DOCX, 24,38 kB - Manga-Comic-Con

Werbung
Manga-Comic-Con
(17. bis 20. März 2016)
Leipzig, 23. Februar 2016
Manga-Comic-Con rückt Nachwuchszeichner in den Fokus
Interview mit Reyhan’s Artwork, Eva Yabai und Sushi
Sailor Moon, Yu-Gi-Oh! und Digimon: Die Ausstrahlung japanischer Anime in Deutschland
erzeugte einen Manga-Boom. Seither wächst die Fangemeinde der japanischen Comics
stetig. Die internationalen Zeichner sind längst Stars in der Szene, doch auch hierzulande
treten immer mehr Künstler ins Rampenlicht. Wir haben mit drei Zeichnern von MCC Kreativ
gesprochen, für die japanische Comics längst mehr als ein Hobby sind.
Reyhan Yildirim (Reyhans’s Artwork, MK135), Eva Stöcker (Eva Yabai, MK141) und Lydia
Heymach (Sushi, MK 212) sind mit Mangas groß geworden. Reyhan hat sich in Brühl als
Künstlerin selbständig gemacht, ihr Markenzeichen: fantasievoll ausgeschmückte
Fabelwesen im Shōnen-Stil. Eva ist in einer Berliner Werbeagentur beschäftigt und betreibt
das Zeichnen ihrer von Manga beeinflussten Illustrationen als Hobby. Lydia Heymach
studierte Mediendesign und Medieninformatik, in ihren Zeichnungen verbindet sie
unterschiedlichste Stile und hat damit längst eine große Fangemeinde gefunden.
Reyhan’s Artwork: Eigene, aufwändige Charaktere sorgen für den Durchbruch
Du kannst seit ein paar Jahren vom Verkauf deiner Kunst leben. Wie ist dir das
gelungen?
Ich habe immer hart an mir gearbeitet und frühzeitig an Manga-Wettbewerben
teilgenommen, um mich mit anderen Künstlern zu messen. In der Szene bin ich bekannt
geworden, weil ich eigene Charaktere – vor allem Fabelwesen – schaffe und diese
aufwändig illustriere. Gerade habe ich zum Beispiel die ägyptische Götterwelt neu
interpretiert. Dabei bemühe ich mich um einen individuellen Stil, der sich an den etwas
dynamischeren Shonen-Manga anlehnt, aber mehr Ausschmückungen hat. Der eigentliche
Durchbruch kam vor zwei Jahren, als ich für die Teilnahme an der Manga-Con Yukon zwei
Drachen-Charaktere „Ao Shun“ und „Ddraig Goch“ entworfen habe, die bei meinen Fans auf
Facebook sehr gut ankamen und bis heute neben meinen ägyptischen Charakteren sehr
gefragt sind.
Wo verkaufst du deine Zeichnungen?
Ich präsentiere meine Sachen auf Conventions, verkaufe aber hauptsächlich über Facebook,
wo ich mir in den letzten Jahren eine große Fanbase aufgebaut habe. Dazu muss man
sagen, dass sich der Schwerpunkt meiner Arbeit mittlerweile auf Merchandising-Artikel
verlagert hat, also Poster, Karten, Sticker, Anhänger, Tassen usw. Für die Manga-Comic-Con
habe ich ein komplett neues Sortiment entworfen mit vielen hochwertigen Produkten wie
einer Wanduhr aus Acrylglas.
Wie wichtig ist es für dich denn überhaupt noch, bei einem Verlag zu veröffentlichen?
Früher war mir das sehr wichtig, weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie ich sonst von meiner
Arbeit leben soll. Glücklicherweise wurde ich von Joachim Kaps, dem Verlagsleiter von
Tokyopop, angesprochen, nachdem ich 2003 einen Preis bei einem Manga-Wettbewerb
gewonnen hatte. Bei Tokyopop ist zunächst ein Beitrag von mir in einer Anthologie („MangaFieber“) erschienen, 2008 kam dann mein erstes eigenes Buch („Tylsim“) heraus, und später
durfte ich eine weitere Geschichte zu einer Anthologie („Grimms Manga“) beisteuern. Da ich
heute auf eigenen Beinen stehe, ist die Veröffentlichung in einem Verlag aber nicht mehr
mein Hauptziel.
Spielt der Austausch mit anderen Künstlern für dich eine Rolle?
Auf jeden Fall, denn im Gespräch mit Gleichgesinnten kommt man auf neue Ideen, zum
Beispiel bei Vermarktungsfragen. Wenn ich etwa ein Artbook herausbringe, das etwas teurer
ist, überlegen wir gemeinsam, was man als Gimmick dazulegen könnte, um die Leute nicht
abzuschrecken. Wir kritisieren aber auch gegenseitig unsere Zeichnungen, und wir treffen
uns sogar ein- bis zweimal im Monat in einem Café, um zu zeichnen.
