formen, neue Erfahrungen in diesen Formen, und alle diese Formen erscheinen, sobald sie im Spiegel des Absoluten entstehen. Weil das Absolute immer gegenwärtig ist, geschieht es so: wenn ihr etwas am Spiegel vorbeitragt, wird der Spiegel es unweigerlich widergeben, ihr könnt diesen Spiegel also unmöglich betrügen. Der Spiegel des Absoluten spiegelt wider. Seine Eigenschaft ist es zu wissen und weil das Absolute sich auch im Menschen offenbart, heißt das, dass es eure ureigenste Eigenschaft ist zu „wissen“, d.h. ihr wisst von allen euren Gefühlen, Gedanken, Emotionen, Empfindungen usw. all das wisst(!) ihr. Woher wisst ihr das? Eure Natur ist es zu „wissen“. Dafür bedarf es keinerlei Anstrengung. In Wirklichkeit können wir gar nicht nicht wissen. Wenn etwas vor uns erscheint, dann spiegeln wir das sofort wieder. An welchem Punkt tritt nun die persönliche Beziehung hinzu? Die persönliche Beziehung entsteht dann, wenn zwischen Wissendem und Wissen der Besitzende auftritt und dieser Besitzende oder Eigentümer Anspruch erhebt, auf Erlebnisse, Erfahrungen oder Wissen. Dieser Eigentümer ist verbunden mit der Fähigkeit des Menschen zu denken, d.h. zu denken und Gedankenmuster zu schaffen. Einer dieser Gedanken oder Gedankenmuster ist der sogenannte Ich-Gedanke. Das ist einfach jener Gedanke, der Anspruch erhebt jene Emotionen, Gefühle oder Erlebnisse zu besitzen, die der Wissende kennt. In Wirklichkeit weiß der Wissende und erfährt der Wissende, oder der Erfahrende ist es, der erfährt und fühlt. Aber es taucht der Ich-Gedanke auf und sagt: „Ich (!) fühle das“. Nehmen wir an ihr schneidet euch in den Finger und es entsteht dabei das Wissen um den Schmerz, d.h. es tut einfach weh. WER weiß von diesem Schmerz? Jene Basis, jenes Absolute, widerspiegelt die Tatsache, dass ihr euch geschnitten habt und reflektiert die Tatsache, dass das weh tut. Weiters entsteht in euch der Gedanke: „Mir tut es weh, ich habe mich geschnitten und ich weiß, dass es mir weh tut“. D.h. es entsteht eine Art konzeptuelle Schicht zwischen dem Spiegel des Absoluten und der Energie, die dieser Schnitt eben ist. Und dieser Gedanke beginnt so gut wie in jeder Erfahrung, die der Wissende kennt, d.h. nicht nur der Wissende weiß von etwas, sondern es entsteht auch der Gedanke der sagt: „Ich besitze das, ich besitze diese Erfahrung.“ Dieser Gedanke besitzt die Erfahrung oder das Erlebnis ganz und gar nicht, Erleben ist nicht möglich ohne den Wissenden, der Gedanke selbst kann nichts erleben, es erlebt der Wissende in uns. Aber dann entsteht der Gedanke und dieser sagt: „Das erlebe ich!“, d.h. ich als eine isolierte Einheit, ein bestimmtes Lebewesen, eine Persönlichkeit. Ich bin es, der Schmerz erlebt, ich erlebe Vergnügen, ich erlebe Angst. Diese Schicht des IchGedankens hat sich eingeschlichen zwischen Natur, Energie und dem Spiegel des Bewusstseins und sie schafft die Illusion einer scheinbar lebendigen Struktur, die dieses Leben erlebt, d.h. sie versucht ziemlich frech ihr Recht auf Erlebnisse oder Erfahrungen geltend zu machen, die sie letztlich überhaupt nicht betreffen. Warum betreffen sie diese Erlebnisse nicht? Weil der Gedanke selbst nichts erleben kann, er kann auch von nichts wissen, allerdings schafft es dieser Gedanke dieses Wissen, diese Gefühle, diese Emotionen für sich zu beanspruchen. Was heißt das nun an der „Zerstörung“ des Egos zu arbeiten? Es heißt zu erkennen, dass das „ich“, oder das „mir“ tut etwas weh, „ich“ freue mich, usw. dieses „ich“ ist in Wirklichkeit nur ein Gedankenmuster. Deshalb kann sich das Absolute auch tatsächlich freuen, Schmerz erfahren … aber es ist nicht ichbezogen, es erlebt einfach nur, es weiß, dass es Schmerz, Trauer, Geburt gibt. Wenn ein Objekt erscheint, dann weiß das Absolute, dass das Objekt erschienen ist, wenn ein Objekt zerstört wird, vergeht, dann weiß das Absolute davon, aber es wird niemals behaupten, dass „ich“ das weiß. Es weiß einfach nur davon und Schluss. Nur dieser „Ichsager“ spricht viel über sich und sagt: „Oh, was hab ich nur für eine Erfahrung erlebt“. Das Absolute ist wie ein Spiegel, wenn es weiß, dann weiß es, es weiß, solange ein Objekt vor dem Spiegel ist, der Spiegel weiß davon und wenn das Objekt verschwindet, hört das Erlebnis auf. Der Spiegel erinnert sich nicht mehr an dieses Erlebnis. Der echte Wissende kann nicht sagen: „Ich habe etwas erlebt oder ich wusste etwas“, aus dem einfachen Grund, weil er keine Vergangenheit und keine Zukunft besitzt. Wie beim Spiegel: Er kann nicht sagen: „Ich hab gestern widergespiegelt“. Ihr geht zu ihm hin, aber er sagt: „Ich hab gestern den Ivanov widergespiegelt, er ist da vorbeigegangen, ich hab ihn wiedergegeben, und vorgestern war es der Petrov, und an den, der vorvorgestern da war, kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich muss wohl zum Psychoanalytiker gehen und das Unterbewusstsein hochbringen“. Das sind Probleme des nicht authentischen, des falschen Wissenden … der echte Wissende muss sich eigentlich nichts merken, weil er in jedem Moment viele Tausende neue Eindrücke erleben kann, wie eben ein Spiegel in jedem Moment viele Tausende Eindrücke wiederspiegelt und es würde wohl keinen Sinn machen, wenn er sich diese merken würde. Warum sich etwas merken wenn es ständig frische Erlebnisse für diesen Spiegel des Seins oder des Absoluten gibt. Und dann kommt plötzlich das „ich“, das sich da einmischt und sagt: „Ich (!) erfahre das“, „Oh, ich (!) habe diese Ekstase erlebt“. Dieses ich beginnt zu intrigieren. Der Spiegel hat es nicht erlebt, sondern die Basis, das Absolute. Aber dieser Ichgedanke schleicht sich ein und wenn die Erfahrung aufhört sagt er: „Oh, das bin ja ich, der das wahrscheinlich erlebt hat. Wie hab ich das nur erlebt!“. Und dieser Ichgedanke möchte davon erzählen und diese Erfahrung wiederholen. Dieses Ich hat immer Probleme: Wie kann ich eine Erfahrung festhalten, wie kann ich sie wiederholen. Die Basis, Essenz besitzt enormen Reichtum, sie schafft Abertausende neuer Formen, Emotionen, welchen Sinn würde es machen sich an längst Vergangenes zu erinnern, wenn du in jedem Moment Millionen neuer Eindrücke schaffen kannst. Dieses „Ich“ selbst kann gar nicht erleben und etwas Neues zu schaffen ist es auch nicht in der Lage, deshalb mag es das auch besonders gern sich in alten Geschichten und Erinnerungen zu verlieren. Dieses Ich sagt: „Ich besitze das, ich erlebe das.“ Es kommen gelegentlich Leute die sagen: „Oh, hör mal, ich hab folgendes erlebt …“ Und sofort wird einem klar, wer etwas erlebt hat, mit wem man spreche. Das Absolute wird nicht sagen: „Ich habe erlebt ….“ oder „Ich werde erfahren“, es erlebt das, was jetzt passiert und nicht das, was gestern passiert ist. Der Mensch hat vielleicht etwas erlebt, vielleicht wurden durch ihn, über ihn als ein Instrument wirklich schöne Dinge erlebt, aber sie wurden vom Wissenden erfahren. Aber die schönen Zustände sind vorbei, das Erkennen des Wissenden ist auch nicht mehr aktuell, was über bleibt ist das Ich, das jetzt davon erzählt, wie es das alles erlebt hat. Und was bleibt dem Menschen? Es gibt keine schönen Erlebnisse mehr, den Wissenden hat er vergessen, es bleibt nur das „Ich“, das herumsitzt und sich selbst zur Schau stellt. Nun kommt dabei heraus, dass man sich mit gar niemandem unterhalten kann, es bleibt nur dieses Ich über, nur mit ihm kann man Kontakt haben. Und eben dieses Ich, das davon erzählt, was der Wissende erlebt hat - nun aber in seinem eigenen Namen mit dem Motto „Ich habe erlebt“ - es schiebt sich andauernd als eine Art Zwischenschicht hinein. Das heißt also, sobald der Wissende etwas weiß, erscheint sofort das Ich und sagt: „Oh, das bin ja ich, der das weiß, oh das bin ja ich, der etwas erlebt“. Es ist so, als gäbe es eine konzeptuelle oder mentale Zwischenphase, die ständig aktiviert wird. Wenn es diese nicht gäbe, was wäre dann? Es gäbe den Wissenden, den reinen Wissenden und natürlich die Natur. Das Leben und der, der darüber Bescheid weiß, nicht mehr. Das ist eben der Zustand der Verwirklichung – es gibt den Wissenden und das, worüber er weiß. Das, was er weiß, ist diese Welt, seine energetische, dynamische Komponente und jener, der weiß ist eine potentielle Komponente, der den Spiegel dieser dynamischen Komponente darstellt. Zu zweit stellen sie das dar, was wir Leben oder dieses Universum nennen. Allerdings hat der Geist die Fähigkeit einen Besitzer zu schaffen, d.h. jenen zu kreieren, der denkt, dass er diese Erlebnisse, Erfahrungen oder das Leben besitzt oder das Leben lebt. In Wirklichkeit macht er das allerdings nicht, aber er erhebt Anspruch diese Erlebnisse zu besitzen usw. Es ist ganz klar, dass er dann auch erleuchtet