Hinduismus - Kinderfreunde Hiltrup eV

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Religion
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Hinduismus
„Es gibt nur eine Wahrheit,
obwohl ihr Seher viele Namen geben"
Diese Worte stammen aus dem Rig Veda, einer der ältesten Schriften des Hinduismus. Sie beschreiben eine wichtige Glaubensgrundlage dieser vielschichtigen und komplexen Religion. Das Wort Hindu stammt aus dem Persischen
und meint die Bewohner des Industales. Der Sammelbegriff „Hinduismus" wurde erst im 19. Jahrhundert von
den Europäern geprägt und von den Indern übernommen.
Der Hinduismus ist die drittgrößte und älteste Religion der
Welt mit über 800 Millionen Anhängern. Seine Spuren
können mehrere tausend Jahre zurückverfolgt werden.
Auch wenn der Hinduismus nie einen missionarischen
Auftrag hatte, spürt man seinen Einfluss heute in ganz
Asien. Buddhismus, Sikhismus und Jainismus sind Ableger
des Hinduismus.
Der Hinduismus wird in vielen Ländern praktiziert, zwei
Drittel seiner Anhänger leben jedoch in Indien, wo sie 80
Prozent der Bevölkerung ausmachen. Weitere Länder, in
denen vorwiegend Hindus leben, sind Nepal sowie die
Insel Bali in Indonesien. Auch die tamilische Minderheit in
Sri Lanka gehört dem Hinduismus an. Viele Hindus leben
auch in Europa, den USA, Kanada, Afrika und auf den
Westindischen Inseln (Karibik).
Der Hinduismus
Im Gegensatz zu anderen größeren Glaubensrichtungen,
hat der Hinduismus keinen Religionsstifter wie Jesus,
Mohammed oder Buddha. Er hat keine verbindliche heilige Schrift wie die Bibel oder den Koran. Er ist eine
Religion, die sich über einen langen Zeitraum entwickelt
hat, und zwar aus dem Glauben und den religiösen
Anschauungen vieler verschiedener Volksgruppen.
Der Eine und die Vielen
Der Hinduismus hat beides: einen einzigen Gott und
33.000 Gottheiten. Im Mittelpunkt der Religion steht
Brahman, die Weltseele, die Quelle allen Lebens, allgegenwärtig, gestaltlos und mit Gestalt zugleich. Aus ihm kommt
das Pantheon der Götter und Göttinnen in verschiedenen
Erscheinungsformen und Inkarnationen sowie ihre Begleiter und Kinder. Sie haben Partner bzw. Partnerinnen und
„Fahrzeuge" oder reiten auf einem Tier. Jeder Gott, jede
Göttin hält einen Gegenstand als Zeichen der Macht in der
Hand.
Indien: Vorbereitung von Opfergaben zu Ehren der Tiere.
Die drei Hauptgötter sind:
- Brahma, der Weltschöpfer. Er wird mit vier Gesichtern
dargestellt und reitet auf einem Schwan. Seine Gattin ist
Sarasvati, Göttin der Gelehrsamkeit.
- Vishnu, der Erhalter des Lebens, der ein Muschel
gehäuse trägt und auf dem mythischen Vogel Garuda rei
tet. Seine Partnerin ist Lakshmi, Göttin der Schönheit und
des Glücks.
- Shiva, Gott der Zerstörung, des Todes und der
Fruchtbarkeit, der einen Dreizack und eine Schlange
trägt und auf Nandi, dem Bullen, reitet. Seine Gattin ist
Parvati, die Gütige.
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Plan
Diese Dreifaltigkeit (Trimurti) symbolisiert die drei
Zustände der Welt: Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung,
wobei Vishnu und Shiva am meisten verehrt werden.
Göttinnen gibt es nur im Hinduismus. In vielen ländlichen
Gebieten sind sie die im Mittelpunkt stehenden Gottheiten.
Geographische Lage, Kaste, Beruf, Familie oder individuelle Neigung bestimmen den Gott oder die Göttin, die von
dem einzelnen Menschen verehrt wird.
Die meisten Dörfer und Städte haben einen Schutzgott.
Ganesh, zum Beispiel, der elefantenköpfige Gott des
Erfolges, ist Beschützer von Bombay. Gleichzeitig verehren
ihn aber auch Lkw- und Busfahrer, da er auch Gott der
Reisenden ist.
zelnen Götter sowie zwei große epische Dichtungen. Da
der Hinduismus keine offiziell vorgeschriebene Doktrin
hat, sind diese Geschichten das Instrument, durch das die
Hindus ihre Religion kennen lernen.
