GUIDELINES Aus der Sicht des Versicherungsmediziners PTR-Tagung, 24. Oktober 2007 Guidelines und Behandlungspfade in der Rehabilitation Dr.med. Urs Hürlimann Leiter medizinischer Dienst Region Zürich 1 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Einleitende Bemerkungen 2 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Guidelines Versicherung Physiotherapie 3 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Guidelines "... primär zur bestmöglichen und sicheren Behandlung von Patienten erstellt ..." Versicherung VersicherungsMediziner Physiotherapie 4 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Guidelines Versicherung VersicherungsMediziner St.n. CVI, perioperativ bei ACBP, AKE Physiotherapie Hemi rechts, Aphasie, intermitt. Vofli, insulinabh. DM, COPD, Kniearthrose li 5 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin warum? wozu? welche Grundlagen? wie? wann? Guidelines durch wen? für wen? Anwendbarkeit? Gültigkeit? .....? Versicherung VersicherungsMediziner Physiotherapie 6 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin warum? Guidelines wozu? durch wen? für wen? welche Grundlagen? wie? Anwendbarkeit? Gültigkeit? wann? .....? Akzeptanz? Versicherung Implementierung? VersicherungsMediziner Verbindlichkeit? Physiotherapie Kosten? 7 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Bemerkungen zu Guidelines in der Physiotherapie 8 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Guidelines sind systematisch entwickelte Vorstellungen und Empfehlungen mit dem Zweck, Ärzte, Physiotherapeuten und Patienten bei der Entscheidung über angemessene Massnahmen der Krankenversorgung (Prävention, Diagnostik, Therapie, und Nachsorge) unter spezifischen medizinischen Umständen zu unterstützen. Definition anlässlich des Physiotherapiekongresses in Interlaken 2005 9 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin gut! ... Wo ist jetzt das Problem? Guidelines sind systematisch entwickelte Vorstellungen und Empfehlungen mit dem Zweck, Ärzte, Physiotherapeuten und Patienten bei der Entscheidung über angemessene Massnahmen der Krankenversorgung (Prävention, Diagnostik, Therapie, und Nachsorge) unter spezifischen medizinischen Umständen zu unterstützen. Definition anlässlich des Physiotherapiekongresses in Interlaken 2005 was und wozu 10 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Unbehagen ... ... was machen die Versicherungen mit physiotherapeutischen Guidelines? 11 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Unbehagen ... und Ängste ... ... was machen die Versicherungen mit physiotherapeutischen Guidelines? ... Kontrolle / Überwachung / juristische / finanzielle Konsequenzen ... werden den Patienten Leistungen gekürzt? ... werden Leistungen nicht mehr bezahlt, wenn der Erfolg nicht eintritt? 12 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Unbehagen ... und Ängste ... ... was machen die Versicherungen mit physiotherapeutischen Guidelines? ... Kontrolle / Überwachung / juristische / finanzielle Konsequenzen ... werden den Patienten Leistungen gekürzt? ... werden Leistungen nicht mehr bezahlt, wenn der Erfolg nicht eintritt? 13 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Bemerkungen zu Guidelines aus Sicht der Versicherungsmedizin 14 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Guidelines können in die Beurteilung, ob eine Leistung nötig ist und die Behandlung fachgerecht durchgeführt wird, einfliessen. Sie können helfen, Leistungen nach ihrer Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit zu beurteilen. 