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4R7775E
11. Jahrg., Heft 1O, Oktober 1970
Physikalische
Medizin und
Rehabilitation
Inhaltsverzeichnis
Kongresse anderer
Gesellschaften
Heilbäderund Kurorte berichten
Wissenswertes für den Leser .
K. Zicha, Die aktive Bewegungstherapie bei Spondyl
arthritis ankylopoetica . . .
G. Köhler, Typische Sportunfallverletzungen beim Lauf,
Hoch-, Weit-, Drei- und Stabhochsprung
W. Preusser, Manuelle Therapie rheumatischer Erkrankungen
Theo-Heptylon in der Therapie der hypotonen Kreislaufstörung unter NeuroleptikaBehandlung
gegen Alterserkrankungen
GERIATRICUM-SCH WARZHAUPT
lurch
sinnvolle
Orale Procain-Therapie
Katalysator-Haematoporphyrin-Kombination
ei allgemeiner Erschöpfung, Ermattung, Depression, Konzentrations- und Geächtnisschwäche, Altersbeschwerden, Altersdemenz, Arteriosklerose, Arthritis,
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Literatur und Muster auf Anfrage - Nicht allgemein kassenüblich
II
Hl
IV
197
200
203
206
K. A. Rosenkranz, Neuere Erkenntnisse bei der Therapie
von Herzrhythmusstörungen . 207
M. Marshall, Indikationen, Kontraindikationen und Dosierung
der ß-Rezeptorenblocker
. . 213
Intensain
Card-Instenon®
H.-F. Voss, Rocain-Therapie
zur Revitalisierung
. . . .
M. Heide, Untersuchungen zur
Wirksamkeit
balneotherapeutischer Anwendungen innerhalb einer Kneippkur . . . .
214
216
Referate
221
Buchbesprechungen
217
218
. . . . 221
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Kongresse anderer Gesellschaften
XIV. BADEN-BADENER HERBSTTAGUNG
FÜR BALNEOLOGIE
UND PHYSIKALISCHE THERAPIE
vom 21. bis 24. Oktober 1970
PROGRAMM
Mittwoch, 21. Oktober 1970
ab 15 Uhr Besichtigung des Friedrichsbades und des
Staatlichen Rheumakrankenhauses „Landesbad"
Donnerstag, 22. Oktober 1970, 9-12.30 Uhr:
Begrüßung der Teilnehmer durch Kurdirektor
Dr. Meier to Bernd und Dr. med. W. Hess.
Vorsitzender: Dr. med. W. Hess
Grundsatzreferate:
Prof. Dr. K. Lange Andersen, Oslo
„Physilogische Aspekte bei Anpassung an körperliches
Training"
Prof. Dr. K. Golenhofen, Marburg
„Neuere Aspekte zur Thermoregutation"
Prof. Dr. H. Drexel, München
„Grundlagen der Thermotherapie"
Anschließend Diskussion
Freitag, 23. Oktober 1970
Vorsitzender: Priv.-Doz. Dr. M. Franke
Hauptthema:
Notfallsituationen am Kurort
Prof. Dr. H. H. Marx, Stuttgart:
„Moderne Asthma-Therapie"
Prof. Dr. H. Sauer, Bad Oeynhausen:
„Erkennung und Behandlung von Stoffwechselentgleisungen bei Diabetes mellitus"
Priv.-Doz. Dr. F. Dürr, Tübingen:
„Die Schocktherapie"
Priv.-Doz. Dr. D. Voss, Marburg:
„Die Streptokinasebehandlung des Myokardinfarktes"
Anschließend Diskussion
Samstag, 24. Oktober 1970
Vorsitzender: Dr. L. Albert
Hauptthema:
Spezielle Themen der physikalischen Medizin
Prof. Dr. W. Dölle, Marburg:
„Grundlagen der Pharmakotherapie bei Lebererkrankungen"
Dr. W. Boecker, Bad Mergentheim:
„Die balneo-physikalische Behandlung von Lebererkrankungen"
Prof. Dr. F. H. Franken, Wuppertal:
„Die Grundlagen der diätetischen Behandlung bei
Lebererkrankungen "
Priv.-Doz. Dr. H. P. Harlfinger, Wehnen (Oldenburg):
„Bewegungstherapie mit psychisch Kranken"
Anschließend Diskussion
Tagungsort:
Kongreßhaus Baden-Baden
Anmeldung:
Geschäftsstelle des Fortbildungskurses:
Bäder- und Kurverwaltung Kongreßabteilung
757 Baden-Baden, Augustaplatz 8
Teilnehmerkarten:
durch die Geschäftsstelle und am Eingang des
Saales, Preis 25,— DM
Unterkunft:
Zimmerbestellung durch die Kurdirektion,
757 Baden- Baden, Augustaplatz 8,
Telefon (07221) 275227
Kongreß
über Tabakgefahren und Nichtraucherschutz
30. und 31. Oktober 1970 im Kneipp-Heilbad
Laasphe/Sauerland
In enger Zusammenarbeit mit seinem Wissenschaftlichen
Beirat ist der Kneipp-Bund e. V. in den letzten Monaten
mit 2 Publikationen „Manifest Nichtraucherschutz" und
Flugblatt zum gleichen Thema an die Öffentlichkeit getreten.
Auf Grund der Resonanz, die die Aktivität des KneippBundes auf diesem Gebiete bei gleichgesinnten Verbänden,
Vereinen und Einzelpersonen gefunden hat, findet am
30. und 31. Oktober 1970 im Kneipp-Heilbad
Laasphe im Sauerland
ein Kongreß über
„Tabakgefahren und Nichtraucherschutz"
statt.
Die älteste Herzsalbe,
aber allen neuzeitlichen Forderungen entsprechend
O. P. Tube zu 30 g
Namhafte Fachleute, u. a.
Prof. Dr. Dres. h. c. Haüermann, Kiel, Prof. Dr. Oettel,
Ludwigshafen, Prof. Dr. Matzker, Köln, Landesmedizinaldirektor Dr. Mensen, Bad Rothenfelde, Dozent Dr. Portheine, Nordhom
werden sich in Referaten zu verschiedenen Aspekten des
Themenkreises äußern.
Im Rahmen eines Podiumgespräches, zu dem sich Kliniker,
Praktiker, Politiker, Journalisten und Pädagogen bereit
gefunden haben, wird allen Tsilnehmern Gelegenheit zu
Dtekussionsbemerkungen und Fragestellungen gegeben.
Das Programm kann in gewünschter Zahl angefordert werden. Anfragen und Anmeldungen erbittet der
KNEIPP-BUND e. V.
Geschäftsstelle
3 Hannover
Am Karl-Peters-Platz 17, Telefon (0511) 884fi4Q
Heilbäder und Kurorte berichten
Hoütoffektionen
Ultus ventricuU e t o ^
Neues Bewegungsbad in Bad Driburg
Im Zuge der Erweiterung der Kureinrichtungen in Bad Driburg wird ein neues Bewegungsbad gebaut. Dazu kommen Sauna und Einrichtungen für komplette Kneipp-Anwendungen. In Bad Driburg hofft man, im Frühjahr 1971 alles
betriebsfertig zu haben.
- DBV Bad Nenndorf erhält ein Thermal-Sole-Hallenbad
Nach umfangreichen Vorplanungen erhält jetzt auch Bad
Nenndorf ein Thermal-Sole-Hallenbad. Damit werden die
therapeutischen Anlagen dieses niedersächsischen Staatsbades wiederum wesentlich erweitert. Die Anlage in zeitgemäßer Wabenbauweise mit einem 240 qm großen
Schwimmbecken sowie mit Gymnastik- und Massageräumen, mit Liegehalle und -terrasse fügt sich harmonisch in
die unmittelbar an den Kurpark angrenzende Umgebung
ein.
- DBV Bad Rothenfelde baut ein Sole-Hallenwellenbad
In Bad Rothenfelde entsteht ein Sole-Hallenwellenbad, das
neben dem Schwimmbecken in neuartiger Form eine Sauna,
Bewegungsräume, Liegeterrassen, einen Sole-Trinkbrunnen
und eine Milchbar enthalten wird.
Das neue Bad dient ausschließlich der Bewegungstherapie
und damit dem Kurgast zur vorbeugenden Gesunderhaltung
und aktiven Genesung.
- DBV -
Kurgäste im Test
Bad Reichenhall will sich während der Hauptsaison 1970
testen lassen — durch die Kurgäste, die auf einem speziell entwickelten Testbogen verschiedene Fragen zu beantworten haben. Erbringen soll die hauseigene Demoskopie der Kurverwaltung vor allem genaue Zahlen über
den Altersaufbau der Kurgäste. Es wird vermutet, daß sich
in den letzten Jahren die Altersstruktur der Gäste Bad
Reichenhalls verschoben hat. In den Test einbezogen wird
die Inanspruchnahme der Kureinrichtungen und die Kurgewohnheiten der Bad Reichenhaller Kurgäste, wovon
wiederum die Gestaltung der verschiedenen Kurprogramme abhängen wird. Gefragt wird unter anderem auch
danach, ob überhaupt und wieviel der Kurgast wandert,
welche sonstigen bewegungstherapeutischen Möglichkeiten er wahrnimmt, ob Kurkonzerte, Theateraufführungen
oder Modeschauen besucht werden und ob Unterhaltungsveranstaltungen der leichten Muse beliebt sind.
„Wie machen Sie Kur?" — auch das interessiert die KurDemoskopen: mit oder ohne ärztliche Betreuung, täglicher Brunnenpromenade und Bädern oder nur prophylaktisch mit viel Ruhe und Bewegung in frischer Luft?
Bestellschein
Schrifttum und Muster von „Placenta-Suspensata"
und „Placenta-Colloidale" erbeten.
Persönliche Unterschrift und Stempel des Arztes
SCH1/VARZHAUP
Phys
Schließlich wird danach gefragt, warum sich der Kurgast
für Bad Reichenhall entschieden hat (auf Empfehlung von
Bekannten, Ärzten oder Reisebüros oder durch Zeitungsartikel und Inserate) und wie er nach Bad ReichenhaU
gekommen ist (per Bahn oder mit dem eigenen Wagen) 9
DBV
Dr. H. Woltereck
Heilklima und Klimakuren
Die Gesundheit des Menschen wird weitgehend vom Klima
mitbestimmt, das als Folge physikalischer Vorgange, die
von der Sonnenbestrahlung der Erde in der Atmosphäre
in Gang gesetzt werden, entsteht
Schon von alters her suchten gesunde und kranke Menschen Erholung in Heilbadern und heilklimatischen Kurorten. Bei den klimatischen Kuren bedient man sich der
Umstimmungen der Körperfunktionen. Sie können bei richtiger Anwendung zur Erholung und Heilung sowie zur
Wiederherstellung der natürlichen Abwehrkraite fuhren.
Dabei kommt dem Arzt die Aufgabe zu, durch das Dosieren der in Frage kommenden Kurmittel die Reaktion auf
die wirksamste Stärke abzustimmen. Ob das nun durch
Ernährungskuren, Naturheilverfahren oder andere Metthoden geschieht, ist zunächst eine Frage zweiter Bedeutung. Wenn ein Mensch erholungsbedürftig geworden ist,
schlecht schläft, an Appetitlosigkeit leidet und auch sonst
„nicht in Ordnung" ist, sollte nicht eine Kur in Betracht
gezogen werden, die sich nur nach den Symptomen wie
Schlaflosigkeit usw. richtet. Wichtiger sind in diesem Fall
klimatherapeutische Maßnahmen, bei denen vor allem die
psychische Ansprechbarkeit berücksichtigt wird. Die Heilmittel des Bodens, des Klimas und der Landschaft, wie
sie in den vom Deutschen Baderverband herausgegebenen
„Grundsätzen für eine zeitgemäße Behandlung in den Heilbädern und Kurorten" zusammengefaßt sind, wirken auf
das psychische Verhalten und von dort auf die körperlichen Funktionen. Doch auf welche Weise wirken die verschiedenen Klimakuren'?
Wegen der durch die Industrialisierung zunehmenden Luftverschmutzung bietet das Klima am Meer und im Hochgebirge ein immer bedeutsameres Heilklima. Im Fall des
Seeklimas sind für uns vornehmlich das Klima der Nordund Ostsee zu nennen. Das Seeklima ist an sich schon
ein starkes Heilklima, dessen Anwendung allerdings für
geschwächte oder kranke Patienten auf jeden Fall der
ärztlichen Kontrolle bedarf. Es wird durch warme und kalte
Seebäder, Anwendungen des Meeresschlickes, des Wattenlaufens usw. unterstutzt Ein weiterer Faktor ist der
Wind, besonders der aus Richtung des Meeres wehende
Seewind, der dem Land staubfreie und salzhaltige Seeluft
zuführt Hinzu kommt der Reichtum an Ultraviolettstrahlung
und das ständig wechselnde Bild von Meer, Himmel und
Landschaft.
Das Nordseeklima ist ein erheblich stärkeres „Reizmittel"
als das der Ostsee. Der Salzgehalt des Meeres und damit
der Luft ist stärker, und es fehlen die schützenden Walder An der Ostsee ist die starke Brandung seltener, daher
verringert sich der Hautreiz entsprechend Auch tritt das
Schwimmen hier mehr in den Vordergrund. Das Seeklima
besitzt ausgezeichnete Heilfaktoren bei Erkrankungen der
Luftwege, allergischen Leiden, z. B. Heufieber und manchen Hautkrankheiten. Heilkuren an der See steigern den
Appetit, bewirken eine bessere Durchblutung und haben
einen günstigen Einfluß auf den Blutdruck und nervöse
Herzleiden
Kuren im Höhenklima haben sich bei vielen Krankheiten
ausgezeichnet bewahrt. Vom heilklimatischen Standpunkt
aus ist der wichtigste Faktor des Höhenklimas der mit
zunehmender Hohe abnehmende Sauerstoffteildruck. Er
fuhrt dazu, daß die Atmung vertieft und vermehrt wird.
Nach einiger Zeit nimmt auch die Zahl der roten Blutkörperchen zu. Die Intensität der Ultraviolettstrahlung ist
im Winter 3—4mal, im Sommer 1— 2mal so stark wie im
Tiefland. Dadurch wird die Bräunung der Haut beschleunigt. Ebenso sind Abkuhlungsgroßen — bedingt durch
Wind und thermischen Tagesgang — starke Reizfaktoren
Als Entlastungsfaktoren gelten fehlende Schwule und geringer Luftdruck. Die Trockenheit der reinen Gebirgsluft
bewirkt eine Abnahme der Hautverdunstung, wodurch sich
die Wasserdampfabgabe durch die Lunge vermehrt. Leiden
wie akuter und chronischer Bronchialkatarrh bessern sich
daher oft wesentlich. Hohenklimakuren sind auch bei
Bronchialasthma, Heufieber und Blutarmut angezeigt.
Der heilklimatische Wert von Mittelgebirge und Tiefland
ist nach anderen Gesichtspunkten zu werten. Hier muß man
den einzelnen Ort in seiner Höhenlage, seinen meteorologischen und heilklimatischen Bedingungen beurteilen Das
Mittelgebirge bietet hinsichtlich der Strahlungsverhaltnisse
ein mildes Reizklima und hinsichtlich der Abkühlungsgröße häufig ein Schonklima. Ihm fehlen spezifische und
starke Reize. Die hier anzutreffenden klimatischen Verhältnisse eignen sich gut zur Behandlung der Lungentuberkulose. In ihrer Konstitution geschwächte Kinder genesen häufig schneller im unspezifischen Klima von
Flachland und Mittelgebirge als in dem an Reizelementen
reichen Seeklima. Dasselbe gilt sowohl für bereits Genesende als auch für abgearbeitete oder an Schlaflosigkeit leidende Menschen Auch Herz- und Gefäßkranke erholen sich in Hohen bis zu 800 m gut.
Die Heilbäder und Kurorte in der Bundesrepublik Deutschland liegen in den verschiedenartigsten Klimagebieten von
der Meeresküste über das Flachland und die Mittelgebirge
bis zum Alpenland. Sie alle bieten für kranke und erholungsbedürftige Menschen zahlreiche Kurmoglichkeiten
DBV
Paracelsius-Preis 1970/71
Stiftung Franz Mauermann
Herr Franz Mauermann, Inhaber der Firma MauermannArzneimittel, Pockmg/Obb., hat eine Stiftung für die Verleihung des Paracelsus-Preises 1970/71 zu Händen der
Internationalen Paracelsus-Gesellschaft zu Salzburg errichtet
Zweck der Stiftung des Preises ist es, zur Beschäftigung
mit den Werken des Theophrastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, anzuregen und zwar sowohl in historischer Beziehung als auch in Beziehung auf die gegenwartige Pharmakognose und Medizin. So soll durch die
eingereichten Arbeiten auch die Phytotherapie gefördert
und zur Beschäftigung mit ihr angeregt werden
Der zur Vergabe gelangende Paracelsus-Preis staffelt sich
wie folgt
I. Preis
3000,- DM
II. Preis
2000,- DM
III Preis
1000,— DM
Die Themenstellung erfolgt durch einen Ausschuß, der aucn
die Bewertung der eingereichten Arbeiten vornimmt. Ihm
gehören an
1 Prof Dr. Kurt Goldammer, Marburg, derzeit Präsident
der Internationalen Paracelsus-Gesellschaft (IPG)
(SlCh)x MonOkriStall-FMter-QuarZ, 80 Kornstufen 0 ... 50 mm 0,
über 25 °/o offene Filterflache für Feinfilter, Speisewasser, Bader,
Betriebswasser, dichte Mischungen für verschleißfeste Estriche, Ablaufe, Bunker, Strahlmittel für Großflachen und Anstriche, Buntsand
für Dekorputz u Fullspachtel — Schrift 5ß - Tx 63857 - Tel. {09622)342
Valentin BUSCH KG Quarzwerk, D-8454 Schnaittenbach, Postfach 28
2. Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Braunschweig, derzeit
Präsident der Internationalen Gesellschaft für Geschichte
der Pharmazie (!GGP)
3. Priv.-Dozent Dr. med. habil. Hans Btaun, München
4. Dr. Adolf Martinek, Innsbruck, Institut für Pharmakognosie
5. Fabrikant Franz Mauermann, Pöcking/Obb., als Stifter
Das Thema für den Paracelsus-Preis 1970 lautet:
Der Herbarius des Paracelsus.
Quelle hierzu:
Sudhoff, Karl: Theophrast von Hohenheim, genannt Paracelsus, Sämtl. Werke, Abt. I (Medizinische, naturwissenschaftliche und philosophische Schriften) Band II, Seiten
3-58.
Die eingehende Behandlung mindestens einer Heilpflanze
aus dem Herbarius ist erforderlich.
Die Arbeiten dürfen noch nicht veröffentlicht sein und bis
zur Preisverleihung nicht veröffentlicht werden.
Die Arbeiten müssen bis zum 1. Juli 1971 an das Generalsekretariat der Internationalen Paracelsus-Gesellschaft,
A-5020 Salzburg, Rathaus, !. Stock, z. Hd. von Prof. Dr.
S. Domandl, eingereicht sein. Die Arbeiten sind in dreifacher Ausfertigung vorzulegen. Die Bewertung der eingereichten Arbeiten nimmt der oben genannte Ausschuß vor.
Die Verteilung der Preise erfolgt unter Ausschluß des
Rechtsweges. Die offizielle Bekanntgabe der Preisträger
und die Überreichung der Preise für 1970/71 soll beim
Paracelsus-Kongreß im September 1971 erfolgen. Die mit
dem I. Preis ausgezeichnete Arbeit wird in der Reihe
„Salzburger Beiträge zur Paracelsus-Forschung" publiziert,
falls nicht gewichtige Gründe für eine Publizierung an
anderer Stelle sprechen. Die Publikation der übrigen PreisArbeiten soll im Einvernehmen mit der IPG erfolgen.
Internationale Paracelsus-Gesellschaft
Der Generalsekretär
Prof. Dr. S. Domandl
Gleichberechtigung in der Krebsvorsorge
Bayern will die kostenlose Prostata- und Mastdarmuntersuchung einführen
Noch immer kommt die Diagnose „Krebs im fortgeschrittenen Stadium" häufig einem Todesurteil gleich. Trotz der
gewaltigen Fortschritte der letzten Jahre muß auch heute
die Medizin vor dieser Krankheit meistens kapitulieren;
eine Heilung ist so gut wie ausgeschlossen. Mit Medikamenten läßt sich das Wachstum der Tumorzellen zwar verlangsamen, aber auch die gesunden Organe werden dabei
geschädigt. Und nicht selten bedeutet ein baldiger Tod für
die Kranken eine Erlösung.
Ein tragischer Trugschluß wäre es nun freilich, sich damit
abzufinden. Denn Krebs ist heute grundsätzlich heilbar,
allerdings nur, wenn er im Anfangsstadium entdeckt und
gleich konsequent behandelt wird. Diese Tatsache ist in
letzter Zeit so eindeutig belegt worden, daß nun die
14 Ersatzkassen für Angestellte und Arbeiter in der Bundesrepublik die Krebsvorsorgeuntersuchungen in ihren
Leistungskatalog aufnehmen wollen. Endlich — hört man
dazu von Seiten der Ärzteschaft, die jede Verschleppung
dieses Beschlusses als unverantwortlich ansieht.
Und zwar mit gutem Grunde: Schon seit mehreren Jahren
gibt es für Frauen einen Test, der den Gebärmutterkrebs
mit einer Treffsicherheit von über 90 Prozent aufdecken
kann.
Noch in diesem Jahr soll in Bayern in punkto Krebsvorsorge die Gleichberechtigung eingeführt werden. Arbeitsund Sozialminister Dr. Fritz Pirkl hat mit den Kassen Verhandlungen aufgenommen, um auch die Untersuchung auf
den Krebs der Vorsteherdrüse (Prostata) und des Mastdarmes beim Mann als Pflichtleistung der Kassen durchzusetzen. Er folgt damit einer Empfehlung der Bundesärzte-
kammer, die auf dem 72. Deutschen Ärztetag ausgearbeitet
wurde.
Der Leiter der Urologischen Universitätsklinik in Homburg/
Saar, Professor Alken, lieferte dazu überzeugendes Zahlenmaterial: „Erkrankungen der Vorsteherdrüse sind nach
Herz-Kreislaufschäden die häufigsten Erkrankungen des
älteren Mannes; jeder 5. Mann im Alter von 50 bis 70 Jahren muß mit einer Prostata-Vergrößerung rechnen, die medikamentös oder operativ behandelt werden muß; jeder
zehnte Mann zwischen 50 und 70 Jahren ist Träger eines
ruhenden Prostata-Krebses, der in einem hohen Prozentsatz aus der Ruhephase in ein bösartiges Wachstum übergehen kann; nach dem Lungenkrebs steht der Prostatakrebs an zweiter Stelle der Krebssterblichkeit des Mannes."
Auch der bayerische Arbeitsminister argumentierte mit der
Statistik: „Die Dringlichkeit dieser gesundheitspolitischen
Maßnahme geht daraus hervor, daß allein in Bayern jährlich über 900 Männer an einem Krebs der Vorsteherdrüse
und über 650 an Mastdarmkrebs sterben. Vieler dieser
Männer könnten vor diesem Schicksal bewahrt werden,
wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt und damit ein Weg
zu einer optimalen Behandlung geebnet würde. Schon beim
Auftreten der ersten Beschwerden kommt in den meisten
Fällen eine erfolgversprechende Therapie zu spät." Die
praktische Konsequenz: Kostenlose Krebsvorsorgeuntersuchung für alle Männer vom 50. Lebensjahr an. Freilich:
So naheliegend die Forderungen der Mediziner und auch
einzelner Politiker sind, für die gesetzlichen Krankenkassen scheinen noch erhebliche Bedenken zu bestehen, Bedenken finanzieller Art natürlich.
Bleibt als nur die Hoffnung, daß sich die Krankenkassen
möglichst schnell zur Übernahme der Kosten für die Krebstests entschließen.