Der Hinduismus im Alltag
Der Hinduismus ist in jedem Aspekt des Lebens eines
Gläubigen gegenwärtig. Neben den Tempeln in ihrer
Umgebung, haben die meisten Familien einen kleinen
Schrein oder Altar in ihrem Haus. Der Schrein kann einfach
nur aus einem Bild ihres Gottes bestehen.
Der Glaube
Unabhängig davon, welcher Gott verehrt wird, gibt es allgemeine Glaubensgrundlagen, die das äußere Erscheinungsbild und die tägliche Beschäftigung der Hindus
bestimmen:
Der Glaube an Samsara besagt, dass die Seele mehrmals
auf Erden geboren wird. Sie durchläuft einen Kreislauf von
Geburt und Wiedergeburt, bis sie Erlösung (Moksha) findet. Das geschieht, wenn die Seele absolute Reinheit und
damit die Einheit mit dem Universum erreicht.
Die Seele kann auch in Gestalt eines Tieres wiedergeboren
werden. Deshalb sind Hindus meist Vegetarier. Kühe gelten als heilig, in vielen Tempeln werden auch Ratten verehrt.
Brahman ist die Weltseele, die als Atman (Einzelseele) in
allem Leben ist. Sie ist die Kraft, die allen Wesen innewohnt, ohne Anfang und ohne Ende. Dieser Glaube ist die
Ursache für den Respekt, den die Hindus allen Lebewesen
entgegenbringen.
Ahimsa ist das Prinzip der Gewaltlosigkeit, für das Gandhi
eintrat, der geistige und politische Führer der indischen
Unabhängigkeitsbewegung. Seine Philosophie und die
Anwendung von gewaltlosem Widerstand hatten einen
bedeutenden moralischen und politischen Einfluss auf die
ganze Welt.
Dharma ist die Erfüllung der Pflichten. Sie werden durch
Kaste, Geschlecht und Lebensalter für jeden Einzelnen
bestimmt. Nur durch Dharma wird Frieden und Harmonie
in der Welt sein.
Karma ist das Gesetz des Handelns im Hinduismus und
besagt, dass jede Tat Folgen hat. Gute Taten haben gute,
schlechte Taten jedoch schlechte Folgen „entweder in diesem Leben im vorigen oder im nächsten".
Heilige Schriften und Epen
Im Hinduismus gibt es viele heilige Schriften. Die wichtigsten sind die Veden und Upanischaden. Sie enthalten
Götterhymnen, philosophische Texte und Informationen
über Rituale. Es gibt auch viele Geschichten über die ein-
Eine indische Familie beim gemeinsamen Gebet vor dem
Hausaltar.
In den meisten Familien beginnt der Tag mit der „Puja",
einem Gebet. Die Puja wird meistens bei Sonnenauf- und
Untergang gehalten. Es werden den Göttern Blumen und
Früchte dargeboten und vor dem Bildnis der Gottheit ein
Licht angezündet. Dann meditiert oder betet der Gläubige. Die Puja wird individuell von jedem Familienmitglied
nach seinem eigenen Bedürfnis durchgeführt. Es wird
jedoch als Pflicht der Frauen betrachtet, für das Wohlergehen ihrer Familie zu beten. Wann immer eine besondere Bitte vorzutragen oder der Tag besonders glückverheißend ist, gehen die Menschen zum Tempel und beten
dort zu ihrer Gottheit.
Das tägliche Bad hat eine religiöse Bedeutung in Bezug auf
Reinheit und Verunreinigung. Dieses Glaubenselement ist
auch in dem Brauch wiederzufinden, die Schuhe auszuziehen, bevor ein Haus betreten wird. Der Schmutz von der
Straße soll nicht hereingebracht werden.
Das Kastensystem
Das Kastensystem ist zwar seit der Unabhängigkeit in
Indien gesetzlich abgeschafft worden, besteht heute aber
noch weiter. Ursprünglich war es eine flexible gesellschaftliche Ordnung - es war möglich, durch die Berufswahl von
Kaste zu Kaste auf- bzw. abzusteigen. Mit der Zeit wurde
das Kastensystem immer starrer: Man wird in seine Kaste
hineingeboren und in der Regel jemanden aus der eigenen
Kaste heiraten. Die Kastenzugehörigkeit bestimmt soziales
und kulturelles Leben, Wertesystem und Verhaltenskodex.
sein oder jemanden kennen, der es war. Reise- und
Festberichte sind immer lebendig und interessant.
