Geotop 2012 - Geo-Naturpark Bergstraße

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Der Herrgottsberg - Schutzgebiet für Flora und
Fauna und sagenumwobener Ort der Poesie und
Waldkunst
Am Tag des Geotops im Geo-Naturpark präsentieren
wir Ihnen einen besonderen Ort, der den Zusammenhang zwischen der Geschichte unserer Erde, der Natur
und dem Wirken des Menschen anschaulich zeigt.
Schutzstatus - Der Herrgottsberg ist als Teil des
Bessunger Forstes auf Grund seiner Flora und Fauna
unter besonderen Schutz gestellt (Natura 2000-, FFHGebiet und Naturdenkmal). Am Rande von Darmstadt
gelegen zählt das Staatswaldgebiet zu den beliebtesten Naherholungsregionen der Stadtbewohner. Umweltamt und Hessen Forst sind hier Ansprechpartner
für eine angemessene Besucherlenkung.
Geotope, wie etwa Natursteinklippen, Steinbrüche
oder besondere Landschaftsausschnitte, sind unser
Schlüssel zur Vergangenheit. Als Fenster in die Erdgeschichte zeigen sie uns Spuren vom Werden und Vergehen der Kontinente, globalen Klimawechseln oder
auch vom Aussterben ganzer Tiergruppen. Die Vergangenheit verstehen - das ist ein Schlüssel für die Zukunft.
Sagenumwobener Ort der Poesie - Der Herrgottsberg
hat die Menschen seit Urzeiten fasziniert. Ob als
Kultstätte in vorchristlicher Zeit oder als Standort der
Martinskapelle, die bis zum 16. Jahrhundert vom Gipfel
grüßte. Sogar der Teufel höchstpersönlich soll - wie
eine Sage berichtet - hier gewesen sein. Vor allem
bekannt geworden ist der Herrgottsberg jedoch durch
die Besuche des großen Dichters Johann Wolfgang von
Goethe, für den dieser Ort eine Quelle der Inspiration
war. Im “Kreis der Empfindsamen” schuf er hier 1772 den
“Felsweihegesang an Psyche”.
Der Goethefelsen am Herrgottsberg in Darmstadt
bietet einen Einblick in die Zeit des Erdaltertums.
Erdplattenbewegungen führten hier vor etwa 360
Millionen Jahren zur Kollision zweier Urkontinente. Der
Kristalline Odenwald ist Teil dieser Kollisionszone. Am
Goethefelsen, der das Rahmengestein des Frankenstein-Komplexes bildet, finden sich Gesteine
(Amphibolit, Kalksilikatfels), die durch Druck und
Temperatur infolge der Kollision umgewandelt worden
sind und somit unmittelbare Zeugen dieses fernen
Ereignisses darstellen.
Waldkunst und BankArt - Die innere Verbindung von
Mensch und Natur beleuchtet der Verein für Internationale Waldkunst auf besondere Weise: Entlang des
Waldkunstpfades werden im Rahmen eines Symposiums alle 2 Jahre neue Werke im Wald geschaffen von Künstlern aus aller Welt.
BankArt- das sind Bänke, die Kunstwerk und Sitzmöbel
zugleich sind. Sie werden an besonderen Orten in der
gesamten Region des Geo-Naturparks dazu einladen,
inne zu halten und die Verbindung von Natur, Mensch
und Kunst zu genießen.
Auf dem Herrgottsberg
hat Jems Kokobi (Elfenbeinküste) die KunstBank “Stamm Tisch” geschaffen.
Foto: Rolf Gönner
Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald
Goethefelsen
Geotop 2012
Ausschnitt Wanderkarte Nr. 12,
Kreis: Geotop 2012
Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald
Geotop 2012
Der Goethefelsen am
Herrgottsberg
Kontinentkollision im Erdaltertum
Der Herrgottsberg als Teil des nördlichen
Kristallinen Odenwaldes
Der Kristalline Odenwald erstreckt sich von Messel im
Norden bis Heidelberg im Süden und ist aus kristallinen
Tiefengesteinen, wie etwa Granit, Granodiorit oder
Gabbro, sowie stark umgewandelten, metamorphen
Gesteinen aufgebaut. Der Herrgottsberg ist Teil des
nördlichen Kristallinen Odenwaldes, der auch als
Frankenstein-Komplex bezeichnet wird. Dieser besteht
aus einem inneren Bereich, der vorwiegend aus Gabbro
mit Mantelgesteinsanteilen (Peridotit) aufgebaut ist
sowie stark umgewandelten Rahmengesteinen
(Amphibolit und Kalksilikatfels). In direkter Nachbarschaft kommen darüber hinaus Diorit und Granit vor.