Jochen AUMILLER
Zuckeraustauschstoffe für Diabetiker
Dr. med. Peter Hiron
(efg) „Nur Diät muß er essen". Das hört sich an, als sei es
kaum mehr als eine kleine Unbequemlichkeit. Für manchen
Betroffenen aber ist es eine arge Last, auch wenn er nicht
alle Tage davon spricht. Von 500 Diabetikern z. B., denen
der Arzt den Genuß von Zucker verbieten muß, gab die
große Mehrzahl, nämlich 416, bei einer Befragung an, daß
es ihnen doch sehr schwer fällt, ständig auf den Geschmack
„süß" zu verzichten.
Prof. Mehnert, München, der bei einem Nürnberger Symposium über „Bilanzierte Ernährung" dieses Befragungsergebnis erwähnte, fügte hinzu, daß dieser Verzicht für
den Zuckerkranken nicht unabänderlich sei, weil seine
Sehnsucht nach Süße durch Verwendung eines Süßstoffes
oder eines sog. Zuckeraustauschstoffes gestillt werden
kann. Zuckeraustauschstoffe (Fructose, Sorbit und — voraussichtlich demnächst im Handel erhältlich — Xylit)
schmecken wie Zucker, werden aber, im Gegensatz zum
„richtigen" Zucker, im Organismus unabhängig vom Insulin, an dessen Wirkung beim Diabetiker Mangel herrscht,
verwertet. Prof. Mehnert kam es bei diesem Thema vornehmlich darauf an, einen wesentlichen Unterschied zwischen Süßstoff und Zuckeraustauschstoff zu betonen: Der
Süßstoff kann halt nur süßen und sonst gar nichts. Ein
Zuckeraustauschstoff dagegen nährt zugleich. Er liefert
also Kalorien und darf deshalb vom Diabetiker nicht einfach
in beliebiger Menge zum Süßen seiner Speisen verwendet
werden. Der Patient — oder die liebende Hausfrau, die
seine Mahlzeiten diät-vorschriftsmäßig zubereitet — braucht
zwar einen Zuckeraustauschstoff nicht dort einzukalkulieren,
wo es um Brot- bzw. Zucker-Einheiten geht, die dem Patienten pro Tag erlaubt sind; die verwendete Menge des
Zuckeraustauschstoffes muß aber, ihrem Nährwert entsprechend, da berücksichtigt werden, wo der täglichen KalorienZufuhr Grenzen gesetzt sind. Sonst könnte es geschehen,
daß die Ernährung des Diabetikers, sozusagen aus Ver-
Sanatorium und
thoraxchirurgische Ktinik Wehrawald
der Bf A
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(nach Aufforderung) und Einstellungsreise
nach dem Bundesreisekostengesetz.
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Arzt des Sanatoriums und der thoraxchirurgischen
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Janke & Kunkel KG • 7813 Stauten i. Br. • Tel. (07633) 5294
sehen, zu kalorienreich ausfällt und er deshalb an Körpergewicht zunimmt. Und das sollte er ja auf jeden Fall vermeiden, hat ihm der Arzt gesagt.
Kneipp-Preis
Der Chef des Kneipp-Heilmittel-Werkes, Apotheker L. Leusser, hat einen mit 5000,— DM dotierten Preis für eine wertvolle wissenschaftliche Arbeit aus dem Gebiet der KneippTherapie gestiftet. Der Preis soll jährlich zur Verteilung
kommen.
Die Kneipp-Therapie umfaßt:
1. Hydro-Therapie
2. Bewegungs-Therapie
3. Phyto-Therapie
4. Diätetik
5. Ordnungs-Therapie
Es können in sich abgeschlossene Manuskripte oder auch
schon publizierte Arbeiten, die nicht älter als 2 Jahre sind,
in zweifacher Ausfertigung an das
KNEIPP-HEILMITTEL-WERK
87 Würzburg 2
Postfach 1172
eingereicht werden.
Einsendeschluß ist der 1. Februar 1971.
Die Preisverleihung findet erstmalig anläßlich des 150. Geburtstages von Sebastian Kneipp im Sommer 1971 in Bad
Wörishofen statt. Über die jährliche Zuteilung des Preises,
die außerhalb des Rechtsweges erfolgt, wird durch ©in
Gremium von Wissenschaftern entschieden, unter Führung
von:
Professor Dr. H. Drexel, Rieder-Institut der Universität,
München;
Professor Dr. E. Graf, Pharmazeutisches Institut der Universität Tübingen;
Dr. W. Brüggemann, Facharzt für innere Krankheiten;
Dozent Dr. Ammon, Pharmakologisches Institut Erlangen.
anabol-loges
Anabolicum auf Vitamin - E- Basis
20, 60, 100 Kapseln
Sehr verehrter Leser,
leider war es uns in diesem Jahr nicht mehr möglich, den seit Jahren bestehenden Abonnementspreis zu halten.
Die ständig steigenden Kosten im graphischen Gewerbe zwingen uns dazu, den Bezugspreis ab
1. Januar 1971 auf 48,— DM jährlich zu erhöhen.
Das Einzelheft kostet nunmehr 5,— DM.
Wir bitten Sie um Ihr Verständnis und hoffen, daß
wir Sie auch weiterhin beliefern dürfen.
Medizinisch Literarische Verlagsgesellschaft mbH
1
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hemmt Eiweißabbau
fördert die Durchblutung,
bei <x\\g. Oewebsschwäche,
insbes. Bandscheibenschaden
u„d Abnutzungserschemungen
11. Jahrgang
Heft 10
Oktober 1970
Schriitleitung: H. Haterkamp
Physikalische
Medizin und
Rehabilitation
Zeitschrift für allgemeine
und spezielle Medizin
Wissenschaftlicher Beirat:
K. Albrecht (Undenhelm) - H. Bialonski (Bad Godesberg) - N. Breidenbach (Stuttgart) - H. Fleischhacker (Wien) - K. Franke (Bad Lauterberg) — P. Frick (Mainz) — W. Groh (Bad Dürrheim) — H. G. Güttner (Dresden) — H. Harmsen (Hamburg) — R. G. Heyer (Nußdorf/Inn) — M.
Hochrein (Ludwigshafen/Rh.) — A. Hoff (Bad Wörishoien) - W. Huneke (Stuttgart) - K. H. Kahlert (Bad Salzuflen) - K. Kötschau (Schloßberg) H. Kolb (Wetzlar) — H. Krauss (Berlin-Buch) — W. Küster (Magdeburg) — H. Lampert (Bad Homburg) — R. v. Leitner (Berlin) — H. Mommsen
(Frankfurt/M.) — W. v. Nathusius (Hirzenhain/Oberhessen) - G. W. Parade (Neustadt/Weinstraße) — H. Paul (Linz) - A. Pischinger (Wien) H. P. Rusch (Frankfurt) — H. Seyfarth (Rostock) — W. Schauwecker (Bensheim) — E. G. Schenck (Aachen) — F. X. Schober (Münchberg) —
H. Schoeler (Karlsruhe) - H. Storck (Endbach) - H. Tiegel (Haibergmoos) - R. Voll (Plochingen) - H. F. Voss (Heidenheim/Brenz) - H. L.
Walb (Homburg) - R. F. Weiß (Marstetten-Aitrach) - Graf Wittgenstein (München) - Kh. Woeber (Aachen) — W. Zabel (Berchtesgaden).
Aus der Klinik für manuelle Therapie e. V., Hamm, Chefarzt Dr. med. Gutmann
Die aktive Bewegungstherapie bei Spondylarthritis ankylopoetica
Das objektive Symptom dieser Krankheit ist ein fortschreitender Verlust der Beweglichkeit der Wirbelsäule. Es gibt
hier nicht wie z. B. nach einer Verletzung des Bewegungssystems einen plötzlichen Verlust der Bewegungsfunktion.
Der Verlust der Beweglichkeit wird verursacht:
1. durch Schmerzen,
2. durch Reflex-Kontrakturen der Muskulatur,
3. durch anatomische Veränderungen {Kalzifikation der
Bänder, Ankylosen der Vertebral-Gelenke).
Für die Rehabilitation ist es wesentlich, bei der Aufstellung
des Rehabilitationsplanes zu berücksichtigen, welche der
oben genannten Ursachen den Bewegungsverlust hervorgerufen haben. Der Verlust der Beweglichkeit steht nicht
in direktem Zusammenhang mit der Veränderung im Röntgenbild. Er ist meist ausgeprägter, als es das Röntgenbild
zeigt, weil er in erster Linie durch die Kontrakturen auf
Grund entzündeter Gelenke, die im Röntgenbild noch normal erscheinen, verursacht wird.
Knöcherne Ankylosen und Bänder-Kalzifikationen bedeuten
die klinische Starre des betroffenen Segmentes. Diesen
Umstand muß der Therapeut stets in Betracht ziehen.
Bei der Spondylarthritis ankylopoetica haben sich Gruppenübungen bewährt. Eine Gruppe sollte nicht mehr als
6 bis 7 Patienten umfassen. Die Gruppe muß dem Stadium
und dem Entzündungsprozeß entsprechend zusammengesetzt sein.
Soweit es sich um ambulante Patienten handelt, sollten
sie alle 10 bis 14 Tage in Gruppen üben. Außerdem müssen
die Patienten zu Hause täglich individuelle Übungen
machen. Diese Übungen werden dem Patienten von den
Krankengymnasten nach dem jeweiligen individuellen Zustand verordnet und sollten während der Gruppenübungen
von Zeit zu Zeit überprüft werden.
Grundlegende Übungen bei Spondylarthritis ankylopoetica
sind:
1. Richtige Körperhaltung,
2. Atemübungen,
3. Durchübung der Wirbelsäule und der Hüft- und Schultergelenke.
Aus anatomischer und physiologischer Sicht legen wir kei-
nen Wert auf vollkommene Durchübung des gesamten Bewegungssystems. Es müssen auch nicht alle Bewegungsübungen in jeder Gruppenstunde wiederholt werden
(Gleichgewicht, Gewandtheit, Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer). Wir üben nicht alle Muskelgruppen gleichmäßig
durch, selbst wenn sie in das Übungsprogramm eingereiht
sind. Die Kurve der Anstrengung kann, entsprechend dem
Allgemeinzustand des einzelnen Patienten, steiler oder
flacher sein, sie kann rascher oder langsamer absinken.
Der Höhepunkt der Kurve kann in jedem Abschnitt der
Übungsstunde liegen, am Anfang oder sogar erst am
Schluß.
Die Gruppenübung ist in drei Abschnitte gegliedert:
1. Anstieg — Durchübung
Mit der Durchübung erfüllen wir hauptsächlich die Forderung nach allgemeiner Lockerung des Körpers. Die Übungen gehen von langsamerem in ein schnelleres Tempo
über, um die Atembreite zu vertiefen, denn am Anfang der
Behandlung werden wir meistens sehr bald eine Hyperventilation schon nach einigen Übungen feststellen.
Die Atemübungen müssen bei Spondylarthritis ankylopoetica-Kranken mehr das thorakale als das abdominale Gebiet beeinflussen. In jede Übungsstunde sollten mehrmals
Atemübungen eingeflochten werden. Die Patienten lernen
das Atmen in verschiedenen Lagen: liegend, sitzend, kniend
und auch stehend, in Ruhe, in Bewegung oder an Geräten.
2. Hauptteil - Höhepunkt
In den Hauptteil der Stunde fällt die Beachtung der Körperstatik. Die Statik ist ebenso wichtig, wenn nicht gar
wichtiger als die Mobilisation.
Das Liegen ist die Ausgangslage für die krankengymnastische Behandlung, da dadurch die größte Muskellockerung erreicht wird. Hier lernen die Patienten, durch Innervation einzelner Muskelgruppen eine falsche Haltung zu
korrigieren.
Es ist wesentlich, daß wir bereits im Anfangsstadium der
Erkrankung — auch wenn die Diagnose röntgenologisch
noch nicht nachweisbar, sondern nur klinisch feststellbar
ist — unsere volle Aufmerksamkeit vor aliem jenen Muskeln
widmen, die mit Sicherheit in Mitleidenschaft gezogen
werden, sobald sich die kinetischen und statischen Beziehungen der einzelnen Körperteile zueinander verändern. Wir
müssen diese Muskeln durch Übungen elastisch erhalten,
und zwar hauptsächlich entgegen der Richtung, in der die
statisch-dynamischen Einflüsse einwirken. Dies ähnelt z. B.
der Prävention von Kontrakturen bei einigen Nervenerkrankungen, nur daß wir bei der Spondylarthritis ankylopoetica
durch die entzündlich gereizten Gelenke die Situation komplizierter haben.
Es geht bei diesen Patienten nicht um Übung einzelner
Muskeln, sondern um die Mobilisation der Wirbelsäule, um
den Folgen der Krankheit entgegenzuwirken.
Wir lehnen selbst Springen nicht ab, auch wenn manche
Autoren wegen der nicht koordinierten Erschütterung der
Wirbelsäule dagegen sind. Die Patienten müssen lernen,
ihre Füße durch Federung im Sprung-, Knie- und Hüftgelenk gelenkig abzuheben. Sie müssen weiterhin lernen,
sich vor den Folgen unverhoffter, heftiger Bewegungen im
alltäglichen Leben zu bewahren.
Günstig ist beim Oben das breitbeinige Stehen. Es fixiert
das Becken und verhindert dadurch die Substitution der
Wirbelsäule durch Bewegungen in den Hüftgelenken.
3. Beruhigung — Entspannung
Am Ende der Übungsstunde ist möglichst ein Wettspiel
anzusetzen, um die Stimmung zu heben und die Vorfreude
auf die nächste Stunde zu erhöhen.
In den Mittelteil der Stunde legen wir die anstrengendsten
und kompliziertesten Übungen. Bei einer Übungszeit von
45 Minuten rechnen wir für jeden Abschnitt ca. 10 Minuten,
für den Hauptteil 25 Minuten, für die Entspannung wieder
10 Minuten. Bei kürzerer Übungszeit sind auch die einzelnen Abschnitte kürzer.
Einige von den bewährtesten Übungen:
Im Stand mit Stab
O
/IN
n
II
Stab mit gestreckten Armen
hinter dem Körper halten;
Arme langsam heben, dabei
durch die Nase einatmen,
Arme fallen lassen, gleichzeitig tief durch den Mund ausatmen (Rumpf bei der Übung
nicht beugen).
Stab in Rumpfbeuge mit gestreckten
Armen halten; Rumpf nach rechts drehen und mit dem Stab die rechte Fußspitze berühren, dann die gleiche Übung
nach links ausführen.
Im Stand ohne Stab
Beine leicht gespreizt, beide Arme
seitlich in Schulterhöhe gestreckt;
dreimal so weit wie möglich nach
hinten federn, dann über Kreuz
nach vorn, wieder nach hinten und
so fort.
M
Beine leicht gespreizt, rechter Arm in
Schulterhöhe nach rechts gestreckt, linker Arm vor der Brust nach rechts gestreckt, so daß beide Arme parallel
stehen. Beide Arme gestreckt nach
links schwingen, dabei den Rumpf nur
von der Taille ab drehen; das Becken bleibt unbeweglich.
II
o
Füße leicht gespreizt, Fingerspitzen auf
Schultergelenke legen, Ellenbogen in
Schulterhöhe; Ellenbogen nach vorne
und hinten kreisen.
Stab mit beiden Händen
fassen; Stab mit gestreckten Armen bis über den
Kopf heben, dabei einatmen; Stab langsam senken, dabei langsam und
tief durch den Mund ausatmen.
\1
II
Stab mit gestreckten Armen über dem Kopf halten; Seitneigung nach beiden Seiten.
MW
Stab mit gestreckten Armen über dem Kopf halten; beide Ellenbogen senken, so daß der Stab die
Schulterblätter berührt.
Stab mit gestreckten Armen über dem
Kopf halten, dann Rumpfkreisen in
größtmöglichem Radius.
r\
Beine leicht gespreizt, Arme seitlich in
Schulterhöhe; Rumpf vorbeugen, Rotation des Rumpfes nach links und rechts
so weit wie möglich.
I)
Beine gespreizt, Rumpf leicht nach vorn gebeugt, Arme hängen entspannt; Rumpf nach
unten federn, Arme dabei leicht kreisen las-
Beine leicht gespreizt, Arme
über dem Kopf gestreckt, die
Fingerspitzen sind ineinandergelegt; Fingerspitzen zur rechten
Fußspitze führen, dabei durch
den Mund ausatmen, in Ausgangsstellung zurückgehen, dabei durch die Nase einatmen; die gleiche Übung nach
links wiederholen.
Rückenlage
Im Knien
Beide Arme über dem Kopf
gestreckt, Füße geschlossen;
gleichzeitig Arme und Beine
heben, bis sie sich berühren.
Beide Arme gestreckt über
dem Kopf zusammenführen;
Fingerspitzen
verflechten;
nach links und rechts seitneigen.
Hände auf die Beckenknochen
stützen, wechselnd seitneigen,
dabei beim Abwärtsneigen
ausatmen, beim Hochgehen
einatmen.
Arme parallel zur Zimmerdecke
strecken, Rumpf mit gestreckten
Armen nach links und rechts rollen.
Die Arme sollen jedesmal den Fußboden berühren.
I
II
Hände auf die Schlüsselbeine legen, gegen den
Widerstand der Handflächen durch die Nase einatmen, langsam und tief durch den Mund ausatmen (Hände üben auch beim Ausatmen Druck
auf das Schlüsselbein aus).
Auf Hände stützen, Arme dabei gestreckt, Ober- und Unterschenkel geschlossen; linken Arm gleichzeitig mit rechtem Bein parallel zur Erde heben und wieder senken.
Die gleiche Übung umgekehrt.
Auf
Hände stützen, „Katzenbuckel"
eriwirbelsäule. Übung einige
Male wiederholen.
i n c i e r Lenci
Rechter Arm gestreckt nach
hinten parallel zum Kopf,
linker Arm gestreckt neben
dem linken Oberschenkel; beide Arme in Gegenbewegung
schwingen.
Bauchlage
Arme und Beine gestreckt,
gleichzeitig
Arme und Beine rieben
u. senken (die Waage).
Beine angewinkelt, dabei Knie
gespreizt und Füße voneinander entfernt; das rechte Knie bis
zur linken Ferse führen und umgekehrt.
Mit beiden Händen die Füße
fassen, loslassen; Unterschenkel zurück zum Boden, entspannen. Übung mehrere Male wiederholen.
Arme gestreckt über dem
Kopf, Beine gestreckt; Körper strecken und dehnen,
dabei einatmen; Arme langsam auf die Oberschenkel führen, dabei stoßweise dreimal ausatmen, entspannen.
Arme seitlich gespreizt, Arme
heben, dabei Kopf und Brustkorb nach rückwärts beugen.
Seitenlage
•v^
In rechter Seiten läge rechten
\
Arm unter dem Kopf angewinf>\
kelt, gestreckter linker Arm liegt
. ^ *^mmm
"""*^
1 m i t d e r Handfläche zum Ab^r/
^
"•• ^ / ' stützen auf dem Boden; linkes
y
/
Bein liegt auf dem rechten Bein;
•*'
linkes Bein langsam nach vorn
und hinten schwingen. Die gleiche Übung in linker Seitenlage.
O
Seitenlage wie oben linkes Bein
kreisen lassen, einmal nach vorn,
einmal nach hinten, in wiederholter Reihenfolge. Die gleiche
Übung in linker Seitenlage.
Seitenlage wie oben den
linken Arm mit gleichzeitigem stufenweisen Einatmen langsam über den
Kopf führen, ausatmen,
dabei den Arm zum Oberschenkel zurückführen. Die
gleiche Übung in linker Seitenlage.
Im Sitzen
(Die Füße sollen zwecks besserer Stabilität leicht auseinandergestellt sein.)
Hände auf dem Boden hinter
»dem Gesäß abstützen, Beine
gestreckt. Beide Beine gestreckt nach links schwingen,
anwinkeln, strecken, nach rechts schwingen, anwinkeln,
strecken, nach links schwingen und so fort.
Das gestreckte linke Bein so weit wie
möglich zur Seite führen, dann über
das rechte Bein so weit wie möglich
\ kreuzen und zurück in Grundhaltung.
Die gleiche Übung mit dem rechten Bein ausführen.
Hände zu Fäusten ballen, abwechselnd rechten und linken
Arm nach vorn strecken, dann
nach oben, nach links, nach
rechts.
Hände mit gestreckten Armen über dem
Kopf falten, mit drei weichen Schwüngen
Hände zur Fußspitze führen, Kopf dabei
möglichst aufrecht halten.
Hände neben dem Körper; Schulter
bei gleichzeitigem Einatmen durch die
Nase zu den Ohren heben, entspannen und langsam durch den Mund ausatmen.
Kopf im Halbkreis nach vorne führen,
dabei das Kinn von Schulter zu Schulter führen.
Übungen zu zweit
Die Übenden sitzen sich
gegenüber. Die angewinkelten Beine des einen
* Übenden stehen außen
neben den ebenfalls angewinkelten Beinen des anderen, die Hände halten einander fest. Bei Rückenlage des einen Übenden beugt sich
der andere nach vorn und umgekehrt.
OÖ
Die Übenden stehen Rücken an Rükken, die Arme sind in den Ellenbogen
ineinander verhakt; abwechselnd seitneigen, vorbeugen, rückwärts beugen.
Die Übenden stehen Rücken an Rücken, die
OIO Hände
fassen einander; die Hände gestreckt bis
über den Kopf nach oben führen, langsam wieder senken.
Rückenlage, Hände
hinter
den Kopf.
Die
Übenden
drücken sich abwechselnd
federnd die Ellenbogen zur
Erde.
Die aktive Bewegungstherapie ist ein Teil der komplexen
Rehabilitation. Diese Therapie bildet einen geschlossenen
Ring im Sinne der kinetischen Kette nach Payr. Sie kann
nur dann erfolgreich durchgeführt werden, wenn wir sie
in den schmerzfreien Etappen der Krankheit anwenden, zu
denen wir hauptsächlich durch gezielte gegenentzündliche
Therapie oder andere Methoden gelangen, welche die
schmerzhafte Kette (nach Payr) unterbrechen.
Literatur bei dem Verfasser.
Anschrift des Verfassers: Dr. med. KAREL ZICHA, 47 Hamm, Ostenallee 83.
Typische Sportunfallverletzungen beim Lauf, Hoch-, Weit-, Drei- und Stabhochsprung
Die Zahl der Sportverletzungen wächst von Jahr zu Jahr.
Aus diesem Grund auch müssen wir, als Sportmediziner,
bestrebt sein, uns mit diesen Sportverletzungen der einzelnen Sportarten auseinanderzusetzen. Aufgabe meines Vortrages soll sein, über die angeführten Sportverletzungen,
speziell bei den Sprungarten, zu referieren.
Zu den Laufverletzungen ist zu erwähnen, daß die Belastung des Fußes bei den einzelnen Strecken eine verschiedene ist. Beim Kurzstreckenlauf berührt der Fuß beim
Aufsetzen mit dem kleinen Zehenballen den Boden zuerst,
um dann über die große Zehe abzurollen. Es wird nur der
Vorderfuß belastet. Durch Nagelschuhe wird die Greiffähigkeit des Fußes erhöht und damit eine stärkere Zugwirkung vom Fuß über die Streckmuskeln auf den Körper
übertragen. Überanstrengungserscheinungen machen sich
infolgedessen in der vorderen Schienbeinmuskulatuv bemerkbar, vor allem kommt es zu Reizungen am periostalen Ansatz dieser Muskeln an der vorderen Schienbeinkante.
Schmerzhaftigkeit und teigige Schwellungen sind die Zeichen einer frischen Periostitis. Wird trotzdem weitertrainiert,
so kommt es zu Kalkablagerungen an der gereizten Stelle,
zur Periostitis ossificans. Sie ist als kammartige Auflagerung im Röntgenbild zu erkennen und als Ausheilungszustand aufzufassen. Ich sehe sie als eine Anpassung an die
vermehrte Leistung an. Der Körper ist genötigt, das stärkste Gewebe (Knochen) anzubauen, um dem übermäßigen
Bewegungsreiz zu begegnen.
Bei den Mittelstrecken wird der Fuß schon mehr mit der
Außenkante aufgesetzt, rolit also bis zum Abdruck mit der
Großzehe ab. Beuge- und Streckbewegungen werden in
stärkerem Maße ausgeführt, auch die Rotation ist ausgesprochener. Die Periostreizungen treten deshalb bei den
Mittelstreckenläufern häufiger und stärker auf.