Die vier wichtigsten sind:
Wichtige Feiertage
- Brahmanen. Priester und Intellektuelle, die den
Glauben aufrechterhalten und lehren;
- Kshatriyas. Krieger, Adelige und Könige;
- Vaishyas. Händler und Kaufleute;
Aufgrund der großen Zahl an Gottheiten gibt es viele
Feiertage im hinduistischen Jahr. Die Bedeutung, die die
Menschen diesen Feiertagen beimessen, hängt davon ab,
welche Gottheit sie verehren und in welchem Gebiet sie
leben.
Schreiben und fragen Sie doch Ihr Patenkind nach den
wichtigen Feiertagen und wie sie gefeiert werden.
- Shudras. Künstler, Bauern und Handwerker.
Einige interessante Feiertage sind:
Es gibt auch Gruppen, die keiner Kaste zugehören. Sie
werden Dalits „Unberührbare" genannt und führen traditionellerweise Arbeiten aus, die als sehr schmutzig angesehen werden (wie Kadaver von der Straße entfernen oder
Latrinen reinigen). Wegen ihrer Unreinheit werden sie
gesellschaftlich separiert. Früher war es ihnen weder
erlaubt in Schulen und Tempel einzutreten, noch aus denselben Brunnen wie Kastenangehörige zu trinken. Die indische Regierung hat ihre Diskriminierung offiziell verboten.
Es werden gezielte Programme zur Verbesserung ihrer
Lebenssituation durchgeführt. Häufig konvertieren die
Dalits zum Buddhismus, Christentum und Islam, weil sie
sich ein Leben mit weniger Diskriminierung erhoffen.
Interkultureller Austausch
Ein Ansatz von Plan ist, Menschen verschiedener Kulturen
die Möglichkeit zu bieten, sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Es gibt viele Dinge, die Sie in Ihren
Briefen mitteilen können.
Hier einige Ideen:
- Erzählen Sie über Ihre Familie, und fragen Sie nach der
Familie Ihres Patenkindes.
Die Familie spielt im Leben der Hindus eine sehr wichtige
Rolle. Besonders den Kindern wird sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Interesse an den anderen Familienmitgliedern wird Ihnen helfen, eine Freundschaft mit der
gesamten Familie aufzubauen.
- Diwali / Deepavali (Mitte November)
Diwali ist bekannt als das Fest der Lichter, wenn Lakshmi,
die Göttin des Wohlstandes, verehrt wird. Wie auf den
meisten hinduistischen Festen werden Süßigkeiten vorbereitet und verteilt. Nachts wird ein Feuerwerk angezündet
und gefeiert.
- Hol! (Ende Februar oder März)
Holi ist ein Gedenktag an den Gott Krishna. Die
Verspieltheit von Krishna wird symbolisch durch das
Verspritzen von gefärbtem Wasser gezeigt. An diesem Tag
können Kinder das bunte Wasser auf ihre Lehrer und
Verwandte spritzen, Ehefrauen können Wasser über ihre
Ehemänner gießen. Die Straßen sind den ganzen Tag voll
von Menschen, die diesen Spaß genießen.
- Pongal / Sankranti (Mitte Januar)
Dieses Erntefest, mit dem der Sonnengott geehrt wird, ist
hauptsächlich ein südindisches Fest. Die Menschen streichen ihre Häuser weiß an, kaufen sich neue Kleidung und
veranstalten ein großes Fest.
Feiertagstermine werden nach dem Mondkalendar
berechnet. Sie variieren von Jahr zu Jahr.
- Fragen Sie Ihr Patenkind nach seinem Namen.
Der Name Ihres Patenkindes hat eine wichtige Bedeutung.
Die meisten Namen kommen aus der Mythologie oder von
Gottheiten. Können Sie Ihrem Patenkind etwas über die
Herkunft oder die Bedeutung Ihres Namens sagen?
- Geschichtenerzählen ist ein wichtiges Mittel der
Kommunikation.
Es könnte sein, dass Ihr Patenkind einen Lieblingsmythos
oder eine Lieblingsgottheit hat, über die es Ihnen gerne
berichten möchte. Vielleicht erinnern Sie sich an eine Ihrer
Lieblingsgeschichten aus Ihrer Kindheit.
- Teilen Sie Ihre Reise- und Festerlebnisse miteinander.
Sowohl kleine als auch große Pilgerwanderungen sind in
hinduistischen Gemeinschaften üblich. Ihr Patenkind könn
te selbst schon einmal auf einer Pilgerwanderung gewesen
Quellen:
Plan Kanada
The Hindu World, Patricia Bahree, Macdonald & Co., 1982
Sources of Indian Tradition, Wm. Theodore De Barry
(Columbia University Press, 1958)
Stichwort: Hinduismus, Schweer, Thomas, Heyne Verlag 1994
Stand: 2002
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