15 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Mehrere Sichtweisen Kostenträger: KVG / UVG // Krankentaggeld / ... Haftpflicht: Berufs- / Spital- // ... ... ... globale Sicht Achtung: unterschiedliche Interessen 16 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Mehrere Sichtweisen Kostenträger: KVG / UVG // Krankentaggeld / ... ... Behandlungen • so rasch wie möglich • quantitativ vollständig • in bester Qualität • so viel wie nötig - so wenig wie möglich Verbesserung von Gesundheitszustand und / oder Behinderungszustand 17 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Mehrere Sichtweisen Haftplicht: Berufs- / Spital- // ... ... Therapie-Schaden, z.B. • Muskelzerrungen, Gelenkverletzung • Herzinfarkt während MTT • Sturz auf Treppe Klage wegen • nicht fachgerechter Behandlung • fehlender, versprochener Verbesserung 18 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Interne Umfrage Nicht-Ärzte: kein Thema Ärzte: mässige Bedeutung 19 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Interne Umfrage Nicht-Ärzte: kein Thema Ärzte: mässige Bedeutung • nur z.T. bei Beurteilungen und Stellungnahmen zu Hilfe gezogen • Evidenz (EBM), Anwendbarkeit im Einzelfall (?), mangelnde Akzeptanz und Verbreitung (!) • rechtliche Verbindlichkeit (?): Leit- Richtlinien • Guidelines in der Physiotherapie nicht bekannt 20 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Interne Umfrage Nicht-Ärzte: kein Thema Ärzte: mässige Bedeutung • nur z.T. bei Beurteilungen und Stellungnahmen zu Hilfe gezogen • Evidenz (EBM), Anwendbarkeit im Einzelfall (?), mangelnde Akzeptanz und Verbreitung (!) • rechtliche Verbindlichkeit (?): Leit- Richtlinien • Guidelines in der Physiotherapie nicht bekannt 21 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Auszug aus dem Manual der Vertrauensärzte (2004) Guidelines sind, anders als Ende der 1990er Jahre, nicht mehr in den Schlagzeilen. Dennoch dürften sie ein wichtiges Hilfsmittel sowohl für die Ausbildung als auch die Entscheidfindung des behandelnden Arztes werden, wobei hier wie in anderen Belangen ein technischer Machbarkeitswahn fatal wäre: Für viele Untersuchungen und Therapien wird heute und morgen keine umfassende Evidenz vorhanden sein; der Rekurs auf Expertenmeinungen ist unvermeidlich, jedoch als solcher offenzulegen (und vom Arzt und Versicherer mit entsprechender Vorsicht zu bewerten); soziale Indikationen und die persönlichen Wertvorstellungen von Patient und Arzt sollen auch in Guidelines einen gebührenden Platz finden. ... (/) 22 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Auszug aus dem Manual der Vertrauensärzte (2004) (/) ... Schliesslich ist nicht zu vergessen, dass "eine grosse Wahrheit im übernutzten Klischee steckt, dass Medizin mehr mit Kunst als mit Wissenschaft zu tun hat." (Mark Hall, US-Gesundheitsrechtsprofessor, Making Medical Spending Decisions. New York/Oxford: Oxford University Press; 1997, S.84.) Hier ist es Aufgabe der FMH, die Fachgesellschaften mit Know-how zu unterstützen, durch Koordination einen fächerübergreifenden Ausgleich herbeizuführen und im Hinblick auf einen Konsens zwischen Ärzteschaft, Versicherungen und gegebenenfalls auch Patientenorganisationen zu vermitteln. (/) 23 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Auszug aus dem Manual der Vertrauensärzte (2004) (/) ... Sowohl für rationale WZW-Standards wie auch im Falle einer ganzen oder teilweisen Aufhebung des Kontrahierungszwangs ist es eine zentrale Aufgabe, ob man eher grosszügige Guidelines von ausländischen Ärztegesellschaften oder eher eng limitierende von ausländischen Versicherungen adaptieren will. Last but not least ist dabei offen, auf welche Linie sich dann Jahre später das Eidgenössische Versicherungsgericht in Leistungsentscheiden zwischen Versicherten und Versicherungen festlegen und damit Massstäbe setzen wird, wenn nicht die ELK rechtzeitig wesentlich mehr Ressourcen erhält und sich umfassend zu Indikationen vieler Behandlungen äussern kann. ... (/) 24 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Auszug aus dem Manual der Vertrauensärzte (2004) (/) ... (Gemäss gefestigter Praxis des EVG fällt das Definieren von Pflichtleistungen nicht in den Entscheidungsbereich der Tarifpartner. Deren Vereinbarungen zu WZW- bzw. Guideline-Standards können und werden hoffentlich - sinnvolle Vorgaben machen, sind aber formal nicht rechtlich bindend.) 