Magnetischer Monopol Eileen Giesel 24.04.2015 In diesem Vortrag werden magnetische Monopole betrachtet, welche ursprünglich aufgrund von Symmetrieüberlegungen eingeführt wurden. Eine genauere Beschreibung dieser Monopole mithilfe quantenmechanischer Aspekte führt zudem zu dem Ergebnis, dass die Existenz magnetischer Monopole die Quantisierung elektrischer Ladung erklären kann. Zusätzlich kam es in den letzten Jahren zu interessanten Entdeckungen in der Festkörperphysik, wobei in sogenanntem Spineis Quasiteilchen mit magnetischer Ladung entdeckt wurden, was in diesem Vortrag auch noch angerissen werden soll. Die Suche nach richtigen Monopolen blieb bis heute jedoch ergebnislos. 1 Motivation Die klassische Elektrodynamik wird über die Maxwellgleichungen beschrieben: ~ ~ ×E ~ + 1 ∂B = 0 ∇ c ∂t ~ ~ ×B ~ − 1 ∂ E = 4π ~j ∇ c ∂t c ~B ~ =0 ∇ ~E ~ = 4πρ ∇ (1) (2) (3) (4) Es lässt sich hierbei eine Asymmetrie zwischen den Quellengleichungen (3) und (4) erkennen. Während das Magnetfeld quellenfrei ist, hat das elektrische Feld eine Ladungsdichte als Quelle. Da in der Elektrodynamik jedoch zwischen E- und B-Feldern eine hohe Symmetrie besteht, wäre es doch wünschenswert, wenn auch die Quellengleichungen symmetrisch wären. Aus dieser Symmetrieüberlegung heraus wird die Einführung magnetischer Ladung motiviert. Ähnlich wie elektrische Monopole als Quellen des elektrischen Feldes könnte man daher magnetische Monopole als Quellen des magnetischen Feldes einführen. 1 Die verallgemeinerten Maxwellgleichungen hätten dann folgende Form: ~ ~ ×E ~ + 1 ∂ B = − 4π ~jm ∇ c ∂t c ~ ~ ×B ~ − 1 ∂ E = 4π ~j ∇ c ∂t c ~ ~ ∇B = 4πρm ~E ~ = 4πρ ∇ (5) (6) (7) (8) Hierbei sind ρm und ~jm die magnetische Ladungs- und Stromdichte. Die Kontinuitätsgleichungen der elektrischen und magnetischen Dichten haben dann die gleiche Form. ~ ~j = − ∂ρ ∇ (9) ~ ~jm ∇ ∂t ∂ρm =− ∂t (10) Die Maxwellgleichungen sind zudem invariant unter folgenden dualen Transformationen: ~ E ~ B = cos(ϑ) − sin(ϑ) sin(ϑ) × cos(ϑ) ~t E ~t B Hierbei müssen die Quellen dann folgendermaÿen transformieren: ρ ρm ~j ~jm cos(ϑ) − sin(ϑ) sin(ϑ) ρt × cos(ϑ) (ρm )t cos(ϑ) − sin(ϑ) ~jt sin(ϑ) × cos(ϑ) (~jm )t = = Die MWG besitzen also für die Felder mit Index t die gleiche Form wie für die Felder ohne Index. Im Prinzip lassen sich nun elektrische in magnetische Gröÿen (und umgekehrt) transformieren, ohne das sich die Form der Maxwellgleichungen dadurch ändert, was die gewünschte Symmetrie ergibt. 2 Beschreibung eines magnetischen Monopols Nachdem nun die Motivation zur Einführung eines magnetischen Monopols aufgezeigt wurde, muss dieser nun sinnvoll beschrieben werden. Für weitere Betrachtungen wird die temporale Eichung verwendet, unter welcher gilt, 2 dass A0 = Φ = 0 ist. Desweiteren betrachtet man die Ausführung in den drei Raumdimensionen. Angenommen ein magnetischer Monopol ruhe im Ursprung mit der magnetischen Ladung g, analog zu einer punktförmigen elektrischen Ladung im Ursprung. Es gilt dann für die Divergenz: Wegen gilt für das Magnetfeld: ~B ~ = 4πgδ 3 (~x) ∇ (11) ~ ~r = 4πδ 3 (~x) ∇ r3 (12) ~ = g ~r B r3 (13) Für den Fluss durch eine geschlossene Oberäche als Rand eines beliebigen Volumens gilt somit: I ~ A ~ = 4πg Bd (14) Es lässt sich erkennen, dass der Satz von Gauÿ so nicht gelten kann: I ~ A ~= Bd Z ~ BdV ~ ∇ = 4πg 6= 0 = Z ~ ∇ ~ × A)dV ~ ∇( (15) V V ~ = ∇× ~ A ~ und die Divergenz einer Rotation ist stets Bis auf den Ursprung gilt nämlich B 0. Im Allgemeinen gilt der Gauÿsche Satz für reguläre Vektorfelder. Da er hier nicht gilt, wird ersichtlich, dass das Vektorfeld, in diesem Fall, das Vektorpotential nicht regulär sein kann. Ist das Vektorpotential jedoch nicht regulär, d.h. liegt auf jeder den Monopol eingrenzende Oberäche eine Singularität vor, dann liefert das Volumenintegral aus (15) nicht verschwindende Beiträge. Wenn man daher ein Vektorpotential für einen magnetischen Monopol denieren will, muss man beachten, dass das Vektorpotential singulär sein soll, und zwar entlang einer unendlich langen Linie.Diese Linie wird auch als Dirac-String bezeichnet. Nun kann man sich zum Beispiel für das Magnetfeld aus (13) ein Potential in Kugelkoordinaten (r;θ; φ) in folgender Form vorgeben: ~ = g 1 − cos(θ) φ̂ A r sin(θ) (16) Es lässt sich erkennen, dass es neben der 1/r-Singularität auch eine Singularität entlang des Höhenwinkels θ = 0 gibt. Diese Linie ist somit ein möglicher Dirac-String. 3 ~ =∇ ~ ×A ~ kann man noch zeigen, dass (16) ein mögliches VekDurch Bildung von B torpotential für das Magnetfeld (13) ist: ~ = B −g cos(θ) ∂(sin(θ)g 1−cos(θ) 1 ∂(sin(θ)Aφ ) 1 1 g r sin(θ) ) r ~ = g ~r r̂ = r̂ = ∂( )r̂ = 2 r̂ = B r sin(θ) ∂θ r sin(θ) ∂θ r sin(θ) ∂θ r r3 (17) Hierbei sind Ar = 0 und Aθ = 0, alle anderen Komponenten der Rotation in Kugelkoordinaten fallen also weg! Man hätte natürlich auch ein anderes Vektorpotential mit einem anderen Dirac-String wählen können, da das Vektorpotential und die zugehörige Irregularität nicht eindeutig sind. Anschaulich kann man sich einen Dirac-String als eine innitesimal dünne stromdurchossene Spule unbestimmter Länge vorstellen, wobei die beiden Enden der Spule je einen Pol darstellen.In dieser Spule wäre ein sehr starkes Magnetfeld, was dem singulären Verhalten des Vektorpotentials entspricht. Es kann auch eine unendlich lange Spule mit einem Ende sein, welches den Monopol darstellt. Was nun das gedachte Konstrukt eines Diracschen Monopols von einer richtigen Spule unterscheiden soll, ist die Tatsache, dass ein Testteilchen nur mit den Spulenende, also dem magnetischen Monopol wechselwirken darf. Also darf es nicht mit dem Dirac-String wechselwirken, da dieser vollkommen unphysikalisch ist. Er darf also nicht messbar sein. Aus dieser Tatsache kann man die Quantisierungsbedingung für die elektrische Ladung herleiten, einer sehr bedeutenden Konsequenz der Theorie magnetischer Monopole. 3 Herleitung der Diracschen Quantisierungsbedingung 3.1 Wiederholung: Minimale Kopplung Im folgenden wird benötigt, dass die Elektrodynamik eine Eichtheorie ist. Es ieÿen jetzt also Aspekte der Quantenmechanik in die Betrachtung ein. Für die Potentiale des elektromagnetischen Feldes gelten folgende Eichtransformationen: ~t (~x; t) = A(~ ~ x; t) + ∇χ(~ ~ x; t) A (18) Φt (~x; t) = Φ(~x; t) − 1 ∂χ(~x; t) c ∂t (19) Das physikalische elektromagnetische Feld muss unter diesen Eichtransformationen invariant sein. Für den Hamiltonoperator gilt hierbei: 1 ~ − e A) ~ 2 + eΦ (−ih̄∇ 2m c 4 (20) Und für die Schrödingergleichung: [ 1 ~ − e A) ~ 2 + eΦ]Ψ = ih̄ ∂Ψ (−ih̄∇ 2m c ∂t (21) Auch für die Wellenfunktion