2004/05 - Jura-Sternwarte Grenchen

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JAHRESBERICHT STIFTUNG
JURA – STERNWARTE GRENCHEN
www.jurasternwarte.ch
[email protected]
Jahresbericht
Herausgeber
Stiftung Jurasternwarte Grenchen
April 2006
BeitrÄge von
Hugo Jost, Gerhart Klaus, Theres Klaus,
Therese Jost, Barbara Jost, Franz Conrad
Gastautoren
Arnold von Rotz, Z€rich
Thomas B•r, Leiter Sternwarte B€lach
Fotos von
Druck
Auflage
Gerhart Klaus, Hugo Jost, Therese Jost,
Markus Hermann, Franz Conrad
Buchdruckerei Paul Herzog, Langendorf
600 Exemplare
Bankverbindung: Solothurner Bank SoBa, Konto: 45-87-4, zugunsten von S227328A 8334 Stiftung Jurasternwarte
2
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Jahresbericht
Inhaltsverzeichnis
Stiftung Jurasternwarte, Jahresbericht des Pr•sidenten
4
30 Jahre Jurasternwarte
6
Historische Bedeutung der Venustransite
14
Mein 5- Jahres Weg mit dem Venustransit 2004
18
Venustransit an den Schulen
22
Kolloquium vom 13. November 2004 im Parktheater
Grenchen „Venustransit vom 8. Juni 2004“
26
9000 Jahre Venustransits: Zum Venustransit vom 8. Juni 2004
30
Astronomie im Kindergarten
38
Ringf„rmige Sonnenfinsternis in Spanien vom 3.10.2005
42
Eine Sonnenfinsternis mit Hindernissen
44
Sonnenfinsternis mit Airton und Kim
50
Sonnenfinsternis in Valencia
54
Unsere G„nner 2004/2005
56
Die Kometen des Jahres 2004
59
Finanzieller Jahresbericht 2004
60
AJUG Jahresbericht des Pr•sidenten
62
Kontaktadressen, Anfahrtsweg
63
 Stiftung Jurasternwarte 2006
3
Jahresbericht
Stiftung Jurasternwarte, Jahresbericht des Pr•sidenten
Liebe G€nnerinnen und G€nner
Liebe Leserinnen, Liebe Leser
Das
Jahr
2004
war
aus
astronomischer Sicht buchst•blich ein
Jahrhundertjahr. Es bescherte uns mit
dem Venustransit vom 8. Juni 2004 ein
Ereignis, welches bis zu diesem Zeitpunkt noch von keinem heute lebenden
Menschen je beobachtet werden
konnte. Die Seltenheit dieses Ereignisses, das nur alle 105 Jahre
beobachtet werden kann, liess uns im
Vorfeld des Venustransits zittern und
bangen. Ja, bis dann der grosse Tag da
war und alles wie am Schn‚rchen
klappte. Trotzdem wir alle von der
Astrogruppe dasselbe Ereignis, teilweise sogar am selben Beobachtungsplatz,
beobachtet haben hat jeder seine ganz
pers€nliche Geschichte, seinen ganz
pers€nlichen Eindruck von der Gr€sse
des Ereignisses erlebt. Jeder hat sich
wohl gefragt: „Wie war das beim letzten
Transit vor 105 Jahren?“ „Was haben
unsere Vorfahren erlebt?“ Aber auch:
„Was
werden
unsere Nachfolger
erleben?“ Und ein Jeder ist sich auch
dessen bewusst geworden, dass das
Ereignis f‚r Ihn pers€nlich etwas
endg‚ltiges ist, das er, vielleicht, nur
noch ein mal, 2012 in Australien erleben
kann.
Die Beschreibung des Venustransits
nimmt im vorliegenden doppelten
Jahresbericht einen entsprechend grossen Raum ein. Tauchen Sie mit den
verschiedenen Berichten ein in das
Erlebnis „Venustransit“ und alle damit
zusammenh•ngenden
interessanten
Fragen.
Das Jahr 2005 verw€hnte mit der
Ringf€rmigen Sonnenfinsternis vom
3. Oktober. Zu sehen war Sie in voller
Pracht in Spanien. Viele von uns reisten
4
deshalb hin und brachten die unterschiedlichsten
Beobachtungsberichte
nach
Hause.
Lassen
Sie
sich
‚berraschen, wie vielseitig und manchmal auch etwas m‚hsam solche Reisen
sein k€nnen.
30 Jahre …ffentlichkeitsarbeit
Tage des offenen Daches:
Aktion Ferienpass:
Gruppenf‚hrungen:
Total Besucher:
Kurse:
Schweiz. Veranstaltungen:
Ausstellungen:
120
45
900
22’000
5
8
3
30 Jahre in der Presse
Zeitungsartikel:
Zeitschriftenartikel:
Radio Interviews:
Fernsehbeitr•ge:
120
20
14
2
Nebst
unseren
Beobachtungen
haben wir nat‚rlich auch die …ffentlichkeit nicht vergessen. War das Jahr
2004 vom Wetter her so einigermassen
Durchschnitt hat uns das Jahr 2005
komplett im Stich gelassen. Die meisten
unserer Besucher sahen den Himmel
leider nur bedeckt, verregnet oder gar
im Schnee. Dank unseren vielseitigen
und versierten Demonstratoren wird
aber auch ein verregneter Abend in der
Sternwarte zum Erlebnis.
2004/2005 haben wir an 8 Tagen
des offenen Daches rund 450 Personen
den Himmel oder aber dann die
Sternwarte gezeigt. Dazu kamen noch
rund 40 Gruppenf‚hrungen mit rund 600
Personen. Alles in Allem recht viel
Arbeit.
Und dann ist nat‚rlich auch noch die
Sternwarte da, die unsere volle Aufmerksamkeit erfordert. Wie Sie sicher
wissen, ist eine Sternwarte nie fertig!
Immer gibt es etwas zu reparieren, zu
verbessern oder zu erg•nzen. Die
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Jahresbericht
Instrumententechnik und die Beobachtungstechniken machen im Moment
derart grosse Fortschritte, dass wir
andauernd am Umbauen und Erweitern
sind.
Dank Ihnen, liebe G€nnerinnen und
G€nner war es uns in den Berichtsjahren m€glich, unseren Teppich zu
ersetzen, die Beobachtungseinrichtungen zu erweitern, mit Hilfe der Astrogruppe der Jurasternwarte einen Teil
der Sternwarte neu zu streichen, eine
Astro-Digitalkamera zu beschaffen usw.
30 Jahre Einnahmen
Spenden G€nner:
Einwohnergemeinde
Grenchen:
Diverse Beitr•ge:
Bankzinsen:
245’000
55’000
18’000
15’000
30 Jahre Ausgaben
Steuern:
Versicherungen:
Strom, Wasser:
…ffentlichkeitsarbeit:
Weiterausbau, Unterhalt:
14’000
49’000
32’000
35’000
203’000
Fast unmerklich langsam aber
unaufh€rlich ist die Zeit vergangen. Im
Herbst 2005 waren es 30 Jahre, seit die
Stiftung Jurasternwarte durch Erich
Wolf, Gerhart Klaus und ihre Mitstreiter
gegr‚ndet wurde. Im Herbst 2006 werden 30 Jahre seit der Einweihung der
Jurasternwarte vergangen sein. Noch
immer geh€ren wir zu einer der
bestausger‚steten Sternwarten in der
Schweiz.
Dank Ihnen, liebe G€nnerinnen und
G€nner, war es uns w•hrend dieser 30
Jahre m€glich, die Sternwarte zu
unterhalten und kontinuierlich weiter
auszur‚sten. Es erf‚llt uns mit Freude
und Stolz, nach so vielen Jahren immer
noch auf die Unterst‚tzung von Ihnen
Allen z•hlen zu d‚rfen. Wir danken
Ihnen daf‚r ganz herzlich.
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Aber auch den vielen Helfern der
Astrogruppe der Jurasternwarte danke
ich an dieser Stelle herzlich. Sie sind es,
die mit ihrem unentgeltlichen Einsatz die
Sternwarte unterhalten, die F‚hrungen
durchf‚hren und an den Tage des
offenen Daches unsere Besucher
begeistern.
30 Jahre Arbeit
In den 30 Jahren wurden durch Mitglieder der
Stiftung Jurasternwarte und der Astrogruppe
folgende Arbeitsstunden unentgeltlich aufgewendet.
F‚hrungen / Tage der offene T‚r:
Kurse:
Veranstaltungen:
Unterhalt, Weiterausbau:
Weiterbildung Demonstratoren:
7’500
500
1’700
3’000
800
H•tten wir diese 13'000 Stunden und die
Autospesen (33'000 km) bezahlen m‚ssen,
h•tte dies rund Fr. 350'000 gekostet.
Ich w‚nsche Ihnen, liebe G€nnerinnen und liebe G€nner, liebe
Leserinnen und Leser, f‚r die Zukunft
Gesundheit und alles Gute. M€gen alle
Ihre W‚nsche in Erf‚llung gehen.
Hugo Jost-Hediger
Pr•sident des Stiftungsrates
Der Stiftungsrat der Stiftung
Jurasternwarte 2005
Pr•sident:
Vizepr•sident:
Kassier:
Sekret•rin:
Jost Hugo
Conrad Franz
Derendinger Roland
Jost Therese
Gr‚nder 1975:
Gr‚nder 1975:
Mitglied seit 1975:
Mitglied seit 1975:
Mitglied seit 1975:
Mitglied seit 2000:
Mitglied seit 2001:
Wolf Erich
Klaus Gerhart
Bloesch Walter
Schreiber Ernst
Prof.Dr. Schuler Walter
Baggenstos Robert
Schilt Franz
5
30 Jahre
30 Jahre Jurasternwarte: Die Gr‚nder
Gerhart Klaus, F€hrung 1979
Erich Wolf, erster Spatenstich, 9.8.1975
6
Erich Wolf, F€hrung Sommer 1982
Gerhart Klaus 1992 mit Juhani Salmi, dem
Konstrukteur unseres Dobson Teleskops.
Erich Wolf am Coelostaten
Gerhart Klaus an der Schmidt Kamera
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30 Jahre
30 Jahre Jurasternwarte: Bau der Sternwarte
Die Presse beim ersten Spatenstich.
So hoch wird die Schmidt-Kamera.
Die Stiftungsr•te Wyss, Schreiber und Bl„sch
beim ersten Spatenstich.
Das Dach ist montiert.
Der Rohbau.
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1976: Der Bau ist vollendet.
7
30 Jahre
30 Jahre Jurasternwarte: Der Newton
Im Einsatz
Unser erstes Teleskop: Der Newton in der
Entstehungsphase.
Die Computersteuerung
Voll ausger€stet mit Sucher und zwei
Fliegerkameras
8
W•hrend zehn Jahren, von 1975 bis 1985
leistete uns das erste Beobachtungsinstrument, der Newton, gute Dienste. Mit einer
Brennweite von 160 cm und einem Spiegeldurchmesser von 30 cm war er an den
F‚hrungen unser Hauptbeobachtungsinstrument. Zusammen mit den zwei Fliegerkameras konnte er auch fotografisch gut
eingesetzt werden. 1986 wurde der Newton
durch den wesentlich leistungsf•higeren
Cassegrain ersetzt.
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30 Jahre
30 Jahre Jurasternwarte: Die Schmidt Kamera
Der Spiegel der Schmidt
Das Rohr nimmt Gestalt an.