25 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin www.physio-online.de 20. März 2006 Leitlinien für eine gesicherte Zukunft Berufspolitisch werden uns die Themen Leitlinien und die damit unmittelbar in den Zusammenhang zu bringenden standardisierten Test- und Messverfahren in den nächsten Jahren immer stärker begleiten. Wer hier seine Augen verschliesst oder nicht auf den Zug aufspringen möchte, wird in den nächsten Jahren in einen Dornröschenschlaf verfallen und es wird kein Prinz kommen, der sie wieder wachküsst. 26 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin www.physio-online.de Hintergrund dieser Entwicklung ist die Erkenntnis, dass eine „unwirksame“ Therapie immer auch eine teure Therapie ist. Denn: der Vergütungsanspruch für qualitativ minderwertige oder qualitativ hochwertige Leistungen ist derselbe. Bislang hat diese Erkenntnis, die nun wirklich nicht neu ist, keinen grossen Einfluss auf die gesundheitspolitischen Entscheidungen gehabt. Das gilt nicht nur für den Bereich der Heilmittel! Wenn wir uns aber die Entwicklungen im Gesundheitswesen anschauen, stossen wir sehr schnell auf eine Versorgungsform, die immer mehr zunimmt, die Integrierte Versorgung. Hauptziel bei der ... 20. März 2006: Leitlinien für eine gesicherte Zukunft 27 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Bemerkungen zu Stellenwert, Bewertung und Qualität von Guidelines "an was müssen wir beim Anwenden einer Guideline denken?" 28 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Jan Kool, MSc IGPTR Zihlschlacht 20. Okt. 2005 29 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Jan Kool, MSc IGPTR Zihlschlacht 20. Okt. 2005 ... man muss sie in einem Gesamtkontext betrachten! Guidelines darf man nicht für sich allein sehen, ... 30 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Jan Kool, MSc Wirkung / Wirksamkeit / Struktur- / Prozess- / Outcome- Qualität GL- Qualität IGPTR Zihlschlacht 20. Okt. 2005 ... man muss sie in einem Gesamtkontext betrachten! Guidelines darf man nicht für sich allein sehen, ... Neue effektive Behandlung ... ... und Konsequenzen 31 ICF Gesundheitszustand Gesundheitsbeeinträchtigung Körperfunktion Körperstruktur Aktivität Kontext Umgebungsfaktoren Partizipation PT-Intervention beeinflusst verschiede Ebenen PT-Intervention beeinflusst verschiede Ebenen GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Kontext Persönliche Faktoren 32 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Jan Kool, MSc QUALITÄT von Guidelines 33 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin .. Gute Guidelines kosten und sind aufwendig Komplexität Aufwand Kosten einfach rasch günstig 34 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin warum? wozu? welche Grundlagen? wie? wann? Guidelines durch wen? für wen? Anwendbarkeit? Gültigkeit? .....? Versicherung VersicherungsMediziner Physiotherapie 35 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin warum? Patient wozu? für wen? welche Grundlagen? Anwendbarkeit? wie? wann? durch wen? Gültigkeit? GL .....? Versicherung VersicherungsMediziner Physiotherapie 36 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin warum? Patient durch wen? wozu? Geltungsbereich und Zweck für wen? Beteiligung von Interessengruppen welche Grundlagen? Anwendbarkeit? Methodik der Leitlinienentwicklung wie? Klarheit und Gestaltung Gültigkeit? Anwendbarkeit wann? .....? GL Redaktionelle Unabhängigkeit AGREE: Qualitäts-Beurteilungsgruppen Versicherung VersicherungsMediziner Physiotherapie 37 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Methodik der Guideline-Entwicklung ... basiert auf EBM = Evidence Based Medicine Die drei Pfeiler der EBM 1. Literatur-Recherche / aktueller Stand der klinischen Forschung 2. Klinische Erfahrung 3. Werte und Wünsche des Patienten 38 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Zusammenfassung • Guidelines zur bestmöglichen und sicheren Behandlung