Allgemeines Vorwort

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Der Autor – Dr. Michael Eaton
Dr. Michael Eaton ist ein international anerkannter und
respektierter Theologe, Autor, Prediger und Lehrer.
In London/England geboren und aufgewachsen, studierte er
unter J.I.Packer, J.A.Motyer und Professor Adrio König, einem
der führenden Theologen Südafrikas. Als Mitglied der
„Westminster Chapel“, London, profitierte er von seinen
Pastoren Dr. Martyn Lloyd-Jones und Dr. R.T.Kendall.
Dr. Michael Eaton hat Abschlüsse der Universitäten in London,
Sambia und Süd-Afrika und studierte „Altes Testament“ am
„Tyndale House“, Cambrigde, wo auch sein Kommentar zum
Buch „Prediger“ als Tyndale-Commentary veröffentlicht wurde.
Dr. Michael Eaton promovierte unter dem Thema: „Der Christ
und das mosaische Gesetz“ – veröffentlicht in seinem Buch: „No
Condemnation – A Theology of Assurance of Salvation“.
Seine Mitgliedschaft und Verbindung zur Westminster Chapel in
London reicht Jahrzehnte zurück und in weiteren Büchern
befasst er sich u.a. mit den Puritanern und der Theologie von Dr.
Martyn Lloyd-Jones.
Dr. Michael Eaton unterrichtete am „Baptist Theological
College“ in Süd-Afrika und der „Nairobi School of Theology“. Er
war Pastor der „Lusaka Baptist Church“ in Sambia und der
„Nairobi Baptist Church“ in Kenia. In seinen Jahren als Pastor in
Johannesburg/Südafrika gehörte er zu den Pionieren der
gemischtfarbigen Kirchen und Gemeinden.
Seit 1986 gehört er zu den Leitern der „Chrisco Fellowship of
Churches“ in verschiedenen Ländern Afrikas, Europas und
Indiens.
Heute ist Dr. Michael Eaton als Prediger weltweit unterwegs.
Dr. Michael Eaton und seine Frau Jenny Eaton leben in
Nairobi/Kenia, wo er 1992 von Präsident Daniel Arap Moi die
kenianische Staatbürgerschaft erhielt.
2
Durch die Bibel predigen
… ist eine Reihe biblischer Auslegungen, zugeschnitten auf
eine weltweite Leserschaft. Der Aufbau, durch eine klare
Gliederung, kommt denen entgegen, die ihr Material gern in
klaren Punkten formuliert lesen möchten, oder – wenn sie
Prediger sind - es in dieser Form weitergeben möchten. Obwohl
diese Auslegungen, oberflächlich betrachtet einfach gehalten
sind, basieren sie doch auf einem hohen wissenschaftlichen
Fundament und versuchen die theologische und praktische
Botschaft jedes biblischen Buches klar und sachlich zu
formulieren. Einfachheit des Stils bedeutet nicht Einfachheit des
Inhalts, denn Gottes Wort muss gründlich ausgelegt werden,
aber die Sprache muss einfach und verständlich bleiben.
Der Autor Michael Eaton versteht es, diesen Weg zu gehen.
Innerhalb der Serie „Durch die Bibel predigen“ hat der Autor
bisher bereits alle 66 Bücher der Bibel kommentiert und in
englischer Sprache sind diese auch bereits veröffentlicht.
Darüber hinaus hat Dr. Michael Eaton verschiedene weitere
Bücher veröffentlicht. Eine komplette, ständig aktualisierte Liste
finden Sie auf seiner Webseite. Hier finden Sie auch weitere
Information, sowie viele seiner Predigten kostenlos zum
herunterladen. (www.michael-eaton.de)
Die Serie „Durch die Bibel predigen“ eignet sich hervorragend
für das persönliche Studium, zur Predigtvorbereitung oder für
Hauskreise.
Als Telliton-Verlag freuen wir uns, die Auslegung zum
„Markus-Evangelium“ als weiteres Buch von Dr. Michael Eaton
in deutscher Sprache herauszugeben.
3
Titel der Originalausgabe,
Preaching Through The Bible – Mark
©1998, Dr. Michael Eaton
International Biblical Teaching Books
Sovereign World Trust, United Kingdom
Übersetzung aus dem Englischen,
Carl Martin Plettenberg
Deutsche Ausgabe
©2012, Dr. Michael Eaton
Alle Rechte liegen ausschließlich beim Autor.
Ohne ausdrückliche Genehmigung des Verfassers und des Verlages ist es nicht
gestattet, das Buch oder Auszüge daraus in irgendeiner Art zu vervielfältigen
oder zu veröffentlichen.
Webseite des Autors mit einer kompletten Liste aller Bücher und vielen
Informationen und kostenlosen Downloads, www.michael-eaton.de
Verlag:
Telliton . Strückerberger Straße 52 . D- 58256 Ennepetal
Mail: [email protected]
Druck: cpibooks
ISBN: 978-3-9815069-2-1
4
Allgemeines Vorwort
Es ist heute mehr denn je nötig, eine Reihe biblischer
Auslegungen für eine weltweite Leserschaft zu haben. Diese
Auslegungen müssen durch eine klare Gliederung denen
entgegenkommen, die ihr Material gern in klaren Punkten
formuliert lesen möchten, oder – wenn sie Prediger sind – sie in
dieser Form weitergeben möchten. Dabei sollte auf schwierige
Ausdrücke und komplizierte grammatische Strukturen genauso
verzichtet werden, wie auf kulturelle Beispiele. Die Serie „Durch
die Bibel predigen“ bemüht sich, diesem Bedarf gerecht zu
werden.
Diese Auslegungen basieren auf dem hebräischen und dem
griechischen Bibeltext.
Es ist nicht die Absicht des Autors, unbedeutende exegetische
Einzelheiten zu behandeln, obwohl sich der Ausleger als Teil
seiner Vorbereitung mit solchen Fragen beschäftigen muss. Aber
ebenso wie eine gute Hausfrau lieber ein gutes Essen servieren
möchte als ihre Töpfe und Pfannen zu zeigen, so beschäftigt sich
der Verfasser lieber mit dem „guten Mahl“ der Heiligen Schrift
als mit den „Töpfen und Pfannen“ von Wörterbüchern,
umstrittenen Interpretationen und Ähnlichem. Nur gelegentlich
müssen solche Dinge zur Sprache kommen.
Der Autor
vermeidet lange Einleitungen und steigt so schnell wie möglich
in die biblische Botschaft ein.
Obwohl diese Auslegungen, oberflächlich betrachtet einfach
gehalten sind, beruhen sie auf einem hohen wissenschaftlichen
Niveau. Die theologische und die praktische Botschaft jedes
biblischen Buches werden klar und sachlich formuliert.
Einfachheit des Stils bedeutet nicht Einfachheit des Inhalts!
Gottes Wort muss gründlich ausgelegt werden, aber die Sprache
muss einfach und verständlich bleiben. In diesen Auslegungen
wird versucht, diesen Weg zu gehen.
5
Inhaltsverzeichnis
Über den Autor
Durch die Bibel predigen
Allgemeines Vorwort
Vorwort des Autors
2
3
5
9
1
Einführung in das Markus-Evangelium
11
2
Gott bereitet Jesus auf seinen Dienst vor
13
Markus 1, 1-20
3
Jesus der Messias
18
Markus 1, 21-45
4
Ein freundlicher Retter
22
Markus 2, 1-17
5
Gnade in Gottes Königreich
26
Markus 2,18 – 3,6
6
Ein Familie von Nachfolgern
31
Markus 3, 7-35
7
Die Gleichnisse vom Königreich
35
Markus 4, 1-20
8
Reaktionen auf das Königreich
40
Markus 4, 21-34
9
Jesus, Herr über alles
44
Markus 4,35 – 5,20
10
Herr über Tod und Krankheit
Markus 5, 21-43
6
48
11
Die Experten in Nazareth
52
Markus 6, 1-6a
12
Ausweitung und Widerstand
56
Markus 6, 6b-29
13
Überreiche Versorgung durch Jesus
61
Markus 6, 30-56
14
Unnütze Gesetzlichkeit
65
Markus 7, 1-23
15
Die Kraft des Glaubens
69
Markus 7, 24-37
16
Eine zweite Berührung
73
Markus 8, 1-26
17
Jesus gibt sich als Messias zu erkennen
77
Markus 8, 27-30
18
Die Erkenntnis des Kreuzes
81
Markus 8, 31 – 9,1
19
Die Verklärung
85
Markus 9, 2-13
20
Kraft durch anhaltendes Gebet
90
Markus 9, 14-29
21
Wahre Größe
94
Markus 9, 30-50
22
Scheidung, Kinder, Reichtum
99
Markus 10, 1-31
23
Größe im Königreich Gottes
Markus 10, 32-52
7
103
24
Suche nach Frucht
108
Markus 11, 1-26
25
Eine Frage der Autorität
112
Markus 11,27 – 12,12
26
Ein Tag voller Fragen
116
Markus 12, 13-44
27
Die vorhergesagte Zerstörung Jerusalems
121
Markus 13, 1-23
28
Das Kommen des „Sohn des Menschen“
126
Markus 13, 24-37
29
Drei Ansichten des Kreuzes
131
Markus 14, 1-11
30
Das letzte Abendessen
135
Markus 14, 12-26
31
Treuer Retter – Schwache Jünger
139
Markus 14, 27-42
32
Mitgefühl
142
Markus 14, 43-72
33
Ein Unschuldiger wird für schuldig erklärt
146
Markus 15, 1-20
34
Kreuzigung und Begräbnis
150
Markus 15, 21-47
35
Jesus lebt!
154
Markus 16, 1-8
8
Vorwort des Autors
Es war in den frühen Morgengottesdiensten in der „Rouxville
Baptist Church“ in Johannesburg, als ich zum ersten Mal durch
das Markus-Evangelium predigte. Es war, so würde ich es
nennen, eine sehr kontroverse Zeit innerhalb meiner fünf Jahre
in Johannesburg (1981 – 1986). Unsere Gottesdienste waren
ziemlich gemischtfarbig geworden, obwohl die „Weißen“
hauptsächlich zu den Abendgottesdiensten kamen. Ich war nicht
besonders glücklich über den Zustand, am Morgen eine
gemischte Gemeinde zu haben und am Abend eine weiße. So
entschieden wir uns dafür, den Gottesdienst am Abend
einzustellen und dafür am Morgen zwei Gottesdienste zu haben.
Das rief natürlich Kontroversen hervor, aber es war eine gute
Zeit für unsere Gemeinschaft und das Markus-Evangelium war
eine der Predigtserien in diesem neuen Gottesdienst der in erster
Linie von bisher unerreichten, jungen Leuten besucht wurde.
In der letzten Zeit habe ich viel durch das Leben Jesu gepredigt
und dieses Buch ist z.T. ein Ergebnis dieser Arbeit. Viele dieser
Kapitel habe ich im Juli 1996 in Indien gepredigt und
überarbeitet. Ich bin dankbar für David und Lynn Fernandes, die
während meiner Zeit in Bombay meine Gastgeber waren und für
Ranjit und Sinthia Rodriques und Melvin und Ligia Pereira in
Goa.
Ein großer Teil dieser Arbeit wurde in der „14 Highways
Colony“ fertiggestellt, als ich Bibellehrer beim „Nehemia-Camp“
in Tiruchirappalli war und in den Pausen zwischen meinen
Predigten am Markus-Evangelium arbeiten konnte.
Mein Dank gilt auch Gideon und Ute Jacobs aus Trichy und
Hamburg!
Auf dem Weg von Indien nach England bekam ich eine
infektiöse Krankheit, die ich mir auf der Reise eingefangen hatte,
9
sodass die letzten zehn Kapitel im Hammersmith-Hospital in
London zu Papier gebracht wurden.
Ein herzlicher Dank gilt meinen erwachsenen Kindern, Tina
Gysling und Calvin Eaton für ihre vielfältige Hilfe dabei, dass
meine Predigten in gedruckter Version erscheinen, und natürlich
meiner Frau Jenny.
Es ist unser Gebet dass dieses kleine Buch über das MarkusEvangelium vielen Predigern eine Hilfe sein kann.
Michael. A. Eaton
10
1
Einführung in das Markus-Evangelium
Alle vier Evangelien porträtieren Jesus. Es sind keine exakten
„Biographien“ denn sie erwähnen viele Dinge nicht, die eine
Biographie enthalten würde. Stattdessen zeigen sie uns Dinge,
die wir über Jesus wissen müssen.
Das christliche Leben ist ein Leben mit Jesus. „Aus seiner Fülle
haben wir alle empfangen“ (Johannes-Evangelium 1,16) Wir
müssen so viel wie möglich von Jesus erkennen. Er ist und bleibt
derselbe „gestern, heute und für immer“ (Hebräer 13,8). Wenn wir
sehen, wie er über diesen Planeten Erde ging, wissen wir, wie er
heute noch ist. Wir müssen seine Macht sehen, seine Autorität,
und insbesondere müssen wir sehen, dass er für uns am Kreuz
starb. Wir müssen wissen, dass er auch heute noch für uns lebt.
Die vier Evangelien zeigen uns Jesus auf unterschiedliche
Weise. Durch den Heiligen Geist ist Jesus heute noch Realität
für uns. Die vier Evangelien berichten uns darüber wie Jesus war
und was er ganz praktisch tat. Wir wissen nicht alles über sein
Leben, aber was wir wissen reicht aus. Wir haben genug, um
Jesus – durch den Heiligen Geist – selbst kennen zu lernen.
Markus, der dieses Evangelium schrieb war der Sohn einer
Witwe mit Namen Maria, in deren Haus in Jerusalem sich die
ersten Christen oft aufhielten. (siehe Apostelgeschichte 12,12).
Barnabas was sein Cousin. Es liegt nahe, dass das MarkusEvangelium von Markus, der auch ein Freund des Apostel
Petrus war, etwa um die Zeit 50 n.Chr. geschrieben wurde.
In den ersten Kapiteln stellt er Jesus vor (1,1-20) und erklärt uns
dann, wie es zunehmend zur Opposition gegen Jesus kam.
Ausleger haben immer wieder darauf hingewiesen, dass die
11
Opposition gegen Jesus in den Berichten zwischen Markus 1,21
und 3,6 permanent zunimmt. Markus ist es wichtig, uns auf die
Autorität Jesu als Lehrer und als Wundertäter hinzuweisen und
gerade diese Autorität war es, die Opposition und Feindschaft
bei seinen Gegnern hervorrief. In Markus 3,7 - 6,13 zieht sich
Jesus etwas aus der Schusslinie seiner Feinde zurück und
konzentriert sich auf das Unterrichten seiner Jünger. Als er dann,
wie in Kapitel 6,14 – 8,26 beschrieben, wieder an die
Öffentlichkeit tritt, ist die Ablehnung und Anfeindung größer
als zuvor. Auf ihrem Weg nach Jerusalem (8,27-10,52) lehrt Jesus
seine Jünger über die verschiedenen Aspekte der Jüngerschaft.
Dann folgt die Geschichte über Jesu Einzug in Jerusalem und die
Ereignisse, die schließlich zu seinem Tod führen (11,1 – 15,47). In
seinem Bericht wird klar, dass Markus den Tod Jesu mit
besonderem Interesse beschreibt. Es gibt eine kurze
Zusammenfassung zu dieser Geschichte. Jesus blieb nicht im
Grab. Er wurde von den Toten auferweckt. An dieser Stelle
endet das Markus-Evangelium abrupt (16,8). (Markus 16,9 – 20
wurde später hinzugefügt.)
Das Markus-Evangelium beinhaltet keine versteckten Aussagen.
Wir müssen nicht nach versteckten, kontroversen theologischen
Aussagen suchen, die dazu geführt haben könnten es zu
schreiben. Es beinhaltet keine Symbole, außer den Symbolen, die
Jesus selbst benutzt. Die Aussagen liegen an der Oberfläche.
Markus gibt uns mit klaren Worten eine Zusammenfassung der
Fakten über Jesus, wie er abgelehnt wurde, wie er ein Mann mit
übernatürlicher Kraft und herausfordernder Autorität war und
wie er zur Erlösung für viele am Kreuz starb.
Endnote
Meine Worte geben den Eröffungsabschnitt aus dem Kommentar von
R.Grundy zum Markus-Evangelium wieder (Eerdmans, 1993, Seite 1) obwohl
ich die Schlichtheit von Markus selbst mehr bevorzuge, als sein Versuch, das
Kreuz zu verteidigen.
12
2
Gott bereitet Jesus auf seinen Dienst vor
Markus 1, 1-20
In den Eröffnungsversen seines Evangeliums stellt Markus uns
Jesus vor (1,1-20) und berichtet dann von den Begebenheiten, die
zur aufkommenden Ablehnung Jesu in Galiläa führten (1,21-3,6).
1. Markus möchte, dass wir wissen, dass Jesus der Sohn Gottes
ist.
Sein Buch beginnt mit der Festlegung seines Themas, „Anfang des
Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes“ (1,1) „Evangelium“
oder „Gute Nachricht“ ist eine seiner Lieblingsaussagen (siehe
8,35, 10,29, 13,10). Das ist es, worum es im christlichen Glauben
geht und worum es im Markus-Evangelium geht, Die „Gute
Nachricht“ von dem was Gott durch Jesus Christus getan hat.
Der christliche Glaube ist nicht in erster Linie eine Philosophie,
ein intellektuelles System, dem gefolgt werden muss. Es ist nicht
ein Programm dessen Erfüllung wir Menschen anstreben
müssen. Es beginnt nicht mit der Einladung Gott zu erfahren,
sondern es beginnt mit einer Nachricht, der guten Nachricht von
dem, was Gott getan hat.
Die „Gute Nachricht“ ist eine Person – Jesus. In Jesus hat Gott
bereits gehandelt. Er hat bereits etwas getan. Alles was noch
passieren muss, ist, dass wir davon erfahren. Gott hat die
Rettung dieser Welt bereits möglich gemacht.
Was tust Du mit einer Nachricht? Ist es Philosophie, so würdest
Du sie studieren. Ist es ein erstrebenswertes Programm, Du
würdest ihm folgen. Eine Erfahrung? Du würdest sie fühlen.
Aber was kannst Du auf eine Nachricht reagieren? Du musst sie
zur Kenntnis nehmen und ihr Vertrauen.
13
Markus möchte, dass wir wissen wer Jesus ist. Er ist „Jesus
Christus, der Sohn Gottes“. Einige griechische Manuskripte lassen
die Worte „der Sohn Gottes“ weg, aber ich denke, dass die
Manuskripte, die diese Worte beinhalten, richtig sind. Das
Markus Evangelium beharrt konsequent darauf, dass Jesus der
Sohn Gottes ist. (1,11, 3,11, 8,38, 9,7, 12,6) Was liegt also näher, als
dass diese zentrale Aussage auch im Titel des Buches auftaucht.
Einige Gelehrte haben diese Aussage möglicherweise
weggelassen, um den Titel kürzer und prägnanter zu machen.
Was meint Markus, wenn er „vom Anfang des Evangeliums“
spricht? Möglicherweise bezieht es sich nur auf den Dienst
Johannes des Täufers, denn die Bibel erwähnt ihn oft als den
Anfang dieses besonderen und wichtigen Geschichtsabschnittes
(siehe Apostelgeschichte 1,21-22, 10,37, 13,24).
2. Markus berichtet uns von drei Dingen, die stattfanden, als
Gott Jesus für seinen Dienst vorbereitete.
Zuerst war da Johannes der Täufer, der die kommende Rettung
klar beschrieb. Maleachi und Jesaja hatten beide bereits von dem
Weg gesprochen, den Gott für das Kommen Jesu vorbereiten
würde. Markus 1,2-3 zitiert Maleachi 3,1 und Jesaja 40,3, in dem
sie einen großen Propheten erwähnen. Dies erfüllte sich in der
Person Johannes des Täufers. Johannes sprach ganz klar davon,
dass der Messias und sein Dienst von geistlicher Natur sein
würden. Die Menschen erwarteten einen politischen Befreier. So
auch heute. Menschen sind auch heute weit mehr besorgt um
politische Situationen und wirtschaftlichen Wohlstand, als um
die Vergebung Ihrer Sünden und ein reines Gewissen. Die armen
Länder dieser Welt bitten oft um politische oder wirtschaftliche
Hilfe, aber nicht um geistliche Hilfe. Wenn sie es doch tun, so ist
doch die versteckte, eigentliche Motivation das Materielle und
der Wohlstand.
Der Plan Gottes für diese Welt begann damit, dass er einen
Erlöser schickte, der uns von unserer Sünde erretten würde.
14
Johannes der Täufer war das lebende Beispiel aller
alttestamentlichen Propheten zusammen. Er rief die Menschen
zur Umkehr und als Zeichen dafür taufte die, die es damit ernst
meinten. Die Taufe des Johannes war nichts geistlich magisches,
sie hat niemanden automatisch gerettet aber sie war ein Zeichen
für Umkehr (1,4) und Umkehr brachte die Erfahrung der
Vergebung Gottes.
Durch Johannes` predigen geschah Erweckung (1,5). Er bestand
auf einem offensichtlich und erkennbaren, einfachen Lebensstil
in dem er dem Muster des Propheten Elia folgte (1,6). Er stellte
klar, dass die Erlösung, die kommen würde, eine geistliche
Erlösung sein würde. Er deutete auf Jesus, dessen größte Gabe es
sein würde, den Heiligen Geist zu schenken (1,7-8)
Zweitens sehen wir, dass Jesus es selbst nötig hatte, den Heiligen
Geist zu empfangen. Es kam die Zeit, als der Dienst von
Johannes dem Täufer endete und der Dienst von Jesus begann.
Jesus verließ Nazareth, wo er die meiste Zeit seines frühen
Lebens verbracht hatte und wurde von Johannes getauft (1,9).
Seine Taufe zeigte seine Hingabe an seinen neuen Lebensweg.
Für Jesus konnte es hierbei nicht um Buße und Vergebung
gehen. Es gab nichts, wovon er hätte umkehren müssen. Aber er
identifizierte sich mit den Menschen. Er reagierte so, als wäre er
ein Sünder wie alle anderen. Es war seine Hingabe an einen
neuen Lebensweg und insbesondere seine Hingabe an seinen
neuen Dienst, der damit enden würde am Kreuz zu sterben. In
dem Moment, als er sich Gott in seinem neuen Weg so hingab,
empfing er eine Ausgießung des Heiligen Geistes (1,10). Der
Geist kam auf ihn in Form einer Taube, ein Vogel, den wir mit
Sanftmut und Reinheit verbinden. Der Empfang des Heiligen
Geistes war nicht seine Bekehrung! Es war das Siegel seiner
Sohnschaft („Du bist mein geliebter Sohn“) und der Auftrag für
seinen Dienst (1,11). Die Worte, „…an dir habe ich Wohlgefallen
15
gefunden“ sind wie ein Echo aus Jesaja 42,1, und bestätigen, dass
Jesus der leidende Diener ist, von dem Jesaja spricht.
Drittens musste Jesus seine Bereitschaft bestätigen, Gottes Willen
zu tun, der Versuchungen zu widerstehen und nicht in eine
andere Richtung zu gehen. Der Geist führte ihn die judäische
Wüste (1,12). (Das hier oft übersetzte Wort „trieb“ ist eigentlich
ein zu starker Ausdruck.) Es war eine Zeit des Gebets und der
Vorbereitung und während dieser Zeit kam die Versuchung, die
Jesus vom Willen Gottes abbringen wollte. Sollte er in einer
anderen Weise ein Messias sein, als in der Weise die sein Vater
ihn führte? Die Tiere der Wüste waren nah, aber der Vater sorgte
(wie bei Daniel in der Löwengrube) für seine Sicherheit.
3. Jesus begann sehr früh damit Mitarbeiter auszubilden
Die Situation, dass Johannes der Täufer ins Gefängnis geworfen
wurde, war ein deutliches Zeichen dafür, dass Jesu Dienst
beginnen würde (1,14). Er begann zu predigen. Sein Thema war
die gute Nachricht, dass Gottes königliche Kraft zu wirken
begann. Er sprach von seinem Kommen als einer neuen Phase
im Königreich Gottes und er forderte zur Reaktion, zur Umkehr
und zum Glauben heraus (1,15). Zu dieser Zeit berief er die
ersten Mitarbeiter (1,16-20). Oft lieben wir es nicht, Mitarbeiter
für dieselbe Arbeit auszubilden, die wir tun. Wir möchten
vielleicht Mithilfe, aber grundsätzlich möchten wir nicht ersetzt
werden. Manche haben vielleicht Angst, dass die Mitarbeiter
ihren Dienst übernehmen. In Entwicklungsländern kommen die
Fachleute vielleicht aus dem Westen. Sie sind bereit eine gute
Arbeit zu tun, aber nicht unbedingt bereit, andere auszubilden,
die dann Ihre Aufgabe übernehmen. Jesus hatte damit keine
Probleme. Schon frühzeitig begann er damit, Mitarbeiter
auszubilden, die einiges von seinen Aufgaben übernehmen
konnten. Selbstverständlich würde niemand von ihnen „zur
Erlösung für viele“ werden. (Markus 10,45), aber seine Jünger
würden herausgefordert werden „ihr Kreuz auf sich zu
16
nehmen“. Jesus bildete Nachfolger aus. Eine seiner frühen
Herausforderungen in Galiläa war es Auszubildende
auszusuchen. Sie sollten ihm im wahrsten Sinne des Wortes
„nachfolgen“ und dabei ihre Ausbildung erhalten.
17
3
Jesus der Messias
Markus 1, 21-45
Markus beschreibt jetzt einen typischen Tag im Dienst Jesu
(1,21-39) und eine Begebenheit, die die nächste Phase von dem
beschreibt, was in seinem Dienst passiert (1,40-45). Doch schauen
wir uns zuerst den typischen Tag an.
1. Jesus war eine Person von großer Autorität.
Jesus war demütig und stellte sich selbst nicht zur Schau. In den
Augen der Menschen dieser Welt hatte er offensichtlich kein
besonderes Ansehen. Bisher wird er einfach nur als „Jesus“
bezeichnet. Man kennt ihn nur unter seinem gewöhnlichen
jüdischen Namen. Jesus beansprucht für sich selbst keinen
herausgehobenen Titel. Er möchte, dass die Leute sehen wer er
ist, indem sie ihn geistlich beurteilen und nicht bei einem
selbstgestrickten Anspruchsdenken, wie viele andere es tun. Er
spricht nicht von sich selbst als von „Jesus dem Rabbi“. Er hat
keine politische Macht. Er ist nicht, „Jesus der Präsident“, er ist
einfach „Jesus“. Und doch hat er große Autorität. Die Menschen
wundern sich über die Autorität mit der er predigt (1,21 -22). Sie
wundern sich über seine Autorität, wenn es um den Bereich der
bösen Geister und Dämonen geht (1,23-27). Ohne selbst etwas
dazu zu tun wird er beliebt und sehr bekannt. Er hat nichts für
sein Ansehen getan aber er bekam es. Die Nachricht von ihm
breitete sich aus (1,28). Wenn ein Mann oder eine Frau geistliche
Vollmacht hat, spricht sich das herum. Es braucht keine
Werbung. So ging es Jesus und so kann es auch uns gehen.
Jesus kommt in das Haus von Simon Petrus (1,29). Er hat die
Autorität über jede Krankheit und so erzählt man ihm von
Petrus` Schwiegermutter. Jesus heilt sie (1,30-31). Überall auf der
18
Welt machen sich Menschen große Sorgen über Krankheiten. Oft
wollen die Menschen Jesus mehr als Heiler ihrer Krankheiten
anstatt als Erlöser von ihren Sünden.
Jesus hat durch seine Heilungen seinen Glauben demonstriert.
Da war keine Manipulation, kein Betrug, keine Übertreibung im
Spiel. Es ist offensichtlich, dass etwas passierte, wenn Jesus für
Kranke betete. In Markus 1,32-34 sehen wir die Größe seiner
Autorität. Dutzende von Leuten wollten ihn sehen; und dabei
schildert Markus in den Versen 1,21-39 doch nur typische 24
Stunden!
2. Jesus war jemand, der permanent aus der Quelle großer
Autorität schöpfte.
Woher bekam Jesus seine Autorität? Jemand mag denken, er
hatte diese Autorität, weil er der Sohn Gottes war. Das ist sicher
richtig aber da war mehr als das. Der Mensch Jesus hatte die
Taufe mit dem Heiligen Geist erhalten. Wieder jemand mag
sagen, dass Jesus, getauft mit dem Heiligen Geist, ja alle
Autorität hatte die er brauchte. Brauchte er trotz dieser Taufe mit
dem Heiligen Geist noch mehr? Ja, er brauchte das Gebet. Und
deshalb lesen wir, wie er sich oft in den arbeitsreichsten
Augenblicken zurückzog um zu beten (1,35).
3. Jesus war jemand, dessen Vorbereitung für den Dienst von
Weisheit geprägt war.
Wir lesen von einer Begebenheit zwischen einem vollen
Arbeitstag (Markus 1,21-39) und dem Bericht von zunehmendem
Widerstand (Markus 2,1 -3,6). Es ist der Punkt, an dem seine
Popularität seinen Höhepunkt erreicht. Ein Aussätziger kommt
zu ihm und bittet um Heilung (1,40). Von Mitleid bewegt heilt
Jesus ihn (1,41-42). Jesu Mitleid gleicht seine Autorität aus. Leute
mit viel Autorität haben normalerweise nicht viel Mitleid. Leute
mit viel Mitleid haben normalerweise wenig Autorität. Jesus hat
beides. Jesus warnt den Geheilten dringend niemanden zu
erzählen, was an ihm passiert ist. Jesus möchte seinen Dienst als
19
Prediger fortsetzen. Er steht nicht unter Zeitdruck bekannt zu
werden. Wenn er zu beliebt wird, kann das seinem Dienst nur
schaden und Jesus weiß, dass die Schriftgelehrten und Pharisäer
über seine Aktivitäten sehr aufgebracht sein werden. Jesus
verlässt Jerusalem und kommt nach Galiläa. Er hat noch viel zu
tun und möchte nicht mehr als nötig von den jüdischen
Autoritäten daran gehindert werden. So bittet er diesen
Aussätzigen nicht über seine Heilung zu sprechen.
Nicht einmal aus Dankbarkeit für seine Heilung, hält dieser sich
daran. Er verbreitet die Tatsache seiner Heilung durch Jesus
sofort überall und eine Zeitlang kann Jesus sich nicht mehr in
den Städten Galiläas sehen lassen.
Diese kleine Geschichte zeigt uns, dass Jesus unsere Dankbarkeit
nicht immer so bekommt, wie er sie möchte. Jesus wusste was er
tat, als er dem Geheilten befahl zu schweigen. Der Ungehorsam
des geheilten Aussätzigen hat Jesus geschadet und führte dazu,
dass die leitenden Juden ihn früher angreifen konnten als er es
brauchen konnte.
Jesus hat eine einzigartige Autorität. Seine Wunder beweisen
seinen Glauben. Sie beweisen, dass ihm alles möglich ist. Diese
Autorität kann eine Person nicht einfach „einschalten“. Der
Aussätzige hat das Wunder seiner Heilung nicht „im Glauben
ergriffen“, sondern er hat sich auf die Barmherzigkeit Jesu
verlassen. Dass Wunder zeigt uns wozu Jesus in der Lage ist und
das er die Möglichkeit hat, jede Lebenssituation zu verändern. Es
ist ein Vorgeschmack auf einen neuen Himmel und eine neue
Erde wo alle Krankheit geheilt sein wird und nie wieder
zurückkommt.
Bis dahin lädt uns das Markus-Evangelium ein, Jesus als den zu
sehen, der Autorität und Mitleid miteinander verbindet. Wir
sind eingeladen zu ihm zu kommen um uns von aller
Verschmutzung reinigen zu lassen.
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Alles, was der Lepra der neutestamentlichen Zeit ähnelt – und es
war nicht einfach nur die moderne Lepra, sondern schloss eine
ganze Kollektion infektiöser Hautkrankheiten mit ein – kann
Jesus heilen. „Aussatz“ brachte Leiden, Isolation und Kritik mit
sich und wurde als eine Strafe von Gott angesehen. Völkern, die
Gott vertrauten, war die Befreiung von solcher Pestilenz
versprochen. Offensichtlich war Israel zurzeit Jesu aber voll von
diesen Krankheiten.
Mit Autorität lehren, Autorität über Dämonen, die Fähigkeit
durch seinen Glauben Krankheiten zu verbannen, sie alle sind
Zeichen dafür, dass diese demütige Person wirklich der Sohn
Gottes ist, der gekommen war um in jeder Weise Vergebung,
Reinigung und Befreiung zu bringen.
21
4
Ein freundlicher Retter
Markus 2, 1-17
Nachdem Markus uns die Vorbereitungen zum Dienst Jesu
vorgestellt hat (1,1-20), berichtet er jetzt von einem typischen Tag
im frühen Dienst Jesu (1.21-39), und von einem sehr einschneidenden Ereignis durch das Jesus große Aufmerksamkeit
bekam (1, 40-45).
Jetzt lesen wir davon, dass einem Gelähmten vergeben wird und
er geheilt wird (2, 1-12), und das Jesus Levi in die Nachfolge ruft
(2,13-17). Diese Vorfälle riefen Anfeindungen gegen Jesus hervor.
Markus möchte uns zeigen, wie viel Hass Jesus von den Führern
des Landes entgegengebracht wurde. Es war der geheilte, aber
ungehorsame Leprakranke aus Markus 1,45, der dazu beitrug,
dass Jesus in den galiläischen Städten bekannt wurde. Eine Reihe
weiterer Vorgänge führt jetzt dazu, dass man Jesus der
Blasphemie beschuldigt (2,7). Man kritisiert seinen Umgang mit
Zöllner und Sündern (2,16). Er wird beschuldigt nicht zu fasten
(2,18) und den Sabbat zu brechen (2,24). Dies alles führt zu einem
fortwährenden Hass auf Jesus (3,2) und sogar zu Überlegungen
ihn zu beseitigen (3,6).
Wie sehen, wie sie Jesus den Retter kritisieren, weil er die
Autorität hat, zu vergeben. Weltliche Menschen lehnen den
Absolutheitsanspruch Jesu ab. In Markus 2,1-5 lesen wir von
einer weiteren Heilung. Ein Gelähmter wird zu ihm gebracht
und weil es unmöglich ist auf normalem Weg zu Jesus zu
kommen, brechen seine Freunde das Dach des Hauses auf um
den Mann zu ihm zu bringen. Es ist der Glaube dieser Männer,
den Jesus segnet. Wer sollte Glauben haben, wenn ein Kranker
für Heilung zu Jesus gebracht wird? JEDER! Die Person die
betet, die kranke Person selbst und auch die Freunde, die ihn zu
22
Jesus bringen. Jesus sagt nicht viel über seine Krankheit.
Stattdessen sagt er, „Deine Sünden sind dir vergeben“.
Offensichtlich war der Kranke selbst mehr besorgt über seine
Sünde, als über seine Krankheit. Die meisten Menschen sind
mehr besorgt über ihre Krankheit als über ihre Sünde, aber
dieser Mann ist besorgt wegen seiner Sünde. Möglicherweise ist
seine Krankheit durch ein sündiges Verhalten hervorgerufen
worden. Dies kann vorkommen, auch wenn es falsch ist, jede
Krankheit auf Sünde zurückzuführen. Der Hauptpunkt an dieser
Stelle aber ist es, uns zu zeigen, wie sehr die Leute, die Jesus
beobachten, sich über seine Worte ärgerten. Was ist das für eine
Aussage! Jesus tut so, als ob er Gott wäre! Er sagt nicht, „Ich
hoffe, dass Gott dir deine Sünden vergeben wird“. Er stellt
einfach fest und sagt, „Deine Sünden sind dir vergeben“, als ob
er derjenige ist, der Sünden vergibt (2,6-7).
Jesus überlässt es seinen Kritikern dies zu erklären. „Sie
überlegten in ihren Herzen“. Es gibt eine Form von geistlicher
Kritik, die sogar Argumente und Logik verwendet. Sie suchen in
ihrem Köpfen nach einem Weg, Jesus zu kritisieren. Was für eine
Schlussfolgerung ist das? Meinen wir etwa, wir könnten unseren
Verstand benutzen, um die Werke Gottes zu hinterfragen?
Jesus weiß, was in ihnen vorgeht. Hat er dieses Wissen, weil er
Gott ist, oder beruht dieses Wissen auf geistlicher Weisheit? Ich
denke es ist das Zweite. Es ist reiner „geistlicher Instinkt“,
Erleuchtung durch den Heiligen Geist. Manchmal wissen wir
einfach in unserem Geist, was im Herzen anderer Menschen
vorgeht. Natürlich müssen wir uns vor Verdächtigung hüten.