Endlich ist die Schmidt-Kamera fertig.
Die Gabelmontierung wird montiert.
Unsere Schmidt-Kamera mit Ihrem 45-cm
Hauptspiegel, der Korrektionsplatte mit 30cm Durchmesser und einer Brennweite von
100 cm ist eine der leistungsf•higsten
privaten Astrokameras in Europa. Trotz ihrem
Alter von 40 Jahren ein Spitzeninstrument!
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9
30 Jahre
30 Jahre Jurasternwarte: Der Cassegrain
Dani Cardoen in Puimichel (S€dfrankreich)
schleift den 51-cm Spiegel.
1986: Der fertige Cassegrain auf der
ehemaligen Newton Montierung.
Der Tubus entsteht.
Der Cassegrain, unser Haupt-Beobachtungsinstrument an F‚hrungen. Brennweite: 600cm
Spiegeldurchmesser: 51cm; F/D = 1:11
10
Silvester 1996: Der Cassegrain bekommt
eine neue Gabelmontierung.
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30 Jahre
30 Jahre Jurasternwarte: Das Sonnenlabor
Erich Wolf erkl•rt, was man dank unserer
Projektionseinrichtung, auf der Sonne
beobachten kann.
Der Polarcoelostat auf der Beobachtungsplattform f•ngt das Sonnenlicht ein.
Das Sonnenspektrum im Sonnenlabor.
Die Nachf€hrung des Polarcoelostaten sorgt
daf€r, dass das Sonnenlicht trotz der Drehung der Erde immer ins Fernrohrobjektiv
(links im Boden) f•llt.
Die optische Bank wird scharf gestellt.
Das Sonnenteleskop hat eine Brennweite von
225 cm. Wir beobachten damit


Die optische Bank mit der Projektionseinrichtung und weiteren Zusatzger•ten.
 Stiftung Jurasternwarte 2006

Im Weisslicht Sonnenflecken, Fackelgebiete und die Randverdunkelung der
Sonne.
Mit dem h-alpha Filter Protuberanzen und
Filamente
Mit dem Spektrographen das Spektrum
der Sonne mit den Fraunhofer Linien
11
30 Jahre
30 Jahre Jurasternwarte: Kaleidoskop
Hugo Jost, Erich Wolf, Wim Zanstra 1986
…bergabe des Amerikanischen Mondgesteins durch den USA Kulturattach† Dr. M.
Korff am 26.8.1986 zuhanden unserer
Ausstellung zum 10-j•hrigen Jubil•um der
Jurasternwarte.
Stefan Spahr in Aktion beim Ferienpass 1986.
Insgesamt haben wir in den 30 Jahren an
rund 45 Abenden Besucher der Aktion
Ferienpass empfangen.
Ausstellung 1986
Astrotag 1988: das Betreuerteam
12
1992: Jugendweekend der Schweizerischen
Astronomischen Gesellschaft. Insgesamt
haben wir 7 SAG Veranstaltungen in der
Jurasternwarte sowie 1993 die zweit•gige
Generalversammlung der SAG in Grenchen
durchgef€hrt.
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30 Jahre
30 Jahre Jurasternwarte: Kaleidoskop
2005: Das Betreuerteam der „Tage des
Offenen Daches“ bei der Erholung.
Winter 2004: So sieht die zugeschneite T€re
der Sternwarte von Innen aus.
2002: Besuch vom Expo-Team
„Strangers in Paradise“. In den 30 Jahren
haben wir rund 1000 Gruppenf€hrungen
und Tage des offenen Daches
durchgef€hrt.
Ausstellung 2001 zum 25-j•hrigen Jubil•um:
Das begehbare Universum.
2005: GV der Astrogruppe der Jurasternwarte. Da die Tische f€r die GV im Freien
nicht durch die T€re passen,
werden sie zerlegt.
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Besucher im Schnee
13
Venustransit
Historische Bedeutung der Venustransite
Wie ein roter Faden zieht sich das
Problem der Entfernungsmessung durch
die Geschichte der Astronomie. Einen
neuen Impuls zu dessen L€sung gab
Edmond Halley, der vorschlug, den
Venustransit
zur
Ermittlung
der
Sonnendistanz von zwei weit auseinander liegenden Orten auf der Erde
zu beobachten.
Aristarch von Samos (ca. 310 - 230
v. Chr.) versuchte, die Sonnenentfernung ‚ber die Monddistanz zu ermitteln.
Dazu mass er den Winkel zwischen
Sonne und zunehmendem Halbmond
auf 87‡. In Einheiten der Monddistanz d
ausgedr‚ckt, resultierte daraus eine 19fache Sonnenentfernung. Heute wissen
wir, dass dieser Wert gut das
Zwanzigfache
betr•gt.
Aristarchs
Messungen waren ungenau; der Winkel
zwischen Sonne - Erde und Halbmond
betr•gt n•mlich fast 90‡ (genau 89‡51').
Andere
Zeitgenossen
ermittelten
genauere Werte.
Beziehung zwischen den Planetenuml•ufen um die Sonne und ihrer
Abstandsverh•ltnisse. Wenn man die
bekannten Umlaufszeiten [U] quadriert
und ins Verh•ltnis zur dritten Potenz des
Abstandes [a] stellt, l•sst sich aus der
dritten Wurzel von U2 der Abstand als
Verh•ltnis der mittleren Entfernung
Sonne - Erde bestimmen. Mars
beispielsweise l•uft in 1.88 Jahren
einmal um die Sonne. Wird dieser Wert
quadriert, so bekommt man 3.53.
Daraus die dritte Wurzel gezogen, ergibt
sich eine Distanz von 1.524 AE. Das
Unbefriedigende war, dass es sich bei
dieser Angabe um einen relativen
Abstand in einer damals
noch
"unbekannten Gr€sse" handelte und
nicht um eine wahre L•nge, zum
Beispiel in Kilometern. Es ist, als
wanderten wir nach einer Karte ohne
Massstab von A nach B, wissen also
nicht, wie weit die Wanderung in
Wirklichkeit ist!
Im Altertum waren
die Transite von
Merkur und Venus
noch
unbekannt.
Erst Kepler wies auf
diese
seltenen
Ph•nomene
hin,
was Edmond Halley
(1656 - 1742) auf
die Idee brachte,
Venustransits
zur
Ermittlung
der
Sonnenentfernung
zu beobachten. Von
Aristarch von Samos nutzte die Geometrie des Dreiecks zur
zwei auf der Erde
Ermittlung der Sonnendistanz in Einheiten der Mondentfernung
weit
auseinander
Erst die Keplergesetze machten es
liegenden Punkten aus gesehen,
m€glich, die Abst•nde der Planeten in
m‚sste
sich
die
Sonnenposition
Astronomischen Einheiten [AE] darzugegen‚ber der Fixsternkulisse minim
stellen. Johannes Kepler (1571 - 1630)
verschieben. Da Venus in der unteren
beschreibt in seinem dritten Gesetz die
Konjunktion n•her an der Erde
14
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Venustransit
steht als die Sonne, m‚sste der Winkel,
unter dem man den Planeten sieht,
gr€sser ausfallen als von der Sonne aus
betrachtet. Bei einem Transit schneidet
Venus f‚r jeden Beobachtungsort eine
geringf‚gig andere Sehne. Gelingt es,
und das war Halleys Ansatz, diesen
Winkel zu messen, so liesse sich nach
den Regeln der Trigonometrie die
sogenannte
Sonnenparallaxe
α
ermitteln, sofern die L•nge der
Basislinie der beiden Beobachter A und
B bekannt ist.
Beobachtung des Transits einen Strich
durch die Rechnung. Halley lieferte eine
raffinierte L€sung: Statt die Sonnenparallaxe π (Winkel, unter dem man den
Šquatorradius der Erde sieht) ‚ber den
Winkel α direkt zu ermitteln, schlug er
vor, die exakten Zeiten der Kontakte
(Ein- und Austritt aus der Sonnenscheibe)
zu
messen.
Je
nach
Beobachtungsort dauerte der Vor‚bergang etwas k‚rzer oder l•nger. Da die
unterschiedlichen Sehnen parallel ‚ber
die Sonnenscheibe verlaufen, kann die
Winkeldistanz
zwischen
ihnen direkt aus
den
Zeiten
kalkuliert werden.
Halleys Idee, den kleinen Winkel  zu messen, erwies sich in der Praxis als
•usserst schwierig. Ab 1761 wurden weltweit Messungen durchgef€hrt,
die anf•nglich unbefriedigend waren.
Die Venusentfernung liess sich also
direkt in Kilometern errechnen und weil
auch die Astronomische Einheit bekannt war (nach dem 3. Keplergesetz),
konnte man erstmals auch die
Entfernung Erde - Sonne in Kilometern
darstellen. Nur die praktische Umsetzung war schwierig: Die direkte
Messung des sehr kleinen Winkels α
erforderte eine hochpr•zise zeitliche
Synchronisation. Mechanische Pendeluhren, die man auf monatelangen
Seereisen erst nach deren R‚ckkehr
miteinander
vergleichen
konnten,
gingen meist ungenau, Funkverbindungen gab es nicht und verschiedentlich machte auch das Wetter bei der
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Bisher wurden erst f‚nf Venus von
Menschen beobachtet und nur die vier
letzten, jene von 1761, 1769, 1874 und
1882 wurden zur Bestimmung der
Sonnenparallaxe genutzt.
Nach den Rudolfinischen Tafeln
sagte Kepler f‚r den 7. November 1631
einen Merkur- und f‚r den 6. Dezember
1631 einen Venusdurchgang voraus. Er
selber konnte diese beiden Ereignisse
nicht mehr selber verfolgen, denn
Kepler starb am 15. November 1630.
Der franz€sische Astronom Pierre
Gassendi beobachtete indessen den
angek‚ndigten Merkurtransit mittels
Projektion von Paris aus. Angespornt
15
Venustransit
durch das Ereignis wollte er auch den
Venusdurchgang am 5./6. Dezember
1631 verfolgen, vergebens, wie sich
herausstellen sollte. Wenn immer die
Wolken aufrissen, sp•hte er nach der
Sonne und dem "schwarzen Punkt",
doch er konnte nicht ahnen, dass dieser
Transit von Europa aus unbeobachtbar
blieb.
Fast w•re der acht Jahre sp•ter
folgende Venustransit am 4. Dezember
1639 einem Rechenfehler Keplers
wegen unbeobachtet geblieben (er
sagte voraus, Venus w‚rde die
Sonnenscheibe knapp verfehlen), h•tten
die Berechnungen Jeremiah Horrox
aufgrund von Ephemeridentafeln des
belgischen Astronomen Philip van
Landsberge (1561 - 1632) nicht f‚r
diesen Tag einen Transit ergeben.
Tats•chlich konnte er Venus unmittelbar
vor Sonnenuntergang ab 4.15 PM UTC
vor dem Tagesgestirn sehen! Horrox
ermittelte einen Venusdurchmesser von
1'12".