Der Langstreckenläufer setzt seinen Fuß noch mehr mit der
Außenkante auf, um von der Ferse her über die Zehengrundgelenke zur Großzehe abzurollen. Die Bewegung geschieht langsamer und mit weniger Kraft.
Bei allen Laufstrecken kommt es neben den genannten
Periostitiden zu Überanstrengungserscheinungen in der Wadenmuskulatur. Befallen ist besonders der Übergang des
Muskels in die Achillessehne, da dort auf dem kleinsten
Querschnitt die größte Krafteinwirkung erfolgt.
Typische Verletzungen beim Laufen treten an den Muskeln
auf. Sie entstehen dadurch, daß der Muskel „nicht auf die
Leistung gefaßt" war, zum Beispiel bei plötzlichen Bewegungen oder beim Sturz. Für die Art der Verletzung spielt
das Alter der Sportler eine Rolle. Ältere Menschen neigen
zu Rissen am Übergang des Muskels in die Sehne. Bei
Jugendlichen lösen sich vielfach die noch nicht verknöcherten Apophysenansätze ab.
Muskeleinrisse treten beim Kurz- und Mittelstreckenläufer
vorwiegend an der Rückseite des Oberschenkels auf. Der
M. biceps femoris und semimembranosus reißen im untersten Drittel, seltener in der Mitte, ein. An zweiter Stelle
stehen die Wadenmuskeln, vorwiegend am Übergang von
Muskelgewebe in die Achillessehne. Die häufigste Ursache
ist der plötzliche Start oder die Schrittvergrößerung vor
dem Ziel. Als dritte RißsteJJe kommen die Kreuzungen
großer Muskeln in Frage. Pirker nimmt an, daß zum Beispiel bei gleichzeitiger Anspannung des m. glutaeus maximus und der Beuger am Oberschenkel die letzteren
schlecht durchblutet sind und leichter reißen. Gegenüber
dem Kurz- und Mittelstreckenläufer findet man echte Muskelrisse oder -einrisse beim Langstreckenlauf seltener.
Neben der plötzlichen Anstrengung ist die mangelhafte
Durchblutung bei ungenügender Aufwärmung Ursache für
das Zustandekommen der Muskelverletzungen. Aufwärmen
vor dem Start durch Warmlaufen und Lockern der Muskulatur erhöht die Leistungsfähigkeit und beugt Verletzungen
vor. Ein weiterer Faktor für die Entstehung von Muskelrissen und Verletzungen ist mangelhafte Koordination bei
Übermüdung. Auch persönliche Indispositionen, z. B. bei
Infekten oder bei Witterungsumschlägen, begünstigt das
Auftreten von Verletzungen.
Die Diagnose des Muskelrisses ist durch die harte schmerzhafte Stelle im Muskelgewebe gegeben, die sich auch bei
erschlafften Muskeln nicht verändern. Bei tieferen Einrissen
wird eine Lücke zwischen den Randwülsten des Risses bei
Muskelkontraktion fühlbar. Der Bluterguß wird am nächsten
Tage als subkutane Verfärbung sichtbar und liegt meistens
tiefer als die Einrißstelle.
Muskelhärten. Außer den Verletzungen kommen beim Sport
schmerzhafte Muskelhärten (Myogelosen) vor. Sie stellen
unnatürliche Quellungszustände der Muskulatur dar. Beim
Laufen oder Sprung können sie so plötzlich auftreten, daß
sie einen Muskelriß vortäuschen und der Sportler vom Platz
getragen werden muß. Nach kurzer Zeit gehen die Beschwerden zurück, so daß der Sportler versucht, am selben
Tage wieder zu starten. Fehlende Lückenbildung, nicht
sichtbare Blutung, Zurückgehen der Schmerzen unter Hitze
und Massage sprechen für Muskelhärte und gegen Riß. Die
Muskelhärten treten besonders am Übergang des Muskels
in die Sehnen auf, da dort bei stärkster Belastung die
Durchblutung ungünstig ist. Auch die Ansatzstelle an der
Knochenhaut kann befallen sein (schmerzhafte Knochenhautentzündungen). Teigige Schwellungen der Knochenhaut
an der Innenseite der Schienbeine ist bei Läufern ein Beispiel. Es gibt verschiedene Formen von Muskelhärten,
deren Unterscheidung wegen der unterschiedlichen Behandlung wichtig ist. In den Gelosen ist das Gewebe in
seiner kolloidchemischen Struktur verändert und das elektrische Potential herabgesetzt. Hier ist sowohl der Stoffwechsel der Zeile als auch das elektrische Gefälle gestört.
Beim Hartspann wird die Muskelhärte reflektorisch ausgelöst. Im Gegensatz zur Gelose verschwindet sie in der Narkose. Sensible Reizungen führen zu Spannungsveränderungen der Muskulatur und schaffen die Vorbedingung zur
Verletzung. Oft lösen mehrere Faktoren die krankhaften
Schmerzen aus. Durchblutungsstörungen und Venenkrämpfe
können ähnliche Beschwerden hervorrufen, sind aber beim
Sportler selten. Oft findet man um die Gelosen herum einen
reflektorischen Hartspann. Zur Behandlung der Gelosen
eignet sich nach Kohirausch eine harte durchgreifende
Massage, wie sie durch die Finnen bekannt geworden ist.
Lange empfiehlt die Verreibung der Härten durch Holzstäbchen. Der Hartspann verlangt eine leichte, einfühlende
Massage mit Dehn- und Schüttelübungen. Unterwassermassage hat sich bewährt. Durch Aufquellen des Gewebes mit
einer Traubenzucker-Novocainlösung oder Einspritzung von
Honiglösung mit Novocain (Myo-Melcain) sind beide Formen der Härten oft schnell zu beseitigen. Allgemeine Übermüdung oder Übertraining mit ihrer Herabsetzung der
inneren Widerstandskräfte, Ausschwemmung von Krankheitserregern bei chronischen Entzündungsherden sind zu
berücksichtigen, ehe man weiteres Training zuläßt.
Auch der „Muskelkater" erzeugt durch Stoffwechselablage-
rungen, die nicht schnell genug aus dem Muskel entfernt
werden, schmerzhafte Härten. Im Gegensatz zu entzündlichen Härten wird nach einer Ruhepause (Nachtruhe) die
Verkrampfung der feinsten Muskelgefäße durch erneute
sportliche Übungen gelöst, die Stoffwechseischlacken werden ausgeschwemmt, der Muskelkater verschwindet beim
Fortsetzen des Trainings am nächsten Tag.
Plötzliche Abkühlung der Muskulatur nach Anstrengungen,
z. B. kaltes Baden, fördert die Entstehung des Muskelkaters;
heiße Bäder und Sauna beseitigen ihn schnell.
Risse der Muskeln und Sehnen. Abrisse der Spina iliaca
ant. sup. und inf. als Ursprungsstelle des M. sartorius und
M. tensor fasciae latae werden mehrfach beschrieben (Turner, Ruppert, Boss). Mitten im Lauf spürt der Sportler einen
stechenden Schmerz in der Hüftgegend und bricht zusammen. Bei abgebeugtem Hüftgelenk lassen die Schmerzen
nach. An der Spina besteht deutlicher Druckschmerz, oft
fühlt man den abgerissenen Knochenteil, der durch Zug
nach unten vorgeschoben ist. Der Patient kann stehen, aber
das gestreckte Bein nicht vorwärts heben. Ursache für den
Abriß ist zu starke Beanspruchung des M. tensor fasciae
iatae oder inkoordinierte Kontraktion des M. rectus femorls.
Die Muskeln werden übermäßig angespannt, um den Körper vorzureißen, damit er nicht nach hinten überfällt. Auch
Abrißfrakturen des Trochanter minor werden bei Wettläufen
beobachtet und durch übermäßigen Zug des M. iliopsoas
ausgelöst. Die Fraktur entsteht vor dem Fall, wenn der
Läufer dem Sturz durch Hochreißen des Beines zu entgehen sucht. Diese Abrißfrakturen werden bei Jugendlichen
beobachtet, solange die Wachstumslinien nicht geschlossen
sind. Bei Erwachsenen kommt es häufiger zum Einriß am
Ansatz des Muskels.
Es treten schmerzhafte Härten in der Leistengegend auf,
die an einen Leistenbruch denken lassen. Bei einer Verletzuna des Iliopsoas kann der sitzende Patient den Oberschenkel im Hüftgelenk nicht weiter heben (Ludloffsches
Symptom). Die Ruptur des Quadriceps kommt meist durch
Stürze nach vorn zustande, wenn zur Vermeidung des
Sturzes der Körper scharf nach rückwärts geworfen wird.
Risse der Achillessehne treten bei jüngeren Leuten beim
Spurten auf. Bei älteren werden sie bei normalem Lauftraining beobachtet. Der Läufer hat das Gefühl, als ob ihm
jemand von hinten in die Achillessehne getreten ist. Er kann
nicht mehr auf den Zehen stehen, in den meisten Fällen
bricht er sogar mitten im Lauf zusammen, da er den Fuß
nicht mehr abrollen kann. Wenn der Patient den Fuß plantarwärts streckt und man die Sehne abfühlt, ist die Stelle
durch eine engumschriebene Druckschmerzhaftigkeit leicht
zu finden, evtl. ist eine Lücke in der Sehne zu fühlen. Bei
der Naht muß berücksichtigt werden, daß die Sehne noch
einige Zentimeter nach oben und nach unten morsch ist.
Eine chronische Schädigung der Achillessehne ist die Tendinitis achillae. Bei der traumatischen Form bilden sich
schmerzhafte Knoten in der Sehne. Die Verdickungen
werden als Sehnenkallus nach partiellen Rupturen aufgefaßt. Die krepitierende Form der Tendinitis entsteht durch
Schuhdruck oder bei Überanstrengung. Mit Beginn des
Lauftrainings im Frühjahr oder wenn im Körper Infektionsherde vorhanden sind, tritt sie in vermehrtem Maße auf.
Sonstige Verletzungen
Die Verletzungen durch Stürze beim Laufen führen zu Abschürfungen, Distorsionen im Fußgelenk, seltener zu Verletzungen der oberen Extremitäten.
Trittverletzungen mit den Spikes führen zu Wunden mit
evtl. Beteiligung von Periost oder Knochen. Trotz Verschmutzung heilen sie meistens gut aus, wenn man sie in
Ruhe läßt und der Sportler einige Tage mit dem Training
aussetzt. Blasen und Abschürfungen sowie
infizierte
Scheuerstellen haben uns bei Olympischen Spielen viel zu
schaffen gemacht. Die Sportler erhalten kurz vor dem Start
ihre neuen Sportschuhe und starten in ihnen, ohne daß sie
genügend ausgetreten sind. Es ist daher zweckmäßig, die
Ausrüstung schon frühzeitig auszugeben.
Hochsprung
Ein typischer Schaden ist die Zackenbildung am Übergang
der Gelenkflächen des Talus zum Hals. Daß diese Veränderungen etwas mit der Sprungtechnik zu tun haben, beweist
erstens, daß sie vorwiegend am Absprungbein auftreten
und zweitens mit zunehmender Leistungsfähigkeit und damit stärkerem Training immer häufiger gefunden werden.
Da nach Mollier die wenigsten Menschen gleichlange Beine
haben (Längendifferenz etwa 0,8 cm), wählt der Springer
unbewußt den längeren Hebelarm zum Absprung, und da
bei dreiviertel der Menschen das linke Bein länger ist, wird
dieses häufiger zum Absprung benutzt. An ihm sind die
zackigen Veränderungen daher öfters zu finden Die kleinen
Zacken verursachen keine Beschwerden, mit zunehmender
Große hemmen sie die Beugefahigkeit und führen zu Einklemmungen Manchmal brechen die Zacken ab oder es bilden sich knöcherne Auszeichnungen an der Gegenfläche
des Schienbeins. Anfangs kann man die Zackenbildung als
Anpassung an die vermehrte Leistung ansehen, jedoch
trägt sie den Keim der Schädigung in sich. Da die Sprungleistung der Menschen am Anfang des vierten Dezenniums
nachläßt, fallt der Bewegungsreiz, der die Knochenwucherung veranlaßt, vor Ausbildung schwererer arthrotischer
Störungen weg. Im gewöhnlichen Leben verursachen die
Zacken meist keine Beschwerden.
1
Die Ursache für die Zackenbildung liegt m. E. im Anschlagen
des vorderen Endes der Tibtagelenkflache aa den Talushals. Hierdurch kommt es zu einer Wucherung des Knochens Die Zacke sitzt medial am Übergang von der Talusgelenkflache zum Hals. Die gleichzeitige maximale Abbeugung im Fußgelenk und Drehung des Unterschenkels über
dem am Boden fixierten Fuß beim Landen des Hochspringers
ist m. E.für das Entstehen verantwortlich zu machen Auch
Zugmomente können für das Auftreten eine Rolle spielen.
Diese treten auf, wenn der Hochspringer im Augenblick des
Absprunges zu weit nach hinten liegt und schon die Drehung im Fußgelenk am Boden einleitet.
Knoll und Mathis fuhren ihre Entstehung auf kleine Einrisse im Periost an der Anhaftungsstelle der vorderen Kapselwand zurück Nach ihrer Auffassung handelt es sich um
einen ähnlichen Vorgang wie bei dem Stiedaschen Schatten
am Condylus med. femoris. M. E. geht der Bildung des
Stiedaschen Schattens ein Penostabriß mit starken Beschwerden voraus. Die Schmerzen fehlen am Fußgelenk
aber meistens Es ist durchaus anzunehmen, daß sowohl
das Anschlagen der Tibiagelenkfläche an den Talushals
als auch Zugmomente an der Kapsel die Zackenbildung
begünstigen.
Unter Berücksichtigung der Technik ergibt sich, daß die beschriebene Veränderung bei Scher-Kehrspringern doppelt
so häufig vorkommt als beim Rollstil. Die komplizierte Technik des Scher-Kehrsprunges fuhrt zu einer zu frühen Drehung beim Absprung und zu einer falschen Belastung des
Gelenkes mit Zugwirkung an der Kapsel. Schwerwiegender
aber ist die Weiterdrehung des Fußes in starker BeugeStellung beim Landen. Die Änderung des Sprungstils ist daher eine wichtige Vorbeugungsmaßnahme gegen das Auftreten dieser Sportschäden. Spitzenspringer, die den ScherKehrsprung einwandfrei beherrschen, haben die Veränderungen viel seltener als die nächsten in der Leistung, die es
den Meistern nachmachen, aber nicht über eine gute Technik verfügen. Harte, schlechte Sprunggruben begünstigen
die Entstehung dieser Veränderungen.
Fußgelenkdistorsionen treten beim Hochsprung öfters auf;
das Umknicken beim Landen, vorwiegend bei schlechten
Sprunggruben, ist die häufigste Ursache.
In zweiter Linie werden beim Landen die Handgelenke
beansprucht. Zur Prophylaxe von Kahnbein- und Radiusbrüchen soll der Springer die Hände einwärts drehen.
Handgelenkverletzungen kommen vor allem beim Rollstil
vor, da hierbei das Korpergewicht zum Teil mit den Händen
aufgefangen wird. Kniegelenkdistorsionen sind gegenüber
den Fußgelenkdistorsionen seltener. Drehung bei gebeugtem Kniegelenk, sowohl beim falschen Absprung als auch
beim Landen, gibt zu Meniscusrissen Anlaß Die starke
Beanspruchung der Pars memsci des Lig. coll. med bei
gleichzeitiger Außenkreiselung des Unterschenkels ist hierfür verantwortlich.
Beim Schneppersprung, bei dem der Springer mit einem
Anlauf von vorn durch starke Hohlkreuzbildung mit nachtraglichem Vorreißen des Körpers über die Latte geht, sind
Zerrungen der langen Rückenstrecker beobachtet worden.
Lumbagoartige Beschwerden sind auf Verschiebungen oder
leichte Einklemmungserscheinungen der Zwischenwirbelscheiben zurückzuführen Bei guttrainierten Sportlern gehen
sie schnell zurück, zumal wenn die Springer eine starke
Dehnubung ausführen und sich dabei „das Kreuz wieder
einrenken". Die kraftige Ausbildung der Bander der Wirbelsäule verhindert meistens einen echten Prolaps
Eine weitere Absprungverletzung bildet der Abriß der Tibiaapophyse, wie sie Schlatter beschrieben hat. Bei Ruhe heilt
sie meist von selbst aus.
Weitsprung
Die Muskelverletzungen entsprechen denen des Sprinters.
Besonders häufig ist die Zerrung der Beugemuskeln an der
Ruckseite des Oberschenkels. Ungenügendes Aufwärmen,
mangelhafte Koordination bei Übermüdung, Myogelosen
oder plötzliche ruckartige Bewegungen, auf die der Muskel
nicht eingestellt war, sind die häufigsten Ursachen.
Die Prellung der Fersen an der herausstehenden Kante
des Absprungbalkens ist eine typische Verletzung bei Weitspringern. Es kommt zu Periostreizungen, die ein längeres
Aussetzen notwendig machen. Vorbeugend ist die einwandfreie Beschaffenheit der Anlaufbahn und das Tragen von
Schwammgummikeilen in den Schuhen wichtig.
Beim Landen kommt es häufig zum Umknicken in den Fußund Kniegelenken, die zu entsprechenden Verletzungen
fuhren. Schwerwiegend sind die Folgen durch Sturz in
einen Rechen, der in fahrlässiger Weise mit den Zacken
nach oben in der Sprunggrube liegengeblieben ist.
Dreisprung
Beim Versuch, den Korper vorzureißen, treten oft Zerrungen
des M. iiiopsoas unterhalb der Leiste mit typischen Druckschmerzen in der Fossa ovalis auf. Das Ludhoffsche Zeichen
ist dann positiv. Die Zerrungen entstehen beim zu frühen
Ansetzen zum nächsten Sprung, wenn der Schwerpunkt
noch nicht senkrecht über dem Absprungbein liegt. Die
starke Beanspruchung führt auch öfters zu Rissen in der
"Wadenmuskulatur oder den Achillessehnen.
Stabhochsprung
Verletzungen entstehen durch Bruch der Stange während
des Aufschwingens, wobei der Springer meist mit dem
Kopf nach unten auf die harte Absprungbahn stürzt Wirbelsäulenverletzungen und Verletzungen des Schultergurtets mit Brüchen des Schlüsselbeins sind die Folgen,
v. Saar berichtet von einer Pfahiungsverletzung durch die
gebrochene Sprungstange, Horhammer beschreibt eine
Luftröhrenzerreißung durch den Stoß der Stange.
Viel häufiger sind die Schaden beim Aufsprung Das Landen aus einer Hohe von 3 bis 4 m verlangt einen gut hergerichteten Aufsprung, bei der der Aufsprung durch Holzwolle oder Sägespäne von etwa 50 cm Hohe elastisch
gemacht wird, so daß die Fallhöhe vermindert wird. Bei den
meisten Sportplätzen ist jedoch nur eine gewöhnliche Aufsprunggrube vorhanden. Zur Lockerung der Sprunggruben
ist eine Beimischung von Sägespänen oder Lohe zu empfehlen. Bei Sprunganlagen in der Halle muß noch Viehsalz
zugesetzt werden, um die Sprunggrube weich zu halten.
Auch Leder- und Gummischnitzelabfälle, die dem Sand beigemengt werden, lockern die Sprunggruben gut auf. Vorbeugend gegen Verletzungen beim Landen muß der Springer alle Formen der Rolle beherrschen, um durch Ab-
rollen des ganzen Körpers den Stoß abzufedern und auf
eine große Fläche verteilen zu können.
Bei der Wucht des Aufsprunges bei allen Sprungformen
werden Fußgelenkfrakturen vergesellschaftet mit einer Luxatio pedis sub talo beobachtet. Die Ausrenkung erfolgt
meistens nach innen. Röntgenbilder sind deshalb beim Verdacht solcher Verletzungen immer angezeigt.
Anschrift des Verfassers: Dr. med G KÖHLER, Facharzt für Chirurgie, Bremen, Vahrer Straße 7.
Manuelle Therapie rheumatischer Erkrankungen
Wenn hier von manueller Therapie rheumatischer Erkrankungen die Rede ist, dann soll nicht nur die chiropraktische
Reposition gemeint sein. Es gibt eine manuelle Therapie
in einem viel weiteren Sinne. Die Chiropraktik ist nur ein
Teil davon.
Manuelle Therapie heißt ja Therapie mit der Hand. Die
heilende Hand kann mehr vollbringen als nur eine chiropraktische Reposition, wenn wir uns nur wieder auf die
vorhandenen Möglichkeiten besinnen. Zur manuellen Therapie gehören auch die Massage und die Hydrotherapie,
vor allem aber auch die sonstigen ärztlichen Behandlungsweisen über die Körperdecke, die wir zur Neuraltherapie
zählen. Sie werden leider viel zu wenig angewandt. Alle
diese Maßnahmen zusammen ergeben dann im wahren
Sinne des Wortes eine Be-Hand-Iung. Sie werden dann
zur Therapia magna extema, wie sie einmal Storck (1) bezeichnet und beschrieben hat. Daß zur Therapie des
Rheumatismus eine richtige Gestaltung der Ernährung eine
wesentliche Voraussetzung ist, sei hier nur am Rande vermerkt, denn sie gehört nicht zur manuellen Therapie.
Neben den vielfältigen chronischen Erscheinungsformen des
Rheumatismus muß der akute Gelenkrheumatismus als
ein Sonderfall angesehen werden. Wir meinen hier vor
allem den Muskelrheumatismus, den primär-chronischen
und sekundär-chronischen Gelenkrheumatismus, aber auch
viele andere Erscheinungsformen wie den Morbus Bechterew, die Periarthritis humeroscapularis, die Lumbago,
die Ischias und sonstige schmerzhafte lokale Prozesse, die
wir dem Rheumatismus zuordnen können und die uns in
der Praxis am meisten beschäftigen.
Allen diesen Leiden muß man eine gemeinsame Basis
ihrer Entstehung zuerkennen: Sie sind letzten Endes Ausdrucksform einer Funktionsstörung im weichen Bindegewebe, im Mesenchym, die man heute als eine weitverbreitete Volkskrankheit bezeichnen kann, die stets den
ganzen Menschen erfaßt.
Setzen wir unsere Therapie bei dieser gemeinsamen Ausgangsbasis aller rheumatischen Erkrankungen an, so ergeben sich zwei Wege, die unsere Behandlung gehen muß:
"l.die unspezifische Behandlung der Mesenchymstörung als
Allgemeinerkrankung.
2. die spezifische Behandlung der lokalen Manifestation der
Mesenchymstörung, die in den verschiedenen rheumatischen Formen ihren Ausdruck findet.
Auf beiden Wegen hat sich der Ansatz der Therapie an
der Mesenchymstörung als zweckmäßig und erfolgreich
erwiesen, denn immer, sei es allgemein oder lokal, ist das
Mesenchym das große Regelsystem, von dem rheumatische
Geschehen unter humoralen, neurovegetativen und hormonalen Einflüssen seinen Ausgang nimmt. In der Erkenntnis
der zentralen Bedeutung der Vorgänge im interzellulären
Milieu des Mesenchyms will Pischinger (2) unter „Vegetativum" nicht nur das vegetative Nervensystem verstanden
wissen, sondern das komplexe Zusammenwirken der ge*) Vortrag, gehalten am 19. September 1969 anläßlich des 37. Kongresses des Zentralverbandes der Ärzte für Naturheilverfahren in
Freudenstadt.
nannten drei Faktoren, des hormonalen, neurovegetativen
und humoralen, deren Einflüsse sich letzten Endes „im
interzellulären Milieu" des Mesenchyms auswirken. In der
Erkenntnis der zentralen Bedeutung des Mesenchyms für
die Vorgänge in Gesundheit und Krankheit muß sich konsequenterweise eine Art „kopernikanische Wende" unseres
Denkens vollziehen, auf die m. W. Fudalla (3) vor Jahren
als einer der Ersten hingewiesen hat, daß nämlich das
Mesenchym nicht etwa nur eine später auftretende bloße
Füllsubstanz zwischen äußerem und innerem Keimblatt ist,
wie wir es in der Entwicklungsgeschichte gelernt haben, sondern die eigentliche Ausgangsbasis alles Wachsens und
aller Regeneration, aus der auch notwendigerweise, nach
außen und innen, Ektoderm und Endoderm entstehen.