Verdächtigung ist etwas Hässliches. Manchmal aber wissen wir
auch ohne jede Verdächtigung, was im Herzen des anderen vor
sich geht.
Jesus tut ein Wunder. Er demonstriert wie einfach es für Ihn ist
zu heilen und zu vergeben.
23
Wir sehen einen Retter, der für seine Freundlichkeit Sündern
gegenüber kritisiert wird.
Als Nächstes wird Levi in die Nachfolge Jesu gerufen (2,13-17).
Es ist eine sehr plötzliche und überraschende Bekehrung. Jesus
ist auf dem Weg von Kapernaum an den See Genezareth. Er
predigt zu großen Mengen über das Reich Gottes (2,13). Er macht
sich „wieder“ auf den Weg, so wie auch vorher schon (1,38).
Kapernaum ist seine Basisstation von wo aus er immer wieder
zu kurzen Missionen in die Umgebung aufbricht. Auf einem
dieser Einsätze kommt er bei Levi vorbei, der an seinem
Zollhaus sitzt (2,14). Wie bereits in Markus 1,16 und 1,19 ruft er
auch hier jemanden in einer Art und Weise in den vollzeitlichen
Dienst, dass dieser alles stehen und liegen lässt, seinem Ruf folgt,
und ihm unvermittelt nachfolgt (2,14).
Das führt dazu, dass Jesus eine Einladung zu einem Treffen mit
Zöllnern und Sündern annimmt, mit Menschen, die sich
grundsätzlich nicht besonders um die Regeln der religiösen
Leiter scheren (2,15). Jesus ist dabei, eine Gruppe von Leuten
zusammenzustellen, die mit ihm unterwegs sein werden wo
immer ihn sein Dienst hinführt und die er ausbilden kann.
Jesus zieht gerade die Leute an, die nur wenig Berührung und
Kontakt mit der angesagten Gesellschaft und den religiösen und
politischen Führern haben. Das wiederum schockt die Pharisäer
(2,16), die der Ansicht sind, dass ein guter religiöser Leiter nichts
mit solchen Menschen zu tun haben sollte.
Auch hier hat Jesus hat eine Antwort für sie (2,17). Er hat
absichtlich die Bedürftigen im Blick. Sie sind diejenigen, die
Hilfe brauchen. Manchmal ist es schon überraschend, dass
religiöse Menschen es oft nicht mögen und verstehen, wenn
Gott freundlich ist.
Gott hat die Gewohnheit in Kreise
„einzubrechen“ und Leute zu seinen Freunden zu machen, die
oft als die Schlimmsten angesehen werden. Interessanter Weise
gibt es dann oft mittlerweile respektierte Leute, die Gott vor
24
einigen Jahrzehnten aus ähnlichen Situationen gerettet hat, die
darüber verärgert sind.
Es waren nicht die Zöllner, die ihren Beruf dazu nutzten das
letzte aus ihren Mitbürgern heraus zu pressen, die Jesus
angriffen. Die Opposition schlug ihm nicht von Sündern und
solchen Leuten entgegen, die in den Augen der Pharisäer Sünder
waren. Die Angriffe und Ablehnung ihm gegenüber, kam von
Menschen, die von sich behaupteten, Gottes Leute zu sein. Leute,
die auf das Kommen des Messias warteten.
Jesus ist ein freundlicher Retter ohne Scheinheiligkeit oder
selbstgerechtem Verhalten, das man bei religiösen Leuten oft
findet. Er verbindet große Autorität mit großer Freundlichkeit.
Er selbst benutzte nur die demütigsten Beschreibungen für sich
selbst, obwohl der der Sohn Gottes war. Er war ein freundlicher
Retter und ist es immer noch!
25
5
Gnade in Gottes Königreich
Markus 2,18 – 3,6
Diese Verse sind eine Fortsetzung in der Auflistung der
Ablehnungen gegenüber Jesus. Eine Frage zum Fasten wird
beantwortet (2,18-22) ; das Pflücken der Getreideähren durch die
Jünger am Sabbat (2,23-28) und die Heilung eines Mannes durch
Jesus am Sabbat. (3,1-6).
Die Schreiber der damaligen Zeit legten keinen sehr großen Wert
auf die Einhaltung der zeitlichen Abläufe und doch dürfen wir
davon ausgehen das Markus im Großen und Ganzen alle
Ereignisse so berichtet, wie sie abliefen. Nur er beschreibt alle
Ereignisse, die sich innerhalb von 24 Stunden ereigneten, in
chronologischer Reihenfolge (Markus 1,21–39). Und wenn, so
wie ich es glaube, Markus 2,1–3,6 von der zunehmenden
Opposition gegen Jesus berichten, dann muss es sich
chronologisch so abgespielt haben, zumindest aber im selben
Zeitraum.
1. Es wurde zunehmend deutlich, dass Jesu Dienst einen neuen
Abschnitt in Gottes Königreich einläutete.
Die Frage nach dem Fasten (2,18–22) kam auf, weil es sich zeigte,
dass die Jünger Jesu eine ziemlich eigenwillige Gruppe waren.
Zu Fasten, war auch in Jesu Augen etwas Gutes (siehe Matthäus
6,16) aber kein starres Gesetz. Die Leute waren überrascht, dass
die Jünger Jesu nicht fasteten; ganz im Gegensatz zu den Jüngern
Johannes des Täufers. Für sie, und auch für viele Pharisäer
gehörte es zur Routine. Die Jünger Jesu fasteten zu diesem
Zeitpunkt nicht und das führte unausweichlich zu Fragen.
„Sie kommen zu ihm und sagen…“ (2,18) ist eine etwas vage
Beschreibung. Es scheint zu bedeuten, dass die Frage nach dem
26
Fasten eine ziemlich grundsätzliche Frage der Leute war. Für
Jesus gehörte das Fasten in eine Zeit besonderer Anlässe und
spezieller Situationen. Man fastete nicht in guten, erfreulichen
Zeiten und Jesus sah seinen Dienst als eine solche erfreuliche
Zeit. Es ist eine Zeit des Feierns, wenn der Bräutigam mit seinen
Freunden auf dem Hochzeitsfest ist. Und da sind seine engen
Freunde, die dem Bräutigam helfen und natürlich auch etwas zu
essen brauchen (2,19). So hat Jesus seinen Dienst gesehen. Es war
die Zeit des Feierns! In Jesus war das Königreich gekommen. Es
gab viel zu tun, diese Gute Nachricht zu verbreiten. Es war nicht
die Zeit zu fasten. Eines Tages, nach dem Tod und der
Auferstehung Jesu, „nachdem der Bräutigam von ihnen genommen
war“, würden schwere Zeiten auf die Gemeinde zukommen und
dann würden sie fasten müssen (2,20). Im Moment folgt Jesus
nicht dem Vorbild von Johannes dem Täufer oder der Pharisäer.
Die „Jesus-Bewegung“, die in diesen Tagen nach Israel kam, war
nicht nur ein neuer Aufkleber auf der alten Arbeit von Johannes
oder der Pharisäer; es war eine völlig neue Bewegung im
Königreich Gottes und Jesus war im Begriff neue Dinge zu tun
(2,21). „Neuer Wein benötigt neue Weinschläuche“ (2,22). Neue
Bewegungen und Aufbrüche im Reich Gottes benötigen neue
Strukturen.
2. Gottes neues Reich basiert auf Gnade und nicht auf Gesetz
(2.23-28).
Die nächste Begebenheit muss sich irgendwann in der ersten Zeit
von Jesu Dienst ereignet haben. Markus beschreibt – zumindest
grob chronologisch - eine Serie von Begebenheiten, die
zunehmend Opposition gegen Jesus auslösen.
Folgendes ereignete sich wieder an einem Samstag, dem Sabbat.
Jesus und seine Jünger machten sich auf den Weg. Es kann
eigentlich nur ein relativ kurzer Gang gewesen sein, denn nur
das war am Sabbat erlaubt. Eine Reise an einem Sabbat zu
unternehmen war im Gesetz verboten und Jesus wird hier nicht
27
deswegen beschuldigt. Seine Jünger rissen Ähren am Wegrand
ab und aßen sie im weitergehen. Einige Pharisäer waren in der
Nähe. (Möglicherweise fand dies alles in der Nähe einer
Synagoge statt, die Jesus mit seinen Jüngern an diesem Sabbat
zum Gottesdienst besucht hatte.) Die Pharisäer beschweren sich
darüber, dass Jesus am Sabbat „arbeitet“. Jesus hätte sagen
können, dass er nicht die alttestamentlichen Vorschriften bricht,
sondern höchstens ihre eigenen, traditionellen Auslegungen
und Ergänzungen. Er tat das aber nicht, sondern bezog sich in
seiner Antwort auf die alttestamentliche Geschichte, in der
David etwas tat, was total verboten war. Auch wenn Jesus das
Gesetz nicht gebrochen hatte, argumentierte er so, als hätte es
nichts ausgemacht, wenn er es getan hätte! David handelte
illegal, als er von den Schaubroten zu Nob (siehe 1. Samuel 21,16) nahm und aß. Rituelle Gesetze können, wenn nötig, gebrochen
werden.
Jesus sagt: „der Sabbat ist für den Menschen gemacht“. Jedes
beharren auf den Sabbatregeln des Alten Testaments, die diese
zu einer pervers restriktiven Regel machen, hat den Sinn des
alttestamentlichen Gesetzes verpasst. Gottes Gesetz war
hilfreich; es war nicht hart und eng und verbot nicht den
Spaziergang und das Naschen am Samstag. Gesetzliche
Menschen tun eigenartige Dinge. Sie nehmen Gottes Gesetz,
fügen ihre eigenen hinzu und werden so eng, dass man nicht
mal mehr ein Getreidekorn kauen darf. So ist Gottes Reich aber
nicht, auch wenn viele es gern so hätten.
Jesus hat das Gesetz gehalten, aber er hat niemals etwas
hinzugefügt. Sein Tod am Kreuz würde sogar die Befreiung vom
Sabbatgesetz bringen.
In Vers 28 lenkt Jesus das Gespräch auf sich selbst. Er ist der
„Sohn des Menschen“. Dies kann meinen, „ein rein menschliches Wesen“. Der Sabbat ist für den Menschen gemacht und
Jesus ist ein Mensch! Die, die Ohren haben um zu hören,
28
erkennen hier den „Sohn des Menschen“ als einen Titel, der auf
den Messias aus Daniel 7,13 hinweist. Das Sabbatgesetz ist sein
Gesetz! Er ist frei es zu ignorieren. Das Reich Gottes wird bald
kommen und diese Dinge unnötig machen. Die Pharisäer
wollten mit Jesus über das Gesetz sprechen; Jesus aber wollte,
dass sie über ihn, den Messias nachdenken! Jesus war nicht
dabei, das mosaische Gesetz zu brechen, aber wenn er gewollt
hätte, hätte er es beenden können. Er ist der Herr über das
mosaische Gesetz. Er beansprucht die Autorität den Sabbat
durch sich selbst zu ersetzen.
Nach dem Tod Jesu und nach Pfingsten ist der Christ vom
Gesetz befreit und unter Jesus. Jesus hat das mosaische Gesetz
für uns erfüllt und wir sind ihm unterstellt.
3. Jesus macht klar, dass Religion grausam und unmenschlich
ist, Gnade aber erbarmend und mitfühlend (3,1-6).
Es gab noch eine andere Begebenheit, in der die Sabbatfrage ein
Grund zur Kontroverse war. Es muss etwa zu gleichen Zeit in
Jesu Dienst gewesen sein. An einem Sabbat ging Jesus in eine
Synagoge (3,1). Seine Feinde wussten, dass er oft Menschen
heilte und so beobachten sie sehr genau, ob er es heute auch
wieder tun würde (3,2). Jesus ruft den Mann nach vorne (3,3) und
spricht ganz bewusst davon, dass der Sabbat niemals dafür
gemacht war, aufzuhören Gutes zu tun oder sich über andere zu
erbarmen. Gerade dadurch sollte das Reich Gottes sichtbar
werden (3.4). Sie schwiegen, hatten keine Antwort und waren
auch nicht bereit ihre Meinung zu ändern. Jesus war zornig und
enttäuscht über ihre Gefühlskälte und Herzlosigkeit (3,5) und er
heilte den Mann.
Mit Markus 3,6 bringt Markus uns jetzt an den Punkt, den er
uns zeigen will. Die Pharisäer schmiedeten einen Komplott mit
den Anhängern des Herodes um Jesus zu töten. Diese Leute
hatten mit dem mosaischen Gesetz nichts am Hut. Sie
unterstützten die römische Besatzungsregierung. Aber das
29
Brechen ihrer Traditionen hatte die Pharisäer dermaßen erbost,
dass es ihnen völlig gleichgültig war, mit wem sie
zusammenarbeiteten, wenn sie nur Jesus loswerden würden.
Religion ist dumm, blind und sogar mörderisch. Jesus ist
barmherzig, mitfühlend und voller Gnade.
30
6
Eine Familie von Nachfolgern
Markus 3, 7–35
Nachdem der Widerstand gegen Jesus seinen Höhepunkt
erreicht hat, zieht Jesus sich zurück, um sich für eine Weile auf
die Bedürfnisse seiner Jünger zu konzentrieren.
1. Zunehmende Schwierigkeiten für seinen Dienst führen
Jesus dahin sich auf die Ausbildung seiner Nachfolger zu
konzentrieren.
Jesus sah seinen Dienst nicht räumlich begrenzt. Er ist nicht wie
der Pastor einer Gemeinde oder wie ein Evangelist, der in einer
bestimmten Gegend eine neue Gemeinde gründet. Sein Blick
richtet sich auf die ganze Nation Israel. Er beginnt ein
landesweites Jüngerschaft-Programm.
Auf Grund des zunehmenden Widerstandes gegen ihn, zieht
sich Jesus von den Orten und Städten an den See Genezareth
zurück (3,7). Viele Menschen aus dem ganzen Land folgen ihm
(3,7-8). Um nicht von ihnen erdrückt zu werden muss er vom
Boot aus zu ihnen sprechen (3,9). Er hat Hunderte geheilt und
diese Menschen wollen nur eins, auch von ihm geheilt werden
(3,10). Böse Geister erkennen seine Autorität (3,11), aber Jesus
möchte keine Werbung durch sie (3,12). Für Jesus ist die Zeit
gekommen Apostel zu berufen, die seinen Dienst ins ganze Land
tragen. Jesus hat eine große Vision. Er hat nicht eine kleine
Gemeinde im Blick, sondern ist angetreten damit die ganze
Nation von Gottes Reich hört. Die gewaltigen Menschenmengen,
die Jesus folgen läuten eine neue Ebene in seinem Dienst ein. Er
geht in die Berge und beruft einige seiner Nachfolger um mit
ihm zu leben (3,13). Er wählte zwölf von ihnen und gab ihnen
den speziellen Namen, „Apostel“. Möglicherweise benutzte er
31
den hebräischen Begriff, „shaliach“ was bedeutet so viel wie
„Apostel“ oder „eine Person mit einem besonderen Auftrag“.
2. Jesus hat ein Trainingsprogramm für sie im Sinn.
Zuerst einmal müssen sie Zeit mit ihm verbringen (3,14). Sie
sollen Jesus bei der Arbeit beobachten, um zu sehen wie er Dinge
tut. Die Apostel sollen Ausleger seines Dienstes sein. Sie werden
tun, was er tat. Nachdem sie einige praktische Erfahrungen
gesammelt haben und sahen, wie Jesus handelte, würde er sie
aussenden. Nachdem sie von ihm unterrichtet waren und seine
Methoden gelernt hatten, würden sie Ausleger seines Dienstes
sein (3,14-15). Markus nennt uns ihre Namen (3,16-19).
3. Jesus gründet so zu sagen eine neue Art von Familie.
Seine irdische Familie denkt zu diesem Zeitpunkt von ihm, dass
er verrückt ist (3,20-21). Leute, von denen man erwarten würde,
dass sie ihn unterstützen, lehnen ihn im Grunde genommen ab.
Seine eigene Familie akzeptiert ihn nicht.
Man möchte meinen, ausgebildete Theologen müssten in der
Lage sein den Sohn Gottes zu erkennen und zu akzeptieren,
wenn er so deutlich vor ihren Augen steht. Aber die „Lehrer des
Gesetzes“, die theologischen Experten aus Jerusalem bezeichnen
ihn als „von Dämonen besessen“ (3,22-30). Sie bezichtigen ihn,
seine Wunder in der Kraft des Beelzebul, des Satans, zu tun.
Jesus widerlegt sie sehr einfach, Alles, was das Reich des Satans
zerstört, kann nicht vom Satan selbst sein (3,23-26). Es ist ein
wichtiges Prinzip und hilft auch uns „die Geister zu prüfen“.
Wenn Satans Reich angegriffen wird und Menschen zur
Gerechtigkeit Gottes umkehren, dann muss der Geist Gottes am
Werk sein.
Der Satan wird von Jesus gebunden. Jesus benutzt hier
Bildersprache, Eine starke und mächtige Person hat ein Haus, in
dem er viele Gefangene hält. Retter wollen das Haus angreifen,
32
um die Gefangenen darin zu befreien, aber es ist eine zu starke
Festung. Es ist nicht einfach hinein zu kommen um die
Gefangenen zu befreien. Dazu noch wird es von seinem starken
Besitzer bewacht. Er ist eine mächtige und starke Person. Wie
können sie es schaffen? Sie müssen zuerst den mächtigen
Besitzer angreifen und überwältigen. Sie müssen ihn fesseln, so
dass er nicht mehr in der Lage ist ihnen zu widerstehen. Dann
brechen sie in das Haus ein und befreien die Gefangenen.
Es ist ein Gleichnis, Satan ist der Hausbesitzer. Er hält viele
gefangen. Jesus benutzt seine Autorität als Gottes gehorsamer
Sohn um Gefangene aus Satans Bereich zu befreien. Es ist
wichtig festzuhalten, dass die Befreiung der Gefangenen erst
erfolgen kann, nachdem „der starke Besitzer“ überwältigt und
gebunden ist. Die Befreiung durch Jesus kann geschehen, weil er
Satan bereits angegriffen und überwältigt hat. Durch den
Heiligen Geist hat Jesus die Macht das zu tun (Markus 1,10).
Satan versucht Jesus zur Sünde zu verleiten, aber er hat keinen
Erfolg (Markus 1,13). Jesus war in der Lage Gefangene Satans zu
befreien, weil er ihn bereits überwältigt und gebunden hat.
Jesus hat aber noch ein weiteres Wort der Warnung an die
Schriftgelehrten aus Jerusalem. Es ist nicht vergebbar, Jesus
immer dann vorsätzlich anzugreifen, wenn er seinen Dienst in
großer Kraft tut (3,28-30). Es kann nicht vergeben werden, weil
Jesus selbst der Weg zur Vergebung ist. Jesus vorsätzlich
ablehnen, bedeutet den Weg zur Rettung abzulehnen und ewig
verloren zu sein. Wir müssen in diesem Zusammenhang
festhalten, dass die „nicht vergebbare Sünde“ nur von denen
begangen wird, denen noch nicht vergeben ist. Es ist die Sünde,
Jesus abzulehnen, wenn er mächtig gegenwärtig ist. Kein Christ
ist „der Sünde gegen den Heiligen Geist“ schuldig.
Diese Begebenheiten im Markus-Evangelium machen deutlich,
dass Jesus dabei ist eine Art „neue Familie“ ins Leben zu rufen.
Religiöse Leiter lehnen ihn ab. Seine Familie denkt er ist
33
verrückt. So braucht er eine neue Familie, und das sind seine
Nachfolger.
Seine irdische Familie versucht Jesus von dem, was er tut,
abzubringen. Sie stehen draußen, lehnen es ab hineinzugehen.
Sie möchten, dass er herauskommt (3,31-32). Jesus nutzt die
Gelegenheit um klarzustellen, dass die, die hereingekommen
sind und seiner Lehre folgen, eine engere Beziehung zu ihm
haben als seine eigene, irdische Familie. Gemeinschaft mit Jesus
bekommt man, in dem man seinen Willen tut (3,35). Seine
Nachfolger sind seine Familie.
Wir haben hier ein Modell, wie Gottes Reich in Zeiten der
Ablehnung und Unterdrückung gebaut wird. Unsere
Verkündigung an die Welt um uns her (Markus 1,21-3,6) wird
begleitet vom Aufbau einer Gemeinschaft. Der Weg Jesu ist es,
durch seinen Gehorsam den Satan zu besiegen und zu binden
und so eine Familie von Nachfolgern zusammenzubringen, die
bereit sind, seine Botschaft weiterzugeben und sein Reich zu
bauen.
34
7
Die Gleichnisse vom Königreich
Markus 4, 1-20
Es war zu dieser Zeit, als Jesus zum See Genezareth ging und
anfing seine Lehre in Form von Gleichnissen weiterzugeben.
Wieder machte er Gebrauch von einem Boot während er sprach.
Er benutzt es als eine Plattform, von der aus er sprechen konnte.
Es muss ein ziemlich großes Boot gewesen sein und Jesus muss
eine ungewöhnlich laute Stimme gehabt haben. Er saß im Boot
und redete zu den Menschen in Gleichnissen (4,1-2).
Ein Gleichnis ist eine Art etwas zu erklären, ohne die Sache
selbst sofort beim Namen zu nennen. Ein Gleichnis beinhaltet
Geschichten und Illustrationen, überraschende Fragen, alle
möglichen Rätsel und Ausdrücke, amüsant und eindrücklich.
Gleichnisse beinhalten Aussprüche, die uns zum Nachdenken
bringen und Fragen in unserem Denken entstehen lassen. Ein
Gleichnis ist das Gegenteil von normaler, unkomplizierter, klarer
Lehre. Jesus hatte bisher auch schon in einigen Gleichnissen
gesprochen. Wir erinnern uns an das Beispiel vom Arzt und den
kranken Patienten (2,17), das Bild einer Hochzeit (2,19-20), und an
die Illustration vom Flicken auf dem alten Stoff oder dem jungen
Wein in alten Schläuchen (2,21-22). Jesus hatte das Gleichnis vom
starken Mann benutzt, der überwunden werden muss, bevor die
Gefangenen in seinem Haus befreit werden können (3,27-28).
Jesu erstes Gleichnis an dieser Stelle ist das Wichtigste, das
Gleichnis vom Säemann (4,3-9). Der große Kreis der Zuhörer ist
die Menge, die in Markus 4,1 erwähnt wird. Dann ist da noch
der innere Kreis, von denen, die Gottes Willen tun, wie Markus
3,35 es ausdrückt. Sie sind die „geistliche Familie“ Jesu. Sie
werden auch als „die Zwölf und die anderen um ihn herum“
bezeichnet (4,10). Der innerste Kreis sind die Zwölf.
35
Markus 4,10-20 springt nun etwas vorwärts und berichtet von
dem, was Jesus später zu seinen Jüngern sagte, als sie mit ihm
allein sind. Markus 4,21-32 setzt das fort, was Jesus vom Boot aus
predigte.
1. Die Gleichnisse beziehen sich auf das Königreich.
Das „Königreich“ ist Gottes kraftvolle Aktivität in der er als
König agiert. Es ist kein Ort, es ist mehr Aktion. Das Königreich
oder die „königlichen Gebote“ Gottes, ist Gott selbst, in dem er
mit Macht durch Jesus arbeitet. Die, die Jesus vertrauen „ererben
das Königreich“. Sie erfahren Gottes rettende Souveränität in
ihrem Leben.
2. Die Gleichnisse sind eine Einladung, das Königreich Gottes
zu erfahren.
Jesus sagt, „Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben“
(4.11). Es ist etwas eigenartige Sprache. Wir würden erwarten,
dass Jesus sagt, „ Euch ist Geheimnis geoffenbart worden, aber
das würde etwas völlig anderes ausdrücken.
Nach Markus ist „das Königreich“ das zentrale Thema der Lehre
Jesu. Jesus ist der König. Wenn Jesus kommt, kommt Gottes
König. Und wenn Gottes König gekommen ist, dann erwarten
wir, dass er in königlicher Macht handelt.
Aber das Königreich bleibt, wenn es uns gegeben wird, ein
„Geheimnis“. Stell dir vor, ich gebe dir einen verschlossenen,
versiegelten Umschlag. Ich gebe ihn nur dir und niemandem
sonst. Du hast etwas, was kein anderer hat. In diesem Umschlag
ist etwas sehr wertvolles. Aber der Umschlag ist versiegelt. Du
hast etwas bekommen aber du hast es noch nicht geöffnet um zu
sehen, was es ist. Jesus sagt seinen Jüngern, dass er ihnen etwas
gegeben hat, was sonst niemand hat aber es ist nach wie vor ein
Geheimnis. Darum müssen sie „darauf achten wie sie hören“
(siehe 4,9). Im Gegensatz zu anderen ist ihnen ein Geheimnis
gegeben und sie müssen wahrnehmen was es ist. Sie erfahren
36
das Königreich indem sie des Königs Stimme wahrnehmen. Sie
müssen darauf bedacht sein, wie sie hören.
3. Gleichnisse zeigen den Unterschied zwischen Geretteten
und Verlorenen.
Die Leute sind eine Mischung aus Bewunderern und Blinden.
Obwohl Jesus mittlerweile populär ist, wird er von Vielen nicht
anerkannt. Sie bewundern Jesus. Er heilt Menschen. Wer könnte
etwas dagegen haben? Aber der eigentliche Grund der
Heilungen ist es, die Menschen auf das Reich Gottes
hinzuweisen. Es ist nicht einfach nur ein Reich der Heilungen. Es
ist ein Reich in dem man das Wort Gottes annimmt, ein Reich
der Gerechtigkeit und einer Liebesbeziehung zu Gott. Die
Menschen wissen, dass Jesus heilt, aber sie schätzen nicht sein
Reich.
Jesus hat sich dafür entschieden seine Lehre in Form von
Gleichnissen weiter zu geben. Er hat deutlich gesagt, dass das
Reich Gottes kommt (1,14-15). Er hat in der Synagoge gelehrt und
den Leuten von der Möglichkeit der Sündenvergebung gesagt
(2,5, 8-11). Er hat am Ufer des Sees zu ihnen gesprochen (2,13).
Es war eine große Volksmenge, die ihn am See hören wollte (4,12) und er entschied sich auf diese indirekte Weise zu ihnen zu
sprechen. „Und der lehrte sie vieles in Gleichnissen“ (4,2a) Das
wichtigste Gleichnis war das Gleichnis vom Säemann (42b-8).
Dann sagt er ihnen, „Wer Ohren hat zu hören, der höre“ (4,9).Er
sagte ihnen das Gleichnis, ohne es ihnen zu erklären.
4. Gleichnisse sind eine Strafe.
Diese Tatsache (in 4,11-12) ist oft nicht sehr geschätzt. Seine
Lehren wurden oft in gleichem Maße abgelehnt wie sie
bewundert wurden. Es gab eine Verabredung ihn umzubringen
(3,6). Einige hatten den Heiligen Geist gelästert in dem sie die
machtvollen Wunder abgelehnt hatten, die seine Einzigartigkeit
zeigten (3,22-30). So sind die Gleichnisse eine Hilfe für seine
Jünger, aber anderen gegeben, um sie nicht in den Segen von
37
Gottes Wort kommen zu lassen. Gleichnisse verhindern das
Verstehen indem sie verblüffend sind. Für die einen sind sie ein
Segen, für andere werden sie zum Gericht. Sie verhindern das
Verständnis.
Gleichnisse ermöglichen einigen Leuten Gottes Absichten zu
verstehen, andere erkennen sie nicht. Die Gleichnisse sind nicht
nur einfach Illustrationen um die Lehre Jesu zu erklären.
Vielmehr sind sie eine indirekte Unterweisung, die die einen
richtet und mit Anderen Barmherzigkeit hat.
Manche Menschen erkennen nicht worum es Jesus in seiner
Lehre geht. Sie spricht nicht zu ihren Herzen. Sie verändert nicht
ihre Herzen und macht sie nicht zu neuen Leuten. Sie hören
seine Lehre mit ihren Ohren und hören sie doch nicht. Sie sehen
sie und sehen sie doch nicht. Gott arbeitet nicht an allen Herzen
gleich. Es ist ein Geheimnis und ich behaupte nicht es zu
verstehen, und doch gibt es keinen Zweifel daran, dass Gott den
einen das Verständnis für seine revolutionäre Rettung gibt und
anderen nicht.
Der Hauptpunkt im Gleichnis vom Säemann ist, dass das Reich
Gottes unterschiedliche Auswirkungen hat. Einige hören so gut
wie nicht auf die Botschaft von der Errettung durch Jesus (4,15).
Andere hören die Botschaft von seiner königlichen
Rettungskraft, sie sind sehr enthusiastisch aber sind nicht
tiefgreifend überzeugt über die Tatsache und ihre Begeisterung
lässt schnell nach. Da war kein echter Glaube. Das Wort hat
keine Wurzeln geschlagen. Es kam zu keiner wirklichen
Reaktion auf Gottes Wort (4,16-17). Ein erster Gegenwind bereits
zeigt dass es nicht echt war. Andere wieder hören die Botschaft
und nehmen sie an, aber Angst, Reichtum und andere
Ablenkungen stehen ihnen im Wege und lassen keine
Auswirkungen auf ihr Leben zu (4,18-19). Das Ergebnis ist, dass
sie unfruchtbar sind. Trotz der großen Kraft, die das Reich
Gottes besitzt, wird diese Kraft oft missachtet und sich
38
widersetzt und so kommt es nicht zu den vorgesehenen Auswirkungen im Leben vieler Gläubigen. Im Leben anderer
wiederum bewirkt die Botschaft vom Reich Gottes, bei denen die
sie hören, außerordentliche Fruchtbarkeit (4,20).
Nicht alle Leute haben Ohren! „Wer Ohren hat zu hören …“. Aber
nicht einmal alle, die Ohren haben hören auch hin. „Wer Ohren
hat zu hören, der höre!“
Die Hörer, die weit von Jesus entfernt stehen, haben keine
geistlichen Ohren. Denen, die nah an ihm dran bleiben, ist das
Geheimnis gegeben. Sie haben Ohren zu hören. Denen, die nah
an Jesus dran sind, muss es wichtig sein, was Gott aktuell sagt.
Sie haben Ohren. Darum müssen sie hören!
Das erste Gleichnis ist das Wichtigste und gleichzeitig der
Schlüssel zu allen anderen Gleichnissen. Wenn die Jünger dieses
Gleichnis nicht verstehen, werden sie alle anderen auch nicht
verstehen (4,13). Es gibt Menschen, die haben Gottes Wort, aber
sie haben kein besonderes Interesse daran. In diesem Fall wird
das Wort schnell wieder von ihnen weggenommen (4,15).
Andere wieder haben Gottes Wort sogar flüchtig akzeptiert, aber
auf Grund fehlender Ausdauer verlieren sie das Interesse (4,1617). Andere wiederum haben das Wort Gottes angenommen,
aber Dinge wie Sorgen, Reichtum, eigene Wünsche usw.
kommen, und auch sie verpassen die Auswirkungen des Wortes.
Nur diejenigen, die hören, ausdauernd hören, und das Wort
Gottes über alles stellen, bringen Frucht und erleben die
Segnungen des Reiches Gottes.
Nur jemand, der hört und an dem festhält was er hört und sich
durch nichts davon abbringen lässt, nur dem wird das Reich
Gottes zu einem fruchtbaren Leben (4,20).
39
8
Reaktionen auf das Königreich
Markus 4, 21-34
Das Königreich Gottes hat unterschiedliche Auswirkungen.
Selbst die Predigten Jesu waren nicht hundert Prozent effektiv.
Wie kommt es zu diesen unterschiedlichen Auswirkungen?
Das Reich Gottes ist ein Geheimnis. Es steht vielen zur
Verfügung aber nur wenige kennen es wirklich. Es erfordert eine
verantwortungsvolle Reaktion, Ausdauer und den Willen,
Gottes Sache an die erste Stelle zu setzen. Die „Weg“-Menschen
aus Markus 4,15 zeigten keine Reaktion. Die Menschen mit dem
steinigen Boden aus Markus 4,16-17 zeigten keine Ausdauer.
Die „Dornen“-Gläubigen (4,18-19) erlaubten es anderen Dingen
ihr Leben stärker zu beeinflussen. In all diesen Fällen konnte
keine Frucht entstehen.
1. Wie kann das Reich Gottes dennoch sichtbar werden?
Der nächste Abschnitt ist ein eigenes Gleichnis, das Gleichnis
von der Lampe (4,21-25). Man bringt eine Lampe in einen Raum,
damit dieser Raum von ihr erhellt wird. Natürlich bringt man
diese Lampe nicht hinein und stülpt dann einen Eimer darüber.
Man stellt diese Lampe auch nicht unter das Bett. Genauso hat
auch Gott seinen König und seine königliche Macht in diese Welt
gebracht, um diese Welt zu erleuchten. Aus menschlicher Sicht
mag der Fortschritt langsam sein, aber das Angebot des Reiches
ist ernstgemeint und es ist Gottes Plan, dass diese königliche
Macht Licht in die Dunkelheit dieser Welt bringen wird. Auch
wenn es nicht immer danach aussieht oder sofort erkennbar ist,
wird Gott doch seinen Plan zum Ziel bringen. Gott hat das Licht
seines Reiches nicht in diese Welt gebracht, um es dann unter
40
einem Bett zu verstecken. Sein Plan ist es, seine königliche Macht
in dieser Welt wirksam werden zu lassen.
Das die Fortschritte seines Reiches so gering sind, liegt nicht an
Gott und seinem Plan, sondern an den Männern und Frauen, die
er dazu benutzt, und an der Härte ihrer Herzen.
Dem Gleichnis folgen einige Aussagen, die dem vorher gesagten
noch mehr Gewicht geben. Wie groß Gottes Segen sein wird,
hängt davon ab, wie sehr wir ihn suchen. Er steht ganz im
Gegensatz zu unserer Art zu helfen. Im menschlichen
Miteinander sind wir immer geneigt, denen zu geben, die wenig
haben und nicht den Reichen. In der Erfahrung des Reiches
Gottes ist vieles total anders. Denjenigen, denen die Erkenntnis
vom Reich Gottes gegeben ist, wird noch mehr gegeben!
Diejenigen die arm sind, verarmen immer mehr. (Ich spreche
hier vom geistlichen Segen, vom Segen des Reiches Gottes, nicht
vom Geld!)
Ds Gleichnis stellt klar, dass das Reich Gottes einmal Realität
werden wird. Die Frage ist, Wer wird in der Lage sein das
Kommen von Gottes königlicher Macht in Jesus zu erkennen?
Jesus weißt auf seinen eigenen Dienst hin. Er kommt als das
Licht in diese Welt. Es ist nicht Gottes Plan das Licht seines
Sohnes unter einem Gefäß oder unter einem Bett zu verstecken.
Der Augenblick wird kommen, in dem jeder Jesus als Gottes
König erkennen wird. Die Frage ist, wer ist in der Lage dies jetzt
schon zu sehen? Wer ist in der Lage, in der Person Jesu, Gottes
König zu sehen? Es ist dieser Gedanke, der Jesus sagen lässt,
„Passt auf, auf das was ihr hört!“ (4,24) Das Königreich erfordert
Aufmerksamkeit und Denken. Je grösser die gehorsame
Reaktion ist, umso mehr weitere Erkenntnis wird kommen. (4,24)
Der Person, die sich auf die Erfahrung des Reiches Gottes
einlässt, wird mehr gegeben (4,25a). Die Person, die die Botschaft
vom Reich Gottes hört, aber nicht auf das reagiert was sie hört,
wird sogar das wenige, was sie hat, verlieren. (4,25b) Niemand
41
bleibt an einer Stelle stehen. Jeder geht entweder rückwärts oder
vorwärts in den Segnungen Gottes.
2. Ein weiteres Gleichnis macht deutlich, dass das Reich
wachsen wird, unabhängig davon, wie darauf reagiert wird.
(4.26-29
Ein Mann streut Samen auf sein Feld. Danach beschäftigt er sich
mit anderen Dingen. Manchmal schläft er, manchmal hat er
anderes zu tun. Währenddessen keimt der Same und wächst.
Der Bauer muss nicht dauernd hinsehen oder sogar den Samen
ausgraben um zu sehen was passiert. Er wächst von selbst. Die
Sonne und der Erdboden tun ihre Arbeit.
Das ist ein ermutigendes Beispiel. Es ist nicht die Verantwortung
von Männern und Frauen das Reich Gottes wachsen zu lassen.