sein möchte, er möchte diese Erleuchtung besitzen. Wie will er sie denn besitzen, wenn Erleuchtung bedeutet, dass es diesen „etwas“ nicht gibt? Das heißt, wenn er nicht da ist, ist das Erleuchtung und er will dieses „nicht-da-sein“ besitzen. So ein Zugang schafft Klarheit darüber, dass das Ego eigentlich bloß die Fähigkeit des Geistes ist, ein Konzept des Besitzens zu kreieren. Es entsteht der Gedanke, dass ich das besitze. Das heißt, hier geht es nicht nur darum „ich weiß davon“, „ich weiß“- das ist einfach Wissen, sondern es geht hier um das „ich besitze“ oder „ich erlebe“, aber ich erlebe und weiß nicht von der Person als Ganzes, sondern ich weiß das, als eine bestimmte Persönlichkeit und erlebe etwas als Persönlichkeit. In Wirklichkeit erfährt die Persönlichkeit überhaupt nichts, es gibt sie ja eigentlich nicht, sie ist nur ein kleiner Wirbel in unserem Geist, tatsächlich sehr klein und man kann sich durchaus von ihm befreien, wenn man begreift, wie er agiert. Wenn ihr das klären könnt, wie werdet ihr das Leben erfahren? Ganz einfach, in seiner reinen Form. Ihr wisst beispielsweise, dass euch etwas gefällt oder nicht gefällt, dass euch etwas passt oder nicht passt, ihr wisst das dann als direktes Wissen und erlaubt dem Gedanken nicht, dass er ein individuelles Wissen schafft. Der individuell Wissende existiert nicht. Der Wissende ist unpersönlich. Allerdings möchte der Gedanke einen persönlichen Wissenden erschaffen oder einen persönlich Erfahrenden. Ihr müsst erkennen, dass der persönliche Wissende d.h. die persönliche Form, wie man das Leben erlebt, „ich mache das, ich erlebe das“ eben nur eine unbewusste mentale Bewegung ist. Wenn ihr diese Schicht der Personifizierung nicht habt d.h. ihr erlebt, aber personalisiert das nicht über Ideen - dann werdet ihr sehen, dass das, was ihr wisst, nicht persönlich ist, d.h. über euch weiß ES von diesem Universum und weiß von eurem Körper. Euer Körper spiegelt sich im Wissenden wider und deshalb wisst ihr, dass ihr einen Körper habt. Wer weiß es? Er weiß, dass es einen Körper gibt und dass im Universum irgendein neuer Körper geboren worden ist. Und der Wissende spiegelt ständig alles wider, was hier passiert. Wenn ihr achtsam mit Gedanken umgeht, dann könnt ihr möglicherweise diesen personalisierenden Prozess aufhalten. Der Stopp dieses personalisierenden Prozesses tritt dann ein, wenn ihr so tut, als ob ihr vom persönlichen Wissenden aus lebt oder vom persönlich Erlebenden, und diesen Stopp nennt man Verwirklichung. Für diesen persönlichen Erlebenden haben vergangene oder zukünftige Erfahrungen besondere Bedeutung, aber für den unpersönlichen Wissenden hat das keine Bedeutung, er erlebt das, was passiert, d.h. er hat keine Wünsche an das Sujet, ansonsten wäre es ja uninteressant sich das Theater anzusehen. Stellt euch vor, ihr geht ins Theater und plötzlich sagt ihr: „Halt, stopp, er soll was anderes sagen, mir gefällt das nicht.“ Ihr erfüllt nicht die Aufgabe, die euch zugedacht ist. Ihr seid auf einmal Regisseur geworden, ihr seid nicht mehr Zuseher und könnt nicht das Vergnügen eines Zusehers bekommen, mit einem Wort: Ihr macht nicht eure eigene Arbeit. Und wenn sich das Theater spontan entwickelt, d.h. unabhängig von euch, so gibt vielleicht Momente mit Intrigen oder Überraschungsmomente, die euer Interesse wecken. Ganz genauso ist es im Leben, weshalb sollte sich denn das Absolute einmischen und das Leben strukturieren oder etwas wiederholen, wenn das Leben Millionen von Varianten schafft, die man einfach beobachten und in jedem Augenblick genießen kann? Warum sagen denn die Mystiker, dass das ein echtes Genießens ist? Das hängt damit zusammen, dass, sobald wir aufhören eine Erfahrung besitzen oder kontrollieren zu wollen, sie festzuhalten, man beginnt den vollen „Geschmack“ der Erfahrung selbst zu erfassen, nämlich den Teil, der auch wirklich „köstlich“ ist. Einfach etwas erfahren, das ist an sich etwas Köstliches. Zum Beispiel trinkt ihr Tee – es ist einfach klasse, ihr geht spazieren – großartig! Das ist eine Erfahrung, echtes Erleben und nicht einfach, dass ihr spazieren geht und denkt: „Oh, ich spaziere“, nein, sondern alles ist einfach in seiner reinen Art – das ist großartig. Oder ihr mögt denken: „ Wie lange bleibt mir denn noch auf dieser Welt zu leben?“ Und ihr versteht, dass wenn etwas verschwindet, dann ist es die Welt und nicht ihr. Die Welt kann verschwinden, das nennt man das „Einatmen“, wenn ihr einatmet, ist sie nicht mehr, ihr aber bleibt auf jeden Fall, Kino gibt es keines, Vorstellung gibt’s keine, aber ihr bleibt. D.h. ihr versteht, dass ihr als Erlebender ewig seid. Mit der Besonderheit, dass man euch manchmal einen Film zeigt und manchmal eben nicht. Übrigens hat das Absolute ein ziemlich ausgeklügeltes System entwickelt: Wenn der Film nicht gezeigt wird, schaltet es sich selbst aus und weiß nicht einmal in sich selbst von etwas, es wird ihm nicht mal langweilig. Eine gute Art sich zu schützen. Normalerweise ist es ziemlich langweilig, wenn der Bildschirm erlischt und nur du übrigbleibst. Im selben Augenblick aber geht das „Selbst – Bewusstsein“ verloren und man wird zum „Ding an sich“. Man hat nicht mal die Möglichkeit sich zu langweilen, weil kein „Selbst – gewahr sein“ („Selbst – Bewusstsein“) da ist. Wie im Tiefschlaf, da sind wir einfach wie weggetreten. Und er/sie/es ist weg, er/sie/es schläft. Sobald er/sie/es erwacht, wird sofort der Knopf gedrückt. Und die meisten von euch fragen sich sofort: „Wo ist denn die Fernbedienung?“ Ansonsten geht es gleich mit einer neurotischen Frage los: Was ist denn das? WER bin ich? Wenn sich dann eine Ablenkung ergibt, ist die Frage „WER bin ich?“ nicht mehr so wichtig. Bei ihm ist es ganz gleich. Sobald er aufwacht, schafft er gleich das Universum, es gibt ja was, das man betrachten kann. Es gibt kein Universum und auch keinen Betrachter, Ende. Der Junge hat überhaupt kein Problem damit! (: Ihr seid dieser Junge und in seinem Namen könnt ihr leben, im Namen dieses Erlebenden und Erfahrenden, der die Möglichkeit hat, das ganze Universum zu erfahren. Zu gegebenen Zeitpunkt erlebt er dieses Universum u.a. auch euren Körper. Wenn ihr zum persönlichen Erlebenden werdet, dann entsteht eben das Problem, weil dieser Erlebende endlich ist. Und diese Endlichkeit übt Druck auf den Erlebenden aus. Das ist eben das Problem: Wir haben es mit einer unendlichen Menge von Erfahrungen zu tun, aber wir sind endlich. Vergnügungen gibt es mehr als „Ichs“(:. Folglich, erfahren wir das Erleben, aber es gibt den Wermutstropfen, dass man eben nicht alle Erfahrungen durchleben kann. Und da geht der Wettlauf los und du kommst sowieso nicht mit, lauf oder lauf nicht, du kannst einfach nicht gewinnen. Der unpersönliche Erlebende hat keine zeitlichen Begrenzungen. Wenn ihr nun also den zeitlich Erlebenden auswählt, d.h. die psychische Schicht des begrenzt zeitlich Erlebenden, dann bleibt zwar das Erlebnis, auch die Qualität des Erlebens geht nicht verloren, aber es kommt das Gefühl auf, dass ich das irgendwann mal nicht mehr erleben werde. Wenn ihr nämlich nicht mit dem Körper identifiziert seid, dann werdet ihr das natürlich nicht im Namen des Körpers erleben, sondern im Namen der BASIS, der QUELLE, die vom Körper weiß, von seinen Erlebnissen, in deren Namen erleben sie ständig all das hier. Ihr erlebt diesen Aspekt und ihr werdet diesen Aspekt auch weiterhin erleben, solange dieses Universum existiert. Es taucht gelegentlich die Frage auf: Warum erinnere ich mich nicht an das, was vor Millionen Jahren passiert ist? Weil sich die Quelle nichts merkt, der Spiegel merkt sich nichts, er erlebt, aber speichert nicht. Deshalb erinnert ihr euch auch nicht. Bemerkenswert ist, dass es Leute gibt, die sich an Millionen Leben erinnern können, meist sind diese Erinnerungen ziemlich übler Art. Ich will damit sagen, dass es sich um Speichern von Information handelt und es jemanden gibt, der sich an diese Abermillionen Leben erinnert, es geht aber eigentlich immer um „den“, der speichert. Und tritt nun der individuelle Erlebende ins Geschehen ein, hat er Zugriff auf diverse Files des Gedächtnisses und sagt: „Oh das sind meine Files, das waren meine Leben, ich habe sie erlebt.