Richtig beraten bei Hautkrankheiten

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Dermatologie
Richtig beraten bei
Hautkrankheiten
Bei Fragen zur Hautpflege und zu Problemen mit der Haut suchen viele Patienten zuerst Rat in der Apotheke. Hier steht eine Vielzahl von Präparaten zur
Selbstbehandlung von Entzündungen und Infektionen, beispielsweise mit
Pilzen oder Herpesviren, zur Verfügung. Unterstützende Hautpflegemittel
sind vor allem bei Neurodermitis und Psoriasis gefragt.
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Januar 2013
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ie Haut (Cutis) besteht aus der
Oberhaut (Epidermis), der Lederhaut (Dermis, Corium) und
der Unterhaut (Subkutis).
Die Epidermis enthält vor allem
Hornzellen, die Keratinozyten. Diese
werden in der untersten Schicht, der
Basal- oder Keimschicht (Stratum basale
oder germinativum), gebildet und gelangen im Verlauf von rund 28 Tagen an die
Oberfläche. Dabei lagern sie Keratin ein
und bilden nacheinander die Stachelzellschicht (Stratum spinosum), die Körnerschicht (Stratum granulosum) und
die Glanzschicht (Stratum lucidum). Die
verhornten Keratinozyten sterben ab
und werden schließlich als Hornschicht
(Stratum corneum) an die Oberfläche
geschoben, wo sie in Form von Hautschüppchen abschilfern.
Die Keratinozyten sind dabei in
eine Matrix aus speziellen Lipiden eingebettet; die wichtigsten davon sind Ceramide, freie Fettsäuren und Cholesterin.
Im unteren Bereich der Epidermis befinden sich außerdem Pigmentzellen (Melanozyten) und Langerhans-Zellen der Immunabwehr.
Die unter der Epidermis liegende
Dermis (Lederhaut) enthält hauptsächlich Bindegewebsfasern aus Kollagen
und Elastin, die für die Elastizität und
Festigkeit der Haut verantwortlich sind.
Hier befinden sich außerdem Schweiß-,
Talg-, Duft- und Milchdrüsen, Blutgefäße, Nervenzellen für Druck-, Tast-, Vibrations-, Temperatur- und Schmerzempfindung sowie Zellen der Immunabwehr
wie Mastzellen und Lymphozyten.
Unterhalb der Lederhaut befindet
sich die Unterhaut (Subkutis), die aus lo-
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Die richtige Pflege
Zu verschiedenen Tageszeiten sind
die Hautzellen unterschiedlich aktiv. Vormittags produziert die Haut die größten
Mengen an Talg, sodass jetzt die Hautbarriere am stärksten ist. Als Folge können reizende Stoffe und Allergene nicht
so leicht eindringen und die Haut schädigen.
Tagsüber kann zur Hautpflege ein
leichtes Produkt verwendet werden, beispielsweise eine Öl-in-Wasser-Emulsion,
die auch feuchtigkeitsbindende Faktoren enthalten kann. Zum Schutz vor
den UV-Strahlen der Sonne sollte in der
Tagespflege ein chemischer Lichtschutz
enthalten sein.
Nachts ist die Haut besonders gut
durchblutet, viele Regenerationsprozesse laufen jetzt auf Hochtouren. Zu
dieser Zeit vermehren sich die sichtbaren Zellen der obersten Hautschicht,
die Keratinozyten. Außerdem werden
in der Dermis Kollagen, Elastin und
Hyaluronsäure synthetisiert, welche die
Haut straff, elastisch und glatt aussehen
lassen.
Diese Regenerationsprozesse werden am besten durch eine reichhaltige
Nachtcreme unterstützt; gut geeignet
sind Wasser-in-Öl-Emulsionen. Auch
hautregenerierende Wirkstoffe können
ihre Aktivität jetzt besonders gut entfalten: Weil nachts die Hautbarriere am
schwächsten ist, können sie jetzt in die
Haut eindringen und in den tieferen
Hautschichten die Regeneration unterstützen.
Andererseits laufen nachts auch
Entzündungsprozesse auf Hochtouren.