Der Sonnenschein, der Regen und die Mineralien in der Erde
sorgen für das Wachstum. Und das Wachstum wird kommen!
Unabhängig von allen Reaktionen die das Reich Gottes erfährt,
es wird vorangehen. Es kommt in Schritten und Etappen, aber
zuletzt wird die Ernte kommen. Nichts wird es aufhalten. Das
Reich Gottes geht seinen Weg. Der Bauer hat vielleicht hart
gearbeitet, aber es ist nicht seine Aufgabe die Sonne scheinen zu
lassen oder den Regen zu schicken. Er ist nicht derjenige, der das
Leben in den Samen gelegt hat. Diese Dinge passieren wie von
selbst. Die königliche Macht Gottes ist dazu bestimmt über diese
Welt zu kommen. Es ist nicht die Frage, ob Gottes Reich
kommen wird, als vielmehr die Frage, wer wird der Nutznießer
sein? Das Reich Gottes wird „aus sich selbst“ wachsen. Die
göttliche Macht ist einfach königliche Macht! Niemand kann sie
aufhalten.
Dennoch gibt es hier ein Spannungsfeld, Das Reich Gottes ist
stark und dennoch ist es schwach. Man kann das Reich Gottes
ablehnen aber niemand kann sein Kommen aufhalten. Der Same
kann vielleicht im Leben verschiedener Leute, wegen ihrer
42
menschlichen Härte oder Taubheit, nicht Fuß fassen, aber er
kann nicht versagen.
3. Der nächste Gleichnis macht deutlich, dass das Reich Gottes
letztendlich zu einem großartigen Ergebnis führt. (4.30-32)
Ein Samenkorn wird gesät. Es wirkt auf den ersten Blick sehr
klein. Man kann sich kaum vorstellen, dass aus diesem
Samenkorn viel hervorkommen wird. Aber irgendwann wird
aus diesem Samenkorn ein mächtiger Baum mit einem
beeindruckenden Blattwerk. Jesus möchte, dass seine Apostel
dies verstehen. Als er mit seinen Jüngern zusammen war, hat er
ihnen erklärt, was diese Gleichnisse bedeuten. (4.33-34)
Das Reich Gottes hat oft kleine Anfänge. Zum Beispiel die
Geburt eines Zimmermanns-Sohnes in einer verachteten Provinz
in Galiläa in einem ebenso unscheinbaren Land Israel am
östlichen Ende des Mittelmeeres. Wie unscheinbar schien dies zu
sein, neben dem mächtigen Römischen Reich und den
Philosophen im alten Griechenland. Ja, große Ereignisse in
Gottes Reich haben oft kleine, unscheinbare Anfänge.
43
9
Jesus – Herr über alles
Markus 4,35 – 5,20
Bisher hat uns Markus in seinem Evangelium, Jesus in seiner
Größe als Lehrer gezeigt. Jetzt beginnt er, uns Jesus als den
Herrn des Universums zu zeigen. Wir gehen von seinen
Gleichnissen (Kapitel 4,1 – 34) zu seinen Wundern. Jesus ist der
Herr der Schöpfung. (4,35-41), der Herr über den Teufel (5,1-20)
Herr über den Tod (5,21-24 u. 35-43) und Krankheiten (5,25-34).
Zuerst ist da die Begebenheit, die uns Jesus als Herrn der
Schöpfung zeigt, Es ist schon später am Tag (4,35). Jesus und
seine Jünger machen sich in einem Boot auf den Weg zur
anderen Seite des Sees. Andere Boote folgen ihnen (4,36).
Plötzlich kommt ein so heftiger Sturm auf, dass sie die Angst
packt, ihr Boot könnte kentern und sinken. (4,37). Jesus schläft
(4,38).
Die Reaktion der Jünger ist fragwürdig. Indirekt werfen sie Jesus
vor, sich falsch zu verhalten. Auch wenn wir in kritische
Situationen kommen, fühlen wir uns hilflos und erwarten von
anderen, etwas zu unternehmen. Oft suchen auch wir den Grund
für unsere Situation bei anderen und erwarten, dass andere
eingreifen. Wir fühlen uns selbst hilflos und erwarten dass
jemand uns hilft. Unbewusst machen wir Anderen
Schuldgefühle und fordern sie dadurch heraus uns zu helfen. So
haben es die Jünger auch bei Jesus gemacht (4,38). Im Grunde ist
das aber ein schlechtes Verhalten und wir sollten das erkennen
und ablegen. Jesus befahl dem Sturm sich zu legen (4,39) und
sofort wurde es ruhig (4,39). Dann weist er die Jünger zurecht.
„Warum habt ihr Angst?“ fragt er sie (4,40). Diese Art Angst
mitten in einer Krise ist das Gegenteil von Glauben und
Vertrauen (4,40). Feigheit offenbart Kleinglauben und wenig
44
Vertrauen in Jesus. Die Jünger beschuldigten Jesus, nicht für sie
zu sorgen. Offenbar war ihnen nicht bewusst, dass er in der Lage
sein würde, etwas für sie zu tun und ihre Situation zu
verändern. Sie weckten ihn nicht auf weil sie von ihm
erwarteten den Sturm zu stillen. Sie wollten, dass er das
Problem sah, in das er sie hineingeführt hatte.
Jesus machte ihnen deutlich, dass er größeres Vertrauen wert
war und beanspruchen konnte. Das Wunder ließ die Jünger neu
die wirkliche Größe Jesu erkennen und verstehen. Einige
Minuten vorher hatte er noch geschlafen. Ohne Frage war seine
Müdigkeit das Ergebnis seiner Arbeit und seines Dienstes. Und
doch, der Selbe, der eben noch erschöpft eingeschlafen war, ist
auch gleichzeitig der, der das ganze Universum regiert. Im
Vertrauen auf seine eigene Kraft wusste er, dass jeder Aspekt der
Schöpfung auf sein Wort hören würde. Er war schwach genug
um müde zu werden. Er war stark genug um Sturm und Wellen
zu befehlen.
Jesus ist der Herr der Schöpfung. Er hat jederzeit Kontrolle über
Wind, Regen und Sturm. Trotzdem ist er derselbe Herr Jesus
Christus, der nach einem harten Arbeitstag erschöpft im Boot
einschläft. Weil er der Herr des Universums ist, kann er auch in
jedem Notfall sofort eingreifen. Weil er aber auch ganz Mensch
ist kann er sich mit uns und unserer Welt identifizieren. In ihm
sind Göttlichkeit und Menschlichkeit, unbegrenzte Macht und
Mitleid, vereinigt.
Das nächste Ereignis zeigt Jesus als den Bezwinger des Satans
(5,1-20). Er kommt auf die andere Seite des Sees zu einer Stadt im
Gebiet der Gerasener am Ostufer des Sees gelegen. (in
Matth.8,28-34 auch „Gebiet der Gadarener“ und in Lukas 8,2631 Gebiet der Gerasener genannt.) Dort trifft er auf einen wild
und unheimlich aussehenden Mann. Alles deutet darauf hin,
dass er von Dämonen besessen ist. Er lebt an Plätzen, die sonst
nur für Tote vorgesehen sind (5,3). Er ist unglaublich stark,
45
sodass man ihn nicht einmal mit Ketten fesseln kann (5,4). Er hält
sich fortwährend bei den Gräbern und in den Grabhöhlen auf; er
schreit und fügt sich selbst Wunden zu indem er sich mit Steinen
schlägt und schneidet (5,5). Sofort wird er auf Jesus aufmerksam.
Er ist wie gezwungen in Jesus den Messias zu erkennen (5,6-7).
Er schreit mit lauter Stimme, „Jesus, du Sohn Gottes des
Allerhöchsten!“ Wenn keiner Jesus erkennt, der Teufel weiß wer
er ist!
Es ist ein offensichtlicher Fall von dämonischer Besessenheit.
Jesus befielt dem bösen Geist, den Mann zu verlassen (5,8) und
fragt nach seinem Namen. Tatsächlich leben hunderte von
Dämonen in ihm (5,9). Jesus erlaubt den unreinen Geistern in die
Schweineherde zu fahren, die in der Nähe ist. Alles das spielt
sich innerhalb des traditionellen Landes Israel ab und nach dem
mosaischen Gesetzt waren Schweine unreine Tiere. Die Leute in
der Gegend hätten in Gottes Land eigentlich gar keine Schweine
halten dürfen. Die jetzt von den Dämonen besessenen Schweine
zerstörten sich selbst (5,10-13).
Schnell verbreitet sich die Nachricht über dieses Ereignis bei den
Menschen in der Gegend und alarmiert sie (5,14-17). Der geheilte
Mann hat den Wunsch, sich Jesus anzuschließen und sein
Jünger zu werden (5,18). Jesus gestattet es ihm aber nicht,
sondern schickt ihn nach Hause, um seinen Leuten zu sagen,
was Jesus an ihm getan hat. Der Mann geht und verbreitet die
Nachricht in der ganzen Umgebung des Zehn-Städte-Gebietes
(5,19-20). Die Anweisung, die Jesus hier gibt unterscheidet sich
von der Anweisung, die er dem Mann in Markus Kapitel 1,40-45
gibt. Allerdings ist das vorzeitige berühmt-werden hier in der
mehr heidnischen Gegend für Jesus nicht so gefährlich wie es in
der Gegend von Kapernaum war.
Diese Begebenheit zeigt, dass Jesus nicht nur im Bereich der
Natur und des Wetters, sondern auch im Bereich der Dämonen
und des Teufels, volle Autorität hat. Es war für ihn ein Leichtes,
46
dem Sturm zu befehlen und in gleicher Weise auch den
Dämonen. Für seine Jünger waren diese Erlebnisse eine
Ermutigung und eine Warnung zugleich. Es war eine
Ermutigung für sie zu sehen, dass Jesus in der Lage war eine
Menge von Dämonen zu unterwerfen und ihnen Befehle zu
erteilen. Aber es war auch eine Warnung. Wenn Jesus kommt,
müssen Schweine gehen! Die Menschen hatten die Wahl
zwischen Jesus und ihren Schweinen. Sie hatten die Wahl Jesus
willkommen zu heißen und ihre Schweine zu verlieren, oder
Jesus zu bitten ihre Gegend zu verlassen, weil sie befürchteten er
könnte ihnen ihre profitablen aber illegalen Aktivitäten und
Geschäfte durchkreuzen.
Da war der untrügliche Beweis, dass Jesus nur Segen bringen
kann. Der Mann, den sie alle kannten, ist jetzt angezogen und
vernünftig. Aber sie ziehen ihre Schweine vor und bitten Jesus
zu gehen. Die Tragik ist, dass sie bekommen was sie wollen.
Jesus verlässt sie und wird nie wiederkommen. Sie können so
viele Schweine halten wie sie wollen, aber sie haben die
Gegenwart des Sohnes Gottes verloren.
47
10
Herr über Tod und Krankheit
Markus 5, 21-43
Wir haben gesehen, dass Jesus Herr über die Schöpfung (4,35-41)
und auch Herr über den Satan ist (5,1-20). Jetzt zeigt er sich als
Herr über den Tod (5,21-24, 35-43) und über Krankheit (5,25-34).
Die zwei Begebenheiten in 5,21-43 greifen ineinander. Eine
Begebenheit wird innerhalb einen anderen berichtet.
Die Jünger erreichen das westliche Ufer des Sees (5,21). Jairus,
der Leiter einer Synagoge kommt zu Jesus und bittet ihn, seine
Tochter zu heilen (5,22-23). Jesus geht mit ihm, gefolgt von einer
großen Menge Leute, die alle ein weiteres Wunder sehen wollen
(5,24). Unter den Leuten, in unmittelbarer Nähe von Jesus,
befindet sich auch eine Frau, die seit Jahren unter dauernden
Blutungen leidet. Jairus Tochter ist 12 Jahre alt. Ebenso lange hat
diese Frau ihre gesundheitlichen Probleme (5,25). Sie hat viele
Ärzte konsultiert und dabei viel ertragen müssen, aber keiner
war in der Lage ihr zu helfen (5,26). Wie auch Jairus, so vertraut
sie darauf, dass schon ein wenig Vertrauen in Jesus, Heilung
bringen würde (5,27-28). In dem Moment, als Sie Jesus berührt ist
sie geheilt (5,29). Auch Jesus nimmt wahr, dass etwas geschehen
ist (5,30) und findet bald heraus, dass es mit der Frau
zusammenhängt (5,31-33). Er spricht sie an und versichert ihr,
dass ihr Glaube sie geheilt hat (5,34).
Im selben Augenblick kommt die Nachricht, dass Jairus` Tochter
verstorben ist (5,35). Jesus besteht darauf, trotzdem weiter zu
gehen und er erlaubt nur vier Männern ihn zu begleiten (5,35-37).
Als er im Haus von Jairus ankommt, findet er das Kind tot vor.
Dennoch beharrt er darauf, dass ihr Tod nur ein Schlaf ist und
dass sie bald wieder lebendig sein wird (5,38-40a). Jesus
erfasst ihre Hand und das Leben kommt in sie zurück (5,40b-43).
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Die Absicht dieser beiden, ineinander verwoben Begebenheiten
scheint uns darauf hinzuweisen, dass Jesus Macht und Gewalt
auch über die schlimmsten menschlichen Nöte und Leiden hat.
1. Beide Leidenden haben Probleme, die fast unerträglich
schmerzvoll sind.
Jairus musste mit ansehen, wie sich der Zustand seiner Tochter
ständig verschlechterte. Als er sich an Jesus wendet, ist sie
bereits kurz davor zu sterben. „Meine Tochter liegt im Sterben“
sagt er, als er Jesus begegnet (5,23).
Die Frau litt bereits 12 Jahre lang (5,25) und hatte auf ihrer Suche
nach Hilfe nur Enttäuschungen erlebt (5,26). Mittlerweile war sie
auch finanziell am Ende (5,26). Beide Leidenden hatten viele
Enttäuschungen erlebt und alle Hoffnungen auf Hilfe
aufgegeben.
Manchmal erlaubt Gott auch in unserem Leben anhaltend lange
Probleme. Oder aber er lässt diese Probleme solange zu und so
extrem werden, dass uns die Situation als unlösbar erscheint.
2. Trotz ihrer ernsten und scheinbar ausweglosen Notlage
haben beide großes Vertrauen in Jesus.
Jairus vertraut darauf, dass eine Berührung durch Jesus seine
Tochter heilen wird (5,23). Die Frau vertraut darauf, dass allein
nur die Berührung seiner Kleider sie heilen wird (5,28).
3. Jairus und auch die Frau müssen erleben, dass, in dem
Moment als sie eine Antwort erwarten, unerwartet große
Herausforderungen auf sie zukommen.
Die Frau hoffte auch eine unbemerkte Heilung. Man kann
verstehen, warum sie das hoffte. Sie war im Sinne der damaligen
Zeit unrein. Allein die Tatsache, dass sie sich unter die Leute
mischte und dadurch von vielen berührt werden würde, war
nach den Reinheitsgeboten des Mosaischen Gesetzes untragbar.
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In dem Moment, als sie feststellt, dass sie ein Wunder erlebt hat
– sogar ohne dass Jesus es wusste – ist sie plötzlich ungeschützt.
Jesus fragt, wer ihn berührt hat. Voller Angst und Sorge gibt sie
sich zu erkennen. Wird sie jetzt Schwierigkeiten bekommen?
Wird ihre Heilung rückgängig gemacht, weil sie nicht um
Erlaubnis gefragt hatte? Genau an dem Punkt, als sie von ihren
langjährigen Leiden befreit wurde, kommt die Herausforderung
an ihre Hoffnung und ihren Glauben.
Jairus hat ähnliches erlebt. Zusammen mit Jesus und drei
weiteren Jüngern ist er auf dem Weg zu seinem Haus. Es sieht so
aus, als ob Jesus das unmögliche möglich machen würde und
seine Tochter heilen würde. In dem Moment kommt die
Nachricht, „Bemühe Jesus nicht länger. Deine Tochter ist gestorben.“
Was für eine niederschmetternde Nachricht war das für Jairus,
gerade in dem Moment als seine Hoffnung auf Heilung den
Höhepunkt erreichte. Das alles verschlimmert sich noch, als
Jesus sagt, dass das Kind nur schläft und dass sie aufwachen
wird und die Leute ihn für diese Bemerkung auslachen und
verhöhnen. Wie auch bei der Frau verfliegt alle Hoffnung bei
Jairus gerade in dem Moment, als er so nah dran ist etwas
Wunderbares zu erwarten.
4. Jesus ermutigt beide.
„Tochter, dein Glaube hat dich geheilt … geh in Frieden …“ sagt er
der Frau. Sie wird ihr Wunder nicht verlieren! Jesus versteht sie
und möchte ihr nur sagen, dass es ihr Glaube war, der ihr diesen
Segen gebracht hat. Auch für Jairus hat Jesus nur Ermutigung.
„Hab keine Angst“, sagt er, „Glaube nur“ (5.36).
5. Beide Leidenden erleben die Kraft Jesu in ihrem Leben.
Die Frau erlebt sein Mitleid und seine liebevolle Art (5,34) und
bekommt das Wunder, das sie möchte. Auch Jairus sieht Jesu
liebevolles handeln. Er sieht, wie Jesus seine Tochter bei der
Hand nimmt und zu ihr spricht. Er tut dies nicht auf Griechisch,
der Sprache der gebildeten Menschen, sondern in Aramäisch,
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der Sprache der einfachen Leute, der Sprache, die auch ein Kind
verwenden würde (5,41). Als das Kind wieder lebt, bittet er, dass
man ihr etwas zu essen gibt, damit sie wieder zu Kräften kommt
(5,43).
Jesus wünscht, dass dieses Ereignis nicht bekannt gemacht
werden soll. Die Begeisterung über eine Totenauferweckung
würde seinen Auftrag nur behindern.
Die vier Wunder (5,1-43) offenbaren Jesu Macht über Gefahren
und Dämonen, über Krankheit und Tod. Jesus aber hat kein
Interesse an purer Begeisterung. Er ist nicht gekommen nur um
Wunder zu tun sondern als der Sohn Gottes, der seinen Weg
zum Kreuz geht. Nach seiner Auferstehung können diese
Wunder verbreitet werden. Im Augenblick möchte Jesus durch
den Glauben an ihn erkannt werden.
51
11
Die Experten in Nazareth
Markus 6, 1-6a
Was Markus, der Schreiber des Evangeliums, hier berichtet,
spielt sich in der zweiten Periode des Lebens Jesu ab. Diese
zweite Phase begann in Markus 3,7, als er davon berichtet, wie
Jesus die Gegend von Kapernaum verließ (1,21; 2,1) und sich
anderen Gebieten am See Genezareth zuwandte (3,7). Selbst aus
weit entlegenen Gegenden kamen die Leute zu ihm (3,8). Er
predigte am Ufer des Sees und bat seine Jünger ein Boot bereit
zu halten, damit er auf das Wasser hinausfahren konnte, wenn
die Menge der Leute ihn zu erdrücken drohte (3,9). Er war als
Heiler bekannt (3,10). Er hatte Gewalt über böse Mächte (3,11)
aber er erlaubte es ihnen nicht zu sagen, wer er ist (3,12).
Er berief seine Jünger als offizielle Mitarbeiter und bezeichnete
sie als „Apostel“ (3,13-19).
Seine Familie hatte kein Verständnis für ihn (3,20-21) und die
offiziellen Lehrer des Gesetzes lehnten ihn ab ( 3,22-30). Jesus
versammelte um sich eine „Familie“, die aus den Menschen
bestand, die bereit waren Gottes Willen zu tun (3,31-35). Sie
unterrichtete er (4,1-34).
Auf der anderen Seite des Sees bewiesen seine Wunder, dass er
die Kontrolle über die Natur hat (4,35-41) und als sie nach Gerasa
kamen, bewies Jesus seine Macht über den Satan (5,1-20).
Zurück auf der westlichen Seite des Sees erwarteten ihn große
Menschenmengen und Jesus tat weitere Wunder (5,21-43).
Jetzt stattet Jesus seiner Heimatstadt Nazareth einen Besuch ab
(6,1-6a). Wieder ist es ein neuer Abschnitt in seinem Leben und
Dienst. Wieder kommt es an einem Sabbat zur Ablehnung (wie in
3,1-6).
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1. Seine Autorität ist der erste überzeugende Eindruck, den
Jesus gibt.
Er verlässt „den Ort“ (höchstwahrscheinlich Kapernaum) und
geht nach Nazareth (6,1). Er lehrt in der Synagoge (6,2). Sofort
sind die Leute überrascht über sein Wissen und über die
Autorität mit der er lehrt. Jesus weiß, dass Gott ihn geschickt hat.
Er weiß, dass er den Heiligen Geist hat. Er weiß, dass er die
Wahrheit sagt. Das alles zusammen verleiht ihm große Autorität.
2. Wir sehen, wie unlogisch Unglaube ist.
Die Leute in Nazareth erkennen das Jesus Wissen hat (6,2b). Sie
haben auch von seinen Wundern in und um Kapernaum gehört
(6,2b). Gerade erst hat er Wind und Wetter befohlen, Dämonen
angewiesen eine Person zu verlassen, Kranke geheilt und eine
Tote auferweckt. Sie wissen alle genau wozu er in der Lage ist
und was er getan hat. Und trotzdem wollen sie nicht glauben!
Unglaube hat das menschliche Herz fest im Griff. Wir sind in
der Lage die Segnungen Gottes abzulehnen, selbst wenn sie
direkt vor Augen haben!
3. Unglaube hat oft seinen Grund darin, dass wir meinen alles
kommt uns bekannt vor.
Es ist schon eigenartig, dass Männer und Frauen oft denken,
alles zu wissen. Wenn wir meinen alles zu wissen, lehnen wir
alles ab, was sich nicht an dem messen lässt, was wir wissen. Es
kann sein, dass wir auf der einen Seite meinen alles zu wissen
und auf der anderen Seite total ignorant zu sein. Jesus war bei
den Leuten in Nazareth gut bekannt. Sie kannten ihn, seit dem er
ein Junge war. Sie kannten seinen Hintergrund als Zimmermann
(6,3). Sie kannten seine Familie (6,3). So dachten sie, dass sie alles
über ihn wissen. „Kann es etwas über Jesus geben, das wir noch
nicht wissen?“ Menschen empfinden es als sehr schwierig sich
neu Gedanken zu machen, über etwas, was ihnen sehr bekannt
vorkommt. Besonders Theologen lehnen es oft ab sich mit neuen
Gedanken aus der Bibel zu beschäftigen. Sie sagen, „Wir kennen
53
uns aus. Es ist unser Spezialgebiet. Hierüber wissen und
verstehen wir bereits alles.“ Es kann demütigend für einen
„Fachmann“ sein, etwas Neues auf einem Gebiet zu entdecken,
auf dem er als Experte gilt!
4. Unglaube führt zum Verlust des Segens.
Es war Jesus nicht möglich ein Wunder zu tun (6,5). Worin
bestand diese „Unmöglichkeit“? Nicht immer benötigte Jesus
Glauben. Er konnte Tote auferwecken, auch wenn niemand
daran glaubte oder daran dachte, dass er es tun würde. Wenn es
notwendig war, dann reichte sein eigener Glaube aus, um ein
Wunder zu tun. Markus 6,5 meint mit Sicherheit, dass es ihm
nicht „möglich“ war ein Wunder in Übereinstimmung mit dem
Willen Gottes zu tun. An einem Ort von so viel Unglauben wäre
es unangemessen ein Wunder zu tun.
Es hat Jesus überrascht! Jesus war ja auch ganz Mensch. Er
wusste auch nicht alles. Als Mensch war sein Wissen, das er als
Gott hatte, eingeschränkt. Es war nicht so, dass das Wissen, das
er als Gottes Sohn hatte, jederzeit gegenwärtig war. Als der Sohn
Gottes Mensch wurde, bedeutete das, dass er auch seine
Allwissenheit ablegte, die er als Sohn Gottes hatte. Das Resultat
war, dass auch Jesus überrascht sein konnte.
Nazareth hätte doch die am meisten gesegnete Stadt sein
können. Aber sie dachten, sie wären in Bezug auf Jesus bereits
„Experten“ und würden ihn kennen. Experten verpassen aber oft
Segen, weil Sie meinen alles zu wissen und weil dieses Wissen
sie davon abhält zu glauben und zu vertrauen. Glauben zu
haben ist etwas anderes als „Experte“ zu sein. Glaube heißt zu
verstehen, dass wir nichts wissen und dem vertrauen, was Gott
uns zeigen will. Die Menschen in Nazareth verpassten den
Segen, weil sie zu viel wussten!
Wir kommen jetzt zum Ende dessen, was Markus uns über diese
Phase im Leben Jesu berichtet. Wir haben miterlebt, wie Jesus zu
54
Ansehen kam und andererseits von den jüdischen Leitern
abgelehnt wurde (1,21–3,6). Wir haben davon gehört, wie Jesus
die Gegenden am See Genezareth bereist hat, aber auch das ist
mit dem Ereignis seiner Ablehnung in seiner Heimatstadt
Nazareth zu Ende (6,1–6a).
Ablehnung aber bringt Jesus nicht von seinem Auftrag ab,
sondern veranlasst ihn umso mehr, zielstrebig weiter zu machen.
Als die Pharisäer planten Jesus zu töten, beruft er seine Apostel.
Hier passiert ähnliches. Als Nazareth ihn ablehnt, schickt er die
Zwölf auf ihren ersten Missionseinsatz.
55
12
Ausweitung und Widerstand
Markus 6, 6b - 29
Wie so oft im Wirken Jesu führt der ihm entgegengebrachte
Widerstand zur Ausweitung seiner Arbeit. Die Verhaftung von
Johannes hatte Jesus dazu veranlasst, nach Galiläa zu gehen
(1,14). Der Plan ihn zu töten, hatte ihn veranlasst seine Jünger
auszuwählen; und seine erfahrene Ablehnung in Nazareth
(6,1-6a) hatte ihn veranlasst, die Zwölf auf ihren ersten
Missionseinsatz zu schicken. Nach Markus ist es die dritte Stufe
ihrer Ausbildung. Als erstes hatte Jesus sie berufen mit ihm zu
arbeiten. Dann hatte er ihnen die Bezeichnung „Apostel“
gegeben. Jetzt schickt er sie allein auf ihren ersten
Missionseinsatz, denn er selbst geht nicht mit (6, 6b-7).
1. Er gibt ihnen ein Beispiel.
Er zog durch die Dörfer und lehrte. Dabei nahm er sie mit, bevor
er sie aussandte um selbst einen ähnlichen Dienst zu tun (6,6b).
2. Er sendet sie (6,7).
Sie sollen wissen und werden erfahren, dass sie ihren Dienst in
Übereinstimmung mit dem Willen Gottes tun. Sie laufen Gott
nicht voraus.
3. Er schickt sie auf eine Art und Weise, die ihnen nicht das
Gefühl gibt, isoliert und allein zu sein.
Markus erwähnt, dass Jesus die Jünger zu zweit aussendet (6,7).
4. Er gibt ihnen Autorität über Dämonen (6,7b).
5. Sie sollten auf die Gastfreundschaft der Menschen in Israel
vertrauen.
56
Sie sollen im Vertrauen darauf losgehen, von den Menschen,
denen sie predigen, versorgt zu werden. Sie nehmen keine
Verpflegung mit, keine Tasche, kein Geld, kein zweites Hemd
(6,8-9). (Selbst mit einem Wanderstock würden sie versorgt
werden, wie wir in Matthäus 10,10 1 lesen, „…weder einen Stab,
denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert.“) Die Anweisungen hier
beziehen sich darauf, dass Jesus sich dem Volk Israel bekannt
macht. Wenn es um Pioniermission unter Heiden geht können
wir von ihnen keine Unterstützung erwarten.(siehe
3.Johannesbrief,Vers 7 „… und sie nehmen nichts von den Heiden.“)
Wenn es aber um Dienst an Gottes Volk geht, dürfen die
Arbeiter erwarten, auch von Gottes Volk versorgt zu werden. Im
Leben der heutigen Gemeinde wäre das im Vergleich so zu
sehen: Evangelisten werden von der sendenden Gemeinde
unterstützt und getragen, Bibellehrer von der empfangenden
Gemeinde.
Wenn sie zu einem Haus kämen, in dem man ihnen Unterkunft
anbietet, so sollten sie nach Möglichkeit während ihres
Aufenthaltes in dieser Stadt, in diesem Haus wohnen. (Oft
umzuziehen kann sehr anstrengend sein!)
Wenn sie abgelehnt würden, sollten sie weiterziehen und dabei
den Staub von ihren Füßen abschütteln, sozusagen als ein
symbolischer Akt und um damit auszudrücken, dass diese Stadt
unrein ist und unter das Gericht Gottes kommen wird. Dieser
Ausdruck soll ein Zeichen vor den Menschen und vor Gott sein,
dass diese Stadt bereit ist für das Gericht Gottes.
6. Ihre Botschaft ist eine Botschaft zur Buße.
Die Leute müssen über Vielem ihre Meinung und Ansichten
ändern und alte, falsche Wege aufgeben wenn sie den Segen des
Reiches Gottes erleben wollen, der durch Jesus Christus kommt.
7. In großer, geistlicher Kraft und Vollmacht machen sie sich
auf den Weg (6,14).
57
Ihr Dienst und ihre Botschaft werden durch Befreiung und
Heilungen bestätigt.
Einer war nicht glücklich darüber zu hören, was Jesus tat,
Herodes Antipas, einer der Söhne Herodes des Großen, den wir
aus den Berichten in Matthäus 2, 1-20 kennen. Er war König über
Galiläa geworden, als Herodes der Große im Jahr 4 BC starb und
das Königreich aufgeteilt wurde. Er regierte bis 39 n.Chr.
1. Herodes wusste sehr genau, dass er schlimm gesündigt
hatte.
Herodes Antipas hatte einen Bruder, Herodes Philippus², der mit
Herodias verheiratet war. Herodes Antipas hatte Herodias
überredet, Philippus zu verlassen um ihn zu heiraten (6,17b). Das
war gegen das Gesetz. (3.Mose 18,16 u. 20,21).
2. Gott sprach durch Johannes zu Herodes.
Johannes der Täufer hatte ihm offen und ehrlich gesagt, dass
sein Verhalten falsch war (6,18). Herodes wusste, dass Johannes,
in dem was er sagte, Recht hatte. Er hatte die Frau seines Bruders
zur Frau genommen. Herodias war aufgebracht über seine
Offenheit (6,19).
3. Herodes befand sich in einer verworrenen Situation.
Wie viele, die ihre Sünde im Prinzip erkennen, so lebte auch
Herodes in einer widersprüchlichen Situation. Er hielt Johannes
im Gefängnis, beschützte ihn gleichzeitig aber vor seiner Frau
Herodias (6,20). Er wusste, Johannes war ein guter Mann und er
hörte ihn gern predigen (6,20). Dennoch unternahm er nichts
gegen seine eigene Sünde. Er hätte zu seinem Bruder Philippus,
zu Herodias und auch zu Johannes gehen können und hätte
ihnen sagen können, dass es ihm klar war, dass das was er tat
falsch war. Zu diesem Bekenntnis war er aber zu stolz.
4. Herodes war der Gefangene seines Stolzes und geriet
dadurch in noch schlimmere Sünde.
58
Man sündigt um andere Sünde nicht aufzudecken. Herodes
hatte gesündigt, in dem er die Frau seines Bruders genommen
hatte. In diese Situation kommt Johannes der Täufer mit einem
besonderen Wort von Gott. Weil ihn dieses Wort trifft und nicht
zur Ruhe kommen lässt, befielt er aus Zorn, Johannes ins
Gefängnis zu werfen. Er benutzt und begeht eine Sünde, um eine
andere Sünde zu verdecken. Das ist das Problem mit einem
Leben, das in Sünde gelebt wird. Es führt in immer tiefere
Verstrickungen in Sünde.
Es kommt noch schlimmer. Herodes versucht seine
Schlechtigkeit in Grenzen zu halten. Er möchte in seinem
Verhalten Johannes dem Täufer gegenüber nicht noch tiefer
rutschen. Da ist es gerade seine neue Frau Herodias, die ihn noch
weiter drängt. Zu seinem Geburtstag feiert man ein großes Fest.
Es wird gegessen, getrunken und gelacht. Viele wichtige und
hochrangige Leute sind anwesend (6,21). Herodias fordert ihre
Tochter, die Prinzessin, auf vor den Gästen zu tanzen. Sie tut
dies in einer sehr freizügigen Art und Weise (6,22a). Die Gäste
sind begeistert und auch Herodes und so gibt er ihr das dumme
Versprechen, ihr als Dank jeden Wunsch zu erfüllen, und ihr
alles zu schenken, was sie möchte (6,22b-23). Auf Veranlassung
von ihrer Mutter Herodias wünscht sie sich unverzüglich den
Kopf des Johannes (6,24-25). Herodes sitzt in der Falle. Derselbe
Stolz, der es nicht zuließ seine Sünde zuzugeben, lässt es jetzt
nicht zu, sein Wort zu brechen. Er wird lieber zum Mörder als
vor seinen Gästen dumm auszusehen. Stolz, kann uns
befremdend, abartige Wege führen. Herodes stimmt zwar
widerwillig zu (6,26) aber Johannes wird hingerichtet (6,27-28).
Die Jünger des Johannes kommen um ihn zu holen und zu
beerdigen (6,29).
5. Jetzt hört Herodes von Jesus.
Das erstaunliche ist, dass Gott Herodes eine weitere Gelegenheit
gibt. Herodes stellt fest, dass Gott ihn weiter anspricht. Er war
Johannes los, aber jetzt spricht Gott zu ihm durch Jesus und
59
seine Apostel. Im Grunde war das unglaubliche Barmherzigkeit.
Es ist Gottes große Barmherzigkeit, wenn sein Wort uns immer
wieder anspricht. Es ist Gottes Zorn und Strafe, wenn er sein
Wort zurückzieht und wir nicht mehr von ihm hören. Heute,
wenn du seine Stimme hörst verhärte nicht dein Herz. Es kann
sein, dass Du sie nie mehr hörst. Auch jetzt hätte Herodes noch
die Chance gehabt um Vergebung zu bitten. Er glaubte seinen
Predigten. Er glaubte daran, dass Johannes etwas
Übernatürliches war. Er glaubte daran, dass Gott ihn sogar von
den Toten auferwecken könnte. Aber Herodes tat nichts. Er hört
Gottes Stimme, aber er verhärtet sein Herz.
Als sich einige Zeit später Herodes Antipas und Jesus begegnen
(siehe Lukas 23, 7-12), sagt Jesus kein Wort zu ihm. Herodes lehnt
Jesus ab. (siehe Lukas 23, 11-12) Herodes wusste, dass Gott zu ihm
spricht, aber er reagiert nicht. Als er dann dem Sohn Gottes
begegnet, ist es zu spät. Seit er sich der Stimme Gottes widersetzt
hatte, hatte Gott nicht mehr zu ihm gesprochen. Jesus hatte ihm
nichts mehr zu sagen.
Jesu Dienst für diese Welt ging weiter. Herodes hatte seine
Chancen es anzunehmen, aber seine Gelegenheiten verpasst.
Herodes war verloren, aber das Reich Gottes würde durch Jesus
vorangehen.
Notes,
1Es gibt keinen Widerspruch zwischen Matthäus und Markus. Matthäus
verbietet es nicht, einen Wanderstab mitzunehmen. Er weist darauf hin, dass er
zu dem gehört, was einen Mitarbeiter am Reich Gottes zusteht.
²Es sieht so aus, als ob Herodes der Große zwei Söhne mit dem Namen
Philippus hatte. (aber sie hatten unterschiedliche Mütter) Der hier erwähnte ist
Herodes Philippus, der Sohn von Mariamne und Herodes dem Großen. (Siehe
H.Hoehner, Herodes Antipas (CUP, 1972 pp.131-136).
60
13
Überreiche Versorgung durch Jesus
Markus 6, 30-56
Jesus möchte sich etwas ausruhen. Johannes ist gerade
hingerichtet worden. Es ist Zeit über alles nachzudenken. Zeit
für Gedanken und Gebet. Jesus entscheidet, sich mit seinen
Jüngern zu einer kurzen Auszeit zurückzuziehen (6,30-32). Aber
er wird nicht dazu kommen sich auszuruhen! Als er zur anderen
Seite des Sees kommt, erwartet ihn da bereits eine große Menge
Leute (6,33). Er hat Mitleid mit ihnen und beginnt sie zu lehren.
Als es Abend wird macht er sich Gedanken darüber, dass sie
Hunger haben. Die Jünger machen den Vorschlag, die Leute
nach Hause zu schicken (6,35-36), aber Jesus sagt ihnen, „Gebt ihr
ihnen etwas zu essen“ (6,37). Er gibt seinen Jüngern als ersten die
Gelegenheit ein Wunder zu tun und Fünftausend zu versorgen.