“ Er erinnert sich an Millionen Leben, anderseits ist es möglich, dass sich ein Erleuchteter nicht mal daran erinnert, was er gestern gemacht hat oder vielleicht sogar, was heute Morgen los war. In diesem Sinne hat der Erleuchtete mehr Größe, weil er erkennt, dass es keinen Sinn macht zu „speichern“ , er erlebt den Moment, weshalb sich erinnern, was gestern passiert ist, umso mehr an das, was vor tausenden von Jahren passiert ist. Seine Besonderheit besteht darin, dass er erlebt was ist, d.h. was ihm das Universum demonstriert, das erlebt er auch, aber er speichert es nicht, er merkt es sich nicht. Und diese Fähigkeit zu „wissen“ ist angeboren. Ihr werdet in jedem Fall dieses Leben so lange es eben dauern wird erleben. Die Fähigkeit das Leben nicht zu personalisieren ist gerade das, was wir angehalten sind, zu lernen. Dann werden wir jede beliebige Erfahrung genießen können, darunter auch und das ist besonders bemerkenswert – unangenehme Erfahrungen, selbst emotionale und physische Probleme werden wir genießen können. Weil diese Probleme dann plötzlich kein persönliches Drama mehr für uns darstellen. Wenn Erfahrungen zu einem persönlichen Drama werden, dann stellen sie unweigerlich ein Problem dar. Warum schafft das Absolute nicht nur positive Erlebnisse, sondern auch negative? Es möchte diese erleben, es ist einfach spannend und interessant für das Absolute, diese zu erfahren. D.h. für das Absolute ist es interessant, wie sowohl die eine als auch die andere Erfahrung durchlebt werden kann. Und ihr schafft im Namen dieses Wissenden diese duale Welt mit allen seinen positiven und negativen Seiten. Warum? Weil ihr das so wollt. Ihr wollt nicht nur den positiven Aspekt des Lebens erfahren, sondern auch die Erfahrung der einen oder anderen negativen Emotion oder Erfahrung. Ihr schneidet also das Spektrum nach unten hin nicht ab, sondern benutzt das ganze Spektrum um es zu beobachten. Und wenn ihr das sehr tief fühlt, werdet ihr etwas ziemlich Eigenartiges spüren: An der Peripherie spürt ihr Schmerz, im tiefsten Inneren jedoch könnt ihr diesen Schmerz genießen. Vielleicht kommt diese eigenartige Erfahrung zu euch … ihr werdet mehr Raum in euch fühlen, das eine widerspricht dem anderen nicht. An der Peripherie ist es nicht möglich an einem Punkt gleichzeitig Schmerz und Freude zu fühlen, dort ist entweder Schmerz oder Freude, wenn ihr aber genug Raum besitzt, dann werdet ihr fähig sein außen Schmerz und innen Freude wahrzunehmen. Woher kommt diese Freude? Sie rührt von daher, dass ihr in diesem Punkt von Schmerz frei seid. Ihr wisst von diesem Schmerz und wenn ihr diesen Schmerz fühlt, ist er eine Erfahrung, dann kommt der „Ich“-Gedanke und sagt: „Mir (!) tut es weh“. Euch tut es nicht weh, ihr wisst vom Schmerz. Dann entsteht eine andere Emotion, Freude etwa, und ihr wisst von dieser Freude. Wenn ihr also der Wissende seid, könnt ihr sogar von negativen Emotionen eine gewisse Freude empfinden, aber nur dann, wenn ihr eure Zentriertheit beibehalten könnte und eure innerliche Unberührtheit spürt. Es kann auch folgendes passieren: Rundherum ist viel Rummel, ihr aber spürt, dass es in euch eine Art Punkt gibt, der unberührt bleibt oder anders ausgedrückt, alle sind hysterisch, aber du bleibst ruhig. Weiter gibt es eine Art Hysterie, wenn alle ringsum hysterisch sind und ihr auch, doch haben alle eine totale Hysterie, ihr jedoch erfahrt diese Hysterie nur an der Peripherie und davon bekommt ihr Freude, ihr seht also, wie ein Teil von euch beunruhigt ist, etwas macht, und ein anderer Teil sich im Zustand des Beobachtens befindet und vom Lärm sogar vergnügt wird. Es geht um die Fähigkeit das ganze Volumen, das gesamte Spektrum zu erfassen: der Wissende und das Wissen mit dem Wissen an der Peripherie und das Wissen im Zentrum. Wenn sich allerdings zwischen dem Wissen und dem Wissenden der Ich-Gedanke hineinschwindelt und dann noch sagt: „Ich mache das, ich besitze das“, dann wird dieser Gedanke dem Wissenden dazu bringen sich zu verlieren … er wird vergessen, dass er einfach der Wissende ist. Deshalb beobachtet mal, wie sich dieser IchGedanke da zwischen die „reine Erfahrung“ und dem Wissenden hineinschiebt, welcher Art diese Erfahrung auch immer sein mag, das spielt keine Rolle. Der Wissende und die Erfahrung sind ganz reine Erscheinungen, die durch keinerlei Problematik beeinträchtigt sind. Man nennt dieses Verhältnis auch manchmal den Schöpfer und die Schöpfung. Das bedeutet also, dass der Schöpfer und die Schöpfung in perfekter Wechselwirkung stehen. Die Schöpfung schafft keine psychologischen Probleme für den Schöpfer, und umgekehrt erschafft der Schöpfer keinerlei Probleme für die Schöpfung. Der Wissende ist der, der schafft, das Universum ist das, was er schafft, die Erfahrung ist ein Teil der Schöpfung und der Schöpfer weiß davon. Sobald der Mechanismus der Personalisierung entsteht, d.h. „Ich erfahre das“, im Namen dieses individuellen Ichs, sogleich entsteht auch das „Ego – Moment“ unseres Lebens. Wenn ihr nun beginnt diesen „Ich-Gedanken“ zu beobachten, dann seht ihr, dass es sich um einen Gedanken handelt, der andere Gedanken und Erfahrungen privatisiert. Ihr habt viele Gedanken im Kopf, aber es ist der sogenannte Ich-Gedanke, der die anderen privatisiert und sagt: „Das sind meine (!) Gedanken!“. Nehmen wir mal an, es entsteht bei euch im Kopf der Gedanke: „Wie wäre es, wenn wir heute ins Kino gehen würden?“, das ist einfach ein Gedanke, der in eurem Kopf entstanden ist, und sofern er entstanden ist, weiß auch der Wissende davon d.h. ihr wisst, ihr registriert dieses Gedankenbündel „soll ich heute ins Kino gehen“. Weiters, weil ihr eben darüber Bescheid wisst, entsteht eine Reaktion in der Großhirnrinde auf diesen Gedanken und es folgt eine Zustimmung oder Ablehnung. Parallel dazu, wenn dieser Gedanke entsteht, „soll ich heute ins Kino gehen“, entsteht auch ein gedanklicher Überbau, ein mentaler Überbau, der sagt, „Oh, was kam mir nur für ein guter Gedanke in den Sinn“. Das ist auch ein Gedanke, der Ich-Gedanke, der sagt, „Ich besitze diesen Gedanken `soll ich heute ins Kino gehen`, zu mir (!) ist dieser Gedanke gekommen. Er ist nicht zu diesem Gedanken gekommen, aber dieser Ich-Gedanke ergreift Besitz von allen anderen Gedanken und sagt: Ich bin der Herr dieser Gedanken.“ In Wirklichkeit haben diese Gedanken keinen Herrn, sie kommen aus dem Nichts, wie Punja sagt, und sie entschwinden ins Nichts. Was passiert in Wirklichkeit: Es entsteht ein Gedanke, von dem man nicht weiß, woher er kommt, er kann aus der äußeren Umgebung kommen, woher auch immer, er erscheint einfach. Dann wird man sich dieses Gedanken bewusst und das Gehirn reagiert darauf so, wie es programmiert ist. Vor kurzem haben Neurologen ein interessantes Experiment durchgeführt: Mittels einer Messung an der Großhirnrinde stellten sie fest, dass im Kopf zuerst der Gedanke entsteht und dann die Reaktion des Gehirns auf diesen Gedanken, des physischen Gehirns, obwohl ein Gedanke keine physische Erscheinung ist, das Gehirn allerdings reagiert darauf, weil im Gehirn bestimmte Programme ablaufen, die auf den Gedanken reagieren. Das Gleiche passiert, wenn vor euch ein Auto vorbeifährt, dann reagiert ihr darauf, das Auto ist der Stimulus und es entsteht eine Reaktion. Auch hier ist es so, dass der Gedanke einfach ein Objekt ist, das vor dem Bewusstsein vorbeizieht und es ist das Gehirn, das darauf reagiert. Wobei der Gedanke von irgendwoher kommen kann. Äußerst bemerkenswert, was die Wissenschaftler da entdeckt haben: Zuerst entsteht der Gedanke, dieser Gedanke wird noch nicht bewusst wahrgenommen, d.h. ihr wisst noch nicht, dass der Gedanke bei euch entstanden ist, in eurem Bewusstsein ist er noch nicht erschienen, aber das Gehirn weiß schon davon und es setzt den Entscheidungsprozess in Gang noch bevor ihr erkennt, dass es einen Gedanken gibt. Und erst dann passiert die Bewusstwerdung dieses Gedankens und es entsteht die Idee, dass „Ich entschieden habe“. Die Wissenschaftler haben also festgestellt, dass eine Entscheidung auf unbewusster Ebene passiert und erst dann in die bewusste Zone übergeht und da wird die Entscheidung dann vom IchGedanken in Besitz genommen, dieser Ich-Gedanke sagt: „Ich habe so entschieden“. Die Entscheidung passiert unbewusst d.h. der Stimulus und die Reaktion passieren schnell auf der Ebene des Unbewussten d.h auch dass auf die bewusste Ebene nur fertige Entscheidungen gebracht werden, eben jene die wir nicht bewusst getroffen haben, d.h. sie werden an uns „herangetragen“. Aber der Ich-Gedanke behauptet: „Das habe ich entschieden“. Die Neurologen haben erkannt, dass die Impulse, die aus dem unbewussten Teil des Gehirns kommen um einige Hundertstelsekunden in seiner Reaktion dem bewussten Voraus sind d.h. zuerst reagiert der Mensch und dann denkt er, dass er darauf reagiert hat. Folgt also diesem Gedanken, diesem „Ich Usurpator“ und wenn es euch gelingt ihn in euch zu finden und ihm nicht erlaubt euch zu dominieren, dann dringt ihr in den reinen Teil eures Lebens ein – dort, wo der Wissende und das Wissen präsent sind. Wissen ist alles was ihr erlebt, fühlt, denkt, auch