Gut gefüttert ist die halbe Mast

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28 I Schweinemast
Gut gefüttert
ist die halbe Mast
Fütterung Ein deutlich gestiegenes Leistungsniveau in Verbindung mit neuen genetischen
Ausrichtungen sowie die zunehmende Ebermast erfordern eine daran angepasste Fütterung.
Entscheidend ist die optimale Ausstattung des Futters mit Aminosäuren und Zusatzstoffen.
Denn Luxuskonsum kann teuer werden.
E
ine leistungsangepasste Fütterung
ist das A und O, um das Ansatzpotenzial für Fleisch in der Mast
auszuschöpfen. Im Mittelpunkt steht dabei die optimale Versorgung mit Aminosäuren. Hierbei ist das Gewicht und
das Alter der Mastschweine zu beachten,
aber auch das Leistungsniveau und das
Geschlecht der Tiere haben einen erheblichen Einfluss auf die Anforderungen
an das Futter.
Mit zunehmender Leistung nimmt
der Anteil vom Erhaltungs- am Gesamtbedarf ab. Dies betrifft sowohl die
Energie wie auch den Aminosäuren- und
Mineralstoffbedarf. Ein im Verhältnis
zur Energie zunehmender Aminosäurenbedarf ist bei ansteigender Leistung
die Konsequenz.
Das Geschlecht der Mastschweine
hat ebenfalls einen Einfluss auf die Futteranforderungen, da die Börge höhere
Tageszunahmen aufweisen und damit
ein enges Lysin-Energie-Verhältnis
aufgrund des geringeren Erhaltungsbedarfes benötigen. In der Endmast setzen
die Börge aufgrund der hohen Tageszunahmen viel Fett an, sodass hier die
Aminosäurezulagen schwächer ausfallen
können. Weibliche Tiere produzieren
weniger Speck, haben aber einen höheren Fleischansatz. Besonders in der
Mittelmast ist hier der Aminosäurenbedarf sehr hoch. Bei Mastebern ergibt
sich ein ähnlicher Bedarf wie bei sehr
fleischreichen, „süddeutschen“ Genetiken (siehe Kasten „Masteber nicht zu
früh rationieren“).
Über die Fütterung gilt es, das
genetische Potenzial der Tiere
an Wachstum und Fleischansatz optimal auszuschöpfen.
Foto: Bräunig
Vormast: Ferkelfutter
bietet Sicherheit
dlz primus schwein ◾ Juni 2011
Bei der Einstallung in die Vormast sind
die Tiere zunächst beträchtlichen Belastungen ausgesetzt, da sich die Stallumwelt, oft die Futtervorlageart und das
Keimmilieu ändern. Nicht selten treten
Schweinemast I 29
Masteber nicht zu früh rationieren
Bei der Rationsgestaltung
ist die Verdaulichkeit der
Nährstoffe, vor allem der
Aminosäuren, zu beachten.
in dieser Phase Verdauungsstörungen
auf, die dann vom Tierarzt behandelt
werden müssen. Kranke Schweine
wachsen schlechter und setzen damit
weniger Fleisch an. Dieser mangelnde
Fleischansatz kann im Laufe der Mast
nicht nachgeholt werden.
Um den Läufern den Übergang in die
Mast zu erleichtern, sollte in dieser Phase
bis zur 12. Lebenswoche ein Ferkelfutter
mit entsprechender Ferkelvormischung
zum Einsatz kommen. Die Sicherheits-
Foto: Lake
U
m die Wirtschaftlichkeit der Ebermast zu
gewährleisten, sollte die Fütterung speziell auf deren Bedürfnisse ausgerichtet sein.
Betrachtet man die Mastleistung der Eber,
so ist die Futterverwertung um zehn bis 15
Prozent besser und der Fettansatz bei einem
höheren Muskelfleischanteil geringer. Durch
eine leicht geringere Futteraufnahme fallen
die täglichen Zunahmen im Vergleich zu Kastraten zum Teil etwas schlechter aus.