1. Die Gelegenheit war eine Einladung an die Jünger ihren
Glauben zu praktizieren und das zu tun, was Jesus getan
haben möchte.
Dieses Wunder ist offensichtlich ein entscheidend wichtiges
Erlebnis in der Zeit mit Jesus. Es wird in allen vier Evangelien
berichtet. Matthäus und Markus berichten sogar von einem
zweiten Erlebnis gleicher Art, bei dem Tausende durch ein
Wunder versorgt werden (siehe Markus 8, 1-10). Weil die Jünger
die Einzigartigkeit dieses Wunders nicht erkannten, verstanden
Sie Jesus auch nicht, als er auf dem Wasser ging (6,52). Sehr
nachdrücklich würde das auch später noch deutlich werden
(8,17-21). Ob sie im Reich Gottes wachsen oder nicht, hing
offensichtlich davon ab, ob sie dieses Wunder verstehen.
Die Jünger hatten zwar das Problem der Menschen erkannt, aber
der Gedanke es durch ein Wunder zu lösen, kam ihnen nicht in
den Sinn. Sie dachten nur an das Geld und die damit
61
verbundenen Schwierigkeiten, so viele Leute zu versorgen
(6,37b). Jesus tut das Wunder für sie, aber er gebraucht sie dabei.
Es ist das Brot, das sie auftreiben, das Jesus gebraucht (6,38). Das
Wunder läuft geordnet ab. Die Leute setzen sich in Gruppen
zusammen (6,39-40) und das Wunder geschieht (6,41-44).
Jesus hatte gehofft, dass die Jünger dieses Wunder tun würden.
Die Not der Menschen an sich, war eine Einladung an die Jünger
wie Jesus zu empfinden und zu handeln. Zumindest hatten sie
so viel Gefühl für die Situation, dass sie sahen, was die Leute
brauchten (6,35-36). Konnten sie nicht auch noch den einen
Schritt weitergehen um genügend geistliches Empfinden zu
entwickeln und zu tun, was Jesus tun würde? „Gebt ihr ihnen zu
essen“ hatte Jesus gesagt. Seit einiger Zeit bereits waren sie mit
Jesus zusammen. Sie hatten gesehen und erlebt, wie er reagierte,
wenn er Menschen in Not sah. Sahen sie nicht, was Jesus von
ihnen wollte? Jesus mochte den Gedanken, dass es die Jünger
sein würden, durch die das Wunder geschah, mehr, als das er es
für sie tun musste.
Natürlich können wir heute solche Wunder nicht einfach
„einschalten“. Und doch, auf unsere Art und Weise und oft
sicher auch weniger dramatisch möchte Jesus, dass wir in seine
Gedanken und Absichten erkennen, sogar bevor er sie uns
mitteilt.
2. Jesus möchte dass sie lernen, wie viel durch ihn getan
werden kann, auch wenn ihre eigenen Möglichkeiten und
Mittel gering erscheinen.
Jesus möchte seine Jünger gebrauchen. Er entschied sich dafür
diese wenigen unbedeutenden Brote und Fische zu gebrauchen.
Warum tat Jesus das? Durch ihn entstand so viel, dass am Ende
zwölf Körbe voll übrigblieben. Eigentlich hätte er nicht einmal
die Brote und Fische benötigt! Und trotzdem tat er es. Er
entschied sich dafür, das zu benutzen, was die Jünger ihm zur
Verfügung stellten.
62
3. Jesus möchte, dass sie sehen, dass er der König Israels ist.
Sie sind in der Wildnis. Markus erwähnt das dreimal (6,31, 32 u.
35). Es erinnert an die Zeit, als das Volk Israel in der Wüste war
und sie wie Schafe, ohne einen Hirten waren. Damals betete
Mose für einen Leiter, damit das Volk Gottes „nicht wie Schafe
ohne Hirten“ wären. (4.Mose 27.17) Gleichzeitig hatte Mose
Männer berufen, die verantwortlich für Gruppen von einhundert
und von fünfzig Personen sein sollten. (2.Mose 18,21). Damals fiel
Manna vom Himmel und versorgte die Menschen.
Jesus wollte seinen Jüngern zeigen, wer er ist: Gottes König,
größer als Herodes und größer als Mose. Wir wissen aus dem
Johannes-Evangelium, dass es Leute gab, die in Jesus einen
König sahen. Allerdings dachten sie dabei mehr an einen
Soldaten und Politiker als an einen Retter und Erlöser.
4. Ihr Verständnis von Jesus sollte schon bald getestet werden.
Die nächste Begebenheit steht im Zusammenhang mit der
Speisung der Fünftausend. Jesus hatte die Jünger
vorausgeschickt nach Betsaida (6,45). Um Zeit zum Gebet zu
haben, macht Jesus selbst sich auf den Weg um den See (6,46). Er
ist unterwegs in den Hügeln am See und betet auch für seine
Jünger, die dabei sind, den See in einem Boot zu überqueren.
Das Wetter schlägt um und die Jünger geraten in
Schwierigkeiten (6,47-48). Jesus vertraut seinem Vater, dass er es
ihm ermöglicht auf dem Wasser zu ihnen zu gehen (6,48a). Er tut
so, als wollte er an ihnen vorübergehen. Er ist nicht so sehr
deswegen unterwegs um ihnen zu helfen, sondern um ihnen zu
zeigen, was ihm, in der Kraft seines Vaters möglich ist (6,48b). Sie
schreien verängstigt auf (4,49-50a), aber Jesus ermutigt sie (6,50b)
und steigt zu ihnen ins Boot (6,51). Sie sind verblüfft (6,51b) aber
Jesus macht ihnen klar, dass sie nicht überrascht sein müssen
(6,52). Wenn sie das Wunder der Speisung der Fünftausend
richtig verstanden hätten, hätten Sie in Jesus Gottes König
erkannt, der Wunder tun kann und dem alles möglich ist. Sie
63
verstanden nur sehr langsam, wer Jesus war, und dass er solche
Dinge tun konnte, wie auf dem Wasser zu laufen.
Schon bald erreichen sie ihr Ziel auf der anderen Seeseite.
Wieder treffen sie auf eine große Volksmenge und Jesus heilt
dort viele, viele Kranke (6,53-56), indem diese einfach nur seine
Kleidung berühren.
64
14
Unnütze Gesetzlichkeit
Markus 7,1 – 23
Wir befinden uns in einem Abschnitt im Markus-Evangelium, in
dem Jesus in Galiläa wirkt. Seit seiner Ablehnung in Nazareth
hat er die zwölf Jünger ausgesandt (6,6b-13) und ist selbst von
Herodes sehr argwöhnisch beobachtet worden (6,14-29). Er hat
fünftausend Menschen mit Essen versorgt (6,30-44) und ist auf
dem Wasser gelaufen (6,45-52). Große Menschenmengen folgen
ihm (6,53-56). Nun kommt es zu einer erneuten Ablehnung, wie
schon zuvor beim Versuch ihn zu ermorden (3,6) und seiner
Ablehnung durch die Leute in Nazareth (6,1-6a). Diesmal
entsteht die Krise, weil er die jüdische Gesetzlichkeit ablehnt.
Jesus ist zu dieser Zeit bei den religiösen Führern in Israel schon
gut bekannt. Sie kommen den langen Weg von Jerusalem um
Jesus anzugreifen. Seit der Zeit, von der in Markus 3,6 berichtet
wird, sind sie darauf aus, Jesus zu töten. Jetzt schicken sie einige
offizielle Theologen von Jerusalem um sich mit Jesu Lehre
auseinanderzusetzen (7,1).
1. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Religiosität und
echtem Glauben.
Die angereisten Pharisäer und Schriftgelehrten bemerken, dass
Jesus und seine Jünger es mit den selbstgemachten religiösen
Gebräuchen der Pharisäer nicht ernst nehmen, die z.B.
vorschreiben sich vor dem Essen die Hände zu waschen (7,2).
Natürlich ist daran grundsätzlich nichts verkehrt und es ist auch
heute in vielen Teilen der Welt Sitte, aber die Pharisäer hatten
ein religiöses Gesetz daraus gemacht. Wer es nicht einhielt
wurde von ihnen als ein schlechter Mensch bezeichnet.
Markus erklärt uns, dass die Pharisäer viele solche traditionellen
Gesetze hatten (7,3-4). Diese zusätzlichen, selbstgemachten,
65
religiösen Vorschriften entbehrten jeder Grundlage im Alten
Testament. Sie waren nicht im Gesetz Mose zu finden. Gott hatte
sie nie eingesetzt oder darauf bestanden sie anzuwenden.
Wir sehen hier einen entscheidenden Charakterzug von
„Religiosität“. Die meisten Religionen haben ihre Vorschriften
und Gewohnheiten. Religiöse Menschen bezeichnen jeden, der
ihre Gebote nicht einhält als schlecht. Es ist möglich, dass die
wahre Erkenntnis Gottes denselben Weg geht. Das Alte
Testament war das Wort Gottes, aber die Pharisäer hatten viele
eigene Regeln hinzugefügt, die nicht im Alten Testament zu
finden waren. Manche moderne „tote Christlichkeit“ tut
dasselbe. Leute erfinden alle möglichen religiösen Vorschriften
und Gewohnheiten und regen sich schnell auf, wenn man sie
nicht einhält. Manche Leute können sehr strikte Ansichten über
das Fasten haben, über das Zeichen des Kreuzes oder über
religiöse Tracht oder Kleidung. Wer anders ist und sich nicht an
diese selbstgemachten Vorschriften hält, wird als Sünder
bezeichnet. „Warum lebt ihr nicht gemäß unserer Tradition“,
fragten sie (7,5). Mit und für Jesus zu leben, ist aber nicht eine
Frage des Rituals und der Tradition.
2. Jesus beschreibt diese Art von Religiosität als das Befolgen
menschlicher Vorschriften.
„Solche „religiösen“ Leute“, sagt Jesus, „reden viel über Gott,
aber ihre Herzen sind weit von ihm entfernt.“ Ihre Religion
erstreckt sich zum größten Teil auf Vorschriften und religiöse
Zeremonien und darauf, anderen vorzuschreiben was sie zu tun
haben (siehe 7,6-8). Ihre Religion besteht überwiegend aus
Traditionen. Kleine Zeremonien, die zuerst ganz gut aussahen,
im Laufe der Zeit aber zu starren Gesetzen wurden. Irgendwann
sind diese starren Zeremonien den Menschen wichtiger als die
weit offenen Prinzipien der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit
und des Gehorsams gegenüber Gott.
66
3. Solche Religiosität kann sehr unaufrichtig und falsch sein.
Jesus gibt ein Beispiel (7,9-10). Das mosaische Gesetz war sehr
ernst in Bezug auf die Verehrung der Eltern. Das Todesurteil traf
jeden, der das fünfte Gebot aus 2. Mose 20,12 (siehe 2.Mose 21,17)
nicht beachtete. Die Pharisäer hatten sich aber einen kleinen
Trick ausgedacht, wie sie dieses fünfte Gebot umgehen konnten.
Es war möglich und erlaubt über ihrem Vermögen das Wort
„Korban“ auszurufen (7,11). Das Wort kommt aus dem
Hebräischen oder Aramäischen und bedeutet so viel wie
„geschenkt“. Es sollte bedeuten und aussagen, dass dieses
Vermögen Gott bereits geschenkt war, obwohl man es ihm gar
nicht geben musste. Die Deklaration aber bewirkte, dass dieses
Vermögen nicht mehr zur Unterstützung der Eltern zur
Verfügung stand (7,12-13). Andererseits konnte es aber vom
Besitzer benutzt werden. Es war eine sehr gerissene und schlaue
Lösung, sehr religiös zu wirken und doch dabei die Eltern zu
vernachlässigen und das fünfte Gebot nicht einhalten zu müssen.
Es gab noch viele weitere solcher Tricks in der Religion der
Pharisäer (7,13b), wie es sie in allen Religionen gibt.
4. Wirklicher Glaube ist eine Frage des Herzens.
Jesus ignorierte die Pharisäer, wandte sich an die Menschen und
sagte ihnen ein Gleichnis über das sie nachdenken sollten (7,1416). Später erklärt er es seinen Jüngern (7,17-18a). Religiöse
Gesetze und Vorschriften zielen grundsätzlich auf äußeres
Verhalten ab. Äußeres Verhalten aber ist für Gott nicht das
Wichtigste. Besonders kleine rituelle Gewohnheiten wie das
Waschen der Hände bedeuten nichts vor Gott. Vorschriften über
das Essen selbst sind ebenso unwichtig. Nichts was außerhalb
der Persönlichkeit liegt ist wirklich wichtig (7,18b-19). Auch
reines und unreines Essen (was einen Bestandteil im Gesetz
Mose hatte) ist in Wirklichkeit nicht ausschlaggebend. Es hat
vielleicht Auswirkungen auf den menschlichen Magen, berührt
aber nicht seine Persönlichkeit. Markus hält beiläufig fest, dass
die Gesetze über reines und unreines Essen aus dem mosaischen
67
Gesetz, durch dieses Prinzip zum Ende gebracht sind (7,19b).
Worauf es wirklich ankommt ist das Herz! Sünde besteht nicht
in der Nicht-Einhaltung von religiösen Zeremonien. Sünde und
Gerechtigkeit entscheiden sich im Herzen eines Menschen. Das
Problem von uns Menschen ist, dass wir mit Sünde im „Herzen“
dem innersten und zentralen Platz unserer Persönlichkeit,
geboren wurden. Aus dem Herzen kommt alle Neigung zur
Sünde, zur Bosheit und Unreinheit (7,20-22). Dies zeigt sich im
Leben des Menschen. Es ist nicht das Vernachlässigen die Hände
zu waschen, das einen Menschen beschmutzt. Wir übersehen die
Boshaftigkeit unserer Herzen.
Die Pharisäer kamen den ganzen langen Weg von Jerusalem um
nach Fehlern bei Jesus zu suchen. Sie dachten, sie könnten ihn
kritisieren, weil er die Freiheit von selbstgemachten, religiösen
Vorschriften predigte. Aber wie sah es in ihren eigenen Herzen
aus? Waren sie nicht voll von vorsätzlicher Arglist gegenüber
Jesus? Waren sie nicht eifersüchtig und verbittert über seinen
Erfolg? Was bringt es die Hände vor dem Essen zu waschen aber
Herzen voller Schlechtigkeit und Bosheit zu haben?
Sünde ist nicht eine Frage von Ritualen oder Traditionen. Sünde
entspringt unserer inneren Natur. Durch Jesus gerettet zu
werden bedeutet ein neues Herz zu bekommen. Nur Jesus kann
Herzen reinigen. Religiosität kann es nicht.
68
15
Die Kraft des Glaubens
Markus 7,24-37
Alles, was uns zwischen Markus 1,14 bis 7,23 berichtet wird, hat
sich in Galiläa abgespielt. Jesus beginnt jetzt seine Reisen
auszudehnen. Wir werden ihn in Tyrus finden, wo er einer Frau
aus Syro-Phönizien hilft (7,24-30) und im Zehnstädtegebiet, wo er
einen Taubstummen heilt (7,31-37).
Wir können mehrere Gründe dafür erkennen, warum Jesus seine
Reisen ausdehnt. Auch wenn er keine Angst vor Herodes hatte
(siehe Lukas 12,32), so wollte er es doch vermeiden von seinen
Leuten gefangengenommen zu werden. Er sagt seinen Jüngern,
sich vor den Pharisäern und vor Herodes in Acht zu nehmen
(8,15). Er war vorsichtig, um nicht Schritte zu unternehmen, die
seinen Dienst vorzeitig zu Ende bringen würden. Zudem wollte
er gern in einer Gegend sein, wo er nicht so populär war um
mehr Zeit zu haben, seine Jünger und Nachfolger zu schulen.
Auf die eine oder andere Weise fordern die beiden nächsten
Begebenheiten den Glauben heraus; zeigen aber auch, dass da,
wo dieser Glaube sichtbar gelebt wird, Segen entsteht.
Vom See Genezareth (6,53) oder, was weniger wahrscheinlich ist,
vom Haus (7,17) aus, geht Jesus nach Tyrus (6,53, 7,24) in eine
heidnische Gegend. Er ging dort hin um etwas Ruhe zu finden
(7,24b), aber jemand hatte bereits von ihm gehört und kam auf
ihn zu. Die Nachrichten von ihm hatten sich bereits bis nach
Tyrus herumgesprochen. Auch eine Frau aus Syro-Phönizien
hatte von ihm gehört und kommt mit der Bitte zu Jesus, ihrer
besessenen Tochter zu helfen und sie zu befreien (7,25-26).
1. Es kann sein, dass Jesus auf unsere Bitten nicht sofort
antwortet.
69
In diesem Fall bekommt die Frau eine enttäuschende Antwort.
Als er sagt, „Lass zuerst die Kinder satt werden“(7,27a) meint er,
„Ich möchte meine Aufmerksamkeit jetzt erst einmal auf die
Ausbildung meiner Jünger lenken. Ich bin noch nicht zu den
Heiden gesandt. Das wird zu einem späteren Zeitpunkt der Fall
sein.“ Dann sagt er, „Es ist nicht schön, das Brot der Kinder zu
nehmen und es den Hunden hinzuwerfen“ (7,27b). Mit anderen
Worten, Es ist in diesem Moment nicht angebracht den Segen
einer heidnischen Frau zukommen zu lassen. Ich bin hier
hergekommen um meine jüdischen Jünger zu unterrichten.
Jesus benutzt ein etwas humorvolles aber doch „kränkendes“
Bild. Die Frau als Heidin, ist wie ein kleiner Hund außerhalb der
Familie Gottes. Die Jünger sind jüdische Gläubige und deshalb
besondere „Kinder“ in Gottes Familie. Im Augenblick ist Jesus
nur zu den Juden gesandt. Sein Auftrag und Dienst an den
Heiden wird erst viel später beginnen. Nach seinem Tod und
seiner Auferstehung werden seine Apostel diesen Auftrag
ausführen.
Jesus gibt der Frau eine entmutigende Antwort. Ihre Bitte um
Hilfe beantwortet er mit einem deutlichen „Nein“.
Er kann auch unseren Glauben testen, in dem er uns enttäuscht,
wenn wir um etwas bitten. Er scheint „Nein“ zu sagen, und das
macht deutlich, dass wir nicht ernsthaft gefragt haben und dass
wir zu schnell aufgeben. Gott liebt es, wenn wir geistliche
Absichten und Wünsche haben. Er freut sich, wenn es gute
Dinge sind, die wir von ihm haben möchten und nicht schnell
aufgeben, ihn darum zu bitten.
2. Jesus freut sich wenn wir mit Ausdauer beten und nicht
lockerlassen.
Die Frau aus Sydo-Phönizien hat Jesu Antwort nicht akzeptiert.
Sie besteht darauf, „Ja, Herr, aber… (7,28). Sie spürt, dass seine
Ablehnung nicht sein letztes Wort ist und dass sie seine
Barmherzigkeit ernster nehmen soll als die Antwort, die er ihr zu
70
geben scheint. Jesus sagt an einer anderen Stelle, dass wir allezeit
beten sollen, ohne aufzugeben (Lukas 18,1).
3. Glaube argumentiert mit Gott auf der Grundlage seines
Charakters.
Großer Glaube wird immer mit Gott argumentieren. Vielleicht
verhandelt der Glaube auf Grund seiner Verheißungen oder, wie
in diesem Fall, auf der Grundlage seines Charakters. „Ja Herr“,
sagt sie, „auch die Hunde essen unter dem Tisch von den Krumen der
Kinder“ (7,28). Es ist ein Appell an Jesu Barmherzigkeit. Ja, sagt
sie, es ist richtig, dass du in erster Linie für deine Kinder, für die
Jünger, verantwortlich bist, aber wenn ein Vater seine Kinder
versorgt, so ist er doch barmherzig genug auch den Hunden ein
paar Krumen hinzuwerfen. Ich mag einer dieser Hunde sein,
aber bitte zeige mir doch auch deine Barmherzigkeit und lass
mir ein paar Krumen zukommen. Die Frau warf sich ganz auf
die Barmherzigkeit Jesu. Und Jesus fand das gut. Glaube
vertraut auf Gott, auch wenn er Nein zu sagen scheint. Glaube
hält sich an Gottes Verheißungen und wirft sich auf Gottes
Erbarmen und seine Kraft. Solcher Glaube wird belohnt. Es
geschieht, wie Jesus es ihr verheißt. Das Kind wird befreit. (7,29).
Bei der Heilung des taubstummen Mannes aus dem Gebiet der
zehn Städte ist der Glaube wieder herausgefordert, wie immer,
wenn es um den Segen durch Jesus geht. Jesus reist durch Sidon
und auch durch Galiläa, aber nicht durch die Gebiete, die er
vorher schon besucht hat. Er reist bis in das Zehnstädtegebiet auf
der östlichen Seite des Jordan. Dieses Gebiet liegt außerhalb des
Regierungsbereichs von Herodes (7,31).
Während seines Aufenthalts dort bringen sie einen Mann zu
ihm, der taub ist und Schwierigkeiten hat zu sprechen (7,32). Die
Begebenheit ist interessant auf Grund der Frage, wo der Glaube
vorhanden sein muss. Man könnte fragen, Wer muss den
Glauben haben, wenn jemand geheilt werden soll? Die Antwort
ist, Irgendjemand! Der Kranke mag den Glauben haben, die
71
Freunde des Kranken mögen den Glauben haben oder auch die
Person, die für die Heilung betet. In diesem Fall sind es die
Freunde des Mannes, diejenigen, die ihn zu Jesus bringen. Jesus
nimmt ihn vertraulich zur Seite (7,33). In diesem Moment möchte
er keine Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit. Es ist etwas
schwierig dem Mann verständlich zu machen, dass er ihn heilen
möchte. Jesus tut es, in dem er seine Finger in die Ohren des
Mannes steckt und seine unbrauchbare Zunge anfeuchtet und
löst (7,33). Er sieht zum Himmel und signalisiert damit, dass er
erwartet, dass Gott etwas im Leben dieses Mannes tut (7,34). Er
möchte auch eine Erwartung in dem Kranken selbst wecken. In
diesem Moment kommt es zur Heilung von Ohren und Zunge
(7,35).
Wieder bittet Jesus den Geheilten dieses Wunder geheim zu
halten (7,36) aber wieder ist das nicht der Fall und Jesus wird
verehrt und gelobt, als die Heilung bekannt wird.
Die Wunder, die Jesus tut, sind Hinweise auf seine, jederzeit
mögliche, souveräne Allmacht und Kraft. Jesus ist auch heute
noch in der Lage zu heilen. Gleichzeitig sind diese
Heilungswunder ein Vorgeschmack auf den Auferstehungskörper. Es wird der Tag kommen, an dem jeder Teil unseres
Körpers perfekt wiederhergestellt sein wird und nie wieder
versagen wird. Die Wunder der körperlichen Heilung können
auch – so wie es oft auch in den Evangelien beschrieben wird –
als geistliche Beispiele gesehen werden. Alle Bereiche sollen auf
Gott ausgerichtet sein, Wir benötigen geistliche Ohren um zu
hören. Wir müssen mit den Augen unseres Herzens sehen
können. Wir benötigen eine gelöste Zunge um unseren Gott zu
preisen.
72
16
Eine zweite Berührung
Markus 8, 1-26
Die beiden Speisungswunder in Jesu Dienst, waren offensichtlich
zwei außergewöhnlich wichtige Begebenheiten. Durch sie sollten
seine Jünger lernen, dass Jesus überwältigende Möglichkeiten
hat für seine Leute zu sorgen.
1. Jesus gibt seinen Jüngern eine zweite Chance diese
überwältigende Macht der Fürsorge für seine Leute zu
erkennen.
Wieder einmal sollten sie die Gelegenheit bekommen, sein
überreiches Versorgen kennenzulernen. Diese Begebenheit
spielte sich in einer Gegend ab, in der viele Heiden lebten. Die
Not ist noch grösser als vorher. Die Menschen sind bereits seit
drei Tagen ohne Essen (8,1-2). Jesus spricht mit seinen Jüngern
darüber (8,3). Sie allerdings sehen nur die Schwierigkeit und
Unlösbarkeit dieser Situation (8,4). Sie erwarten kein weiteres
Versorgungswunder. Wieder bedient sich Jesus der paar Dinge,
die die Jünger auftreiben um sie durch ein Wunder zu
vermehren (8,5). Durch dieses Wunder werden nicht nur alle
satt, sondern es bleiben auch noch sieben Körbe voll übrig (8,8b).
Es sind allein viertausend Männer, die auf diese Weise versorgt
werden (8,9a).
2. Nicht lange danach zeigt sich aber schon wieder, dass die
Jünger aus diesen Versorgungswundern nichts gelernt haben.
Sie überqueren den See von der östlichen Seite kommend und
erreichen einen Ort mit Namen Dalmanuta (8,9b-10). Die genaue
Stelle ist nicht bekannt, doch er lag offensichtlich auf der
westlichen Seite des Sees. Die Pharisäer bitten um ein Zeichen,
aber Jesus lehnt ihre Bitte ab (8,11-13). Dies führt dazu, dass Jesus
73
seine Jünger vor dem spitzfindigen Einfluss (dem Sauerteig) der
Pharisäer und des Herodes warnt (8,14-15). Weil die Jünger
vergessen haben Brot als Verpflegung für unterwegs
mitzunehmen, meinen sie, dass Jesus es deswegen sagt und
verstehen nicht, was er ihnen mit diesem Hinweis wirklich
sagen will (8,16). Dies zeigt aber, dass sie die Lektion aus den
beiden Versorgungswundern nicht gelernt haben (8,17-21). Sie
haben immer noch nicht verstanden, dass Jesus unbegrenzte
Möglichkeiten hat, seine Leute zu versorgen.
3. Jesus tut ein Wunder um seinen Jünger dadurch zu zeigen,
dass ihr geistliches Verständnis auch weitere Heilung
benötigt.
Das nächste Wunder bezieht sich auf ihr langsames Sehen und
Verstehen. Nie gab es ein Wunder, das in zwei Abschnitten
stattgefunden hat. Niemals darf diese Begebenheit aber so
ausgelegt werden, als ob Jesus nur halb erfolgreich gewesen
wäre ein Wunder zu tun – und man deshalb auch heute mit
solchen halb-erfolgreichen Wundern rechnen muss! Mit
Sicherheit geschah dies, um den Jüngern einen Spiegel
vorzuhalten. Ihr langsames Sehen und Erkennen der Größe und
Allmacht Jesu ist wie ein Blinder, der nur zum Teil geheilt wird.
In Betsaida wird dieser Mann zu Jesus gebracht (8,22). Jesus heilt
ihn, aber seine Heilung ist nur halb erfolgreich, denn der geheilte
sieht andere Menschen wie Bäume umherlaufen (8,23-24). Dann
berührt Jesus den Mann zum zweiten Mal (8,25) und er wird
völlig geheilt (8,25b). Jesus schickt ihn nach Hause, aber möchte
nicht, dass er in den Ort geht und die Heilung bekannt wird
(8,26).
Die Situation, in der sich Jesus und seine Jünger hier befinden
und die Art und Weise, wie dieses Heilungswunder abläuft, ist
mit Sicherheit ein Hinweis darauf, dass auch die Jünger diese
„zweite Berührung“ von Jesus brauchen. Sie haben seine
machtvollen Wunder erlebt und seinen Lehren zugehört, aber da
74
gibt es viel, von dem sie noch keine Ahnung haben. Jesus hatte
ihnen gesagt, dass, obwohl sie bereits Ohren haben, sie doch
noch vieles hören müssen. Sie haben genug gehört und gesehen
um zu wissen, wer Jesus ist und wie machtvoll er handeln kann.
Jetzt sollten sie ihn ausreichend genug kennen um zu wissen,
wie übermächtig und umfassend er für seine Leute sorgt. Aber
sie sind noch wie der Mann, der nur halb geheilt war und
Menschen wie Bäume umherlaufen sieht.
Menschen, die diese zweite Berührung durch Jesus nicht gehabt
haben, sehen nicht, dass Gott in jeder Situation völlig ausreicht.
Die Jünger waren dabei, als Jesus Tausenden zu essen gegeben
hat. Man möchte meinen, dass sie bereit gewesen wären das
gleiche noch einmal von Jesus zu erwarten. Aber Leute, die diese
„zweite Berührung“ durch Jesus nicht gehabt haben, und
dadurch nicht die Größe und das vollständige Versorgen Gottes
erkennen, denken vielleicht, dass es reiner Zufall ist, wenn Gott
großes tut, und das es nicht wieder vorkommen wird. Jesus
möchte, dass seine Jünger wissen, dass er seine Leute immer im
Überfluss versorgt. Jesus möchte, dass seine Jünger darauf
vorbereitet sind. Wenn Jesus handelt werden möglicherweise
Körbe über Körbe übrigbleiben. Jesus versorgt nicht kleinlich. Er
versorgt im Überfluss.
Ein Jünger, der die zweite Berührung durch Jesus erfahren hat,
weiß wie barmherzig und besorgt Jesus um seine Leute ist. Ein
solcher Nachfolger wird nicht so leicht in Panik geraten und
auch keine Schwierigkeiten damit haben und nicht murren,
wenn Gott nicht sofort handelt.
Haben wir diese „zweite Berührung“ erlebt? Es ist wunderbar
zu wissen, dass Jesus barmherzig und gnädig ist und uns helfen
möchte. Mit einer „zweiten Berührung“ werden wir aber viel
mehr sehen. Wir sehen alles richtig. Wir entdecken, dass Jesus
die Verantwortung für uns übernimmt. Wir sehen wie
glaubwürdig und treu er ist. Wir sehen sein Mitleid. Er nimmt
75
uns ohne Vorbehalte an, ganz gleich wie schwach wir sind. Wir
sehen sein überreiches Versorgen. Er ist der Erlöser der, zu
seiner Zeit und auf seine Art und Weise, Wunder des
Überflusses für uns tut. Und das nicht nur einmal. Er ist immer
ein großzügiger Versorger. Wenn Gott unsere Augen berührt,
sehen wir die Dinge richtig. Trotz allem, was Jesus für seine
Jünger getan hat, sehen sie immer noch nicht deutlich seine
Güte, seine Kraft und die unbegrenzten Möglichkeiten seine
Leute zu versorgen. Sie sind nur halb geheilt. Wenn sie zum
zweiten Mal von Gott berührt werden, sehen sie die Dinge wie
sie sind und werden veränderte Leute. Sie werden zu einem
Leben im vollen Vertrauen befreit, weil sie gesehen haben, dass
in Jesus allezeit Überfluss zur Verfügung steht.
76
17
Jesus gibt sich als Messias zu erkennen.
Markus 8,27-30
Kapitel 8,27-30 ist offensichtlich ganz besonderer Wendepunkt
im Markus-Evangelium. Jesus ist jetzt außerhalb des
Herrschaftsgebietes von Herodes unterwegs. Er nimmt seine
Jünger mit nach Cäsarea Philippi (8,27a).
1. Er lädt sie zu einem persönlichen Glauben an ihn ein.
Er findet von ihnen heraus, dass die Leute verschiedene
Ansichten darüber haben wer er ist (8,27b-28). Aber was denken
sie, wer er ist (8,29)? Sie sollen sich nicht einfach nur der
Meinung anderer anschließen. Die üblichen Ansichten über ihn
könnten nicht zufriedenstellend sein. Jesus möchte mehr als
Vermutungen. Er möchte, dass sie sich sicher sind, dass er der
Messias ist. Er fragt sie alle gemeinsam (8,29). Wer denkt ihr, wer
ich bin? Petrus macht sich zum Sprecher der Gruppe und gibt
die Antwort. Sie alle stimmen zu. Sie alle wissen, dass Jesus der
Christus, der Messias ist, der gesalbte König der
alttestamentlichen Prophetie (8,29). Jesus akzeptiert was sie
sagen, aber er möchte nicht, dass sie ihn als Messias bekannt
machen (8,30). Wer Jesus als Messias anerkennt, muss selber zu
diesem Glauben kommen. Jedes unreife Gespräch über Jesus als
„Messias“ führt zu politisierendem Verhalten. Jesus ist nicht,
was sich die Menschen populärer Weise unter einem „Messias“
vorstellten, nämlich ein Soldaten-König, der der Römischen
Herrschaft ein Ende setzen würde.
An dieser Stelle ist es für uns sinnvoll, uns die Begebenheiten
anzusehen, bei denen Jesus fordert, das sein Dienst und sein
Messias-sein nicht voreilig und frühzeitig bekannt gemacht
wird. Er verbietet es Dämonen zu sagen wer er ist, indem er
ihnen verbietet zu sprechen (1,25, 34, 3,12) oder sie austreibt und
77
wegschickt (5,7). Das ist nicht schwer nachzuvollziehen. Das
Zeugnis eines Dämon ist wertlos. Niemand sollte auf den Teufel
hören, selbst wenn er die Wahrheit redet.
Jesus bittet auch geheilte Menschen nicht über ihre Heilung zu
sprechen. (1,44-45, 5,43, 8,26) Es ist eine Bitte, die nie eingehalten
wird. Auch hier ist es nicht schwer zu verstehen, warum Jesus
diesen Wunsch äußert. Jedes Mal, wenn seinem Wunsch nicht
entsprochen wurde, führte dies unwillkürlich zu einem
vorzeitigen Konflikt mit der Obrigkeit. Jesus hatte es nicht eilig
berühmt zu werden oder die Aufmerksamkeit auf sich zu
ziehen. Jeder, der anfing ihn Messias zu nennen, schadete ihm
mehr als ihm zu helfen. Die jüdischen Menschen hatten ohnehin
falsche Vorstellungen von einem Messias. Ihrer Meinung nach
würde es ein politischer König sein, der Israel von der
Herrschaft der Römer befreien würde.
Aus ähnlichen Gründen bat Jesus seine Jünger, das, was sie
allmählich über ihn lernten, nicht lauthals weiter zu geben (8,30,
9,9). Dies war eine praktische Notwendigkeit. Jesus wollte nicht
mit der allgemeinen Ansicht über einen Messias identifiziert
werden.
2. Die Jünger müssen in ihrem Glauben fest werden, dass
Jesus der Messias ist.
Seit einiger Zeit hatten sie die vage Vermutung, dass Jesus der
Messias ist, wie Johannes es in seinem Evangelium bezeugt
(Johannes 1,41, 49). Es gab aber auch Zeiten, in denen sie sich bis
ins Extreme verhedderten. In den frühen Tagen gab es jedenfalls
Nachfolger, denen Jesus nicht vertraute (Johannes 2,24).
Markus lässt seine Leser durchgehend wissen, dass Jesus der
Messias ist, der Sohn Gottes. Am Anfang seines Evangeliums
spricht er vom „Sohn Gottes“ und vom „Herrn“ (1,1, 3). Gott
selbst sagt es, als er bei der Taufe Jesu vom Himmel spricht
(1,11). Die Dämonen haben ihn als Messias erkannt (1,24, 5,7) und
78
Jesus spricht von sich selbst als „Sohn des Menschen“ (2,10, 28)
- wenn auch dieser Titel am Anfang nicht viel aussagte.
Jesus hat nicht viel direkt über sich selbst gesagt. Sein Anspruch
kam mehr durch das was er tat, wie er es tat und als natürliche
Folge dessen, was er sagte. Sein Dienst sagte mehr aus als jede
übertriebene oder unreife Behauptung. Johannes der Täufer
sagte, dass Jesus mächtiger als er sein würde (1,7) und das war
offensichtlich der Fall als Jesus mit seinem Dienst begann. Schon
vor seiner Taufe mit dem Heiligen Geist, die Johannes der Täufer
in Markus 1,8-11 berichtet, hatte Jesus offensichtlich
übernatürliche Kraft. Er überwand Satan (1,12-13). Er verkündete
das Reich Gottes (1,14-15) und übernahm wie selbstverständlich
die Leitung, als er Leute berief seine Jünger zu sein (1,16-20), sie
Apostel nannte, und sie mit Autorität und Vollmacht ausgerüstet
aussandte.
Dann war da sein Lehren. Er lehrte mit unglaublicher Autorität
(1,22) und wurde als Lehrer oder auch als Rabbi bezeichnet (4,38
und auch in 9,5, 17, 18, 38/ 10,17, 20, 35, 51/ 11,21 / 12,14, 19, 32 /13,1
/ 14,14). Er lehrt über Jüngerschaft, über das Reich Gottes, über
Tradition und Gesetz. Wenn er davon spricht, dass andere
„menschliche Lehre“ verbreiten, will er damit sagen, dass seine
Lehre von Gott kommt.