Daher leiden Menschen mit empfindlicher Haut, wie Neurodermitiker, nachts
am stärksten unter Juckreiz.
zenfetten mit der Nahrung aufgenommen werden, werden in die Hautzellen
eingebaut und verbessern so das Hautbild. Besonders wichtig ist die GammaLinolensäure, ein natürlicher Bestandteil
des Hautfetts. Reichlich enthalten ist
sie beispielsweise in Nachtkerzen- oder
Borretschsamenöl. Diese Öle können äußerlich in Form von Salben und Cremes
verwendet werden, verbessern die Hautstruktur aber auch von innen, wenn sie
regelmäßig verzehrt werden.
Daneben unterstützen zahlreiche
Nahrungsstoffe die Hautfunktion:
l Die essenzielle schwefelhaltige Ami-
nosäure L-Methionin wird für den Aufbau der Haut und das Wachstum der
Haare benötigt. Aus ihr wird im Körper
L-Cystin als wichtiger Baustein für
Keratin hergestellt. Bei diesem Syntheseschritt spielt Vitamin B6 (Pyridoxin)
eine wichtige Rolle.
l Vitamin B7 oder H (Biotin) kann das
Wachstum von Fingernägeln, Haaren
und Hautzellen fördern.
l Vitamin E wirkt antioxidativ und
schützt die Zellmembran gegen freie
Radikale.
l Vitamin C (Ascorbinsäure) ist an der
Kollagensynthese für die Bildung von
Bindegewebsfasern und die Wundheilung beteiligt.
l Vitamin A fördert die Neubildung von
Hautzellen. Ein Mangel kann unter anderem zu trockener Haut führen. Vita-
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Von der
Bundesapothekerkammer
zertifiziert:
ckerem Bindegewebe und Unterhautfettgewebe besteht und größere Lymphund Blutgefäße enthält.
Nährstoffe und Vitamine
für die Haut
Ungesättigte Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, die in Fischöl und Pflan-
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min-A-Derivate, die Retinoide, werden
zur topischen Behandlung von Akne
und Psoriasis eingesetzt; außerdem
sollen sie der Hautalterung vorbeugen.
l Bei einem Mangel an Zink wird die
Haut trocken und es kommt zu Haarausfall. In diesem Fall kann die zusätzliche Einnahme des Spurenelements für
Haut und Haare empfohlen werden.
Antimykotika zur Selbstmedikation
Zu den häufigsten Hauterkrankungen, bei denen Rat in der Apotheke gesucht wird, gehören Pilzerkrankungen.
Pilzsporen werden über Hautschüppchen von Mensch zu Mensch
übertragen. Sie heften sich an die Hornschicht der Epidermis an, gelangen
durch kleine Risse und Verletzungen in
tiefere Schichten und keimen dort aus.
Durch die Ausbreitung in der Hornhaut,
den Haarfollikeln und ins umgebende
Bindegewebe kommt es zu Jucken und
Brennen. Dabei werden oft auch weißliche Bläschen auf der obersten Hautschicht sichtbar. Eine Pilzinfektion der
Haut kann aber auch unauffällig bleiben.
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Der Fußpilz (Tinea pedis) wird in
über 90 Prozent der Fälle durch Dermatophyten (Fadenpilze) ausgelöst, seltener durch Hefe- oder Schimmelpilze.
Fadenpilzinfektionen werden meist als
kreis- oder girlandenförmiger Belag auf
der Haut sichtbar. Unbehandelt kann
sich eine Pilzinfektion von den Füßen
aus auch auf die Nägel der Zehen und
Finger oder andere Hautstellen ausbreiten, beispielsweise die Leistenbeugen.
Mykosen der Schleimhäute werden meist durch Pilze der Gattung Candida hervorgerufen, insbesondere durch
Candida albicans. Candida-Arten zählen
zu den Hefe- oder Sprosspilzen und gehören zu den fakultativ pathogenen Erregern. Das bedeutet, dass sie bei vielen
Menschen auf den Schleimhäuten, im
Genitalbereich und im Verdauungstrakt
vorkommen, ohne Beschwerden zu verursachen. Bei Störungen der Immunabwehr können sich die Pilze vermehren, in
das Gewebe einwachsen und Candidamykosen im Mund, auf der Vaginalschleimhaut und auf der Eichel hervorrufen. Eine Candidainfektion der Mundhöhle wird auch als Stomatitis candidomycetica oder Soor bezeichnet. Dabei
erscheint auf den geröteten Schleimhäuten ein weißlicher, abwischbarer Belag.