Auf diesen Zusammenhang muß hingewiesen werden, um
deutlich zu machen, wie einseitig und buchstäblich „verkehrt" es ist, wenn wir beim rheumatischen Geschehen
immer nur von den spezifischen lokalen Veränderungen an
Knochen und an den Gelenkflächen, Bandscheiben usw.
her denken, die doch nur sekundärer Natur sein können.
Primär ist immer die unspezifische Erkrankung des Mesenchyms. Was man dann im Röntgenbild sieht, ist bereits die
späte Folge des seit Jahrzehnten, meist unerkannt abgelaufenen degenerativen Prozesses im Mesenchym.
Sollte die Verkehrung von Ursache und Wirkung darin
seinen Grund haben, daß wir im Röntgenbild ein Instrument haben, mit dem wir die Auswirkungen des rheumatischen Geschehens in bewundernswerter technischer Vervollkommnung sehen können, daß es aber bis jetzt keine
gebräuchliche und ebenso anschauliche Methode gibt, die
Vorgänge im Bindegewebe zu registrieren? In der Tat bleibt
hier bis heute im wesentlichen nur der Tastbefund in der
Körperdecke, wo das Mesenchym im subkutanen Bindegewebe mit seinen Refiexbeziehungen in die Tiefe handgreiflich zutage tritt. Wir brauchten also eine verfeinerte
Palpationstechnik. Oder haben wir deshalb keine anschauliche Diagnostik der Vorgänge im Mesenchym entwickelt
und keine verfeinerte Palpation, weil wir zunehmend in
einem technisch-mechanistisch-lokalistischen Denken („Ersatzteildenken") befangen sind und unerlaubterweise technische Denkkategorien auf lebendige Vorgänge anwenden?
Genug der allgemeinen Betrachtungen, die zur Einleitung
notwendig waren. — Wie kann nun die manuelle Therapie
des Rheumatismus in der Praxis aussehen?
Zunächst muß die heilende Hand auch diagnostische Hand
werden, denn vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gesetzt, wie es Franz Voihard einmal formuliert hat.
In früheren Referaten, Veröffentlichungen, in Kursen im
Rahmen der Tagung des Zentralverbandes der Ärzte für
Naturheilverfahren habe ich auf die tastbare Gelosebildung
im Bindegewebe hingewiesen (4). Sie ist ein guter Wegweiser für die Diagnostik wie auch für die Therapie. Ich
habe immer betont, daß man ein Hautö! ausreichend auftragen muß, wenn man die Gelosebildung in der Tiefe
des subkutanen Bindegewebes genau testen will. Unterläßt man dieses Einölen der Haut, so müssen notwendigerweise Mißverständnisse auftreten. Wir haben das Einölen
der Haut einmal mit den Färbemethoden in der Bakteriologie verglichen, ohne die man die Mikroben nicht sichtbar
machen kann. Ebenso wirkt das Einölen wie die Scharfeinstellung beim Mikroskop.
Die Bezeichnung Myogelosen (Muskelhärten) halte ich für
irreführend, weil es sich um Vorgänge im Bindegewebe
handelt. Härten in Muskeln werden nur vorgetäuscht (F.
Hartmann) (5). Es handelt sich nach Schade (6) um eine Koloidveränderung im Sinne eines Übergangs vom flüssigen
Sol- in den festeren Gel-Zustand. Man liest auch heute wieder öfters das Wort Zellulitis, das aus der schwedischen
Massagelehre stammt und in der französischen Literatur
gebräuchlich geworden ist. Da es sich aber nicht um eine
-itis, also eine Entzündung handelt, ist auch dieses Wort
nicht treffend. Besser wäre die s, Zt. von Vogel (7) vorgeschlagene Bezeichnung Mesenchymosen. Da es sich um
eine deutlich tastbare Gel-Bildung handelt, halte ich in Verbindung mit der Endung -ose für einen chronisch-degenerativen Prozeß das Wort Gelose für das beste.
Wegweisend für die Therapie ist der Gelosebefall in der
Umgebung des Prozesses und in den zugeordneten Reflexzonen, wo die Gelosebildung besonders deutlich ausgeprägt ist. Praktisches Ziel ist seine Beseitigung. Es gibt
keine chronisch-degenerativen oder chronisch-entzündlichen
Prozesse, bei denen der Gelosebefall nicht deutlich ausgeprägt ist. Mit der Beseitigung des Gelosebefalls tritt
Schmerzfreiheit ein, die Durchblutung wird verbessert,
Spasmen beseitigt, dem degenerativen Prozeß Einhalt geboten. Die Gelosenknoten weisen sich so als Störfelder, als
Irritationszentren, als Ausdruck einer Blockade der Mesenchymfunktion, als Ausdruck einer fixierten Fehlsteuerung
(Stork), als Ausdruck der Organ-Neurose (Brauchte). Der
Geiosebefall ist aber auch Ausdruck für den Zivilisationsschaden schlechthin, wie er bei jedem Patienten generalisiert auftritt und damit die unspezifische Mesenchymstörung als Systemerkrankung anzeigt, aus der sich der
Rheumatismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen manifestiert.
Hier is\ der Ansatz für eine manuelle Therapie, d. h. einer
Therapie, die sich nicht auf die Verabfolgung bestimmter
antirheumatischer Pharmaca beschränkt, sondern das rheumatische Geschehen von außen, in gezieltem, intensivem
Handeln — eben als Therapia magna externa — angeht.
Es wird nicht mehr die externe Behandlung in einer Art
Pauschalverordnung der Masseur, dem Bademeister oder
dem Krankengymnastiker überlassen, sondern der Arzt
kann selbst aktiv und gezielt in diese Therapie eingreifen,
selbst handeln und dem Badepersonal präzise Anweisungen
geben.
Es hat sich als zweckmäßig und notwendig erwiesen, die
Behandlung grundsätzlich im Rücken, vom Kreuz aufsteigend zu beginnen, wie es die Dickesche Bindegewebsmassage folgerichtig tut, ganz gleich mit welchen rheumatischen
Formen wir es zu tun haben. Der Rücken ist die große
„Schalttafel" für unser Nervensystem. Wir berücksichtigen
die segmentale Steuerung, aber auch die Dermatome (Reflexzonen), die durchaus nicht immer mit den Segmenten
übereinstimmen.
Vom Rücken her beginnt die Behandlung sozusagen unspezifisch und setzt sich allmählich auf die vorhandenen
lokalen Prozesse fort. Lokal wird nicht eher behandelt, als
bis der Rücken und die entsprechenden Segmente und
Dermatome aufgelockert sind. Es hat sich als falsch erwiesen, bei einem rheumatischen Geschehen nur lokal zu
behandeln, sei es mit Packungen, Bestrahlungen, Massage
oder Neuraltherapie, solange der Rücken und der „vegetative Anschluß" an den Gesamtorganismus, der ja in den
Segmenten und Dermatomert durch den Gelosebefall blokkiert ist, nicht frei gemacht ist.
Ich bin überzeugt, daß wir hier ein Umdenken vollziehen
müssen: Ein Gelenk oder eine Muskelgruppe existiert oder
funktioniert ja nicht für sich allein, sondern wird vom Ge-
samtvegetativum her trophisch gesteuert. Eine entscheidende Rolle spielt dabei das Mesenchym, nicht nur lokal,
d. h. in der Umgebung, sondern auch in den zugeordneten
Segmenten und Reflexzonen. Der Gelosebefall ist Ausdruck
für Irritation und Blockade. Ist also ein Gelenk oder eine
Muskelgruppe aus den Segmenten und Dermatomen heraus durch die Gelose blockiert, so kann eine lokale Reiztherapie sich nicht optimal auswirken. Man kann sogar unliebsame Fehlreaktionen beobachten. Geht man aber bei
der Therapie auflockernd den Weg von den Rückenzentren zum lokalen Prozeß, so hat man bereits einen therapeutischen Effekt, ehe man am erkrankten Gelenk oder
der rheumatischen Muskelgruppe angelangt ist. Ich glaube,
daß einer der Hauptgründe für das angebliche Versagen
der Rheumatherapie darin liegt, daß man diesen Gesichtspunkt außer acht läßt.
Es seien nun einige Beispiele für die Behandlung von Gelenkleiden und anderen rheumatischen Prozessen kurz angedeutet:
Das Kniegelenk:
Die Behandlung einer Arthrose des Kniegelenks beginnt
in der Kreuzlendengegend, geht den Weg über das Gesäß
und die Reflexzonen an der Außenseite des Oberschenkels,
wo sich immer massiver Gelosebefail befindet. Stets ist
auch oft ein schmerzhafter gelotischer Wulst an der Medialseite des Kniegelenks vorhanden. Die Behandlung dieser
Reflexzonen hat sich stets als weit wirksamer erwiesen als
die lokale Behandlung des Gelenks.
Das Hüftgelenk:
Kreuz, Lende und der ganze Rücken werden behandelt,
denn es finden sich meist auf der entgegengesetzten Seite
der Wirbelsäule, etwa in der Höhe der mittleren Brustwirbelsäule derbe Härtebildungen als Ausdruck der durch
die Coxarthrose ausgelösten kompensatorischen Fehlhaltung. Ferner sind zu behandeln: Leistengegend, Oberschenkel, Sitzbeinhöcker.
Die Schuher:
Rücken, Nacken, Gelosebefal! bis weit über die M. trapezius und dem M. pectoralis.
Das Fußgelenk:
Kreuz, Lende, das ganze Bein abwärts, immer unter Tastung des Gelosebefalls unter ausreichendem Einölen der
Haut.
Das Handgelenk:
Rücken, Nacken, Schulter, den ganzen Arm abwärts.
Lumbago:
Kreuz—Lende, den ganzen Rücken. Nicht zu vergessen die
Bauchdecken, denn durch die Fehlhaltung der Kreuz-Lendengegend wird notwendigerweise auch ein Spasmus der
Bauchdecken, besonders der Mm. recti manifestiert, der
sich in derbem Gelosebefall im subkutanen Bindegewebe
der Bauchdecken ausdrückt.
Ischias:
Man muß sie zu den rheumatischen Erkrankungen zählen,
weil anatomisch nie eine Neuritis des Nervus ischiaticus
nachgewiesen wurde. Es handelt sich vielmehr um eine
Irritation des Nerven und des Mesenchyms aus der derben
gelotischen Härtebiidung im Bereich der Kreuz-Lendengegend, des Beckens und der Oberschenkel. Die sog.
„Ischias" wird daher von Stork richtig als Lumbosacroischiopattue bezeichnet. Es findet sich immer GelosebefaH
im subakuten Bindegewebe, der zentrifugal, von der Lumbalgegend her, angegangen werden muß.
Der Kopfschmerz:
Sie werden sich wundern, daß ich ihn hier einbeziehe. Aber
immer findet sich eine derbe gelotische Verspannung des
ganzen Rückens bis zum Kreuz hinunter. Ich habe immer
wieder die Erfahrung gemacht, daß sich jeder Kopfschmerz,
soweit er nicht eine lokal-organische Ursache hat (was man
natürlich ausschließen muß) sich durch die manuelle Behandlung des ganzen Rückens, vom Kreuz aufwärts, erfolgreich behandeln läßt, die Migräne eingeschlossen. Es findet
sich auch stets dicker Gelosebefall beiderseits der ganzen
Wirbelsäule und im Rücken. Man kann sich nur wundern,
daß Fach-Neurologen und Universitätskliniken diesen Tatbestand bis heute nicht beachten und die Patienten meist
unnötigerweise mit Lumbaipunktionen quälen, an der Röntgenaufnahme der Halswirbelsäule herumstudieren, wo das
Entscheidende gar nicht zu finden ist, um schließlich den
Patienten auf eine Dauermedikation mit einem Pharmakon
zu setzen.
Die Technik der Gelosenbehandlung ist verhältnismäßig
einfach, wenn man sich an das genaue Tasten der
Geloseknoten — immer unter ausreichendem Einölen der
Haut — gewöhnt. Man setzt mit einer feinen Kanüle (Nr. 18)
über den jeweils dicksten Knoten ein Hautquaddel und
treibt so eine gezielte Neuraltherapie. Das verwendete Injektionsmittel ist offenbar nicht entscheidend. Es kommen in
Frage das von Huneke empfohlene Impletol (Bayer) (das
ieider den Nachteil hat, daß sich bei der Quaddelsetzung
an der Einstichstelle ein schwer gerinnendes Blutpünktchen bildet. Es sind daher intrakutante Injektionen von
je 0,1 ccm vorzuziehen, Formicain (Schwabe), das Zettsche
BN 53 (Müller, Göppingen) oder ein sonstiges indizierbares
homöopatisches Einzel- oder Komplexm'rttel, das man entsprechend dem Krankheitsbild auswählt. In größere Knoten
oder Gelosepakete kann man auch direkt einige Teilstriche
injizieren. Hierfür hat sich am besten das Arteparon (Luitpold-Werk), das die im Bindegewebe wirksamen Mucopolysaccharidpolyschwefelsäureester enthält. Es ist auch als
Eleparon im Handel. Von dem ebenfalls empfohlenen
Hyaluronidasen habe ich keine andere Wirkung als bei den
anderen Mitteln beobachtet. Das Arteparon wird zur intraarticulären Injektion empfohlen. Diese Injektion ist technisch schwierig und auch wegen des Infektionsrisikos nicht
ungefährlich. Mir scheint aber, daß man bei der Lokalbehandlung zu mechanistisch-lokalistisch denkt. Das Mittel
wirkt auch, wenn man in die Umgebung injiziert, wenn man
mit seiner Hilfe das reflektorisch zugeordnete Mesenchym
aktiviert. Wirksam ist vor allem immer der Stich selbst an
der richtigen Stelle („gewußt wo"). Daher habe ich auch
einfach die chinesische Akupunkturnadel in Silber verwendet und dieses Verfahren im Gegensatz zur klassischen
chinesischen Akupunktur Gelopunktur genannt, weil mit
Hilfe des Nadelstiches das Irritationssfeld der Gelose aufgelöst wird.
Eingewendet wird gegen die Gelosebehandlung, das Verfahren sei für den vielbeschäftigten Kassenarzt zu zeitraubend. Eine gründliche Behandlung des Rückens und der
Extremitäten erfordert natürlich eine gewisse Zeit. Man
kann aber das Verfahren bei einiger Übung sehr abkürzen und auf viele Sitzungen verteilt jeweils nur die wichtigsten Stellen behandeln. Daneben muß allerdings eine genaue Anweisung für den Masseur gegeben werden, dessen
Massage man dann mit der gezielten Nadelung und der
Quaddelung unterstützt. Ebenso muß man dem Patienten
Anweisungen für seine häusliche Hydrotherapie und für
seine Ernährungsgestaltung geben. Als selbstverständlich
setze ich voraus, daß man nach Herden und neuralen Stör-
feldern (Narben!) im Sinne von Huneke fahndet. Zur Behandlung ist hier Impletol das Mittel der Wahl.
Chiropraktische Repositionen ergänzen die Behandlung
wirksam. Ich halte es für richtig, zuerst das subkutane
Bindegewebe, lokal und vor alle.m in den Reflexzonen, aufzulockern, dann ist die chiropraktische Reposition verhältnismäßig [eicht und der Erfolg dauerhafter. Chiropraktische
Repositionen ohne Auflockerung des Bindegewebes halte
ich für wenig nachhaltig, weil durch die vorhandenen vegetativen Fehlspannungen die Wirbei immer wieder in ihre
Subiuxation gezogen werden.
Die häusliche Hydrotherapie soll zunächst allgemein die
Gefäßreaktionen trainieren. Man beginne mit kurzen wechselwarmen oder kalten Teilwaschungen und gehe allmählich
zu kleinen Teilgüssen über, die man in der Badewanne sogar mit der Handbrause ausführen kann. Der Patient darf
nie frieren. Die auf den Kältereiz folgende Wärmereaktion
muß durch Bewegung gefördert werden.
Die Ernährung muß vor allem vitalstoffreich sein. Vor jeder
Mahlzeit soll eine Frischkostvorspeise gegeben werden:
Frischgetreide, Frischgemüse oder Obst. Zu meiden sind
Zucker, Feinmehle und Industriefette, also denaturierte
Nahrung. Die Umstellung der Ernährung ist wichtig. Ich
erwähne noch, daß wir im Sanatorium unter Fastenkuren
die besten Erfolge der angegebenen manuellen Therapie
gesehen haben.
Lassen Sie mich zusammenfassen:
Jedes rheumatische Geschehen ist ausnahmslos, wie jede
chronisch-degenerative oder chronisch-entzündliche Erkrankung, von massivem Gelosefall begleitet, lokal und in den
Reflexzonen. Die Gelosebildung ist Ausdruck für eine
fixierte Fehlregulation im Mesenchym. Sie hat Störfeldcharakter und wirkt irritierend, blockierend und fixierend
auf die vegetativen Anpassungsfunktionen. Die genaue
Tastung des Gelosebefalls ist nur unter ausreichendem Einölen der Haut möglich. Die Beseitigung des Gelosebefalls
muß ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung des
Rheumatismus sein. Zusammen mit anderen Maßnahmen
von außen, die Massage, die Hydrotherapie, und die
Chiropraktik, die Bewegungsstherapie usw. ergibt sich eine
wirksame manuelle Therapie im Sinne der Therapia magna
externa.
Wir wenden uns bei der Therapie vor allem an das unspezifische Prinzip in der Mesenchymfunktion, aus dessen Störung sich erst in Jahrzehnten die spezifische Manifestation
in die verschiedenen Rheumatismusformen ergibt. Worte
wie „Verschleiß" und „Aufbraucherscheinungen" sollte man,
schon aus psychologischen Gründen, vermeiden, denn
Rheumatismus ist heilbar, wenn es gelingt, die Regenerationsfähigkeit des großen Regelsystems im Mesenchym
wieder herzusteilen. Diese Regeneration vom Unspezifischen her ist das große, zukunftsweisende Anliegen unserer Naturheilverfahren.
1. STORCK, H.: Hippokrates 20 (1956), S. 637.
2. PISCHINGER, A.: Phys. Med. u. Rehabilitation 3 (1969), S. 53.
3. FUDALLA, S.: Hippokrates 23 (1955), S. 693.
4. PREUSSER, W.: Hippokrates 9 (1954), S. 290, 14 (1957), S. 436,
8 (1961), S. 306, Diaita 3 (1966), S. 7.
5. HARTMANN, F.: Wien. Klin. Wschr. 12 (1927), 1 (1928). Verhandl.
Ges. f. inn. Med. 1930, S. 289.
6. SCHADE, H.: Münch. Med. Wschr. 1919, S. 1021, 1921, S. 25, 1926,
S. 2241.
7. VOGEL: Bio!, med. Taschen Jahrbuch 1952, S. 124, herausgegeben
von H. Haferkamp, Hippokrates-Verlag Stuttgart.
Anschrift des Verfassers: Dr. med. W. PREUSSER, 3388 Bad Harzburg, Bismarckstraße 35.
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Aus Praxis und Forschung 2. Teil
In Fortsetzung der in Heft 8/70 erschienenen Übersichtsreferate über die Möglichkeit der Therapie der Herzkrank-
heiten mit Medikamenten, bringen wir hier eine Übersicht
über weitere Präparate. Die Reihe wird fortgesetzt.
Die Schriftieitung
(Aus dem psychiatrischen Zentrum St. Anne, Paris; Leitung Prof. A. Soulairac)
Theo-Heptylon® in der Therapie der hypotonen Kreislaufstörung unter NeuroleptikaBehandlung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Wirksamkeit von TheoHeptyion bei den Formen der Hypotonie, die durch die
Behandlung mit Neuroleptika hervorgerufen werden. In den
Forschungsabteilungen von Delalande wurde die Verbindung von Theophyllinessigsäure und Heptamino! entwickelt.
Die pharmakologischen Untersuchungen von Loubatieres
und Bouyard zeigten die Erhöhung der Kontraktionskraft
des Herzens, eine Steigerung des Koronardurchflusses und
den Anstieg der Diurese.
Patientengut:
Die Wirksamkeit des Präparates wird an 28 männlichen
kreislaufgesunden Patienten im Alter von 18 bis 57 Jahren
(Durchschnittsalter 36) der psychiatrischen Abteilung geprüft. Unter der Behandlung mit der notwendigen Dosis
von Neuroleptika (Phenothiazine, Butyrophenonderivate)
treten bei diesen Probanden hypotone Krisen auf.
Methode:
Der Blutdruck wird täglich morgens um 8.00 Uhr liegend
und stehend gemessen, wobei die Maximal- und MinimalBiutdruckwerte registriert werden.
Die Patienten werden zusätzlich einer statokinesimetrischen Untersuchung unterzogen, um die Auswirkung auf
das Gleichgewicht zu prüfen.
Durch eine besondere Aufnahmevorrichtung mit Hilfe eines
Kathoden-Oszillographen wird während einer Minute die
Fläche gemessen, über die sich der Schwerpunkt bewegt.
Dabei steht der Proband unbeweglich in einem dunklen
Zimmer und üxiert einen fluoreszierenden Gegenstand. Die
Früfung wird bei 4 Patienten im akuten Versuch durchgeführt nach der Gabe von 1,0 g Theo-Heptylon i. v.
Gleichzeitig werden EEG-Ableitungen vorgenommen, um
eine zentral erregende oder eine den Amphetaminen ähnliche Wirkung ausschließen zu können.
Alle Patienten werden augenärztlich untersucht (Augeninnendruck, Blutdruck der art. centralis retinae, Gefäßveränderungen am Fundus). Diese Untersuchungen werden
mit Hilfe von Fotografien des Augenhintergrundes und
fluoreszierenden Substanzen durchgeführt.
Therapie:
Bei den ersten Anzeichen einer hypotonen Kreislaufregulationsstörung unter der neuroleptischen Behandlung erhalten die Patienten 4—6 Tabletten Theo-Heptylon pro die
(2,0—3,0 g theophyllinessigsaures Heptaminol) oder in
besonders schweren Fällen 3—4 Ampullen Theo-Heptylon
i. v. oder i. m. (1,5—2,0 g theophyllinessigsaures Heptaminol).
Ergebnisse:
Bei keinem Patienten treten unerwünschte Nebenwirkungen
auf. Alle Applikationsarten werden gut vertragen.
Die erhöhte Wachsamkeit der Patienten wird als sehr angenehm empfunden.
Vor der Behandlung mit Neuroleptika und Theo-Heptylon
betrug der durchschnittliche systoüsche Blutdruck S =
132 mm Hg im Stehen und der durchschnittliche diastolische Blutdruck D = 84 mm Hg im Stehen. Die Blutdruckamplitude beträgt für den Durchschnitt unserer Patienten
A = 48 mm Hg. Wenn wir die Beziehung von Blutdruckampütude zu systolischem Blutdruck in Prozent ausdrücken,
erhalten wir einen Wert von A/S = 36,5 %.
Unter der Behandlung mit Neuroleptika finden wir bei diesen Patienten eine signifikante Erniedrigung der Blutdruckwerte (Tab. 1).
Nach 8tägiger zusätzlicher Behandlung mit Theo-Heptylon
ist der systolische Blutdruck wieder angestiegen und der
diastolische Blutdruck noch leicht abgefallen. Die Blutdruckamplitude hat von 27 mm Hg auf 38 mm Hg zugenommen und nähert sich dem Wert vor der Behandlung. Nach
Tab. 1. Verhalten des Blutdruckes (Mittelwerte von 28 Probanden) bei kreislaufgesunden Patienten unter NeuroleptikaTherapie und zusätzlicher Theo-Heptylon-Applikation.
