Der Hinduismus als Weltreligion auf dem Vormarsch

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Deutscher Zweig, Geschäftsführer: Klaus Wundlechner
Text: Prof. Dr. Rudolf Grulich, bearbeitet durch Volker Niggewöhner
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Der Hinduismus als Weltreligion auf dem Vormarsch
Schon seit einigen Jahren hat der Islam die katholische Kirche als größte
Religionsgemeinschaft der Welt an Zahl der Gläubigen überholt: Es gibt heute mehr
Bekenner des Propheten Mohammed als getaufte Katholiken.
An dritter Stelle steht heute der Hinduismus als Weltreligion, wobei sich Weltreligion nicht
nur durch eindrucksvolle Zahlen, sondern auch durch die Ausbreitung in aller Welt
manifestiert. Zwar leben die meisten Hindus noch in Indien, wo weit über 80 Prozent der
1,2 Milliarden Inder dieser Religion angehören, das entspräche über 860 Millionen
Menschen. Ebenso hoch ist ihr Anteil an der Bevölkerung in Nepal, wo 80 Prozent Hindus
bei einer Gesamtbevölkerung von über 27 Millionen leben. Fast ebenso viele Hindus leben in
Bangladesch, wo die 12 Prozent Hindus bei einer Gesamtbevölkerung von 160 Millionen fast
20 Millionen betragen. In Sri Lanka gibt es 8 Prozent, in Malaysia 6,3 Prozent, in Singapur
4 Prozent, in Indonesien 2 Prozent Hindus (meist auf Bali) und in Pakistan 1,8 Prozent.
Auch in diesen Staaten sind es in absoluten Zahlen Millionen Menschen, die diese Religion
praktizieren: In Pakistan fast drei Millionen, in Indonesien 4,5 Millionen. Auf den anderen
Kontinenten schätzt man für Afrika 2,6 Millionen, für Europa 1,47 Millionen, für
Nordamerika 1,44 Millionen für Südamerika 770 000 und für Australien 420 000 Hindus.
Die Prozentsätze für die Kontinente außer in Asien scheinen klein, aber in manchen Staaten
sind die Prozentsätze ihres Anteiles an der Gesamtbevölkerung zweistellig. So ist in der
Republik Mauritius im Indischen Ozean die Hälfte der 1,25 Millionen Einwohner
hinduistisch, auf den Fidschi-Inseln sind es 32 Prozent, auf Trinidad und Tobago 23 Prozent
und im südamerikanischen Surinam 20 Prozent.
Auch in Deutschland ist der Hinduismus präsent. 1985 wurde in Berlin im Bezirk Moabit ein
Hindu-Tempel eingeweiht, im Jahre 1988 ein weiterer in Kreuzberg. Andere Tempel stehen
in Hamburg und in anderen Städten. Die Ausländerbeauftragte des Berliner Senats führt
unter dem Titel „Einheit in der Vielfalt“ in einem interreligiösen Kalender auch die
hinduistischen Feste auf wie das Wintersonnenwendfest, den Geburtstag vom Rama und
Feiertage wie die des Gottes Jaganatha oder des elefantenköpfigen Gottes Ganesh.
Da das Kastenwesen des Hinduismus als System gesellschaftlicher Kategorie die Religion
nachhaltig prägte, hatte der Hinduismus in der Geschichte kaum klassische
Missionstätigkeit. Der Einzelne wurde und wird in seine Kaste hineingeboren, die seine
soziale Stellung, seine Berufswahl, ja die Wahl seines Ehepartners beeinflusst.
Da der Hinduismus keine einheitliche Religion darstellt, ist die Gesellschaftsordnung das
einigende Band. „Hindu ist nicht jemand, der an bestimmte Lehren glaubt, sondern jemand,
der einer von den Hindus anerkannten Kaste angehört“, schreibt der
Religionswissenschaftler Helmut von Glasenapp. „Dieser Umstand ist Grund dafür, das s der
Hinduismus keine missionierende Religion ist wie Christentum, Islam und Buddhismus. Da
ein Individuum nur von Geburt an einer bestimmten Kaste angehören, nicht aber in diese
aufgenommen werden kann, können keine Einzelpersonen in den Hinduismus eintreten.“
Obwohl das Kastenwesen durch die indische Verfassung offiziell abgeschafft wurde, ist es in
vielen Regionen noch weitgehend präsent. Schon seit dem 19. Jahrhundert gab es Versuche,
das Kastenwesen zu überwinden, und es entstanden neue synkretistische Formen des
Hinduismus, die auch im Westen Zulauf fanden, wie zum Beispiel die Lehre des Sri
Aurobindo, der einen integralen Yoga verkündete, oder die Divine Light Mission des Sri
Maharaj Ji, die an ein Bedürfnis nach innerer Erleuchtung anknüpft.