Edmond Halley - selber hatte er
keinen Venusdurchgang erlebt - starb
im Jahre 1742 und rief, an die Royal
Society gerichtet, auf, die bevorstehenden Venustransite von 1761 und
1769 zu beobachten. Nicht weniger als
120 Astronomen leisteten dem Aufruf
folge und beobachteten das Ereignis am
6. Juni 1761 weltweit. Von Neufundland
bis zum Kap der Guten Hoffnung und
von Wien bis Tobolsk (Sibirien) fanden
Beobachtungen statt. Doch leider waren
die
Resultate
entt•uschend:
An
mancher Station, so auch auf Rodriguez
und St. Helena, wo franz€sische und
englische Expeditionsteams hinreisten,
beeintr•chtigte schlechtes Wetter die
Beobachtung. Ausserdem gab es ein
weiteres Problem, mit dem niemand
gerechnet hatte. Beim 2. Kontakt und 3.
Kontakt, zu dem sich Venus h•tte vom
inneren
Sonnenrand
l€sen
bzw.
16
vereinigen sollen, entstand auf einmal
eine "Schattenbr‚cke" zwischen dem
dunklen Planetenscheibchen und dem
Sonnenhintergrund! Erst rund 50
Sekunden nach der Kontaktzeit erschien
der Lichtstreifen zwischen Venus und
Sonnenrand! Dieses Ph•nomen des
"schwarzen Tropfens" verf•lschte die
Messungen der exakten Kontaktzeiten
erheblich. Bei diesem einzigartigen
Ph•nomen handelt es sich um eine
Wirkung der atmosph•rischen Tr‚bung
im Zusammenspiel mit der Beugung der
Teleskopoptik und nicht, wie oft
angenommen wird, um Beugungs- und
Lichtbrechungseffekte
in
der
Venusatmosph•re.
Die Ergebnisse waren entsprechend
ern‚chternd: Statt die Astronomische
Einheit auf eine Genauigkeit von 0.15%
zu ermitteln, wie Halley es sich
vorgestellt hatte, errechnete man eine
Sonnendistanz zwischen 125.3 und
154.7 Millionen Kilometern, dies nur,
weil die Sonnenparallaxe zwischen
10.5" und 8.5" schwankte.
Die n•chste Gelegenheit bot sich
schon am 3. Juni 1769, auf die man
noch umfassendere Vorbereitungen traf.
Erneut
schw•rmten
sechzehn
Expeditionsteams in alle Teile der Welt
aus, unter ihnen auch die von Captain
James Cook (1728 - 1779) kommandierte Reise nach Tahiti, wo Alexander
Dalrymple und Charles Green den
Transit verfolgten. ‹ber 80 Stationen
lieferten
mehr
als
150
Einzelmessungen, aber dennoch schwankte
die Sonnenparallaxe zwischen 8.3'' und
8.8''. Johann Encke rechnete 1824 aus
allen Daten der Transite von 1761 und
1769 einen Mittelwert der Sonnenparallaxe von 8.578'', pr•zisierte sie elf
Jahre sp•ter auf einen Wert von 8.571''.
Daraus liess sich die Astronomische
Einheit neu auf 153.5 Millionen Kilome Stiftung Jurasternwarte 2006
Venustransit
Die Venustransite 1388 – 2012
ter bestimmen, was sich als immer noch
erheblich zu gross erweisen sollte.
Auch die letzten beiden VenusTransite von 1874 und 1882 wurden zur
nochmaligen Nachpr‚fung der Sonnenparallaxe genutzt. Die Fotografie und
genauere
Messmethoden
liessen
bessere Resultate erhoffen. Erstmals
beteiligten sich am 9. Dezember 1874
auch amerikanische Astronomen an der
Beobachtung des Transits. Doch trotz
verbesserter Technik varierte die
Parallaxe noch immer zwischen 8.79''
und 8.83'', was eine L•nge der
Astronomischen Einheit von 149.7 und
148.9 Millionen Kilometern ergab. So
war die Stimmung auf den letzten
Transit am 6. Dezember 1882 ged•mpft,
doch gab man die Hoffnung nicht auf,
den Wert noch einmal zu verbessern.
Obwohl Leonard Euler einen recht
genauen Wert von 8.8" berechnete,
publizierte der amerikanische Astronom
Simon Newcomb (1835 - 1909) vom
Amercian Nautical Almanac Office in
Washington D. C. schliesslich 1890
 Stiftung Jurasternwarte 2006
aufgrund aller ihm damals zur
Verf‚gung stehenden Messdaten einen
Wert f‚r die Sonnenparallaxe von 8.79",
was einer L•nge der Astronomischen
Einheit von 149.6 Millionen Kilometern
entspricht und dem heutigen Wert recht
nahe kommt. Heute bedient man sich
einer bequemeren Methode, die h€chst
pr•zise Distanzmessungen im Sonnensystem zul•sst; die Messung der
Laufzeit elektromagnetischer Wellen.
Aus dem Jahre 1990 haben wir den
modernsten Wert der Astronomischen
Einheit
mit
149.597
Millionen
Kilometern, was einer Lichtlaufzeit von
499 Sekunden oder 8 Minuten 19
Sekunden entspricht.
Gastautor
Thomas B•r, Embrach
Leiter Sternwarte B‚lach
17
Venustransit
Mein 5 - Jahres Weg mit dem Venustransit 2004
Am 26. Oktober 2000 nahm ich an
der ersten Sitzung der Astronomischen
Vereinigung Z‚rich (AVZ) in der
Universit•t Z‚rich Irchel zum Start des
Projektes „Venustransit 2004“ teil. Wir
alle ahnten nicht, welche Ausmasse
dieses Projekt annehmen w‚rde. Es sah
vor, beim Venustransit vom 8. Juni 2004
den Versuch zu unternehmen, nach den
Methoden der Vorbilder des 18. und 19.
Jahrhunderts die Astronomische Einheit
mit den heute den Amateuren zur
Verf‚gung
stehenden
Mitteln
zu
bestimmen und mit den Resultaten der
Astronomen fr‚herer Jahrhunderte zu
vergleichen.
Die Projektarbeit
W•hrend vier Jahren lasen wir alte
Berichte, machten uns schlau ‚ber die
Beobachtungsm€glichkeiten, bereiteten
die Messmethoden und Auswertemethoden vor und nicht zuletzt, pflegten
auch die Kameradschaft.
Der grosse Tag
In der Nacht auf den 8. Juni hat wohl
kaum noch jemand aus unserem Projekt
ruhig geschlafen. Gut, die Wetterprognose war super. Aber trotzdem!
Man weiss ja nie, was alles passieren
kann und, eine zweite Chance kriegen
wir in der Schweiz zu Lebzeiten nie
mehr.
Wie immer bei seltenen Astronomischen Ereignissen muss man sich vor
dem Ereignis ‚berlegen, wie und was
man selber beobachten kann. Nicht
alles ist gleichzeitig machbar. Zu gross
ist das Risiko, dass in der Hektik etwas
schief geht und man am Schluss
buchst•blich mit leeren H•nden dasteht.
Mein klares Ziel war, m€glichst
pr•zise Messresultate zu erzielen die
derart dokumentiert sind, dass man
auch noch Jahre sp•ter Auswertungen
machen kann. Ich verzichtete also bewusst auf visuelle Messungen und
konzentrierte mich auf die fotografische
Beobachtung. Zugegeben, ich sah den
Venustransit im grossen und ganzen nur
durch den Sucher der Kamera. Aber der
Unterschied zur Beobachtung am
Fernrohr ist recht klein. Ich habe den
Venustransit auch so genossen.
Aufbau der Instrumente auf dem
Obergrenchenberg
Arbeit w•hrend einer Projekt Plenarsitzung
18
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Venustransit
Um sechs Uhr, es war noch recht
k‚hl, baute ich mein fotografisches
Instrument auf, pr‚fte ein letztes Mal
alles und wartete auf den Beginn des
Transits. Nach und nach tauchten
weitere Mitglieder der Astronomischen
Gruppe der Jurasternwarte auf. Gleichm•ssig verteilt, um
gegenseitige
St€rung zu vermeiden, standen kurz vor
Sieben die unterschiedlichsten Fernrohre bereit.
Visuelle Beobachtungen
Im
Rahmen
des
Projektes
Venustransit versuchten wir, die im
Bericht „Historische Bedeutung der
Venustransite“ beschriebene Mess- und
Auswertemethode f‚r die Bestimmung
der „Astronomischen Einheit „nachzuvollziehen. Innerhalb weniger Tage nach
dem Venustransit erreichten mich rund
200 Messresultate von 22 Beobachtern
an 20 verschiedenen Standorten in
sechs L•ndern.
Die Darstellung der Berechnungen
und Auswertungen ist im Rahmen
dieser
Publikation
nicht
m€glich.
Interessenten k€nnen den ausf‚hrlichen Bericht per email bestellen (
[email protected] ).
Die Auswertung ergab einen Fehler
von maximal 2% gegen‚ber dem
tats•chlichen Wert was als sehr gutes
Resultat betrachtet werden kann.
Fotografische Beobachtungen
Dann, p‚nktlich wie vorausberechnet, schob sich die Venus langsam in
die Sonne hinein. Ein atemberaubendes, auch etwas unheimliches Ereignis
welches mich die n•chsten 6,5 Stunden
voll besch•ftigen w‚rde.
Auch in der Jurasternwarte wurde
das Ereignis fleissig fotografiert und den
Besuchern gezeigt und erkl•rt.
Venusbeobachtung in der Jurasternwarte
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Fotografische Beobachtungen
Bei der fotografischen Beobachtung
konzentrierte ich mich darauf, die
Kontaktzeiten des Venustransits m€glichst genau zu bestimmen. Daraus
kann dann, wie bei der visuellen
Methode, die „Astronomische Einheit“
bestimmt werden.
Um die unvermeidlichen Ungenauigkeiten auszumerzen entschloss ich
mich, insgesamt gegen 200 Aufnahmen
zu machen. Das Aufnahmeprogramm
sah wie folgt aus:
19
Venustransit
Phase 1 :
Kurz vor Kontakt 1 bis kurz vor Kontakt 2.
 36 Aufnahmen (1 Film, kein Filmwechsel!!!)
 Abstand der Aufnahmen: 30 Sekunden
 Bewegung der Venus 2`` pro 30 s.
 Zeitbereich: 18 Minuten (07:20:00 –
07:37:00)
 Ergibt
maximal
36
Messpunkte
w•hrend linearer Bewegung der
Venus.
Phase 2 :
Kurz vor Kontakt 2 bis nach Kontakt 2.
 36 Aufnahmen (1 Film, kein Filmwechsel!!)
 Abstand der Aufnahmen: 5 Sekunden
(mit kurzen Pausen infolge Ungl‚cksf•llen)
 Bewegung der Venus 1/3`` pro 5s.
 Zeitbereich
geplant:
3
Minuten
(07:38:00
–
07:41:25).
Effektiv
07:39:20 - 07:42:41
 Ergibt maximal 36 Messpunkte w•hrend linearer Bewegung der Venus.
Phase 3 :
Nach Phase 2 bis 3 Minuten vor K3.
 64 Aufnahmen (2 Filme)
 Abstand der Aufnahmen: 5 Minuten
 Zeitbereich: 5h 10 Min. (07:45:00 –
12:55:00)
 Ergibt maximal 64 Messpunkte w•hrend des Transits
Phase 4 :
Wie Phase 2, kurz vor K3 bis kurz nach
K3
Phase 5:
Wie Phase 1, kurz nach K3 bis nach K4
Phase 6:
Mit Sonnenbrand und total ersch€pft
Mittagessen im Bergrestaurant Oberberg
Das Arbeitspensum in der immer
heisser werdenden Sonne war recht
gross und auch f‚r Spannung war
gesorgt, musste doch der ganze
Zeitplan sekundengenau eingehalten
werden. Ein Vorhaben, das gegen Ende
20
der sechseinhalb Stunden doch recht
m‚hsam und anstrengend wurde.