RR systolisch
in mm Hg (S)
RR diastoiisch
in mm Hg (D)
Blutdruckamplitude
(A) in mm Hg
prozentuale
Beziehung
von A zu S
132,3
84,0
48,3
36,5
Unter der Behandlung mit Neuroleptika
Differenz
Signifikanz P
109,0
-23,3 ± 8,7
0,01
81,9
27,1
-21,2 ± 2,8
0,001
24,8
-2,1
0,5
Unter der Behandlung mit Neuroleptika
und nach 8 Tagen zusätzlicher TheoHeptylon-Applikation
Differenz
Signifikanz P
114,5
+ 5,5
0,5
76,3
38,2
+ 17,0 ± 1,9
0,001
33,4
124
+9,5
75,6
48,4
+ 10,2 ± 1,7
0,001
39,0
Vor der Behandlung
Unter der Behandlung mit Neuroleptika
und nach 1 Monat zusätzlicher TheoHeptylon-Applikation
Differenz
Signifikanz
einem Monat zusätzlicher Behandlung mit Theo-HepiyJon
ist der Ausgangswert A ~ 48 mm Hg erreicht, obgleich der
syst. Wert noch unter der anfänglichen Höhe liegt. Die
Stabilisierung der unter neuroleptischer Behandlung auftretenden Kreislaufstörungen erfolgt mit Theo-Heptylon
durch Normalisierung der Blutdruckamplitude.
Die statokinesimetrische Prüfung ergibt im akuten Versuch
ein interessantes Ergebnis: Die Bewegungsfläche des
Schwerpunktes wird bedeutend kleiner und damit die Haltungsreaktion verbessert. Außerdem vermindert sich die
Zahl der Kompensationsbewegungen, die zur Erhaltung des
Gleichgewichtes notwendig sind.
Die EEG-Ableitungen unter zusätzlicher Theo-HeptylonTherapie weisen bei keinem Patienten neue Veränderungen
auf. Insbesondere findet man weder Krampfpotentiale noch
Zeichen, die einer Amphetamin-Wirkung entsprechen.
Bei 6 Patienten, die mit Neuroleptika eingestellt sind, werden im akuten Versuch 1,0 g Theo-Heptylon i. v. gegeben
und anschließend während 4 Stunden EEG-Ableitungen
vorgenommen. Der akute Versuch bestätigt die Ergebnisse
des chronischen: keine Krampfpotentiale, keine Amphet-
amin-Wirkung. Man sieht vielmehr oft eine JNiormaJisierng
des a-Rhythmus.
Die augenärztliche Untersuchung unter der Behandlung mit
Neuroleptika und Theo-Heptylon zeigt, daß keine Veränderungen des Augeninnendruckes, des Blutdruckes der art.
centralrs retinae und des Fundus auftreten.
Zusammenfassung:
Bei 28 männlichen Patienten, die unter der neuroleptischen
Behandlung eine hypotone Kreislaufregulationsstörung bekamen, erhält man unter zusätzlichen oralen Gaben von
2,0—3,0 g Theo-Heptylon pro die eine normale kardiovascuiäre Dynamik. Die Blutdruckamplitude erreicht wieder
den Ausgangswert, ohne daß jedoch der systolische Wert
bis zur anfänglichen Höhe ansteigt.
Die statokinesimetrische Untersuchung zeigt eine deutlich
bessere Gleichgewichtsregulierung. In den EEG-Ableitungen und in den ophthalmologischen Befunden treten keine
zusätzlichen pathologischen Veränderungen auf.
(A. med. psych., T 1, 19S9, 4, 650-658)
Obersetzt von Frau Dr. H. PETELER, 5 Köln, Merowlnger Straße 25.
Ans der Kardiologischen Abteilung (Leitender Arzt Priv.-Doz. Dr. med. K. A. FtosenKranz) der Med. Klinik der Berufsgenossenschaftlichen Krankenanstalten „Bergmannsheil", Bochum (Chefarzt Prof. Dr. med. E. Fritze)
Neuere Erkenntnisse bei der Therapie von Herzrhythmusstörungen
Die Erscheinungsformen und Ursachen der verschiedenen
Herzrhythmusstörungen sind sehr vielfältig. Dadurch wird
die Entscheidung über die im Einzelfall zu treffenden Maßnahmen oft außerordentlich erschwert.
Grundsätzlich ist davon auszugehen, daß nicht jede Störung des Herzrhythmus des sofortigen Eingreifens bedarf.
Das bedeutet, daß man sich — außer in bestimmten Notfallsituationen — meistens zunächst Klarheit über die Ätiologie der Arrhythmie verschaffen kann, um danach durch
Behandlung des Grundleidens ein kausales Vorgehen zu
ermöglichen. Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang an
die entsprechenden Maßnahmen bei der Myokarditis, der
Koronarsklerose, beim Hochdruck oder der Hyperthyreose.
Schwieriger zu beurteilen ist die Frage der Verursachung
von Herzarrhythmien bei Kranken mit Herzinsuffizienz, die
mit Digitalis-Glykosiden behandelt werden. Hier ist zu entscheiden, ob die Rhythmusstörung auf dem Fortbestehen
kardialer Dekompensation infolge ungenügender Sättigungsdosis beruht, oder ob sie bereits als Ausdruck toxischer Erscheinungen durch Überdosierung zu werten ist.
Man muß dabei bedenken, daß der Glykosidbedarf individuell außerordentlich verschieden ist, d. h. er kann zwischen
der Hälfte und dem Doppelten der angegebenen Durchschnittsdosen schwanken (1). Deshalb wird man sich in
Zweifelsfällen zum vorübergehenden Absetzen des Digitalis-Präparates entschließen müssen (1, 16, 17, 31).
Zu beachten ist ferner die verminderte Glykosidtoleranz
bei Kaliummangelzuständen, die eine entsprechende Substitutionstherapie erfordern. Meistens genügt die orale Kaliumgabe, z. B. von Rekawan (1 Tablette = 1 g KCI =
13,4 mval Kalium) 3 x 1 bis 2 Tabletten täglich. Manche
Kranke bevorzugen an Stelle der Tabletten die Einnahme
löslichen Kaliumchlorids als Brause oder in Bouillon (z. B.
Rekawan-Granulat). Bei bedrohlichen Herzrhythmusstörungen oder Magen-Darm-Unverträglichkeit ist die langsame
intravenöse Infusion von Kaliumchloridlösung (20 mval/
Stunde) vorzuziehen. Trophische Darmstörungen infolge
hoher lokaler Kaliumkonzentration bei dünndarmlöslichen
Kalium-Präparaten, über die vereinzelt berichtet wurde (21),
sind im eigenen Untersuchungsgut bisher nicht manifest
geworden (3t).
Neben den hier nur kurz skizzierten kausalen Behandlungsmaßnahmen ist individuell die Notwendigkeit einer
symptomatischen Therapie zu prüfen. Für die Indikation
dazu sind die folgenden Gesichtspunkte entscheidend: Wie
sich die Herzrhythmusstörung haemodynamisch auswirkt,
wie sie prognostisch zu beurteilen ist und schließlich, wie
sie das subjektive Befinden des Kranken beeinträchtigt.
Für die Belange der Praxis steht dabei die medikamentöse Behandlung im Vordergrund, während im klinischen
Bereich — bei Vorhandensein der apparativen Voraussetzungen — die Elektrotherapie einschließlich der Schritlmacherimplantation, gegebenenfalls in Kombination mit den
entsprechenden antiheterotopen Pharmaka, zur Anwendung kommen.
Die Tabelle 1 enthält ohne Anspruch auf Vollständigkeit
eine Aufstellung der zur Zeit gebräuchlichen Substanzen
mit zugehörigen Präparatenamen sowie Hinweisen auf
Anwendungsart, Dosierung, Indikationen und Kontraindika-
Art der
Rhythmusslörung
ventrikuläre
Extrasystolie
extrasystolische
Tachykardie
supraventrikuläre
paroxysmale
Tachykardie
ventrikuläre
paroxysmale
Tachykardie
Kammerflattern
Vorhofflimmern
Vorhoffiattern
WPW-Syndrom
Anzahl
Erfolg
%
Versager
26
21
81,0
5
15
11
73,0
4
89
69
76,2
20
34
28
82,0
6
1
1
—
—
10
5
50,0
5
3
1
—
2
31
18
58,0
13
209
154
73,6
55
Tabelle 2
Ergebnisse der intravenösen Ajmalin-Therapfe
Kontraindikationen
mögliche
Nebenwirkungen
Antidote
Anwendungsart
Ajmalin
(Gilurytmal)
intravenös 50 mg (1 Amp./
paroxysmale
10 m!) in 5 Min.
Tachykardie
intravenöse 1 mg/kg/Stunde
(supra- und
Infusion
in 250 ml
ventrikulär)
10%GIukose-oder
physiol. Kochsalzlösung
ReizleitungsverAv-Block,
Schenkelblock, zögerung, bei
Vorhofflattern
Überdosierung
Kammerflattern
möglich
Ajmalinbitartrat
(GT 1012/
Giulini)
oral
10-20mg ( = 1 - 2
Tabl.) 3 - 4 x t ä g I .
Extrasystolie
Rezidivprophylaxe
Av-Block
Übelkeit, Durchfall
nicht erforderlich
Beta-Rezeptorenblocker
(Aptin, Doberol,
Dociton,
LB 46/Sandoz,
Trasicor)
oral
unterschiedlich,
je nach Präparat
(Vorschrift beachten)
Sinustachykardie
(hyperkin, Syndr.)
supra- und ventrikuläre Tachyarrhythmie
frischer Herzinfarkt, manifeste Herzdekompensation,
Asthma bronchiale
Herzinsuffizienz,
Blutdrucksenkung, Av-Blockierung, Bronchospasmus
Alupent, i.v.,
Inhalation
Chinidin
(Chinidin.
sulfur.,
ChinidinDuriles)
ora!
0,2-0,6( = 1-3Tabl.)
0,25-0,5(=1-2Tabl.)
3—5 x täglich ansteigend
Vorhofflimmern
und -flattern (nach
Digitalisierung),
Rezidivprophylaxe
Av-Block, Koi- ReizSeitungslaps, Digitalis- blockierung, Kotüberdosierung, laps, Brechreiz,
Allergie
Durchfall, Ohrensausen, Sehstörungen
Dosis reduzieren, Natriumlactat, Alupent,
Hypertensin
Diphenylhydantoin
(Phenhydan)
oral
100mg(= 1 Tabl.) Arrhythmien nach
Digitalisintoxi3x täglich
kation
total. Av-Block
Blutdruckabfall,
Bradykardie
wie vor
lproveratril
(Isoptin)
intravenös 5—10 mg
( = 1-2 Amp.)
kardiogener
Schock
Blutdruckabfall,
Av-Blockierung
nicht erforderlich, Dosis reduzieren
Lidocain
(Xylocain)
intravenös 50—100 mg
ventrikuläre
( = 2,5-5 ml 2%)
Tachykardie, andere Arrhythmien,
intravenöse
bes. bei frischem
Infusion
500 mg { = 5 ml/
Herzinfarkt
10%) in 500ml
Glukose- oder
NaCI-Lösung,
20-40 (-80) Tropfen/Minute
Av-Block,
Schenkelblock,
schwere Hepatopathie,
Niereninsuffizienz
Schwindelgefühl,
Blutdruckabfall,
Unruhe, zentralnervöse Symptome
Zufuhr abbrechen, Alupent, Atropin,
Barbiturate
Procainamid
(Novocamid)
oral
Av-Block,
Schenkefblock,
KoUaps
Blutdruckabfall,
Reizieitungsblockierung,
Brechreiz
Natriumlactat,
Hypertensin
intravenös
(langsam!)
Dosierung
Indikationen
Substanz/
Präparat
0,5-1 ,0 ( = 2 - 4
Drag.) 3 x täglich
0,2-1 ,0 (2-10 ml)
supraventrikuläre
Tachykardie,
Vorhofflimmern
und -flattern
ventrikuläre Extrasystolie, ventrikuläre Tachykardie
Natriumlactat
(11,2%ige Lösung), 20-80 ml
i.v. oder als Infusion
Sparteinsulfat
(Depasan)
orai
100 mg ( = 1 Tabl.) Sinustachykardie,
initial 2—4x2 tägl. Vorhofflimmern,
Dauer 3 x 1 Tabl.
Rezidivprophylaxe
täglich
intravenös 100—200 mg
( = 1-2 Amp.)
Schwangerschaft
nur bei Überdosierung: curareähnlicher Effekt
auf Skelettmuskulatur, Atemstörungen
Calcium i.v.
Orciprenalin
(Alupent)
oral
keine
Unruhe, Schlafstörungen,
Tachykardie,
Arrhythmie
nicht erforderlich, Dosis reduzieren
10—40 mg
( = V2-2 Tabl.)
3x täglich
intravenös/ 0,5—1 mg
intrakardial (1—2 Amp.)
intravenöse
Infusion
10—30 mg
( = 2—6 Amp. zu
10ml in 250 ml Snfusionslösung)
Bradykardie,
Reizleitungsstörungen, AdamsStokes'sche Anfälle, Rezidivprophylaxe, Überdosierung von
Digitalis und
Bete-Rezeptorenblockern
Tabelle 1
Medikamente zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen (Dosierung, Indikationen, Kontraindikationen, Nebenwirkungen, Antidote)
Honen, mögliche Nebenwirkungen und Antidote. Neben den
eigenen Erfahrungen orientieren sich die Angaben zum
Teil auch an neueren Mitteilungen in der Literatur (3, 4, 6, 8,
10, 11, 16, 17, 19, 20, 23, 24, 25, 26, 31, 34, 37, 41, 44, 45).
Im Verlaufe der letzten zehn Jahre hat der hiesige Arbeitskreis mit der intravenösen Ajmalinanwendung besondere Erfahrungen sammeln können. Die Behandlungsergebnisse sind in der Tabelle 2 zusammengestellt.
Wie die Aufstellung zeigt, eignen sich besonders extrasystolische
sowie supraventrikuläre
und
ventrikuläre
paroxysmale Tachykardien für die intravenöse Anwendung
von Ajmaün, die in der Praxis u. E. die Therapie der Wah!
darstellt. Durch frühzeitige Hinweise auf bestimmte Kontraindikationen (Rosenkranz 28) blieben fatale Komplikationen
in den letzten Jahren aus.
Bei Kammerf!attern und Flimmerarrhythmien verspricht die
intravenöse Applikation von Ajmalin meistens keinen Erfolg, bei Vorhofflattern ist sie wegen der Gefahr der Deblokkierung sogar kontraindiziert (Rosenkranz 28). Die in der
Tabelle 2 aufgeführten Fälle dieser Rhythmusstörung wurdsn als supraventrikuläre Tachykardien fehlgedeutet. Beim
elektrokardiographischen Bild des WPW-Syndroms gelingt
in mehr als der Hälfte der Fälle durch den intravenösen
„Ajmalintest" die vorübergehende Überführung in die
T 58 Jt?
Abbildung 1
Gliedmaßen-Elektrokardiogramm während Ajmalin-lnjektion
bei supraventrikulärer (Spalte 1) und ventrikulärer paroxysmaler Tachykardie (Spalte 2).
Grundform des Elektrokardiogramms (29, 30). Dadurch wird
einmal eine genauere Differenzierung der dieser Anomalie
zugrunde liegenden Herzfunktionsstörung ermöglicht, und
zum anderen die Wirksamkeit des Mittels beim Auftreten
der für dieses Syndrom charakteristischen paroxysmalen
Tachykardie geprüft.
Abbildung 3
Elektrokardiographischer Befund eines 44jährigen Mannes
mit ventrikulärem Bigeminus (Spalte 1) vor und nach oraler
Behandlung mit GT 1012 (Spalte 2).
-*~$~**~~.~*fL^—~~»4—•*-~~-s$»
Abbildung 2
Überführung eines WPW-Biides in die Grundform des
Elektrokardiogramms durch intravenöse Ajmalin-lnjektion
Wie die Erfahrung lehrt, ist in vielen Fällen von Herzarrhythmien die intravenöse Anwendung antiheterotop wirkender Pharmaka allein nicht ausreichend. Zur Stabilisierung des primären Therapieerfolgs bzw. zur Vermeidung
von Rezidiven ist meistens die orale Weitergabe des entsprechenden Mittels unerläßlich. Bei zahlreichen Kranken
mit weniger bedrohlichen, aber subjektiv unangenehmen
Herzrhythmusstörungen — dabei handelt es sich am häufigsten um Extrasystolen — kann die Behandlung von vornherein auch durch orale Einnahme des Mittels erfolgen.
In dieser Beziehung erwies sich in den letzten Jahren die
Anwendung von Ajmalin-Bitartrat (Versuchspräparat GT
1012 der Fa. Giulini/Ludwigshafen) als gut wirksam und
ausgezeichnet verträglich. Unter mehr als 100 Fällen mit
verschiedenen Formen der Extrasystolie konnte in über
70 % die Rhythmusstörung beseitigt bzw. deutliches Nachlassen ihrer Häufigkeit beobachtet werden {Rosenkranz 32,
37). Über gleichartige Behandiungsergebnisse haben unterdessen auch andere Autoren berichtet (20, 44).
Ein Behandlungsversuch mit Ajmalin-Bitartrat ist auch zur
Anfalisprophylaxe bei paroxysmalenTachykardien und intermittierenden Fiimmerarrhythmien sowie bei Kranken mit
starrfrequenten elektrischen Schrittmachern, bei denen gehäuft Parasystolen auftreten, angezeigt.
Zur Behandlung des sogenannten hyperkinetischen Herzsyndroms bzw. der sonst weitgehend therapieresistenten
Abbildung 4
Elektrokardiogramm einer 25jährigen Frau im Liegen und
während Orthostase vor und nach Behandlung mit dem
Beta-Rezeptorenblocker LB 46.
V .
rjU-
K~ A-* Jj--
Abbildung 5
Elektrokardiogramm in Ruhe, während und nach Belastung
am Fahrradergometer eines 21jährigen Mannes mit vegetativer Dystonie vor und nach Behandlung mit LB 46.
Sinustachykardien bei vegetativer Dystonie wird neuerdings
die Anwendung von Beta-Rezeptorenbiockern empfohlen
(4, 8, 24, 25). Bei sorgfältiger Beachtung der Kontraindikationen — frischer Herzinfarkt, manifeste Herzinsuffizienz,
Asthma bronchiale — gelingt meistens die Ökonomisierung
der Herzfrequenz in überzeugender Weise {Rosenkranz
und Bauer 34).
Auf Grund der eigenen Untersuchungsergebnisse (34) wird
die Sinusffequenz sowohl in Ruhe als auch unter Orthostase und Arbeitsbelastung durch Anwendung von BetaRezeptorenblockern weitgehend normalisiert. Durch die
Verringerung der Herzarbeit reduziert sich der Sauerstoffbedarf, während die Verlängerung der Diastolendauer indirekt zur Verbesserung der Koronardurchblutung führt.
Von den in der Tabelle 1 aufgeführten Medikamenten verdient vor allem im klinischen Bereich das Lidocain (Xylocain) besondere Beachtung. Intravenöse Dauertropfinfusionen zur Behandlung bzw. zur Prophylaxe von Herzrhythmusstörungen ber Kranken mit frischem Herzinfarkt
werden damit vielerorts bereits routinemäßig angewandt
(6, 8, 41).
Die Behandlungsmöglichkeiten tachykarder Formen von
Herzrhythmusstörungen sind seit der Einführung der
Elektrotherapie (2, 48) wesentlich bereichert worden. Während anfangs die Wechselstromdefibrillation gebräuchlich
war, wird heute die herzphasengesteuerte Applikation von
Gleichstromimpulsen bevorzugt (5, 18, 27, 32, 42, 46, 47).
Es sind dazu mehrere, annähernd gleichwertige Gerätetypen auf dem Markt, die nach dem Bausteinprinzip mit
einem elektrischen Schrittmacher kombiniert sind und außer
dem Defibrillator mit Synchronisationseinschub einen Monitor zur Palientenüberwachung enthalten.
Die Applikation des elektrischen Gegenschocks erfolgt
grundsätzlich in Allgemeinnarkose, dabei hat sich das
intravenöse Kurznarkotikum Epontol besonders bewährt
(35). Deshalb und wegen der Notwendigkeit, gleichzeitig
Vorkehrungen zur Absaugung und zur Beatmung der Kranken zu treffen, muß die Elektrotherapie vorerst der Klinik
bzw. entsprechend ausgerüsteten Notfalleinsatz-Fahrzeugen
vorbehalten werden.
Die Stromübertragung erfolgt über zwei großflächige Elek-
Art der
Rhythmusstörung
Vorho'fflimmern
a) Mitralstenose
b) Mitralinsuffizienz
c) komb. Vitien
Anzahl
Erfolg
40
12
14
36
9
11
%
Versager
84,9
66
56
10
10
6
12
14
42
22
22
20
29
28
22
13
186
144
Gesamtzahl
der Fälle
VAV/
, ÜB«
/'A V AVv" A Vv\*
J'
- - A-—-u
Abbildung 6
Elektrokardiographischer Verlauf bei einem 58jährigen
Mann mit frischem Vorderwartdinfarkt, bei dem das primär
bestehende Herzkammerflimmern durch einmaligen Elektroschock beseitigt wurde.
Auch bei paroxysmalen Tachykardien läßt sich die Arrhythmie fast immer auf elektrischem Wege ohne Zeitverlust beseitigen.
4
3
3
d) Zst. n. Myokarditis
16
e) Koronarsklerose bzw.
Zst. n. Koronarinfarkt 26
Vorhofflattern
supraventrikuläre
paroxysmale
Tachykardie
ventrikuläre
paroxysmale
Tachykardie
Kammerflattern
bzw. -flimmern
troden, die unter festem Druck der linken Brustkorbseite
angepreßt werden. Diese sind zur Verringerung des Übergangswiderstandes bzw. zur Vermeidung von Verbrennungen mit einer Elektrodenpaste zu bestreichen. Neuerdings
wird die eine der Elektroden auch unter das linke Schulterblatt geschoben. Da bei dieser „Antipodenstellung" das
Herz zwischen den Elektroden liegt, kommt man nicht selten mit geringerer Stromenergie aus. Die Leistung der
Kondensatorentiadung, die stufenlos regulierbar ist und
2,5 msec. dauert, wird im allgemeinen zwischen 80 und
400 Watt/Sek. gewählt. Bei negativem Ergebnis können in
einer Sitzung, jeweils im Abstand von einigen Minuten,
weitere Gegenschocks appliziert werden.
Auf Grund der eigenen Ergebnisse, die in der Tabelle 3
zusammengestellt sind, kann zum Indikationsbereich der
Elektrotherapie näher Stellung genommen werden.
52,4
20
2
Abbildung 7
Gliedmaßen-Elektrokardiogramm
bei
supraventrikulärer
(Spalte 1) und ventrikulärer paroxysmaler Tachykardie
(Spalte 2) vor und nach herzphasengesteuerter Elektroschockbehandlung.
77,3
42
Tabelle 3
Ergebnisse der Elektrotherapie
Es ergibt sich danach, daß bei Kammerflattern und -flimmern die Elektroreduktion vital indiziert ist.
Da den supraventrikulären Tachykardien häufig keine organische Ursache zugrunde liegt, stellen sie, obwohl sie auf
diese Weise fast immer zu beherrschen sind, für die Elektrotherapie nur eine relative Indikation dar. Ein medikamentöser Rhythmisierungsversuch, z. B. mit intravenöser
Ajmalininjektion, kann deshalb vorgezogen werden.
Vorhofarrhythmien durch Flimmern oder Flattern, speziell
bei den deblockierten Formen, können ebenfalls durch
Elektroschockbehandlung beseitigt werden.
*>-iSO/Hln,
ZOO WattfSek.
iOO/tftn
Für aeren medikamentöse Behandlung, die allerdings als
Dauertherapie unbefriedigend ist, gilt heute Alupent (oral,
intravenöse/intrakardiale Injektion oder Dauertropfinfusion,
vgl. Tabelle 1) als Mittel der Wahl.
Als Ursache der blockierten Erregungsleitung überwiegt
bei weitem die degenerative Myokardschädigung infolge
Koronarsklerose, so daß besonders häufig alte Menschen
betroffen sind. Sehr viel seltener sind entzündliche,
toxische, traumatische und auch angeborene Störungen der
atrio-ventnkulären Überleitung. Die daraus resultierende
Beeinträchtigung der Haemodynamik kann unvermittelt unter dem klinischen Bild des Adams-Stokes'schen Anfalls
infolge Kammerasystolie einen lebensbedrohlichen Zustand hervorrufen
Abbildung 8
Gliedmaßen-Elektrokardiogramme bei schneller Flimmerarrhythmie (Spalte 1), Vorhofflattem mit 4:1 Überleitung
(Spalte 2) bzw. deblockiertes Vorhofflattem (Spalte 3) vor
und nach Kardioversion.
