4.10. Sulfonamide

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Sulfonamide
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4.10. Sulfonamide
Sulfonamid-Struktur
Amid der p-Aminosulfonsäure
O
H2N
S
NH
R
O
Sulfonamide und Trimethoprim gehören in der Therapie gegen Krankheitserreger eng
zusammen. Sie werden häufig miteinander in festen Kombinationen verabreicht, weil
sie sich in ihrer Wirkungsweise optimal ergänzen. Dadurch entsteht eine verstärkte
Wirksamkeit und auch die Resistenzentwicklung wird verzögert.
Es gibt aber auch Fälle, bei denen Sulfonamide und Trimethoprim alleine verabreicht
werden.
Sulfonamide und Trimethoprim greifen in die Folsäuresynthese der Bakterien ein und
wirken so bakteriostatisch. Trimethoprim hemmt außerdem auch den weiteren Schritt
dieser Synthese und bildet dadurch die optimale Ergänzung zu den Sulfonamiden.
Sulfonamide werden wegen des synthetischen Ursprungs auch als Chemotherapeutika bezeichnet.
1932 entdeckte Gerhard Domagk die Sulfonamide und die bakteriostatische Wirkung
eines Azofarbstoffs. Dieser Farbstoff erwies sich als gutes Mittel gegen Streptokokkeninfektionen und so kam das erste Sulfonamid unter dem Namen Prontosil auf den
Markt. Erst danach wurde die wirksame Komponente des Präparates, das Sulfanilamid, erkannt und analysiert.
Es folgte die Entwicklung der Sulfonamide. Bald aber setzten Resistenzentwicklungen
ein und somit konnten Sulfonamiden nicht mehr als Monopräparate eingesetzt werden.
Durch die Kombination mit Trimethoprim erlangten einige Sulfonamide wieder therapeutische Bedeutung.
Das Wirkungsspektrum der Sulfonamide umfasst Streptokokken, Pneumokokken und
Meningokokken, sowie Aktinomyceten und Chlamydien. Gegen gramnegative Stäbchen wirken die Sulfonamide äußerst unterschiedlich. Pilze, Rikettsien und Mykobakterien hingegen sind gegen Sulfonamide resistent.
Sulfonamide
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• Lidaprimâ
z. B. Lidaprim forte-Filmtabletten
Eigenschaften und
Wirksamkeit
Lidaprim enthält die zwei Wirkstoffe Sulfametrol, aus der Gruppe der Sulfonamide und Trimethoprim. Das Wirkspektrum von Lidaprim umfasst grampositive und gramnegative Keime. Dazu zählen unter anderen E. coli, Proteus
mirabilis, Salmonella species, Shigella species, Vibrio cholerae, Haemophilus influenzae, Streptococcus pneumoniae, Staphylococcus aureus, Yersinia
pestis, Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoeae u.v.a.
Anwendungsgebiete
Lidaprim wird bei Infektionen des HNO-Bereiches und der Atemwege wie
Tonsillitis, Otitis, Sinusitis, akute und chronische Bronchitis, Bronchiektasien
und Pneumonie eingesetzt. Weiters verwendet man dieses Präparat bei einigen Infektionen der Nieren und Harnwege, z. B. Pyelitis, Zystitis und Urethritis. Eine weitere Anwendung findet Lidaprim bei Infektionen des
Magen-Darm-Traktes. Dazu zählen Cholangitis, Cholezystitis, Enteritis, Typhus und Paratyphus. Auch bei Infektionen der Haut wie Pyodermien, Furunkeln, Abszessen und Wundinfektionen kann Lidaprim zum Einsatz kommen.
Nebenwirkungen
Gelegentlich können Übelkeit, Erbrechen, Cholestase und Geschmacksveränderungen auftreten. In einzelnen Fällen kann es zu Durchfall, Appetitlosigkeit, Mundtrockenheit sowie Magenschmerzen und Magenkrämpfen
kommen. Weiters treten vereinzelt Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Allergien (z. B. Urtikaria oder Arzneimittelfieber), Blutbildveränderungen (Thrombozytopenie, Leukopenie, Hautblutungen) auf. Sehr selten kann eine
hämolytische Anämie auftreten. Auch eine Superinfektion durch Überwuchern resistenter Keime kann nicht ausgeschlossen werden.
Bei Anwendung von Lidaprim sind regelmäßige Blutbildkontrollen einschließBesondere Warnhinweise zur sicheren An- lich Thrombozytenzählung durchzuführen. Bei hoher Dosierung über lange
Zeiträume kann es vereinzelt zum Auftreten von Megaloblastenanämien
wendung
kommen, die jedoch nach Absetzen der Therapie verschwinden. Besondere
Beobachtung muss bei eingeschränkter Nierenfunktion gewährleistet werden. Während der Behandlung mit Lidaprim ist auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Auch bei Funktionsstörungen der Schilddrüse sollte
diese überwacht werden.
Schwangerschaft und Stillperiode:
Das Präparat sollte während der Schwangerschaft und der Stillperiode nicht
eingenommen werden, da Lidaprim in die Muttermilch übergeht.
Haltbarkeit und
Abgabe
60 Monate
Rezept- und apothekenpflichtig
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