Nach diesem anstrengenden Morgen mussten nun als erstes die Filme
entwickelt werden. Danach wurde Bild
f‚r Bild digitalisiert und auf dem
Computer gespeichert. Bei der Menge
der Bilder waren schon bald ein paar
Abende vorbei.
Dann ging es daran, die Bilder
auszumessen. Eine m‚hsame, langweilige und zeitfressende T•tigkeit.
Und dann endlich konnte mit der
Auswertung begonnen werden. Die
Auswertung besch•ftigte mich bis Mitte
Oktober: Volle 3 Monate. Doch: Die
ganze M‚he hat sich gelohnt.
Die Transitdauer konnte mit einer
Genauigkeit von 0.08% bestimmt
werden!
Transitdauer : 5:24:51(Soll:5:24:33)
Genauigkeit: 0,082%
Was ist noch zu tun?
Nun: Insgesamt rund 200 visuelle
Beobachtungen und rund 1000 Fotos
haben sich bis heute bei mir
angesammelt. Bis heute konnte ich alle
visuellen Beobachtungen und rund
einen Viertel der Fotos auswerten.
Material f‚r weitere Untersuchungen
und Auswertungen w•re also noch mehr
als genug vorhanden. Aber: Die f‚r die
Auswertung ben€tigte Zeit fehlt leider!
Das Kolloquium Venustransit 04
Am 13. November 2004 organisierten Therese und ich zusammen ein
Kolloquium zum Venustransit. Es war
ein grosser Erfolg (siehe Bericht von
Arnold von Rotz) und spornt uns an,
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Venustransit
auch in Zukunft •hnliche Veranstaltungen zu organisieren.
Wie weiter?
Beinahe f‚nf Jahre sind seit meinem
ersten ernsthaften Kontakt mit dem
Venustransit 2004 vergangen. Interessante, ereignisreiche Jahre liegen
hinter mir.
Unbeeinflusst von allen unseren
menschlichen Bed‚rfnissen und Sorgen
ziehen die Gestirne ruhig ihre vorbestimmten Bahnen. Und mit Sicherheit
wird die Venus am 12. Juni 2012 zum
zweiten Mal in diesem Jahrhundert vor
der Sonne durchziehen, bevor Sie dann
eine lange, 105 Jahre dauernde Pause
einlegt. Ich hoffe sehr, dass ich diesen
zweiten Durchgang 2012 in Australien
miterleben kann. Das Erlebnis, zwei
Venustransits zu sehen, war bisher nur
sehr wenigen Menschen vorbehalten.
Ich bin mir bewusst, zu den Privilegierten zu geh€ren, die diese Chance
‚berhaupt nutzen k€nnen.
Den ‚bern•chsten, in 2117 stattfindenden Venustransit wird kein heute
lebender Mensch mehr erleben k€nnen.
Wie die Welt in 114 Jahren, einem aus
kosmischer Sicht v€llig bedeutungslosen Augenblick, wohl aussehen wird?
Welche Fortschritte die Wissenschaft,
die Technik, die Medizin ... machen
werden, wir wissen es nicht.
Wir k€nnen es, wenn wir die Entwicklungen der letzten 100 Jahre im
R‚ckblick betrachten, nicht einmal
erahnen. So wollen wir hoffen, dass im
Jahre 2117 die Welt ein klein bisschen
besser und friedlicher aussehen wird als
heute.
Hugo Jost, Jurasternwarte
Vergleich Venus vor der
Sonnenscheibe in der
Jurasternwarte und in
Namibia
Fotos:
Schweiz – Hugo Jost,
Grenchen
Namibia – Fred Nicolet,
Solothurn
 Stiftung Jurasternwarte 2006
21
Venustransit
Venustransit an den Schulen Grenchen
Das Beobachtungsprogramm
Grenchen
8:00 – 11:00:
Solarscope vor dem Kindergarten
 8:00 – 8:45, Bezirksschule
 8:45 – 9:30, Primarschule,
Schulhaus II
 9:55 – 10:30, Primarschule,
Schulhaus IV
 10:30 – 11:00, Kindergarten
Lindenpavillon
 W•hrend der ganzen Vorf‚hrung
Aufnahmen (durch Radio DRS
Regionaljournal AG / SO)
 Ab 11:00:
Solarscope auf dem Marktplatz in
Grenchen.
 Ab 12:00:
Solarscope auf der Terasse des
Restaurant Parktheater
Therese Jost
Das Solarscope
Die Resultate vom KG und
Schulen Grenchen
Diese Resultate sind, besonders
wenn man bedenkt, dass sich die
Sonne und Venus dauernd bewegen,
sehr gut.
Therese Jost
Kleine Astronomen bei der Arbeit
22
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Venustransit
Interview DRS Regionaljournal
Das nachfolgende Interview wurde von
Radio DRS Regionaljournal anl•sslich
des Venustransits vom 8. Juni 2004 im
Kindergarten Lindenpark in Grenchen
aufgezeichnet. Die Ausstrahlung erfolgte am selben Tag.
Therese Jost, Jurasternwarte
Einleitung der Sendung:
„Sie sind zwischen F‚nf und F‚nfzehn
und haben heute etwas erlebt, das sie in
ihrem Leben hier in Europa nie mehr
sehen werden. Kinder und Jugendliche
aus verschiedenen Schulen in Grenchen haben den Planeten Venus, der
vor der Sonne durchwanderte, beobachtet. Ein Venustransit, wie man das
Ereignis nennt. Im Grenchner Kindergarten Lindenpavillon wurde speziell f‚r
dieses Ereignis eine Ministernwarte
aufgebaut. Andrea Jaggi (DRS, AJ)
schaute sich das an.“
DRS, AJ: „Therese Jost (TJ) ist
Kinderg•rtnerin und Mitglied der Astronomischen Gruppe der Jurasternwarte.
Sie hat eine Kartonkiste auf den Boden
gestellt.“
TJ: „Seht ihr dort den Kasten, den
ich auf den Boden gestellt habe? Das
orange Rohr? Mit dem orangen Rohr
fange ich die Sonne ein. Die Sonne
kommt dann hier in den Kasten. Dann
geht sie im K•stchen auf den Spiegel an
der Wand und kommt wieder zur‚ck.
Auf der Wand sieht man einen runden
weissen Fleck. Dieser weisse Fleck ist
die Sonne.“
DRS, AJ: „Mit einfachen Worten
erkl•rt Therese Jost den Kinderg•rtnern
die Funktion der Ministernwarte. Die
funktioniere nach demselben Prinzip wie
 Stiftung Jurasternwarte 2006
die grosse Sternwarte auf dem Grenchenberg: Mit Spiegelung und Projektion. Mit dem einzigen Unterschied,
dass in der Jurasternwarte alles gr€sser
ist.“
Kind: „Da ist ja etwas Weisses“
TJ: „Was ist das Weisse“?
Kind: „Die Sonne“.
TJ: „Und was ist das Schwarze?“
Kind: „Das ist ..... Venus“
TJ: „ Ja! Venus.“
Kind: „ Der Schatten. Das ist cool!“
TJ: „Du darfst nicht direkt in die
Sonne schauen.“
Kind:“ Ja das macht die Augen
kaputt!“
DRS, AJ: „Die Kinder haben es begriffen! Beim direkten Blick in die Sonne
w•re „fertig lustig“. Es braucht also entweder eine Ministernwarte oder dann
eine Spezial-Sonnenfinsternisbrille. Kai
beobachtet mit einer Sonnenfinsternisbrille und erkl•rt, was er sieht“.
Kai: „Die Sonne ist Orange und
darauf ein schwarzer Punkt.“
DRS, AJ: „Der schwarze Punkt ist
also Venus. Die Sch‚lerinnen und
Sch‚ler sind beeindruckt. In kurzer Zeit
bekommen sie von Therese Jost viele
unterschiedliche Informationen.“
TJ: „Alle Leute die heute Leben
haben das, was Ihr heute seht, noch nie
gesehen. Ein Venustransit erfolgt nur
alle 122 Jahre. So alt wird ja niemand.
Ihr selber seht es sicher auch nie mehr.“
DRS, AJ: „Und die Kinder machen
Entdeckungen. Venus, das P‚nktchen,
bewegt sich. Und auch die Sonne ist
pl€tzlich nicht mehr auf der Kartonwand.
23
Venustransit
Therese Jost muss den Kasten verschieben. Harkin weiss warum:“ „Die
Erde dreht sich doch um sich selbst und
so verschiebt sich die
Sonne am
Himmel dauernd. Da l•uft die Sonne
halt dann eben aus dem Kasten raus.“
wissen:“ „Sieht man den Venustransit in
ganz Europa“.
TJ: „Ja. Wir haben Leute, die an verschiedenen Orten beobachten. Einer
reiste nach Namibia, einer nach
S‚dfrankreich.“
DRS, AJ: „Die Drehung der Erde um
die Sonne: Jetzt hat man einmal einen
Eindruck davon.“
DRS, AJ: „Therese Jost erz•hlt auch
von den Mitgliedern der Jurasternwarte,
die das Ereignis wissenschaftlich aus-
TJ: „Jetzt sieht man einmal, wie
schnell die Erdrotation ist. Ich sage den
Kindern immer: Da sieht man, wie
schnell wir rumfliegen.“
werten. Da ist zum Beispiel der Mann
von Therese Jost auf dem Grenchenberg. Er macht alle vier Minuten eine
Foto. Im November will man die Auswertung vorstellen. Was aber gibt es
eigentlich zu erforschen?“
DRS, AJ: „Und das ohne Schleudertrauma. In unserer Ministernwarte, in
der die Sonne noch gespiegelt wird,
sieht man Venus oben an der Sonnenscheibe. In der Realit•t ist sie unten
durch gewandert. Ein M•dchen hat
deshalb eine Idee:“ „Man k…nnte sich
auf den Kopf drehen und dann sieht
man Venus oben.“ „Also schaut es Kopf
voran von oben herab in die Schachtel.
Anderen Kindern kommt folgendes zum
Thema in den Sinn. Wie Philipp, der
damit beginnt, die Planeten aufzuz•hlen.“ „Eigentlich heisst der kleinste
Planet Transpluto. Aber den sieht man
nicht weil er so klein ist.“ „Viel Wissen
kommt also da zusammen. Saskia stellt
interessiert Frage um Frage. Und auch
dieser schon etwas •ltere Sch‚ler will
24
TJ: „Das Wichtigste ist, dass man
die Distanz Erde – Sonne bestimmen
will. Man hat dieselbe Messung vor 122
Jahren w•hrend des letzten Venustransits gemacht und will die Resultate nun
vergleichen.“
DRS, AJ: „So ein Venustransit ist
viel seltener als zum Beispiel eine
Sonnenfinsternis. Obwohl eine Sonnenfinsternis meistens viel mehr zu reden
gibt. Ob sich dessen die Sch‚ler wohl
bewusst sind? Es scheint so:“ „Ja das
ist ziemlich selten!“ „Ich h•tte nicht
gedacht, dass man das mit so einem
kleinen Ding beobachten k…nnte“. „Ich
h•tte gedacht, der Punkt sei ein
bisschen gr…sser“.