Jesus beweist große Macht über den Bereich des Bösen. Er treibt
Dämonen aus. Er zeigt, dass er stärker ist als Satan und dass er
die von ihm Gefangenen befreien kann. Jesus beweist sich mehr
in dem was er tut, als in dem, was er über sich sagt. Er predigt
und lehrt als jemand, der Gott und seinen Willen direkt und
exakt kennt. Er zeigt sich als der Herr über Dämonen und
Katastrophen, als Herr des Sabbat, als Herr über Krankheit und
Tod, als Herr über Wind und Wetter. Er vergibt Sünde.
Jesus nennt sich selbst den „Sohn des Menschen“ (2,10, 28). Es ist
ein anspruchsvoller Titel und könnte auch einfach mit „Ich“ oder
79
„Dieser hier“ übersetzt werden. Auf jeden Fall spiegelt es Daniel
7,13 wider und will im Grunde etwas wesentlich Größeres
aussagen. Die Jünger nannten Jesus in erster Linie einfach
„Lehrer“ (4,38)
Durch ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit Jesus und seine
ständige Einladung an sie, ihre Augen und Ohren für seine
Wunder zu öffnen, wurde es den Jüngern immer klarer, dass er
der Messias ist. Für sie stand fest, Jesus ist Gottes Gesalbter,
Gottes König, Gottes königlicher Sohn.
80
18
Die Erkenntnis des Kreuzes
Markus 8,31 - 9,1
Markus Kapitel 8,31 bis 9,13 sind das Herzstück des MarkusEvangeliums. Wir sind etwa auf der Hälfte und kommen zu dem
Punkt an dem die Jünger Fortschritte darin machen, Jesus als
Person und in seiner Absicht am Kreuz zu begreifen.
3. Nachdem sie erkannt haben, wer er ist, geht es jetzt darum
seine Absichten zu verstehen.
Nachdem die Apostel klar verstanden haben wer Jesus ist, sind
sie für die nächste Stufe der Erkenntnis über ihn vorbereitet.
Jesus fängt an von seinem Weg zum Kreuz zu sprechen.
An dieser Stelle haben wir einen starken Hinweis darauf, dass
die Bezeichnung „Sohn des Menschen“ mehr bedeutet, als nur
„Ich“ oder „Dieser Mann hier …“. Jesus spricht von sich selbst als
dem „Sohn des Menschen“ (2,10, 28). Hier wird es klar, dass er
mehr damit gemeint haben muss als nur ein simples „Ich“ oder
„Dieses menschliche Wesen …“.
Der Ausdruck, „Sohn des
Menschen“ war der Titel, den wir bereits in der herrlichen Vision
in Daniel 7,13 finden. In Daniel 7 kommt eine menschenähnliche
Gestalt zu Gott und erhält von ihm ein Königreich. „Sohn des
Menschen“ ist im Buch Daniel 7,13 und in der Vision, die Daniel
hat, nicht bloß ein Titel, sondern eine menschliche Gestalt. Dieser
Ausdruck bedeutet, „ein menschliches Wesen“. Es war kein
Ausdruck, den man in den Tagen Jesu benutzte, wenn man von
dem kommenden Messias sprach. Jesus benutzte diesen Titel für
sich selbst. Er will damit zum Ausdruck bringen, dass der Sohn
Gottes, der in Markus 8,29 erwähnte Messias, gleichzeitig auch
der Sohn des Menschen, die Erfüllung aus Daniel 7 ist. Jesus
spricht von sich als dem „Sohn des Menschen“ und stellt klar, was
81
er damit sagen will. Ausgehend von dem, was Petrus sagt, setzt
er voraus, dass der „Sohn des Menschen“ und der „Christus“ ein
und dieselbe Person sind.
Es ist eine erstaunliche Aussage. „Der Sohn des Menschen muss
leiden“! In Daniel 7,13 reitet der Sohn des Menschen in großer
Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels um von Gott das
Königreich zu bekommen. Aber Jesus sagt, „Der Sohn des
Menschen muss leiden“(8,31)! In Daniel 7 ist von Leiden nicht die
Rede. Jesus hat die herrliche Gestalt aus Daniel 7 und die
leidende Gestalt aus Jesaja 53 zusammengefasst. Das Erleben der
Herrlichkeit aus Daniel 7 geht durch die Leiden aus Jesaja 53.
4. Jesus besteht auf der Notwendigkeit des Kreuzes.
Petrus denkt, dass es sich hier um eine Depression Jesu handelt
und erlaubt sich, Jesus dafür zu rügen (8,32). Aber jeder
Vorschlag, dass Jesus das Kreuz vermeiden soll, kann nur vom
Satan kommen (8,33). Petrus denkt hier typisch weltlich und lässt
sich vom Satan so als Werkzeug benutzen (8,33).
5. Jesus besteht auf dem Kreuz für die, die wie er die
Herrlichkeit erreichen wollen.
Er gibt die Einladung dazu, „Wenn jemand mir nachfolgen will…“.
Es ist die Einladung dazu, die Auferstehung, Herrlichkeit und
Ehre über das Kreuz zu bekommen, genau wie Jesus selbst
Auferstehung, Herrlichkeit und Ehre durch das Kreuz
bekommen hat.
Es ist eine ganz persönliche Sache, „Wenn jemand …“.
Es ist eine freiwillige Sache, „Wenn jemand möchte …“.
Solch eine Verherrlichung und Ehre erfordert,
(a) Selbstverleugnung und das Erkennen der Sündhaftigkeit des
menschlichen Herzens.
(b) Den Willen, das Kreuz Jesu zu akzeptieren (anders als Petrus
82
8,32), und die Bereitschaft jede Schmach und Ablehnung zu
tragen,
sowie
(c) Jesus zu folgen, mit ihm unterwegs, und Teil seiner
Dienstmannschaft zu sein.
Modern ausgedrückt beinhaltet es,
(1) ersthafte Lebensänderung und Lebensführung,
(2) völlige Unterstellung unter seine Ansprüche,
(3) Mitarbeit im Reich Gottes.
Dazu fordert Jesus seine Jünger heraus. Es ist der einzige Weg
um richtiges „Leben“ von Gott zu bekommen (8,35). Es ist der
einzige Weg unserem Leben richtigen Wert zu geben (8,36-37).
Nur diejenigen, die Jesus kennen, werden von ihm am Tag der
Belohnung erkannt (8,38), und das Kommen des Reiches Gottes
könnte näher sein, als man denkt (9,1). Einige von denen, die
dabeistanden, würden noch leben, wenn die Römer Jahrzehnte
später in Jerusalem einmarschieren. Markus 9,1 bezieht sich auf
die Erfüllung von Daniel 7,13 (auf das sich Jesus hier durch
seinen Ausdruck „Sohn des Menschen“ bezieht.) In Daniel 7
kommt die menschliche Gestalt zum (nicht vom) Vater, um das
Königreich zu empfangen. Nach Jesu Tod würden Dinge
passieren, die zeigen, dass Jesus zum Vater kam und von ihm
das Königreich erhalten hat. Die Auferstehung, die Zerstreuung
der Apostel und besonders der Fall Jerusalems sind alles Formen
des „Kommens des Königsreiches“.
(Es ist ein Fehler, diese Ausdrücke nur auf das Kommen Jesu auf
diese Erde zu beziehen. Das Kommen Jesu im Endgericht ist nur
ein Ereignis bei dem sichtbar wird, dass Jesus zum Vater
gekommen ist und das Königreich erhalten hat. „Kommen“
bezieht sich in der biblischen Sprache auf mehr als eine
Richtung. Es darf uns nicht verwirren, wenn die christliche
Gemeinde später vom Kommen Jesu spricht. Das Kommen Jesu
zum Vater fand innerhalb einer Generation statt. Sein Kommen
83
auf diese Erde war immer völlig offen und undatiert. „Von dieser
Stunde aber weiß niemand…“.Aber das Kommen zum Vater und
die Offenbarung des Königreiches würde schon bald, innerhalb
einer Generation beginnen.)
Jesus will sagen, dass der Tag des Gerichtes möglicherweise
näher ist als wir denken. Einige von denen, die im Jahr 30 n.Chr.
dort standen und zuhörten, würden turbulente Tage erleben.
Einige würden es erleben, wenn die Römer auf Jerusalem
marschieren. Dann würden ihnen die Worte Jesu einfallen: „was
kann ein Mensch tun, um sein Leben zu retten?“ Wer sein Leben
verliert, wird es finden, wer sein Leben festhalten will, wird es
verlieren. Besonders in den turbulenten Tagen, die den
Menschen in Israel bevorstanden. Der Punkt ist: Der Tag der
Abrechnung ist vielleicht näher als wir denken.
84
19
Die Verklärung
Markus 9, 2-13
Nachdem die Jünger zu der Erkenntnis und Überzeugung
gekommen sind, dass Jesus der Messias ist (8,27-30) und sich
seinem Weg des Kreuzes angeschlossen haben (8,31—9,1),
erhalten sie die Bestätigung für ihren Glauben (9,2-13).
1. Großen Bestätigungen der Realität Gottes geht
grundsätzlich der Glaube voraus.
Die Juden forderten Zeichen ohne glauben zu wollen (siehe 8,1113). Grundsätzlich ist es aber andersherum. Zuerst der Glaube,
danach Gottes Bestätigung. Nachdem die Jünger zu diesem
hohen Glauben in Jesus gekommen waren (8,27-30), gab Gott
ihnen ein spezielles Vorrecht die göttliche Herrlichkeit Jesu zu
sehen. Seine göttliche Sohnschaft wurde dadurch noch einmal
bestätigt.
Die Verklärung fand sechs Tage (9,2) nach dem Bekenntnis der
Jünger, dass Jesus Gottes Messias ist, statt. Es gibt einen
Zusammenhang der Begebenheiten in 8,27 – 9,1 und denen aus
Kapitel 9,2-13. Die Jünger mussten nicht lange warten, bevor sie
diese Bestätigung erhielten.
2. Ein großes Vorrecht war die Vorbereitung auf große
Verantwortung.
Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen nicht
näher bezeichneten Berg (9,2). Fest steht, dass der Berg nicht weit
entfernt war und dass er hoch war (9,2). Mount Tabor wird
traditionell dafür angesehen, entspricht aber nicht ganz den
Anforderungen. Naheliegender wäre ein Berg im Hermon
Massiv, wo es höher war und auch näher bei Cäsarea liegt.
85
Die Einsamkeit eines Berggipfels ist ein idealer Platz um eine
Offenbarung von Gott zu erhalten. Wir erinnern uns daran, dass
Gott sich Mose auf einem Berg offenbarte und auch er 6 Tage
darauf warten musste (2.Mose 24,15). Es waren nur drei Jünger,
die das Vorrecht hatten die Herrlichkeit Jesu zu sehen. Petrus,
Jakobus und Johannes würden später in der Gemeinde große
Verantwortung tragen. Jeder von ihnen würde aber auch vieles
für Jesus erleiden müssen.
3. Die Jünger wurden durch das Sehen seiner göttlichen
Herrlichkeit belohnt.
Zuerst war es nur eine Frage des Glaubens gewesen, dass Jesus
der Messias war, jetzt aber sahen sie es mit ihren eigenen Augen.
Zuerst kommt der Glaube, das Sehen kommt später. Ein Christ
muss zuerst glauben was Gott sagt und ihm vertrauen. Später
werden die Dinge, die er glaubt sichtbar. Jesus erstrahlte in
purem weiß, weißer als jemals etwas gewaschen werden könnte
(9,3). Es war die göttliche Herrlichkeit. Seine göttliche Natur
wurde teilweise sichtbar und bestätigte den Jüngern das, was sie
bereits glaubten. Es war die Bestätigung dafür, dass ein
„Messias“ (8,29) göttliches beinhaltet. Der verheißene Messias
des Alten Testaments ist ein göttlicher Messias.
4. Die drei Jünger erhielten die Bestätigung, dass Jesus die
Erfüllung der Schriften Israels war.
Zwei Gestalten erscheinen mit Jesus, Mose und Elia (9,4). Mose
war bekannt als der Vermittler des Gesetzes. Elia war bekannt
als der größte aller Propheten. Elias erscheinen wird in Maleachi
3,23 angekündigt. Das Gesetz erforderte auch jemanden wie
Mose, der er perfekter Fürsprecher vor Gott war (5.Mose18,15, 18).
Die Propheten des Alten Testaments waren nur vorübergehende
Größen, bevor schließlich der große „Prophet wie Mose“ erschien.
Den Jüngern war es erlaubt zu sehen, dass Mose, Elia und Jesus
in Harmonie und Einheit bestätigt wurden. Jesus war die
Erfüllung der Absichten, die Gott mit dieser Weltgeschichte hat,
86
eine Absicht, in der Gott vorher Mose und Elia benutzt hatte, das
Gesetz und die Schriften der Propheten.
5. Die Anwesenheit der drei Jünger bestätigte, dass die neuen
Ereignisse in Gottes Reich nicht das aufheben oder missachten
würden, was Gott durch Israel getan hatte.
Die drei leitenden Apostel würden nie an der Authentizität der
Offenbarung Gottes seinem Volk Israel gegenüber zweifeln. Der
christliche Glaube würde nie eine neue Offenbarung ohne die
Verbindung zur Vergangenheit sein. Die führenden Apostel
sollten bereits früh in ihrem Erleben erkennen, dass Jesus die
Erfüllung des Gesetzes und der Propheten ist. Weil zwei
geistliche Giganten aus Israels Geschichte am Werk und Dienst
Jesu beteiligt waren, würde die christliche Kirche niemals die
Vergangenheit ignorieren können.
Petrus dachte, dass auf diese Erscheinung reagiert werden
müsste. „Petrus antwortete und sprach …“(9,5). Er spricht von
seiner Freude, dies alles erleben zu dürfen (9,5) und möchte es zu
einem längeren Aufenthalt ausdehnen (9,5) Aber seine Reaktion
entsprang purer Fassungslosigkeit und Angst (9,6). So etwas
hatte Petrus noch nie erlebt. Er wusste nicht, dass so etwas
überhaupt möglich war!
6. Die dramatische Erfahrung war bald vorüber und die
Zukunft würde nicht so herrlich sein.
Die zwei großen Helden der Vergangenheit verschwanden schon
bald in einer Wolke. Gott wollte nicht, dass die drei Jünger ihre
Aufmerksamkeit nur noch auf sie lenkten (9,7a). Eine Stimme
vom Himmel bestätigte, dass Jesus der Gottessohn ist (9.7b). Den
Jüngern wurde dadurch noch einmal gesagt, was der Leser des
Markus-Evangeliums bereits seit Kapitel 1, Vers 11 weiß. Eine
Stimme hatte Jesus bereits seine Sohnschaft bestätigt (1,11). Die
selbe Stimme bestätigte es hier auch den führenden Aposteln
(9,7b). „Ihn hört!“, diesen Ausdruck finden wir in 5. Mose 18,15,
19. Jesus ist Gottes endgültige Stimme an die Gemeinde und an
87
die Menschheit schlechthin.
verschwinden. (9,8).
Alle
anderen
Gestalten
Den Jüngern wird nicht erlaubt über das, was sie erlebt haben,
mit irgendjemandem zu sprechen (9,9). Es ist nicht immer
angebracht, dramatische Erfahrungen zu verbreiten. Unter den
Leuten in Israel, die ohnehin einen Messias rein politisch
verstanden, hätte es eine fieberhafte Aufregung hervorgerufen.
Wenn Jesus gekreuzigt und auferstanden sein würde, würde es
keine Einschränkung mehr geben, ihn als Messias zu
predigen (9,9). Petrus beschreibt in 2.Petrus 1,16-18, was
an diesem Tag mit ihm geschah.
Der Bezug zur „Auferstehung“ (9,10) wurde nicht verstanden,
auch wenn Jesus das schon vorher erwähnt hatte (8,31). Die
Jünger wunderten sich auch über die Erscheinung des Elia. Ist
das, was sie erlebt haben die Erfüllung dessen, was die
Schriftgelehrten gesagt hatten, als sie Maleachi 3,23 erwähnten?
Jesus sagt ihnen, dass Elia bereits gekommen ist. „Elia kommt
zuerst und wird alles wieder herstellen“ (9,12a). Gerade bevor Jesus
kam, kam jemand, der die Predigt des Alten Testaments „wieder
herstellte“ in dem er die Leute dort abholte wo sie waren und sie
zurückbrachte unter eine prophetische Predigt wie sie Elia
gepredigt hatte. Jesus bezieht sich hier auf Johannes den Täufer.
Nun, das Kommen des „Elia“ in der Person Johannes des
Täufers, war kein so herrliches oder triumphales Kommen. Auch
Jesu Zukunft war kein vollständiger Triumpf. „Warum steht denn
geschrieben, dass der Sohn des Menschen viel leiden und verachtet
werden muss?“ fragt Jesus (9,12b). Sie dürfen nicht denken, dass
jetzt der Augenblick ist, in dem der Messias glorreich erscheint.
Da waren Voraussagen, dass der Messias leiden würde (Jesaja
53,3). Auch Johannes der Täufer bekam nicht viel öffentliche Ehre
und Triumpf. „Aber ich sage euch, Elia kam und sie machten mit ihm
was sie wollten; so wie es über ihn geschrieben steht.“
88
Die alttestamentlichen Voraussagen sprachen davon, dass Elia
für einige das Gericht bringen würde (Maleachi 3,24). Das
beinhaltet, dass einige ihn ablehnen würden.
Die Herrlichkeit Jesu ist nur eine Ermutigung. Da gab es noch
viel praktische Arbeit zu tun und sie würden noch viel Leid
erfahren bevor sie Jesus wieder in Herrlichkeit sehen würden.
Der Sohn des Menschen muss leiden. „Elia“ – Johannes der
Täufer – musste auch leiden. Auf dem Weg in die Herrlichkeit
geht es zuerst durch Leid, das sollten sie wissen.
89
20
Kraft durch anhaltendes Gebet
Markus 9, 14-29
Die Jünger kommen herunter von der größten Erfahrung, die sie
in ihrem Leben jemals gemacht haben. Sie haben gelernt, wer
Jesus ist und es wurde ihnen gesagt, was mit ihm passieren
würde. Sie haben erlebt, wie seine Göttlichkeit bestätigt wurde.
Als sie zu den anderen Jüngern kommen, die unten
zurückgeblieben waren, finden sie diese in einer schwierigen
Situation, die sie nicht bewältigen konnten.
1. Auf das Vorrecht, etwas großes zu erleben, folgt oft die
praktische Herausforderung.
Die drei Jünger wären gern noch für einige Zeit mit Jesus auf
dem Berg der Verklärung geblieben, Jesus hatte es aber nicht
erlaubt. Sie mussten zurückkommen, herunter in das normale
Alltagsleben. Das Erlebnis auf dem Berg würde ihnen helfen, mit
den Herausforderungen hier unten umzugehen. Was nützt es,
die Herrlichkeit Gottes mit eigenen Augen zu sehen, wenn wir
dann nicht in der Lage sind anderen in ihrer Not zu helfen?
Sie finden eine Menschenmenge vor (9,14) inklusive der Gegner
Jesu, den Gesetzeslehrern (9,14). Die Leute sind überrascht, als
Jesus plötzlich erscheint. Sie hatten gedacht, Jesus würde für eine
längere Zeit nicht da sein (9,15). Als Mose auf den Berg Sinai
stieg, blieb er dort vierzig Tage. Jesus stieg an einem Tag auf den
Berg und kam bereits am nächsten Tag wieder herunter. Er hatte
sich aber bereits sechs Tage auf diesen Aufstieg vorbereitet (9,2).
Jesus erkundigt sich nach dem Grund der angespannten
Situation (9,16) und man berichtet ihm von einem besonders
schwierigen Fall von Besessenheit (9, 17-18). Der Grund der
Schwierigkeit liegt in dem Unglauben der Leute (9,19a).
90
Dem Jungen hätte schon längst geholfen werden können, wenn
sich gläubige Leute um ihn gekümmert hätten. Jesus beginnt
dem Jungen zu helfen. Er stellt einige Fragen und findet heraus,
dass es sich um ein echtes, schon lange andauerndes Problem
handelt (9,19b – 22). Anders als die Jünger, ist er bereit und in der
Lage zu helfen.
2. Praktische Herausforderungen erfordern möglicherweise
starken Glauben.
Eine Situation wie diese erfordert Mut und starkes Vertrauen in
Gott. Der Vater des Jungen schwankt zwischen Glaube und
Zweifel. Er hatte genug Glauben, um seinen Sohn zu den
Jüngern zu bringen, aber seine Erfahrungen mit den Jüngern
haben ihn entmutigt. Er hofft, dass Jesus in der Lage sein wird
zu helfen aber er hat gleichzeitig ernsthafte Zweifel. „Ich glaube;
hilf meinem Unglauben“, sagt er (9,23). Jesus ist mit einem nicht
glaubenden Gegenüber, mit kraftlosen Jüngern und mit
zweifelnden Freunden konfrontiert.
Jesus nimmt sich der Schwierigkeit des vorliegenden Problems
an (9,19b-22). Der Vater hat Glauben, aber er weiß, sein Glaube
braucht Stärkung 9,23-24). Jesus befielt dem bösen Geist zu gehen
(9,25-26a). Das Resultat ist zuerst einmal Entmutigung (9,26b),
denn es sieht so aus, als ob der Junge tot wäre. Jesus aber nimmt
seine Hand und richtet ihn aus diesem Zustand auf (9,27). Die
Begebenheit macht deutlich, dass manche Situationen starken
Glauben erfordern. Mehr als alles andere möchte Gott den
Glauben und das Vertrauen von uns. Das Böse der menschlichen
Rasse hat seine Wurzeln im Unglauben und im Zweifel an
Gottes Kraft. Die Situation hier vor den Jüngern ist sehr extrem.
Nur großes Vertrauen in Gott ist in der Lage etwas zu bewirken
und zu helfen.
3. Starker Glaube kommt durch Gebet.
Das anschließende Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern
erklärt was passiert ist, „Warum konnten wir den Dämon nicht
91
austreiben?“ fragen sie (9,28) und Jesus sagt ihnen, „Diese Art kann
man nur durch Gebet austreiben“ (9,29) .1
Teuflische Mächte sind unterschiedlich stark. Manche
Situationen lassen sich relativ leicht bewältigen. Die einfache
Predigt des Evangeliums kann schwache Dämonen vertreiben.
Aber da ist auch so etwas wie „diese Art“. Die Kraft der
Dämonen ist offensichtlich unterschiedlich. Für einige ist viel
besonderes Gebet erforderlich, bevor sie sich einem
vollmächtigen Befehl ergeben. Eigentlich betet Jesus hier nicht
einmal. Er befielt dem Dämon zu gehen und der Dämon hört auf
seinen Befehl. Wir müssen uns daran erinnern, dass Jesus gerade
einige Zeit auf dem Gipfel des Berges verbracht hat. Ein Grund
dafür war, dass er die Einsamkeit suchte. Er wollte Gott suchen
und Offenbarungen von ihm erhalten. Jesus war immer ein
Mann ausreichenden Gebets. Er war auf dem Gipfel des Berges
gewesen und war in der Lage, dem Dämonen einen Befehl zu
geben, dem er unverzüglich zu gehorchen hatte. In diesem Punkt
waren die Jünger wesentlich schwächer als Jesus. Als das
besessene Kind zu ihnen gebracht wurde, waren sie nicht
ausreichend genug Männer des Gebets und des Glaubens, um
einem Dämon Befehle zu geben, denen er zu gehorchen hatte.
Jesus versucht ihnen zu helfen. „Diese Art lässt sich nicht
austreiben, als nur durch Gebet.“ Die Herausforderungen, die
einem Christen begegnen, können unterschiedlich schwierig
sein. Einige sind leicht zu bewältigen. Etwas Wissen, etwas
Glauben, etwas Gebet – und das Problem geht. Aber es gibt auch
andere Situationen, die wesentlich schwieriger sind. Vielleicht
gibt es das Problem schon viele Jahre (wie 9,21 andeutet). Die
Symptome sind vielleicht extrem (9,18, 20b, 22). Der Dämon
gehorcht
vielleicht
nur
unter
Widerstand
(9,26).
In einer solchen Situation hilft nur die gründliche Vorbereitung
durch großen Glauben und viel Gebet. Drei der Jünger hatten
gerade die größte Erfahrung ihres Lebens gemacht. Mit ihren
eigenen Augen hatten sie die strahlende, göttliche Herrlichkeit
92
Jesu, des Sohnes Gottes gesehen. Aber auch dieses große
„Erlebnis“ allein kann ihnen nicht helfen, es sei denn es bringt
sie zu einem Leben des Glaubens und Betens. Das Erleben der
göttlichen Herrlichkeit ist nicht mehr als eine Ermutigung für
sie. Sie werden immer wieder den großen Herausforderungen
des Lebens begegnen und müssen deshalb, wie ihr Erlöser, Zeit
im Gebet mit Gott verbringen.
1Manche
Übersetzungen sagen an dieser Stelle zusätzlich „und fasten“, aber
diese Worte wurden später hinzugefügt, als Askese in der Kirche populär
wurde. Schreiber späterer Jahrhunderte hatten die Tendenz auf das Fasten
hinzuweisen.
93
21
Das Angebot wahrer Größe
Markus 9, 30-50
Jesus ist weiterhin unterwegs. Dabei vermeidet er nach wie vor
Herodes und die Pharisäer (9,30). Zum zweiten Mal spricht er
von seinem Tod und seiner Auferstehung (9,31, aber auch
diesmal verstehen seine Jünger ihn nicht (9,32). Es gibt ein
ernsthaftes Missverständnis zwischen Jesus und seinen Jüngern.
Sie sind überzeugt, dass die Aussagen über seinen Tod
unnötiger Pessimismus sind. Sie haben Angst weitere Fragen zu
stellen, weil sie ihn nicht verärgern möchten. Einmal hatte Petrus
seine Vorhersage über seinen Tod in Frage gestellt und Jesus
hatte ihn „Satan“ genannt. Jesus war eine freundliche Person
und sie hätten ihn ruhig um eine Erklärung bitten können, aber
sie hatten Angst davor was er sagen würde.
Als sie so unterwegs sind, drehen sich ihre Gespräche um
„Größe“ (9,33-34). Sie möchten im kommenden Reich Gottes
wichtige Leute sein. Obwohl Jesus von seinem bevorstehenden
Tod sprach, waren sie doch davon überzeugt, dass er einfach nur
pessimistisch war und dass sie unterwegs nach Jerusalem waren,
um ein einmaliges und glorreiches Königreich zu gründen, dass
die römische Besatzung ein für allemal beenden würde. Sie
wollten nicht zugeben, dass sich ihre Gespräche um das Thema
„Größe“ gedreht hatten (9,34).
Viele Leute möchten „groß“ sein in den Augen anderer, aber sie
möchten es nicht zugeben. Es wäre peinlich für sie zuzugeben,
dass sie die Anerkennung von anderen suchen.
Jesus ergreift die Gelegenheit um ihnen etwas über die Größe im
Reich Gottes beizubringen. Größe im Reich Gottes ist etwas
anderes als Größe in der Welt (9,35). Größe wird uns angeboten.
94
Sie zeigt sich in Einzelnen („wenn jemand…“). Es ist die Frage,
was die Person möchte („… sein möchte“).
1. Größe beinhaltet auf die eine oder andere Weise
Erniedrigung.
„Wenn jemand er Erste sein will, soll er der Letzte von allen …“ Gott
wird im Leben dieser Person arbeiten und er wird feststellen,
dass er „der Letzte von allen“ sein wird. Paulus spricht davon in
Philipper 3,8 und sagt, „… ich habe alles eingebüßt und halte es für
wertlos.“ Es war ihm alles genommen, was ihn hätte stolz
machen können. Größe beinhaltet es alles abzulehnen, worauf
ein Mann oder eine Frau stolz sein könnte.
2. Größe beinhaltet anderen Menschen zu dienen.
„ Wenn jemand der Erste sein will … und aller Diener sein.“ Das
muss nicht unbedingt heißen, dass andere dir sagen, was du zu
tun hast, aber es heißt, dass die Art und Weise wie du lebst für
andere ein Segen ist. Niemand ist groß, ohne gleichzeitig „Diener
aller“ zu sein.
3. Größe beinhaltet Sympathie für Machtlose.
Jesus nimmt ein Kind und stellt es in die Mitte der Leute. Er
behandelt das Kind liebevoll (9,36) und sagt, „Wer ein solches Kind
aufnimmt, nimmt mich auf“. Größe ist, sich der Kinder
anzunehmen.
Kinder werden oft vernachlässigt. Sie sind ein Symbol für
Machtlosigkeit. Oft werden sie einfach ignoriert. Sie sind von
anderen abhängig. Wahre Größe im Reich Gottes beinhaltet,
solche in der Gesellschaft anzunehmen, die abgelehnt und relativ
machtlos sind. Niemand ist groß, der nur die Hohen und
Vornehmen seine Freunde nennt. Keine Gemeinde ist groß, die
nur Angesehene und Vornehme als Mitglieder haben möchte.
Jesus beginnt, das was er sagen will detailliert zu erklären:
1. Wahre Größe beinhaltet frei von Rivalität zu sein (9,38-41).
95
Die Jünger haben von einer Person gehört, die Dämonen
austreibt. Diese Person war möglicherweise ein echter
Nachfolger Jesu und er tat diesen Dienst im Namen Jesu. Aber er
gehörte nicht zu den zwölf Jüngern und ihren Kreisen. Es hat
Jesus nicht gestört. Er war nicht der Ansicht, dass er alles, was in
seinem Namen getan wurde kontrollieren müsste. Er wünschte
nicht, dass der Mann in seinem Tun gestoppt würde (9,39). Er
könnte ein Freund sein (9,39-40). Wenn seine Arbeit echt war,
würde er belohnt werden (9, 41).
2. „Größe“ wird immer die Gefahr vermeiden, andere zu
verletzen (9,42).
Es ist besser, das Leben vorzeitig und schmerzvoll zu verlieren,
als Gottes Leuten Schaden zuzufügen. Ein wirklich Gläubiger
kann ernsthaften Verlust davontragen, wenn er oder sie anderen
fahrlässig geistlichen Schaden zufügt. Es ist besser zu ertrinken,
als auf diese Art und Weise zu sündigen.
3. „Größe“ nimmt es damit ernst, sich von allem zu trennen,
was ihn an gottgemäßen Leben hindert.
„Wenn dir deine Hand Anlass zur Sünde gibt… Wenn dir dein Fuß
Anlass zur Sünde gibt… hau sie ab! Wenn dir dein Auge Anlass zur
Sünde gibt, reiß es aus“ (9,43, 45, 47)! Die Verse 44 und 46 in Kapitel
9 fehlen in korrekten Übersetzungen. Die Sätze finden sich in
Vers 48 und wurden später als Vers 44 und 46 hinzugefügt.
Diese Verse beschäftigen sich nach wie vor mit dem Thema der
„Größe“. Ein anderer Ausdruck der gebraucht wird ist der vom
„ins Königreich kommen“. Ins Königreich eintreten meint nicht
den ersten Schritt zu tun, um ein Jünger zu werden. Vielmehr
wird der Gedanke aus Markus 9,33-37 fortgeführt. „Ins
Königreich eingehen“ bedeutet, die Segnungen der göttlichen
Kraft in unserem Leben zu erfahren. Es ist mehr als die
eigentliche Errettung. Die Hand, der Fuß und das Auge sind ein
Bild für Dinge, die uns für unser Leben sehr wichtig und
96
wertvoll sind, die uns aber im Wege stehen können, wenn es um
das „Erleben des Königreichs“ geht.
„In die Hölle geworfen zu werden“, bezieht sich in diesem
Abschnitt auf Rettung wie durchs Feuer (von dem Paulus in
1.Korinther 3,15 spricht), dem Feuer Gottes, das jedem Gläubigen
seinen Lohn zunichtemacht, wenn er ein rebellisches und
inkonsequentes Leben gelebt hat.
4. „Größe“ nimmt das Urteil des Feuers ernst (9,48).
Die Warnung vor „Hölle“ oder „Gehenna“ ist in diesem
Abschnitt nicht unbedingt eine Warnung vor ewiger Bestrafung.
„Gehenna“ war ein Begriff, der im ersten Jahrhundert nach
Christus sowohl für „feurige Züchtigung“ durch Gott als auch
für „ewige Bestrafung“ benutzt wurde. „Gehenna“ kann sowohl
als „gerettet durchs Feuer“, wie auch als unumkehrbare und
nichtendende Strafe verstanden werden. 1 Offensichtlich hat
aber die Aussage, „Jeder wird mit Feuer gesalzen werden“(9,49)
mehr mit Leuterung zu tun als mit unumkehrbarer Strafe.
5. „Größe“ nimmt es ernst, ein Leben in Reinheit und Liebe zu
leben.
Jesus führt den Faden dieses Gedankens weiter und spielt mit
der Bildsprache des Wortes „Salz“. Er benutzt das gleiche Wort
für eine andere Aussage, Der Salz-ähnliche Charakter eines
Christen könnte verloren gehen (9,50a). In diesem Fall muss der
Christ damit rechnen durchs Feuer „gesalzen“ -gereinigt- zu
werden. Das kann durch Gottes Züchtigung bereits in diesem
Leben sein. Es gibt aber auch Grund anzunehmen, dass es am
Tag des Gerichts sein kann.
6. „Größe“ nimmt die Notwendigkeit der Liebe ernst.
In Vers 50b wird noch ein anderer Begriff für das Wort „Salz“
verwendet. Jesus spielt weiter mit dem Begriff. Hier bezieht er
das Wort „Salz“ auf gute Beziehungen innerhalb der
Gemeinschaft von Christen.
97
1
Siehe als Hinweis, „Theological Dictionary of the New Testament, Vol.1
(Eerdmans, 1964) pp. 657-658. Der Gebrauch des “Wurmes, der nicht stirbt”
und des „unauslöschbaren Feuers” im Zusammenhang mit „gerettet zu werden
durchs Feuer“ deuten an, dass diese Aussagen von einer Strafe sprechen, die
nicht aufhört bis sie ihr Ziel erreicht hat.
98
22
Scheidung, Kinder, Reichtum
Markus 10, 1-31
Markus 10,1 ist ein wichtiger Wendepunkt im Dienst Jesu. Jesus
reist in die Region Judäa. Im Johannes-Evangelium finden wir
Beweise dafür, dass Jesus regelmäßig zu jüdischen Festen nach
Jerusalem ging. Jesus hat aber Judäa nicht zum Hauptgebiet
seines Dienstes gemacht. Nach Markus 1,5 wirkte Johannes der
Täufer hauptsächlich in Judäa und nach Markus 1,9
identifizierte sich Jesus mit seinem Dienst. Es gibt einen vagen
Hinweis in Markus Kapitel 1, dass Jesus einige Zeit in Judäa
verbrachte, aber nachdem Johannes inhaftiert worden war,
wandte er sich nach Galiläa. Er „kam nach Galiläa“ sagt Kapitel
1,14 (womit man voraussetzen kann, dass er vorher in Judäa
war.) Das alles war vor dem Beginn seines Dienstes gewesen.
Jetzt überquert er den Jordan nach Judäa. Der Rest des MarkusEvangeliums wird sich in Judäa abspielen.
Während seiner Reise unterrichtet er seine Jünger und die
Volksmengen (10,1). Drei Themenschwerpunkte sind Scheidung
(10,2-12), Kinder (10,13-16) und Reichtum (10,17-31).
1. Scheidung.
Jesus wird zu einer Stellungnahme zum Thema Scheidung
gebeten (10,2). Er beginnt damit, ihnen zu sagen, dass das Gesetz
Mose die Scheidung erlaubt (10,3-4) aber er erklärt ihnen auch,
dass diese niedrige geistliche Ebene nur wegen der „Härte des
israelischen Herzens“ zur Zeit des Gesetzen erlaubt wurde
(10,5a). Der von Gott gewollte Idealzustand war die monogame
Ehe und erlaubte keine Trennung von Mann und Frau (10,5b-9).
Im Gespräch allein mit seinen Jüngern geht Jesus noch näher auf
dieses Thema ein (10,10-12). Markus erlaubt eine gewisse
Verallgemeinerung in seiner Wiedergabe der Lehre. Matthäus
99
berichtet, das Jesus eine Bedingung mit der Möglichkeit einer
Scheidung verknüpft (siehe Matthäus 5,32 u. 19,9). Paulus ist bereit
zu akzeptieren, dass es in manchen Fällen (zu Recht oder
Unrecht) zur Trennung kommen kann. (1.Korinther 7,11, 15).
