GP– 26-27 Trazodon - Schmerznetz Österreich

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Heft 4/2003
Sonderdruck september 2003
P.b.b. Verlagspostamt 1040 Wien, Ersc einungsort: Wien, Zulassungsnummer: GZ 02Z032086 M
Therapie der Depression
bei Alzheimer-Demenz
Quellenangabe: World Psychiatric Association, International Thematic Conference
„Diagnosis in Psychiatry: Integratiting the Sciences“, Wien, 19.–22.06.2003
Depression bei Alzheimer-Demenz
für zumindest drei Monate. Bei 18 dieser
Patienten (7 männliche und 11 weibliche
Patienten) im Alter zwischen 58 und 86
Jahren (mittleres Alter 77 Jahre) wurde die
Behandlung mit AcetylcholinesteraseHemmern für sechs Monate mit durchschnittlich 50mg/Tag (Dosierung zwischen
25 und 100mg) Trazodon kombiniert. Nach
dieser Behandlungsdauer wiesen alle mit
Trazodon behandelten Patienten eine verbesserte Punktezahl auf der GDS auf, die
sich von 5/15 (range 3-8) auf 4/15 (range 110) positiv änderte. Des Weiteren verschlechterte sich der mittlere MMSE-Wert
nicht (19/30), im Gegensatz zu den anderen
24 Patienten, die Trazodon nicht erhielten.
Ihre Punktezahl reduzierte sich von 21/30
auf 19/30.
DEPRESSION SOFORT UND
EFFIZIENT BEHANDELN
Warum haben Sie Trazodon für die Behandlung der begleitenden Depression
bei Alzheimer-Patienten ausgewählt?
Die relevanten biochemischen Veränderungen im Gehirn bei Alzheimer-Patienten entstehen auf Grund von Defiziten beim cholinergen Übertragungsweg. Trazodon ist das
Mittel erster Wahl bei der Behandlung der De-
den kognitiven Benefit der
pression bei Alzheimer-PatienAnticholinesterase-Therapie.
ten, weil diese Substanz keine
Überdies zeigt Trazodon keianticholinergen Nebenwirkunne Nebenwirkungen – außer
gen aufweist – im Gegensatz zu
eine kurzfristige Schläfrigkeit
trizyklischen Antidepressiva.Es
am Morgen in zwei Fällen. Jeist bekannt, dass die aktuelle
ne Patienten, die mit TrazoAlzheimer-Therapie mit Chodon behandelt wurden, hatlinesteraseinhibitoren Angstzuten eine bessere Lebensquastände steigern kann und der
Einsatz von Trazodon, eine ant- Trevisan: „Unser Augen- lität – ein positiver Aspekt
idepressive Substanz mit anxio- merk legten wir auf die auch für die Betreuungsperlytischer Eigenschaft, daher be- nicht kognitiven Sym- sonen.
sonders effektiv ist. Weiters ist ptome der Alzheimer PaWann können Sie endgülties für die Patienten-Complian- tienten, weil sie oft unge Ergebnisse vorweisen?
ce sehr wichtig,nachts einen er- behandelt bleiben.“
Bis jetzt haben wir die Daten
holsamen Schlaf zu haben. Gestörter oder reduzierter Schlaf kann die Agi- von 18 Alzheimer-Patienten ausgewertet. Wir
erwarten, dass wir die Studie abschließen köntiertheit erhöhen.
nen, sobald wir die Daten von weiteren 30 AlzWelche Aussagen über die Behandlung heimer-Patienten ermittelt haben. Ausgehend
der Depression bei Alzheimer können Sie von einer konsistenten und fundierten Zahl an
nach der Evaluation der ersten Patienten Fällen ist abzusehen, dass die abschließenden
treffen?
Ergebnisse für die Effizienz von Trazodon bei
Die Ergebnisse zeigen, dass Trazodon bei der Behandlung der Depression und VerhalAlzheimer-Patienten mit einer milden tensstörungen bei Alzheimer sprechen.