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Venustransit
DRS, AJ: „Die Meisten
haben
vermutlich zum letzten Mal einen
Venustransit gesehen. Man k€nnte
dieses Ereignis in acht Jahren nochmals
erleben. Dieser Ausflug wird aber teuer.“
TJ: „2012 kann man einen Venustransit in Australien nochmals sehen. Ich
kenne jetzt schon viele Leute, die diese
Ferien schon fest eingeplant haben.
Hobbyastronomen sind eben s‚chtig
nach solchen Ereignissen.“
DRS, AJ: „sagt Therese Jost von der
Astronomischen Gruppe der Jurasternwarte Grenchen. Und sonst heisst es
dann eben: 122 Jahre warten.“
Ende der Sendung:
„Andrea Jaggi mit einem Bericht vom
heutigen Naturschauspiel und wie es
die Schulkinder von Grenchen begeisterte.“
Venustransit an den Lengnauer Schulen
Markus Hermann,
Astrogruppe Jurasternwarte
 Stiftung Jurasternwarte 2006
25
Kolloquium Venustransit
Kolloquium vom 13. November 2004 im Parktheater Grenchen
Venustransit vom 8. Juni 2004
Bei der Ankunft in Grenchen S‚d
gab es zwar nicht einen so strahlenden
Sonneschein wie anl•sslich des Venustransits vom 8. Juni 2004. Keinen
Abbruch tat dies bei den Venusbeobachtern, die sich auf dem Weg und im
Foyer des Parktheaters Grenchen
begr‚ssten, dem eigenwilligen Theaterbau, der vom bekannten Z‚rcher
Architekten Ernst Gisel erbaut wurde
und dem vor wenigen Wochen von der
ETH Z‚rich f‚r sein Lebenswerk die
Ehrendoktorw‚rde verliehen wurde.
Therese Jost, die Organisatorin
und Gute Fee der Tagung.
Im Foyer wurden die ‚ber 60
Teilnehmer von Therese und Hugo Jost
mit Kaffee, Gipfeli und hausgemachtem
Zopf willkommen geheissen und in eine
festliche und erwartungsvolle Stimmung
versetzt, galt es doch zu vernehmen,
was sich alles ereignet hatte, welche
Resultate mit der Schweizweiten Beobachtung des Venustransits erzielt
wurden usw. Man erz•hlte von den
Erlebnissen bei diesem Ereignis, mit
welchen Instrumenten beobachtet wurde, welche Reaktionen das Publikum
gezeigt hatte, ob man den schwarzen
Tropfen gesehen habe usw. Kein
26
Wunder, das der Venustransit das
Hauptgespr•chsthema war. Erfreulich
war es Sternfreunde zu sehen, mit
denen man seit Jahren nicht mehr einen
Gedankenaustausch pflegen konnte.
Andere Erinnerungen wurden ausgetauscht; nat‚rlich kam man immer
wieder auf den strahlenden 8. Juni zu
sprechen, auf den Tag, an dem uns die
Venus erstmals nach rund 121 Jahren
wieder eine Vorstellung vor der Sonne
gab, wie sie kein heute lebender
Mensch je gesehen hat.
Um 10 Uhr versammelte sich das
Plenum im Theatersaal zur Begr‚ssung
durch Hugo Jost. Zur Freude aller gab
es zum Beginn f‚r drei Berner eine
‹berraschung; f•lschlicherweise gelten
die Berner nicht als die schnellsten.
Therese Jost ‚berreichte zur Begr‚ssung ein Pr•sent an Dr. Heinz Str‚bin,
ehemaliger Pr•sident der SAG, dessen
Anmeldung zu diesem Treffen als erste
eintraf und Dr. Max Hubmann, der mit
seiner
Anmeldung
terminlich
im
Mittelfeld lag. Als besonderen Willkommensgruss ‚berreichte Therese ein
weiteres Pr•sent an Prof. Dr. Paul Wild,
ehemaliger Direktor am Astronomischen Institut der Universit•t Bern, der
auch als Referent im Kreis von uns
Astroamateuren immer wieder gern
gesehen wird. Zudem durfte sich schon
mancher Sternfreund vertrauensvoll an
Professor Wild wenden, wenn bei ihm
Fragen auftauchten, die das Wissen und
die Kenntnisse von uns Amateuren
‚berstiegen. Paul Wild war noch nie um
eine kompetente, ausf‚hrliche und vor
allem auch verst•ndliche Antwort verlegen, die er meist in seiner markanten
und ihm eignen Handschrift verfasste.
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Kolloquium Venustransit
Das AVZ-Projekt
Venustransit 2004
Ausl€ser
f‚r
die
Idee,
den
Venustransit zur Bestimmung der
Astronomischen Einheit AE nach den
Methoden von Halley mit den heute den
Amateuren zur Verf‚gung stehenden
Mitteln zu ermitteln war ein Vortrag von
Walter Bersinger ‚ber James Cook
(1728— 1779). Vorbilder waren die
Unternehmungen
der
Astronomen
fr‚herer Jahrhunderte, die versuchten,
mit trigonometrischen Methoden die
mittlere Entfernung der Erde von der
Sonne zu bestimmen. In fr‚heren Zeiten
besonders wichtig f‚r die Bestimmung
der
Sonnenparallaxe
waren
die
Venusdurchg•nge.
Die
wesentlich
exaktere Methode zur Bestimmung der
AE mittels Radar gibt es erst seit 1958.
An der Tagung der Internationalen
Astronomischen Union im Jahre 1976
wurde die AE, die auch als eine
astronomische Konstante gilt, mit dem
neuen
Wert
von
149 597 870 km angenommen.
Prof. Dr. Paul Wild im Gespr•ch
mit Reny Montandon.
Astronomische Einheit zu berechnen
und die Resultate mit jenen der Fachastronomen fr‚herer Jahrhunderte zu
vergleichen, an der ersten Sitzung vom
26. Oktober 2000 in der Universit•t
Z‚rich Irchel konkrete Formen an. Das
Projekt der Amateure sah vor, beim
Venustransit vom 8. Juni 2004 den
Versuch zu unternehmen, nach den
Methoden der Vorbilder des 18. und 19.
Jahrhunderts die Astronomische Einheit
mit den heute den Amateuren zur Verf‚gung stehenden Mitteln zu bestimmen
und mit den Resultaten der Astronomen
fr‚herer Jahrhunderte zu vergleichen.
Es wurden verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit Geschichte, Kinematik, Instrumente, Beobachtung, Kontakte und Auswertung zu
befassten hatten. Ihre Aufgabe bestand
vor allem darin, alle Fragen und
eventuellen Probleme, die sich bei der
Beobachtung ergeben k€nnten, vor dem
Ereignis zu kl•ren und sicher zu stellen,
dass m€glichst nichts schief gehen
konnte. Ein Transit des Planeten
Merkur, der am 7. Mai 2003 stattfand
und der ebenfalls bei gutem Wetter
beobachtet werden konnte, bot eine
g‚nstige Gelegenheit zum „‹ben“.
Computer und GPS standen den
Fachastronomen fr‚herer Jahrhunderte
noch nicht zur Verf‚gung, heute waren
sie f‚r das Unternehmen der Amateure
unentbehrliche Hilfsmittel. Mit dem
Vorhaben sollte auch die Freude an
unserem sch€nen Hobby gef€rdert
werden und neue Freundschaften
entstehen. Leider konnten auf der
s‚dlichen Halbkugel unserer Erde keine
Amateure gefunden werden, die sich f‚r
unsere Idee begeistern liessen.
Nach
den
Ausf‚hrungen
von
Andreas lnderbitzin nahm das Projekt,
den Venustransit mit heutigen Amateurmitteln zu beobachten, daraus die
Erlebnisse und Resultate der
Beobachtungen in Luzern
Wie vielerorts in der Schweiz, so
gestaltete sich der Venustransit nach
 Stiftung Jurasternwarte 2006
27
Kolloquium Venustransit
den Worten von Marc Eichenberger
auch in Luzern zu einem kleinen
Sommerfest.
Auf
der
Sternwarte
Hubelmatt und im Verkehrshaus wurde
der …ffentlichkeit Gelegenheit geboten,
den
Vor‚bergang
des
kleinen
Venusscheibchens vor der Sonne zu
sehen. Den verschiedenen Kinderzeichnungen konnte entnommen werden,
dass dieses Ereignis auch bei der
Jugend einen grossen Eindruck hinterliess.
nung auch bei extraterrestrischen Beobachtungen auftritt.
Beim ApŽro, gestiftet von der
Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft, und dem anschliessenden
Mittagessen wurden die eigenen Erlebnisse und das Geh€rte ausgiebig diskutiert, pers€nliche Erfahrungen ausgetauscht und neue willkommene Freundschaften gekn‚pft. Wer den schwarzen
Tropfen bisher nicht gesehen und auch
nicht an ihn geglaubt hatte, f‚r den lag
der Beweis in Form eines Papiermodels
beim Gedeck auf dem Mittagstisch, er
ist nun f‚r jedermann eine Realit•t.
Venustransit digital Erfahrungen
f‚r routinem•ssige Sonnenfotografie
Thomas Friedli zeigte anhand von
Digitalaufnahmen, dass der Venustransit Gelegenheit bot, in der Familie und
unter Freunden ein kleines Fest zu
veranstalten und dabei trotzdem den
wissenschaftlichen Aspekt nicht ausser
acht zu lassen.
Thomas Friedli h•lt seinen Vortrag im gut
gef€llten Saal.
Wo war der schwarze Tropfen?
Wie Hugo Jost in seinem hervorragend dokumentierten Vortrag zeigen
konnte, ist der viel zitierte „Schwarze
Tropfen“, der bekanntlich von den
Astronomen fr‚herer Jahrhunderte beim
zweiten und dritten Kontakt gesehen,
jedoch am 8. Juni von den wenigsten
Beobachtern bemerkt werden konnte
und deshalb bezweifelt wurde, eine
Realit•t. Nach seinen Ausf‚hrungen
kann
dieses
R•tsel
nicht
als
Sinneseindruck oder als Einfluss der
Erdatmosph•re interpretiert werden,
sondern ist ein Ph•nomen, das mit der
beobachtenden Optik zusammenh•ngt.
Beweis daf‚r ist, dass diese Erschei-
28
Bestimmung der Astronomischen
Einheit ohne zweiten
Beobachtungsort
Gespannt waren viele auf das
Referat von Roland Brodbeck, der sich
mit Arnold Barmettler und Marc Pesendorfer vorgenommen hatte, ohne zweiten Beobachtungsstandort die AE zu
ermitteln. Anhand von sieben ausgewerteten Messungen des Venustransits
kamen sie nach ihren Berechnungen f‚r
die AE auf den erstaunlich genauen
Wert von 145,4 Millionen Kilometer,
•5,4 Millionen Kilometer. F‚r viele
‚berraschend war auch die Genauigkeit, die sich aus Ihren Merkurbeobachtungen ergab. Aus diesen
Beobachtungen errechneten sie die AE
zu von 147 Millionen Kilometer, •13
Millionen Kilometer.