Allerdings muss auch daran erinnert werden, dass eheliche
Sünde keine Sünde ist, die nicht vergeben werden kann. (3,2829).
Es ist nicht die Absicht von Markus, zu sehr in Detail zu gehen
sondern den generellen Idealfall aufzuzeigen. Grundsätzlich ist
Scheidung ein ernsthaftes Vergehen.
Es beinhaltet
ehebrecherisches handeln. (Jesus dehnt diesen Begriff aus. Im
mosaischen Gesetz war es Sünde, die Frau eines anderen zu
nehmen. Jesus erweitert diese Definition.) Andauernde und
funktionierende Ehen sind in Gottes Reich der Idealfall.
2 Kinder.
Wer erwartet Gottes Kraft zu erleben, wird auch immer liebevoll
Kinder akzeptieren. Die Leute bringen ihre Kinder zu Jesus, aber
seine Jünger sind geneigt sie zurückzuweisen (10,13). Die
Diskriminierung von Kindern ärgert Jesus. Er möchte Kontakt
mit ihnen. Es sind die Menschen, die wie die Kinder, schwach,
abhängig, unselbstständig und ohne Macht sind, die Gottes
königliche Kraft erleben (10,14). Jedem, der sich nicht mit
Kindern identifiziert und sie ablehnt, fehlt es an grundlegender
Voraussetzung, Gott zu erleben (10,15). Jesus selbst behandelt
Kinder liebevoll und betet besonders für sie (10,16).
Christen sollten Kinder lieben. Jeder, der ungeduldig mit ihnen
ist oder dem Kinder im Weg sind, hat den wesentlichen
Charakter des Reiches Gottes missverstanden. Das Königreich
Gottes kommt nicht nur auf Erwachsene, schlaue, reiche Leute.
Es kommt auf die Unterprivilegierten, und auf die, ohne
Ansehen und Macht. So wie es Rassismus, Stammesdenken und
Standesdünkel, Reich-sein und Gebildet-sein gibt, so gibt es auch
Diskriminierung gegenüber verschiedenen Altersgruppen,
100
gegenüber Alten und natürlich auch gegenüber Kindern. Jesus
kann das nicht tolerieren. Ein Christ kennt solche Barrieren nicht
und er wird auch jede andere Barriere ablehnen. Ein Christ, der
nah mit Jesus lebt wird auch Kinder lieben und schätzen.
3. Reichtum.
Ein Mann kommt zu Jesus und stellt ihm die Frage nach dem
„ererben des Ewigen Lebens“ (10,17). Das Wort „ererben“
signalisiert uns, dass es nicht einfach nur um die Frage nach
Errettung geht. Es ist nicht die gleiche Frage wie sie der
Kerkermeister in Apostelgeschichte 16,30 stellt. Hier geht es um
„ererben“, also um die Frage wie man für Gott lebt, um einmal
den Segen des Ewigen Lebens zu ernten.
Jesus möchte zuerst einmal darauf eingehen, in welcher Form
der Mann ihn angesprochen hat. In seinen Gedanken ist er mit
der Idee des „gut-seins“ beschäftigt. Weiß er, was er tut, als er
Jesus mit den Worten „guter Lehrer“ anspricht? Sind Männer
und Frauen wirklich gut? Gibt es nicht genügend Anhaltspunkte
dafür, dass sie zwar vielleicht respektabel aber doch schlecht
sind? Wenn er Jesus als „gut“ bezeichnet, wer ist Jesus dann?
Man kann nur Gott als total und qualifiziert „gut“ bezeichnen.
(Im Matthäus-Evangelium fragt der junge Mann, „ Was muss ich
Gutes tun?“ In der Original-Unterhaltung, die vielleicht eine
Stunde gedauert hat, in den Evangelien aber nur in ein paar
Zeilen erwähnt wird, war offensichtlich viel von „gut“ die Rede.
Beides, „gut zu sein“ und „Gutes zu tun“, wurden im
Originalgespräch in Aramäisch behandelt. Matthäus schildert
eine Seite des Gesprächs, Markus berichtet es von einer
anderen.)
Dann gibt Jesus die Antwort:
(a) Der junge Mann muss zu einer Stufe des „gut-seins“
kommen, die höher ist als das Gesetz Mose (10,19-21).
(b) Der junge Mann muss eine Forderung erfüllen, die Jesus ihm
auferlegt.
101
(c) Der junge Mann muss bereit sein, sich auf den Dienst
vorzubereiten, in dem er mit Jesus mitgeht.
Das ist mehr, als der Mann erwartet hatte und er geht weg
(10,22). Diese Begebenheit führt dazu, dass Jesus einige
Warnungen gibt.
Reichtum hindert die Erfahrung des
Königreiches (10,23-25). Das überrascht die Jünger. „Wer kann
dann errettet werden?“ fragen sie (10,26). In diesem Vers bezieht
sich das Wort „errettet“ offensichtlich auf den Zeitpunkt, wenn
die, die errettet sind, ihren Lohn bekommen. Das bestätigt uns
die Tatsache, dass die Belohnung offensichtlich das Thema der
Verse 10,27-31 ist. Gott kann dem Reichen helfen, die Probleme,
denen er gegenübersteht, zu lösen (10,27). Die Jünger, die viel
materiellen Reichtum zurückgelassen haben um Jesus zu folgen,
werden dafür belohnt werden (10,28-30).
Die endgültige
Lohnabrechnung wird manche Überraschung bringen (10,31).
102
23
Größe im Königreich Gottes
Markus 10,32-52
Jesus ist unterwegs nach Jerusalem. Markus spricht davon, dass
Jesus „ihnen voraus geht“ (10,32). Er ging zielstrebig voran. Die
Jünger folgten ihm mit weniger Enthusiasmus. Jesus prophezeit
sein Leiden und Sterben (10,33-34). Gleichzeitig unterrichtet er sie
über Dinge, die sie in Bezug auf sein Königreich wissen müssen.
Bei einer Lektion handelt es sich um ihr Bestreben nach Größe
im Königreich. Jakobus und Johannes kommen zu Jesus und
bitten ihn um ehrenvolle Positionen in seinem Reich (10,35-37).
Jesus lehnt ihre Bitte nach Größe nicht ab, aber er macht sie
darauf aufmerksam, was zwangsläufig damit verbunden sein
wird.
1. Größe im Reich Gottes wird immer mit Leiden verbunden
sein.
Jesus ist kurz davor den Kelch des Leidens zu trinken. Er ist
dabei, durch tiefes Leid zu gehen (10,38-39). Sind sie auch dazu
bereit? Klar ist, dass Jakobus und Johannes eine völlig falsche
Vorstellung davon haben, was das „Königreich“ wirklich ist. Sie
denken an politische und militärische Größe.
2. Größe kommt, wenn wir dem Willen Gottes folgen. Es ist
nicht seine Sache, sagt Jesus, Positionen im Königreich zu
vergeben (10,40). Gott hat einen Plan für sein Königreich. Er
allein wird darüber entscheiden, an welchem Platz sie sein
werden und was sie tun werden. Größe erreichen wir, indem wir
die Position akzeptieren, die er für uns vorgesehen hat. Es wird
Leute mit hohen Stellungen in Gottes Reich geben, aber nur Gott
vergibt ehrenvolle Posten und Leiterschaft in seiner Gemeinde.
Nicht einmal Jesus konnte aussuchen wen er wollte. Auch er
103
konnte nur diejenigen auswählen, der dem Willen seines Vaters
entsprachen. Gottes Plan für unser Leben ist die wichtige und
entscheidende Sache. Größe kommt, in dem wir diesen Plan
finden und ihm folgen.
3. Größe kommt durch Selbst-Opferung.
Die anderen Jünger erfahren von Jakobus` und Johannes`
Absicht und sind empört (10,41). Jesus benutzt diese Gelegenheit
um eine weitere Lektion zu unterrichten. Größe im Reich Gottes
unterscheidet sich total von dem, was Menschen normalerweise
unter Größe verstehen. Allgemein denken die Menschen, dass
Größe darin besteht andere
zu kommandieren und
Anweisungen zu geben (10,42). Im Reich Gottes aber bedeutet
Größe, anderen zu dienen, ihnen zur Erlösung zu helfen und
Erfüllung in Gott zu finden. Jesus ist das beste und größte
Beispiel. Er ist dabei, sein Leben als Lösegeld für diese Welt zu
geben. Lösegeld ist ein Preis, der zum Freikauf von Sklaven
gezahlt wird. Er ist dabei diese Welt von der Gebundenheit in
Schuld und Sünde freizukaufen. Das tut er für jeden. „Viele“ ist
im Hebräischen als Ausdruck für „Alle“ gebraucht. Jesus ist im
Begriff sich selbst als Lösegeld für die Sünde der ganzen Welt zu
opfern.
Jesus geht weiter und kommt nach Jericho. Der Schlüsselfaktor
in der Geschichte von Bartimäus ist, dass er erkennt, dass Jesus
der Messias ist, der Sohn Davids. Er ist darüber hinaus das
Beispiel für ein anderes Bestreben. Nicht das Bestreben in der
Welt eine Position einzunehmen, sondern die Entschlossenheit
sich in der Not seines Lebens durch Jesus helfen zu lassen.
1. Er ergreift seine Chance.
Als Jesus die Stadt verlässt, entschließt er sich die Situation zu
nutzen, um eine Antwort auf das größte Problem seines Lebens
zu bekommen (10,46-47).
104
2. Er ist überzeugt, dass Jesus der Messias ist.
Nicht viele andere nannten Jesus „Sohn Davids“, aber Bartimäus
tat es. Er wusste dass Jesus keine normale Person war. Er war
der Sohn Davids der alttestamentlichen Prophetie, der kommen
würde, um Israel und die Welt zu retten.
3. Er ließ sich nicht einschüchtern und schämte sich nicht.
Er ließ sich von niemandem entmutigen (10,48).
4. Er wusste, was er wollte.
Es ist sein großes Verlangen, in seiner notvollen Situation eine
Antwort und Hilfe zu bekommen. Plötzlich bleibt Jesus stehen
und ruft Bartimäus zu sich (10,49). Der wartet schon lange Zeit
und ist bereit. Er springt auf seine Füße (10,50). Er weiß genau,
was er will (10,51). Sein Gebet ist beantwortet und er folgt Jesus
zusammen mit den Jüngern. Er muss mit ihnen nach Jerusalem
gegangen sein, denn Markus, dessen Mutter in Jerusalem lebte,
kannte ihn mit Namen.
Wahre Größe im Willen Gottes zu suchen, zu wissen, wer Jesus
ist, zu wissen, was er für uns tun soll und was wir für ihn tun
sollen, das sind die Geheimnisse, etwas großes im Reich Gottes
zu sein.
Hinweis,
Was diese Geschichte betrifft, gibt es in den Evangelien einige
Unterschiede. Matthäus 20,29-34 spricht von zwei Blinden, die geheilt
wurden als Jesus Jericho verließ. Markus spricht von einem Blinden mit
Namen Bartimäus (10,46-52), der von Jesus beim Verlassen von Jericho
geheilt wurde. Lukas 18,35-52 spricht von einem blinden Mann, der
geheilt wurde, als Jesus nach Jericho hinein kam.
Die Anzahl spielt keine Rolle. Da waren zwei Männer (wie Matthäus,
der zu der Zeit da war, berichtet) aber eine von ihnen wurde später, in
105
den Tagen der Gemeinde, besser bekannt. Markus, der es liebt einzelne
Details zu berichten, kannte seinen Namen.
Es gibt diverse mögliche Erklärungen zum „Einzug in“, und
„Auszug aus“ Jericho-Rätsel. Einige meinen, dass Matthäus und
Markus vom alten Jericho sprechen, Lukas aber vom Jericho des
Herodes, und dass die Heilung zwischen den beiden Orten stattfand.
Meine Ansicht ist, dass Lukas denselben Unterlagen folgt, die wir
auch in Markus finden, aber dass er es in seiner Weise ergänzt,
um deutlich zu machen, dass es in Jericho stattfand.
Markus 10,46 sagt: „Und sie kamen nach Jericho“ und sofort hinterher,
„und als er Jericho verließ…“. Er hat nur diese eine Geschichte, die in
Jericho spielt.
Lukas 18,35 folgt denselben Angaben aber sagt noch etwas mehr. Lukas
sagt, „Als er sich Jericho näherte …“ (was fast identisch ist mit dem, was
Markus sagt) und sagt dann weiter, „ …saß ein Blinder bettelnd am Weg.“
Das ist fast identisch.
Markus spricht davon, dass Jesus „nach Jericho“ kommt und berichtet
etwas, was passierte, als Jesus Jericho verließ.
Lukas folgt eng dem Bericht von Markus. Auch er spricht davon, dass
Jesus nach Jericho kam und berichtet dann, was dort passiert ist. Er
fasst aber den Bericht so kurz (wie Lukas es ohnehin mit den Berichten
von Markus tut) sodass er die Bemerkung, „als sie Jericho verließen“
weglässt. Das bedeutet, dass die Version von Lukas einfach meint,
„Als sie in die Gegend von Jericho kamen …“ und er berichtet, ohne
sich weiter damit aufzuhalten dass es auf dem Weg aus Jericho hinaus
passierte. Sein Bericht ist eine Kurzfassung des Berichtes von Markus
und beschreibt, was passierte, als Jesus in die Gegend von Jericho kam.
Es gibt einen Grund, warum er dies tut. Lukas hat einen extra Bericht
über Zachäus, zu dem Jesus sagt, „ Ich muss in deinem Haus einkehren“
Lukas 19,1-10). Jesus beabsichtigte an Jericho vorbei zu gehen, aber der
Steuereintreiber Zachäus hatte bestimmt ein Haus in der Stadt. Das
bedeutete, dass er zurück nach Jericho ging. In Lukas 19,11-27 wird uns
ein Gleichnis berichtet, das Jesus an gleicher Stelle in Jericho erzählt.
(„Während sie zuhörten“ Lukas 19,11) Im Gegensatz zu Markus
berichtet Lukas einige Dinge, die in der Gegend von Jericho passierten.
Er möchte nicht (wie in Lukas 19,1) zu präzise erwähnen, das Jesus
106
Jericho wieder verlässt. Jesus war auf jeden Fall auf dem Weg aus
Jericho hinaus, aber Lukas berichtet eine Begebenheit, die sich im
Bericht von Markus nicht findet und für die Jesus wieder nach Jericho
hineingeht. So lässt der die Bemerkung, „…als er aber Jericho verließ
…“ weg und erzählt die Geschichte, die sich früher, bei Kommen Jesu
in die Jericho-Gegend abgespielt hat.
Nichts von alledem ist es wert sich daran zu stören, es ist völlig
unwichtig. Es gibt Leute, die es einfach lieben Widersprüche in der
Bibel zu finden und für die ist es wichtig noch einmal zu
rekonstruieren wie es war.
107
24
Suche nach Frucht
Markus 11,1-26
Es ist Sonntag. Jesus hat noch sechs Tage als Mensch auf dieser
Erde zu leben. Mit den Versen in Kapitel 11,1 bis 15,47 berichtet
Markus uns über die letzte Woche seines irdischen Lebens.
Jesus behauptet von sich, der König Israels zu sein, die Erfüllung
der alttestamentlichen Prophetie (11,1-11).
Was geschieht hier? Hat Jesus das Ausleihen eines Fohlens
arrangiert?
Oder hat Jesus durch seinen Vater das
übernatürliche Wissen, dass ein Gläubiger im nächsten Dorf von
seinem Vater Instruktionen erhalten hatte, ein Fohlen bereit zu
halten? An diesem Sonntag sollen die Jünger voraus ins Dorf
gehen (11,2). Sie werden ein Fohlen finden und es mit
zurückbringen. Wenn jemand Fragen stellen sollte, sollten sie
antworten, „Der Herr braucht es“ (11,3). Jesus verspricht, es
zurück zu bringen. Alles passiert so, wie Jesus es gesagt hat (11,
4-6). Sie legen Kleidungsstücke auf das Tier (11,7a) und als Jesus
so nach Jerusalem hineinreitet werfen Sie Kleidung und Zweige
auf seinen Weg (11,7b-8). Die Leute riefen „Hosanna“, was
genaugenommen meint „bitte rette“, aber bedeutete „Preis
Gott“. Sie riefen in voller Überzeugung, dass Jesus im Namen
Gottes kommt, dass er das Königreich Gottes bringt, dass er der
verheißene Sohn Davids ist (11,9-10).
Jesus kam zum Tempel und beobachtet, was dort vor sich ging
(11,11). Es gab dort viele kleine Geschäfte von Leuten, die den
Tempel als Gelegenheit nutzen ihre Waren anzubieten. Jesus tat
nichts. Er beobachtete die Situation, bevor er aktiv wurde. Er ließ
auf diese Weise einfach jeden wissen, dass er in Jerusalem war.
108
Jesus bemerkt die Fruchtlosigkeit Israels gegenüber Gott
(11,12-14). Das Herzstück der nationalen Religiosität war der
Tempel. Am Montagmorgen, als Jesus wieder zum Tempel
unterwegs ist, verspürt er Hunger. Er kommt an einem
Feigenbaum vorbei, der voller Blätter ist. Obwohl es nicht die
Zeit für Feigen ist, vermittelt das prächtige Grün der Blätter den
Eindruck, dass auch Früchte an ihm zu finden sein müssten.
Aber der Eindruck des vollen Blattwerks täuscht. Jesus verflucht
den Feigenbaum.
Es ist eine eigenartige Geschichte, aber wir müssen sie als ein
übernatürliches, aktives Gleichnis verstehen,
Jesus erreicht den Tempel. Israel hat einen hohen Anspruch an
sein religiöses Leben. Da gibt es unendlich viel „üppiges
Blattwerk“. Als Gottes Volk erhebt Israel den Anspruch, Gott in
dieser Welt zu repräsentieren. Jesus findet effektiv aber keine
Fruchtbarkeit. Er weiß, dass er, trotz aller Religiosität, kein
Leben aus Glauben in Jerusalem finden wird.
Das aktive, übernatürliche Gleichnis geschieht für seine Jünger.
Jesus möchte, dass sie verstehen, dass noch so gut wirkende
Religiosität, ohne Früchte für Gott, unter Gottes Fluch steht.
Jesus reinigt den Tempel. Dasselbe hatte er drei Jahre vorher
schon einmal getan. Jesus kannte den Tempel bereits. An diesem
Montag weiß er, was er zu tun hat. Er jagt die Händler hinaus,
die den Tempel zu einem Marktplatz umfunktioniert haben
(11,15-16). Dafür bekam er vom Volk viel positiven Zuspruch. Sie
behandelten ihn als den Erlöser Israels und für den Augenblick
zumindest, hätte es sich alles im Tempel erlauben können. Er
bestand darauf, dass das Zentrum des Lebens eines Gläubigen
nicht aus fragwürdigen Geschäften, sondern aus Gebet bestehen
sollte (11,17).
Man hätte annehmen können, dass die religiösen Leiter in Israel
glücklich darüber gewesen wären, dass jemand kam und den
109
Tempel auf diese Weise reinigte. In Wirklichkeit aber war es für
sie ein Grund mehr ihrem Bestreben, Jesus los zu werden (11,28).
Nach diesem aktiven Tag verlässt Jesus am Abend die Stadt
wieder. Er umgeht damit von den jüdischen Leitern
festgenommen zu werden. Er übernachtet in einem Haus in
Betanien (wie wir aus dem Johannes-Evangelium erfahren). Hier ist
es nicht so einfach für die jüdischen Autoritäten ihn gefangen zu
nehmen.
Als Jesus, am kommenden Tag, am Dienstag, wieder nach
Jerusalem geht, stellen seine Jünger fest, dass der Feigenbaum
verdorrt ist (11,20-21). Jesus nutzt die Gelegenheit um mit ihnen
über einige Prinzipien des Glaubens zu sprechen.
1. Haltet fest am Vertrauen in Gott.
Vers 22 ist oft mit „Habt Glauben an Gott“ übersetzt. Eine andere
Übersetzung aber ist, „Haltet fest am Vertrauen in Gott“. Eine
Wort-bei-Wort Übersetzung würde lauten, Habt (oder haltet) den
Glauben (oder Vertrauen) in Gott. Wir wollen übersetzen, „Haltet
fest am Vertrauen in Gott“. Eigentlich läuft es auf das Selbe
hinaus. Glauben an Gott zu haben und am Vertrauen an ihn
festzuhalten ist exakt das Selbe. Dennoch denke ich, dass die
Übersetzung, die ich hier vorschlage, den Gedanken noch
deutlicher zeigt. Glaube ist nicht etwas für uns, an dem wir
arbeiten müssen. „Du musst Glauben haben“, sagt man und
natürlich stimmt das. Aber es klingt so, als ob wir etwas
vorweisen oder erbringen müssen. Nein, Glaube ist nicht etwas,
was tugendhafte Voraussetzungen bei uns erfordert. Glauben
heißt einfach nur zu sehen, dass man Gott vertrauen kann.
Glauben bedeutet einfach nur zu vertrauen, dass Gott sein Wort
hält. Wir können uns völlig auf ihn und alles, was er verheißen
hat, verlassen. Glaube bedeutet am Vertrauen in Gott fest zu
halten.
110
2. Bete im Rahmen deines Vertrauens.
Vers 23 ist ein sehr wichtiger Vers. Wir wollen ihn uns
aufmerksam ansehen. Wir finden hier das Wort „Wenn“.
Die Hälfte der Christenheit scheint diesem Vers keine
Aufmerksamkeit zu schenken, die andere Hälfte scheint ihn zu
missbrauchen und ihn als eine Art Methode zu benutzen, alles
von Gott zu bekommen. Markus 11.23 ist aber nicht ein
Verfahren um alles Mögliche zu benennen und zu
beanspruchen, was wir von Gott möchten. Wer dies lehrt wird
selbst niemals alles in Anspruch nehmen können was er möchte.
Er kann den Auferstehungskörper oder den neuen Himmel und
die neue Erde nicht einfach so „nehmen“. Er wird nicht
umgehend jeden Wunsch erfüllt bekommen und viele Wünsche
werden vielleicht nie in Erfüllung gehen. Dieser Vers wird oft als
„beim Namen nennen und davon Besitz ergreifen“ in
überspitzter Weise benutzt, was aber nicht den wirklichen
Erfahrungen und auch nicht dem entspricht, was der Vers
wirklich aussagt.
Markus 11,23 sagt, „Wenn …“. Das ist das entscheidende Wort.
„Wenn jemand zu diesem Berg sagt, „Heb dich hoch und stürze
dich ins Meer und dabei nicht zweifelt sondern glaubt, dass, was
er sagt passieren wird, wird es passieren …“. Das entscheidende
Wort ist, „Wenn“. Wenn jemand in der Lage ist zu sagen, „sei
versetzt“ und wenn er nicht zweifelt.
Es gibt bestimmte Zeiten in unserem Leben, wenn wir Gottes
Willen kennen und wir in der Lage sind in einer bestimmten
Sache in großem Vertrauen zu beten. Es ist aber nicht immer so.
Nicht jedes Beten trägt diese totale Gewissheit in sich. Manchmal
beten wir ohne zu wissen, was Gottes Wille ist. Aber wenn wir
in der Lage sind, in totaler Sicherheit und dem Wissen um das,
was passieren wird, zu beten, wird unser Gebet beantwortet
werden.
111
25
Eine Frage der Autorität
Markus 11,27-12,12
Der Rauswurf der Händler aus dem Tempel, durch Jesus,
kommt bei der Obrigkeit in Jerusalem überhaupt nicht gut an.
Sie sind wütend auf ihn. Andererseits können sie ihn aber nicht
festnehmen, weil Jesus große Unterstützung im Volk hat. Sie
fordern ihn heraus, hinterfragen seine Autorität und seine
Lehre. Dieser letzte Dienstag auf dieser Erde, ist für Jesus ein Tag
der Fragen.
Da ist zuerst die Frage nach seiner Autorität (11,27-37). Die
Führer in Jerusalem stellen ihm die Frage in welcher Autorität
Jesus tut, was er tut und wer ihn dazu beauftragt. Es war sicher
eine berechtigte Frage, aber sie stellen sie nicht wirklich ernsthaft
und waren eigentlich auch an keiner Antwort interessiert. Wenn
sie eine direkte Antwort bekommen hätten, hätten sie diese
ohnehin nur gegen Jesus verwendet. Wie oft kommt es vor, dass
Männer und Frauen nur so tun als ob sie Interesse an religiösen
Dingen hätten, in Wirklichkeit aber nur ihre eigenen Interessen
verfolgen.
Jesus beantwortet die Frage in einer Weise, die ihn nicht
vorschnell in Schwierigkeiten bringt. Er sagt ihnen: Meine
Autorität ist die, die auch Johannes der Täufer hatte. Mit dieser
Antwort können die religiösen Führer allerdings nicht viel
anfangen, denn sie wollen die Autorität Johannes des Täufers
nicht anerkennen.
Echte Autorität kommt von Gott und durch den Heiligen Geist.
Männer und Frauen dieser Welt verstehen unter Autorität
politische Macht, soziale Berühmtheit oder hohe Intelligenz. Die
Menschen damals dachten dabei vielleicht an Leute wie Pontius
Pilatus, an Kaifas oder an die Schriftgelehrten in Jerusalem. Aber
112
in den Dingen Gottes hatten gerade diese überhaupt keine
Autorität. Es geht um geistliche Macht. Sie kommt durch die
Salbung des Heiligen Geistes. Sie verleiht geistliches Verständnis
und geistliche Kraft. Jesus hatte seine Autorität vom Himmel. Er
war von Gott gesandt und ganz offensichtlich war der Heilige
Geist auf ihm. Die Führer in Jerusalem hatten eine berechtigte
Frage, aber sie waren nicht wirklich an der Antwort interessiert.
Auch im Gleichnis vom Eigentümer eines Weinbergs und
seiner bösen Weingärtner (12,1-12) beantwortet Jesus immer
noch ihre Frage nach seiner Autorität. Wer ist Jesus?
1. Er ist der größte aller Diener Gottes.
Israel war wie ein Weinberg. Gott ist der nicht anwesende
Eigentümer. Er sendet Mitarbeiter um die Ernte zu holen, aber
diese Mitarbeiter werden abgewiesen. Schließlich sendet er
seinen Sohn, dem er von allen seinen Arbeitern am meisten
vertraut. Jesus ist etwas Einzigartiges unter all den Propheten
und Dienern, die in der Geschichte Israels gekommen sind. Er
kommt um Gott zu dienen.
Gott sucht nach Frucht bei seinen Leuten. Er stellt uns genug zur
Verfügung, um Frucht zu bringen. Die Geschichte Israels zeigt,
dass er sie erlöst hatte. Er hatte ihnen das Gesetz gegeben und
die Möglichkeit der Anbetung im Tempel. Er hatte ihnen oft
Propheten geschickt. Erst vor kurzem noch Johannes den Täufer.
Er hatte seinen Weinberg mit vielem versorgt. Gott kann mit
Recht erwarten, dass seine Leute Frucht bringen.
2. Er ist Gottes Sohn.
Diesen letzten Diener Gottes zeichnet etwas aus, das ihn über
alle anderen Diener erhebt, die vor ihm gekommen sind. Er ist
der Sohn des Eigentümers. Jesus spricht hier davon, dass er der
einzige Sohn Gottes ist. Er ist ein Diener Gottes, aber er ist im
Grunde viel mehr.
113
3. Er ist dazu bestimmt getötet zu werden.
Das Gleichnis, das Jesus hier erzählt, gehört zu den vielfachen
Ankündigungen seines Todes. Er weiß, und sie wissen es auch,
was auf ihn zukommt. Jesus weiß, dass er sterben wird. Er hat
schon von sich, als dem „ Lösegeld für die Sünden Vieler“,
gesprochen (10,45).
4. Er ist das Kriterium für Gottes Gericht.
Wenn der Eigentümer des Weinbergs kommen wird, wird er
herausfinden was passiert ist. Die Diebe und Räuber, die den
Weinberg missbraucht haben, werden vernichtet. Jesus bezieht
sich hier auf die Zerstörung Jerusalems, die eine Generation
später im Jahre 70 n.Chr. stattfinden wird.
5. Er ist der Stein, den die Bauleute verworfen haben.
Jesus bezieht sich auf die Voraussage in Jesaja 28,16. Es ist das
Bild einiger Bauleute, die ein Haus bauen. Sie brauchen einen
besonders großen Eckstein für das Fundament. Er wird der
wichtigste Stein im Fundament sein. Sie finden auch einen
solchen Stein, aber sie verwerfen ihn, sie benutzen ihn nicht.
Jesus ist Gottes „Stein“. Er ist das Fundament der Errettung. Er
ist der Retter, auf den wir unser Leben aufbauen können. Er ist
derjenige, der uns in den Fluten und Stürmen des Lebens
sicheren Halt gibt. Die „Bauleute“ aber, die Menschen, die
dachten sie wären die religiösen Experten, haben Gottes
perfekten und wertvollen Stein abgelehnt und verworfen.
6. Er ist der krönende, abschließende Eckstein.
Die religiösen Experten in Jerusalem haben Jesus verworfen,
aber Gott macht Jesus zur „Krone aller Ecksteine“ zum
bedeutendsten Stein am Gebäude, das er baut.
Die jüdischen Leiter lehnen ihn ab - der Vater akzeptiert ihn. Die
Führer in Jerusalem denken, dass sie ihn bald los sind - der Vater
weiß, dass sein Tod am Kreuz sein ewiges Königreich
voranbringen wird. Die hohen Herren in Israel denken, dass in
114
wenigen Jahren niemand mehr von ihm redet und er vergessen
sein wird – der Vater wird ihn benutzen, um seinen Heiligen
Geist auszugießen und sein Königreich wird kein Ende haben.
Jesus hatte die Frage in Markus 11,29 beantwortet. Sie wollten
wissen, in wessen Autorität er handelt. Jesus gab ihnen zwei
Antworten, eine indirekte und ein Gleichnis. Diese Antworten
gefielen ihnen nicht. Sie hatten sie nur zu gut verstanden ( 12,12)!
Sie hatten vorgetäuscht mehr über Jesus erfahren zu wollen, aber
ihre Fragen zielten nur darauf ab seine Autorität abzulehnen. Sie
werden Jesus nicht besiegen. Jesus hat die Autorität Gottes, egal
was sie denken.
115
26
Ein Tag voller Fragen
Markus 12, 13-44
Der letzte Dienstag im Leben Jesu war ein Tag voller Fragen. Die
jüdischen Leiter versuchen ihn schlecht zu machen. Sie
hinterfragen seine Lehre und Autorität, indem sie ihm öffentlich
Fragen stellen, die ihn in Schwierigkeiten bringen sollen.
1. Da ist zuerst die Frage in Bezug auf Gott und Cäsar (12,13-17).
Diese Frage war konstruiert, um ihm eine Falle zu stellen. Nach
dem israelischen Gesetz sollte der König über Israel ein Jude
sein. Wenn Jesus antworten würde, dass es richtig ist Steuern an
Cäsar zu zahlen, würde er dem mosaischen Gesetz
widersprechen. Wenn Jesus antworten würde, dass man keine
Steuern an Cäsar zahlen sollte, würde er Schwierigkeiten mit
den Römern bekommen.
Jesus tat etwas, was noch niemand vorher getan hatte. Er trennte
die Loyalität gegenüber „Cäsar“ und die Loyalität gegenüber
„Gott“ und behandelte sie als zwei verschiedene Bereiche. Er
hielt es für möglich, loyal zum Kaiser zu sein, aber nicht zu
seiner Religion. Soweit man zurückdenken kann, war es das
erste Mal in der Geschichte, dass jemand davon sprach, dass
Religion und Staat zwei separate Bereiche sind. Es war bisher die
grundsätzliche Idee, dass es „Cäsar“ vorbehalten war, zu
bestimmen, welcher Gott angebetet werden sollte (siehe
Nebukadnezar in Daniel 3, 1-30).
116
2. Die nächste Frage bezog sich auf die Auferstehung (12,18-27).
Die Sadduzäer waren die Skeptiker unter den diversen
religiösen Gruppierungen zurzeit Jesu. Sie glaubten nicht an das
Übernatürliche und waren skeptisch in Bezug auf die
Auferstehung.
Jesu Antwort
(a) sagt ihnen unverblümt, dass sie falsch liegen,
(b) führt das darauf zurück, dass sie die Schriften ignorieren und
(c) die Kraft Gottes ignorieren.
Seine Antwort
(d) korrigiert ihre Sicht für die Art des Lebens nach dem Tod
und
(e) kennzeichnet die Auferstehung als Gottes Treue zu seinen
Leuten.
Gott sagt, „Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott
Jakobs“. Wenn die Sadduzäer Recht gehabt hätten, wären
Abraham, Isaak und Jakob als sie starben ausgelöscht gewesen.
Gott sagt aber von sich, dass er nach wie vor in Beziehung zu
ihnen steht. An Auferstehung zu glauben ist eine sehr mutige
und kühne Sache. Die Sadduzäer waren von ihrer Skepsis her
geprägt, aber Jesus sieht die Sache aus einer anderen
Perspektive. Die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod gründet
sich auf die Treue und Glaubwürdigkeit Gottes. Gott ist treu,
und seine Beziehung zu seinen Leuten hört mit dem Tod nicht
auf. Es ist seine Treue, die garantiert, dass er die Vergänglichkeit
die stattfindet, für seine Leute in Leben umkehren wird. Für
Jesus bedeutet das: Leben in einem neuen Körper.
Viele Verheißungen, die Abraham gegeben wurden -dass er
beispielsweise Land auf dieser Erde besitzen würde und dass er
international berühmt sein würde- wurden zu seinen Lebzeiten
nicht erfüllt. Wenn Gott treu und zuverlässig gegenüber
Abraham ist, wird er seine Verheißungen erfüllen und Abraham,
117
Isaak und Jakob von den Toten auferwecken. Jeder, der den
Verheißungen gegenüber Abraham vertraut und den Glauben an
Gottes Kraft hat, wird es erleben. Abraham muss in einem
Auferstehungskörper leben, damit Gott seine Zusage treu
erfüllen kann.
3. Als nächstes sehen wir eine Frage, die sich auf das größte
Gebot bezieht (12,28-34).
Es wird die Frage nach dem „ersten und größten Gebot“ gestellt.
Die Frage lässt vermuten, dass die Gebote des mosaischen
Gesetztes nicht alle als gleichwertig angesehen wurden und
somit einige wichtiger waren als andere. Jesus akzeptiert diese
Ansicht und antwortet mit der Passage in 5.Mose 6,4-5, die auch
unter dem Namen „Shema“ (dem ersten hebräischen Wort)
bekannt ist. Das größte Gebot ist das zweifache Gebot, Gott zu
lieben und die Menschen zu lieben. Dies ist eine Verpflichtung
die wichtiger ist, als rituelle Gebote.
Als der Fragesteller der Antwort, die Jesus gibt, zustimmt
ermutigt Jesus ihn und sagt ihm, dass er „nicht fern vom Reich
Gottes“ ist. Das heißt nicht, „nicht fern davon ein Gläubiger zu
werden“. Erlöst werden wir nicht, indem wir andere lieben. Sie
geschieht durch den Glauben an Jesus. Wie wir vorher schon
gesehen haben, kommt das Erfahren des Reiches Gottes durch
das Erleben der königlichen Kraft Gottes in unserem Leben.
Wenn wir das Gebot der Liebe beachten, zeigen und verbreiten
wir den Segen Gottes. Wenn wir das ernst nehmen, helfen wir
dem Nächsten, Gottes Liebe in seinem Leben zu erfahren.
Die Gesetzeslehrer stellen fest, dass sie Jesus durch ihre
Befragung nur die Möglichkeit eröffnen, geschickte und weise
Antworten zu geben. Im Vergleich zu ihm, sehen sie so schlecht
aus, dass sie es schließlich aufgeben weitere Fragen zu stellen.
118
4. Dann aber stellt Jesus selbst eine Frage über die Voraussage
auf den Sohn Davids (12,35-40).
Der in Psalm 110 erwähnte Messias ist ein Nachkomme Davids,
dennoch bezieht sich David auf ihn als auf den Herrn, den
kommenden König. Wie kann das sein?
Ihre Fragen zielten darauf ab, Jesus eine Falle zu stellen. Seine
Frage an sie, hat das Ziel, sie damit zu konfrontieren wer er ist.
Sie haben versucht Jesus durch ihre Fragen in Schwierigkeiten
mit den römischen Machthabern zu bringen, das Übernatürliche
lächerlich zu machen und Fragen in Bezug auf das Gesetz zu
stellen. Wenn Jesus dagegen die Gelegenheit bekommt eine
Frage zu stellen, so fordern seine Fragen sie immer heraus über
die Schrift und über ihn als die Erfüllung der Schrift
nachzudenken. Wenn sie seinen Fragen gefolgt wären, hätten sie
erkannt, dass ihre Vorstellung von einem politischen Erlöser
völlig falsch gewesen wäre. Der Messias ist jemand, den
schonDavid anbetete! Jesus gibt ihnen die Gelegenheit alles zu
verstehen, aber sie sind nicht interessiert.