Gedanken, aber nichts Persönliches, ihr wisst einfach. Probiert mal eure Aufmerksamkeit mit dieser Einstellung ein zwei Tage zu halten, versucht mal einfach das Leben zu leben und versucht zu erkennen, wie dieser Überbau in Form der Ich-Gedankenform entsteht. Ich meine diesen Teil in uns, der immer sagt: „Ich bin es, der dieses Leben erlebt“ Fr: Sumiran, bevor der Mensch erschien, gab es da Ich-Gedankenformen? Sumiran: Offen zu Tage treten sie sicherlich auf einer höher entwickelten Stufe des Intellektes. Hunde haben auch eine bestimmte Ego Form – mein Territorium, mein Knochen, d.h. es gibt schon Keime einer Besitzstruktur. Im Hund erlebt das Bewusstsein das Leben, aber im Hund entsteht schon das Gefühl „Ich und mein“. Wenn der Hund nicht diesen bestimmenden Teil des Ego besäße, dann wäre der Hund doch ein Heiliger. Und das Leben würde dann anders funktionieren, aber es liegt auf der Hand, dass das Leben eben so gedacht ist und dass Hunde auch eine bestimmte Tendenz haben zur Identifikation und zum Besitz in sich selbst in Form von Gedanken, und natürlich besitzen sie ein bestimmte Form des Denkens. Wenn man sich die einfacheren Lebensformen ansieht kann man erkennen, dass sie einen sehr spärlich entwickelten Ich-Faktor besitzen. Der Spatz beispielsweise hat ein paar Körner aufgepickt, er hat aber im „Rucksack“ keine weiteren mitgenommen vielleicht mit der Absicht, dass alle anderen keine mehr bekommen können. Er hat sie aufgepickt und ist weggeflogen. An morgen denkt er nicht, aber wenn plötzlich ein anderer Spatz herbeifliegt, wenn dieser Spatz ein Körnchen aufpickt, besteht er sofort darauf, dass das Körnchen nur ihm alleine gehört. Er denkt: „Jetzt ist das mein Körnchen.“ Es entsteht eine bestimmte Dynamik unter Lebewesen. Bei noch einfacheren Lebewesen läuft die Sache noch einfacher, so isst etwa eine Amöbe etwas, die zweite Amöbe schwimmt dazu und drängt die andere ab, und die hat es gar nicht bemerkt, weil sie noch kein Erkennen von „Ich und mein“ besitzt. D.h. bei ihnen ist dieses Bewusstsein quasi im schlafenden Zustand. Je höher sich die biologische Evolution aufwärts bewegt, desto stärker tritt der Faktor einer Personalisierung des Erlebten hervor, weil es sonst, wenn das Bewusstsein, sich nicht in jedem personalisieren würde, keine Dynamik in der gegenseitigen Beziehung geben würde. Dann würde diese Welt wirklich ganz, ganz anders aussehen. Fr: Bedeutet das, dass mit dem Fortschreiten der Evolution … ich frage deshalb, weil du ganz am Anfang über die Ich- Gedankenform gesprochen hast und ebendieser Personalisierung, ich dachte daran, dass das eine unglaubliche Energie besitzt, dahinter verbirgt sich eine immense Energie. Es ist einfach dem zuzuhören – sich von dieser Personifizierung loszusagen und einfach das Leben zu genießen, aber selbst wenn man das weiß und versteht, du dir dessen bewusst bist, so ist das doch sehr schwer, da ist so eine Bindung … wenn du mal in diese Gedankenform hineingeraten bist … Sumiran: Worin besteht also die Frage? Warum ist das schwer, wer weiß? Schon wieder entsteht dieser Ich-Gedanke und sagt: „Oh, ich weiß, aber es ist schwer für mich“ Also, WER in dir weiß das? Wenn nämlich das Absolute weiß, wenn du sagst: „Ich weiß“ … Fr: In diesem Moment wird alles hinfällig … Sumiran: Wenn also jener weiß, der wissen muss, dann weiß er einfach und damit hat sich die Sache, er sagt nicht: „Ah, ich hab es so schwer“, er weiß einfach und aus. Er fühlt sich dem gegenüber „erwacht“ und durch diese Wachheit erlaubt er es dieser Illusion nicht zu entstehen. Er sagt sich: „Ich muss jetzt trainieren, ich hab´s schwer, eine enorme Trägheit umgibt mich, tausende Jahre der Trägheit.“ WER sagt denn das alles? Es ist der persönliche, individuelle Wissende, den wir ja loszuwerden versuchen. Er hört all das und sagt: „Das ist alles ziemlich kompliziert, jetzt weiß ich darüber Bescheid“. Er sagt nicht: „Ich weiß von mir oder über mich“. Was geschieht genau: Ich spreche, du hörst, das heißt: du weißt. WER weiß? ER weiß. Der Klang, die Vibration gelangt in meine Gefühlsorgane, dann gelangt er weiter ins Gehirn, in den Geist, ins zentrale Nervensystem. Gedanken entstehen dort, spiegeln sich im Bewusstsein wider und gehen zu dem WISSSENDEN und jetzt weiß ER, was ich jetzt sage. So weißt du, was ich sage. Worte spiegeln sich also in Gefühlen wider, Gefühle im Geist, der Geist im Bewusstsein, das Bewusstsein im Wissenden. Der Brief ist also zugestellt . Von einem Augenblick zum nächsten geschieht das so, DU weißt, was hier vor sich geht, DU als Wissender, aber wenn ich von all dem spreche, entsteht diese Zwischenschicht – der persönliche Wissende, der sagt „Ich weiß das“. Wesentlich ist also nicht, das zu wissen, sondern zu jenem Wissenden zu werden, der wirklich der WISSENDE ist. Wenn du in diesem falschen Wissenden bleibst, dann wirst du mir natürlich, ausgehend von diesem persönlichen Wissenden mit einer Menge Schwierigkeiten kommen, die es da bei dir gibt. D.h. diese vielen Schwierigkeiten sind eigentlich der persönlich Wissende, aber er wehr sich mit allen Tricks das zuzugeben und sagt nicht: „Ich bin diese Schwierigkeiten“, sonder, „Ich habe diese Schwierigkeiten“. Wenn du sagst: „Ich habe Schwierigkeiten“, verstehe ich, dass nicht jener WISSENDE Schwierigkeiten hat, über den ich ständig erzähle, sondern eben jener, von dem man sich befreien sollte, wenn man möchte, dass es in Hinkunft keine Schwierigkeiten wird geben können. Nicht ihn muss man von Schwierigkeiten befreien, sondern von ihm muss man sich befreien. Die ganze Botschaft liegt demnach darin, dass ihr diesen Wissenden in euch fühlen lernt, d.h. wenn ich spreche, versteht ihr: „Ich bin ja dieser WISSSENDE, von dem Sumiran spricht“, d.h. nicht „Ich muss dieser WISSENDE werden“, das werden müssen fällt in den Bereich jenes Wissenden, des zweiten eben, er muss das, er muss es nicht, aber ihr seid ER und jetzt erlebt ihr alles, was hier passiert als ER. Ihr erlebt sowieso alles als ER, aber parallel entsteht ein personalisierter Wissender, der sagt: „Ich erfahre das, was Sumiran sagt“. Jetzt muss man das mal durchdenken und versuchen zu realisieren, es könnte sein, dass es nicht funktioniert, aber das macht nichts, ich probiere es noch mal und da beginnt ihr Schwierigkeiten im Leben zu kreieren. Man kann den personalisierten Wissenden von Schwierigkeiten im Leben schwer befreien, das ist unmöglich, ich betone das immer wieder: Man kann aus Sicht der individuellen Person Probleme nicht in voller Tiefe lösen. Warum? Weil die Grundprobleme in ihrer Basis an die Dualität gekoppelt sind, mit anderen Worten: das Hauptproblem liegt in der Trennung zwischen sich selbst und der Welt und auf dieser Grundlage bilden sich alle anderen Probleme: Einsamkeit, Tod, Geburt, Eigentum, … d.h. alle Probleme haben diese Basis. Und solange diese Grundlage, diese Basisannahme existiert, können Probleme nicht gelöst werden, weil diese eben eine Folge dieser Annahme sind. Deshalb ist es auch unmöglich ein isoliertes, glückliches Wesen zu sein, diesen Gedanken möge man sich verinnerlichen, es ist sozusagen unmöglich zu persönlichem, individuellem Glück zu streben. Daraus folgt auch, dass Glück unpersönlich ist und Unglück persönlich. Ihr könnt ein persönliches unglückliches Wesen sein, weil man um unglücklich zu sein Isoliertheit braucht. Das ist die Methode schlechthin um unglücklich zu werden.Wenn ihr nun aber müde seid von dieser Art des Lebens, dann müsst ihr diesen personalisierenden Teil erforschen. Wie erforschen? Diesen Teil muss der Teil erforschen, DER weiß. ER muss hören, zuhören und diesen zweiten Wissenden beobachten, den Pseudowissenden und den Pseudoerlebenden. Und ER wird nicht sagen: „Ich habe mit ihm Probleme.“ Er beobachte sie einfach nur, dann sind alle Probleme bei diesem Pseudoteil und selbst hat man keine Probleme. Man braucht einfach nur ein bisschen Aufmerksamkeit… Seht her, S. stellt mir eine Frage, sie möchte mir wirklich ein Problem geben: „Los, Sumiran, löse dieses Problem, ich habe ein Problem und jetzt hast du auch eines, wir werden dieses Problem gemeinsam lösen.“ Allerdings erkenne ich klar, dass das Problem aus ihrem „Pseudoteil“ kommt und ich weigere mich mit diesem Pseudoteil zu arbeiten. Ich darf kein Problem schaffen, ich hab auch nicht vor das Problem zu lösen, weil es eigentlich gar nicht existiert, ich behaupte also: „Es gibt das Problem nicht und auch den nicht, der vom Problem spricht“. Warum? Weil ich sehr aufmerksam und konzentriert bin. So könnt auch ihr aufmerksam sein und beobachten, wie euer persönlicher „Personalisierer“ beginnt, euch, als dem WISSENDEN, zu sagen, dass ihr ein Problem hättet, d.h. er versucht auch zu erklären, dass ihr ein Problem habt, er sagt: „Wir haben ein Problem, weißt du das?