Form der Depression nicht nur die StimVielen Dank für das Gespräch!
mungsstörungen verbessert, sondern auch
Antidepressiva bei Alzheimer-Demenz
Beim internationalem Kongress der Welt-Psychiatrievereinigung
(WPA) Ende Juni 2003 in Wien wurde die Behandlung der Depression
Symptomatische pychopharmakologische Therapie bei Alzheimer-Demenz mit Trazodon:
Ein Kommentar von Univ.-Prof. DDr. Peter Fischer
degenerativen Pathologie beeinträchtigt ist.
Überdies verzögern eine rechtzeitige Diagnose und früher Beginn der Therapie das
Fortschreiten der Demenz.
bei Alzheimer-Patienten diskutiert. Einen interessanten Beitrag dazu
pression müssen sofort und effizient behandelt werden, da Stimmungsstörungen die kognitive Aktivität verschlechtern.
Geriatrie Praxis Österreich: Welche nicht
kognitiven Begleitsymptome bei Demenzpatienten sind am häufigsten anzutreffen?
Trevisan: In der frühen Phase – also zwei bis
vier Jahre nach Ausbruch der AlzheimerKrankheit – leiden Patienten oft an Ängstlichkeit, Depressionen und Schlafstörungen.
Diese Begleitsymptome gehen mit dem geistigen Leistungsabfall Hand in Hand. Patienten sind sich bewusst, dass „mit mir etwas
passiert“. In der späteren Phase der Erkrankung sind diese nicht kognitiven Symptome
von Aggression, Teilnahmslosigkeit, Wahnvorstellungen und Paranoia überlagert.
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Bei unseren Untersuchungen mit Patienten
mit milden bis moderaten Alzheimer-Symptomen weisen rund 40 Prozent der Fälle
eindeutige Symptome einer Depression
auf. Zusätzlich liegt in 30 Prozent eine Depression als subklinisches Merkmal vor.
Welchen Stellenwert hat die Therapie
der Begleitsymptome neben der kognitiven Standardbehandlung mit Cholinesteraseinhibitoren?
Die Bedeutung der frühen Behandlung wird
ersichtlich, wenn wir uns vor Augen führen,
dass Stimmungsstörungen die kognitive Aktivität verschlechtern, die vor allem von der
Unsere Untersuchungen zielen auf die Behandlung depressiver Verstimmungen ab,
die bei Alzheimer-Patienten mit milden bis
moderaten Symptomen sehr häufig vorkommen. Unser Augenmerk legten wir auf
die milde Form der Depression, weil sie bei
diesen Patienten unterschätzt wird und dadurch in vielen Fällen unbehandelt bleibt.
Das aber hat zur Folge, dass sich die kognitive Aktivität verschlechtert.
Unter den von uns untersuchten 127 Patienten mit milder bis moderater AlzheimerKrankheit fanden sich 42 Fälle mit milden
depressiven Verstimmungen gemäß der
„Geriatric Depression Skala“ (GDS). Alle
Patienten erhielten bereits eine Behandlung
mit Acetylcholinesterase-Hemmern (Rivastigmin 6mg oder Donepezil 5mg pro Tag)
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Foto: Foto Disc TM
Psychiatrie der Universität Padova, Italien: Auch milde Formen der De-
Beim internationalen Kongress der
World Psychiatric Association (WPA) Ende Juni in Wien präsentierten Sie Ergebnisse Ihrer Studie „Depressive disorder
in alzheimer’s disease: Trazodone therapy associated with acetylcholinesterase
inhibitors“. Welches Ziel verfolgen Sie
mit dieser Studie?
ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG
lieferte Prof. Dr. Carlo P. Trevisan von der Abteilung Neurologie und
Sowohl bei Angst und depressiven Zuständen als auch bei Schlafstörungen kommen zur Therapie bei Alzheimer-Demenz in erster
Linie moderne, wenig anticholinerge, Antidepressiva in Frage.Auch
Agitiertheit und Aggressivität, die von Ärzten und Angehörigen
beim dementen Patienten meist nicht als Symptome einer Depression gedeutet werden, sprechen auf die Therapie mit modernen Antidepressiva häufig gut an. Generell werden bei Demenz
stationär und ambulant in allen Stadien der Erkrankung zu selten Antidepressiva verabreicht.
Häufig erfolgreiche Antidepressiva bei nicht kognitiven Symptomen der AD sind die selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren
(SSRIs), das einzige in Österreich zugelassene Antidepressivum aus
der SARI Gruppe, das „Trazodon“ und der einzige zur Zeit verfügbare reversible Hemmer der Monaminoxidase-A „Moclobemid“.
Die Wirkung von Trazodon, einem SARI (Serotonin 5-HT2-Antagonist und Reuptake-Inhibitor) setzt sich zusammen aus einer schwächeren Serotonin-Reuptake-Inhibition und einem
potenten Antagonismus am 5-HT2A- und 5-HT2C - Rezeptor. Die
5-HT2 Blockade führt zu einer Erhöhung der serotonergen Neurotransmission am 5-HT1A Rezeptor, was zum antidepressiven und anxiolytischen Profil der Substanz beisteuert. Die Besserung von Einund Durchschlafstörungen wird auf die 5-HT2A-Rezeptor-Blockade
zurückgeführt. Die angstlösende Wirkung dürfte auch auf der
blockierenden Wirkung am 5-HT2C Rezeptor beruhen.
In einer kleinen (n=28) randomisierten, plazebokontrollierten
Doppelblindprüfung gegen Haloperidol zeigten sich 50 bis
250mg Trazodon in der Besserung der Agitiertheit bei Demenz
in einer neun Wochen dauernden Verabreichung dem Halope-
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ridol (1 bis 5mg/die) als mindestens ebenbürtig, verursachte
aber deutlich weniger Nebenwirkungen (Sultzer et al., 1997).
Es sei angemerkt, dass die genaue Beobachtung des individuellen
dementen Patienten häufig Hinweise darauf gibt, ob eher ein Antidepressivum (Angst,Verstimmung) oder ein Neuroleptikum (psychotische Symptome) das unspezifische Symptom der Agitiertheit
bessern werden.
Die Nebenwirkungen von Trazodon sind bis auf gelegentlich beobachtete Tagesmüdigkeit und den sehr seltenen Priapismus sehr
gering, und es fehlen insbesonders anticholinerge Nebenwirkungen. Bezüglich der Sturzneigung alter Menschen bestehen leichte
Vorteile gegenüber den SSRIs, die wiederum deutlich günstiger als
die trizyklischen alten Antidepressiva abschnitten, wie in einer
großen retrospektiven Studie von Purushottam et al. (1998) an
über 2.000 Pflegeheimbewohnern beschrieben wurde. Als optimale Dosis gibt Salzman (2001) eine Tagesdosis beim dementen
Patienten von nur 50 bis 75mg Trazodon an, wobei sicher bis zu
150mg abends dosiert werden können.
Abschließend sei erinnert, dass Antidepressiva nicht die menschliche persönliche Zuwendung der Angehörigen, Pflegenden und
Ärzte ersetzen können.
Univ.-Prof. DDr. Peter Fischer
Ludwig-Boltzmann-Institut für Altersforschung und Klinische
Abteilung für Allgemeine Psychiatrie, Wien
klinischen Erfahrungen mit dem SARI Trazodon:
• „A Double-Blind Comparison of Trazodone and Haloperidol for
Treatment of Agitation in Patients with Dementia.“ Sultzer et.al.,
Am. J. of Geriatr. Psych. 1997; 5: 60-69
• „Treatment of the agitation of late-life psychosis and Alzheimer’s
disease“C. Salzman, Euro. Psychiatry 2001; 16 Suppl. I: 25s-8s.
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