5. Die Begebenheit der Witwe, die opfert ereignet sich genau
an diesem Punkt (12, 41-44).
Nach all ihren Fragen waren die Gesetzeslehrer weit davon
entfernt wirklich geistlich zu sein. Jesus hatte ihnen den Weg
gezeigt, in dem er auf sich selbst hingewiesen hatte. Neben dem
Bild der unaufrichtigen, hinterhältigen, unehrlichen und
manipulierenden Religion der jüdischen Leiter ereignet sich
etwas auffallend Konträres. Reiche Gottesdienstbesucher werfen
hohe Geldbeträge in die Opferstöcke, die rundherum an den
Wänden des Tempels angebracht waren. Eine arme Witwe wirft
zwei „Lepta“ ein, die (Markus erklärt es für seine heidnischen
Leser) dem Wert eines „Quadrans“ entsprechen, weniger als 1%
des Tageslohnes eines Arbeiters. Der entscheidende Punkt hier
ist, dass diese beiden Geldstücke alles war, was diese Frau noch
119
besaß. Sie hätte eins davon in den Opferbehälter werfen, und das
andere für sich behalten können.
Jesus ruft seine Jünger herbei um dieses Ereignis zu benutzen,
ihnen etwas beizubringen. Es ist so einfach vom Überfluss zu
geben. Pharisäer und unaufrichtige Leute haben ihre eigenen
Gründe dafür. Die Frau hat aber wirklich geopfert. Jesus war
durch seinen Vater in die Lage versetzt, mehr über die
Umstände dieser Frau zu wissen. Nachdem sie alles gegeben
hatte, hatte sie selbst nichts mehr.
Die Pharisäer und Sadduzäer waren clever und in Israels
Religion gut ausgebildet. Sie konnten schlaue Fragen stellen.
Wahre Hingabe aber war nur bei der Frau zu finden, die bereit
war, Gott alles zu geben.
120
27
Die vorhergesagte Zerstörung Jerusalems
Markus 13, 1-23
Israel ist in Bezug auf Gottes Dinge „unfruchtbar“, aber das ist
den Jüngern gar nicht bewusst und es scheint ihnen auch nicht
viel auszumachen. Was sie viel mehr beeindruckt sind die
gewaltigen weißen Steinwände, mit denen Herodes den Tempel
erweitert hatte (13, 1-2).
1. Die Bewunderung heiliger Gebäude sollte für die Jünger
völlig unnötig sein (13,1, 2).
Der Tempel, so wie er zurzeit von Esra wieder aufgebaut wurde,
war ein relativ überschaubares Gebäude. Er war das Zentrum
des Gebets und symbolisierte, wie und wo man Gott mit dem
Sühneblut erreichen konnte. Der Tempel war von Gott geehrt.
Jesus nennt ihn das Haus seines Vaters (Lukas 2,49) und ein Haus
des Gebets für alle Nationen (Markus 11,17). Und doch war er in
sich selbst nichts. Was bedeutet ein Gebäude, wenn die
Menschen, die es benutzen, Gott nicht kennen? Herodes hatte
diesen Tempel in jahrelanger Arbeit erweitert, aber was nützt die
Beschäftigung mit Gebäuden, wenn sie nicht mit der Liebe zu
Gott übereinstimmt. Auch wir sind oft viel zu sehr beeindruckt
von Gebäuden. Man kann sie gebrauchen, aber sie sind nicht
unentbehrlich. Im Gegensatz zu seinen Jüngern, ist Jesus gar
nicht besonders beeindruckt von dem heiligen Gebäude. Er
nimmt die Gelegenheit ihnen zu sagen, dass hier nicht ein Stein
auf dem anderen bleiben wird. Er bezieht sich dabei auf die
Zerstörung Jerusalems, die im Jahre 70 stattfinden wird.
2. Die Jünger fragen Jesus nach Zeit und Umstand (13,3-4).
Angeregt durch die Antwort, die Jesus gab, fragen die Jünger
ihn, „Wann wird das sein, und was ist das Zeichen …?“ Es ist die
121
Frage nach dem Zeitpunkt und danach, an welchem Zeichen sie
die vorausgesagte Zerstörung Jerusalems erkennen können.
Menschen haben großes Interesse daran die Zukunft zu kennen.
Das Interesse daran, was einmal passieren wird und wie man es
vorhersagen kann hat die menschliche Rasse schon immer
beschäftigt. Menschen wenden sich an böse Geister oder
eigenartige Kulte, um herauszufinden, was die Zukunft bringt.
Jesus nennt immer wieder einige Voraussagen. Oft sind wir aber
ganz besessen darauf mehr zu erfahren, als Gott uns preisgeben
will. Das führt immer wieder zu exzessivem Interesse an Zeiten
und Zeichen, die die Zukunft betreffen. So war es auch bei den
Jüngern.
3. Jesus spricht von traumatischen Erfahrungen, die aber noch
nicht bestätigen, dass das Ende nah ist (13,5-8).
Es ist erstaunlich, wie oft Menschen diese Verse anführen, als ob
sie vom Ende der Welt sprechen oder die Wiederkunft Jesu
andeuten. In Markus 13 war bisher nur vom Fall Jerusalems die
Rede, nicht vom zweiten Kommen Jesu. Alles, was dann in den
Versen 5-8 angeführt wird, sind nicht Zeichen des Endes der
Welt, sondern Ereignisse, die aber noch nicht das Ende der Welt
meinen. Die Jünger und auch wir müssen aufpassen, dass wir
nicht von Leuten beeinflusst werden, die meinen alles über die
„letzten Zeiten“ zu wissen (13,5).
Falsche Behauptungen der Messias zu sein, sind nicht das
Zeichen des Endes (13,6).
Jesus sagt, dass viele behaupten werden der Messias zu sein.
Apostelgeschichte 8,9 gibt uns ein Beispiel. Aber dies ist nicht ein
Zeichen des Endes und das Ende kam auch nicht mit denen, die
es von sich behaupteten.
Politische Umbrüche sind keine Zeichen des Endes (13, 7-8a).
Jesus warnt vor Kriegen, aber er sagt „das ist noch nicht das
Ende“. Er macht nicht eine Auflistung, die zeigen soll, dass das
122
Ende der Welt nahe ist. Ganz im Gegenteil. In der gesamten
Weltgeschichte gab es Kriege und Kriegsgeschrei. Sie bestätigen
nicht das nahe Ende der Welt. Eine Nation wird sich aus
ethnischen Gründen gegen die andere erheben, ein Königreich
aus politischen Gründen gegen das andere. Die Apostel sollen
daraus nicht den falschen Schluss ziehen, dass das Ende da ist
und ihre Aufgaben erfüllt sind.
Erdbeben und Hungerkatastrophen sind nicht ein Zeichen des
Endes(13,8b).
Es gab immer wieder Erdbeben und Hungersnöte in der
Zeitspanne zwischen Jesus und den Ereignissen im Jahr 70, als
Jerusalem
zerstört
wurde.
Die
Hungersnot
aus
Apostelgeschichte 11,28 ist bekannt und belegt. Weder das Ende
der Welt, noch der Fall Jerusalems fanden in diesem
Zusammenhang statt.
„Dies sind die Anfänge der Geburtswehen“. Dieser Formulierung
müssen wir besondere Aufmerksamkeit schenken. Diese Zeichen
sind nicht Zeichen des Endes, sondern Zeichen des Anfangs! Sie
sind der Beginn eines bedeutenden neuen Abschnitts in der
Geschichte dieser Welt. Im Zeitabschnitt 33-70 n.Chr. endet eine
Phase der Weltgeschichte und eine neue beginnt. Die Dinge, die
in diesen Jahren in Israel passieren werden, werden den
Zusammenbruch Jerusalems bringen, aber auch eine neue
Epoche der Evangelisation, der Ausbreitung der Jünger und
ihrer Botschaft. Leute lieben die „Zeichen des Endes“; viel
wichtiger sind aber die Zeichen des Anfangs!
4. Jesus warnt davor, dass diese Zeit bis zur Zerstörung
Jerusalems eine Herausforderung für die Apostel sein wird
(13,9-13).
Es wird dazu kommen, dass sie brutal verfolgt werden, aber
auch die Gelegenheit haben werden vor Machthabern zu
sprechen (1,9). Die Zeit vor dem Fall Jerusalems muss eine Zeit
der Begeisterung sein, alle Nationen zu erreichen (13,10). Wenn
123
es ein Zeichen gibt, dass das Ende der Welt erreicht ist, dann ist
es die Evangelisation aller Nationen.
Es wird ihnen gegeben werden, was sie sagen sollen, wenn sie in
besondere Situationen kommen (13,11) aber sie müssen auch
erwarten von engsten und liebsten Angehörigen verraten zu
werden (13,12). Sie werden gehasst werden (13,13a) aber
diejenigen, die standhalten, werden bewahrt und endgültig
belohnt werden (13,13b). Tatsächlich ist kein Christ bei der
Zerstörung Jerusalems umgekommen. Die Christen aus
Jerusalem konnten nach Pella in Perea fliehen (siehe Eusebius`
Ecclesiastical History, 3,5,3)
5. Die abscheuliche Schändung des Tempels ist ein Zeichen,
für die bevorstehende Zerstörung Jerusalems.
Die „abscheuliche Schändung“ ist ein Begriff, aus Daniel 9,27,
11,23, und 12,11. Es ist die Voraussage über eine Zeit, wenn
Heiden in den besonders heiligen Teil Jerusalems eindringen
würden.
Jesus fügt hinzu, „Versteht was ihr lest“ (13,14). Er legt seinen
Jüngern nahe, das Alte Testament zu lesen um es zu verstehen.
(Ich glaube nicht, dass dies eine Bemerkung ist, die Markus als
Schreiber hier einfügt. Sie kommt auch in Matthäus 24 vor und
es war sicherlich Jesus, der es sagte.)
Wenn sie eine Schändung sehen, die seinen Worten entspricht,
sollen sie wissen, dass Jerusalem kurz davor ist zu fallen und sie
sollen fliehen (13,14-16). (Tatsächlich brachten die Römer ihre
Flaggen in den Tempel und brachten ihnen Opfer, so wie der
Historiker Josephus in „Wars of the Jews“, 6.6 berichtet.) Diese
Zeit, sagt Jesus, wird eine Zeit großen Leidens für die Menschen
in Jerusalem sein (13,17) Die Apostel sollten beten, dass die Zeit
der Flucht nicht in die Wintermonate fällt (13,18). Es wird großes
Leid geben (13,19) aber, um die von Gott Auserwählten willen,
wird es verkürzt werden. Die Juden werden nicht komplett
ausgelöscht werden, weil ihnen, für die Errettung der Welt, noch
124
eine Aufgabe zukommt. Um Gottes Auserwählte in der
zukünftigen Geschichte willen, werden die Leute in Israel
bewahrt (13,20). Jesus sagt nicht viel mehr zu diesem Aspekt.
(siehe etwas mehr in Lukas 21,23, 24) Es war Paulus überlassen,
dieses Thema in Römer 11, 11-15 u. 25-32 weiter auszuführen.
Die Zeit unmittelbar vor dem Fall Jerusalems wird viele falsche
Behauptungen hervorrufen. Krisenzeiten bringen immer wieder
falsche Propheten hervor, aber sie sind gewarnt (13,21-23).
125
28
Das Kommen des „Sohn des Menschen“
Markus 13,24-37
Alles in Markus 13,1-23 bezieht sich auf den Fall und die
Zerstörung Jerusalems. In Markus 13,32-37 kommt Jesus auf sein
zweites Kommen zu sprechen. Was ist aber mit den Versen
dazwischen? Insbesondere im Hinblick auf die Verse 30-32 „…
diese Generation wird vergehen, bis dies alles geschieht … aber die
Stunde weiß niemand …“, haben die Bibelausleger
unterschiedliche Ansichten. Einige denken, dass sich Markus
13,24-31 auf Jesu zweites Kommen bezieht, Jesus aber
fälschlicherweise dachte, es würde noch zu seiner Zeit sein. Kein
konsequenter Christ kann diese Ansicht über Jesus haben!
Einige sind der Ansicht, dass sich der Begriff „Generation“ auf
die Israeliten bezieht. Die Nation Israel, so argumentieren sie,
wird nicht untergehen, bis sich diese Dinge erfüllt haben. Das
aber ist nicht der Sinn des Wortes „Generation“.
Wieder andere denken, dass sich die Verse 24-31 auf das zweite
Kommen Jesus beziehen, und dass Jesus keinen Fehler bei der
Aussage machte, was innerhalb einer Generation passieren
würde. Diese Ausleger neigen dazu zu sagen, dass Vers 30 sich
auf das bezieht was zu Jesu Zeit anfängt, sich aber undefiniert
fortsetzt. Für mich sind diese Ausleger in Bezug auf Vers 30
nicht überzeugend.
Einige sind der Meinung – und zu denen zähle ich auch – dass
sich die Verse 24-31 auf den Fall und die Zerstörung Jerusalems
beziehen. Markus 13,24-31 bezieht sich auf den Fall Jerusalems,
der als ein Vorgeschmack auf das zweite Kommen Jesu zu
verstehen ist.
126
Zuerst einmal müssen wir verstehen, dass das „Kommen des
Menschensohnes“ sich nicht immer auf das zweite Kommen Jesu
bezieht. In Daniel 7,13 kommt der Sohn des Menschen zum
Vater um das Königreich zu erhalten. Seine Auferstehung und
Himmelfahrt war ein Kommen Jesu zum Vater, um von ihm das
Königreich zu erhalten. Die Ausgießung des Heiligen Geistes,
der Fortschritt der Gemeinde und auch der Fall Jerusalems
waren alles Begebenheiten, „den Sohn des Menschen in den
Wolken“ kommen zu sehen, die Erfüllung von Daniel 7,13.
Die Sprache in Markus 13,24-25 ist nicht wortwörtlich. Es ist
alttestamentliche Sprache, die von großen Veränderungen durch
den Fall der Stadt spricht. Es hört sich an wie beim Sieg über die
Feinde Israels (Jesaja 13,10, 34,4, Hesekiel 32,7) und wird jetzt auf
Israel selbst angewendet. Solche Ereignisse können sichtbar
stattfinden (Lukas 23,44) sogar noch vor dem Ende der Welt.
Wenn das Ende kommt, wird die ganze Welt vor Jesus
zusammenbrechen (2.Petrus 3,12). Im Augenblick aber bezieht
sich die Sprache des Endes der Welt auf den Fall von Städten
und Weltreichen. Hier bezieht sich Jesus auf das Ende der
besonderen Position Israels. Die Zerstörung des Tempels war
das Zeichen eines neuen Tages, an dem man nicht mehr Jude
sein muss oder an das mosaische Gesetzt gebunden sein muss
um errettet zu werden. Da Fall Jerusalems ist der Beweis dafür,
dass Jesus zu seinem Königreich gekommen ist. Die Generation
nach Jesus würde es selbst sehen. Den Sohn des Menschen in
den Wolken kommen zu sehen (13,26), bezieht sich nicht auf das
zweite Kommen Jesu, sondern auf die Erfüllung von Daniel 7,13.
Daniel 7,13 erfüllt sich schrittweise. Jesus kam zum Vater um ein
Königreich zu erhalten. Wiederholt spricht Jesus davon, dass
dies im Zeitraum seiner Generation stattfinden wird. (a)
Matthäus 16,27, Markus 8,38, Lukas 9,26, (b) Matthäus 10,23 (c)
Matthäus 24,30, Markus 13,26, Lukas 21,27, (d) Matthäus 26,64,
Markus 14,62, Lukas 22,69. Matthäus 26,64 spricht davon, dass
das „von jetzt an“ wahr ist. So auch Lukas 21,27. Matthäus 28,18
127
hat denselben Gedanken und gibt Daniel 7,14 wieder. So auch
Matthäus 19,28. Daniel 7,13-14 erfüllt sich (a) in der
Auferstehung und Himmelfahrt Jesu, als er zum Vater kommt
und von ihm königliche Autorität verliehen bekommt. Es erfüllt
sich (b) in der Zerstörung Jerusalems, als das Gericht, das diese
Stadt traf, zeigte, dass Jesus auf dem Thron der Herrlichkeit sitzt,
und (c) wird es sich im sichtbaren zweiten Kommen Jesus
zeigen. Alles in Markus 13, 1-25 bezieht sich auf den Fall
Jerusalems, so auch Vers 26.
Vers 27 könnte sich auf menschliche „Botschafter“ beziehen, die
das Evangelium verkündigen. Das Wort „Engel“ bedeutet
„Botschafter“. Wenn hier wortwörtlich an Engel gedacht wird,
müssen wir uns daran erinnern, dass in Alten Testament das
Blasen von Trompeten, Gottes Leuten neue Wege und
Fortschritte ankündigte. (siehe 4.Mose 10,2, wo Trompeten
geblasen werden um dem Volk Israel anzukündigen dass Neues
bevorstand. In Jesaja 27,13 wird die große Befreiung durch den
Schall einer Trompete verkündet.)
Die Verse 28-31 sprechen davon, dass diese Ereignisse bald
passieren werden; noch in den Tagen der Apostel selbst. Es wird
bald „Sommer“ sein, eine angenehme Zeit in der viel passiert.
Die erste Generation der Gemeinde war gekennzeichnet von
rascher Ausbreitung und geistlicher Kraft. All dies deutet darauf
hin, dass sich die Verse 24-31 auf den Fall Jerusalems beziehen.
Etwa vierzig Jahre nach der Kreuzigung Jesu war von Israel als
besonderem Volk mit dem Anspruch die Welt zu erhellen nicht
mehr viel übrig. Das mosaische Gesetz war nicht mehr relevant.
Der Tempel existierte nicht mehr. Die Tieropfer hatten aufgehört.
Die heiligen Feste, wie Passah und der Versöhnungstag waren
von Gott nicht mehr gefragt. Gottes königliche Kraft hatte Israel
verlassen. Jerusalem war zerstört.
128
Die Verse 32-37 beziehen sich auf das zweite Kommen Jesu.
Jesus sagt, „Aber!“ „Aber von jenen Tag weiß niemand …“ Jesus
stellt den Fall Jerusalems, den einige der Apostel noch zu ihren
Lebzeiten erleben würden, seinem zweiten Kommen gegenüber,
welches allerdings ohne jede Angabe von Zeiten in der Zukunft
liegt. Für das erste dieser Ereignisse gab es ein Zeichen, Die
Abscheulichkeit der Verwüstung Jerusalems. Für sein zweites
Kommen würde es kein solches Zeichen geben. Das zweite
Kommen Jesu wird zu einem Zeitpunkt stattfinden, den
niemand kennt.
Der Tag der Wiederkunft Jesu ist völlig unbekannt. Kein Mensch
kennt ihn. Kein Engel kennt ihn. Nicht einmal Jesus kannte,
während seines Aufenthalts auf dieser Erde, den Zeitpunkt. Er
wusste nicht, wann er wiederkommen würde.
Der Tag seiner endgültigen Wiederkunft soll uns ermutigen zu
wachen und zu beten. Jesus kann – auf die eine oder andere Art
und Weise – jeden Augenblick kommen. Wir sollen jederzeit für
sein Erscheinen und Eingreifen bereit sein.
Der Tag seines Kommens kann sich hinauszögern. Die irdische
Gemeinde bestand in ihrer Lehre nicht darauf, dass es schon
bald sein würde. Markus 13,35 und andere Aussagen sagen
deutlich, dass es sich hinauszögern kann. Es ist so, wie bei einem
Hausbesitzer, der sein Haus auf unbestimmte Zeit verlässt.
Der Tag, an dem Jesus wiederkommt, wird unsere Wachsamkeit
testen. Es steht fest, Jesus wird zu einem unerwarteten Zeitpunkt
kommen. Er möchte dass wir bereit sind wenn er kommt, denn
die unmittelbare Möglichkeit seines Kommens zu jedem
Zeitpunkt, sollte uns gepackt haben. Eines seiner letzten Worte
waren, „Wachet!“ Es muss selbstverständlich für uns werden,
wachsam zu sein. Wir müssen es uns zur Gewohnheit machen
bereit zu sein wenn er kommt um zu sehen, wie wir für ihn
leben und ob wir treu sind.
129
Jesus kommt auf verschiedene Art und Weise. Wenn es nicht
sein endgültiges Kommen ist, so kann es sein Kommen in einer
anderen Form sein. Jesus kann etwas tun, was nicht das Ende
der Welt, aber möglicherweise das Ende unserer persönlichen
Welt sein kann. Es kann sein, dass Jesus uns zu sich nimmt.
Manchmal kommt er vielleicht um nachzusehen was in unserem
Leben so läuft. Er ist es, der untersucht und beurteilt, belohnt
oder bestraft, je nachdem, was er vorfindet.
„Was ich Euch aber sage, sage ich allen, Wacht!“ (Markus 13,37)
130
29
Drei Ansichten des Kreuzes
Markus 14,1-11
Mittlerweile ist es Mittwoch in der letzten Woche im Leben Jesu.
Es bleiben ihm noch achtundvierzig Stunden Arbeit auf dieser
Erde. Er verbringt einen Tag in Betanien, unweit von Jerusalem.
1. Wir sehen, wie Gott das Kreuz sieht: Der Tod Jesus ist ein
Passah-Opfer.
Es gibt den Versuch zu vermeiden, dass Jesus in der Zeit des
Passahfestes gekreuzigt wird (14,1-2). Aber es war der Plan
Gottes, dass Jesus genau die Nachahmung des Passah Opfers
sein sollte.
In der Original-Begebenheit in 2.Mose 12, 1-13 war das Passah
der Anlass, Menschen zu richten. Der Erstgeborene in jeder
Familie würde sterben. Doch anstelle des Erstgeborenen in einer
israelischen Familie musste ein Lamm diesen Tod erleiden. Die
Familie musste in einem, mit Blut markierten Haus Schutz
suchen. Wenn sie sich also auf diese Weise unter das Blut eines
Lammes stellten, würde das Gericht an ihnen vorüber gehen und
sie würden in Sicherheit sein. Von diesem Augenblick an waren
Sie „Israel“, Gottes auserwählte Nation.
Es war Gottes Plan, dass Jesus ein „Passahlamm“ sein sollte.
Auch er war ein stellvertretendes Opfer. Auch er starb für die
Sünden der Leute. Seinem Blut zu vertrauen würde Rettung
bedeuten.
Die Priester und Theologen wollten Jesus loswerden, aber sie
versuchten zu verhindern, dass es in den Tagen des Passahfestes
dazu kommen würde. Sie versuchen die Sache mit Jesus so
schnell wie möglich zu erledigen. Markus lädt uns ein, zu sehen,
was passiert. Im Ablauf ihrer Pläne, Jesus los zu werden, kam es
131
zu Verzögerungen. Pilatus nahm sich mehr Zeit seine
Entscheidung zu treffen, als man erwartet hatte.
Jesus starb am Freitag. Es war der Zeitpunkt, als die PassahLämmer geschlachtet wurden. Er war das Passah-Lamm.
2. Wir sehen, wie eine Frau das Kreuz sah,
Der Tod Jesu war der Impuls für große Verehrung (14,3-9).
Dreimal hatte Jesus sehr klare Voraussagen über seine
bevorstehende Kreuzigung gemacht. Seine Jünger hatten ihn
nicht ernstgenommen und dachten wohl er wäre einfach nur
deprimiert. „Das soll dir nicht passieren“, hatte Petrus gesagt.
Aber da gab es eine Frau, die zu der Überzeugung gekommen
war, dass Jesus meinte, was er sagte. Jesus war mit seinen
Jüngern in Betanien, im Haus eines ehemaligen Leprakranken,
den Jesus geheilt hatte (14,3a). Eine Frau kam herein und
überschüttete Jesus mit einem extrem teuren Parfüm (14,3b). Wir
wissen aus dem Johannes-Evangelium, dass es Maria aus
Betanien war (Joh. 12,1-3). Sie wurde für ihr tun sofort sehr
kritisiert (14,4-5), doch Jesus verteidigte sie (14,6-9).
Sie glaubte an den bevorstehenden Tod Jesu. Jesus sagte, „Sie
hat meinen Leib zum Begräbnis gesalbt.“ Es ist eine erstaunliche
Aussage. Das bedeutet doch, dass Jesus um die Tatsache wusste,
dass er in zwei Tagen tot und begraben sein würde! Wie muss es
sein, von uns selbst zu wissen, dass wir in zwei Tagen tot und
begraben sein werden. Maria von Betanien war die Einzige, die
Jesus ernst nahm als er von seinem Tod sprach. Sie muss sich
gesagt haben, „Ich weiß nicht, was passieren wird. Wenn er tot
ist, werde ich keine Chance mehr haben, seinen Körper mit
meinem wunderbaren Parfüm zu salben. Ich will ihm, solange er
noch lebt, zeigen wie sehr ich ihn dafür liebe, dass er mir den
Weg zu Gott gezeigt hat. Ich werde mein kostbares Öl jetzt über
ihm ausgießen!“ Sie glaubte an sein Kreuz. Sie liebte ihn, weil sie
spürte, dass er für sie sterben würde.
132
Sie wollte Jesus Ihre Liebe zu ihm zeigen. Jesus hatte viel für sie
getan. Das war der Grund für Ihre Liebe und ihr handeln.
Es war ihr egal, was andere über sie dachten. Es muss ihr klar
gewesen sein, dass sie für das, was sie tat, kritisiert werden
würde. Andere würden denken, dass sie verrückt sein muss,
etwas zu verschwenden, was man für ein Jahreseinkommen
hätte verkaufen können. All diese Argumente waren ihr
gleichgültig. Sie war einfach radikal, wenn es um Jesus ging.
3. Wir sehen wie Judas das Kreuz sah.
Der Tod Jesu hing zusammen mit Verrat und großem
Vertrauensbruch (14,10-11). Exakt an dem Tag, als Maria Jesus
ihre Hingabe zeigte, geschah der Verrat durch Judas. Judas hatte
vorgegeben und von sich behauptet, ein Jünger Jesu zu sein.
Wirklich geglaubt hatte er aber nie. Jesus wusste von Anfang an,
dass er ein Betrüger war. Er war nicht „sauber“ (Joh.13,10-11). Er
war kein „Rückfälliger“, also jemand, der als Christ in große
Sünde fällt. Er war vielmehr ein Täuscher, jemand, der von sich
behauptete ein Jünger zu sein obwohl er nicht glaubte.
Die Gemeinde muss mit der Tatsache leben, dass es immer Leute
wie Judas in ihren Reihen geben wird. Es gibt immer solche, die
es sehr angenehm finden, christlichen Glauben vorzutäuschen.
Selbst als Mitarbeiter. Es kann sein, dass Gott sie gebraucht,
obwohl Jesus sie nie gekannt hat (Matthäus 7,22-23).
Jesus musste mit dem Wissen um Judas leben. Obwohl er Judas
die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt hat wie allen anderen
Jüngern, kam es bei Judas nie zur Buße.
Warum ist Judas überhaupt im Kreis der Jünger zu finden?
Zweifellos dachte er, dass das Königreich Jesu ein machtvolles,
irdisches Reich sein würde. Er wollte dazugehören und die
Vorteile genießen. Als Jesus es zunehmend deutlicher machte,
dass er unterwegs zum Kreuz war, wurde es Judas bewusst, dass
133
er möglicherweise auf der falschen Seite stand. Die Frau, die ein
ganzes Jahreseinkommen dafür „verschwendete“, Jesus ihre
Liebe auszudrücken, war das Ende seiner Loyalität gegenüber
Jesus. Empört entschied er sich dafür, die Seiten zu wechseln. Er
betrachtete das Kreuz als Dummheit.
So ist es, Gott sieht das Kreuz als sein „Passah-Opfer“, als seinen
Weg, an der Sünde der Welt „vorüberzugehen“, damit alle, die
seinem Sohn vertrauen gerettet werden.
Wollen wir wie Judas sein, der das Kreuz als Torheit und
Dummheit betrachtet, oder wie Maria, die Jesus liebte, weil sie
wusste, dass er für sie gestorben ist?
134
30
Das letzte Abendessen
Markus 14, 12-26
Die Geschichte geht weiter. Es ist jetzt Donnerstag. Jesus hat
noch einen Tag zu leben.
Die beiden Feste, das Passahfest und das Fest der ungesäuerten
Brote (14,1), wurden aufeinanderfolgend, als ein Fest verstanden. Manchmal wird der gesamte Zeitraum als das „Fest
der ungesäuerten Brote“ bezeichnet. Der erste Tag war der
Donnerstag an dem die Lämmer geopfert wurden (14,12a). Bei
Matthäus, Markus und Lukas isst Jesus das Passahmahl am Tag
des Passahfestes. Im Johannes-Evangelium stirbt Jesus am
Passahfest. Es gibt eine Reihe möglicher Erklärungen. Die
Naheliegende ist die, dass Jesus das Passahessen einen Tag
früher ansetzte. Jesus sendet zwei Jünger um alles vorzubereiten
(14,13a). Sie werden einen Mann treffen, der sie durch die Straßen
Jerusalems bis zu einen Hausbesitzer bringen wird (14,13b), der
dann wiederum alles, was nötig ist, vorbereiten wird (14,14-15).
Das alles sieht nach übernatürlicher Führung aus. Ein Mann
wurde von Gott so geführt, dass er alles, was nötig war,
vorbereitete. Jesus wusste durch die Leitung des Heiligen
Geistes, was zu tun ist. Alles kommt so, wie Jesus es gesagt hat
(14,16) und am Abend halten sie gemeinsam das Passahmahl
(14,17).
Jesus zeigt große Liebe gegenüber Judas.
Er warnt seine Jünger vor Verrat (14,18). Es ist eine Verwarnung
an Judas und eine Gelegenheit für ihn, seine Pläne zu ändern.
Jesus nennt seinen Namen in diesem Zusammenhang nicht, um
ihn nicht öffentlich bloßzustellen. Keinem war bisher
aufgefallen, dass Judas anders war als sie. Niemand fragte, „Ist
es Judas?“. Jeder fragte, „Bin ich es?“ (14,19). Judas war während
135
des Abendessens anwesend. Jesus behandelt ihn mit
erstaunlicher Liebe. Er spricht mit tiefer Ernsthaftigkeit über die
Sünde des Verrats (14,20), die zwar an Gottes Plan nichts ändern
kann, aber für den Verräter eine schreckliche Zukunft bringt
(14,21).
Das letzte Abendessen findet statt.
Nach dem Dankgebet nimmt Jesus die Symbole seines
bevorstehenden Todes. Das Brot deutet auf seinen körperlichen
Tod hin; der Wein auf das Blut der Versöhnung, das den neuen
Bund eröffnet. Das Brechen des Brotes zeigt das Leiden Jesu. Das
Blut wird für viele vergossen. „Viele“ bedeutet im Hebräischen
„Jedermann“, weil es im Hebräischen keinen Ausdruck für
„jede Person“ gibt. Das Essen und Trinken deutet auf den
beharrlichen Glauben an das versöhnende Blut Jesu hin. Wir
erhalten Leben und Energie wenn wir uns von Jesus und von
dem was er am Kreuz tat, „ernähren“.
Vers 25 sagt den Jüngern, wie sie und spätere Generationen
leben sollen bis Jesus wiederkommt. Von jetzt an werden sie
durch den Glauben an einen gekreuzigten Erlöser leben. Erst
nach seinem Wiederkommen in Herrlichkeit, wenn er tatsächlich
körperlich da sein wird, werden sie wieder auf diese Weise mit
ihm zusammen am Tisch sitzen.
Das Essen endet mit einem Loblied und sie machen sich auf den
Weg zum Ölberg (14,26). Judas hat sie schon früher verlassen.
(wie Joh. 13,30 zeigt)
Es gibt im Markus-Evangelium keine Anweisung, dass dieses
Essen jemals wiederholt werden soll. Markus geht es nicht
darum über das Abendmahl als solches nachzudenken, wie es
später als eine Zeremonie in der Gemeinde seinen Platz findet.
Das finden wir in Lukas 22,19b, aber nicht bei Markus. Markus
lädt uns ein das Kreuz anzuschauen.
136
1. Das Kreuz lädt uns ein zur Dankbarkeit.
Jesus begann mit Dank. Wie dankbar sollten wir für das Kreuz
Jesu sein! Was für eine fantastische, göttliche Liebe!
2. Jesus trug unsere Sünden an seinem Körper.
Sein versöhnender Tod hatte etwas buchstäblich Körperliches.
Als Jesus am Kreuz hing, wurde unsere Sünde in gewisser Weise
auf seinen Körper gepackt. „Er trug unsere Sünde mit seinem
Körper…“ (1.Petrus 2,24).
3. Jesu Tod war ein Blut-Opfer.
Ich vermute, dass es sich bei dem Wein den sie tranken um
Rotwein handelte. Er erinnerte an Blut und wies darauf hin, dass
Jesus sein Blut vergießen würde, wie das der Tiere in den Opfern
im Alten Testaments.
4. Der Tod Jesu war der Beginn eines neuen Bundes.
Ein Bund musste durch ein Opfer eingeleitet werden. Ein Bund
war eine Beziehung, die mit einem Eid verbunden war. Unser
Bund mit Jesus bedeutet, dass es eine feste Beziehung zwischen
ihm und uns gibt. Er erwartet von uns, dass wir ein Leben in
beständigem Glauben an ihn leben und wenn wir das tun, gibt er
uns einen Eid in dem er schwört uns zu segnen. Das alles
geschieht durch das Blut Jesu. Durch das Blut Jesu erhalten wir
unsere erste Vergebung. Durch das Blut Jesu ist tägliche
Reinigung möglich. Durch das beständige Vertrauen in das Blut
Jesu sind wir in der Lage so für Gott zu leben, dass er sagen
kann: „Ich schwöre, ich werde dich segnen“.
5. Jesu Tod war mit großen Schmerzen verbunden.
Die Schmerzen haben ihn zerbrochen. Auch wenn kein Knochen
an seinem Körper gebrochen wurde, so war er doch zerbrochen
durch die Schmerzen, die er ertragen musste. Da waren Schande,
Spott und Verhöhnung, Einsamkeit, Scham und Schmerzen und
– das Schlimmste von allem – vom Vater verlassen zu werden.
137
6. Vom Tod Jesu profitiert die gesamte menschliche Rasse.
Sein Tod war für „Viele“. Er starb für jeden Menschen. Jeder ist
aufgerufen und eingeladen im Glauben darauf zu reagieren dass
Jesus für ihn starb.
7. Alles was wir tun müssen ist durch beständigen Glauben an
sein Blut zu leben.
Wir müssen „seinen Körper essen“ und „sein Blut trinken“. Das
bedeutet, dass wir anhaltende Lebendigkeit und beständige
Gewissheit durch das Vertrauen in sein Blut bekommen. Wenn
wir beten, ob wir sündigen, wenn wir uns Sorgen machen, wenn
wir leiden – in jeder Situation dürfen wir uns im Glauben an
Jesus wenden, der durch sein Versöhnungsblut einen Bund mit
uns geschlossen hat.
138
31
Treuer Retter – Schwache Jünger
Markus 14,27-42
In unserer Geschichte ist es jetzt Donnerstag, später Abend, wohl
so etwa zwei Stunden vor Mitternacht. Jesus und seine Jünger
sind auf dem Weg zum Ölberg, ein Hügel etwas außerhalb der
Mauern Jerusalems. Während sie gehen unterhält sich Jesus mit
ihnen.
1. Wir haben einen Erlöser, der seinen Jüngern sagt, was vor
ihnen liegt.
Jesus warnt sie erneut vor dem, was auf sie zukommen wird: Sie
werden leugnen seine Jünger zu sein. Er selbst wird getötet
werden. Sie werden zerstreut werden. Er wird auferstehen und
er sagt ihnen sogar, dass er ihnen nach seiner Auferstehung,
vorausgehen wird nach Galiläa (14,27-28). Jesus möchte, dass sie
wissen, dass er ihnen treu bleiben wird. Auch wenn sie
weglaufen, wird er ihnen gegenüber treu bleiben.