Bei der vaginalen Geburt können
die Hefepilze von der Mutter auf die
Haut des Neugeborenen übertragen
werden, von wo aus sie Mundhöhle und
Intestinaltrakt besiedeln und eine Mundoder Anogenitalcandidose auslösen. Im
Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen
werden deshalb ab der 34. Schwanger-
schaftswoche Pilzkulturen angelegt; gegebenenfalls wird eine antimykotische
Therapie empfohlen. Candidamykosen
werden durch verschiedene Faktoren begünstigt, unter anderem durch Kontrazeptiva und weitere Hormonpräparate,
aber auch durch Erkrankungen wie Diabetes mellitus. Zu den begünstigenden
Arzneimitteln zählen Antibiotika, welche
die konkurrierende Bakterienflora schädigen, Glucocorticoide und Zytostatika,
die das Immunsystem beeinträchtigen.
Bei Verdacht auf eine Mykose wird
ein entsprechendes Präparat unter dem
Mikroskop untersucht; dabei werden in
der Regel die Hyphen sichtbar. Den endgültigen Nachweis über die Art des Erregers erbringt die Pilzkultur. Da diese aufwändig und langwierig ist, wird mit der
Therapie normalerweise vor der oder
auch ohne die Bestimmung des Erregers
begonnen, denn die meisten Antimykotika haben ein breites Wirkspektrum.
Bei Mykosen der Haut und der Nägel werden Azole, die Allylamine Naftifin
und Terbinafin sowie das Morpholin
Amorolfin eingesetzt. Diese Antimykotika hemmen auf verschiedene Weise die
Biosynthese von Ergosterol, einen für
die Zellwand von Pilzen essenziellen
Bestandteil, der im Organismus von
Säugetieren nicht vorkommt.
Azol-Antimykotika enthalten als gemeinsames Merkmal ein N-substituiertes
Imidazol oder Triazol. Sie hemmen die
Ergosterol-Biosynthese in der Pilzzellmembran und wirken vorwiegend auf proliferierende Pilzzellen fungistatisch, wobei
die Wirkung relativ langsam einsetzt.
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Azole haben ein breites Wirkspektrum. Zur Behandlung von Hautpilzen
müssen Clotrimazol, Miconazol, Econazol und Tioconazol in der Regel zweimal
täglich aufgetragen werden; zur einmal
täglichen Anwendung eignen sich Bifonazol und Oxiconazol. Zur Behandlung
der Vaginalmykose werden vor allem
Clotrimazol und Miconazol eingesetzt.
Das Allylamin Terbinafin wirkt lokal gegen viele Hautpilzarten. Bei Fußpilz
wird eine Creme ein- bis zweimal täglich
eine Woche lang aufgetragen. Verwandte Substanzen sind Tolnaftat und
Naftifin, die ein schmaleres Wirkungsspektrum besitzen als Terbinafin.
Ciclopiroxolamin wird ebenfalls
bei Pilzerkrankungen der Haut und der
Schleimhäute lokal eingesetzt. Es hemmt
in der Pilzzelle die Produktion von Katalase, wodurch toxisches Peroxid nicht
mehr metabolisiert werden kann, sich
anhäuft und die Pilzzellen schädigt.
Die Makromoleküle Amphotericin B, Nystatin und Natamycin erhöhen
die Durchlässigkeit der Pilzzellmembran.
Die amphiphilen Substanzen lagern sich
in die Membran ein, bilden dort Poren
und durchlöchern die Membran, sodass
Zellbestandteile austreten können. Sie
werden zur Behandlung unterschiedlicher Pilzinfektionen, unter anderem mit
Candida albicans oder Aspergillus fumigatus, eingesetzt. Da sie auch an andere
Sterine des Wirtsorganismus binden
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können, beispielsweise an Cholesterin,
sind diese Arzneistoffe bei parenteraler
Verabreichung relativ toxisch. Nystatin
und Natamycin werden nur lokal verwendet, Amphotericin B kann außerdem
bei schweren invasiven Infektionen infundiert werden.
