Der Hinduismus als Weltreligion auf dem Vormarsch

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Der Hinduismus als Weltreligion auf dem Vormarsch
Schon seit einigen Jahren hat der Islam die katholische Kirche als größte
Religionsgemeinschaft der Welt an Zahl der Gläubigen überholt: Es gibt heute mehr
Bekenner des Propheten Mohammed als getaufte Katholiken.
An dritter Stelle steht heute der Hinduismus als Weltreligion, wobei sich Weltreligion nicht
nur durch eindrucksvolle Zahlen, sondern auch durch die Ausbreitung in aller Welt
manifestiert. Zwar leben die meisten Hindus noch in Indien, wo weit über 80 Prozent der
1,2 Milliarden Inder dieser Religion angehören, das entspräche über 860 Millionen
Menschen. Ebenso hoch ist ihr Anteil an der Bevölkerung in Nepal, wo 80 Prozent Hindus
bei einer Gesamtbevölkerung von über 27 Millionen leben. Fast ebenso viele Hindus leben in
Bangladesch, wo die 12 Prozent Hindus bei einer Gesamtbevölkerung von 160 Millionen fast
20 Millionen betragen. In Sri Lanka gibt es 8 Prozent, in Malaysia 6,3 Prozent, in Singapur
4 Prozent, in Indonesien 2 Prozent Hindus (meist auf Bali) und in Pakistan 1,8 Prozent.
Auch in diesen Staaten sind es in absoluten Zahlen Millionen Menschen, die diese Religion
praktizieren: In Pakistan fast drei Millionen, in Indonesien 4,5 Millionen. Auf den anderen
Kontinenten schätzt man für Afrika 2,6 Millionen, für Europa 1,47 Millionen, für
Nordamerika 1,44 Millionen für Südamerika 770 000 und für Australien 420 000 Hindus.
Die Prozentsätze für die Kontinente außer in Asien scheinen klein, aber in manchen Staaten
sind die Prozentsätze ihres Anteiles an der Gesamtbevölkerung zweistellig. So ist in der
Republik Mauritius im Indischen Ozean die Hälfte der 1,25 Millionen Einwohner
hinduistisch, auf den Fidschi-Inseln sind es 32 Prozent, auf Trinidad und Tobago 23 Prozent
und im südamerikanischen Surinam 20 Prozent.
Auch in Deutschland ist der Hinduismus präsent. 1985 wurde in Berlin im Bezirk Moabit ein
Hindu-Tempel eingeweiht, im Jahre 1988 ein weiterer in Kreuzberg. Andere Tempel stehen
in Hamburg und in anderen Städten. Die Ausländerbeauftragte des Berliner Senats führt
unter dem Titel „Einheit in der Vielfalt“ in einem interreligiösen Kalender auch die
hinduistischen Feste auf wie das Wintersonnenwendfest, den Geburtstag vom Rama und
Feiertage wie die des Gottes Jaganatha oder des elefantenköpfigen Gottes Ganesh.
Da das Kastenwesen des Hinduismus als System gesellschaftlicher Kategorie die Religion
nachhaltig prägte, hatte der Hinduismus in der Geschichte kaum klassische
Missionstätigkeit. Der Einzelne wurde und wird in seine Kaste hineingeboren, die seine
soziale Stellung, seine Berufswahl, ja die Wahl seines Ehepartners beeinflusst.
Da der Hinduismus keine einheitliche Religion darstellt, ist die Gesellschaftsordnung das
einigende Band. „Hindu ist nicht jemand, der an bestimmte Lehren glaubt, sondern jemand,
der einer von den Hindus anerkannten Kaste angehört“, schreibt der
Religionswissenschaftler Helmut von Glasenapp. „Dieser Umstand ist Grund dafür, das s der
Hinduismus keine missionierende Religion ist wie Christentum, Islam und Buddhismus. Da
ein Individuum nur von Geburt an einer bestimmten Kaste angehören, nicht aber in diese
aufgenommen werden kann, können keine Einzelpersonen in den Hinduismus eintreten.“
Obwohl das Kastenwesen durch die indische Verfassung offiziell abgeschafft wurde, ist es in
vielen Regionen noch weitgehend präsent. Schon seit dem 19. Jahrhundert gab es Versuche,
das Kastenwesen zu überwinden, und es entstanden neue synkretistische Formen des
Hinduismus, die auch im Westen Zulauf fanden, wie zum Beispiel die Lehre des Sri
Aurobindo, der einen integralen Yoga verkündete, oder die Divine Light Mission des Sri
Maharaj Ji, die an ein Bedürfnis nach innerer Erleuchtung anknüpft.
Die Krishna-Bewegung steht ebenfalls in dieser hinduistischen Tradition, die wie die
Transzendentale Meditation auch in Europa Anhänger findet.
Hauptlehren sind die des Karma-Gesetzes und der Wiedergeburt. Die Hauptströmungen des
Hinduismus sind nach den hinduistischen Göttern Vishna und Shiva benannt und zeigen
verschiedene Wege der Erlösung auf. Die Anhänger Vishnas sehen ihn nicht nur als größten,
sondern manchmal als einzigen Gott; im Shivaismus hat Shiva die Rolle eines höchsten
Wesens. Sonderformen sind der Tantrismus als eine spirituelle Strömung, die den Zugang zu
Gott und zum eigenen Ich als Ziel hat.
Zwar sind die höchsten Ziele eines Hindu hehr: er will seine individuelle Seele mit der
Weltenseele (dem Brahman) überschmelzen. Hauptritual ist die Verehrung von
Götterbildern in Tempeln und zuhause durch Gebet, Opfer, Wallfahrten und Meditation,
auch durch Waschungen in heiligen Flüssen.
Lange hat der Westen die spirituellen Übungen der Hindus bewundert, auch die geistlichen
Lehrer, die Gurus, und ihre geistige und körperliche Praxis der Versenkung (Yoga), durch die
der Gläubige Einblick in die ewige Natur der Seele bekommen soll. Aber schon in
vergangenen Jahrhunderten erschrak man über Praktiken wie die Witwenverbrennung und
bei der Teilung Indiens nach dem Abzug der Engländer wurde die Welt durch die Brutalität
und Grausamkeit hinduistischer Fanatiker bei Massenmorden an Muslimen schockiert.
Seit einigen Jahren führt ein neu geweckter hinduistischer Fundamentalismus in manchen
Republiken der Indischen Union sogar zu Christenverfolgungen mit gezielten Morden an
Christen, mit dem Niederbrennen von Kirchen und Vergewaltigungen von christlichen
Mädchen in vielen Teilen des Landes, nachzulesen in der neuesten Dokumentation des
Hilfswerks KIRCHE IN NOT mit dem Titel „Religionsfreiheit weltweit“.
Prof. Dr. Rudolf Grulich (2008)
Link:
Glaubens-Kompass: Hinduismus:
http://www.kirche-in-not.de/shop/Glaubens-Kompass/Glaubens-KompassHinduismus::316.html
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