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Kolloquium Venustransit
„Die Flausen der Venus w•hrend dem
Transit vom 8.Juni 2004“
Eine anregende jedoch nicht ganz
ernst zu nehmende Beobachtung
demonstrierte Andreas Tarnutzer. Ein
azimutal aufgestelltes Beobachtungsinstrument hinterliess den Eindruck, der
Lauf der Venus, das Sinnbild der
griechischen Liebesg€ttin Aphrodite vor
der Sonnenscheibe vollziehe sich nicht
auf einer Geraden, sondern vollf‚hre
einen grossen Bogen und verlasse die
Sonnenscheibe beim vierten Kontakt
dort, wo sie Helios den ersten
Ber‚hrungskuss verliehen hatte. Eine
Erscheinung, die vor allem blutige Laien
nachdenklich machte und von den
Demonstratoren eine Erkl•rung ‚ber die
Drehung
des
Himmelsgew€lbes
verlangte.
Nachmittag von den Veranstaltern offeriert wurde.
Dank und Ausblick
Sichtlich beeindruckt von der gelungenen Zusammenkunft war auch Dieter
Sp•ni, Pr•sident der Schweizerischen
Astronomischen Gesellschaft SAG. Er
richtete seine Dankesworte an das
Ehepaar Therese und Hugo Jost, die
keinen Aufwand gescheut hatten, f‚r
alle ein denkw‚rdiges Treffen zu
veranstalten, an die Referenten und alle
Teilnehmer, die bewiesen, dass in den
Sektionen der SAG ein aktives Gesellschaftsleben herrscht, und an die
Sternfreunde allgemein, die er aufrief,
auch in Zukunft gemeinsam die
Astronomie zu erleben. Um verschiedene Erfahrungen reicher verstreuten sich
die Teilnehmer gegen 17 Uhr in alle
Gegenden der Schweiz.
Venustransit Bildergalerie
Eine Kostprobe zur Bildergalerie
pr•sentierte Hugo Jost mit Bildsequenzen zum Venustransit, …ffentlichkeitsarbeit mit dem Solarscope an
Kinderg•rten und Schulen in Grenchen
und Bettlach, Pr•senz der Medien,
Beobachtungen, die Kinder in Zeichnungen festhielten usw.
Beim Mittagessen.
9000 Jahre Venustransit
Gerhart Klaus zeigte uns mit seinem
interessanten „EKG der Venus“ (Beitrag
in dieser Publikation) die periodische
Wiederkehr der rund 110 Venustransits
innerhalb eines Zeitraumes von 9000
Jahren.
Dass den Organisatoren auch das
leibliche Wohl sehr am Herzen lag,
belegte der Pausenkaffe mit verschiedenen hausgemachten Kuchen, der am
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Wer ein Dokument ‚ber alle Vortr•ge und die reiche Bildergalerie der
Tagung, ‚ber die von der Astronomischen Vereinigung Z‚rich erarbeiteten Publikationen, ‚ber die Bilder des
Transits von Venus und Merkur sowie
andere Information zu diesen denkw‚rdigen Ereignissen haben m€chte,
kann diese bei der Astro-Werkstatt von
Hugo Jost bestellen; Kosten pro CD: 10
Franken.
Gastautor Arnold von Rotz,
Seefeldstrasse 247, 8008 Z‚rich
29
9000 Jahre Venustransits
9000 Jahre Venustransits
Zum Venusdurchgang vom 8. Juni 2004
Transit oder Durchgang nennt man
die Erscheinung, wenn ein Himmelsk€rper vor der Sonnenscheibe vor‚ber
zieht. Daf‚r kommen nur der Mond und
die beiden Planeten Merkur und Venus
in Frage, deren Umlaufbahnen im
Sonnensystem innerhalb der Erdbahn
verlaufen.
Die Sonnenfinsternisse von 2000 bis 2010
Datum
UT
Typ
05.02.2000
12 :49
P
01.07.2000
19 :33
P
31.07.2000
02 :13
P
25.12.2000
17 :35
P
21.06.2001
12 :04
T
24.12.2001
20 :52
R
10.06.2002
23 :44
R
04.12.2002
07 :31
T
31.05.2003
04 :08
R
23.11.2003
22 :49
T
19.04.2004
13 :34
P
14.10.2004
02 :59
P
08.04.2005
20 :36
RT
03.10.2005
10 :32
R
29.03.2006
10 :11
T
22.09.2006
11 :40
R
19.03.2007
02 :32
P
11.09.2007
12 :31
P
07.02.2008
03 :55
R
01.08.2008
10 :21
T
16.01.2009
07 :59
R
22.07.2009
02 :35
T
15.01.2010
07 :06
R
11.07.2010
19 :33
T
Abb.1: Sonnenfinsternisse
Die •usseren Planeten von Mars bis
Pluto sind n•mlich weiter von der Sonne
entfernt als wir und k€nnen darum nicht
zwischen der Erde und der Sonne
30
passieren. In Abb. 1 sind Daten zu
Sonnenfinsternissen
(Mondtransits)
angegeben. Im 21. Jahrhundert gibt es
total deren 199. Diejenigen des ersten
Jahrzehnts sind hier aufgelistet. P heisst
dabei partiell = teilweise, T ist total und
R bedeutet ringf€rmig. UT bezeichnet
die Mitte der Finsternisse und heisst
Universal Time, d.h. Weltzeit von
Greenwich, die unserer Winterzeit eine,
der
Sommerzeit
zwei
Stunden
nachhinkt.
F‚r
uns
besonders
interessant sind davon die beiden
Finsternisse vom 3. Oktober 2005 und
29. M•rz 2006. Die erste ist ringf€rmig,
weil der Mond dann etwas weiter
entfernt ist als im Durchschnitt und
darum kleiner erscheint als die
Sonnenscheibe. Die Sichtbarkeit des
Ringes verl•uft quer durch Spanien,
genau ‚ber Madrid, und ‚berspringt
dann das westliche Mittelmeer nach
Algier. Die zweite ist total in
Zentralafrika und l•uft von Libyen in die
T‚rkei. Die n•chste totale Sonnenfinsternis, welche die Schweiz ‚berquert, ist erst am 3. September 2081 zu
sehen. Um 9 Uhr 40 Sommerzeit wird
sie w•hrend 3 Minuten 20 Sekunden
auch Grenchen verdunkeln...
Die zwei Venustransits des 21. Jahrhunderts
Datum
UT
8. Juni 2004
08:20
12. Juni 2012
01:30
Abb. 2: Venustransits
Abb. 2 enth•lt die entsprechenden
Daten der beiden Venusdurchg•nge
unseres Jahrhunderts, Abb. 3 die der
von Merkurtransit.
 Stiftung Jurasternwarte 2006
9000 Jahre Venustransits
 Stiftung Jurasternwarte 2006
31
9000 Jahre Venustransits
Die Merkurtransits des 21. Jahrhunderts
Datum
UT
7. Mai 2003
07:53
8. November 2006
21:42
9. Mai 2016
14:58
11. November 2019
15:20
13. November 2032
08:55
7. November 2039
08:47
7. Mai 2049
14:25
9. November 2052
02:31
10. Mai 2062
21:39
11. November 2065
20:08
14. November 2078
13:43
7. November 2085
13:37
8. Mai 2095
21:08
10. November 2098
07:19
Abb. 3: Merkurstransits
Im Bild 1 [1] ist in einer
perspektivischen
Darstellung
von
aussen gezeigt, wie die vier inneren
Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars
im Juni dieses Jahres
zueinander
standen. Es ist deutlich zu sehen, dass
damals die Venus auf ihrer Bahn die
Erde innen ‚berholte. Dieses ‹berholen geschieht jeweils in Abst•nden
von je 1,6 Jahren, oder genauer nach
583,92 Tagen. Wenn die Bahnen von
Venus und Erde exakt in der gleichen
Ebene liegen w‚rden, k€nnten wir also
jedes mal nach 1,6 Jahren einen
Venusdurchgang beobachten. Leider ist
32
dies aber nicht der Fall. Die beiden
Bahnebenen bilden n•mlich zusammen
einen Winkel von 3,4‡, siehe Bild 2 [2].
In dieser vereinfachten Darstellung
sind die beiden Bahnen zur leichteren
‹bersicht gleich gross gezeichnet. Die
beiden Schnittpunkte K1 und K2
heissen Knoten. In K1, dem aufsteigenden Knoten, passiert die Venus im
Dezember die Erdbahnebene von
S‚den (unten) nach Norden (oben). Im
absteigenden Knoten K2, im Juni, ist es
umgekehrt. Die Verbindung K1 - K2 ist
die Knotenlinie. Nun ist leicht einzusehen, dass ein Venusdurchgang nur
m€glich ist, wenn Erde und Venus
gleichzeitig auf oder sehr nahe auf
derselben Seite der Knotenlinie stehen.
Andernfalls geht die Venus n•mlich
ober- oder unterhalb der Sonnenscheibe vor‚ber. Nun kommt ein sonderbarer
Zufall ins Spiel: In 8 Jahren ‚berholt die
Venus unsere Erde fast genau 5 mal,
n•mlich:
8 Jahre:
8 x 365.256 Tage
= 2922.0 Tage
5 Åberholungen:
5 x 583.92 Tage
= 2919.6 Tage
Unterschied:
= 2.4 Tage
Das heisst, dass Sonne, Venus und
Erde jeweils nach 8 Jahren wieder fast
genau gleich zueinander stehen, so
dass nach dieser Zeit ein zweiter
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9000 Jahre Venustransits
Venusdurchgang m€glich ist, wie es ja
2004 und 2012 auch der Fall ist. Aber
allm•hlich summiert sich doch die
Differenz von 2.4 Tagen gen‚gend auf,
um diese 8-Jahresperiode zu unterbrechen.
Wie geht es dann weiter?
Zuerst m€chten wir vielleicht etwas
‚ber den n•chsten Venustransit wissen,
weil dieser ja in nicht allzu ferner Zukunft stattfindet und darum f‚r die meisten von uns wohl sichtbar sein d‚rfte:
Datum:
Dauer:
Mitte des Transits:
undurchsichtige Datenberg kann leicht
‚bersichtlicher gestaltet werden, wenn
man ihn in eine grafische Darstellung
umwandelt. Zuerst wurden daf‚r die
jeweiligen zeitlichen Abst•nde aufeinander folgender Durchg•nge ermittelt
und dann dieselben als Periodenkurve
ausgezogen. Darin gelten grosse
Punkte f‚r Zwischenzeiten nach einem
Transit im aufsteigenden und kleine f‚r
solche im absteigenden Knoten.
6. Juni 2012
6.9 Stunden
01:30 UT
F‚r diesen Zeitpunkt zeigt unsere
Karte der €stlichen Erdh•lfte die
Verteilung von Tag und Nacht und damit
die g‚nstigste Sichtbarkeitszone. Klar
im Vorteil liegt diesmal Ostasien, z.B.
Japan. F‚r Europa im Allgemeinen und
die Schweiz im Besonderen ist die
Sonne dann noch nicht aufgegangen, so
dass von uns aus leider bestenfalls das
Ende des Durchgangs beobachtet
werden kann. Aber beim n•heren
Hinsehen er€ffnet sich doch eine
spektakul•re M€glichkeit:
Da dieser Venustransit zwei Wochen vor der Sommer- Sonnenwende
stattfindet, geht zu der Zeit die Sonne im
hohen Norden gar nicht mehr unter.
Die Erscheinung kann also z.B. vom
Nordkap aus als Mitternachtssonne
mit Venustransit verfolgt werden.
Allerdings sind dort die Wetterbedingungen alles andere als berauschend.
Aber vielleicht lohnt sich dann trotzdem
eine Reise ins n€rdliche Lappland.