Wenn eine lokale Therapie nicht
ausreichend wirksam ist, beispielsweise
bei ausgedehntem Befall, dem Befall tieferer Hautschichten und der Nägel, können die Antimykotika Terbinafin, die
Azole Itraconazol und Fluconazol sowie
Griseofulvin systemisch angewendet
werden. Griseofulvin hemmt die Biosynthese des Zellwandbestandteils Chitin
und stört die Funktion der Mikrotubuli.
Herpes labialis:
Abheilung beschleunigen
Der Auslöser des Herpes labialis,
des Lippenherpes, ist das Herpes-simplex-Virus vom Typ 1 (HSV-1). Das Virus
wird über den Speichel übertragen, beispielsweise beim Niesen, Sprechen und
Küssen, oder auch als Schmierinfektion,
zum Beispiel beim gemeinsamen Benutzen eines Trinkglases.
Die meisten Menschen stecken
sich bereits im Kindesalter mit HSV-1 an.
In Deutschland haben mehr als 90 Prozent der Erwachsenen Antikörper gegen
das Virus des Typs 1, beim Typ 2 sind es
zehn bis 30 Prozent. Bei der Mehrzahl
bleibt das Virus inapparent und es bilden
sich keine Symptome aus. Bei 20 bis 40
Prozent der Infizierten führen die Herpesviren jedoch zu rezidivierenden Hauterkrankungen.
Das Herpes-simplex-Virus vom
Typ 2 wird im späteren Lebensalter beim
Geschlechtsverkehr erworben. Dieser
Virustyp befällt insbesondere die
Schleimhäute im Genitaltrakt und verursacht einen Herpes genitalis.
Bei der Infektion befallen die Viren
zunächst die Schleimhäute von Mund
und Rachen (HSV-1) oder des Genitaltrakts (HSV-2). Sie vermehren sich in den
Epithelzellen, vor allem in den Bereichen
am Übergang von Schleimhaut zu normaler Haut. Bei der Ausbreitung zerstö-
ren sie die Wirtszellen und setzen neue
Virionen frei.
Bemerkbar macht sich die Erkrankung mit Schmerzen, Kribbeln, Brennen
und einem Spannungsgefühl in der
Haut. In dieser Prodromalphase ist die
Haut noch intakt. Anschließend entzündet und rötet sie sich, dann erscheinen
schmerzhafte Papeln, die sich zu flüssigkeitsgefüllten Bläschen vergrößern. Deren Sekret enthält hohe Viruskonzentrationen und ist äußert infektiös. In der
Ulzerationsphase brechen die Vesikel auf
und verschmelzen miteinander, wobei
sich schmerzhafte, nässende Wunden
bilden. Diese werden dann von stark juckenden Krusten und Schorf überdeckt
und heilen im Verlauf von sieben bis
zehn Tagen ohne Narbenbildung ab.
Nach einer solchen Attacke wandert das
Virus von der Haut über Nervenbahnen
zu den Nervenwurzeln, den Ganglien.
Hier integriert es sein genetisches Material in Form von DNA in die Zellkerne,
wodurch es für das Immunsystem unangreifbar wird (Latenz).
Aus diesem Grund heilt eine Infektion mit dem Herpesvirus nie aus und das
Virus kann jederzeit wieder aktiv werden. Dann wandert es aus dem Ganglion
zurück in die Haut und löst dort die typischen Symptome aus. Zu einer solchen
Reaktivierung können unterschiedliche
Faktoren beitragen: Sonnenbestrahlung,
Stress, fieberhafte Infekte (Herpes febrilis, »Fieberbläschen«) oder hormonelle
Veränderungen, beispielsweise kurz vor
oder während der Menstruation oder in
der Schwangerschaft. Auch Menschen
mit einem geschwächten Immunsystem,
beispielsweise nach einer Chemotherapie oder Aids-Patienten, sind gefährdet.
Von der
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