Bei den zahlenmäßig im Vordergrund stehenden absoluten
Arrhythmien durch Vorhofflimmern ist anges'chts der hohen
Rezidivquote bei der Kardioversion der anfängliche Optimismus gedämpft worden (5, 13, 18, 26, 27, 32, 33, 35, 42,
46, 47). Man steht heute auf dem Standpunkt, daß insbesondere beii den bradykarden Formen, die den Kranken
subjektiv meistens weniger beeinträchtigen, die passagere
Überfuhrung in Sinusrhythmus — außer dem „kosmetischen" Effekt auf das Elektrokardiogramm — hinsichtlich
der Haemodynamik keinen nachhaltigen Einfluß hat. Dies
gilt auch für die Flimmerarrhythmien infolge degenerativer
Myokardschädigung, zumal dabei schon die primäre Erfolgsquote relativ niedrig ist (vgl. Tabelle 3). Entscheidend
für die Indikation der Elektrotherapie des Vorhoffiimmerns
ist die Frage, in welchem Maße dadurch die körperliche
Leistungsfähigkeit der Betroffenen beeinträchtigt ist. Man
wird sie deshalb hauptsachlich bei jüngeren Menschen und
bei den tachykarden Formen anwenden. Eine besondere
Prämedikation, etwa mit Chinidin, ist nicht obligat, sie ist
oft schon aus zeitlichen Gründen nicht praktikabel. Angesichts des geringen Embolierisikos wird auch die prophylaktische Antikoagulantienanwendung nicht für notwendig
erachtet (Hager 18, Rosenkranz 32, 33).
Hingegen ist zur Stabilisierung des Therapieerfolgs die
konsequente und langdauernde Nachbehandlung mit antifibnllatorischen Pharmaka unerläßlich (5, 10, 11, 18, 26, 27,
42, 46). Statt Chinidin (1 bis 1,5 g/Tag) kann dazu auch
Dspasan (0,4 bis 0,5 g/Tag) benutzt werden (Rosenkranz
32, 33, 35). Schließlich ist zu berücksichtigen, daß die
dauerhafte Beeinflussung der vorgenannten Herzrhythmusstörung von der kausalen Behandlung des Grundleidens
(einschließlich der Operation von Herzfehlern) abhängig ist,
zumal auch die Elektrotherapie, so erfolgreich sie in Notfallsituationen ist, nur eine symptomatische Maßnahme darstellt.
Die bradykarden Zustandsbilder von Herzarrhythmien sind
hauptsächlich durch die verschiedenen Formen des AvBlocks, also durch Störung der Erregungsüberleitung von
den Vorhöfen auf die Kammern, charakterisiert. Sie bedürfen erst dann der Behandlung, wenn die Kammerfrequenz den kritischen Wert von 40/min. unterschreitet.
Abbildung 9
Elektrokardiogramm eines 70jährigen Mannes mit AdamsStokes'schen Anfall von 18 Sek. Dauer.
Dementsprechend ergibt sich heute aus dem Auftreten derartiger Synkopen, auch wenn sie im Beg nn nicht selten
schon nach mehreren Sekunden spontan aistieren, die Indikation zur Schrittmacherimplantation.
In derartigen Notfallsituationen, die sofortige Klinikeinweisung erfordern, kann zunächst die temporäre elektrische
Stimulation vorgenommen werden. Von den verschiedenen
Möglichkeiten dazu ist die transthorakale Reizung über
kleine Plattenelektroden weitgehend verlassen worden,
weil sie zu schmerzhafter Mitkontraktion der Brustkorbmuskulatur führt und außerdem wegen der erhöhten Spannung des Impulsgebers Verbrennungen hervorruft. Auch die
Reizung über eine differente, mittels eines Troikarts eingeführte Perikardelektrode kann wegen der Infektionsgefahr
nur kurzfristig erfolgen. Aus diesen Gründen wird heute
die transvenöse Stimulation über eine in die rechte Herzkammer eingeführte Katheterelektrode bevorzugt. Diese
kann bis zu mehreren Tagen belassen werden. Nachfolgend
ist dann zu entscheiden, ob eine permanente Stimulation
über einen implantierbaren elektrischen Schrittmacher notwendig ist.
Nachdem anfangs die transthorakal-myokardiale Implantation der Schrittmacherelektroden erfolgte (9, 12, 14, 15, 18,
27, 49), wird seit einigen Jahren (22) die überwiegende
Mehrzahl der Schrittmacher mit transvenöser Stromzuführung benutzt. Da auf diese Weise die Thorakotomie vermieden wird, ist der Eingriff für den Kranken weniger belastend und kann dementsprechend auch in Häusern ohne
Thoraxchirurgie vorgenommen werden. Bei diesem Vorgehen ergeben sich jedoch gelegentlich Schwierigkeiten
hinsichtlich der Fixation der Elektrodenspitze im rechten
Ventrikel, so daß Dislokationen auftreten können (z. B. in
den rechten Vorhof oder in die A. pulmonalis). Ferner
kommen, sowohl bei der myokardialen Implantation als
auch bei Verwendung von Katheterelektroden, Elektrodenbrüche vor, durch die entsprechende Zweiteingriffe erfor-
derlich werden Das erneute Auftreten zu langsamen Herzschlags bzw von Adams-Stokes sehen Anfallen sollte deshalb für den Praktiker Anlaß zu sofortiger Wiederemweisung in die Klinik sein
Im Zuge der Weiterentwicklung bestimmter Schnttmachertypen vor allem solcher die im Gegensatz zu den Geraten
mit starrer Reizfrequenz koordiniert zur Vorhof- oder Kammeraktion stimulieren, ist die Frage der Elektrodenapplikation in der letzten Zeit erneut aktuell geworden Für die
vorholgesteuerten ModeMe, die infoige der dadurch gewährleisteten Frequenzanpassung an körperliche Belastung vor allem für jüngere Menschen auf längere Sicht
die optimale Losung der Schrittmachertherapie bedeuten,
bereitete bisher die Fixierung der Steuerelektrode, wenn
sie nicht im Wege der Thorakotomie unmittelbar auf den
rechten Vorhof genaht werden soll die größte Schwieng-
Abbildung 10
Seitliche Thorax-Rontgenaufnahme eines 48jahngen Mannes rmt Vorholsteuer- und VentnkeleleWrode
A
Abbildung 11
Brustwand-Elektrokardiogramm d&s gleichen Kranken mit
auf transvenosem Wege vorhofgesteuertem Schrittmacher
in Ruhe, wahrend und nach Ergometerbelastung
keit Für die endokardiale Stimulation ist dieses Problem
aber wahrscheinlich dadurch gelost, daß die neben der
Ventrikelelektrode notwendige Zweitelektrode mit Hilfe feiner Widerhaken an der Spitze im rechten Herzohr sicher
Iixiert werden kann {Schaldach 39, Schaldach und Franke
40 Rosenkranz und Schaldach 36)
Da sich die bisher gebräuchlichen batteriebetriebenen Generatoren mit der Zeit erschöpfen und dementsprechend
im Mittel nach 1 V2 bis 2 Jahren ein Austausch notwendig
ist, geht die Tendenz dahin andere Energiequellen nutzbar
zu machen Zur Zeit konzentriert sich die Entwicklung auf
durch Kernspaltungsenergie betriebene Schrittmacher und
auf biologische Brennstoffzellen bzw biogalvanische Elemente deren Betriebsdauer auf etwa 10 Jahre geschätzt
wird (Schaldach 38, Schaldach und Franke 40)
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I
r
f•
ein Herzglykosid neuen Typs: Feruvosid
vereint in sich die Hauptvorzüge von Digitalis und Strophanthin:
Hohe Resorptionsquote und hohe Abklingquote
[
Ausgeprägte positive Inotropie
Rascher Wirkungseintritt bei i.V.-Gabe
Gute enterale Resorption
Hohe Abklingquote/ also einfache Handhabung
Unproblematischer Wechsel
zwischen i.V.-und oraler Therapie
Einmalig günstige Relation zwischen kompensatorischer und arrhythmieerzeugender Dosis
[
i
Indikationen:
Chronische Herzinsuffizienz
Belastungsinsuffizienz (latente Herzinsuffizienz) Altersherz
Encordin ist wie jedes Herzglykosid individuell zu dosieren.
Zu Beginn und als Dauerbehandlung im allgemeinen
3xtägl.l Dragee oder 3x tägl.20Tropfen.
Bei eingeschränkter Glykosidtoleranz oder reduziertem
Glykosidbedarf ist eine Dauerbehandlung mit
2 x tägl.1 Dragee bzw. 2x tägl. 20 Tropfen Encordin zweckmäßig.
20 Dragees
50 Dragees
100 Dragees
Alle Preise n.A.T.
DM 2.B5
DM 5.30
DM 9.55
20 ml Tropfen
50 ml Tropfen
DM3.10
DM B.7D
10 Ampullen zu 2 ml
DM B.B5
Ferner Anstalts-Packungen
MERCK
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Anschrift des Verfassers: Priv.-Doz. Dr. m e d . K. A. ROSENKRANZ,
Krankenanstalten „Bergmannsheil", 463 Bochum.
Indikationen, Kontraindikationen und Dosierung der f-Rezeptorenblocker
i
Auf Grund unterschiedlicher Wirkungsstärken einer Gruppe
adrenerg wirkender Substanzen an verschiedenen Erfolgsorganen nahm Alquist (1948) zwei verschiedene Rezeptoren zur Übermittlung adrenerger Erregungen an:
a- und ß-Rezeptoren (lsoprenalin - > ß-Rezeptoren, Noradrenalin ->- cc-Rezeptoren, Adrenalin -> a- und ß-Rezeptoren).
In Abb. 1 sind adrenerger Rezeptor, Stimulator und „Blokker" (besser „Hemmer") schematisch dargestellt. Spezifisch wirkende Blocker und Stimulatoren besitzen jeweils
einen haptophoren Strukturanteil mit entsprechender Affinität zum spezifischen Rezeptor. Blocker und Stimulator
unterscheiden sich durch den Besitz oder die Art des
pharmakophoren Strukturanteils. Sie wirken kompetitiv
zueinander, d. h. man kann durch Erhöhung der Konzentration des einen den Gegenspieler am Erfolgsorgan (Rezeptor) verdrängen.
Blocker
o(, - Stirnuialor
T
^
p
>
ß- Simulator f
~k ^
Zelle eines J;—oL-Rveptor 3
^rfO/SSOrgans
H
C.
1-4
^-Rezeptor M
pC +• ß ^Stimulator
Abb. 1
Schematische Darstellung der Beziehungen der Stimulatoren und Blocker (A, B, C) zu den Rezeptoren (a, ß).
Die schwarz gezeichneten Enden entsprechen einem haptophoren, Kreise (a) und Vierecke (ß) einem pharmakophoren
(adrenergen) Strukturanteil. Agonisten und Antagonisten
unterscheiden sich durch die spezifische „innere Aktivität"
der pharmakophoren Gruppe.
a-Stimulator = Noradrenalin
ß-Stimulator = Isoproterenol
a- und ß-Stimulator = Adrenalin
(nach H. Lydtin)
Es gibt ß-Blocker mit und ohne eigene adrenerge Stimulationswirkung („intrinsic activity"). Weiterhin unterscheiden
sich die heute verfügbaren ß-Blocker durch die Ausprägung
einer zusätzlichen unspezifischen „membranabdichtenden"
= chinidinähnlichen, lokalanästhetischen Wirkung.
In Umkehrung der physiologischen Kaiecholamineffekte
zeigen ß-Blocker folgende Kreislaufwirkungen:
1. Eine geringe Zunahme des peripheren Gefäßwiderstandes (ß-Stimulation bewirkt eine Hemmung der glatten
Gefäßmuskulatur der peripheren Arterien);
2. eine Abnahme von Kontraktilität, Schlagfrequenz, Minutenvolumen und Sauerstoffverbrauch des Herzens (ß-Re-
zeptoren vermitteln + inotrope, chronotrope und bathmotrope Wirkungen).
Die Größe dieser Effekte hängt von der Größe des adrenergen Antriebs zum Zeitpunkt der ß-Blockade ab.
(Die Wirkungen auf die Koronararterien sind weit unübersichtlicher, doch spricht die Mehrzahl der Untersuchungen
dafür, daß adrenerge Wirkungen auf die glatte Muskulatur
der Koronararterien in erster Linie durch ß-Rezeptoren
übertragen werden. Neben dem Verhältnis von a:ß-Aktivität scheint für die Reaktion der Koronargefäße auch der
Ausgangszustand von Bedeutung zu sein, d. h., bei weiten
Koronarien kann eine adrenerge Stimulation verengend,
bei engen erweiternd wirken.)
Aus diesen Ausführungen ergeben sich bereits die Hauptindikationen für ß-Rezeptorenblocker.
Allgemein sind ß-Blocker immer dann indiziert, wenn ein
erhöhter adrenerger Antrieb eine entscheidende pathogenetische Rolle spielt:
1. Angina pectoris vera (Langzeitbehandlung zur Anfallsprophylaxe)
2. Hyperkinetisches Herzsyndrom (vasoregulatorische Asthenie)
3. Subvalvuläre, muskuläre Aorten- (und Pulmonal-)Stenose
4. Arrhythmien:
a) glykosidinduzierte
b) Sinustachykardien allgem.
c) Tachyarrhythmia absol. und Tachykardien bei Vorhofflattern
d) bei Narkosezwischenfällen mit endogener Katecholaminfreisetzung oder exogener Katecholaminzufuhr
(Lokalanästhesie)
5. Phaeochromozytom (nur zusammen mit a-Blockern).
Zu erwähnen wäre noch der Einsatz bei der Hypertoniebehandlung und bei Hyperthyreosen.
Zu 1.: ß-Blocker wirken bei A. p. durch eine Durchbrechung
des circulus vitiosus aus Ischämie — Zunahme des myokardialen Strömungswiderstandes — vermindertem O2-Angebot und dadurch verstärkter Ischämie. Der entscheidende
Wirkungsmechanismus liegt in einer Verringerung der Arbeitsleistung durch Verringerung von Schlagfrequenz und
Kontraktilität und damit einer Abnahme des Sauerstoffbedarfs des Herzens bei Belastung. Die (^-Bereitstellung
kann dagegen durch ß-Blocker nicht verbessert werden.
Nicht indiziert sind ß-Rezeptorenblocker im A. p.-Anfall.
Auch bei fehlenden Insuffizienzzeichen sollten ß-Blocker
bei der Behandlung der A. p. zusammen mit einer positiv
inotrop wirkenden Substanz, d. h. einem Herzglykosid, verabreicht werden (vor allem bei vergrößertem Herzen). Denn
infolge der negativ inotropen Wirkung der ß-Blocker kann
es zu einem vergrößerten diastolischen Ventrikelvolumen
mit erhöhter Wandspannung (Laplace-Beziehung) und dadurch erhöhtem myokardialen Strömungswiderstand mit
Störung des diastolischen Koronareinstromes kommen.
Der gemeinsame Einsatz von Nitriten und ß-Rezeptorenblockern bei A. p. ergab eine weitere Steigerung der Belastbarkeit bei Koronarinsuffizienz.
II b) Kontraindikationen
Die bereits von der Pharmakologie gegebenen Gegenindikationen einer adrenergen ß-Rezeptorenblockade wie Herzinsuffizienz, Schock, Azidose, obstruktive Lungenventiiationsstörungen (Asthma bronch.) und av-Überleitungsstörungen (weniger bei s.v. Tachykardien) (außerdem Neigung
zu Hypoglykämien, Diabetes [Hemmung der Insulinfreisetzung], Chloroform-, Aether-, Cyklopropannarkose) gelten
weitgehend unverändert.
Die klarste und praktisch absolute Kontraindikation ist die
manifeste Herzinsuffizienz. Hier kann ein ß-Blocker durch
Ausschaltung des adrenergen Antriebs und durch seine
mehr oder weniger stark ausgeprägte chinidinähnliche Wirkung deletär wirken.
Als Antidot kommt neben Adrenalin besonders Alupent®
in Frage, außerdem Herzglykoside und Ca.
Abb. 2 zeigt die wichtigsten im Augenblick im Handel befindlichen ß-Rezeptorenblocker und einige schon im Versuch stehende Substanzen: ß-adrenolytischer Effekt, chiniAbb. 2
Zusammenfassende Darstellung derWirkungsspektren einer
Reihe von adrenergen ß-Rezeptorenb!ockern
( + = Wirkung vorhanden)
ß-blockie-(chinidin- „Intrin- selektive
rende ähnliche) sie", der Wirkung
lokal- Substanz
anästhe- eigene,
tische adrenerge
Dichlorisoprotenerol
Pronethalol
D, L Alprenolol
(Aptin®)
Kö 592
D, L Propranolol
(Dociton®)
D-Proprano!ol
ICI50 172 (Evaldin)
+
+
—
+
+ + +
—
—
+
+
+
+
+
—
—
+
—
+
+
+
—
—
—
+
—
—
Herz
dinähnliche-membranabdichtende Wirkung, adrenerge Eigenstimulationswirkung und Selektivität der Wirkung sind einander gegenübergestellt.
Die weitere Entwicklung wird wohl in erster Linie in Richtung der erhöhten Selektivität gehen. Substanzen, die selektiv die ß-Rezeptoren des Herzens hemmen und deren
chinidinähnlicher Effekt zu vernachlässigen ist, könnten für
die Anfallsprophylaxe der A. p. besser geeignet sein als
die bisher verwendeten Substanzen.
Zuf.: ß-Rezeptorenblocker sind u. a. indiziert neben nitritenverwandten Substanzen zur Anfallsprophylaxe der Belastungsangina bei nicht insuffizientem Herzen — Wirkung
in erster Linie via Sauerstoffeinsparung durch Frequenzund Kontraktilitätsabnahme.
Dosierung: Dosierung einschleichend und individuell nach
dem Grundsatz: So wenig wie möglich, so viel wie nötig;
bei A. p. durchschnittlich 80—120 mg/d ( + z. B. 2 x 1 Kapsel eines Langzeitnitrits); Schwankungen zwischen 40 und
400 mg — Einstellung entsprechend Pulsfrequenz (Gersmeyer u. a.).
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Anschrift des Verfassers: Dr. MARKWARD MARSHALL, 8 München 15,
Med. Poliklinik der Universität, Pettenkoferstraße 8 a.
Herzbehandlung mit und ohne Glykoside
Cassella-Riedel Pharma konnte sich in ihrem Gründungsjahr 1963 der Ärzteschaft mit einer Neuentwicklung vorstellen, die ihre weltweiten Erfolge begründen half: dem
selektiven blutdruckneutralen Koronartherapeutikum Intensain aus den Cassella-Forschungslaboratorien. Intensain
wurde zum Ausgangspunkt eines Programms, dessen Ziel
es war, dem Arzt einen breiten Fächer von Möglichkeiten
zur differenzierten Therapie der Zivilisationskrankheit
Angina pectoris zur Verfügung zu stellen.
Optimale Koronartherapie = selektive Koronartherapie
Hier und da ist es zu einer gewissen Resignation hinsichtlich des therapeutischen Prinzips der Koronardilatation
gekommen. Ganz zu Unrecht. Dies beweisen die experimentellen Befunde, ganz besonders aber auch die positiven klinischen Berichte, über die 66 Untersucher an Hand
ihrer Erfahrungen mit INTENSAIN® an fast 1600 Patienten
anläßlich des Moskauer Symposions berichten konnten
(Arzneimittel-Forsch. 20, 421-470 [1970]).
Bereits einleitend hatte Lochner seine Untersuchungen über
die Physiologie der Koronardurchblutung mit der Bemerkung zusammengefaßt, daß „Intensain zweifellos ein potenter Koronardilatator" sei. Nitz erläuterte in seinem Bericht über die Pharmakodynamik noch einmal die Eigenschaften, die Intensain zu einem Koronartherapeutikum besonderer Art machen: langanhaltende, selektive Koronarwirkung.
Diese Wirkung konnte Hilger auch klinisch bestätigen. Bei
der i.v. Infusion von 200 mg Intensain innerhalb von 15 Minuten blieben bei anhaltender, erheblicher Steigerung
der Koronardurchblutung Herzfrequenz und Blutdruck praktisch konstant. Eine koronardilatatorisch hochwirksame Dosierung ist mithin klinisch praktikabel. Nach Friese erwies
sich die Intensain-Infusion als besonders wirkungsvoll in
der Behandlung der schweren Koronarinsuffizienz mit
drohendem Herzinfarkt.
Schvacabaja et al. konnten mit Intensain einen positiven
Effekt bei 82 % ihrer Patienten erzielen, die an chroni-
scher Koronarinsuffizienz und häufigen stenokardischen Anfällen bei nicht stenosierender koronarer Atherosklerose
litten. Der Intensain-Effekt übertrifft dabei die PlaceboWirkung hoch signifikant. Schmidt-Voigt stellte außer der
prompten Schmerzbeseitigung signifikante Rückbildungen
oder gar Normalisierungen der zuvor pathologischen STStrecken und T-Zacken fest. Haiat schilderte den besonders eindrucksvollen Fall von Chiche, in dem durch i. v.
Intensain-Injektion die Wiederherstellung des Sinusrhythmus gelang.
Auch Ivancic et al. erzielten bei 8 5 % ihrer StenokardiePatienten mit der oralen und parenteralen Intensain-Therapie gute und sehr gute Erfolge. Sie unterstreichen die
besondere Eignung der Intensain-Therapie für die ambulante Dauerbehandlung von Koronarkranken. Kipsidze und
Capidze stellen fest, daß Intensain in der akuten Phase des
Herzinfarktes in breitem Umfang angewendet werden kann.
Nach ihren Befunden vermindert und verkürzt Intensain in
einer Dosierung von 3 x täglich 150 mg die stenokardischen
Anfälle bei der Mehrzahl der Kranken.
Nach Votcal und Lozinskij unterbricht Intensain den stenokardischen Anfall bei akuter und chronischer Koronarinsuffizienz. Das Auftreten eines Kollapses beim Myokardinfarkt
hindert (im Gegensatz zu Nitroglycerin) seine Anwendung
nicht. Denn Intensain ist blutdruckneutral und ruft keine
hämodynamisch belastenden Nebenerscheinungen hervor.
„Diese Eigenschaften machen Intensain in einschlägigen
Fällen zum Mittel der Wahl." Daß Intensain auch in Fällen
mit ausgeprägter Atherosklerose der Koronarien therapeutisch wirksam ist, spricht nach Savenkov et al. für die Fähigkeit von Intensain, die Ausbildung von koronaren Kollateral kreisläufen zu fördern.
Dies ist nur ein kurzer Abriß der vielen positiven Erfahrungen, die Ärzte aus Ost und West unter dem Leitthema
„Moderne Aspekte der Koronartherapie" in aufgeschlossener Athmosphäre miteinander austauschen konnten. Intensain hat seine Bewährungsprobe längst bestanden. Die vorliegenden Ergebnisse erklären aber die weltweite Anerkennung, der sich Intensain dank seiner vielfach bestätigten Qualitäten erfreut.
Sauerstoff und Glykosid für das insuffiziente Herz
In den letzten Jahren gewann zusehends die Erkenntnis
an Boden, daß insuffiziente Herzen zur Wiederherstellung
ihrer Kraft und Leistungsreserve nicht nur ein Glykosid,
sondern auch ein Koronarspezifikum benötigen. Gemeinsam mit der auf dem Gebiet der Herzglykoside führenden
Arzneimittelfirma Boehringer Mannheim entwickelte Cassella-Riedel Pharma das Präparat INTENSAIN-LANICOR®,
das inzwischen als bedeutende Bereicherung der Herztherapie anerkannt ist.
intensain 150-Lanicor und Intensain-Lanicor vereinigen zwei
therapeutische Prinzipien: Mehrversorgung des Herzens
mit Blut und Sauerstoff durch intensive, selektive Koronarerweiterung (Intensain) und Steigerung der Herzkraft (Lanicor).
Lanicor ökonomisiert die Herzarbeit: Es kräftigt die Systole,
vertieft die Diastole und verlängert damit die Erholungszeit.