Im
astronomischen
Computerprogramm GUIDE sind ‚ber nahezu 9000
Jahre 113 Venustransits nach Datum,
Tageszeit und Dauer des Durchgangs
aufgelistet. Dieser auf den ersten Blick
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In der Kolonne der Transitdaten ist
leicht zu erkennen, wie sich die Knoten
der Venusbahn im Laufe der Jahrhunderte langsam um die Sonne bewegen.
Zur Zeit der •gyptischen Hochkultur
fanden diese Transits in der ersten
H•lfte Mai und November statt. Heute
liegen sie einen Monat sp•ter, im Juni
und Dezember. Im 7. Jahrtausend werden sie Mitte Juli und Januar
geschehen. Grob interpoliert dreht sich
also die Knotenlinie der Venusbahn in
3.5 Jahrtausenden um einen Monat
weiter. F‚r eine ganzen Umlauf braucht
sie demnach an die 40 Jahrtausende.
Darauf werden wir am Schluss unserer
Betrachtungen noch einmal zur‚ckkommen.
33
9000 Jahre Venustransits
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9000 Jahre Venustransits
In der n•chsten Kolonne sind die
Zeiten in Jahren notiert, die zwischen
zwei aufeinander folgenden Venustransits verstreichen. Diese Zeiten sind
schliesslich in der Zickzacklinie rechts
davon dargestellt. Auff•llig ist dabei,
dass die Zwischenzeiten in nur 7
regelm•ssig
sich
wiederholenden
Perioden auftreten, n•mlich zu:
8 / 97.5 / 105.5 / 113.5 / 121.5 / 129.5
und 137.5 Jahren.
Die erste 8-Jahresperiode ist dabei
wenig ‚berraschend. Sie ergibt sich aus
dem schon genannten Umstand, dass
die Venus die Erde in 8 Jahren fast
exakt 5 mal ‚berholt. Die 8 ist in
unserem Thema ‚berhaupt eine magische Zahl. Die grossen Perioden
unterscheiden sich z.B. auch wieder um
je 8 Jahre.
Diese Perioden gruppieren sich nun
‚berraschenderweise in einzelne zusammenh•ngende Familien:
a) Von -1892 bis -791 springen die
Zwischenzeiten
5
mal
sch€n
regelm•ssig abwechslungsweise von 8
auf 121.5, dann auf 8 zur‚ck und
schliesslich auf 105.5, wobei immer
zwei aufeinander folgende Durchg•nge
jeweils im absteigenden und aufsteigenden Knoten geschehen.
b) Die n•chste Kurvenspitze mit
8/113.5/121.5 zeigt an, dass sich nun
aber allm•hlich etwas •ndert.
c) Von -426 bis 424 folgen
aufeinander 8 (wieder 8!) grosse
Perioden von je 121.5 Jahren im
st•ndigen Wechsel von absteigend und
aufsteigend. Dass hier die 8er Periode
ausf•llt liegt daran, dass diese Durchg•nge alle nahezu zentral verlaufen, mit
Dauern von 7.9 bis 8.3 Stunden. 8 Jahre
vor oder nach solchen zentralen
Transits wandert Venus n•mlich jeweils
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‚ber oder unter der Sonnenscheibe
durch.
d) Von 546 bis 1518 kommt wieder
der Rhytmus (b) mit 8 / 113.5 / 121.5
zum Vorschein. Seine Spitzen bei 121.5
folgen
alle
Durchg•ngen
im
aufsteigenden Knoten.
e) Von 1518 bis 2976, eingeschlossen unsere Gegenwart, folgt 6
mal wieder der Anfangsrhytmus (a)
8/105.5/8/121.5.
f) Dann kommen neu 3 mal
8/105.5/129.5.
g) Von 3713 bis 5171 erscheinen
wieder 13 grosse Durchg•nge von 7.8
bis 8.3 Stunden Dauer, wieder ohne die
8er Serie.
h) Und zuletzt tauchen neu 7 mal 8 /
137.5 / 97.5 auf.
Aber es gibt aber noch weitere
Regelm•ssigkeiten:
Der Verlauf der 121.5er Perioden
zeigt folgendes:
Von -1884 bis -426 steigen die mit
einem
kleinen
Punkt
markierten
Durchgangsdauern gleichm•ssig von
7.0 auf 8.3 Stunden an, verharren dann
bis 1153 nahe bei dieser Zeit und sinken
schliesslich wieder allm•hlich ab, bis die
ganze Periode 2854 bei 0.7 Stunden
Dauer endet und der Transitrhytmus in
andere Perioden springt.
Dieses ganze geordnete Auf und Ab
in der Periodenkurve wirkt auf mich wie
ein medizinisches Pulsdiagramm, wie
ein EKG der Venus, oder ein bisschen
poetischer ausgedr‚ckt, wie kosmische
Sph•renmusik.
Nachdem wir am 7. Mai 2003 einen
wundersch€nen Merkurdurchgang und
jetzt am 8. Juni 2004 den aussergew€hnlich eindr‚cklichen Venusdurchgang beobachten konnten, taucht nat‚rlicherweise die Frage auf:
Ist es m€glich, dass einmal Merkur und
Venus gleichzeitig vor der Sonne zu
sehen sein werden?
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9000 Jahre Venustransits
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9000 Jahre Venustransits
Es ist klar, dass dies nur geschehen
kann, wenn die Knotenlinien der beiden
Planeten zusammenfallen. Die Erde
passiert gegenw•rtig die Knoten des
Merkurs in den ersten H•lften der
Monate November und Mai, diejenigen
der Venus hingegen rund einen Monat
sp•ter. Da sich diese Knotenlinien sehr
langsam, aber mit verschiedenen
Geschwindigkeiten um die Sonne
drehen, kommt sicherlich einmal der
Moment, wo die eine die andere
‚berholt. Nun haben k‚rzlich zwei
Mathematiker [3]ein grosses Rechenprogramm mit Ber‚cksichtigung der
St€rungen aller wichtigen Mitglieder des
Sonnensystems durchgef‚hrt und dabei
gefunden, dass Merkur und Venus am
26. Juli des Jahres 69'163 endlich
gemeinsam vor der Sonnenscheibe
durchwandern werden.
Wir m‚ssen uns also daf‚r wohl oder
‚bel noch ein wenig gedulden.
Gerhart Klaus, Jurasternwarte
Quellen:
[1] Sky and Telescope June 2004
[2] Thomas Baer, Orion 321
[3] Jean Meeus und Aldo Vitagliano, Sky
and Telescope August 2004
Sternbild Zwillinge
Ein altes Sternbild, das ein Zwillingspaar darstellt. Wir kennen sie als Castor und
Pollux, die zur Mannschaft der Argonauten geh€rten. Obwohl beide S€hne der
Leda waren, haben sie der Sage nach verschiedene V•ter: Castor stammt von dem
Spartanerk€nig Tyndareus, Pollux hingegen vom G€ttervater Zeus. Die Zwillinge
galten als Schutzpatrone der Seefahrer.
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Kindergarten
Astronomie im Kindergarten
Gibt es ein Mindestalter, um sich f‚r
Astronomie zu interessieren? Darf man
das Thema „Astronomie“ erst ab der
4./5. Klasse thematisieren? Sind Kinder
im Alter von 5-6 Jahren ‚berfordert,
wenn sie mit dieser Materie konfrontiert
werden?
Nein !!!
Ich bin Kinderg•rtnerin in Bettlach
und habe das Thema Astronomie mit
meinen Kindern behandelt. Wir haben
uns ‚ber die Inuit (Eskimos) unterhalten
und die Kinder haben dabei erfahren,
dass man am Nordpol vermehrt
Polarlichter sehen kann. So haben wir
uns gemeinsam Richtung Weltall
bewegt
und
uns
immer
weiter
vorgewagt.
Zun•chst sind wir beim Stern
„Sonne“ vorbeigeflogen, haben deren
W•rme gesp‚rt und versucht deren
Gr€sse durch Vergleiche zu erahnen.
Nach und nach haben wir die Planeten
(von der Sonne wegfliegend) besucht.
Jeder besprochene Planet fand seinen
Weg an unsere Kindergartendecke. So
konnten die Kinder deren Namen immer
wieder ‚ben und die Planeten mit
H•nden und Augen erfassen.
Selbst die Beschaffenheit der
meisten Planeten konnten die Kinder
durch sp‚ren oder Experimente mit
H•nden und Augen „begreifen“.
Wir haben mit Taschenlampen eine
Mondfinsternis nachgeahmt und mit
einem Ballonexperiment den Start einer
Rakete nachvollzogen. Schliesslich
konnten wir mit Hilfe des „Solaroscope“
sogar den Jahresh€hepunkt, den
Venustransit, verfolgen.
Die Kinder waren total fasziniert von
der Materie und haben bald angefangen
‚ber
unseren
Weltraum
zu
38
philosophieren. So haben die Kinder
zum Beispiel selbst ‚berlegt, wie denn
die Sonne an den Himmel gekommen
ist und dies in kurzen Geschichten
erz•hlt. Ein Kind hat pl€tzlich ganz ernst
gesagt: Eigentlich k€nnen nicht mehr
viele Leute in den Weltraum fliegen. Ich
konnte diesen Gedanken nicht ganz
nachvollziehen und habe mich genauer
erkundigt. Die Antwort war wie folgt: Na
wenn die Raketen w•hrend ihres Fluges
immer wieder Teile abstossen, gibt es
im Weltraum ja einen grossen
M‚llhaufen.
Immer wieder haben die Kinder
Bilder aus Zeitschriften ausgeschnitten
und in den Kindergarten gebracht. Ihre
Sinne waren v€llig sensibilisiert. Mit
ihrem Wissensdurst und ihrer Freude
haben sie sogar ihre Eltern angesteckt.
Die Kinder waren stolz, wenn sie etwas
besser wussten als ihre Eltern. Zum
Beispiel, dass unsere Sonne ein Stern
ist und kein Planet.
Sie sehen also: Astronomie ist nicht
ein Thema f‚r •ltere Sch‚ler, sondern
kann bereits mit kleinen Kindern
thematisiert werden. Man muss nur alles
ein wenig vereinfachen, fassbar und
begreifbar machen. Vermutlich sind
kleinere
Kinder
sogar
f•higer
Astronomie mit allen Sinnen zu erfassen
als gr€ssere Sch‚ler und auch bereit
dar‚ber zu philosophieren.
Barbara Jost,
Grenchen
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Kindergarten
Wie plant man eine Marsexpedition?
Zuerst baut man eine Rakete. Der
Spitz muss als erstes gestaltet werden.
Dann kann der ganze hintere Teil
daran gebaut werden. Nat‚rlich d‚rfen
die D‚sen nicht fehlen. Damit die
Rakete fliegt muss man einen Gasbrenner in die D‚sen bauen. Um die
Rakete zu steuern braucht man Kn€pfe
und ein Steuerrad.
Bevor man abfliegen kann braucht
man folgende Dinge: SauerstoffFlaschen, einen Helm, einen Anzug, 4
Astronauten (Lena, Patrick, Adrian,
Yves).
Nun kann die Rakete starten. Um
dies zu tun muss man die D‚sen
z‚nden. Die Rakete fliegt ab. Sie fliegt
ins Weltall. Dort fliegt sie an allen
Planeten vorbei, damit die Astronauten
sie sehen k€nnen. Die Rakete f•ngt
auch Wolken ein.
Lena, Adrian, Patrick
Wie fliegt man in den Weltraum?
Bevor man in den Weltraum fliegen
kann, muss man eine Rakete bauen.