Wie vielfältig ist denn die Mangaszene in Deutschland?
Es gibt viele Zeichner, die einen eigenen, unverwechselbaren Stil haben. Und immer mehr
Künstler können vom Zeichnen leben, was mir wirklich große Freude bereitet. Andererseits
fehlt mir gerade bei der jüngeren Generation die Leidenschaft für das, was sie tun. Oft geht
es nur noch darum, schnell bekannt zu werden, statt sich an Vorbildern zu schulen und
wirklich an sich zu arbeiten. Ich habe das Gefühl, dass man nur noch für andere zeichnet
und nicht mehr für sich selbst. So was kann zu großer Frustration führen. Daher ein Rat an
angehende Zeichner: Zeichnet das, was IHR wollt und nicht das, was gerade beliebt ist oder
andere von euch erwarten. Kreiert etwas eigenes, das euch repräsentiert und arbeitet hart
für eure Ziele.
Eva Yabai: Comics sind kleine Meisterwerke
Wie wird man Comic-Zeichner?
Indem man zeichnet, denn eine wirkliche Ausbildung zum Comic-Zeichner gibt es in
Deutschland – anders als beispielsweise in Japan – nicht. Es ist schon ein Luxus, dass ich
während meines Kommunikationsdesign-Studiums ein Seminar im Comic-Zeichnen
besuchen konnte. Erst hier habe ich wirklich gelernt, dass Comics kleine Meisterwerke sind,
die immer noch total unterschätzt werden.
Wolltest du deshalb das Hobby nie zum Beruf machen?
Man wird hierzulande mit dieser an sich guten und ehrlichen Arbeit immer noch nicht ernst
genommen, was sich auch daran zeigt, dass sie nicht gut bezahlt wird.
Trotzdem gibt es ja derzeit in Deutschland einen unglaublichen Manga-Boom …
Es gibt sehr viele talentierte Künstler, die sich durch die sozialen Medien nun auch viel
besser untereinander und mit ihren Fans vernetzen können. Auf der anderen Seite haben die
Conventions riesigen Zulauf. Hier kann man auch beobachten, wie sich die Szene in den
letzten Jahren professionalisiert hat: Heute haben nicht nur die Zeichner mit Verlagsvertrag
einen schönen Stand, sondern auch diejenigen, die sich ohne Verlag im Rücken eine große
Fanbase aufgebaut haben. Die Stände werden ausgebaut und mit Bannern und Plakaten
ausgeschmückt, die Qualität der Druckwaren ist gestiegen und das Merchandising hat
zugenommen. Ich lasse mich von diesen Entwicklungen inspirieren und werde zum Beispiel
mein Regal in diesem Jahr auch in die Höhe bauen.
Klingt nach Konkurrenzkampf …
Überhaupt nicht. Für mich sind Conventions wie große Familientreffen. Selbst wenn man
keinen Tisch bekommt, geht man hin, um Freunde zu treffen und sich von der Arbeit anderer
Künstler inspirieren zu lassen.
Sind Conventions eine gute Gelegenheit, um sich bei Verlagen zu bewerben?
Sicher. Man sollte dann aber darauf achten, nicht nur einzelne Illustrationen mitzubringen,
sondern bereits eine gute Story und einen eigenen Stil präsentieren.
Gibt es von dir schon eine Veröffentlichung?
Nein, ich habe das in den letzten Jahren aber auch nicht ernsthaft verfolgt, denn es ist mit
sehr viel Stress verbunden. Zur Manga-Comic-Con möchte ich aber in Eigenregie ein
Kinderbuch drucken und habe mich dafür mit einem Texter zusammengetan. Da muss man
sich als Comic-Zeichner auch ganz klar seine Grenzen eingestehen.
Sushi: Raffiniertes für jeden Geschmack
Wie sah bisher Dein Weg in die Mangaszene aus?
Ich schwimme schon länger in den Gewässern der deutschen Mangaszene und fühle mich
hier sehr wohl. Angefangen hat es bei mir, wie bei vielen meiner Altersgenossen, mit Sailor
Moon. Nicht nur der exotische Stil, sondern auch die Themenvielfalt und emotionale Tiefe
dieser Comics haben mich begeistert. Über die Online-Plattform Animexx fand ich
Gleichgesinnte und stellte zum ersten Mal meine Zeichnungen im Internet aus. Hier habe ich
viele nette Leute kennen gelernt, die ich später auch im „real live“ als Freunde gewinnen
konnte.
Wann hast du dich zum ersten Mal auf einer Messe präsentiert?