eines Teilchens können Eichtransformationen in Bezug auf die Phase gemacht werden: Ψt (~x, t) = Ψ(~x, t) exp(iδ(~x, t)) (22) Die Wellenfunktion ist an sich komplex, das Betragsquadrat ist aber reell, aufgrund der Multiplikation der Wellenfunktion mit ihrer komplex Konjugierten. Der Phasenfaktor wird hierbei annulliert. Da für die Physik z.B. für die Bestimmung der Aufenthaltswahrscheinlichkeit des Teilchens der Realteil angegeben wird, ist die Aufenthaltswahrscheinlichkeit in Bezug auf die Phase der Wellenfunktion eichinvariant. Werden nun die Eichtransformationen für das elektromagnetische Feld durchgeführt, sollte die Schrödingergleichung die gleiche Form behalten. Die Dynamik, die beschrieben wird, darf sich unter den Eichtransformationen des elektromagnetischen Potentials und der Wellenfunktion eines Teilchens nicht ändern. Setze man nun die transformierten Potentiale und die transformierte Wellenfunktion in die Schrödingergleichung ein: [ 1 ~ − eA ~t )2 + eΦt ]Ψt = ih̄ ∂Ψt = [ 1 (−ih̄∇ ~ − eA ~ − e ∇χ) ~ 2 + eΦ − e ∂χ ]Ψt (−ih̄∇ 2m c ∂t 2m c c c ∂t (23) Damit die Schrödingergleichung die gleiche Form behält, gilt für die Wellenfunktion: Ψt (~x; t) = Ψ(~x; t) exp(i e χ(~x; t)) h̄c (24) Setzt man diese Wellenfunktion nämlich in die Schrödingergleichung mit transformierten Potentialen ein, erhält man für folgende Terme: ∂Ψt ∂Ψ e e ∂χ e = ih̄ exp(i χ) − Ψ exp(i χ) (25) ∂t ∂t h̄c c ∂t h̄c e ~ t = ih̄∇Ψ ~ exp(i e χ) − e ∇χΨ ~ (26) ih̄∇Ψ exp(i χ) h̄c c h̄c e e ~ Dabei fallen die Terme ec ∇χΨ exp(i h̄c χ) und ec ∂χ ∂t Ψ exp(i h̄c χ) heraus und Kürzen des e Phasenfaktors exp(i h̄c χ(~x; t)) ergibt wieder: ih̄ [ 1 ~ − e A) ~ 2 + eΦ]Ψ = ih̄ ∂Ψ (−ih̄∇ 2m c ∂t (27) Wenn sich das Teilchen durch das Eichfeld χ(~x, t) bewegt, dann ändert sich der Phasenfaktor in der Regel. Die Änderung des Phasenfaktors ist im Gegensatz zum Absolutwert für die Physik entscheidend, denn diese gibt die Wechselwirkung des Teilchens mit dem Eichfeld an. Bei Bewegung entlang einer Linie durch das Eichfeld gilt für den eindimensionalen Fall mit Hauptsatz: Z x2 χ(x2 ) − χ(x1 ) = x1 5 dχ dx dx (28) ~ x; t) folgt für den eindimensionalen Fall also: Wegen A~2 (~x; t) = A~1 (~x; t) + ∇χ(~ dχ ~2 − A ~1 =A dx Hieraus folgt: Z x2 (29) dχ(x) dx = dx χ(x2 ) − χ(x1 ) = x1 Z x2 ~ A(x)dx (30) x1 In 3D gilt dann als Phasenänderung bei Änderung des Ortes: Z Z ~ x)d~x = ∇χ(~ C ~ x)d~x A(~ (31) C Somit gilt für den Faktor, der die Phasenänderung der Wellenfunktion angibt: e exp(i h̄c Z ~ x)d~x) A(~ (32) C 3.2 Testteilchen um Dirac-String Für ein mögliches Vektorpotential, welches einen im Ursprung ruhenden Monopol beschreibt, erhält man zunächst einen Dirac-String. Im folgenden soll ein Testteilchen um den Monopol kreisen. Die aufgenommene Phase des Teilchens ist hierbei: e h̄c Z ~ x)d~x = e A(~ h̄c C I ~ x)d~x A(~ (33) C Da beim Umkreisen des Dirac-Strings keine Wechselwirkung stattnden soll, sollte die Wellenfunktion, wenn das Teilchen nach der Drehung wieder an seinen Ausgangspunkt zurückkehrt, eindeutig sein. Deshalb sollte die aufgenommene Phase 0 oder Vielfache von 2π betragen, wodurch für den Phasenfaktor gilt: exp(i Und somit: e h̄c I ~ x)d~x) = 1 A(~ e Ψt (~x; t) = Ψ(~x; t) exp(i h̄c Es lässt sich nun folgern: e h̄c I (34) C I ~ x)d~x) = Ψ(~x; t) A(~ (35) C ~ x)d~x = 2πn A(~ (36) C Nach dem Satz von Stokes kann man nun, statt dem Vektorpotential über die geschlossene Linie, das Magnetfeld über die Fläche integrieren. I C ~ x= Ad~ Z ~ × A)d ~ F~ = (∇ F Z F 6 ~ F~ = ΦB Bd (37) Somit lässt sich die Phasenänderung über den magnetischen Fluss bestimmen. Nun könnte man jedoch argumentieren, dass man ja den Satz von Stokes nicht anwenden könnte, da man wegen des Dirac-Strings, welcher von der Kurve eingekreist wird, kein einfach zusammenhängendes Gebiet hat. Hätte man jedoch den Dirac-String nicht eingekreist, so könnte man natürlich die geschlossene Kurve des Teilchens zu einem Punkt zusammenziehen. Dann würde der eingeschlossene Fluss gegen 0 gehen, womit man aber keine magnetischen Ladung beschreiben könnte. Nun folgt mit (36)und (37): e ΦB = 2πn h̄c (38) ~ = 4π ρW I ẑ B c (39) mit ΦB als magnetischen Fluss. Den genauen Wert des magnetischen Fluss kann man sich mithilfe der Veranschaulichung des Dirac-Strings über die Spule berechnen. So gilt für das Magnetfeld einer Spule im Allgemeinen: Hierbei sind ρW die Windungsdichte und I der Strom durch die Spule. Nun sei λ der Strom pro Länge in einem Abschnitt dz der Spule, so lässt sich schreiben: ~ = 4π λẑ B c Für den Fluss gilt also: ΦB = (40) 4π λF = 4πg c (41) n eg = h̄c 2 (42) Hierbei kann man λF c als magnetische Ladung g identizieren. Insgesamt ergibt sich über (38) und (41) die Quantisierungsbedingung: Dieses Resultat gibt nun an, dass die Existenz magnetischer Monopole die Quantelung der elektrischen Ladung erklären kann. Im Umkehrschluss könnte also die Quantelung der elektrischen Ladung auf die Existenz magnetischer Monopole schlieÿen lassen. Mit der experimentell ermittelten Beziehung kann man für n=1 folgern: e2 1 ≈ h̄c 137 (43) h̄c 137 g = 2 = e e 2 2 (44) Somit wäre eine Coulomb-Wechselwirkung zwischen magnetischen Monopolen circa 4692,25 mal stärker als zwischen zwei elektrischen Monopolen bei gleichem Abstand. Dies war laut Dirac ein Grund, warum man eine magnetische Ladung noch nicht einzeln beobachten konnte. 7 3.3 Herleitung über Eichtransformation Es gibt zahlreiche Wege die Quantisierungsbedingung herzuleiten. Nun soll noch eine weitere Alternative aufgezeigt werden, bei der verwendet wird, dass die Singularität, der sogenannte Dirac-String, nicht eindeutig ist. So kann es mehrere verschiedene Vektorpotentiale geben, deren Rotation das Feld eines magnetischen Monopols ergibt. Zu jedem dieser Vektorpotentiale kann der zugehörige Dirac-String also anders verlaufen. Nun sollte natürlich unabhängig davon, wie der Dirac-String verläuft, die gleiche Physik gelten. Als einfaches Beispiel betrachte man zwei Vektorpotentiale, welche in unterschiedlichen Raumbereichen gelten: 1 − cos(θ) φ̂ (45) A~1 = g r sin(θ) mit R1 : θ ∈ [0, + δ) π 2 1 + cos(θ) φ̂ A~2 = −g r sin(θ) (46) mit R2 : θ ∈ ( π2 − δ, π] Bildung der Rotation in Kugelkoordinaten führt jeweils auf das magnetische Feld eines Monopols. Beim ersten Vektorpotenial verläuft der Dirac-String entlang θ = 0, beim zweiten entlang θ = π . In dem Raumbereich R3 = ( π2 − δ, π2 + δ) sind die beiden Vektorpotentiale nun nicht singulär. Hier verläuft in gewisser Weise kein Dirac-String, somit sind die folgenden Betrachtungen unabhängig von diesem zu verstehen. Für die Eichfunktion gilt: ~ = A~1 − A~2 = ∇χ 2g 1 ∂χ φ̂ = φ̂ r sin θ r sin θ ∂φ (47) Integration nach φ gibt die Eichfunktion: χ = 2gφ (48) Für den Phasenfaktor der Wellenfunktion gilt dann: exp(i e e χ) = exp(i 2gφ) h̄c h̄c (49) Durchläuft das Teilchen nun im Überlappungsbereich der Regionen R1 und R2 eine geschlossene Kurve, dann sollte für φ = 0 und für φ = 2π der Phasenfaktor eindeutig sein. Für φ = 0 ergibt (49) eins. Damit also auch φ = 2π eins ergibt, muss 2eg h̄c ein ganzzahliges Vielfaches, oder 0 sein. Dies führt wieder auf die Quantisierungsbedineg = n2 . gung h̄c Der Unterschied zum ersten Weg ist, dass man die Quantisierungsbedingung hier unabhängig davon erhält, wie der Monopol konstruiert ist. Zudem kann man auch ohne die Veranschaulichung des Dirac-Strings als Spule zu dem gleichen Resultat kommen. 8 4 Quasimonopole in Spineis In der Festkörperphysik konnten über Neutronenstreuexperimente in Materialien wie Dysprosiumtitant Dy2 T i2 O7 , was auch als Spineis bezeichnet wird, Strukturen ermittelt werden, welche ähnliche Eigenschaften wie magnetische Monopole haben. Dies lässt sich beobachten, wenn solche Materialien auf wenige Grad Kelvin abgekühlt werden. Spineis ist zunächst einmal ein normales magnetisches kristallines Material. Seine Struktur besteht aus einer Anordnung von Tetraedern. Die Dysprosiumionen besitzen hierbei ein groÿes magnetisches Moment. Aufgrund der Kristallstruktur schwingen sie anisotrop, ihr Spin kann nur die Werte σ = ±1 annehmen, also gibt es an jeder Ecke des Tetraeders eine Spinachse, die in ihn hinein, oder aus ihm heraus zeigt. Die Spinachsen können hierbei als ein paar magnetischer Monopole (Nord und Süd) modelliert werden, welche über eine Hantel verbunden sind, wobei jeder dieser Monopole jeweils im Zentrum eines Tetraeders ist. Pro Tetraeder gibt es vier Spinachsen, wobei die potentielle Energie minimal ist, wenn je zwei Spinachsen nach innen und zwei nach auÿen zeigen. Diese Konguration wird als Eisregel bezeichnet, da sie in der Natur zum Beispiel in ähnlicher Weise bei der Anordnung von Wassermolekülen in Eis vorkommt. Nach der gerade verwendeten Modellierung zufolge sind im Zustand niedrigster Energie genauso viele Nord- wie Südpole im Zentrum eines Tetraeders. Jedoch kommt es durch Anregung des Systems dazu, dass manche Spins ihre Orientierung ändern. Hierbei erhält dann der eine Tetraeder am einen Ende des sich umkehrenden Spins eine magnetische Ladung z.B. als Nordpol, der benachbarte Tetraeder am anderen Ende dieses Spins eine magnetische Ladung z.B. als Südpol. Dies kann man sich mit dem Hantelmodell so vorstellen, dass sich in dem einen Tetraeder mehr Nord- als Südpole benden, im anderen Tetraeder ist es dann anders herum. Nun können benachbarte Spins auch umgeklappt werden, wodurch sich die Monopole voneinander entfernen, wofür keine Energie mehr benötigt wird. Der genaue Verlauf der Linie auf der sich die Spins umkehren ist beliebig, das Potential eines solchen Spinfadens hängt näherungsweise nur von den Potentialen der Monopole ab. Nun können sich die Monopole also beliebig durch das Material bewegen, wie als wären sie freie Teilchen. Der Spinfaden hat dann zudem Ähnlichkeiten mit einem Dirac-String. Experimente zeigten zudem, dass diese Monopole tatsächlich nach dem CoulombGesetz