2. Die Jünger sind sich ihrer Schwäche nicht bewusst.
Besonders Petrus ist sich übersicher. Die Apostel nehmen nichts
von dem ernst, was Jesus ihnen hier sagt. Später allerdings wird
alles für sie Sinn machen. Sie wollen nichts davon hören, dass er
sterben wird. Sie haben kein Verständnis für eine Auferstehung
in einigen Tagen. Petrus besteht darauf bei Jesus zu bleiben,
komme was da will (14,29). Jesus aber behauptet, dass Petrus
bereits in wenigen Stunden abstreiten wird, Jesus jemals gekannt
zu haben. Noch bevor der Morgen graut, wird Petrus Jesus
verleugnen (14,30). Niemand von ihnen nimmt Jesus ab was er
sagt (14,31).
3. Bald schon wird der Grund ihrer Schwachheit deutlich.
Jesus lädt seine Jünger ein zu beten. Er selbst möchte allein sein
139
und beten. An keiner Stelle finden wir, dass Jesus zusammen mit
seinen Jüngern betet. Jesus hat eine Verbindung zu seinem Vater,
die sie nicht haben. Er möchte beten und er bittet drei seiner
Jünger in einiger Entfernung auch zu beten. Ein großes Vorrecht
(14,32).
Jesus betet für sich selbst. Er ist in großer Todesangst. Er spricht
mit seinen Jüngern über die große Not und Bedrängnis, die ihm
auf dem Weg zum Kreuz schwer zu schaffen macht. Sie tötet ihn
förmlich. Er bittet seine Jünger wach zu bleiben und zu beten
(14,33-34). Er entfernt sich wieder ein Stück von ihnen und
beginnt erneut zu beten und zu fragen, ob es nicht einen anderen
Weg gibt, diese Welt zu retten. Jesus ist ein Mensch. Er weiß
selbst auch nicht alles. Könnte es einen anderen Weg geben,
diese Welt zu retten, den er nicht kennt? Wenn es einen Weg
gibt, das Kreuz zu umgehen, würde er es gerne umgehen (14,35).
Jesus betet sehr intim mit Gott indem er seinen Lieblingsbegriff
für Gott benutzt, „Abba“, das aramäische Wort für Vater. Doch
während Jesus betet weiß er, dass das Kreuz der Wunsch des
Vaters für ihn ist und er akzeptiert es mit den Worten, „nicht was
ich will, sondern was du willst“ (14,36).
In einer solchen angespannten Situation würde man vermuten,
dass die Jünger ernsthaft um Gottes Hilfe beten, doch sie
schlafen (14,37). Die Jünger sind überaus selbstsicher, aber
gebetslos. Jesus ermahnt sie freundlich. Es gibt Zeiten, in denen
Gebet wichtiger ist als Schlaf. Petrus, der meinte er wäre bereit
mit Jesus zu sterben, hat nicht einmal die Willenskraft einige
Stunden mit Jesus wach zu bleiben. Sie sollen geistlich wachsam
sein, mit dem Verlangen, zu sehen, was sich da am Horizont
zusammenbraut um ihnen zu schaden. Diese Art Wachsamkeit
ist wichtig für richtiges Gebet. Ihr Verstand muss besonnen und
klar sein zum Gebet (1.Petrus 4,7). Zusammen mit einer
Ermahnung gibt Jesus ihnen dieses Wort der Ermutigung, denn
noch ist es Zeit. Vielleicht stehen sie doch noch auf und beten für
ihre Bewahrung in den Gefahren, die vor ihnen liegen.
140
Wachsamkeit und Gebet ist notwendig, damit sie nicht in
Versuchung fallen und sich dabei versündigen.
Jesus erklärt, dass die Gebetsschwäche eine Auswirkung ihrer
körperlichen Schwäche ist. Wenn er vom „Fleisch“ spricht, so
meint er ihren physischen Körper. Sie sind total müde und diese
Müdigkeit hindert sie daran, zu beten (14,38).
Ihre Schwäche zeigt sich noch offensichtlicher, als Jesus ein
zweites Mal kommt und sie wieder schlafend vorfindet (14,3940a). Sie schämen sich und wissen nicht, was sie sagen sollen
(14,40b). Als das alles zum dritten Mal passiert, (14,41) sagt Jesus,
„Schlaft ihr immer noch? – Es ist genug.“ Dieses Wort „genug“
deutet an, „Ich habe euch hinreichend gewarnt, aber jetzt ist die
Zeit des Gebets vorbei“ (14,41). Jesus weiß, dass seine Verhaftung
kurz bevorsteht.
Der Umfang des Wissens, das Jesus hatte, unterlag der Kontrolle
des Vaters. Jesus war wahrer Mensch, der kein unnötiges Wissen
in seinem Kopf herumtrug. Er stelle Fragen. Dennoch ist es
genauso klar, dass der Vater ihm übernatürliches Wissen geben
konnte. Mit Sicherheit war im bekannt, wie er auf seinen Tod
zugehen würde. An dieser Stelle kann er spät am Abend die
Lampen der Soldaten sehen, die kommen um ihn festzunehmen.
Er weckt die Jünger aus ihrem Schlummer und fordert sie auf
aufzustehen, um Judas und den Soldaten entgegen zu gehen
(14,42).
Jesus war für diesen Augenblick bereit, die Jünger nicht. Sie
hatten seinen Warnungen keinen Glauben geschenkt und seinen
Rat, wachsam zu sein, nicht befolgt. Ihre Vorbereitung im Gebet
war sehr lasch. So begegnet die ganze Gruppe den Soldaten, aber
nur einer von ihnen ist wirklich vorbereitet.
141
32
Mitgefühl
Markus 14, 43-72
Es ist Freitag, in den frühen Morgenstunden. Für Jesus beginnen
die Stunden unvorstellbaren Leidens.
1. Jesus leidet durch Verrat.
Eine schwer bewaffnete Gruppe erscheint. Sie sind vom Hohen
Priester, von den Theologen und den Leitern der Pharisäer
geschickt (14,43). Es sind Tempelwachen und Leute der Obrigkeit
(Joh. 18,12). Sie kommen in offiziellem Auftrag. Sie verhaften
Jesus nicht sofort. Judas küsst Jesus, so wie sie es als Zeichen
ausgemacht hatten (14, 44-45). Sie hatten einen Kuss als Zeichen
ausgemacht, um die Festnahme so still und unauffällig wie
möglich vorzunehmen. Wenn Judas einfach gerufen hätte „Er ist
es“, wäre es womöglich zu einem Tumult gekommen. Jesus wird
festgenommen (14, 46). Jesus machte die schmerzliche Erfahrung,
von einem nahen Gefährten auf diese Art und Weise verraten zu
werden.
2. Jesus wird von seinen Freunden verlassen.
Anfangs waren die Jünger bereit zur Verteidigung. Einer von
ihnen wurde handgreiflich und schlug einem Mitarbeiter des
Hohen Priesters ein Ohr ab (14, 47). Als es aber klar wurde, dass
Jesus keine Absicht hatte sich zu verteidigen und zu wehren (14,
48-49), fliehen die Jünger und laufen weg (14,50). Einer der JesusLeute war sogar bereit einfach seine Kleidungsstücke
wegzuwerfen und nackt zu fliehen, um nicht gegriffen zu
werden (14, 51-52). Niemand wird jemals sagen können, Jesus
wüsste nicht, was es heißt von seinen Freunden im Stich gelassen
zu werden. Er hat selbst diese Erfahrung gemacht.
142
3. Jesus erfährt Feindseligkeit von Seiten der offiziellen
Kirche.
Wir dürfen nicht vergessen, dass es hier die religiösen Leute
sind, die diesen Hass auf Jesus haben. Da waren der Hohe
Priester und seine Kollegen. Da waren die Theologen und
geistlichen Leiter (14,53). Der brutale und glühende Hass kam
nicht von den einfachen Leuten oder von besonders schlechten
Menschen. Es waren die religiösen Leute, die Jesus hassten.
Petrus, der auch da war und sich am Feuer wärmte, versuchte
wie ein ganz normaler Zuschauer auszusehen (14,54).
Es ist besonders schmerzhaft, wenn Menschen, denen Gott etwas
geben möchte, dies ablehnen und diejenigen sind, die ihn sogar
am meisten hassen. Jesus weiß wie es sich anfühlt. Er hat es
selbst erlebt.
4. Jesus weiß was es heißt mit Verleumdung und erfundenen
Beschuldigungen konfrontiert zu werden.
Die religiösen Leute suchen nach Beweisen mit denen sie Jesus
anklagen können (14,55). In diesem Fall ging es nicht darum als
unschuldig zu gelten, bis das Gegenteil bewiesen war. Es war
noch nicht einmal der Fall als schuldig zu gelten, bis die
Unschuld erwiesen wäre. Es ging seinen Anklägern darum ihn
als schuldig aussehen zu lassen, obwohl sie im Grunde sehr
wohl wussten, dass er unschuldig war.
Hast du so etwas jemals durchgemacht? Jemand ist fest
entschlossen in böswilliger Absicht eine Anklage gegen dich zu
konstruieren. Es ist pure Bosheit, purer Neid, pure Begierde und
du stehst dieser Absicht im Wege. So muss man dich loswerden!
Jesus kennt das. Er weiß wie es ist und kann es nachempfinden.
Er hat es selbst erlebt.
5. Jesus weiß, was es heißt, wenn Geschichten und Tatsachen
über ihn verdreht und falsch widergegeben werden.
Als die Verunglimpfung nicht greift (14,56) versuchen sie eine
andere Methode. Sie nehmen halbwahre Geschichten und
143
verdrehen sie (14,59-60). Jesus hatte nicht gesagt, „Ich werde den
Tempel zerstören“, aber er sagte etwas ähnliches (Joh. 2,19).
6. Jesus wurde unzulässig gezwungen gegen sich selbst
Zeugnis abzulegen.
Der Hohe Priester versucht Jesus dazu zu bringen, sich selbst zu
belasten. Die Geschichte des jüdischen Gesetzes zu dieser Zeit ist
unsicher, aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Urteil in
einem Verfahren getroffen werden kann, dass mitten in der
Nacht stattfindet und bei dem der Angeklagte unter Druck
gesetzt wird, sich selbst zu belasten. Der Hohe Priester aber
fordert Jesus auf zuzugeben, dass er von sich behauptet, der
Messias zu sein (14, 60-61). Es wird niemals möglich sein zu
sagen, dass Jesus sich unsicher darin war, der Messias zu sein.
Mutig bekennt er, der göttliche messianische König aus Daniel
7,13 zu sein, und dass der Hohepriester dies selbst bald erkennen
wird.
Dies bezieht sich nicht auf das zweite Kommen Jesu. Vielmehr
bezieht es sich auf die Ereignisse, die bald stattfinden werden,
die Ausgießung des Heiligen Geistes, das mutige Zeugnis der
Apostel und der Fall Jerusalems. Dies werden Zeichen dafür
sein, dass Jesus zum Vater gekommen ist um von ihm das
Königreich zu erhalten. Es ist eine Parallelität zu Markus 13,36.
Auf Grund seines mutigen Bekenntnisses beschuldigen sie Jesus
der Blasphemie (14, 63-64). Dieses ganze Verfahren, und der
Versuch jemanden unter diesen Umständen und mitten in der
Nacht dazu zu bringen sich selbst zu belasten, war völlig
ungerecht.
7. Jesus weiß was es bedeutet körperlich misshandelt und
gequält zu werden.
Die gesamte Gruppe der anwesenden Leiter verhöhnte und
verspottet ihn. Sie schlugen ihn und spuckten ihm ins Gesicht.
Diese Männer standen als Priester und Theologen Gesicht zu
Gesicht dem Sohn Gottes gegenüber. Sie kannten ihr Altes
144
Testament besser als viele Christen heute. Sie waren im Volk
angesehen. Sie liebten das mosaische Gesetz; und trotzdem
erlaubte ihre Religion es ihnen, Jesus so zu behandeln (14,65).
Auch die Diener folgten ihrem Beispiel und schlugen auf Jesus
ein.
Es darf uns nicht überraschen, wenn der größte Spott von Leuten
kommt, von denen wir es nicht erwartet hätten. Wenn wir auf
diese Art und Weise behandelt werden, dürfen wir aber wissen,
dass Jesus weiß, wie das ist und wie es sich anfühlt.
8. Jesus weiß, was es heißt von einem Freund verleugnet zu
werden.
Unter den prüfenden Blicken eines jungen Dienstmädchens und
einiger umher stehender Leute im Gerichtshof, verneint Petrus
jemals etwas mit Jesus zu tun gehabt zu haben (14,71) und er
erfüllt damit die Vorhersage Jesu über ihn (14,72).
Jesus musste sehr viel leiden. Weil er selbst so viel Leid ertragen
musste, ist er in der Lage denen zu helfen, die auf diese Weise
versucht werden (siehe Hebräer 2,18). Er hat jede schwere
Situation erlebt, in die wir hineingeraten könnten. Er weiß wie es
sich anfühlt. Er weiß, wie es ist. Seine Leiden versetzen ihn in die
Lage mit uns zu fühlen.
145
33
Ein Unschuldiger wird für schuldig erklärt
Markus 15, 1-20
Markus fährt fort in seinem Bericht über den ungerechten
Prozess gegen Jesus. Es ist jetzt am frühen Freitagmorgen. Eine
neue Verhandlung beginnt (15,1a). Das jüdische Parlament hat
Jesus offiziell abgeurteilt und übergibt ihn jetzt an Pilatus (15,1b).
Die Juden waren unter der Autorität der römischen
Kolonialregierung. Die Entscheidung über eine Todesstrafe lag
beim römischen Statthalter.
1. Jesus bekannte sich zu seiner Königsherrschaft über Israel.
Jesus ist der rechtmäßige König Israels. Er entstammt der
königlichen Linie Davids. Es würde nicht gut für ihn sein dies zu
behaupten, aber Jesus war ein Mann vollkommener Ehrlichkeit
und in diesem Prozess konnte er es nicht abstreiten, der
wirkliche König Israels zu sein.
2. Jesus schweigt zu allem, was sie ihm vorwerfen.
Die jüdischen Führer haben Jesus vieler Dinge beschuldigt (15,3)
aber zur Überraschung von Pilatus äußert sich Jesus nicht dazu.
(15,4-5). Trotz unberechtigter Anschuldigungen zu schweigen, ist
ein deutliches Zeichen von Zurückhaltung und Unterwerfung
unter den Willen Gottes. Nur wenige können damit umgehen.
(Eine Ausnahme sind vielleicht die von Natur aus Passiven, und
sie sind auch noch stolz auf ihre Passivität) Warum aber reden?
Die Priester waren ohnehin nicht aufrichtig. Nichts, was Jesus
sagen würde, würde ernstgenommen, warum also sollte er
antworten? Bei dem meisten, was wir reden, geht es einfach nur
darum unsere Meinung auszudrücken, anstatt aufrichtig und
ehrlich etwas Notwendiges zur Situation beizutragen.
146
3. Der Unschuldige stirbt und der Schuldige wird freigelassen.
Es gab noch eine Möglichkeit Jesus freizulassen, denn es war
Brauch, am Passahfest einem Verurteilten die Freiheit zu
schenken. (15,6-8). Das einfache Volk hätte gern gesehen, dass
Jesus freigekommen wäre. Der Hohe Priester aber verlangte die
Freilassung von Barabbas und wiegelte die Menge entsprechend
auf (15, 9-15a). Jesus wurde zur Kreuzigung übergeben (15,15b).
Es zeigt die Unbrauchbarkeit orthodoxer Religion. Die Priester
glaubten an das Alte Testament. Sie warteten auf einen Messias.
Aber sie kannten Gott nicht. Als der Sohn Gottes vor ihnen
stand, waren sie nicht in der Lage zu erkennen wer er war. Ihre
Herzen waren voll von Neid und vorsätzlicher Bosheit. Ihr
geistliches Wissen war vermischt mir geistlicher Blindheit. So
wurde der schuldige Barabbas freigelassen und der unschuldige
Jesus verurteilt. Es zeigt exakt die Situation jedes Menschen. Wir
sind schuldig. Jesus ist unschuldig. Jesus stirbt, und wir werden
freigelassen. Er sollte freigelassen werden. Wir sollten bestraft
werden.
Das ist das Evangelium. Jesus stirbt am Kreuz für unsere
Sünden. Obwohl er unschuldig war und niemals gesündigt hatte
wurde er bestraft, als ob er der größte Sünder gewesen wäre, der
jemals gelebt hätte. Die Sünde der gesamten Menschheit wurde
auf ihn gelegt. Und wir sind wie Barabbas. Uns wird erlaubt frei
auszugehen.
Jemand kam an die Zellentür in der Barabbas bis dahin
dümpelnd einsaß und verkündete ihm, „Barabbas, du kannst
nachhause gehen. Du bist nicht mehr in Gefangenschaft. Du bist
frei“! „Wie kommt denn das“, mag Barabbas gefragt haben. „Sie
haben entschieden Jesus zu kreuzigen und dich freizulassen“,
war die Antwort. So ist es noch immer. Gott entschied, dass
Jesus gekreuzigt, und wir freigelassen würden.
147
4. Jesus ertrug den Spott der Soldaten.
Sie verhöhnten ihn in seinem Anspruch als König. Der PurpurMantel war das Markenzeichen eines Königs (15,16-17). Sie
setzten ihm eine Dornenkrone auf den Kopf und äfften
Ehrerbietung nach (15,18). Sie machten in lächerlich indem sie
sich vor ihm verneigten (15,19) und schleppten ihn hinaus, um
ihn zu kreuzigen (15,20).
Jeder wusste und erfuhr was Jesus für sich beanspruchte.
Bartimäus wusste, er war der Sohn Davids (10,47, 48). Das Volk
bejubelte ihn als ihren König (11,1-11). Beim Verhör kannte der
Hohe Priester das Thema, „Bist du der Christus“(14,61)? Pilatus
fragte, „Bist du der König der Juden?“ (15,2). Jesus akzeptierte
die Aussage von Bartimäus, er antwortete dem Hohen Priester
offen und ehrlich(14,62). Er sagte Pilatus die Wahrheit (15,2). Jetzt
wussten auch die Soldaten, wer Jesus war.
Aber die Königsherrschaft zeigt sich im Leiden. Jesus ist ein
leidender König. Ohne es zu wissen, haben die Soldaten den
Nagel auf den Kopf getroffen. Sie haben ihn als König verehrt –
aber ihm viel Leid zugefügt. Sie haben Recht. Jesus ist ein König.
Die Purpur-Robe stand ihm wirklich zu. Es war richtig, ihm eine
Krone auf den Kopf zu setzen. Als sie vor ihm niederfielen, war
das genau das, was von ihnen erwartet wurde. Gleichzeitig
quälen sie ihn und fügen ihm große Schmerzen zu.
Das alles war Teil der Bestrafung für unsere Sünden. Jesus gab
sein Leben als Lösegeld für Viele. Unsere Sünden verdienen
Beleidigung und Scham. Unsere Sünden verdienen körperlichen
Schmerz und dass sich alle Freunde von uns abwenden. Jesus
leidet für uns! Er macht das durch, was wir eigentlich
durchmachen müssten.
Jesus ertrug das alles. Er hat nichts erwidert. Er hat ihnen ihre
Beleidigungen nicht zurückgezahlt. Er ist nicht laut geworden.
Er hat alles ertragen und nichts gesagt.
148
Eines Tages wird sich das Blatt wenden. Die, die ihn gequält und
durchstochen haben, werden seinetwegen jammern und heulen.
Was sie im Spott und als Verhöhnung mit ihm getan haben,
werden sie einmal aufrichtig und ernsthaft tun müssen. Bald
schon wird sich jedes Knie beugen und jede Zunge bekennen,
dass Jesus der Herr ist. Wir, die wir Jesus lieben tun das bereits
heute schon. Wir legen ihm schon heute das Purpur-Kleid an. Er
ist der König unseres Lebens und in unseren Augen ist er bereits
mit königlicher Majestät gekleidet.
Wir krönen ihn schon heute. Er ist unser König. Wir sind
glücklich ihn mit vielen Kronen gekrönt zu sehen. Wir sehen ihn
als das Lamm Gottes auf seinem Thron. Wir beugen unsere Knie
und fallen vor ihn nieder in Anbetung und Verehrung.
Wir tun bereitwillig, was die Soldaten nur taten um ihn zu
quälen. Was die ganze Welt einmal tun wird, wenn sie ihn mit
ihren Augen sehen, tun wir schon im Glauben. Wir glauben jetzt
schon, was jeder eines Tages glauben wird.
149
34
Kreuzigung und Begräbnis
Markus 15, 21-47
Als Jesus aus dem Gerichtshof bei Pilatus geführt wird, zwingen
die Römer einen Mann, der gerade vorbei kommt, Jesus zu
helfen, sein Kreuz zu tragen (15,21). Nach römischer Gewohnheit
musste ein Verurteilter sein Kreuz selber tragen, aber weil Jesus
zu diesem Zeitpunkt offensichtlich körperlich schon so schwach
war, wurde jemand gezwungen es für ihn zu tun.
1. Ein Mann wird gezwungen ein Kreuz zu tragen.
Simon, der Vater von Alexander und Rufus, war den Lesern des
Markus-Evangeliums scheinbar gut bekannt. Seitdem man
vermutet, dass der Markus-Bericht in Rom geschrieben wurde
und Römer 16,13 einen Rufus und seine Mutter in Rom erwähnt,
sieht es so aus, als ob diese Familie eine bekannte christliche
Familie war, die später in Rom lebte.
Simon, den man zwingt das Kreuz für Jesus zu tragen, ist eine
gute Illustration von Mark 8,34. Dieser Befehl kam für ihn sehr
plötzlich. Er kam gerade vom Feld, als die Römer ihn sich
schnappten und zwangen, das Kreuz für Jesus zu tragen. Das
könnte uns auch passieren. Plötzlich finden wir uns in einer
Situation, in der wir eine schwere Last zu tragen haben, mit der
wir nie gerechnet hätten. Jesus sagte schon zu einem früheren
Zeitpunkt, dass Nachfolge durchaus bedeuten kann, ein Kreuz
zu tragen. Das heißt auch, schmerzvolles zu akzeptieren und zu
ertragen, wenn Gott es uns auferlegt. Die Situation hier
beschreibt so buchstäblich, was Jesus meint.
Durch das Tragen des Kreuzes wird Simon weltweit bekannt
und geehrt. Ich gehe einmal davon aus, dass er im Moment nicht
begeistert war, aber es brachte ihm die Ehre ein, Jesus das
150
Ertragen seiner Leiden auf dem Weg zur Kreuzigung etwas
erleichtert zu haben.
2. Der hohe Preis des Kreuzes Jesu.
Jesus wurde nach Golgatha (Schädelstätte), außerhalb der Stadt
gebracht (15,22). Man bot ihm Wein mit Myrre vermischt an, um
sein Empfinden zu betäuben (15,23), aber Jesus lehnt ab. Er
möchte die Sünden der Welt bei vollem Bewusstsein tragen.
Es würde sehr peinlich und schamvoll für ihn sein. Sie nahmen
ihm die Kleidung weg und losten aus, wer sie bekommen sollte
(15,24). Es war neun Uhr morgens, als sie ihn kreuzigten (15,25).
Ohne dass sie es wussten, traf ihre Verhöhnung wieder genau
zu: „König der Juden“ (15,26). Zwischen zwei Verbrechern hing
Jesus am Kreuz (15,27) und musste extremen Spott und Hohn
ertragen (15,28-32).
3. Der Höhepunkt des Opfers Jesu.
Es sieht so aus, als ob alles, was bisher passiert ist, nur die
Vorbereitung für den Höhepunkt des Kreuzes ist: Die drei
Stunden Dunkelheit. Die Dunkelheit zeigt das totale Verlassensein. Sie war das Zeichen für das Ende des Alten Testaments und
für den Anfang des Neuen Bundes. Dunkelheit ist eines der
Themen des Alten Testaments, „Es wird ein Tag kommen, „wenn
sich die Sonne verdunkelt … „ (Amos 8,9, Jesaja 13,10). Das ganze
Universum verfinstert sich über Jesus, als der Vater ihn verlässt
und ihm seine Gemeinschaft entzieht (15,33). Drei Stunden
unglaubliches Leiden. Da sind Dinge mit dem Kreuz verbunden,
die hatte selbst Jesus nicht erwartet. Er stellt in diesem Moment
eine Frage, deren exakte, aramäische Worte uns überliefert sind
(15,34). Markus möchte, dass wir exakt wissen, was Jesus sagte.
Einige glaubten vielleicht noch an ein Wunder in letzter Minute
(15,35-36) aber Jesus übergab sein Leben dem Vater (15,37).
4. Die Auswirkungen des Kreuzes.
Unmittelbar passieren zwei Dinge: Im Tempel öffnete sich der
151
Teil, den man das „Allerheiligste“ nennt, indem der Vorhang,
der es abtrennte, von oben nach unten zerriss (15,38). Es war
Gottes Weg zu sagen, dass durch das Blut seines Sohnes, die
Gemeinschaft mit ihm, jetzt auf einer höheren Ebene offen ist.
Ein römischer Soldat kommt unmittelbar zum Glauben an Jesus,
als dem Sohn Gottes (15,39). Das war ein großartiges Zeugnis.
Bisher hatte Gott von Jesus als von seinem Sohn gesprochen
(Markus 1,11, 9,7) und die Jünger waren schließlich irgendwann
zu derselben Erkenntnis gekommen (8,29). Der heidnische Soldat
kommt zu dieser Erkenntnis, als er Jesus am Kreuz sieht. Das ist
eine große Ermutigung. Das Kreuz war ein grausames und
verachtetes Hinrichtungsmittel. Es war ein Stolperstein auf dem
Weg zum Glauben an Jesus. Wie kann es sein, dass der Sohn
Gottes auf diese Art und Weise sterben muss? Obwohl viele
blind waren und nicht erkannten, wer Jesus war, kommt dieser
heidnische Soldat unmittelbar zum Glauben. Es zeigt, dass das
Kreuz Kraft und Macht hat. Wenn das Kreuz Jesu hochgehalten
wird, werden Menschen zum Glauben kommen, ungeachtet aller
Schande und Verachtung.
5. Am Ende des Kapitels berichtet Markus noch über einige
Zeugen des Kreuzes.
Obwohl seine Jünger ihn verlassen hatten, standen in einiger
Entfernung noch Frauen aus dem Kreis der Jünger um Jesus,
und beobachteten die Situation (15, 40-41). Sie waren wichtige
Zeugen, denn sie verfolgten, was mit dem Körper Jesu passierte.
Markus` Bericht bereitet uns auf das großartige Ereignis am
Ostersonntag vor.
Am Freitagabend geht Josef aus Arimathäa zu Pilatus und bittet
um den Körper Jesu (15,42-43). Jesus hatte überraschende
Unterstützer. Wer hätte gedacht, dass es da ein prominentes
Mitglied des Hohen Rates geben würde, der im Glauben auf das
Kommen des Messias wartete (15,43) und der durch Gott
gezogen, ein Sympathisant und Unterstützer Jesu werden
152
würde? Pilatus war überrascht, dass Jesus schon gestorben war
aber er gab, nachdem dies von den Soldaten bestätigt wurde, die
Erlaubnis, den Körper Jesu vom Kreuz zu nehmen (15, 44-45). Die
Frauen beobachteten, wie und wo Jesus von Josef begraben
wurde (15,46-47). Das würde wichtig sein.
Als der Ostersonntag kam, würde es keine Missverständnisse
geben. Diejenigen, die für Gott offen waren, würden niemals an
der Auferstehung Jesu zweifeln. Es war Gottes Plan, dass einige
seiner Freunde genau wussten, wo er begraben war. Ein
einflussreicher, wohlhabender Mann, Mitglied des israelischen
Parlaments, konnte bezeugen, dass er Jesus dort selbst
hingetragen und beigesetzt hat. Es gab kein überzeugenderes
und größeres Zeugnis für die Tatsache, dass Jesus gestorben und
begraben wurde, bevor er auferstand.
153
35
Jesus lebt!
Markus 16, 1-8
Am späten Samstagabend, als der Sabbat vorüber ist, machen
sich drei Frauen auf den Weg um wohlriechende Öle zu kaufen,
mit denen sie den Leichnam Jesu salben wollen. Eine dieser
Frauen ist Maria aus Magdala. Die beiden anderen sind Maria,
die Mutter des Jakobus, und Salome. Sie haben sich
vorgenommen, am frühen Sonntagmorgen (16,1) zum Grab zu
gehen.
Am nächsten Morgen, auf dem Weg zum Grab, machen sie sich
Gedanken darüber, wer wohl den Stein vom Eingang des Grabes
wegrollen würde, damit sie hineingehen können (16,2-3). Am
Grab angekommen, stellen sie fest, dass der Stein bereits
weggerollt wurde (16,4). Im Grab stoßen sie auf einen jungen
Mann. Er ist gekleidet, dass man vermuten könnte es ist ein
Engel (16,5). Matthäus berichtet, dass es zwei Engel waren.
Markus erwähnt nur einen, mit dem sie sprechen. Der Engel
sagt ihnen, dass Jesus auferstanden ist (16,6). Er zeigt ihnen den
Platz, an dem Jesus gelegen hat und schickt sie dann nach
Galiläa, wo Jesus ihnen begegnen wird (16,7). Schockiert und
sprachlos machen sich die Frauen voller Angst auf den Weg
(16,8).
An diesem Punkt endet das Markus-Evangelium. Die Verse 9-20,
die in vielen Bibeln zu finden sind, wurden später hinzugefügt
und sind eigentlich nicht Teil des Markus-Evangeliums. In den
frühen Manuskripten findet man sie nicht. Es ist einer von zwei
längeren Abschnitten, die dem Evangelium hinzugefügt
wurden. Das muss uns aber nicht beunruhigen. Die frühen
Manuskripte der Evangelien wurden handschriftlich kopiert.
Das führte zu leichten Abweichungen.
Die meisten
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Unterschiede sind verschwindend klein. Nur an zwei Stellen, in
Markus 16,9-20 und in Johannes 8,1-12 finden wir längere
Passagen, die später eingefügt wurden.
Markus deutet an, dass Jesus seine Jünger in Galiläa trifft.
Vermutlich hat das verlorengegangene Ende des MarkusEvangeliums davon berichtet, wie Jesus seinen Jüngern in
Jerusalem und in Galiläa erschien um sich von ihnen zu
verabschieden und in den Himmel aufzufahren. Wie auch
immer – wir haben nur Markus 16, 1-8 als authentisches
Evangelium.
Die Auferstehung war ein historisches Ereignis. Sie fand wirklich
statt. Jesus wurde körperlich auferweckt. Ein Engel erschien um
zu erklären, was passiert ist. Es war keine Halluzination. Die
Frauen rechneten absolut nicht damit. Ganz im Gegenteil, sie
hatten Öl mitgebracht um seinen toten Körper zu salben. Die
Auferstehung hatte sie total überrascht und sie liefen verängstigt
weg, ohne ein Wort herauszubringen.
1. Diese Begebenheit bewahrt uns davor, jemals das
Übernatürliche des christlichen Glaubens zu übersehen oder
abzulehnen.
Natürlich gab und gibt es immer wieder Leute, die genau das
versuchen zu tun. Es gibt Leute, die versuchen, die Geschichte
des christlichen Glaubens so wiederzugeben, als gäbe es darin
nichts Übernatürliches und keine Wunder. Solange wir die Bibel
aber ernst nehmen, kommen wir an Übernatürlichem nicht
vorbei. Jesus wurde von den Toten auferweckt. Es ist passiert.
Engel haben es verkündet. Die Schrift spricht in ihrem
Evangelium klar davon, dass Jesus auferstanden ist. Ein
„Christentum“ ohne den auferstandenen Jesus, wäre völliger
Unsinn.
2. Die geschilderten Begebenheiten, sind die Grundlage für
die ganze Geschichte des christlichen Glaubens.
Es ist der Beweis für alles, was Jesus gesagt und behauptet hat.
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Es ist das Zeichen und Beispiel dafür, dass der Tod besiegt ist. Es
ist der Sieg über Satan, der die Menschen in Angst vor dem Tod
hält. Es ist ein Beispiel für zukünftige Auferstehung. Hier wird
1.Mose 3,19 wieder rückgängig gemacht.
Die Auferstehung ist ebenso das Fundament christlicher
Erfahrungen. Ein Christ ist mit dieser Auferstehungskraft Jesu
verbunden. Er ist „mit Christus auferstanden“.
Das Original Markus-Evangelium endet abrupt in Kapitel 16
Vers 8. Markus wollte von dem berichten, was sich in und um
Galiläa ereignete (1,14 – 9,1), was sich auf dem Weg nach Judäa
(9,2-10,52) und was sich in Judäa selbst (11,1-15,47) ereignete.
Hinzugefügt hat er eine kurze Einführung (1,1-13) und ein kurzes
Ende (16,1-8). Es war nicht seine Absicht, neben seinem knappen
Bericht über die Auferstehung Jesu, viel mehr zu sagen.
Nun, wir kennen den Rest, Die Auferstehung findet statt, der
Pfingsttag, die Tage der ersten Gemeinde. Markus kannte auch
das alles, aber seine Absicht war schlicht und einfach nur das zu
berichten, was sich Galiläa und Judäa zugetragen hatte. Als er
damit fertig ist, beendet er seinen Bericht.
3. Markus möchte uns mit der Tatsache konfrontieren, dass
Jesus auferstanden ist.
Schreiber anderer Evangelien berichten uns interessante
Begebenheiten, aber Markus möchte einfach nur auf die Tatsache
hinweisen, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Damit ist
er am Ziel seiner Absicht. Zweifellos kannte er den Rest der
Geschichte, aber er wollte hier aufhören. Falls es dennoch ein
verlorengegangenes Ende des Markus-Evangeliums gibt können
wir sagen, Gott wollte, dass das Markus-Evangelium an dieser
Stelle endet.
Von allem, was schwierig ist zu glauben, ist die Auferstehung
sicherlich das Größte. Die Geschichte fordert unseren Blick für
die Realität heraus. Es fordert unsere Ideen und Gedanken über
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all das heraus, was das Leben eigentlich ausmacht. Wir
Menschen meinen zu wissen, was passieren kann und was nicht.
Wir meinen zu wissen, dass Tote nicht auferstehen. Das ist die
allgemeine Ansicht. Aber was ist, wenn das nicht stimmt? Was,
wenn Jesus von den Toten auferstanden ist?
Wenn die Auferstehung wahr ist, dann ist Gott auch Realität. Die
geistliche Welt ist real. Wunder sind real. Gebet ist real. Der
Heilige Geist ist real. Alle unsere säkularen Ideen sind falsch. Die
Auferstehung stellt alles auf den Kopf und zeigt uns nur, dass
wir überhaupt nicht so viel wissen, wie wir vorgeben und
gedacht haben.
Es geht um die körperliche Auferstehung. Die Bibel spricht nicht
nur vage von einem Leben nach dem Tod. Sie spricht von einem
Auferstehungskörper, etwas materiellem, etwas physischen.
4. Die Auferstehung beinhaltete ein Angebot zur Vergebung.
„Geht und sagt es den Jüngern und Petrus…“ . Die Jünger hatten
Jesus im Stich gelassen. Sie hatten geschworen ihn nie zu
verlassen. Petrus hatte gesagt, dass er, wenn nötig, sogar bereit
wäre, mit Jesus zu sterben. Im Ablauf der Ereignisse aber waren
sie alle weggelaufen und Petrus hatte geleugnet, jemals etwas
mit Jesus zu tun gehabt zu haben.
Aber es gibt Vergebung! „Geht und sagt es seinen Jüngern und
Petrus…“. Jesus hält ihnen ihren Unglauben nicht vor. Obwohl
er ihnen gesagt hatte, was passieren würde, hatten sie es nicht
geglaubt. Aber es gibt Vergebung.
5. Das Markus-Evangelium lässt uns wissen, dass die
Gemeinde Zukunft hat.
Der Bericht endet ziemlich abrupt. Dennoch berichtet Markus
genug, um uns zu sagen, dass die Geschichte weitergehen wird.
„Er wird euch vorausgehen nach Galiläa …“ . Ein großer Teil der
Arbeit Jesu hatte sich in Galiläa abgespielt. Jetzt geht er ihnen
voraus. Dort werden sie ihm begegnen und weitere
Anweisungen erhalten. Die Arbeit Jesu geht weiter!
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Jesus ging nicht zurück zu den Hohen Priestern und
Schriftgelehrten! Er ging nicht zu Pontius Pilatus! Jesus ist nicht
daran interessiert sich Leuten zu zeigen und zu beweisen, die
nicht an ihn glauben. Die Geschichte der Gemeinde setzt sich mit
Leuten fort, die ihm vertrauen. Denen wird er immer wieder
beweisen, dass er lebt.
Die Gemeinde Jesus wird weitergehen und wachsen. Sie bleibt
lebendig durch den Glauben an den auferstandenen Herrn Jesus
Christus.
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