Die Zunahmekurve ist im Gegensatz zu
den Sauen und Kastraten bei den Ebern
etwas in die hinteren Gewichtsabschnitte
verschoben. Das höchste Wachstum erfolgt
hier im Bereich zwischen 65 und 90 kg,
also in der Regel nach dem Eintritt in die
Geschlechtsreife. Aus diesem Grund dürfen
die Eber nicht zu früh rationiert werden, und
die Aminosäuren in der Mittel- und Endmast müssen dem hohen Ansatzpotenzial
für Fleisch angepasst werden (siehe Tabelle
„Was Mastschweine brauchen“).
Ein Lysin-Energie-Verhältnis von 0,9 g
Lysin je MJ ME für den Start in die Vormast
und 0,8 g für den zweiten Teil der Vormast
ist anzustreben. In der Mittelmast sollte das
Verhältnis einen Wert von 0,75 g nicht unterschreiten. In der Endmast über 90 kg (dieser
Wert gilt für die leichtesten Tiere) kann ein
Wert von 0,6 g Lysin je MJ ME eingestellt
ausstattung eines solchen Futters ist im
Vergleich zum Vor-/Mittelmastfutter
deutlich besser.
Das Fleischansatzpotenzial ist zu Beginn der Vormast noch sehr hoch. Um
werden. Wobei in der Praxis aufgrund der Gewichtsschwankungen innerhalb der Gruppe
in der Regel ein Wert von 0,75 g Lysin je MJ
ME nicht unterschritten wird.
Mit dem Eintritt in die Pubertät ab der
12. Lebenswoche nimmt die Bildung der
männlichen Geschlechtshormone und damit
auch des Geruchsstoffes Androstenon stark
zu, an Kurztagen stärker als an Langtagen.
Hier sind die genetischen Unterschiede
zudem beträchtlich. Somit sind alle Fütterungsmaßnahmen, die auf ein schnelles
und homogenes Wachstum der Masteber
abzielen, ein Beitrag zur Verringerung von
Ebergeruch.
Inwiefern eine Ausstattung der Ebermastfutter mit fermentierbarer Faser für den Dickdarm den Ebergeruch durch Skatol mindern
kann, wird weiter untersucht. Der Ansatz besteht hier darin, die Fermentation im Dickdarm zu verbessern, um damit Tryptophan
abzubauen und nicht für die Bildung von
Skatol bereitzustellen. Eine gute Buchtenhygiene sorgt zudem dafür, dass Skatol nicht
wieder über das Maul aufgenommen und
erneut eingelagert werden kann. Im Bereich
der Eberfütterung laufen aktuell verschiedene
von der Bundesregierung geförderte Projekte,
sodass in naher Zukunft mehr Fakten zur
Verfügung stehen.
