jeder Mensch soll seine eigene Religion ausüben<

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>jeder Mensch soll seine eigene Religion ausüben<
Ramakrishna,
Reformer des Hinduismus 19. Jahrhundert
Religiöse Bestseller sind äußerst umfangreich. Der Koran, der nur ein Viertel des Umfangs der HS
(Heilige Schrift-Bibel) hat, bildet dabei eine Ausnahme. Eine Sammlung hinduistischer heiliger
Werke allein —die Samhitas— enthält schätzungsweise über eine Million Strophen. Die King-James-HS
(Heilige Schrift-Bibel) hat dagegen nur 31 173 Verse. Und im Vergleich zu den 773 746 Wörtern,
die sie enthält, hat der Babylonische Talmud rund 2,5 Millionen. Der chinesische buddhistische
Kanon ist noch umfangreicher; er umfasst, wie man sagt, nahezu hunderttausend Druckseiten. Die HS
und der Koran gehören zu den religiösen Bestsellern.
Hinduismus: Steht für Toleranz
TOLERANZ gilt allgemein als eine Tugend. In jedem Fall wird damit treffend die riesige
Weltreligion des Hinduismus beschrieben. Im Jahre 1985 bekannte sich, wie verlautet, 13,5 Prozent
der Weltbevölkerung, das heißt rund 650 000 000 Menschen, zum Hinduismus. Er ist als komplexe
nationale Religion mit vielen verschiedenen Zügen oder einfach als Sammelbezeichnung der
Religionen Indiens definiert worden. Die New Encyclopedia Britannica macht den Sachverhalt auch
nicht klarer, wenn sie einräumt: Jeder Versuch, den Hinduismus genau zu definieren, erweist sich
in irgendeiner Hinsicht als unbefriedigend, und das umso mehr, als die besten indischen
Gelehrten, darunter auch Hindus, auf verschiedene Aspekte des Ganzen Nachdruck legen. Der
Hinduismus ist jedenfalls eine alte Religion. Er hat seinen Ursprung im Industal, heute Pakistan.
Um 1500 vuZ wanderten die Indoarier in diese Gegend ein. Da sie bestimmte Werke mit heiligem
Wissen (veda) in Verbindung brachten, wird ihre Religion als Vedismus bezeichnet. Sie enthielt
gewisse Elemente aus der Religion der Vorfahren der heutigen Iraner. Gemäß der Encyclopedia of
Religion and Ethics besteht sogar die Möglichkeit, das babylonischer Einfluss mitwirkte, denn sie
spricht von verschiedenen Verbindungslinien zwischen der babylonischen und der frühen
hinduistischen Kultur. Die Religion der Urbevölkerung baute sich auf diesen fremden Elementen
auf, wobei unter dem Einfluss anderer Religionen im Laufe der Jahre neue Glaubensansichten
hinzukamen und andere wegfielen. Somit ist der Hinduismus das Ergebnis fortlaufender
Hinzufügungen zahlreicher Elemente aus vielen Quellen.
Die Indoarier legten die Grundlage für das hinduistische Kastensystem. Zu den vier ursprünglichen
Kasten kamen immer mehr hinzu, so dass es später mehrere tausend Unterkasten gab. Die vier Kasten
gehen angeblich auf die verschiedenen Körperteile von purusa zurück — Sanskrit für Person oder
Mensch mit Bezug auf den Urvater der Menschheit.
Die Brahmanen, die aus seinem Mund hervorgegangen sein sollen, waren geistliche Führer;
die aus seinen Armen hervorgegangenen
Kschatrijas waren Herrschende und Krieger; die
Waischjas, die von seinen Schenkeln stammten, waren
Bauern, Handwerker und Händler; und die aus seinen Füßen hervorgegangenen
Schudras waren Knechte. Die
Unberührbaren waren Kastenlose, deren Tätigkeitsbereich rituell unreine Handlungen
einschloss. Obwohl Indien und Pakistan die schlimmsten Auswüchse des hinduistischen Kastensystems
abschafften, besteht es im Wesentlichen fort.
Eine Zeitlang waren Tieropfer ein wichtiger Bestandteil der Rituale, so das eine Priesterschaft
für die damit verbundenen Zeremonien erforderlich war. Die Brahmanen erhielten so große Macht,
dass ein Zweig der Religion als Brahmanismus bekannt wurde. Die Priester wurden mehr gefürchtet
und geehrt als die Götter, sagt T. W. Organ, da die Priester durch eine bloße Änderung des
Rituals Feinde vernichten konnten. Während die Opferriten komplizierter wurden, setzte eine
Entwicklung ein, die die Askese oder Abtötung der Begierden betonte.
© LCF______2015
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