2006 wurde das KaKAO-Projekt auf Animexx gegründet. KaKAO steht für Karten Kunst
Auflagen und Originale. Es handelt sich um liebevoll handgefertigte Künstlerkarten, die
getauscht und verkauft werden können. Ich war lange Admin des ursprünglichen KaKAOZirkels auf Animexx, und habe für die Verbreitung und Bekanntmachung dieses Formates
gewirkt h sehr viele Leute kommen und sich auch „ganz normale Besucher“ der Buchmesse
in den Kreativbereich verirren: eine sehr angenehme Abwechslung.
Dein Künstlername lautet Sushi. Dürfen wir da auf der MCC etwa Rohes erwarten oder
etwas ganz Raffiniertes?
Haha! Mein persönliche Sushi Bar hat natürlich Raffiniertes für jeden Geschmack zu bieten –
will ich doch hoffen. Der Name war ursprünglich nur mein Nickname auf der OnlineCommunity Animexx.de. Aber er ist leicht zu merken und blieb so einfach hängen. Aber klar:
Sushi steht für Feinkost und eine große Auswahl – das passt tatsächlich gut zu mir, da ich
mich stilistisch nie zu stark festlegen möchte.und in dieser Funktion Stände auf Conventions
betreut. Inzwischen ist das ein großes Phänomen mit eigener Webseite und von keiner
Convention mehr wegzudenken.
Wann hast du dich erstmals mit eigenen Zeichnungen und Produkten präsentiert?
Als sich die Künstlertische bei Cons immer mehr etablierten, habe ich erstmals selber
ausgestellt – anfangs mit Zeichnerfreunden der dafür gegründeten Künstlergruppe
KaBOOM! Die Künstler und Bastler der Gruppe treten eigenständig auf, gelegentlich werden
aber gemeinsame Projekte auf die Beine stellt, wie ein gemeinsam gestaltetes Schwarzer
Peter Spiel, unseren Adventskalender oder ganz aktuell ein gemeinsames Buchprojekt, das
bald erscheinen soll. Inzwischen bin ich aber auch allein auf Messen vertreten.
Was zeigst du in Leipzig?
Neben meinem eigenen Sortiment aus Print- und Merchandiseprodukten, sowie
Wunschzeichnungen vor Ort, beherberge ich an meinem Stand auch die Anthologie Vernarrt!
zu der ich selber einen Beitrag beigesteuert habe. Das wird mein erster abgedruckter Manga
sein, deshalb bin ich natürlich sehr aufgeregt.
Welche Bedeutung hat die MCC für die Szene?
Bevor es die MCC gab, bot die Leipziger Buchmesse nur wenig Möglichkeiten, sich als
Hobbykünstler zur präsentieren. Mit der eigenen Manga-Comic-Con haben wir nun viel mehr
Platz. Und eine großartige Atmosphäre. Die Leipziger Buchmesse und MCC sind ganz fett in
meinem Kalender markiert. Die MCC ist eines der größten und wichtigsten Events im ConJahr, weil hier wirklich sehr viele Leute kommen und sich auch „ganz normale Besucher“ der
Buchmesse in den Kreativbereich verirren: eine sehr angenehme Abwechslung.
Im Bereich MCC Kreativ der Halle 1 präsentiert sich neben etablierten Künstlern vor allem
der kreative Nachwuchs. Gezeigt werden Fanarts, Dojinshis und eigene Comics, Poster,
Sticker, Buttons, Artworks, Kakao-Karten, selbstproduziertes Merchandising wie
Schlüsselanhänger, Tassen, Plüsch, Schmuck, Taschen, Shirts, Origami und vieles mehr.
Über die Manga-Comic-Con (MCC)
Die zweite Auflage der Manga-Comic-Convention 2015 verzeichnete mehr als 93.000 Besucher. Die
MCC findet im Rahmen der Leipziger Buchmesse statt und ist von Donnerstag bis Sonntag zwischen
10.00 und 18.00 Uhr geöffnet. Halle 1 ist Manga, Comics, Games und Cosplay gewidmet, in Halle 2
lädt die Fantasy Leseinsel ein. Buchkunst und Grafik sind in Halle 3 zu finden, die Bereiche Graphic
Novel sowie die Independent Verlage in Halle 5.
Ansprechpartner für die Presse:
Julia Lücke
Pressesprecherin Leipziger Buchmesse
Tel.: +49 (0) 341 / 6 78 6555
Fax: +49 (0) 341 / 6 78 16 6555
E-Mail: [email protected]
Manga-Comic-Con im Internet:
http://www.manga-comic-con.de
Leipziger Buchmesse im Internet:
http://www.leipziger-buchmesse.de
Leipziger Buchmesse im Social Web:
https://www.facebook.com/leipzigerbuchmesse
https://twitter.com/buchmesse
https://instagram.com/leipzigerbuchmesse
Herunterladen