ri
dieses auszuschöpfen, hat sich die gute
Ausstattung eines Ferkelfutters ebenfalls
bewährt. Ist der Einsatz eines Ferkelfutters nicht möglich, sollte ein Vormastfutter mit hoher Aminosäurenausstattung
30 I Schweinemast
Was Mastschweine brauchen *
Vor-/Anfangsmast
Verdauungsweg des Rohproteins
Mittelmast Endmast
ab kg
28
40
70
90
110
ME MJ
13,4
13,4
13
13
13
g Rohprotein/kg
170
170
160
140
140
g Lysin/MJ
0,80
0,70
0,70
0,60
0,55
g Lysin/kg
10,5
9,5
9,0
7,5
7,0
g pcv Lysin/kg
9,0
8,0
7,5
6,5
6,0
g Calcium/kg**
7,0
6,5
6,0
5,5
5,0
g verd. P/kg
3,0
2,5
2,3
2,1
1,9
g Phosphor/kg**
5,0
4,5
4,5
4,0
4,0
750 g TGZ
Absorption von
Aminosäuren
Rohprotein
der Nahrung
Dünndarm
Enzymatische Verdauung im Magen
und Dünndarm
NH3
Harnstoff
Dickdarm
Mikrobielle
Fermentation
im Dickdarm
Rohprotein
im Kot
Endogene Proteine:
Verdauungs­enzyme,
Mucus
850 g TGZ
g Rohprotein/kg
175
170
160
140
130
g Lysin/MJ
0,85
0,75
0,70
0,60
0,55
g Lysin/kg
11,0
10,0
9,0
7,5
7,0
g pcv Lysin/kg
9,5
8,5
7,5
6,5
5,9
g Calcium/kg**
7,0
6,5
6,0
5,5
5,0
g verd. P/kg
3,0
2,5
2,3
2,1
1,9
g Phosphor/kg**
5,0
4,5
4,5
4,0
4,0
950 g TGZ
g Rohprotein/kg
175
170
160
140
120
g Lysin/MJ
0,9
0,80
0,70
0,60
0,50
g Lysin/kg
11,5
10,5
9,0
7,5
6,5
g pcv Lysin/kg
10,2
9,0
7,5
6,5
5,5
g Calcium/kg**
7,0
6,5
6,0
5,5
5,0
g verd. P/kg
3,0
2,5
2,3
2,1
1,9
g Phosphor/kg**
5,0
4,5
4,5
4,0
4,0
850 g TGZ
g Rohprotein/kg
175
170
170
155
150
g Lysin/MJ
0,90
0,80
0,75
0,60
0,55
g Lysin/kg
12,0
11,0
9,5
8,5
8,0
g pcv Lysin/kg
10,5
9,5
8,0
7,0
6,5
g Calcium/kg**
7,0
6,5
6,0
5,5
5,0
g verd. P/kg
3,0
2,5
2,3
2,1
1,9
g Phosphor/kg**
5,0
4,5
4,5
4,0
4,0
* Bedarfszahlen hinsichtlich der Versorgung mit Energie, Rohprotein und Aminosäuren für die
einzelnen Mastabschnitte von 28 bis 120 kg bei unterschiedlichem Leistungsniveau;
** unter Zusatz von Phytase (Quelle: Nach DLG Kompakt 2010)
und einer Säurezulage für die Sicherheit
gewählt werden.
Anfangs-/Mittelmast:
Auf Fleischansatz füttern
Auch in der Mittelmast ist, je nach Geschlecht und Genetik, das Fleischansatzvermögen noch sehr hoch. Speziell
Masteber zeigen in der späten Mittelmast
noch sehr hohe Zunahmen bei hohem
Fleischansatz.
Bei sehr hohen Zunahmen haben in
den vergangenen Jahren viele Mäster
das Vormastfutter bis weit in die Mittelmast verwendet (60 bis 75 kg) und damit
auch wirtschaftlich gute Erfolge erzielt.
In der Regel werden heutige Anfangsmastfutter daher mit Lysingehalten von
dlz primus schwein ◾ Juni 2011
1,1 Prozent bei 13,2 bis 13,4 MJ Energie
ausgestattet. Wie der Tabelle „Was Mastschweine brauchen“ zu entnehmen ist,
kann in der Mittelmast ab 70 kg, wenn
technisch möglich, ein Futter mit 1,0
Prozent Lysin und 13 MJ Energie zum
Einsatz kommen. In der Praxis wird das
Anfangsmastfutter überwiegend auch in
der Mittelmast genutzt.
Entsprechende Futterkurven für die
Einstellung der Futtermengen sind in der
Tabelle „Futterkurven für unterschiedliche
Zunahmen“ dargestellt.
Endmast: Luxuskonsum
vermeiden
Ein Großteil der Futtermenge wird in
der Endmast benötigt. Der Fleischan-
In der Vor- und Mittelmast
muss auf hohen Fleischansatz gefüttert werden.