von Patientinnen und Patienten • Leistungsvergütungen nicht von Guidelines alleine abhängig, ausser es ist darin festgelegt • Im versicherungsmedizinischen Alltag bisher noch wenig Bedeutung, aber • Die Bedeutung der Guidelines wird in Zukunft zunehmen 39 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Zusammenfassung • Guidelines kritisch auf Qualität und im Gesamtkontext beurteilen • Geltungsbereich, Zweck und Anwendbarkeit zwingend festlegen • Abweichen von einer akzeptierten / vereinbarten Guideline rational und nachvollziehbar begründen 40 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Bemerkungen bzw. Auszüge aus der Guideline-Literatur 41 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Literatur-Recherche im Internet: Google / leitlinien.de / evimed.ch / cochrane / pubmed / medline ... es gibt eine Unzahl an Artikeln ... v.a. aus dem Bereich Bewegungsapparat, Rücken, Pneumologie, Neurologie ... wenig "eigentliche Guidelines", sondern Studien und Reviews zur Evidenz der Wirksamkeit von Behandlungen, was es zum Ausarbeiten einer Guideline braucht 42 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Google-Suche Guideline / Leitlinie / Behandlungspfad kombiniert mit Physiotherapie PT Versicherungsmedizin Vmed Versicherung V Kostenträger KT PT / Vmed Vmed / PT PT / V V / PT PT / KT KT / PT 43 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Guidelines Leitlinien Behand.pfad 316'000'000 4'050'000 17'400 28'300 245'000 135'000 654 544 14 168'000 241'000 628 22'400 90'600 11'100 PT / Vmed 55 69 11 Vmed / PT 94 99 11 PT / V 937 15'500 254 V / PT 770 18'200 227 PT / KT 551 32'600 537 KT / PT 564 27'900 524 PT Vmed V KT Ergebnis je nach Suchstrategie Nachholbedarf! 44 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Ein Beispiel: RÜCKENSCHMERZEN EUROPEAN GUIDELINES FOR THE MANAGEMENT OF CHRONIC NON-SPECIFIC LOW BACK PAIN EUROPEAN GUIDELINES FOR THE MANAGEMENT OF ACUTE NON-SPECIFIC LOW BACK PAIN IN PRIMARY CARE Ein Problem für unsere Volkswirtschaften 45 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin EUROPEAN GUIDELINES FOR THE MANAGEMENT OF CHRONIC NON-SPECIFIC LOW BACK PAIN (NOV. 2004) Recommendations chronic LBP – Exercise therapy under supervision • • • • No expensive machines Behavioural approach (graded activity) Group training Preferences of patients and therapists – Consider manipulation or mobilisation (short course) – Consider back school (with evidence based info) – Educational intervention (short): reassurance an return to work – Multidisciplinary biopsychosocial reha, if single intervention has failed COST (European COoperation in the field of Scientific and Technical Research) 46 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin EUROPEAN GUIDELINES FOR THE MANAGEMENT OF CHRONIC NON-SPECIFIC LOW BACK PAIN (NOV. 2004) Chapter 4: Physical treatments A) Interferential therapy B) Laser therapy C) Lumbar supports D) Shortwave diathermy E) Therapeutic ultrasound F) Thermotherapy G) Traction H) Transcutaneous electrical nerve stimulation (TENS) COST ACTION B13 / LOW BACK PAIN: GUIDELINES FOR ITS MANAGEMENT COST (European COoperation in the field of Scientific and Technical Research) 47 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin EUROPEAN GUIDELINES FOR THE MANAGEMENT OF CHRONIC NON-SPECIFIC LOW BACK PAIN (NOV. 2004) Chapter 5: Exercise therapy We recommend supervised exercise therapy as a first-line treatment … … the use of exercise programmes that do not require expensive training machines … Group exercise constitutes an attractive option … … no recommendations on the specific type of exercise to be undertaken (strengthening/ muscle conditioning, aerobic, McKenzie, flexion exercises, etc.). The latter may be best determined by the exercise-preferences of both the patient and therapist. 