“ mehr noch, er sagt „du hast“. Die Leute kommen zu mir und sagen: „Du verstehst einfach unsere Situation nicht, du bist herzlos, wo ist dein Anahata (Herzchakra), du müsstest aus der Haut fahren und hysterisch werden, wegen unserer Lage“. Das bedeutet, dass dieses „Ding“ nicht nur euch versucht zu erklären, dass es da ein Problem gibt, sondern es dasselbe auch den Leuten ringsum erklärt. Ihr wisst ja, wie die Leute sind, sie erzählen allen, welche Probleme sie haben. Wenn niemand da ist, dem man das erzählen könnte, passiert derselbe Prozess im Inneren: „Weißt du, welche Probleme wir haben?“ und das nimmt euch dann gefangen. Warum lacht der Buddha immer, wenn er das „Leiden“ dieser Welt sieht? Weil es fast schon witzig ist, wie dieses „Ding“ so tut, als ob da eine Problematik wäre. Ihr könnt das in anderen beginnen zu sehen, das bei sich selbst zu erkennen ist natürlich am Schwierigsten. Wenn jemand mit euch spricht und euch erklärt, welche Probleme er hat, werdet ihr sehen, wer mit euch spricht und wer euch das erklärt. Und dann schaut euch unbedingt eure eigene Situation an und ihr werdet merken, dass in euch der gleiche Prozess abläuft. Die Frage ist nicht, wie man ihn abdrehen könnte, nein, das ist nicht notwendig, nehmt in einfach nicht ernst. D.h. zu verstehen, dass diese Zwischenschicht absterben kann, sie kann in einem beliebigen Moment einfach aufhören euch zu beunruhigen. Das geschieht dann, wenn man für längere Zeit aufhört sie mit Ernsthaftigkeit zu füttern . Natürlich läuft das weiter, solange es Trägheit gibt, sie plaudert, aber man sollte nicht mit ihr kämpfen. Sobald ihr beginnt euch mit ihr zu streiten, nehmt ihr sie ernst. Ebenso macht es keinen Sinn die Probleme der Menschen zu lösen, wenn sie diese erfunden haben. Wenn wir nun also vorschlagen diese zu lösen, dann nehmen wir nicht existierende Probleme ernst und helfen den Menschen an diese Probleme zu glauben und sie glauben dann, dass es sie wirklich gibt. Genauso ist es hier, man sollte nicht mit dem „Personalisierer“ kämpfen, weil ihr dann daran glaubt, dass er eine gewisse Macht über euch hat, ihr beginnt mit ihm zu kämpfen, dafür muss man über einen bestimmte Zeitraum Energie aufbauen usw. Man muss seinen Mechanismus, sein Funktionieren verstehen, man muss begreifen, dass das lediglich eine bestimmte mentale Vibration ist, die man ignorieren kann, sie mag das nämlich am wenigsten, wenn sie ignoriert wird. Diese mentale Vibration wird daher plaudern und ihr werdet einfach zuhören. Ich bin nicht dafür, sie einfach ins Unterbewusstsein zu verdrängen, ihr hört einfach zu, was sie spricht, damit ist die Sache auch schon zu Ende. Das ist kein Leitfaden zur Handlung oder psychologischen Reaktion auf das, was sie sagt. Zu euch kommt ein Mensch und sagt, er hätte ein Problem. Ihr seht, dass er es eigentlich künstlich erdacht hat, ihr hört ihm einfach zu, verleiht ihm Gehör, aber gleichzeitig könnt ihr diese Probleme nicht ernst nehmen und macht daraus keine wie immer geartete eigene Situation. Ebenso sollte man sich im Hinblick auf den persönlichen Personalisier verhalten. Eigentlich ist das die einzige Möglichkeit sich von ihm früher oder später zu trennen, weil er nämlich sprechen wird und nicht aufhören wird zu sprechen, je weniger aber eure Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet ist, desto weniger werdet ihr ihn als etwas Echtes wahrnehmen und eines schönen Tages werdet ihr entdecken, dass er immer seltener auftaucht. Und dann kommt ihr möglicherweise in einen Zustand, in dem ihr wirklich leben werdet, nämlich als der WISSENDE und das Wissen, d.h. ohne dieses Ding da, ohne den persönlichen Teil. Der erste Schritt ist es ihn beginnen zu erkennen, deshalb erkläre ich auch so genau, wie er sich verhält, weil man anfangs lernen muss ihn überhaupt zu sehen, ihn zu erkennen. Das ist der erste Schritt. D.h. ihr erkennt etwa, wie ein Gedanke entsteht … nehmen wir an, euch ist eine ausgezeichnete Idee gekommen, wenn es eine ausgezeichnete ist, habt ihr sie verwirklicht, das Resultat bekommen usw. Wenn nun also die Idee erscheint, erscheint mit ihr auch dieser Überbau als ein Gedanke: „Ich hatte diese Idee, ich bin echt cool“. Der Überbau ist schon da. Es ist die Idee da, sie kann eine Handlung produzieren, eine Arbeit, und es ist hier nicht unbedingt notwendig, dass der Gedanke hinzukommt: „Ich bin so toll, was ich nur für großartige Ideen habe.“ Es entsteht der Gedanke, der sagt: „Ich besitze diesen Gedanken“ , der Ich - Gedanke beginnt in den Besitz dieser Idee zu treten. Und ihr beginnt jetzt diesen Prozess zu beobachten. Viele Leute durch die Energieflüsse fließen sagen - ich meine eine wirklich sehr starke Energie - einige führende Heiler sagen: „Es ist klar, dass nicht wir das machen.“ Viele talentierte Dichter sagen: „Die Gedichte schreiben nicht wir.“ Und es sind gerade diese Momente, die ihnen eine besondere Erfüllung schenken, wenn es für sie offensichtlich ist, dass die Energie nicht von ihnen kommen kann und folglich der Ich-Gedanke, gar nicht mit einem Besitz spekulieren kann. Der Mensch versteht einfach: „Ich selbst kann das nicht machen, ich habe niemals so gedacht, ich habe noch nie so gefühlt und ich habe noch nie so viel Energie gehabt.“ In so einem Moment kann der Ich- Gedanke nicht manipulierend eingreifen. Alle wirklich begabten Dichter und Heiler sagen das: „Es ist mehr, als wir.“ In diesem Sinne nähern sie sich der Sicht oder dem Verständnis, dass sie in diesem Moment nicht da sind, es gibt also nur den Prozess und jemand weiß von diesem Prozess. Obwohl sie den Moment, dass jemand davon weiß, auch beiseitelassen könnten. Was passiert nun bei Dichtern und Heilern? Sobald der Energiefluss geringer wird, die Kraft dieses intensiven Flusses an Energie sich dem Ende neigt, beginnen wieder gewöhnliche Handlungen und es entsteht der Gedanke: „Jetzt mache all das ich selbst.“ Das Problem ist, dass noch eine Trennung vorhanden ist, etwa so: „Ich bin es nicht, der heilt, aber meine Frau schrei ich doch ich an“, oder, „die Gruppe führe nicht ich, das Mittagessen aber koche wohl doch ich“ D.h. die Trennung zwischen „Ich“ und „nicht ich“ bleibt noch da. Es gibt jedoch Phasen, in denen sie nicht mit diesem individuellen Ich spekulieren, zeitweise zumindest, oder lokal bedingt, und es sind gerade diese Momente, wenn Menschen, etwas besonders Schönes kreieren. Dann jedoch gibt es wieder Phasen, wenn diese starke Energie weniger wird und die Leute denken, dass die einfachen Dinge des Lebens sie selbst machen. Eigentlich hat die Energie nur ihre Intensität verringert, funktioniert aber weiterhin in einer sanfteren Variante, was aber nicht heißt, dass ich begonnen habe das zu tun. Eure Aufgabe ist es also euch bewusst zu werden, und zwar in jeder beliebigen Handlung, wie dieses Ich entsteht und wenn ihr es bemerkt, es einfach nicht ernst zu nehmen. Das ist der erste Schritt: erstens – bemerken, zweitens – nicht ernst nehmen. Ihr, als WISSENDER, seid subjektiv, ihr seid Subjekt, und der „Ichsager“ ist ein Objekt. Wenn ihr aber beginnt ihn ernst zu nehmen, dann wird er zum Subjekt durch euch, und er sagt: „Ich (!) habe, und wenn ich habe, dann habe auch ich (!) ein Problem.“ Zuerst einmal seid ihr damit einverstanden zu „haben“, haben ist ja angenehm. Darauf fällt das Bewusstsein ganz einfach hinein. Der WISSENDE besitzt nicht, er weiß, aber er besitzt nicht. Der Spiegel ist vielleicht etwas „beleidigt“, weil er alles sieht, aber nichts angreifen kann, wenn er zumindest etwas klüger wäre, würde er wahrscheinlich denken: „Warum hat mir niemand Hände angemacht?“ Stellt euch mal einen Spiegel mit Händen vor? Also der alte Spiegel hat Hände abbekommen. Er spiegelt wider, aber besitzt nicht, aber wenn eine gewisse Trübung einsetzt, taucht das mein auf. Das erste mein ist der Körper, d.h. der Wissende weiß, dass der Körper erscheint, es entsteht ein Objekt im Bewusstsein, ein sehr sympathisches Objekt und es entsteht noch der Gedanke „Das bin ich!“. Das erste ist der Wunsch zu besitzen. Wer würde sich denn schon gern mit einem Stein identifizieren? Und warum ist es denn so, dass wenn der Körper altert und stirbt, dieser Mechanismus immer schwächer wird, das Bewusstsein geht schnell aus ihm heraus, weil es sehr schwer wird sich damit zu identifizieren. Und wenn Kinder da sind, heißt es: „Das bin ich“, d.h. es weiß, dass ein Kind da ist und sagt dann plötzlich: „Ich werde dieses Kind sein.