Foto: Bräunig
Eber/hoher Proteinansatz
satz nimmt hier aber stark ab und der
Speckansatz entsprechend stark zu.
Die Futterverwertung wird mit zunehmendem Gewicht schlechter. Daher muss
eine Anpassung im Bereich der Ausstattung und Komponenten erfolgen. Bei
einem Gewicht der Schweine von 30 kg
enthält 1,0 kg Zuwachs im Schnitt 165 g
Protein, bei 118 kg sind es nur noch
145 g. Auf der anderen Seite steigt der
Fettgehalt stark an. Bei 30 kg enthält 1,0
kg Zuwachs etwa 190 g Fett, bei 118 kg
sind es 400 g.
Ab etwa 90 kg bietet sich also eine
starke Proteinabsenkung bei den Börgen,
aber auch bei den weiblichen Tieren an.
Der Mineralstoffgehalt muss ebenfalls
dem niedrigeren Bedarf angepasst wer-
Schweinemast I 31
den. Bei Ebern und den sehr fleischreichen Genetiken sollte die Absenkung im
Bereich Protein weniger stark ausfallen,
damit das Fleischansatzpotential voll
ausgeschöpft werden kann. In der Praxis
haben sich für Börge und weibliche Tiere
Proteingehalte von 14 Prozent bei etwa
0,9 Lysin in der Endmast etabliert und
bei Mastebern und sehr fleischreichen
Genetiken 15,5 bis 16,5 Prozent Rohprotein bei 1,0 Prozent Lysin.
Bei der Auswahl der Komponenten
haben verschiedene Versuche der letzten
Jahre gezeigt, dass der Einsatz von Rapsprodukten bis zu zehn Prozent in der
Endmast unproblematisch ist. Ganz im
Gegenteil: Da die essentielle, schwefelhaltige Aminosäure Methionin im Raps
deutlich stärker vorhanden sind, ist ein
positiver Effekt auf das Aminosäurenmuster zu verzeichnen.
Aminosäuren unterschiedlich
gut verdaulich
Der Proteingehalt einer Ration sagt noch
nicht viel über die Wertigkeit der Aminosäuren aus. Synthetische Aminosäuren
sind in der Regel zu 100 Prozent verdaulich, bei allen übrigen Komponenten
ist die Verdaulichkeit deutlich geringer.
Damit die Gesamtverdaulichkeit der
Aminosäuren den Anforderungen in
den unterschiedlichen Wachstumsabschnitten entspricht, hat die DLG Fütterungsempfehlungen auf Basis praecaecal
verdaulicher Aminosäuren erstellt.
Die Formulierung „praecaecal“ leitet
sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet übersetzt „vor dem Blinddarm“. Das
Futterkurven für unterschiedliche Zunahmen
750 g
850 g
950 g
850 g / Protein­
ansatz über 58 %
ab kg LM
TGZ
MJ *
TGZ
MJ *
TGZ
MJ *
TGZ
MJ *
30
705
19,5
800
22,0
900
24,0
730
19,0
35
750
22,0
860
24,5
970
27,0
770
21,0
40
790
24,0
900
27,0
1.000
29,0
805
23,0
45
815
26,0
925
28,5
1.030
30,5
840
25,0
50
825
28,0
930
30,0
1.045
32,0
870
26,5
55
830
29,0
940
31,0
1.050
33,0
885
28,0
60
825
30,5
935
32,0
1.045
34,0
895
29,5
65
815
31,5
925
33,0
1.040
35,0
905
30,5
70
810
32,0
915
33,5
1.020
36,0
915
31,0
75
795
32,5
900
34,5
1.005
36,5
910
32,0
80
775
33,0
874
35,0
980
37,0
905
32,5
85
750
33,5
845
35,5
945
37,5
890
33,0
90
725
34,0
815
36,0
920
38,0
870
33,0
95
700
34,5
790
36,5
900
38,0
840
33,0
100
675
35,0
760
37,0
865
38,5
810
32,5
105
650
35,5
735
37,5
825
39,0
775
32,0
110
630
36,0
710
37,5
785
39,0
740
31,5
115
605
36,0
690
38,0
760
39,5
710
31,0
*bei durchschnittlicher Stallumwelt
heißt, die Aminosäurenverdaulichkeit
wird, wie in der Abbildung „Verdauungsweg des Rohproteins“ dargestellt, bis zum
Ende des Dünndarms erfasst. Denn hier
gilt die Absorption von Aminosäuren
als abgeschlossen, und nur solche stehen dem Tier für Erhaltung, Wachstum
und Proteinansatz zur Verfügung. Mit
der Berücksichtigung der praecaecalen
Verdaulichkeit bei der Rationsgestaltung
soll der Aminosäurengehalt an den Bedarf der Tiere angepasst und somit ein
Luxuskonsum vermieden werden. Dies
entlastet letztlich auch die Umwelt, da
N-Ausscheidungen reduziert werden
können.