Die Krishna-Bewegung steht ebenfalls in dieser hinduistischen Tradition, die wie die
Transzendentale Meditation auch in Europa Anhänger findet.
Hauptlehren sind die des Karma-Gesetzes und der Wiedergeburt. Die Hauptströmungen des
Hinduismus sind nach den hinduistischen Göttern Vishna und Shiva benannt und zeigen
verschiedene Wege der Erlösung auf. Die Anhänger Vishnas sehen ihn nicht nur als größten,
sondern manchmal als einzigen Gott; im Shivaismus hat Shiva die Rolle eines höchsten
Wesens. Sonderformen sind der Tantrismus als eine spirituelle Strömung, die den Zugang zu
Gott und zum eigenen Ich als Ziel hat.
Zwar sind die höchsten Ziele eines Hindu hehr: er will seine individuelle Seele mit der
Weltenseele (dem Brahman) überschmelzen. Hauptritual ist die Verehrung von
Götterbildern in Tempeln und zuhause durch Gebet, Opfer, Wallfahrten und Meditation,
auch durch Waschungen in heiligen Flüssen.
Lange hat der Westen die spirituellen Übungen der Hindus bewundert, auch die geistlichen
Lehrer, die Gurus, und ihre geistige und körperliche Praxis der Versenkung (Yoga), durch die
der Gläubige Einblick in die ewige Natur der Seele bekommen soll. Aber schon in
vergangenen Jahrhunderten erschrak man über Praktiken wie die Witwenverbrennung und
bei der Teilung Indiens nach dem Abzug der Engländer wurde die Welt durch die Brutalität
und Grausamkeit hinduistischer Fanatiker bei Massenmorden an Muslimen schockiert.
Seit einigen Jahren führt ein neu geweckter hinduistischer Fundamentalismus in manchen
Republiken der Indischen Union sogar zu Christenverfolgungen mit gezielten Morden an
Christen, mit dem Niederbrennen von Kirchen und Vergewaltigungen von christlichen
Mädchen in vielen Teilen des Landes, nachzulesen in der neuesten Dokumentation des
Hilfswerks KIRCHE IN NOT mit dem Titel „Religionsfreiheit weltweit“.
Prof. Dr. Rudolf Grulich
Aktuell:
Beim 6. Pater-Werenfried-Jahresgedenken in Köln sprechen Nuntius Jean-Claude Perisset,
Kardinal Joachim Meisner und Kardinal Oswald Gracias aus Bombay. Zum 6. PaterWerenfried-Jahresgedenken in Köln erwartet das weltweite katholische Hilfswerk "Kirche in
Not" am Samstag, 24. Januar 2009, wieder viele Freunde aus ganz Deutschland. Wie das
Hilfswerk in München mitteilt, begeht das Werk diesmal besonders seine vor 25 Jahren
erfolgte Erhebung zur "Gesamtkirchlichen Vereinigung päpstlichen Rechts". Die Festrede hält
der Botschafter des Papstes in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Perisset. Der
Begegnungstag beginnt den Angaben zufolge um 11 Uhr mit einer von Kardinal Joachim
Meisner zelebrierten Heiligen Messe im Kölner Dom. Nach einem Mittagsimbiss im
nahegelegenen Maternushaus der Erzdiözese Köln geht es dann ab 13.15 Uhr vor allem um
das Verhältnis vom Christentum zu östlichen Spiritualitäten. Der Erzbischof von Bombay,
Kardinal Oswald Gracias, spricht über "Indische Kultur und christlicher Glaube". Vor fünfzig
Jahren hatte der Gründer von "Kirche in Not", Pater Werenfried van Straaten, in Indien nach
Darstellung des Werkes Mutter Teresa getroffen und ihre Arbeit im Westen bekannt gemacht.
Paul Williams, der in Bristol indische und tibetische Philosophie lehrt, berichtet im Gespräch
über seinen weltweit Aufsehen erregenden Weg vom Buddhisten und Übersetzer von Texten
des Dalai Lama zur Katholischen Kirche. Die Veranstaltung endet gegen 16 Uhr. "Kirche in
Not" bittet für die Nachmittagsveranstaltung im Maternushaus um möglichst frühzeitige
Anmeldung unter: Telefon 0 89 / 7 60 70 55, Fax 0 89 / 7 69 62 62 oder [email protected]
Link:
http://www.kath-info.de/hinduismus.html
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