Das insuffiziente Herz leidet aber besonders auch unter dem
Sauerstoffdefizit der gestörten Koronardurchblutung. Daher
wird die Optimierung des Sauerstoffangebots wohl entscheidend zur Verbesserung des myokardialen Wirkungsgrades beitragen.
Intensain bietet dem Herzmuskel ein überreiches Sauerstoffangebot durch maximale, lang anhaltende Erweiterung
der Herzkranzgefäße ohne Mehrbelastung des Herzens.
Die Wirkung von Intensain ist selektiv, d. h., nur die Blutgefäße, welche den Herzmuskel mit Blut und Sauerstoff
versorgen, werden intensiv und nachhaltig erweitert.
Unerwünschte Blutdrucksenkungen treten nicht auf, Intensain ist blutdruckneutral und daher auch bei niedriger
Blutdrucklage anwendbar. Als Folge der Mehrdurchblutung
des Herzens wird das Wachstum von Kollateralgefäßen angeregt, so daß es dann zu einem reicher verästelten Gefäßsystem am Herzen kommt.
Lanicor ist das kristalline Reinglykosid Digoxin aus der
Digitalis lanata. Es nimmt eine Mittelstellung zwischen
Strophantin undDigitoxin ein und vereinigt die Vorzüge dieser beiden Exponenten der Therapie mit herzwirksamen
Glykosiden.
Durch die Gabe von Intensain 150-Lanicor und IntensainLanicor wird die Herzleistung gesteigert und gleichzeitig
der Herzmuskel wieder besser mit Sauerstoff versorgt. Die
Intensain-Lanicor-Präparate wirken also der Insuffizienz
und der Mangeldurchblutung des Herzens entgegen.
Antistressorische Koronartherapie durch Reizabschirmung
und Mehrdurchblutung
Ein Leben ohne körperliche, geistige, seelische oder emotioneile Stressoren ist heute in unserer modernen Gesellschaftsstruktur weniger möglich als je zuvor. Während jedoch ein zeitlich begrenzter Stress mit anschließender Entspannung konditionieren, also die Fähigkeiten zur Bewältigung der Lebensaufgaben stärken kann, führt ein Dauerstress oft zu bleibenden Schäden, bevorzugt am HerzKreislauf-System.
Da ein hypoxisch oder anderweitig geschädigtes Myokard
auf Stress besonders empfindlich reagiert, ist Stress-Abschirmung für diese Patienten eine zentrale Aufgabe. Dazu
stehen verschiedene therapeutische Möglichkeiten offen:
1. Dämpfung des Zentral-Nervensystems in einem solchen
Umfang, daß die besonders ungünstigen psychischen
Belastungen vom Organismus kaum noch als Stress
empfunden werden.
2. Vollständige Blockade der auf die stress-induzierten
Katecholamin-Ausschüttungen
reagierenden ß-Rezeptoren.
biese beiden Möglichkeiten befriedigen jedoch nicht, sie
sind mit allgemeinen Risiken und besonderen Gefahren für
das Herz verbunden, so daß sich die Suche nach einem
dritten Weg aufdrängte:
3. Gezielte Beta-Sympathikolyse des Herzens, welche dem
Herzen die stress-stimulierte Dynamik beläßt und nur die
schädlichen Katecholamin- „Spitzen" abschneidet. Der
Patient ist unter einer solchen Therapie in der Lage, aul
Stress-Situationen psychisch und intellektuell adäquat zu
reagieren.
Gezielte Beta-Sympathikolyse ist also die risikolose StressAbschirmung des Herz-Kreislauf-Systems für den modernen
Menschen, der sich mit dem Stress arrangieren muß.
Dieser dritte Weg wird mit BETA-1NTENSAIN® 150
beschriften
BETA-INTENSAIN 150 enthält das Beta-Lytikum INPEA,
dessen bedeutender Vorzug darin liegt, frei von einer zusätzlichen negativ inotropen Eigenwirkung zu sein, welche
andererseits in der Regel der Wirkstoffgruppe der ß-Rezeptoren-Blocker anhaftet. Durch diese hohe Spezifität kommt
es zu einem risikoarmen Schutz des Herzens gegen überstarke ß-adrenerge Reize, wie sie bei psychischer und physischer Überlastung auftreten. Der Herzmuskel arbeitet
ökonomischer, sein Sauerstoffverbrauch wird geringer.
INTENSAIN 150 gehört zu den wirksamsten Koronartherapeutika. Seine Koronardilatation zeichnet sich nicht nur
durch hohe Intensität und unübertroffene Spezifität, sondern auch durch lange Wirkungsdauer aus. INTENSAIN 150
führt am Myokard zur Verbesserung des Sauerstoff- und
Substratangebotes und wirkt zugleich positiv inotrop. Trotz
hoher Wirksamkeit ist INTENSAIN 150 außerordentlich gut
verträglich. Zu seinen besonderen Vorzügen gehört die
Blutdruckneutralität. Als Folge der durch INTENSAIN 150
hervorgerufenen Mehrdurchblutung des Herzens kann das
Wachstum von Kollateralgefäßen angeregt werden, eine
der wichtigsten Voraussetzungen für eine echte Besserung
der Angina pectoris.
Die dritte Komponente von BETA-INTENSAIN 150 ist
HYDROXYZIN, ein seit vielen Jahren verwandtes Ataraktikum aus der Gruppe der kleinen Tranquilizer. Eine derartige Abrundung des Präparates ist höchst sinnvoll, weil
nicht nur vegetativ bedingte Herzbeschwerden, sondern
auch echte organische Stenokardien sehr häufig psychovegetative Begleitzustände haben.
BETA-INTENSAIN 150 ist deshalb ein modernes Koronartherapeutikum, weil es alle Faktoren berücksichtigt, die für
die Behandlung sowohl organisch als auch neurovegetativ
bedingter Durchblutungsstörungen des Herzmuskels von
Bedeutung sind. Hierbei wurde dem Umstand Rechnung
getragen, daß organische Schäden am Herzen häufig von
funktionellen Herzbeschwerden ihren Ausgang nehmen,
wenn nicht rechtzeitig eine entsprechende Therapie einsetzt. Andererseits müssen Patienten, die an organisch
bedingten Durchblutungsstörungen des Herzens leiden,
auch vor unerwünschten Auswirkungen psychischer und
physischer Oberforderung in Beruf und Alltag geschützt
werden.
BETA-INTENSAIN dient der Prophylaxe, Früh- und Dauerbehandlung koronargefährdeter und koronarkranker Herzen durch spezifische Reizabschirmung und Mehrdurchblutung.
Die INTENSAIN-Gruppe präsentiert sich als ein Programm
ausgedehnter therapeutischer Möglichkeiten und bedeutet
für Ärzte und Patienten gleichermaßen eine wertvolle Bereicherung. Sie ist zum Symboi sinnvoller Herztherapie geworden.
Firma Cassella Riedel, Med. Abt., 6 Frankfurt, Hanauer Landstr. 523.
CARD-INSTENON®*
dient der Behandlung von Störungen der geistigen und
körperlichen Leistungsfähigkeit bei gleichzeitig vorliegender latenter oder chronischer Herzinsuffizienz.
Die großen Fortschritte auf dem Gebiete der Hygiene,
Ernährungswissenschaft und der Prävemivmetiizin haben
in den meisten zivilisierten Ländern die Lebenserwartung
des Menschen stark erweitert (Ansteigen der Alterspyramide).
Der immer härter werdende Existenzkampf, die vielen
Noxen und Streß-Situationen „moderner" Lebensform belasten das Herz-, Kreislauf- und Nervensystem zusätzlich
über die altersabhängige Physiosklerose (Bürger) hinaus.
Die Beeinflussung von Störungen der kardialen, zerebralen und physischen Leistungsfähigkeit ist somit seit Jahrhunderten unter den sich daraus ergebenden zahlreichen
Problemen eines der wichtigsten Anliegen der forschenden Medizin geblieben. Besonders die letzten 50 Jahre
haben die patho-physiologischen Erkenntnisse auf diesem
Gebiet beträchtlich erweitert und damit die Voraussetzungen für eine wissenschaftlich begründete Therapie geschaffen.
CARD-1NSTENON entspricht in seiner Zusammensetzung
modernen
klinisch-pharmakodynamischen
Forderungen
(Wieck, Hirsch, Gottstein et ai.). Das Präparat enthält in
einer Tablette
Hexobendin
20 mg
Etamivan
25 mg
Hydroxyäthyltheophyllin
60 mg
Digoxin
Vs mg
Der Wirkungsmechanismus seiner Komponenten ist:
a) zu Hexobendin:
Koronar- und Hirngefäße verhalten sich im allgemeinen
gleichsinnig. Aus neueren Untersuchungen (Pfeifer) geht
hervor, daß der Herzmuskel und das Gehirn der intensiven
Stoffwechselvorgänge wegen eine besonders reichliche
Kapillarisierung aufweisen. Die Vasomotorik der Gehirngefäße ist geringer (Goerttler). Gänshirt schließt aus dem
Wandaufbau der zerebralen Arteriolen, daß sie sich nicht
nur aktiv verengen, sondern auch aktiv erweitern können.
Die pharmakologische Reizschwelle allerdings liegt ungefähr zehnmal höher (Schneider, Gottstein).
Die Funktion der Endstrombahn der Gehirngefäße für den
Stoffaustausch spielt daher bei der Therapie zerebrovaskulärer Störungen eine wichtige Rolie. Kraupp (unveröffentliche Ergebnisse) konnte nachweisen, daß Hexobendin nicht nur die Hirndurchblutung steigert (Freisetzung von
H+ und CO2 ins Hirnblut: Kraupp-Stuhlinger-Raberger),
sondern auch die Glukose- und Sauerstoffutilisation des
Herzens und des Gehirns erhöht.
* Hersteller: ByK-Gulden, Konstanz.
Es greift direkt am Kapillarwiderstand der Hirnstrombahn
an und bewirkt eine Verlagerung des Druckgradienten in
mehr periphere Gebiete. Durch die zerebrale Mehrdurchblutung wird das Sauerstoff- und Nährstoffangebot an die
Gehirnzellen erhöht und ein vermehrter Abtransport von
Stoffwechselschlacken ermöglicht. Sein koronartherapeutischer Effekt wirkt sich besonders bei älteren Patienten
zusätzlich günstig aus. Über die Hirnwirkung von Hexobendin liegen ophthalmodynamometrische, ophthalmodynamographische, radiozirkulographische, angiokinematographische und rheoenzephalographische Untersuchungsbefunde vor.
b) zu Hydroxyäthyltheophyllin:
Hydroxyäthyltheophyllin verbessert die Koronardurchblutung (Levy et al., Gilbert et al.). Es wirkt positiv inotrop und
fördert die Diurese, wobei die NaCI-Ausscheidung fast
selektiv betroffen ist (Buchborn), so daß es besonders in
den ersten Tagen einer Digitalis-Therapie (kardiale Ödeme)
angezeigt ist (kein abrupter, initial kreislaufbelastender
Effekt). Durch die Verbesserung der Herzleistung wird auch
der Minutenvolumenanteil der Hirndurchblutung erhöht
(Moller, Goodman und Gilman).
c) zu Etamivan:
Störungen der zerebralen Hämodynamik, vor allem im zunehmenden Alter, bedingen oft Einschränkungen der psychischen Leistungsfähigkeit (Verlangsamung der Reakt.onen, organische Depressionen, Spannungen, Gereiztheit,
Schlafstörungen, Nachlassen des Gedächtnisses und der
Konzentrationsfähigkeit usw. (zerebrales Reizsyndrom nach
Birkmayer).
Etamivan ergänzt die vaskulären Effekte von Hexobendin
und Hydroxyäthyltheophyllin. In strikter regeltechnischer
Abhängigkeit von der zentralen Führungsgröße kann es
auch peripher den Blutdruck über eine Stimulierung des
Nebennierenmarks anheben. Es beeinflußt psychische Begleitsyndrome durch seine Reaktion auf die Formatio reticularis, ein Netzwerk von Neuronen, das sich aus der Medulla oblongata am Boden der Rautengrube nach rostral
in die Brücke und in das Mittelhirn, etwa um den Aquädukt gruppiert, erstreckt.
Etamivan verbessert vor allem:
1. die Erregungsübertragung im auf- und absteigenden
retikulären System mit Aktivität an Zellaggregaten für
die
2. Atem- und Kreislaufregulation (v. Baumgarten), für die
3. phasische (Willkürbewegung) und tonische motorische
Aktivität (Körperhaltung: „gemeinsame motorische Endstrecke" nach Sherrington und Magoun; Mikroelektrodenanalyse; Baumgarten, Mollica und Moruzzi; Duensing
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und Schäfer; Mancia, Mechelse und Mollica etc), für die
4. Steuerung der Vigilanz, d. i. Verbesserung der Konzentrations- und Merkfähigkeit durch Anheben des Wachheitsgrades der Hirnrinde (Bremer, French, Verzeano,
Magoun, Arduini und vor allem Adrian et al.).
Bei der
5. Therapie vegetativer und neurologischer Symptome einer
Commotio bzw. Contusio cerebri ist die Beeinflussung
vorübergehender Funktionsstörungen der Formatio reticularis durch Etamivan ebenfalls von Bedeutung.
d) zu Digoxin:
Psychische und neurologische Frühsymptome sind oft die
ersten auffälligen Zeichen einer durch kardiale Insuffizienz
induzierten Beeinträchtigung der Hirnzirkulation. Hirnelektrische Untersuchungen (EEG.: Jung et al.) haben für
die Objektivierung in letzter Zeit zunehmend Bedeutung
erlangt. Die Genese solcher Störungen der Hirnzirkuiation
ist polymorph, meist arteriosklerotisch bedingt (57% nach
Gottstein) und beginnt bei vielen Menschen meistens um
das 50. Lebensjahr.
Jede Herzinsuffizienz, oft nur in Form einer Belastungsinsuffizienz (Klepzig-Kaltenbach) erkennbar, muß primär
durch eine Dauerdigitalisierung behandelt werden.
Gerade in der täglichen Praxis hat sich die Verbindung
von instenon mit Digoxin als vorteilhaft erwiesen, da
1. bei getrennter Verordnung doch häufiger das eine oder
andere Medikament einzunehmen vergessen wird und
gerade durch
2. CARD-INSTENON neben der vaskulären auch die sinnvolle Behandlung der psychischen und neurologischen
Begleitsyndrome gewährleistet ist.
Als Parameter für die Qualität eines zur Dauereinsteliung
geeigneten Glykosids gilt eine hohe und damit sichere,
wenig schwankende Resorptionsquote [Rau et al.), durch
die Digoxin gekennzeichnet ist.
Das breite pharmakodynamische Wirkungsspektrum von
CARD-INSTENON ist die Basis für eine wissenschaftlich
begründete, sinnvolle, sich wechselseitig ergänzende Therapie kardio-vaskulärer und zerebraler Störungen einschließlich der psychischen und neurologischen Begleitsyndrome des mittleren und gehobenen Lebensalters.
Prokain — Therapie zur Revitalisierung
Die therapeutische Beeinflussung der „Alters-Abbau-Verbrauchserscheinungen", der „körperlichen und geistigen
Erschöpfungszustände", der „Vasolabilitätskrisen" in ihren
zahlreichen Symptomen und Syndromen gewinnt in der
ärztlichen Praxis immer mehr an Bedeutung. Eine entsprechende Früherkennung dieser Symptomatik und deren Prophylaxe darf ebenso wichtig wie die Therapie angesehen
werden.
Von den Erfahrungen Walter Hunekes ausgehend, der als
Erster vor bald 40 Jahren berichtete, daß intramuskuläre
Injektionen des Prokain-Coffein-Präparates Impletol® Voralterungserscheinungen verschiedenster Art beseitigten, haben wir im Laufe der Jahrzehnte dieses in zahlreichen Fällen bestätigt gesehen. Aslan baute auf diesen Erfahrungen
ihre H3-Therapie auf. In zahlreichen Kombinationsformen
haben wir in den letzten 10 Jahren verschiedenste Medikamente dieser Prokain-Präparate eingesetzt. Wir haben
auch eigene Kombinationen, u. a. mit Eigenblut, verwandt,
um einen möglichst komplexen Wirkungsmechanismus zu
erzielen und berichteten darüber.
Die Forderung, die ein Arzt an ein entsprechendes Medikament stellt, wird am ehesten erfüllt, wenn dieses den
erwünschten komplexen Wirkungsmechanismus aufweist,
gut verträglich und arm an Nebenwirkungen ist.
Meine Erfahrungen mit Zettaviran G® entsprechen in hervorragendem Maße diesen Vorstellungen. Es hat sich bei
mehr als hundert Patienten sehr bewährt — nicht nur als
Genatrikum, sondern auch gegen die eingangs erwähnten
Beschwerden und als Regulans bei und nach körperlichen
und psychischen Stressituationen.
Es würde zu weit führen, in diesem beabsichtigten Hinweis
näher auf die Wirkung der einzelnen und längst bekannten Komponenten von Zettaviran G® einzugehen. Zusammensetzung: 1 Ampulle zu 2 m! enthält: Prokainhydrochlorid 20 mg, Natriumpangamat (Vitamin B 15 — Natriumsalz) 20 mg, die 2. Ampulle zu 3 ml enthält: Vitamin B 1 —
chloridhydrochlorid 100 mg, Vitamin B 6 — hydrochlorid
100 mg, Vitamin B 12 — Cyanokomplex 1000 y.
Als wesentlichen Faktor bei diesem Medikament darf man
den Zusatz des Vitamin B 15 ansehen, einen biologischen
Methyleldonator, der ursprünglich aus den Kernen der Aprikose und aus der Reisschale isoliert wurde. Von ihm wird
in der Literatur berichtet, daß es die Toleranz der Gewebe
bei O2-Mange! wesentlich erhöht, d. h. eine bessere Ausnützung von O2 besonders im Gehirn und am Herzen
erzielt. Neben einer allgemeinen vasodilatorischen Wirkung
wird auch die Verhinderung der fettigen Leberdegeneration
infolge Methylgruppenmangels ebenso erwähnt wie der
günstige Einfluß auf das Kreatin in der Leber und in der
Muskulatur. Durch die verbesserte Zellatmung wird auch
die Abwehr gegen toxische Produkte endo- und exogener
Art gesteigert. Berücksichtigt man diese Forschungsergebnisse zusammen mit den allseits bekannten Einflüssen von
Prokain, Vitamin B 1 , B6 und B12, so werden die dem
Rein natürlich
ITilgt vor allem überschüssige Säure im Gesamforganismus. Es stumpft abnorme Säurebildung im Magen ab.
• Behebt und verhütet u. a. Sodbrennen, beugt Magenkrämpfen sowie der Bildung von
Magengeschwüren vor.
• Vermehrt z. B. auch die Diurese und verhindert Grieß- und Steinbildung in den ableitenden Harnwegen.
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Prospektmaterial unverbindlich.
Autor gelungenen überragenden therapeutischen Ergebnisse mit Zettaviran Gy eher verständlich. Diese Ergebnisse
sind Veranlassung, eine Nachprüfung in der Praxis weitgehend zu empfehlen.
Die Behandlung erfolgte beim Autor mit dreimal wöchentlichen tief intramuskulären Injektionen. Meist wurden 10 Injektionen gegeben. Gelegentlich berichteten Patienten
schon nach der 3. Injektion über eine Besserung ihrer Ausfallserscheinungen. Eine allergische Reaktion wurde nie
beobachtet; bei entsprechend verdächtigen Fällen ist zur
Testung eine subkutane Quaddelung mit einem Prokainpräparat (Novocain®, Impletol® o.a.) evtl. angezeigt.
In allen Fällen durfte der Autor eine sehr befriedigende
objektivierbare Besserung der Symptomatik beobachten.
Die Patienten waren ausnahmslos beglückt über die erzielten Erfolge, die sich außer im Verschwinden der Symptome
auch meist in gesteigerter Merkfähigkeit» Stimmungsaufhellung, Potenzsteigerung und auch durch den kosmetischen Effekt, infolge verbesserten Hautturgors, bemerkbar
machten.
Der Autor weist darauf hin, auf Grund seiner langjährigen neuraltherapeutischen kritischen Erfahrung, daß
Herd-Störfeld-Sanierungen, neuraltherapeutisch oder chirurgisch, nicht vernachlässigt werden dürfen, da sonst
jegliche Behandlung — also auch mit Zettaviran G® — nicht
voll befriedigend sein kann. Für alle, insbesondere neuraltherapeutisch tätigen, Ärzte gilt die Empfehlung, mit Zettaviran G® selbst Erfahrungen zu sammeln. Der Autor würde
sich über einen entsprechenden Erfahrungsaustausch
freuen.
Es fehlen noch Langzeitbeobachtungen. Nach den bisherigen Erfahrungen mit Prokainbehandlungen (ungezielt intramuskulär) erscheinen auch beim Zettaviran G® Wiederholungsbehandlungen nach ca. einem Jahr angebracht —
nicht zuletzt, da ja die Noxen, die zu den eingangs erwähnten Symptomen führen, immer wieder auftreten können.
Anschrift des Vertassers: Dr. med. HERMANN-FERD. VOSS, 7920 Heidenheim/Brenz. Friedrichstraße 10.
Aus der Kurkffnik „Emmaburg" Im Kneipp-Heiibad
Laasphe/Wittgenstefn (Chefarzt: Dr. med. M. Heide).
Untersuchungen zur Wirksamkeit balneotherapeutischer Anwendungen innerhalb
einer Kneippkur
Das Wasser ist für uns etwas Selbstverständliches. Für
das gesamte Leben auf unserem Erdball spielt es eine
unentbehrliche Rolle. Das Wasser hat etwas Geheimnisvolles an sich.
Die Anwendung des Wassers als heilendes Mittel reicht
weit ins Altertum hinein. Zu uns gelangte die Kultur des
Badens durch die Römer. Leider gerieten die Sitten der
Römer dann später ein wenig in Vergessenheit. Der große
Aufschwung der Hydrotherapie kam dann durch Vincenz
Prießnitz und Sebastian Kneipp; und zu den Kuren mit
besonderen Queilwässem ist das Kneippbad getreten.
Die Hydrotherapie
Die Hydrotherapie als Bestandteil der physikalischen Medizin hat heute im Rahmen der Ganzheitsmedizin eine allgemeine Anerkennung gefunden. Mittels der hydrotherapeutischen Anwendungen nach Kneipp ist es uns möglich,
durch einfache Wasseranwendungen unserem Körper Genesung, neue Kraft und seelisches Wohlbefinden zuzuführen. „Es gibt kein anderes physikalisches Mittel", so stellte
schon der Altmeister der physikalischen Therapie Kowarschick fest, „durch das wir den Tonus des vegetativen
Systems so leicht, so rasch und überzeugend umzustimmen
vermögen, als das warme und das kalte Wasser. Es ist nur
bedauerlich, daß das Wissen um ihre Wirkungen den Ärzten fast vollkommen verlorengegangen ist und das gerade
in einer Zeit, die unter dem Einfluß schwerer seelischer
Erschütterungen mehr als eine andere zu vegetativen Störungen neigt" (6).
Eine nicht unbedeutende Rolle spielt in der Kneippkur das
Dreiviertelbad; es handelt sich hierbei um ein „künstliches
Medizinalbad", also um eine Wasseranwendung, die durch
das Vorhandensein von chemischen Stoffen charakterisiert
ist, die dem Badewasser vor dem Bad zugesetzt werden.
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Es handelt sich somit nicht um ortsgebundene Heilmittel,
sondern um Bäder mit künstlichen Zusätzen.
Die gesamte Hydrotherapie bewirkt eine therapeutische
Beeinflussung des Organismus von der Haut aus. Denn die
Haut besitzt die Fähigkeit, Reize aufzunehmen, fortzuleiten
und zu „Lebensäußerungen" umzuwandeln (4). Es besteht
eine funktioneile Beziehung zwischen der Haut und dem
übrigen Organismus.
Funktion der Haut in der Bädertherapie
Die Haut vermag außerordentlich vieie Stoffe aufzunehmen
und auch passieren zu lassen. „Ja, man hat den Eindruck,
daß nahezu jede Substanz die Haut zu durchwandern vermag" (7), wobei allerdings die „Durchwanderungsquote bei
vielen Stoffen recht klein sein wird". Die Haut wird aber um
so besser Stoffe resorbieren, je stärker sie durchblutet ist.