“ Sobald dieses Identifizieren eintritt, haben wir ein Problem, weil es sich um ein energetisches Wesen handelt, es lebt, tritt in eine Wechselbeziehung ein, in einen energetischen Austausch und wird dann zu eurem Leben. Wenn ihr zu dem geworden seid, heißt das, dass das, zu dem ihr geworden seid, jetzt euer Leben ist. D.h. wenn das Kind das ist, wovon ihr wisst, dann ist sein Leben nicht euer Leben, aber wenn ihr zum Leben geworden seid, dann ist sein Leben euer Leben, seine Probleme sind dann eure Probleme. Ebenso ist es mit dem Geist, schön langsam entwickelt sich im Kind, in euch als Kind meine ich, der Geist und ihr sagt: „Das ist mein Geist, mein Intellekt, meine Ideen, und überhaupt bin das alles ich“, dann erscheint der Ich-Gedanke. Besitzen oder sich einverstanden erklären „Jemand“ zu sein, das ist sehr angenehm, auf den ersten Blick zumindest, allerdings gibt es auch die Kehrseite der Medaille. Deshalb gibt es auch zwei Positionen, die das Bewusstseins einnehmen kann: Erstens – das Bewusstsein nimmt an diesem Spiel des Besitzes teil, d.h. es wird zu Jemandem und bekommt eine Art narkotischer Trunkenheit von all dem mit der logischen Konsequenz: ein Kater in Form von Leid. Die zweite Variante wäre, dass sich das Bewusstsein in der Materie befindet ohne trunken zu werden. Ihr befindet euch also in einem anderen Zustand in dem ihr auch Befriedigung empfindet, aber nicht aus der Trunkenheit heraus, dass ihr zu „Jemandem“ geworden seid. Beachtet also genau, wie dieser Mechanismus des Personalisierens funktioniert und versucht entsprechend darauf zu reagieren, schaut dabei nicht nur auf euch selbst, sondern auch auf die Menschen mit denen ihr zu tun habt. Wenn ihr diesen Mechanismus von außen erkennt, heißt das, dass ihr automatisch am richtigen Platz seid, von der richtigen Position aus beobachtet. Von welchem Platz oder Punkt aus kann man das beobachten? Wie wissen wir denn eigentlich, dass wir Gefühle haben, Emotionen, … wie wissen wir eigentlich, dass es eine Sonne am Himmel gibt? Auf dieselbe Art wissen wir von diesem Mechanismus. Wenn wir also davon wissen, wo ist der Platz von wo aus wir das wissen? Vom WISSENDEN geht alles aus, d.h. der Ort, der ursprünglich widerspiegelt, von dieser „uralten“ BASIS gehen wir aus. Wenn wir das begreifen, werden wir uns dem Ich-Gedanken gegenüber ziemlich entspannt verhalten. Fr: An sich ist das ja klar, was aber, wenn jemand mit einem Problem zu dir kommt und du lachst einfach über seine Probleme, das wäre doch nicht angebracht. Sumiran: Nicht human, ja. Zuhörer: Was soll man dann machen, wie soll man darauf reagieren? Sumiran: Wenn der Mensch versteht, dass es unter Umständen besser ist, nicht human zu sein, dann geht es ihm möglicherweise am Anfang nicht so gut, dafür aber wird es später leichter. Das ist wie mit einer Operation, zuerst schlecht, aber dann wird es dafür besser. Wenn man sich anfänglich Problemen anpasst, dann funktioniert alles zum gegebenen Zeitpunkt besser, jedoch wird es später schlechter. Ihr wisst das ja, wenn man sich an einen Menschen anpasst in seinem Lebensempfinden, dann wird er es mit euch angenehm haben, er denkt, dass ihr ihn versteht, später allerdings versinkt er noch tiefer in seinen Probleme, er verhaftet sich in seinen Problemen. Wir leisten also keine echte Hilfe, wir verhelfen einem Menschen lediglich zu einem zeitweisen Vergessen, er versucht mit eurer Hilfe sich zu vergessen. Deshalb sehe ich ganz klar, dass man sehr, sehr viel Liebe haben muss um mit Menschen hart umgehen zu können und manchmal ist es durchaus notwendig hart zu sein. Man kann einen Menschen verletzen und gerade deshalb ist es notwendig viel Mitleid zu haben, auch um eine passende Situation zu schaffen. Wie ein Arzt, der in einem bestimmten Moment Schmerzen zufügen kann, wenn er das allerdings nicht tut, stirbt der Mensch vielleicht. Der Arzt weiß, warum er so etwas tut und deshalb braucht er sowohl Verständnis, als auch Mitleid. Der Mensch oder Patient versteht vielleicht zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht, warum man mit ihm so umgeht. An dieser Stelle ist Weisheit gefragt, um zu fühlen, wie es einem Menschen wirklich geht, was und wie kann man etwas tatsächlich sagen, in einer ganz konkreten Situation. Ich lache so und so, zumindest innerlich lache ich immer, aber äußerlich kann ich durchaus mitfühlen. Manchmal kann ich mir nur mit viel Mühe ein Lachen verkneifen, ich verstehe dann auch schnell, dass derjenige, mit dem ich spreche mein lächelndes Gesicht überhaupt nicht begreift, er hat ja schließlich Probleme. In Wirklichkeit hat dieses Lächeln einen gesundenden Effekt und allmählich wird ein Teil der Leute das auch verstehen. Am Beginn glauben sie, dass man über sie lacht und gleich kommt das Ego und sagt: „Sieh her, man lacht über mich!“ Dann begreift er schnell, wer beunruhigt ist, dass man über ihn lacht. Weil der WISSENDE es liebt, wenn man lacht, er ist selbst der Lächelnde, deshalb gefällt es ihm besonders, wenn jemand lacht, er mag das, das Lachen selbst ist angenehm. Selbst wenn man über ihn lacht, mag er das auch. Er hat ja kein Bild von sich, kein Image, das er verteidigen müsste. Fr: Kann eine Egostruktur auf überpersönlicher Ebene entstehen? Kann es einen Menschen zur Egostruktur hinziehen, die dort existiert und bei Selbstidentifizierung im großen Stile sich als … Sumiran: Aus der Sicht der unbegrenzten Begrenztheit … (lacht) Der Geist ist durchaus fähig eine Vielzahl an differenzierter Egoformen zu schaffen: Es gibt also das Ego und über ihm steht noch eine Struktur, die man ÜberEgo nennt und darüber gibt es noch ein Ego zum Quadrat. Konzeptuell können wir unendlich viele Über-Egos erschaffen, Matrizen. Natürlich kann man sich damit befassen, aber sobald man eine Struktur überwindet scheint auch schon die nächste zu warten entdeckt zu werden, und dann muss man wiederum versuchen aus ihr heraus zu kommen. Das ist ein Art, wie der Geist immer wieder versucht zu überleben! D.h., wenn man in einem Raum diese Egostruktur erkennt und herausarbeitet wird sie gleich den nächsten Raum schaffen. Wir haben es schwer, wenn wir aus einer Wohnung rausgeworfen werden, wir haben es schwer eine zweite zu kaufen. Die Egostruktur hat es da einfacher, du beseitigst sie und im selben Atemzug schafft sie sich neuen Raum und erdreistet sich zu sagen: „Schau her, jetzt lebe ich eben hier. Nenne mich einfach Über-Ego.“ Es gab mal einen Wissenschaftler John Lylly, er experimentierte, lag in einer Lösung, die die Körpertemperatur unterstützte und die Anziehungskraft ausglich, man sah nichts und hörte nichts, absolut nichts. Was macht denn der Geist in so einer Situation? Ihm geht es schlecht, weil er absolut keine Signale empfängt, die Gefühlsorgane nicht arbeiten, WER bin ich denn dann, wie soll ich mich identifizieren, wodurch? Es entsteht ein unglaublicher Stress. Das erste Mal lag der Wissenschaftler nur drei Minuten und hatte panische Angst: „Holt mich raus, rief er, ich werde verrückt!“ Man holte ihn raus. Dann wollte er es noch mal probieren und man legte ihn wieder in diese Lösung. Was machte der Geist? Es waren keine Objekte da, keine Gefühlsimpulse, aus denen heraus er einen Raum hätte schaffen können, in dem er sich selbst hätte identifizieren können. Aus diesem Grund schuf er eine lichte Welt, wo zwei Wesen zu ihm kamen und er ganz lieb und nett mit ihnen die Zeit verbrachte, indem er sich mit ihnen unterhielt. Er wusste, wer er war, als er sich mit ihnen unterhielt. John Lylly, d.h. sein Geist modellierte einen völlig neuen Erlebnisraum in dem er sich rasch selbst erfand, schuf auch andere Objekte und ließ eine Beziehung zu diesen Objekten entstehen, sofort wurde ein Status geschaffen. Auf diese Weise konnte er eine ganze Stunde in der Lösung liegen. Hier muss man also begreifen, dass man besser gleich alle Spekulationen des Geistes beenden sollte: Es gibt den Wissenden, der das Weltall kennt, aber wer kennt diesen Wissenden, wahrscheinlich der Wissende, der wiederum den Wissenden kennt, und so weiter … eine endlose Kette an Wissenden folgt also. Man muss an diesem Punkt begreifen, dass es eigentlich nur zwei Dinge gibt: Personalisierung und Entpersonalisierung. Es genügt bis zwei zu zählen um die Erleuchtung zu erlangen. Fr: Und bis drei ist es nicht möglich? Sumiran: Bis drei … wird es kompliziert, da kommt man durcheinander. Wie funktioniert das alles: Es gibt den WISSENDEN, der alles weitere weiß, alles Weitere ist in jeden Fall Wissen. Es existiert der WISSENDE und das Wissen, nicht mehr. Wenn du dich aus dem Wissen heraus erschaffst, aus irgendwelchen objektivierten Aspekten, dann ist das das Ego. Wenn du dich nicht aus Objekten erschaffst, dann wirst du zum WISSENDEN, der nicht Wissen ist. Dieser WISSENDE ist allein, ist eins, er hat keine weiteren Ebenen, die