Zudem wirkt es sich positiv auf die
Futterkosten aus, da der Einsatz der
teuren Proteinträger reduziert werden
kann. Die Verdaulichkeit der Einzel-
32 I Schweinemast
Rationsbeispiel für Eigenmischer*
Auf die Mischung kommt es an *
Vormast
ab 28 kg
in Prozent
Mittelmast
ab ca. 40 kg
Endmast
ab 90 kg
Hofeigene Komponenten:
Gerste %
25
25
35
Weizen %
46,5 / 47,5
48 / 49
50
1,5
1,5
Zukaufskomponenten:
Sojaöl %
Vormastergänzer 1)
%
Mastergänzer 2)
%
Endmastergänzer 3)
%
27 / 26
25,5 / 24,5
15
Ergänzer
Energie
Vitamine
Phosphor
Calcium
Methionin
Threonin
Lysin
Rohprotein
Rohfaser
Nährstoffe:
Energie
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
Getreide
* Anteile der einzelnen Nährstoffe im Getreide bzw. Ergänzungsfuttermittel
Auch bei Mineralstoffen ist eine
Überversorgung und damit
Luxuskonsum zu vermeiden.
13,4
13,4
13
Rohprotein MJ ME
g/kg
172 / 170
172 / 168
145
Rohfaser
g/kg
40,0
40,0
45,0
min. Lysin (Brutto)
g/kg
11,5
10,5
7,5
Ist Lysin (Brutto)
g/kg
11,5
10,5
7,5
Ist Threonin (Brutto)
g/kg
7,5
6,8
5,0
min. Threonin (pcv)
g/kg
6,6
5,8
4,2
Ist Threonin (pcv)
g/kg
6,2
5,6
4,2
min. Lysin (pcv)
g/kg
10,2
9,0
6,5
Ist Lysin (pcv)
g/kg
10,2
9,0
6,5
Calcium
g/kg
7,50
7,50
5,50
Phosphor
g/kg
5,00
4,50
4,00
Natrium
g/kg
1,50
1,50
1,00
rot = unter Berücksichtigung der praecaecalen Verdaulichkeit (pcv); grün = begrenzender Faktor,
Anpassung notwendig; *bezogen auf ein Leistungsniveau von 950 g bzw. bei hohem Fleischansatz
1)
Vormastergänzer bestehend aus: Soja, Weizenkleie, Mineralstoffen, Säuren, Pflanzenfett,
Vitaminen, Phytase, NSP-Enzymen;
2)
Mastergänzer bestehend aus: Soja, Weizenkleie, Mineralstoffen, Pflanzenfett, Vitaminen,
Phytase, NSP-Enzymen;
3)
Endmastergänzer bestehend aus: Soja, Rapsextraktionsschrot, Sonnenblumenextraktionsschrot,
Mineralstoffen, Vitaminen, Phytase;
Foto: Bräunig
Verhältnis der Aminosäuren
aminosäuren variiert zwischen den Futterkomponenten erheblich. Durch eine
Kombination der Proteinträger und die
entsprechende Aufwertung mit synthetischen Aminosäuren lässt sich die
Verdaulichkeit der Gesamtration aber
genau einstellen.