Wie lässt sich diese Gesteinsvielfalt erklären - und
wann und wie sind diese Gesteine entstanden?
kruste zu riesigen Tiefengesteinskörpern, die heute im
Kristallinen Odenwald an der Erdoberfläche sichtbar
sind. Die alten Gesteinsserien wurden hierbei nochmals
deformiert und bilden das umgebende metamorphe
(umgewandelte) Rahmengestein, das den Kristallinen
Odenwald in mehreren steil stehenden “Schieferzügen”
von Südwest nach Nordost durchzieht.
Durch den Kollisionsdruck bildete sich an der Erdoberfläche das so genannte ”Variszische Gebirge”, das
Europa von Westen nach Osten durchzog und die
Nahtstelle der kollidierten Kontinente nachzeichnete.
modifiziert nach Schrader (2000)
Zunächst wiesen die
Schmelzen einen hohen Erdmantel-Anteil auf (Gabbro), später überwog der Anteil an geschmolzener Erdkruste (Granodiorit, Granit). Die
Gesteinsschmelzen
erstarrten in der Erd-
Die Gesteine am Herrgottsberg bilden demnach eine
mehrphasige Entstehungsgeschichte ab und sind
Zeugen der Kollision zweier Großkontinente im
Erdaltertum.
Der Goethefelsen am Herrgottsberg
Kontinente kollidieren im Erdaltertum
Im Erdaltertum, vor etwa 360 Millionen Jahren waren
die Landmassen in zwei Großkontinenten vereint,
dazwischen lag ein mit “Inseln” (Mikrokontinente)
durchsetzter Ozean. Eine dieser “Inseln” war der UrOdenwald (Armorica), der aus überprägten Ablagerungsgesteinen aufgebaut war. Bei der Kollision der
Kontinente befand sich der Ur-Odenwald in der
Kollisionszone und unterlag hierdurch einer starken
Beanspruchung und Umwandlung. Bedingt durch die
hohen Drücke und Temperaturen entstanden in vielen
Kilometern Tiefe Gesteinsschmelzen, die in die alten
Gesteinsserien eindrangen.
modifiziert nach Schrader (2000)
Karte: Dr. Dirk Scheuvens (2012), Angewandte Geowissenschaften, TU Darmstadt, verändert nach Nickel (1984) und GÜK von Hessen 1 : 300000
Die Entstehung der Gesteine am Herrgottsberg
Der Druck der Kontinentkollision und die etwa 1000°C
heiße Gesteinsschmelze, die hier vor etwa 360
Millionen Jahren in die Erdkruste drang, haben das
umgebende Gestein stark verändert. Neben sichtbarer
Deformation kam es dabei auch zu typischen Mineralumwandlungen. So entstand aus kalkhaltigen Ablagerungsgesteinen ein Kalksilikatfels, der seltene Minerale
enthalten kann. Die Amphibolite sind unter hohem
Druck und Wasserzutritt aus alten basaltischen Gesteinen entstanden.
Mit fortschreitender Kollision der Kontinente bildeten
sich vor etwa 340 - 320 Millionen Jahren darüber hinaus
Gesteinsschmelzen mit höheren Erdkrusten-Anteilen,
die in Form von Tiefengesteinskörpern und Ganggesteinen in die Erdkruste eindrangen und als Diorite,
Granodiorite und Granite auskristallisierten.
Der markante Goethefelsen, der sich wie eine Klippe an
der Südflanke des Herrgottsberges erhebt, hat seine
Gestalt nicht allein erdgeschichtlichen Prozessen zu
verdanken. Im 18. Jahrhundert wurde hier vom Hessischen Landgrafen Ernst Ludwig ein Steinbruch
betrieben - die gewonnenen Naturwerksteine sollen
sowohl in der Orangerie als auch in Teilen des Schlosses
verbaut worden sein. Der auch als “Teufelsklaue” bekannte Goethefelsen ist ein Relikt dieser Abbautätigkeit, die vermutlich eingestellt wurde, als der
Abbau stark zerrüttete Gesteinsabschnitte erreichte.
Der Geo-Naturpark (UNESCO GlobL Geopark) umfasst
eine Fläche von über 3500 Quadratkilometern
zwischen Rhein, Bergstraße, Odenwald, Main und
Neckar. Hier finden lebendige Begegnungen mit
Erdgeschichte, Natur, Mensch und Kultur statt. Dabei
sind Geotope als Fenster in unsere ferne Vergangenheit
von besonderer Bedeutung.
Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald
Nibelungenstr. 41, 64653 Lorsch
Dipl.-Geol. Dr. Jutta Weber/2016
Tel.: 06251-7079923
Mail: [email protected]
www.geo-naturpark.de
Geologische Karte: Dr. Dirk Scheuvens
Technische Universität Darmstadt
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