Informationen zu den Möglichkeiten der

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Dickdarmkrebs-Vorsorge
(Leicht modifizierte Zusammenfassung eines Artikels von Urs A. Marbet in TMJ 2007;1:25-28
und der Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Gastroenterologie)
Dr. med. Carl Oneta
Praxis für Magen-Darm- und Leberkrankheiten
Schaffhauserstrasse 7
CH-8400 Winterthur
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6 Argumente für
eine Dickdarmkrebs Vorsorge (1)
(1) Dickdarmkrebs ist eine relevante Krebserkrankung:
• ~6%iges Risiko (♂ > ♀), im Verlauf des Lebens an einem
Dickdarmkrebs zu erkranken
• >4000 Neuerkrankungen in der Schweiz/Jahr, wobei fast
50% der Erkrankten daran im Verlauf sterben
• Bei Auftreten von Symptomen besteht bei fast der Hälfte
der Patienten bereits ein fortgeschrittener Tumor mit
Lymphknoten- u/o Organmetastasen
• Sehr hohe Kosten eines Dickdarmkrebses pro Patient
(ø 50’000 sFr.)
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6 Argumente für
eine Dickdarmkrebs Vorsorge (2)
(2) Die Prognose des Dickdarmkrebses bezüglich Heilung wird um
so schlechter, je fortgeschrittener das Tumorstadium ist !
Tumorgrösse und ausdehnung
TNMStadium
5-JahresÜberlebenschance in %
Kleiner, auf den Dickdarm
beschränkter Tumor
T1-2 N0 M0
90%
Vorhandensein von
Lymphknotenmetastasen
T1-4 N1 M0
25-65%
Vorhandensein von
Organmetastasen
T1-4 N1 M1
5-7%
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6 Argumente für
eine Dickdarmkrebs Vorsorge (3)
(3) Die Dickdarmkrebs-Entstehungsgeschichte ist weitgehend bekannt,
weshalb abgeschätzt werden kann, wer dafür ein erhöhtes Risiko
hat und wie lange es bis zur Entwicklung eines Krebses i.d.R. dauert
• Entstehung bei über 80% der Patienten aus gutartigen Dickdarmschleimhauttumoren (sog. Adenomen) durch den
Funktionsverlust eines Tumor-Unterdrückungs-Gens (sog.
APC-Gen). Weitere Mutationen im Genmaterial dieser gutartigen Adenomzellen führen schliesslich zum Krebs
• Dieser Vorgang dauert in der Regel 10 Jahre oder länger
• Inzidenz und tumorbedingte Sterblichkeit steigen vor allem
nach dem 50. Lebensjahr mit zunehmendem Alter stark an
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6 Argumente für
eine Dickdarmkrebs Vorsorge (4)
(4) Diverse Studien haben gezeigt, dass durch ein entsprechendes
Vorsorgeprogramm Dickdarmkrebs verhindert werden kann
(5) In diversen Studien ist bewiesen worden, dass Dickdarmkrebs
durch Screening ab dem 50. Lebensjahr bei asymptomatischen
Patienten in früheren und somit eher heilbaren Stadien gefunden werden kann
(6) Je nach Vorsorge-Methode kann die Sterberate um 30% (jährliche Suche nach okkultem Blut im Stuhl) bis – geschätzt –
gegen 90% (regel-mässige Koloskopie ab dem 50. Lebensjahr,
alle 5 bis 10 Jahre) gesenkt werden
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Wer sollte sich einer Dickdarmkrebsvorsorge (oder -nachsorge) unterziehen?