Vielstufigkeit, also die vielen Ebenen befinden sich im Bereich des konzeptuellen Raums, d.h. des objektivierten Bereichs. Der WISSENDE, weil er nicht Objekt ist, kann er auch nicht fragmentarisch sein. Du kannst ihn nicht teilen, wenn du also auf ihn übergehst, dann wird dieser Übergang mit einem Male passieren, eine Art Quantensprung im Bewusstsein wird vollzogen. Wenn du das Gefühl hast, dass eine schrittweise Bewegung passiert, heißt das, dass du dich in deinem Traum bewegst. Wenn du erwachst, kannst du nicht zur Hälfte im Schlaf sein und zur anderen Hälfte in der Realität. D.h. du erwachst, kein Traum mehr, du verstehst, dass Traum Traum ist, aber das, was du siehst, ist die Realität. Im Traum kannst du dich bewegen, aber wenn du erwachst, verstehst du, dass all die Bewegung bedingt oder relativ war, du befindest dich an einem bestimmten Punkt des Raumes, und du warst immer hier, das passiert alles sofort. Hier passiert das Gleiche, das Gefühl des Erwachens, solange es als eine Art Matrix des Entdeckens passiert, so befindest du dich trotzdem noch innerhalb eines Traums, aber dieser Traum kann zum Erwachen führen. D.h. wenn du erwachst schläfst du weniger stark, dann beginnst du Klänge zu hören aus dieser Welt. Aber der eigentliche Moment des Aufwachens ist in seiner Art immer ein Quantensprung. Man kann ja schwer sagen, dass man zur einen Hälfte im Schlaf ist und zur anderen Hälfte hier ist. Wenn du also erwacht bist, bist du schon hier. Fr: Warum ich diese Frage gestellt habe, hat folgenden Grund: Wenn dieser Übergang passiert, passiert auch eine Intensivierung der Wünsche, es ist dabei allerdings keine Selbstbestimmung als Persönlichkeit vorhanden, momentan vergrößert sich die Intensität nicht nur der Erlebnisse, sondern auch irgendeiner Dynamik, weiß auch nicht, wie ich das nenne soll, der Willenskraft. Ist der Wunsch an sich nicht ein Anzeichen von Ego? Sumiran: Nein, Wunsch ist Energie. Sieh her, wenn der persönliche Anteil schwächer wird, ich spreche von dem konzeptuellen Teil, den dir die Gesellschaft aufgezwungen hat, irgendein Konzept etwa, dann bleibt deine eigene energetische Matrix übrig, d.h. ein Bild dieses energetischen Zustandes, ohne aufgestülptes Konzept. Es ist klar, dass wenn ihr aufhört von diesem konzeptuellen sozialen Überbau kontrolliert zu werden, dass diese Energien plötzlich stärker in Erscheinung treten. Wenn du, angenommen, Aggressionen hattest, aber deine Erziehung gesagt hat, dass das nicht gut ist, dann ist es nur logisch, wenn du die Erziehung zurücklässt, diesen sozialen Überbau eben, dass du das Gefühl hast, dass du um vieles aggressiver Geworden bist. Wenn etwa deine Sexualität unterdrückt worden ist, dann wird sie, sobald du dich von der sozial bedingten Überschicht befreit hast, verstärkt zu Tage treten. Das bedeutet, dass du einen Übergang von der Persönlichkeit zur Individualität vollziehst. Das ist allerdings keine Verstärkung des Ego, im Gegenteil es war das Ego, dass dir nicht erlaubte reelle energetische Faktoren zu beachten und es hat bedeutet, dass das Ego versuchte die Energie zu kontrollieren. Sobald man sich des Ego entledigt hat, existiert die Energie so, wie sie ist, so wie es deinem energetischen Muster entspricht, du wirst es dann mit einer Intensität empfinden, die nicht von einem Konzept oder von Moral abgeschirmt wird. Fr: Wenn ich also sehr zielgerichtet einen Wunsch fühle, ihn besser durchkommen lasse, heißt das nicht, dass mein Ego weiter wurde, sondern eher umgekehrt, ich verlasse diesen engen Rahmen, richtig? Sumiran: Ja, du gehst tatsächlich über die Grenzen der sozialen Struktur hinaus, auch der persönlichen natürlich, und trittst in die individuelle ein, in jenes energetisches Muster, das die Natur in dir angelegt hat. Was ist das Ego denn, es ist nicht deine Energie, nicht die Kraft deiner Wünsche oder Bedürfnisse. Das Ego ist die Eigenschaft diese Wünsche besitzen zu wollen. Das Ego sagt also: „Ich besitze das“, das ist das erste, was das Ego sagt, das zweite ist dann, dass es entscheidet, was sein soll und was nicht sein soll, was du fühlen darfst und was du nicht fühlen darfst. Das alles geht vom Ego aus. Aber das Gefühl selbst, die Intensität, ist schon nicht mehr vom Ego, das ist dein natürlicher energetischer, individueller Teil. Hier könnte man in folgende Situation geraten: Wenn du die Persönlichkeit loslässt und in den energetischen Bereich übertrittst, dann gelangst du in den natürlichen, tierischen Teil, du könntest also zu einem Tier werden. Wenn man also den zivilisatorischen Teil von sich zurücklässt und nur den energetischen Teil übriglässt und man es verabsäumt einen ergänzenden Faktor einzubringen, wie etwa, Bewusstwerdung oder den höheren Intellekt, dann gehst du in ein tierisches Leben über. D.h. du wirst sicher nicht zum Neurotiker, natürlich, du wirst einfach zu einem gesunden Tier. Evolutionstechnisch gesehen, ist das aber ein Schritt zurück. Deshalb sollte man zuerst folgendes machen: ja, man kann den sozialen Überbau ablegen, aber man sollte unbedingt das Element der „Meditation“ einfließen lassen. Wenn diese Dominante fehlt, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder ein biederer, konformer Bürger zu sein oder ein Anarchist oder Hippy, also Leute, die meist völlig unstrukturiert leben. Wenn wir also weder in der einen noch in der anderen Form enden wollen, müssen wir zusehen eine Art dritte Kraft in unser Leben einzuführen, die Selbsterkenntnis oder Bewusstwerdung ist, d.h. also die Fähigkeit in das Leben ein Element der Strukturiertheit zu bringen, ohne sich dabei konzeptionellen Begrenzungen und Normen zu beugen. Dies sollte mit dem ganzen Gespür und Sensibilität unseres Bewusstseins vor sich gehen, dann können wir unser energetisches Leben und das unserer Umwelt in ein Gleichgewicht zu bringen. Wofür wurde ein Sozium, ein Staat geschaffen? Um die energetischen Ausbrüche der einzelnen Individuen zu bündeln und auszugleichen. Wie schaffen wir ein Sozium? Mit Hilfe äußerer Normen, d.h. der Staat sind äußere Normen, die dem Individuum auferlegt wurden, seinem energetischen Bild, um zumindest irgendwie ein Zusammenleben zu ermöglichen, nicht „nach dem Gesetz der Herde.“ Hier muss es logischerweise immer einen Konflikt geben, weil eben Normen, die von außen herangetragen werden, die Energie begrenzen und kontrollieren, es entsteht gewissermaßen eine Spannung. Es taucht folgende Frage auf: Können wir in uns jene Kraft finden, die fähig ist unseren energetischen Teil zu balancieren, den wir und unsere Umwelt darstellen? Auf welche Art und Weise geht das vor sich: Wenn ich erwacht bin, bewusst geworden bin, verstehe ich, dass der andere eben nicht ein anderer ist, auf der Ebene des Seins, auf der Ebene der Basis, der Essenz, sind wir überhaupt eins. Wenn ich also nun beginne jemandem zu schaden, dann wird sich das zu gegebener Zeit auf mich auswirken. Das sind dann für mich keine leeren Worte, ich verstehe das in diesem Zustand in seiner ganzen Tiefe. Auf der Ebene des Körpers passiert das auch schon und stellt keinerlei Schwierigkeit dar, das zu begreifen, ich nehme wahr, dass ich hier ein Ganzes bin. Wenn etwa ein Finger schmerzt gehe ich nicht einfach her und schneide ihn ab, wozu brauche ich einen kranken Finger? Hier ist es ganz dasselbe. Wir werden eine innere Ausgeglichenheit finden, wir werden das soziale Leben in Balance bringen, wenn wir lernen vom Verständnis, vom Gefühl und vom Wissen auszugehen, dass wir eine gemeinsame Grundlage oder Basis sind und wir deshalb im Umgang miteinander uns so begegnen müssen, dass jeder Ausgang für beide Seiten von Vorteil ist. Fr: Angenommen du befindest dich in diesem Zustand und es passiert, dass zwei Personen einander beleidigen und du empfindest das als persönliche Attacke, d.h. du siehst keinen Unterschied zwischen dir und dem, den man beleidigt. Deine Identifizierung mit dem Menschen, den man beleidigt, ist vorhanden, mit dem der beleidigt jedoch nicht. Deshalb empfindest du das als persönliche Beleidigung mit der ihr innewohnender Dynamik. Sumiran: Das ist ja eigentlich nicht so übel! Du gehst tief in dich hinein und mit einigen Menschen beginnst du eine Nähe zu fühlen, etwa mit jenen die unterdrückt werden. Wenn diese Leute unterdrückt werden, entsteht in dir eine Resonanz. Wenn du dann noch tiefer gehst, wird dir auffallen, dass auch eine Verbindung mit jenen hast, die diese schlechten Taten vollbringen und du wirst verstehen, warum Dinge dieser Art überhaupt passieren. Es wächst Weisheit in dir und du beginnst zu verstehen, dass sowohl das Opfer als auch der, der das Opfer erniedrigt, beide Teil eines Ganzen sind. Dir scheint es unmöglich, dass