So zählt es zum therapeutischen Ziel einer Bäderbehandlung, die Durchblutung zu fördern und zu beschleunigen,
damit dann infolge Resorbierung der in Wasser gelösten
Heilmittel es reflektorisch zum Therapieerfolg kommen
kann.
Als durchblutungsfördernde Stoffe zählen insbesondere
die ätherischen öle, so z. B. das Fichtennadelöl. Ihre Resorption durch die Haut wurde am Menschen mehrfach
nachgewiesen. „So alt das Badewesen in der Heilkunde
ist, so jung sind dagegen erst die wissenschaftlichen Forschungen über die Art der Filter-, Resorptions- und Umschaltvorgänge der Haut und des Organismus. Aus verschiedenen Untersuchungsverfahren wie Blutuntersuchungen in Form von Ultraschallresistenzprüfungen der weißen
Blutkörperchen und mit Hilfe radioaktiver Isotopen konnte
das Verhalten und die Wirkung verschiedener Badezusätze
geprüft werden" (8). Gerade „in den vergangenen Jahren
ist mit großem experimentellen Aufwand die Frage bearbeitet worden, ob aus Bademedien Stoffe in die Haut
und durch die Haut hindurch in den Organismus aufgenommen werden. Sie werden aufgenommen" (7). So entfalten beispielsweise die ätherischen Öle ihre Heilwirkung
nicht nur an der Haut, sondern auch im Organismus, und
zwar immer auf das einer bestimmten Hautpartie zugehörige Organ.
Wirkungseffekt der Bäder
Ein positiver Wirkungseffekt wird bei der gesamten Hydrotherapie wie auch bei speziellen Bädern mit besonderen
Badezusätzen beobachtet. Zu altbekannten und bewährten
pflanzlichen Badeextrakten gesellten sich in den letzten
Jahren neue Badezusätze, von denen auf Grund ihrer
Zusammensetzung gerade die Badezusätze mit ätherischen
ölen unser Interesse fanden. Daneben aber beschäftigten
wir uns mit den Wirkprinzipien von sogenannten Bürstenund Luftperlbädern bei gleichzeitiger Kombination mit
einem Badezusatz. Die vielseitigen Störungen infolge einer
hypotonen Kreislauflage konnten wir meist mit der erwähnten Bädertherapie neben einer allgemeinen Hydro-
Bronchitis
Erkältungsinfekte
Grippehusten
Reizhusten
das „codeinfreie"
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therapie nach Kneipp beheben Welche Erprobungen von
uns angestellt wurden, soll im folgenden dargelegt werden
Methodik
Von uns wurde das Perozon®-Fichtennadelbad* einer Prüfung unterzogen Bei diesem Badezusatz hegt folgende
Zusammensetzung vor
Fichtennadelo!
20 0 g
neutraler reizloser Schaumfaktor ad 100 0 g
Der Zielfaktor unserer Untersuchungen aber war pnmar
folgende Fragestellung- Sind unterschiedliche Wirkungen
beim Fichtennadel-(Fi) 3/4-Bad, Fi -3/4-Burstenbad und
beim Fi -3/4-Perlbad auf den Blutdruck und die Pulsfrequenz festzustellen'
Alle Bader hatten somit den gleichen Badezusatz, also wir
benutzten ein Ölbad rmt 20 Prozent Fichtennadelol, das uns
von der Herstellerfirma freundlicherweise für unsere Untersuchungen zur Verfugung gestellt wurde Alle Bader
wurden als Dreiviertelbader verabreicht — das Wasser reicht
also nur bis an den Brustkorb —, um dadurch den sonst
unvermeidlichen Wasserdruck auf die Herzgegend zu vermeiden Die Temperatur lag bei 37° C, die Badedauer
betrug 10 Minuten Nach jedem Bad wurde eine halbe
Stunde der Ruhe gepflegt
Das Burstenbad zahlt zu den Behandlungsmethoden der
Hautreiztherapie „Durch das Bürsten der Haut üben wir
auf diese eine Druck-, Sog- und Zugwirkung aus und beeinflussen somit durch die mechanische Hautreizung das
elastische Gelaßsystem und die Blutsaule" (3) Mit den
Perl-, d h den Luftsprudelbadern, bewirkt man ebenfalls
einen ziemlich intensiven Reiz auf die Haut, indem komprimierte Luft mittels eines Luftperlrostes im Bad feinperlig verteilt wird, hieraus resultiert eine allgemeine Kreislaufanregung
Mit den Prüfungen der einzelnen Bader begannen wir nach
einer wenigstens 5tagigen Vorbeobachtungsperiode, diese
Zeit benotigt man zur Eingewohnung der Patienten an ihre
neue Umgebung Für die Prüfung standen nur die Vormittage zur Verfugung, wobei jeweils Blutdruck und Puls vor
dem Bad, nach dem Bad — d h nach 10 Minuten und vor
dem kalten Abguß — und nach einer Bettruhe von 30 Minuten kontrolliert wurden
Als mögliche Storfaktoren kamen Alters- und Geschlechtsdifferenz in Betracht Diese ließen sich aber dadurch ausschalten, daß jeder Patient mit sich selbst verglichen
wurde Auch die Kurdauer fiel nicht ms Gewicht, da jeweils
in der zweiten, dritten und vierten Kurwoche ein Dreiviertelbad verabfolgt wurde
Differierende Blutdruckausgangswerte bei den jeweiligen
drei Meßperioden durften zum Teil durch eine sog Erwartungsspannung bei der ersten Messung bedingt gewesen
sein Dieser Anteil als Storfaktor wird aber durch eine zufällige Verteilung der drei Bader über die Beobachtungswochen wieder eliminiert d h die Verabfolgung der drei
Bader hatte kein starres Schema sondern unterschiedlich
wurde entweder mit dem Fi -3/4-Bad dem Fi -3/4-Burstenbad oder Fi -3/4-Perlbad begonnen
Von einer Prüfung ausgeschlossen wurden Patienten mit
systohschen Blutdruckwerten über 130 mm Hg, ebenso
Frauen, deren Regelblutung in die folgenden drei Wochen
fiel und auch die Kurverlangerungswochen einzelner Patienten
Ergebnisse
Unsere Prüfung erstreckte sich auf insgesamt 72 Patienten,
auf eine Aufgliederung nach Mannern und Frauen kann
wegen des vorne erwähnten Ausschlusses dieses evtl Storfaktors verzichtet werden, da ja jeder Patient bzw jede
Patientin mit sich selber verglichen wurde Ein jeder Patient erhielt die drei zuvor erwähnten Bader, und die Wirkung derselben auf Blutdruck und Puls wurde dann miteinander verglichen
Unser Hauptaugenmerk lag bei den hypotonen Kreislauflagen, denn letzten Endes ist die Hypotonie heute genauso
aktuell wie die Hypertonie (5) Mittels der physikalischen
Therapie und hier auch der Hydrotherapie nach Kneipp
kann man bei der Hypotonie gute therapeutische Ergebnisse erzielen Unsere Frage ging dahin, wie wirken sich
das Bürsten- bzw das Luftperlbad auf unsere Haut und
somit über kutiviscerale Reflexablaufe auch auf den Kreislauf aus"?
Bei der Auswertung der Versuchsergebnisse konnten wir
dann feststellen daß sowohl infolge des Bürsten- wie des
Perlbades gegenüber dem reinen Fichtennadelbad — denn
schon das Fichtennadelbad setzt durch die aufgenommenen
ätherischen Öle einen deutlichen Hautreiz — nur ein minimaler Kreislaufeffekt mit einer durchschnittlichen Blutdruckerhohung von maximal 10 mm Hg festzustellen war Weil
wir keine wesentlich überraschenden neuen Feststellungen
erheben konnten soll hier sowohl auf eine statistische Auswertung der Versuchsergebnisse nach der Varianzanalyse
als auch auf eine graphische Darstellung verzichtet werden
Zusammenfassung
Was unsere Untersuchungen des Blutdrucks und der Pulsfrequenz nach Fi -3/-, Fi -3/4-Bursten- und Fi -3/4-Perl-Badern betrifft, können wir zusammenfassend sagen, daß es
sich bei diesen Badern und insbesondere durch die intensive Einwirkung auf das Hautorgan durch das Bürsten- und
durch das Luftperlbad neben der Wirkung des Badezusatzes um physikalisch-hydrotherapeutische Behandlungsmoglichkeiten handelt, die sich gunstig auf die Beschwerden
des Hypotonikers auswirken , Mit einer gezielten physikalischen Behandlung erreicht man ein gutes therapeutisches
Ergebnis" (2), auch wenn die Frage, „welche Bedeutung
alle extrakorporalen die Haut betreffenden Reize für die
Aufrechterhaltung der normalen Lebensfunktionen innerhalb des Organismus haben mögen" (1) noch ungeklärt ist
Literatur
1 DITTMAR F Ther d Gegenw 105, 650 (1966)
2 HEIDE M Aligem Therap 7, 321 (1967)
3 HEIDE M Die moderne Kneippkur Paracelsus Verlag, Stuttgart
(1969)
4 HEIDE M Aligem Therap 10 71 (1970)
5 HERTER B W HIRSCH Ther d Gegenw 105 1309 (1966)
6 KOWARSCHIK zit b FRANKE K Die Behandlung in Kneippkur
oiten Drei Kronen Verlag Efferen/Koln
7 PIRLET K Arch f phys Ther 20 311 (1968)
8 SCHMOLDT H Arch d Badewesens Nr 112 (1964)
220
* W SPITZNER Arzneimittelwerk GmbH Ettlingen/Baden
Anschrift des Verfassers Dr med MANFRED HEIDE, Chefarzt der
Kurklinik Emmaburg 5928 Kneipp-Heilbad Laasphe/Wittgenstein
Phys Med u Reh
Heft 10 1970
Referate
Harmsen, H. Prof. Dr. Dr.: Verminderung der Kohlenmonoxyde und Kohlenwasserstoffe im Abgas von Otto-Motoren
durch ein einfaches Zusatzgerät. Städtehygiene 8 (1970) 188.
Verf. macht (mit Zeichnung) ein Vergaserreinigungsgerät
„Jensen-Anti-Smog" (JAS) bekannt, das Kohlenmonoxyde
und Kohlenwasserstoffe bei bereits im Verkehr befindlichen
Fahrzeugen mit Otto-Motoren bis 2000 ccm ohne großen
Kostenaufwand auf ein erträgliches Maß mindern kann.
Solche Möglichkeiten sollten nicht nur propagiert, sondern
im Interesse der Allgemeinheit auch angewandt werden.
w. GROH
Spohn, E. und Kneer, F.: Gibt es giftige Schimmelpilze im
Kompost? Städtehygiene 8 (1970) 181.
Bei einem Versuch wurden verschiedene Erden mit Penicillium exp. und Aspergillus flavus, die für den Menschen
giftig sind, infiziert. Es wurde dabei keinerlei Schädigung
im Pflanzenwachstum beobachtet, was auf natürliche Abwehrkräfte zurückzuführen ist. Lediglich bei sterilisierter
Gartenerde zeigte sich, daß beide Pilze schädigend auf
das Pflanzenwachstum wirken können.
w.GROH
Seil, K.: Zur Technik der manuellen Wirbelsäulen-Therapie
(Aus der Klinischen Abteilung für konservative Orthopädie,
Physikalische und Manuelle Medizin und dem Ärzte-Seminar für Manuelle Therapie in Neutrauchburg/Allg. Ztschr.
für Allgemeinmedizin 23 (1970) 1146.
Seil gibt eine sehr gute bebilderte Übersicht zur Technik
der manuellen Wirbelsäulentherapie. Der nicht speziell ausgebildete Arzt erhält Einblicke in die diagnostischen und
therapeutischen Handgriffe sowie die Mobilisationsvorgänge manueller Therapie. Jeder Eingearbeitete wird für
die Zusammenstellung dankbar sein, die auch als Lehrstütze für Kurse dienen kann, ohne die die Übernahme dieser Methode nicht möglich ist.
W. GROH
J. Breitenfelder: Die Frühdiagnose des Morbus Bechterew
und die Therapie des Morbus Bechterew unter besonderer
Berücksichtigung der Behandlungsmöglichkeiten des Praktischen Arztes. Zeitschr. für Allgemeinmedizin 21 (1970)
1055 und 1058.
In zwei Arbeiten orientiert Verf. (Aus der Orthopädischen
Universitätsklinik Würzburg, Dir. Prof. Dr. med. A. Rütt) den
praktischen Arzt über den Morbus Bechterew, dessen
Frühdiagnostik für das weitere Schicksal des Patienten
sehr wichtig ist. Es wird auf Symptomatologie, Röntgenologie, Serologie sowie auf die zur Verfügung stehenden
Behandlungsmöglichkeiten eingegangen. Der Autor gliedert
in vier Gruppen: Mischformen, knöcherne und entzündliche
Verlaufsformen, skandinavische Form, wobei Mischformen
der Spondylitis ankylopoetica den breitesten Raum einnehmen. Mobilisationsübungen sind mit Zeichnungen demonstriert.
w. GROH
v
yS
" Heft 10, 1970
UKONA
UKONA
UKONA
UKONA
- Bormann, F., und v. Reyber-Pauly, S.: Die Akzeleration.
Eine normal ablaufende Fortsetzung der Anagenese der
Hominiden. Zeitschr. für Aligemeinmedizin 23 (1970) 1154.
Rheuma-Bad
Sulfomoor-Bad
Sedativ-Bad
Jod-Bad
LEUKONA Stoffwechsel-Bad
LEU KON A Tonikum-Bad
LEUKONA Eukalpin-Bad <
Verf. bringen einen Überblick über die Akzeleration, mit
der wir täglich konfrontiert werden. Sie wird als Teil der
Ausweitung des gesamten Menschenlebens gesehen, in der
z. B. die Kapazität des menschlichen Schädels ständig zugenommen hat. Dieser Hominisierungsprozeß, mit dem
eine Graziiisierung emhergeht, ist weit zurück zu vevfolgen.
Die Akzeleration wird als neuester Abschnitt und als natürliche Fortsetzung dieser Entwicklung betrachtet. Die möglichen Folgen, zu denen sie führt, werden besprochen.
w. GROH
A. Jenning: Rehabilitation — eine Aufgabe unserer Zeit.
Zeitschr. für Allgemeinmedizin 19, (1970) 959.
Von berufener Seite orientiert Verf. (Ärztlicher Direktor des
Berufsförderungswerkes Heidelberg) über die Rehabilitation
unter der Definition: Wiedereingliederung behinderter Menschen in Arbeit, Beruf und Gesellschaft.
Die Fragen werden am Gesamtplan der Rehabilitation, der
am Bett des kranken Menschen und deshalb meist beim
behandelnden Arzt beginnen sollte, abgehandelt und daneben auf die Ergebnisse von Berufsförderungsmaßnahmen
eingegangen. Hier liegt eine der Möglichkeiten, Frühinvalidität zu vermeiden. An den Kosten sind den Renten- und
Unfallversicherungen, die Hauptfürsorgenstellen, die Sozialhilfeträger, die Bundesanstalt für Arbeit und sonstige
Kostenträger beteiligt. Ca. 40% der bisher Rehabilitierten
waren 20 bis 29 Jahre, bei denen schicksalhafte (innere)
Erkrankungen mit 64% an der Spitze sianden (daneben
Unfälle, Berufskrankheiten und angeborene Leiden).
Zur Einleitung eines Rehabilitationsverfahrens genügt die
Einschaltung des Rehabilitationsberaters des zuständigen
Arbeitsamtes oder des Sozialberaters der anderen Rehabilitationsträger.
w. GROH
Buchbesprechungen
Willy E. J. Schneidrzik: Kosmetische Chirurgie — Sinn und
Unsinn der Schönheitsoperationen. In der Reihe „Consultationen", Econ Verlag, Düsseldorf-Wien, 208 Seiten, lack.
Pappbd., 16,- DM.
In der Sprechstunde häufen sich — nicht nur von alternden, sondern gerade auch von in der beruflichen Konkurrenz stehenden Patienten — die Fragen nach dem Für und
Wider kosmetischer Operationen, die schwer zu beantworten sind, da dieses Fachgebiet noch sehr zurückhaltend
berücksichtigt wird.
Um so mehr sind die Antworten eines Fachkollegen (früher Oberarzt an der Chirurgischen Universitätsklinik Köln)
zu begrüßen, der noch dazu in gelockertem Umgangston
über die zahlreichen Möglichkeiten der kosmetischen Chi-
Dr. Atzinger & Co KG 839 Passau
Depositeur für Österreich:
Mebiovet Ges. m. b. H. Wien
rurgie allgemeinverständlich informiert, aber auch offen vor
falschen Hoffnungen und möglichen Enttäuschungen warnt.
In einzelnen Kapiteln wird auf die Narbenbehandlung,
Nasen-, Kinn-, Ohrenkorrekturen, auf Brüste und Fettansammlungen, Glatze, Haut bis zur Genital-Chirurgie eingegangen,
w GROH
Hielke Brouwer: Zahnprobleme bei Kindern — Vorbeugen,
Heilen, Regulieren. In der Reihe „Consultationen", aus dem
Hollandischen übersetzt von Hans Thom, Econ Verlag,
Düsseldorf-Wien, 124 Seiten, 8 Abbildungen, lack. Pappbd.,
12,- DM.
Das Buch von einem in Amsterdam praktizierenden Zahnarzt ist als Wegweiser für Eltern geschrieben, um auf die
Möglichkeiten der Kariesverhütung und der Zahnregulierung hinzuweisen Die Besprechung erfolgt an Hand der
einzelnen Entwicklungsphasen des Kindes, was die Information sehr übersichtlich macht. Zucker, süßer Brotaufstrich und andere süße Leckereien werden als Genußmittel
(keine Nahrungsmittel) und als schädlich abgelehnt, dagegen für den „passiven Teil der Bevölkerung" die Fluoridierung des Trinkwassers empfohlen Hier sollten auch
die negativen Aspekte dieser Prophylaxe, deren Wert ja
zum Teil noch umstritten ist, erwähnt werden. Die Aufklärungen gegen Karies und Zahnanomalien kann nicht
vielseitig genug unterstützt werden, wenn auch die Behandlungsmethoden dem einzelnen Arzt und seinen Erfahrungen überlassen bleiben müssen und bei einer allgemeinen Darstellung nur sinnvoll sind, wenn auch Parallelmethoden beschrieben werden
w GROH
Wesley Marx: Bis das Meer zum Himmel stinkt. Wasser in
Gefahr Albert Müller Verlag, Rüschlikon-Zunch-StuttgartWien, 120 Seiten, 16 Fotos auf Kunstdrucktafeln, mit einem
Geleitwort von Eugen A Thomas, Prof für Hydrobiologie
der Universität Zürich, aus dem Amerikanischen übersetzt
und bearbeitet von Werner Eheim, Leinen, 19,80 DM.
Die zunehmende, auf eine Katastrophe zusteuernde Verpestung von Luft, Land und Wasser ist vielen Einsichtigen
seit langem bekannt Die Situation ist für unsere Gesundheit
schon weit bedrohlicher, als mancher denkt
Der Autor hat zahlreiches beweisendes Material für die Gefahren aus dem Wasser, das als Abfall- und Giftgrube benutzt wird, zusammengetragen
Das lesenswerte Buch sollte nicht nur den Laien, sondern
auch den Verantwortlichen aufrütteln, energischer, und
nicht erst wenn es zu spät ist, hiergegen vorzugehen Jeder
sollte gewissenhaft und verantwortungsbewußt dazu beitragen, der meist aus Unverstand und wirtschaftlichen InterZentralverband der Arzte für Naturheilverfahren e V und der ihm
angeschlossenen Gesellschaften und Arbeitsgemeinschaften
Schriftleitung
Dr med H Haferkamp. 65 Mainz, Adam-Karillon-Straße 13. Tel 83963
Mittellungen der Schriftleitung:
Zuschriften mit Originalton (wissenschaftlichen Beiträgen), Referate,
redaktionelle Nachrichten und Verbandsangelegenheiten werden an
Herrn Dr Haferkamp erbeten
Originalen und Beiträge, die zur Veröffentlichung kommen, werden
honoriert Die Schnftleitung behält sich jedoch den Zeitpunkt der
Veröffentlichung vor
Grundsätzlich werden nur Erstveröffentlichungen angenommen Mit
Annahme des Manuskriptes erwirbt der Verlag das ausschließlich*
P«rht der Ven/ielfältiqunq Verbreitung und Übersetzung
Die Beiträge dürfen daher nicht in gleichem oder ahnlichem Wortlaut
an anderer Stelle veröffentlicht werden
Es wird gebeten, die Bebliderung der Beitrage im üblichen Rahmen
zu halten da sonst die Mehrkosten berechnet bzw bei der Honorierung in Abzug gebracht werden müßten
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Arbeiten unter der Rubrik .Erfahrungen aus der Praxis" stellen nicht
unbedingt die Meinung der Schriftleitung dar
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gestattet und bedarf bei Originalarbeiten der schriftlichen Genehmi-
essen erfolgten Verschmutzung eines absolut lebenswichtigen Allgemeingutes wie des Wassers vorzubeugen, um
schon heraufbeschworene Gefahren einzudämmen, w GROH
Schwab, Günther: Morgen holt dich der Teufel. Neues,
Verschwiegenes und Verbotenes von der friedlichen Atomkernspaltung Verlag Das Bergland-Buch, Salzburg, 316 Seiten, Paperback und Ganzleinen, 15,80 bzw 19,80 DM
Information und Weckung problemnaher Unruhe sind legitime demokratische Mittel, um gegen die weitere Gesundheitsgefahrdung der Bevölkerung vorzugehen. Verf. hat in
diesem neuen Werk mit wissenschaftlicher Genauigkeit
(Quellenverzeichnis, Register) Material gegen die Verwendung der Atomenergie zusammengetragen, mit dem sich
jedermann, auch der Arzt, vertraut machen sollte.
Die Notwendigkeit und die Aktualität, sich mit diesem Problem zu befassen, beweist eine Pressenotiz aus Bonn
(18 8 1970), wonach in Kernkraftwerken noch keine absolute Sicherheit vor Störfallen durch freigesetzte radioaktive
Spaltprodukte gibt, so daß die endgültige Entscheidung
über die atomrechtliche Genehmigung geplanter Atomkernkraftwerke um etwa zwei Jahre zurückgestellt worden
sei.
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GROH
Botond-Bolics, György: Heute Wunder — morgen Wirklichkeit. Von den unerschöpflichen Möglichkeiten der Forschung
und der Technik. Aus dem Ungarischen von Dr Ernö Zelter,
Econ Verlag, Düsseldorf-Wien, 368 Seiten, Leinen, 20,— DM.
Der Autor (Ungar, Jahrgang 1913, Promotion 1935), Verf.
utopisch-technischer Romane, von Sach- und Fachbüchern
sowie von wissenschaftlichen Filmen, Rundfunk- und Fernsehspielen, hat in diesem Werk umfangreiches wissenschaftliches Material verarbeitet, um den Leser mit der
techmologisierten Welt von morgen vertraut zu machen Im
ersten Teil- Energie- und Rohstoffprobleme, Arsenal unseres Wissens', im zweiten Möglichkeiten, die Welt zu verbessern, z. B in der Antarktis, in den Wüsten, in den
Ozeanen, auf dem Mond u ä ; im dritten Teil- der Wettlauf mit der Phantasie durch Roboter, Maschinen, Information, Elektronengehirn, Kommunikationsmoglichkeiten mit
anderen Planeten, Manipulation des Klimas und künstlicher
Wolken, Bewältigung des zunehmenden Verkehrs, Luftpolsterfahrzeuge und Flugzeuge, Operation ohne Messer,
Gravitation und Schwerelosigkeit u a. Die schier unerschöpflichen Möglichkeiten der Forschung und Technik werden aufqedeckt
W GROH
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gung des Verlages Für innerbetriebliche fotomechanische Vervielfältigungen gilt das Rahmenabkommen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels mit dem BDI vom 14 6. 1958 (10-Pf-Wertmarke pro
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311 Uelzen. Ringstraße 4
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0581 /23 57, Telex 091326
Diese Ausgabe umfaßt 52 Seiten und Umschlag.
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