ERNÄHRUNG AUS ÖKOLOGISCHER SICHT Quantitative Überernährung - qualitative Unterernährung Heute herrscht ein Überangebot an appetitanregend hergerichteter, kalorienreicher Nahrung, und der Steinzeitmensch, der wir nach unserer Instinktausstattung immer noch sind, langt entsprechend zu. Das Ergebnis ist quantitative Überernährung. Die Qualität der angebotenen Nahrungsmittel läßt jedoch häufig in zweifacher Hinsicht zu wünschen übrig. • Viele Nahrungsmittel enthalten Schadstoffe in Form von Pestizidrückständen, Schwermetallen, schädliche Wirkstoffe aus der Massentierhaltung oder Konservierungsmittel. • Sie enthalten zuwenig wertgebende Inhaltsstoffe - oft Folge lebensmitteltechnologischer „Veredelung", die man treffender als Denaturierung bezeichnen muß. Außerdem fehlt es an Ballaststoffen. Richtige Ernährung erfordert nicht nur Nahrung in ausreichender Menge und ausreichender Qualität, sondern darüber hinaus auch eine den Lebensumständen angepaßte optimale Zusammenstellung und Abwechslung. Wenn Menschen unter ursprünglichen Lebensbedingungen Appetit auf etwas Süßes hatten, nahmen sie Früchte und damit reichlich Vitamine zu sich. Es gibt daher die Auffassung, daß Heißhunger auf Süßigkeiten mit Vitaminmangel zusammenhängt. Wenn man jedoch im Zivilisationsmilieu Süßigkeiten konsumiert, nimmt man reichlich Industriezucker zu sich und verstärkt damit die Vitaminunterversorgung. Das ist das Musterbeispiel eines Teufelskreises. Massentierhaltung - ökologische und ethische Aspekte Die traditionelle Nutztierhaltung erweitert die Nahrungsbasis des Menschen, indem direkt nicht verfügbare oder verwertbare Biomasse in wertvolles Eiweiß umgewandelt wurde: Schweine verwerten Abfälle oder für den Menschen ungenießbare Dinge wie Eicheln, Hühner sammeln Würmer, Insekten, Körner und Pflanzennahrung ein, und Rinder sind in der Lage, mit Hilfe von symbiontischen Mikroorganismen ihrem spezialisierten Wiederkäuermagen das reichlich wachsende, direkt nicht verwertbare Gras aufzuschließen. Die moderne „Tierproduktion" ist jedoch auf industriell gefertigtes Futterangewiesen, zu dessen Herstellung wertvolle Lebensmittel wie Soja, Getreide und Fischeiweiß verwendet werden. Diese Produkte stammen häufig aus Ländern der Dritten Welt, oft sogar aus Regionen, in denen Hunger herrscht. Nahrungsmittel der Armen die sich diese Lebensmittel nicht leisten können - dienen als Futter für das Vieh der Reichen. Es ist daher nicht nur der Aspekt der Tierquälerei, sondern auch das Gebot der Mitmenschlichkeit, das die Massentierhaltung ethisch nicht vertretbar erscheinen läßt. Kleine Ursachen - große Wirkungen (Biokost und Landwirtschaft) Das derzeitige System der Landwirtschaft und der Lebensmittelherstellung . erweist sich als Problemmultiplikator: Es verursacht Sterben des Bauernstandes, Raubbau am Boden, Ausbeutung armer Länder, Energieverschwendung, Tierquälerei, Zivilisationskrankheiten. Angesichts dieser vielfältigen folgenschweren Fehlentwicklungen stellt sich die Frage, ob der einzelne überhaupt die Möglichkeit hat, wirksam dagegen aufzutreten. Dazu eine Überlegung: Jede Konsumentscheidung hat Folgen. Der Kauf von Lebensmitteln entscheidet über die Nahrungsbasis. Wenn man etwa Eier aus einer Massenhühnerhaltung kauft, ist man mitschuldig an Tierquälerei und Ausbeutung der Dritten Welt. Entscheidet man sich für Eier aus traditioneller Hühnerhaltung, vermeidet man nicht nur diese Mitschuld, sondern unterstützt eine Bauernkultur, die weit mehr leistet als gesunde Produktion von Lebensmitteln. Biokost ist daher ein wichtiger individueller Beitrag gegen vielfältige Fehlentwicklungen und ein Beitrag zur Förderung umweltverträglicher Alternativen. Die vielfältige Vernetzung in der Biosphäre bringt es mit sich, daß eine vernünftige Lösung in einem Teilbereich weitreichende positive Folgen weit über diesen Teilbereich hinaus hat. Man kann demnach von Lösungsmultiplikatoren sprechen. Qualitäts- und umweltbewußte Ernährung ist daher als ein wichtiger Zugang zu einer umfassenden Strategie gegen die lebensbedrohenden Fehlentwicklungen unserer Zeit aufzufassen. Dr. Peter Weish, aus Österreichische Naturküche, Trauner Verlag Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von“ Österreichische Akademie der Wissenschaften Kommission für Humanökologie“ Thomas Stärfl für BioLine-Metzgerei Kammereier GmbH Hauzenberg www.naturgenuss-hd.de