48 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin EUROPEAN GUIDELINES FOR THE MANAGEMENT OF CHRONIC NON-SPECIFIC LOW BACK PAIN (NOV. 2004) Chapter 6: Manual therapy A) Manipulation/mobilisation a short course of spinal manipulation/mobilisation as a treatment option B) Massage We cannot recommend massage therapy as a treatment 49 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin EUROPEAN GUIDELINES FOR THE MANAGEMENT OF CHRONIC NON-SPECIFIC LOW BACK PAIN (NOV. 2004) Chapter 7: Back schools and brief educational interventions/advice to promote self-care A) Back schools for short-term (<6 weeks) pain relief and improvements in functional status not recommend when aiming at long-term effects (>12 months). B) Brief educational interventions/advice to promote self-care 50 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin EUROPEAN GUIDELINES FOR THE MANAGEMENT OF CHRONIC NON-SPECIFIC LOW BACK PAIN (NOV. 2004) Chapter 7: Back schools and brief educational interventions/advice to promote self-care A) Back schools B) Brief educational interventions/advice to promote self-care … provided by a physiotherapist or a physiotherapist and physician, and which encourage a return to normal activities, to reduce sickness absence and disability associated with CLBP ... no recommendations on the specific type of brief educational intervention 51 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin EUROPEAN GUIDELINES FOR THE MANAGEMENT OF CHRONIC NON-SPECIFIC LOW BACK PAIN (NOV. 2004) Chapter 8: Cognitive-behavioural therapy We recommend cognitive-behavioural treatment for patients with chronic low back pain Chapter 9: Multidisciplinary treatment We recommend multidisciplinary biopsychosocial rehabilitation with functional restoration for patients with chronic low back pain who have failed monodisciplinary treatment options 52 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin C.- Kemper, Uni Bremen Meeting Abstract Die Heilmittelversorgung von RückenschmerzpatientInnen – eine Analyse anhand der europäischen Leitlinien (Cost Action B 13) Ergebnisse: Von 314.658 Personen mit unspezifischer Rückenschmerzen (ICD-10 "M54") haben 31% eine Heilmittelverordnung für physiotherapeutische Maßnahmen wie Krankengymnastik, Massage oder Manuelle Therapie erhalten. Für Behandlungen, die nicht mit der Leitlinie übereinstimmen, hat allein diese Krankenkasse 7,71 Millionen Euro aufgewendet, was 22% der Gesamtausgaben für physiotherapeutische Leistungen entspricht. 53 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Pengel L.H. et al.: Physiotherapistdirected exercise, advice, or both for subacute low back pain: a randomized trial. Ann Intern Med. 2007 Jun 5;146(11):787-96. 54 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Frage: Welche Auswirkungen haben angeleitete Übungen und Beratungen auf subakute Rückenschmerzen im Lumbalbereich? Hintergrund: Empfehlungen für Patienten mit lumbalen Rückenschmerzen sind hauptsächlich für Patienten in der akuten Phase konzipiert. Hinsichtlich des Rückenschmerzes in der subakuten Phase gibt es keine klaren evidenzbasierten Therapieempfehlungen. 55 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Disign: randomisiert, placebokontrolliert; 7 Krankenhäuser (AUS, NZ) Intervention: Gruppe 1: 12 Übungseinheiten, 3 Beratungseinheiten Gruppe 2: 12 Übungseinheiten, 3 Schein-Beratungseinheiten Gruppe 3: 12 Schein-Übungseinheiten, 3 Beratungseinheiten Gruppe 4: 12 Schein-Übungseinheiten, 3 Schein-Beratungseinh. Outcome: Schmerz / genereller Effekt / Funktionsfähigkeit 6Wo / 3Mo/12Mo 56 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Kommentare • ... angeleitete Übungen und Beratungen haben einen positiven Effekt auf subakute Rückenschmerzen im Lumbalbereich • ... grösster Effekt nach 6 Wochen (und damit Kurzzeiteffekt) • ... werden Übungen und Beratungen kombiniert, fällt der Effekt grösser aus und hält länger an 57 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Kommentare • ... bessere Wirksamkeit der Beratung hinsichtlich Funktionsfähigkeit kann mit den psychologischen Aspekten zusammenhängen • ... individuelle Beratung kann helfen, die Angst vor Bewegung und damit vor Schmerzen zu reduzieren • ... da Übungen und Beratungen inhaltlich sehr unterschiedlich sein können und beides in der aktuellen Studie nicht detailliert genug beschrieben wurde, ist eine Verallgemeinerung der Ergebnisse schwierig 58 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Hayden JA et al: Meta-analysis: exercise therapy for nonspecific low back pain. Ann Intern Med. 2005 May 3;142(9):765-75 Frage: Was ist die Wirksamkeit von Trainingstherapien bei Patienten mit akuten, subakuten oder chronischen Rückenschmerzen? Intervention: • Interventionsgruppe: Alle Arten von körperlichen Trainingsformen • Kontrollgruppe: Keine Therapie, Scheintherapie oder andere konventionelle Therapien. Outcome: • Schmerzen / körperliche Funktionsfähigkeit 59 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Kommentare: positiv • Methodologische Qualität des Systematic Reviews ist gut. Umfassende Literatursuche und sorgfältige Datenauswertung. • Eine Wirksamkeit von Trainingstherapien konnte nur bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen nachgewiesen werden. • Vermutlich vermindern sich die Beschwerden bei akuten und subakuten Rückenschmerzen im natürlichen Verlauf so stark, dass eine Wirksamkeit von Therapien, die diesen Prozess unterstützen, schwierig nachweisbar ist. 60 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Kommentare: negativ • ungenügende Beschreibung der Intervention in 46% der Studien • wenig Daten für relevante Outcomes (AUF, QoL) • Unklar, welche Co-Interventionen (Medikamente) durchgeführt; damit schwierig, Effekt der Trainingstherapie zu quantifizieren • Trotz der grossen Anzahl Studien zeigt der Systematic Review ein eher diffuses Bild der Wirksamkeit von Trainingstherapien bei Patienten mit Rückenschmerzen. Weitere Studien müssen die Interventionen und Kontrollinterventionen besser beschreiben und klinisch relevanten Endpunkte einschliessen, so dass wertvolle Daten für die Praxis vorliegen 61 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin The Lancet 2005; 365:2024-2030 / Prof EM HayMD et al. Comparison of physical treatments versus a brief painmanagement programme for back pain in primary care: a randomised clinical trial in physiotherapy practice Brief pain management techniques delivered by appropriately trained clinicians offer an alternative to physiotherapy incorporating manual therapy and could provide a more efficient first-line approach for management of non-specific subacute low back pain in primary care. Durch Schmerz-Intervention Beeinflussung von psychosozialen Faktoren? 62 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Bemerkungen zu Beurteilungen neben der "Guideline-Linie" oder: unsere Leitlinien 63 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Auf was stützt sich der Versicherungsmediziner sonst noch ab? eigene klinische Erfahrung Kontakte mit Kollegen Fachliteratur Fortbildungswissen 64 PHYSIOTHERAPIE – Überlegungen zur Wirksamkeit physikalische Beinflussung (multifaktoriell / Methoden) über verschiedene Kanäle (multimodal / Sinneskanäle) der „Biomasse“ Mensch physikalisch: physiologische Reaktion somatisch: actio et reactio pathologische Reaktion auf somatischer Ebene Einfache Fälle damit erklärbar Überlegungen zur Wirksamkeit Bio- 65 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Physikalische / Physiologische Reaktion psychische Komponenten sind mitbestimmend somatisch: psychologisch: actio et reactio actio et reactio Verständnis psychischer Wirkfaktoren Überlegungen zur Wirksamkeit Bio- Psycho- 66 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Physikalische / Physiologische Reaktion psychische Komponenten sind mitbestimmend oft bewirkt auch die zusätzliche Entlastung des Umfeldes durch eine Physiotherapie eine Besserung des (bio-psycho-) sozialen Krankseins somatisch: psychologisch: soziologisch: actio et reactio actio et reactio