sich beide in Synthese befinden können, es sind ja schließlich Antagonismen, wie könnten sie denn zwei Teile eines Ganzen sein, wenn einer den anderen vernichtet. Unsere Einsicht oder Tiefe reicht für gewöhnlich nicht aus um zu erfassen, dass dem Universum eine Dynamik zugrunde liegt in der ständig jemand jemanden zerstört. Darauf ist unsere gesamte Nahrungskette aufgebaut, ständig frisst jemand jemanden. Darauf baut das gesamte Universum auf: Das ganze biologische Leben ist auf gegenseitiger Zerstörung aufgebaut. In dieses Zerstören hat die Natur eine Weisheit eingebaut: Indem wir uns ständig gegenseitig fressen, ermöglichte sie Milliarden Jahre von Leben, von Leben als solches. Wenn also jemand jemanden umbringt, dann ist das fragmentarisch betrachtet absurd, wenn wir diesen Fall aber in seiner Gesamtheit betrachten, können wir verstehen, dass das unter bestimmten Gesichtspunkten unvermeidbar und vorherbestimmt ist. Und dann empfindest du Mitleid dem Opfer gegenüber, weil du dessen Leid mitempfindest, gleichzeitig aber entsteht keine Aggression dem Täter gegenüber. F: Für mich gibt es da eine eher negative Beziehung zur Dynamik zwischen diesen beiden Existenzen, die im Grunde genommen jedoch eins sind. Es scheint mir eine Gegenüberstellung zu passieren, zwei Zeichen also, und auf diese Zeichen entsteht eine Reaktion. Sumiran: Ja, aber auf was musst du denn schauen? Ich versuche dir diesen subtilen Mechanismus zu erklären, der für alle wichtig ist, die angeblich eine Ungerechtigkeit sehen, ich meine „angeblich“ ganz bewusst, all das kann natürlich Schmerz hervorrufen. Es gibt unangenehme psychologische oder energetische Situationen, in denen es euch schlecht gehen wird, wenn ihr sensibel seid. Weiter entsteht ein Unwillen Schmerz zu erleben oder zu empfinden, ihr wollt nicht, dass ihr Schmerz empfindet! Und gerade deshalb, entsteht eine bestimmte Beziehung zu einer bestimmten Situation. In Wirklichkeit ist das keine Beziehung zur Situation, sondern die Beziehung zum Schmerz. Wir sagen uns ständig: „Ich will nicht, dass es mir schlecht geht, und weil ihr euch so verhält, das es mir schlecht geht, will ich folglich nicht, dass ihr euch so verhält, ihr dürft das nicht machen“. Wenn man die Sache genau betrachtet, so ist zuerst die Frage des Schmerzes jene, die auftaucht und dann die Frage der Unfähigkeit diesen Schmerz zu durchleben, ohne Aggression und Ansprüche. Wir sind also aggressiv gegenüber unserem Schmerz, deshalb passiert eine Übertragung: Wir sind jenen gegenüber aggressiv, die uns den Schmerz zufügen. D.h. zuerst sind wir gegenüber unserem Schmerz aggressiv, ihr wollt also nicht, dass es ihn gibt. Es ist uns ja bekannt, dass wir wenn wir irgendeine körperliche Krankheit haben, die wir lange nicht zu heilen imstande sind, beginnen aggressiv zu reagieren:„ Warum ist das so?“ Sie dauert so lange, dass es nicht möglich ist, diese Krankheit auf die Umstehenden zu „übertragen“. Wenn der Schmerz fragmentarisch ist, fünf Sekunden etwa, und ihr sagt: „Oh ich habe mich über ihn geärgert“, und wenn der Schmerz euch auf die Nerven geht, dann versteht ihr, dass es nicht andere sind, die euch nerven, sondern es ist der Schmerz selbst, der euch zu schaffen macht. Fr: Wie kann man dann das überpersönliche Verständnis, dass das alles ein Ganzes ist, ich und diese Leute eins sind, all das miteinander in Einklang bringen, während Schmerz ja ein zutiefst egoistischer Antrieb ist … Sumiran: Nein, Schmerz ist ein Teil des Ganzen. Fr: Aber meine Nichtannahme des Schmerzes ist doch eine Reaktion des Ego, oder? Sumiran: Und das ist auch ein Teil des Ganzen, das ist alles ein Teil des Ganzen, die Frage ist nicht die, dass du beginnst alles zu retuschieren, die Nichtannahme des Schmerzes wegzuräumen. Du trittst einfache direkt in jenen Raum ein, von dem ausgehend du alles mit anderen Augen wahrnimmst. Aus diesem Raum wirst du diese zwei Menschen anders sehen, auch deine Reaktion darauf und die Reaktion deines Egos wird eine anderer sein. Das, was hier ist, bleibt alles da, du überträgst jedoch dich selbst, als Sehender, als Wissender, in einen völlig anderen Raum, der aus einer völlig anderen Dimension kommt, eine Dimension die sich nicht in dieser Welt befindet und nicht in dieser Informationsmatrixe. D.h. es bleibt dir alles erhalten: Ego, Reaktionen, Eigenheiten, aber jener, der von diesen Dingen weiß, ist nicht mehr der, als den du dich jetzt wahrnimmst. Du wirst also zu einem Wesen einer völlig anderen Dimension. D.h. auch der Punkt änderst sich, dass du keine Probleme mehr löst, du wirst ihnen gegenüber einfach transzendent, sie bleiben, hören aber auf Probleme zu sein. Es gibt Situationen, die aus einem anderen Raum betrachtet, wie energetische Bilder aussehen. Wenn du also aus einem anderen Raum Probleme betrachtest, dann hören sie auf Probleme zu sein, sie werden zu einem Spiel des Lebens. Fr: Es ist ein Spiel, aber wenn du dich in dieser Situation befindest, kannst du ja trotzdem auswählen, zumindest taucht ein Gedanke auf, entweder diese Situation zu lösen und sie hört auf zu sein oder die Situation setzt sich fort und du beobachtest, aber vorteilhaft wäre es dennoch, diese zu lösen, weil … Sumiran: Ob du nun die Situation löst oder eben nicht, du bist in jedem Fall nicht ganz zufrieden, weil es du bist, der alles macht. Solange du der „Tuer“, der Handelnde bist, was du auch immer gemacht hast, es wird das Gefühl zurückbleiben, dass man es hätte besser machen können oder vielleicht anders. Da gibt es keine andere Variante. Was immer du im Namen der Persönlichkeit machst, es wird immer ein Gefühl übrig bleiben, dass es irgendeine nicht ganz perfekte Sache ist, die du gemacht hast. Du kannst dich also in eine Sache einmischen und es wird nur Blödsinn dabei rauskommen, wenn du dich nicht einmischt, kommt dasselbe heraus. Weil du eben das Gefühl hast, du wärst irgendeine Person, die so oder so kann, aber was immer du auch machst, es bleibt das Gefühl, dass irgendetwas nicht ganz passt. Um zu gewährleisten, dass dieses Gefühl nicht auftritt, sollte man die Dinge von einer anderen Position aus betrachten, sich an einem anderen Platz der Wahrnehmung befinden. Von diesem Platz aus erkennt man genau, dass man sich in die Situation einmischen kann und alles gut wird, du hast Freude daran, du mischt dich nicht ein und trotzdem freust du dich. Der Schwerpunkt liegt also nicht darin, was du machst, sondern darin, wie du die Situation erlebst, das wird jetzt wichtig. Wenn du dich darauf konzentrierst, was du tust, ohne zu beachten von welchem Ort aus du erfährst, erlebst, … was immer du auch tun wirst, es wird ein subtiles unbefriedigendes Gefühl bleiben. Das ist ein Faktum. Es gibt eine Menge von Menschen, die Möglichkeiten haben etwas zu tun, Politiker, Präsidenten, sie alle haben wirklich unendlich viele Möglichkeiten, aber sie haben immer das Gefühl, dass das Volk nicht so lebt, wie sie es gern hätten, Gesetze nicht beachten usw. Sie mischen sich also aktiv ein, aber was haben sie in dieser Welt schon verändert? Sind die Kriege, Armut und die Korruption etwa weniger geworden? Aber alle greifen ein. Wenn man sich nun nicht einmischt, was passiert dann: Revolution, Anarchie, es kommt die Opposition an die Macht. Das ist das Resultat eines sich „Nicht-Einmischens“. Wenn wir es aber tun, haben wir totalitäre Regime, Gefängnisse. Beide Seiten sterben enttäuscht. Im individuellem Leben passiert dasselbe, du kannst beginnen dich einzumischen und je mehr du das tust, umso größer wird der Widerstand der Menschen: Warum mischt du dich in mein Leben ein? Wenn du dich aber nicht einmischt, muss man sich den Vorwurf gefallen lassen, gleichgültig gegenüber allem zu sein. Wenn es uns nicht gibt, ist alles einfach: Man kann niemandem einen Vorwurf machen. Der Mensch kommt, und dich gibt es nicht, wem sollte man da Vorwürfe machen? Niemandem. Deshalb sollte man nicht sein, nicht hier sein, d.h. subjektiv gesehen gibt es dich hier nicht, objektiv passieren einige Handlungen, ob du nun eingreifst oder nicht hängt sehr stark von deinem energetischen Muster ab, davon wie du programmiert bist, von deiner Erziehung, welche Kindheitstraumata du erlebt hast, das alles wird bestimmen, was dein psychologischer Organismus machen wird. Und möge dieser psychologische Organismus sein Leben leben währen du dich in einem anderen Punkt befindest. Das befreit die Situation von psychologischer Spannung, völlig unwichtig dabei ist, wie sich die Situation entwickelt, sie wird so sein, wie sie eben sein soll. Probleme wird es keine geben, wenn du dich in der richtigen Form der Selbstwahrnehmung befindest, und wenn nicht, gibt es sowieso immer Probleme.