Beim Betrachten der verdaulichen
Aminosäuren fällt auf, dass in der Vorund Mittelmast Threonin vor dem
Lysin begrenzend wirkt. Wie die Tabelle
„Rationsbeispiel für Eigenmischer“ zeigt,
wird der Mindestgehalt an praecaecal
verdaulichem Threonin bei ausschließlicher Betrachtung des pcv Lysin-Mindestgehalts nicht erreicht. In der Endmast
ist der Mineral- und Wirkstoffgehalt und
nicht der Gehalt an praecaecal verdaulichen Aminosäuren limitierend, bezogen
auf die minimale Einsatzrate des Ergänzers beziehungsweise des Mineralfutters
dlz primus schwein ◾ Juni 2011
Lys
:
Met + Cys
:
Thr
:
Trp
1
:
0,55
:
0,65
:
0,18
Quelle: DLG-Kompakt 2010
(siehe auch Tabelle „Was Mastschweine
brauchen“).
Bei der Ausrichtung der Ergänzer und
des Mineralfutters für die Vor- und Mittelmast ist die vergleichsweise schlechte
Verdaulichkeit vom Threonin in der Gesamtration zu berücksichtigen. Mit einer
gezielten Auswahl der Komponenten
und dem Einsatz synthetischer Aminosäuren kann dies ausgeglichen und
zudem der Rohproteingehalt deutlich
abgesenkt werden.
Das optimale Verhältnis der praececal
verdaulichen Aminosäuren zueinander
zeigt die nebenstehende Tabelle.
Unter Berücksichtigung der Nährstoffvorgaben muss nun bei der Eigenmischung, aber ebenso auch bei Mischfuttermitteln, eine Ergänzung der im
Getreide fehlenden Nähr- und Wirkstoffe durch eine entsprechende Mine-
ralisierung, Vitaminierung, Zusatz von
Aminosäuren und die Anhebung des
Proteingehaltes durch entsprechende
Proteinträger erfolgen (siehe Grafik „Auf
die Mischung kommt es an“).
Bei Beachtung der Verdaulichkeiten
ergeben sich damit im Bereich der
Vormast sojalastige Mischungen mit
entsprechenden Zulagen von synthetischen Aminosäuren. In der Endmast
besteht die Mischung dann vorwiegend
aus Proteinträgern mit einem mittleren
Proteingehalt wie Rapsschrot, Weizenoder Maiskleberfutter, Getreideschlempen, Sonnenblumenschrot, Erbsen oder
Bohnen.
Die in der Tabelle „Futterkurven
für unterschiedliche Zunahmen“ aufgeführten Werte können als Grundlage
für die praktische Einstellung der Futterkurve verwendet werden. Sie zeigen
Schweinemast I 33
den Bedarf an Energie in Abhängigkeit
von den Lebendmassezunahmen und
dem Gewichtsbereich.
Mineralstoffe: Luxus kann
teuer werden
Bei den Mineralstoffen gilt es ebenfalls,
eine Überversorgung zu vermeiden. Aktuelle Versuche zeigen, dass eine Zulage von Phosphor in der Endmast nicht
notwendig ist. Denn in der Regel werden heute alle Schweinefutter mit dem
Enzym Phytase zur besseren Phosphorverdauung ausgestattet. Entscheidend ist
der Gehalt an für das Tier verwertbarem
verdaulichem Phosphor (vP). Ein Überangebot treibt die Futterkosten in die
Höhe. Das Verhältnis Ca : vP sollte bei
etwa 2 bis 3 : 1 liegen.