1. Vorsorge bei asymptomatischer Bevölkerung ab Alter von 50 Jahren (=
75% der Bevölkerung, hat moderates Risiko)
2. Vorsorge bei sog. Hochrisiko-Patienten
(= 25% der Bevölkerung, Risiko 2 bis 5x höher als bei obiger Gruppe)
–
–
–
–
–
PatientInnen mit familiärer Belastung (v.a. bei Verwandten 1. Grades)
PatientInnen mit familiären KRK-Syndromen
• FAP
• HNPCC
PatientInnen mit CED (Colitis ulcerosa, M. Crohn)
PatientInnen mit eigener Vorgeschichte mit Adenomen und Tumoren
PatientInnen mit
• Erheblichem Übergewicht
• Regelmässigem Alkoholkonsum
• Insulinpflichtigem Diabetes mellitus
• Endometrium-(Gebärmutter-)Karzinom in jungen Jahren
• Bestrahlung nach Prostata-Karzinom
3. Nachsorge von Patienten mit Nachweis von Polypen (= 10 – 30%
Untersuchten, geschätzt)
4. Nachsorge von Patienten mit operiertem kolorektalem Karzinom
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Möglichkeiten einer
Kolonkarzinom-Vorsorge
VorsorgeMethode
Geschätzte
Reduktion der
krebsbedingten
Sterblichkeit
Vorteile
Nachteile
Bemerkungen
Suche nach
okkultem Blut
im Stuhl
(Labortest)
25 – 30%
Einfach, billig
wenig sensitiv,
zwingend jährlich,
keine Krebsprävention
exzellent dokumentiert; noch unklar, ob
immunologische
Methoden besser
Sigmoidoskopie
alle 5 Jahre
40 – 60%
Einlauf 1h vor
Untersuchung
genügt, „billiger“
als Koloskopie
ein grosser Anteil
des Dickdarmes
wird nicht untersucht
Indirekte Evidenz
aus Fallkontrollstudien, grosse
Studien laufen
Koloskopie
alle 10 Jahre
70 – 90%
Krebsprävention,
sensitivste und
umfassendste
Methode
invasiv, benötigt
Vorbereitung, am
teuersten
Indirekte Evidenz,
nicht durch Studien
dokumentiert, bei
Risikofaktoren sehr
zu empfehlen
CT-Kolonographie
70 – 90%
Weniger invasive
Methode als
Endoskopie
auch Abführung,
Strahlenbelastung,
ungenügende
Spezifität, ws
teurer als Kolo
Indirekte Evidenz,
nicht geklärt: KMAllergien,
Niereninsuff.
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Problematik der DickdarmkrebsVorsorge in der Schweiz
• Keine offiziellen Empfehlungen! (im Gegensatz zu USA, D, A, I)
• Screening nicht kassenpflichtig! (im Gegensatz zu USA, D, A, I)
• Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Politik
– Wissenschaft: zeigt ideale Voraussetzungen für Screening
– Politik: Relevanz des Dickdarmkrebses in Schweiz von BAG
und Schweiz. Krebsliga erkannt, aber Ressourcen fehlen
• Spannungsfeld zwischen Arzt und Patient:
– Arzt: nicht-kassenpflichtige Untersuchung, Kosten, Budget
– Patient: wird zunehmend über Medien (und auch Hausärzte)
aufmerksam gemacht und wünscht regelmässiges Screening
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Was sollten die Aerzte hier tun?
• Risikofaktoren (v.a. positive Familienanamnese) erfassen und
entsprechende Patienten besonders auf ein Screening
hinweisen (siehe auch Dia 6)
• Bei Patienten mit mittlerem Risiko: adäquate Information, aber
auch auf die aktuelle Situation (fehlende Kassenpflichtigkeit)
aufmerksam machen
• Diverse Möglichkeiten der Vorsorge mit dem Patienten besprechen
• Erst ab Alter über 50 Jahren
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Koloskopie
• Spiegelung des gesamten Dickdarmes
Normaler Dickdarm
Dickdarmkrebs
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Mit welchen Unannehmlichkeiten ist bei
der Koloskopie zu rechnen?
• als unangenehm bei der Koloskopie wird i.d.R. die Vorbereitung
mittels ballaststoffarmer Diät und v.a. das Abführen des Darmes,
i.d.R. durch Trinken von ~3 Litern Abführlösung, empfunden.
Die einwandfreie Vorbereitung resp. Reinigung des Darmes ist
aber unabdingbare Voraussetzung für eine aussagekräftige
Spiegelung !
• Komplikationen der Spiegelung wie Darmperforationen und
Blutungen sind extrem selten
• Schmerzen bei der Spiegelung können heutzutage durch
optimale Aufklärung des Patienten und Verabreichung
entsprechender Medikamente vollständig vermieden werden.
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Kosten einer Koloskopie?
• Die Kosten für eine Screeing-Koloskopie, d.h. für eine Dickdarmkrebs-Vorsorgeuntersuchung bei asymptomatischen
Personen, gehören zur Zeit nicht zu den Pflichtleistungen der
Krankenkassen in der Schweiz
Wenn aber Beschwerden vorhanden sind, dann muss die
Koloskopie von der Krankenkasse in jedem Fall übernommen
werden
• Die Kosten der Dickdarmspiegelung hängen davon ab, ob
während der Untersuchung Eingriffe durchgeführt werden
müssen (z.B. Gewebeprobenentnahme oder Polypenentfernungen)
• Sie betragen ca. 500.- bis 800.- sFr. (Verrechnung nach Tarmed)
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