actio et reactio Verständnis sozialer Einflussfaktoren Überlegungen zur Wirksamkeit Bio- Psycho- Sozial 67 Gesundheitszustand Gesundheitsbeeinträchtigung Körperfunktion Körperstruktur Aktivität Kontext Umgebungsfaktoren Partizipation Kontext Persönliche Faktoren 68 International Classification of Functioning International Classification of Functioning GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin ICD 10 Aetiologie - Pathogenese Gesundheitsstörung Folgeerscheinungen ICF Körperfunktion/-struktur Aktivität Partizipation Persönlichkeitsfaktoren / Umgebungsfaktoren Gesundheitsmodelle der WHO 69 INDIKATION – STATIONÄRE REHABILITATION Krankheitsdiagnose: ICD Behinderungsdiagnose: ICF Schweregrad Rehabilitationsdiagnose Zielsetzung Rehabilitative Therapiemassnahmen Rehabilitations-Fähigkeit Rehabilitations-Prognose Rehabilitations-Potential Wirksamkeit ALVR-Kriterien (für Neurorehabilitation, muskuloskelettale, kardiale und pulmonale Rehabilitation) … Verschiedene Fragestellungen 70 Indikationsdreieck INDIKATION – STATIONÄRE REHABILITATION ICD Patientenkriterien Therapiekriterien ICF Kontextkriterien 71 Indikationsdreieck INDIKATION – STATIONÄRE REHABILITATION ICD Gesundheitszustand Krankheit Allgemeinzustan d • akut • gut • chronisch • reduziert • schlecht • ICF Patientenkriterien progredientSituation Behinderungszustand Behinderung Selbständigkeit • interkurrent • • permanent • selbständig teilselbständig • progredient • unselbständig stabil /instabil Therapiekriterien Kontextkriterien 72 Indikationsdreieck INDIKATION – STATIONÄRE REHABILITATION ICD ICF Patientenkriterien Gesundheitszustand Behinderungszustand Qualifikatio Allgemeinzustan Modalitäten Krankheit d n Behinderung Selbständigkeit akut präventiv •• chronisch kurativ • • •gut Methode • interkurrent • • permanent • • •reduziert Programm teilselbständig • progredient rehabilitativ • •schlecht Intensität progredientSituation stabil /instabil • palliativ • Multi/Interdisziplinariät •• Therapeutische Infrastruktur (ALVR) Therapiekriterien ambulant/ teilstationär / stationär selbständig • unselbständig Kontextkriterien 73 Indikationsdreieck INDIKATION – STATIONÄRE REHABILITATION ICD Patientenkriterien Gesundheitszustand ICF Behinderungszustand Qualifikatio Allgemeinzustan Modalitäten Krankheit Behinderung Selbständigkeit d n • selbständig - sozial • interkurrent - juristisch akut präventiv •• chronisch kurativ • • •gut Methode • permanent • / KVG / KVV / Wohnsituation • UVG • •reduziert Programm KLVteilselbständig / VVG … •• rehabilitativ • •schlecht • unselbständig Intensität • amb. • progredient - oekonomisch progredientSituation stabil /instabil Therapien • palliativ • Multi/Interdisziplinariät • Familie / - ethisch Spitex Therapeutische Infrastruktur (ALVR) • Therapiekriterien ambulant/ teilstationär / stationär Kontextkriterien 74 Indikationsdreieck INDIKATION – STATIONÄRE REHABILITATION ICD Patientenkriterien Gesundheitszustand Oft ein Dilemma! ICF Behinderungszustand Qualifikatio Modalitäten Krankheit Allgemeinzustan Behinderung Selbständigkeit Medizinisch: Wirksamkeit (wissenschaftlich) d n Zweckmässigkeit • selbständig - sozial • interkurrent - juristisch akut • •gut präventiv Methode Oekonomisch: Wirtschaftlichkeit • permanent • / KVG / KVV / • Wohnsituation • UVG Juristisch: Rechtmässigkeit KLVteilselbständig •• chronisch • •reduziert kurativ Programm / VVG … • Sozialethisch: Zulässigkeit • unselbständig rehabilitativ • •schlecht Intensität • amb. • progredient - oekonomisch Verantwortbarkeit progredientSituation stabil /instabil Therapien • palliativ • MultiKosten und Nutzen für wen? /Interdisziplinariät • Familie / - ethisch Spitex Therapeutische Infrastruktur (ALVR) •• Therapiekriterien Kontextkriterien ambulant/ teilstationär / stationär Indikationsdreieck und Quadratur des Kreises 75 GUIDELINES – Physiotherapie und Versicherungsmedizin Bemerkung zu Schluss HERZLICHEN DANK FÜR IHRE GEDULD UND AUFMERKSAMKEIT! 76