Neben dem Enzym Phytase gibt es
weitere Enzyme zur Verbesserung der
Futterverwertung. Dazu zählen die aus
der Ferkelfütterung bekannten NSP-Enzyme. Bei hohen Futterkosten ist dies
besonders interessant. In der Vormast
ist der Einsatz organischer Säuren zur
Unterstützung der Proteinverdauung,
aber auch aus Sicherheitsgründen, Standard. In der Endmast ist der Zusatz von
Säuren bei Salmonellenproblemen zu
empfehlen.
Fazit
In der Schweinemast spielt heute nicht
nur die Frage nach den unterschiedlichen
Ansprüchen von weiblichen Tieren und
Börgen eine Rolle. Zunehmend gewinnt
auch die Ebermast an Bedeutung. Die
Unterschiede in den Tageszunahmen
und im Fleischansatz müssen bei der Rationsgestaltung berücksichtigt werden.
Besonderes Augenmerk ist auf die
Versorgung mit Aminosäuren zu richten.
Entscheidend ist hierbei nicht nur der
absolute Gehalt von Lysin und Co., sondern auch der für das Schwein verdauliche Anteil. Besonders im Bereich der
Folgeaminosäuren wie Threonin weisen
Eigenmischungen oft Schwächen auf, die
mit dem System der verdaulichen Aminosäuren genauer eingeschätzt werden
können.
Auch bei den Mineralstoffen und der
Energie ist der verwertbare Gehalt das
richtige Maß, um einen Luxuskonsum
und damit unnötige Kosten zu vermeiden. Die neue Formel zur Berechnung
der Energie von Mischfuttermitteln ist
ein Baustein, um den Bedarf der Tiere
besser abzubilden (siehe Kasten „Neue
Schätzformel zur Energiebewertung“).
Letztlich kommt es darauf an, das
genetische Potenzial an Wachstum und
Fleischansatz optimal auszuschöpfen, um
die Kosten pro kg Zuwachs möglichst gering zu halten. Dies macht sich vor allem
bei hohen Futterkosten und niedrigen
Schweinepreisen bezahlt.
br W
Georg Riewenherm
Fütterungsexperte bei der
Deutschen Tiernahrung
Cremer und Mitglied der
DLG-Arbeitsgruppe „Fütterungsempfehlungen Schweine. Mitautorin ist
Christina Münks.
Neue Schätzformel
zur Energiebewertung
Z
ur Bewertung der Rohstoffe dienen
hauptsächlich die Kriterien Energie
und Aminosäuren. Die Energieberechnung für Mischfuttermittel erfolgt seit
dem 1. September 2010 mit einer
überarbeiteten Schätzformel auf Basis
der Rohnährstoffe. Diese Formel ersetzt
die zwei unterschiedlichen Formeln zur
Berechnung der Energie in proteinreichen
Mischfuttermitteln (Ergänzungsfuttermittel) und proteinschwachen Mischfuttermitteln (Alleinfutter). Die Energie wird
jetzt wie folgt berechnet:
ME in MJ/kg
= g Rohprotein x 0,021503
+ g Rohfett x 0,032497
+ g Stärke x 0,016309
+ g organischer Rest x 0,014701
– g Rohfaser x 0,021071.
Die wichtigsten im Schweinefutter verwendeten Futtermittel werden im Vergleich zur alten Formel in der Regel
energetisch abgewertet. Während die
aufgeführten Getreide in einer Größenordnung von 0,2 bis 0,3 MJ je kg an Wertigkeit verlieren, gibt es auch „Gewinner“.
Das betrifft insbesondere die Weizenkleie
als Getreidenachprodukt und die Melasseschnitzel. Eine geringe Aufwertung
erfährt auch das Rapsextraktionsschrot
(0,16 MJ/kg). Mit der neuen Schätzformel werden gerade faserreichere
Mischungen mit niedrigem Proteingehalt
besser bewertet. ri
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