wechselwirken. Nur leider sind die Monopole, welche in Spineis beobachtet werden können, keine richtigen Elementarteilchen, denn sobald man Spineis bei höheren Temperaturen betrachtet, können keine Quasimonopole mehr gefunden werden. Auÿerdem sollte für einen richtigen magnetischen Monopol der Dirac-String nicht meÿbar sein, was bei dem Spinfaden jedoch der Fall ist. Anstatt zwei freie Monopole hat man also eigentlich eher einen sehr lang gestreckten Dipol. Zudem erfüllt die magnetische Ladung der Monopole im Spineis nicht die Quantisierungsbedingung. Statt richtiger Teilchen wird 9 im Spineis bei niedrigen Temperaturen das Aufspalten in eektive Freiheitsgrade, den Quasimonopolen, beobachtet. 5 Weitere Experimente und Ausblick In Anbetracht der Tatsache, dass magnetische Monopole nicht nur die Maxwellgleichungen symmetrisch machen könnten, sondern auch die Quantelung elektrischer Ladung erklären könnten, wäre es wünschenswert diese auch zu detektieren. Es gibt verschiedene Experimente, welche versuchen, magnetische Monopole in Form eines Elementarteilchens zu detektieren. Ein bekanntes Beispiel ist das Experiment von Blas Cabrera, welches auf er Idee der Induktion beruht. Ein relativ zu einem magnetischen Monopol bewegter Beobachter sieht ein zeitabhängiges Magnetfeld. Über MWG (6) ist ersichtlich, dass somit ein elektrisches Wirbelfeld erzeugt wird. Bei Relativbewegung zu einem leitenden Medium kann somit in diesem ein Strom induziert werden. In dem Experiment wird statt einer gewöhnlichen Spule eine supraleitende Spule verwendet, welche sehr empndlich gegenüber Änderungen des Magnetfeldes ist. Im Jahr 1982 konnte ein Ereignis mit diesem Experiment beobachtet werden, welches den Durchgang eines magnetischen Monopols vermuten lässt. Jedoch war es das einzige Mal, dass es beobachtet werden konnte, weshalb das Experiment nur eine Abschätzung für die obere Grenze des Flusses magnetischer Monopole im Universum angibt. In Beschleunigern, die immer höhere Energiebereiche erschlieÿen sollen, hot man zudem ein Teilchen zu nden, welches einem Magnetischen Monopol entspricht. Die Energien, welche moderne Beschleuniger heutzutage maximal erreichen können, sind noch viel zu gering. Von manchen Theorien werden beispielsweise Energien von 1016 Gev für die magnetischen Monopole vorhergesagt, während die besten Beschleuniger nur maximal Energien von ungefähr 103 Gev erreichen. Auch über das kosmische Magnetfeld in der Milchstrasse kann man die Flussgrenze magnetischer Monopole abschätzen. Dies beruht auf der Idee, dass magnetische Monopole in diesem Magnetfeld beschleunigt werden. Hierbei sollte dem kosmischen Magnetfeld Energie entzogen werden. Jedoch konnte bisher noch kein Experiment die Existenz magnetischer Monopole bestätigen. 6 Literatur [1] P.A.M.Dirac; Quantised Singularities in the Electromagnetic Field; 29.05.1931 [2]J.D.Jackson; Klassische Elektrodynamik; Walter De Gruyter; 2006 [3] T.Weigand; Kursvorlesung PTP4; Theoretische Quantenmechanik; SoSe 2011 [4] U.Schwartz; Theoretische Physik 3 Elektrodynamik; WS 2014/15 [5] K.M. Ellis; Magnetic Monopoles: Quanitzation and Quasiparticles; 06.05.2013 [6] W.Lautz; Seminarvortrag: Magnetische Monopole; 04.05.2012 [7] R.Moessner; Magnetische Monopole in Spineis; PhysikJournal, Juni 2014 10