Predigt zur Jugendvesper 2015 - Heiligen-Geist

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Predigt zur Christvesper für junge Leute 2015 in der Heiligen Geist Kirche zu Rostock
Liebe Gemeinde, Liebe Konfis,
ich finde Weihnachten fühlt sich in diesem Jahr so anders an, vielleicht auch weil es so
frühlingshafte Temperaturen sind. Aber vor allem, weil sich in unserem Land so viel
verändert hat!
Als ich vor einem Jahr in meiner Heiligabendpredigt von zwei Flüchtlingskindern in
Jordanien erzählte, ich hatte davon in einer Zeitung gelesen. Da ahnte ich noch nicht, dass
sich hier bei uns, ja in unserer Heiligen-Geist-Kirche ähnliches ereignen würde.
Aber nicht nur hier, sondern im ganzen Land ist so viel passiert in diesem Jahr! Irgendwie ist
die Geschichte von dem Kind, das geboren werden soll und deren Eltern unterwegs sind auf
dem beschwerlichen Weg nach Bethlehem, gar nicht mehr so märchenhaft fern. Denn es
ereignet sich ja tausendfach in unserer Nachbarschaft. Und plötzlich verstehen wir, warum der
Wirt, der in der biblischen Weihnachtsgeschichte gar nicht vorkommt, dort unbedingt
hingehört und deshalb in kaum einem Krippenspiel fehlt. Denn wir selbst, unser Land ist doch
hin und hergerissen, ob wir noch ein Bett für die Flüchtlinge finden oder ob es doch nur für
einen Stall reicht, oder ob selbst das schon zu viel des Guten ist. Da macht sich Angst breit
und ein Gefühl von Ohnmacht. Zugleich engagieren sich viele und wollen es den
unfreiwilligen Gästen so angenehm wie möglich machen. Spannungen liegen in der Luft,
schon werden separate Ausgabestellen bei der Tafel eingerichtet, damit es nicht zu Reibereien
kommt.
Vielleicht wundern wir uns zu wenig darüber, wie selbstverständlich die
Weihnachtsgeschichte davon erzählt, dass Gott nichts dabei findet, ein Kind einfacher Eltern
zu werden und sogar in einem Stall in einer Futterkrippe zu liegen. Als wollte er uns zeigen:
Macht es wie ich und werdet Mensch! Vergiss alles, was dich wichtig und groß machen
könnte, und begib dich in das Abenteuer der Menschlichkeit! - Nicht zufällig sind es dann die
Hirten, ganz vom Rande der Gesellschaft, denen zuallererst das wunderbare LiebesKunststück des Ewigen angesagt wird. Oder man denke nur an die zwielichtige
Sternengucker, die irgendeinem Stern folgten, um dieser heißen Gottesspur auf die Schliche
zu kommen.
Als sich vor kurzem zwei junge Syrer bei mir meldeten, die im September zusammen mit
vierzig anderen für eine Woche in unserer Kirche zu Gast waren, und berichteten, dass es
ihnen gut geht, da war das ein richtiges Weihnachtsgeschenk für mich. Der eine war Tarek, er
ist ein smarter, junger Mann. Er will gern wieder studieren und dann, wenn in seiner Heimat
Frieden eingekehrt ist, will er zurück, um das Land wieder aufzubauen. Zum Glück hat er
Freunde gefunden, die ihm helfen, um beispielsweise den richtigen Sprachkurs belegen zu
können. Und dann ist da die junge Drusin Rafa. Sie ist mit ihrem Bruder unterwegs und
schreibt gern mit ihrem Handy Nachrichten. Sie hatte zu Hause Anglistik studiert und möchte
gern Schauspielerin werden. Die beiden überlegen, wo es für sie in Deutschland weitergehen
kann, denn sie wollen etwas aus ihrem Leben machen. - Und es berührt mich, dass sie gern an
ihre erste Woche in Deutschland, hier bei uns in der Kirche zurück denkt.
Ja, wir, die wir satt, warm und sicher leben, verstehen vielleicht nicht von welcher Sehnsucht
die Menschen damals angetrieben wurden. So ist es kein Zufall, dass ihr liebe Konfirmanden
in diesem Jahr im Krippenspiel die Weihnachtsgeschichte weitererzählt haben. Maria und
Josef finden am Ende mit ihrem Kind Zuflucht vor den mörderischen Häschern des Herodes
in Ägypten; das Matthäusevangelium berichtet tatsächlich davon.
Und es ist genau solche Not, die Menschen heute an unsere Tür klopfen lässt! Er versucht
damit bis heute das beinahe Unmögliche: nämlich uns Menschen anzurühren und unsere
Herzen zu befreien, die in Angst, in Hass oder in Gleichgültigkeit gefangen sind. Und so fragt
uns die Weihnachtsgeschichte an, ob wir uns von diesem verletzlichen und bedürftigen
Menschenkind anrühren lassen. Dieser unfassbar gütige Gott fragt uns, dich und mich, ob wir
bereit sind seine Liebe in unsere Welt zu bringen! Und wir singen für ihn, denn der Gottessohn wird ein Menschenkind wie wir und es ist als
käme er nach Hause. Hier und heute. Amen
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