Dann muss man Feuer einbauen und
schauen ob es richtig funktioniert. Die
Astronauten m‚ssen in die Rakete
gehen. Dann fliegen sie los. Im Weltraum steigen die Astronauten aus der
Rakete aus und schauen sich um. Auf
den Planeten suchen sie nach Fussspuren von anderen Leuten. Nach dem
Untersuchen der Planeten schreiben
sie alles auf. Danach fliegen sie wieder
auf die Erde und landen im Meer. Dort
steigen sie in ein Boot um. Die Rakete
wird an Land gezogen und geputzt.
Boris, Mitja
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Wir bekommen Besuch von den
Sch‚lern
Als uns die Sch‚ler im Kindergarten besucht haben, sangen wir ihnen
zuerst einige Sternenlieder vor. Auf
grossen blauen Bl•ttern haben wir f‚r
die Sch‚ler ein Weltall gezeichnet. Dieses haben wir den Sch‚lern geschenkt. Die Sch‚ler haben auch uns
ein solches Weltall geschenkt.
Die Sch‚ler haben uns sogar ein
Lied mit einem Tanz gelehrt. Wir
haben den Sch‚lern gezeigt, wie die
Nacht und der Tag entstehen. Zum
Zn‚ni
haben
wir
MarsmenschMohrenk€pfe und Popcorn gegessen.
Ein Sch‚ler hiess Jens, genau wie
mein Bruder.
Jana und Barbara
Sch‚ler zu Besuch
Als die Sch‚ler zu uns kamen
haben wir Ballonraketen gemacht.
Danach haben wir uns gegenseitig
Zeichnungen gemalt. Wir haben den
Sch‚lern gezeigt, wie Tag und Nacht
entstehen. Sogar ein AstronautenTurnspiel haben wir gemacht. Gemeinsam haben wir Sternbilder ertastet und
die Sch‚ler haben uns Geschichten
dazu erz•hlt. Am Schluss haben uns
die Sch‚ler einen Tanz gelehrt.
Nicolas und Yvan
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Kindergarten
Die Entstehung der Sonne
Gott und Nicolas Vater bauten eine
Sonne aus Karton. Diese haben sie
Gelb und Rot angemalt. Sie haben
darin eine Kerze befestigt. Diese
konnte aber nicht durchschimmern.
Deshalb haben sie L€cher in die
Sonne gemacht und so entstanden
die Strahlen.
Nicolas, Nathalie, Ciril
Wie die Sonne an den Himmel kam
4 M•nner hatten einmal eine Kugel.
Sie malten sie Gelb an und z‚ndeten
eine Kerze an. Diese haben sie darin
befestigt. Die Kugel wurde schwer und
fiel in den Kindergarten. Frau Jost hat
sie gefunden und die Kugel so aufgeh•ngt, dass sie alle sehen konnten.
Ivan und Mitja
Bastelanleitung f‚r die Erde
Ben€tigte Materialien: Papier, Farbstifte, Spitzer, Neocolor, Schere, Leim
Die Sterne m‚ssen ausgeschnitten
werden. Auch die Planeten muss man
ausschneiden. Dann klebt man alles
auf ein schwarzes Blatt Papier und malt
es an.
Belinda
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Eine Sonnengeschichte
Es war einmal ein Kind, das im
Wald spazieren ging. Da begegnete es
einer kleinen sprechenden Sonne. Die
Eltern dieser kleinen Sonne waren
gestorben. Das spazierende M•dchen
war immer so alleine und w‚nschte
sich so sehr einen Freund. Deshalb
sagte das M•dchen zur Sonne:
M€chtest du nicht mit mir nach Hause
kommen und mit mir spielen? Dort ist
es sch€n warm und hell. So kam es,
dass die Sonne ihre Strahlen zur Erde
sandte.
Anna, Manuel
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Kindergarten
Sonne und Mond
Es war einmal eine Sonne. Gott hat
die Sonne, die Sterne und den Mond
an den Himmel gebracht. Die Sonne
und die Sterne waren Freunde. Da
kam ein Blitz und jagte die Sterne und
die Sternschnuppen fort. Kurz darauf
kam der Donnermann und verjagte
den Blitz. Die Sonne aber nahm einen
Magneten und so kam der Mond in die
N•he. So hatte die Sonne einen neuen
Freund.
Boris, Belinda
Was Kinder erz•hlen.....
Die Erde ist der gr€sste Planet,
denn Jupiter (eigentlich der gr€sste)
ist ja nur eine Gaswolke. Er z•hlt also
nicht zu den Planeten!
Eigentlich d‚rfen nicht mehr viele
Astronauten in den Weltraum. Wenn
ja die Raketen bei jedem Besuch
Teile der Rakete abstossen, gibt es
im Weltall einen Schrotthaufen!
Ist die Sonne eigentlich im Himmel
oder im Weltraum? Was ist richtig?
Ach, oder vielleicht ist die Sonne
halbiert: Eine H•lfte ist im Himmel,
die andere im Weltall?
Barbara Jost
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Beobachtung vom Venustransit
Wir hatten das Gl‚ck, am 8. Juni
den Venustransit im Kindergarten zu
beobachten. Dank der Sternwarte hatten wir einen „Zauberkasten“ (Solarscope siehe Bericht Kindergarten
Grenchen) bei uns. Dieser fing die
Sonne mit Hilfe eines Minifernrohrs ein
und spiegelte die Sonne auf eine
weisse Kartonwand. So konnten wir
den Planeten Venus in Gr€sse eines
Stecknadelkopfes vor der Sonne
sehen. Die Kinder haben den Durchlauf
sogar auf Papier festgehalten, wie
echte kleine Astronomen.
Barbara Jost
Das Beobachtungsprogramm
Venustransit im KG Bettlach
 8:00 Uhr: Solarscope aufstellen
 8:30 – 10:45: Solarscope f‚r
Beobachtungen in Betrieb
 Alle Kindergartenkinder h‚ten das
Solarscope.
 Alle 10 Minuten markieren der
Venusposition auf dem Formular.
 Besuch von drei Schulklassen die
durch die Kindergartenkinder
instruiert werden.
Barbara Jost
Die Resultate vom Venustransit
Kindergarten Bettlach
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Sonnenfinsternis 2005
Ringf…rmige Sonnenfinsternis in Spanien vom 3.10.05
Am 3. Oktober 2005, 6 Stunden 23
Minuten nach Neumond durchstiess der
Mond im absteigenden Knoten die
Ekliptikebene. Es kam zu einer ringf€rmigen Sonnenfinsternis. Sie begann
im Atlantik, ‚berquerte Portugal und
Spanien. Weiter ging es ‚ber Nordafrika
bis die Finsternis im Indischen Ozean
endete.
In der Schweiz kam es zu einer
Partiellen
Sonnenfinsternis.
Dies
bedeutet, dass der Mond die Sonne nur
teilweise bedeckt. Obwohl die Sonne bei
uns zu mehr als 60% bedeckt war,
wurde der Himmel nicht dunkler.
Die verschiedenen
Sonnenfinsternis Typen
Wie funktioniert
eine Sonnenfinsternis ?
Immer zur Neumondzeit befindet
sich der Mond ungef•hr zwischen der
Erde und der Sonne. Zwei bis maximal
vier Mal j•hrlich l•uft der Neumond so
nahe an der Verbindungslinie Erde Sonne vorbei, dass sein Schatten die
Erde ber‚hrt. In den vom Kernschatten
getroffenen Regionen der Erde ist dann
eine Totale Sonnenfinsternis zu sehen.
In Gebieten, die im Halbschatten des
Mondes liegen, ist eine Partielle
Sonnenfinsternis zu sehen.
Schattenwurf des Mondes auf die Erde.
Der zentrale, dunkle Fleck von einigen
Zehn bis etwa 100 km Durchmesser ist der
Kernschatten. Nur im Kernschatten ist eine
totale Sonnenfinsternis zu sehen.
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Partielle Finsternis:
Abseits der Zentrallinie des Finsternispfades
wird die Sonne vom Mond nur teilweise
bedeckt.
RingfÇrmige Sonnenfinsternis:
Der Mond ist zu klein (zu weit von der Erde
entfernt) um die Sonne ganz zu bedecken. Es bleibt ein heller Sonnenring
€brig.
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Sonnenfinsternis 2005
Totale Sonnenfinsternis:
Die Sonne wird vollst•ndig vom Mond
bedeckt.
Der Finsternispfad €ber der
Iberischen Halbinsel
Was sah man in der Schweiz?
Da die Schweiz nicht auf dem
Zentralpfad der Finsternis lag wurde die
Sonne vom Mond nur teilweise bedeckt.
Wir sahen eine Partielle Sonnenfinsternis.
 Beginn der Finsternis:
09:50
 Maximum (70% bedeckt): 11:08
 Ende der Finsternis:
12:30
Beobachtungshinweise
Sonnenfinsternisse k€nnen von
blossem Auge beobachtet werden.
Achtung
Sonnenbeobachtung ist
gef•hrlich.
Der gesamte Finsternis-Pfad
Was sah man in Spanien?
Auf der Zentrallinie in Portugal und
Spanien erlebte man eine Ringf€rmige
Sonnenfinsternis. Die Finsternisdaten
f‚r Madrid waren:
 Beginn der Finsternis:
09:40
 Maximum (4 Min, 13 Sec.): 10:58
 Ende der Finsternis:
12:25
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Beobachten Sie die Sonne von blossen
Auge nie ohne starke Filter! Sie k€nnten sonst erblinden! Nur gepr‚fte, einwandfreie Sonnenfinsternisbrillen
d‚rfen verwendet werden.
Beobachten Sie die Sonne unter keinen
Umst•nden direkt mit dem Feldstecher
oder mit einem Fernrohr. Ohne Spezialfilter werden Sie innert Sekundenbruchteilen erblinden!
Hugo Jost, Jurasternwarte
43
Sonnenfinsternis 2005
Eine Sonnenfinsternisreise mit Hindernissen
Wir zwei alten Kl•use beschlossen
recht sp•t die Ringf€rmige Sonnenfinsternis in Spanien zu erleben und
bestellten den Flug nach Alicante und
ein Mietauto. Da bemerkte Geri mit
Schrecken, dass er in meinem und ich
in seinem Pass unterschrieben hatte.
Am Freitag vor dem Sonntagsstart
besorgte er in letzter Minute schnell
noch
provisorische
Ausweise
in
Solothurn. Nun konnten wir packen!
Die Optik f‚r die Aufnahmen wollten
wir sicher im Handgep•ck mitnehmen.
Das langbeinige Stativ aber wurde im
grossen Koffer verstaut.
Unser Jumbolino fliegt €ber Toulon aufs
Mittelmeer hinaus.
Kurz vor der Landung in Alicante zieht die
Baleareninsel Formentera vor€ber.
44
Am 25. September startete die
Maschine ‚ber sonnenbeschienenes
Land. Schon nach zwei Stunden landete
sie in Alicante.
Wir freuten uns und waren bester
Laune. Bald standen alle Passagiere
beim F€rderband der Gep•ckausgabe.
Schliesslich,
nach
einer
Stunde
ungeduldigen Wartens, berichtete ein
Angestellter, man h•tte die T‚re zum
Gep•ckraum des Jumbolinos nicht
€ffnen k€nnen. Um den Fahrplan
einzuhalten sei er l•ngst wieder
gestartet Richtung Kloten. "Mit unseren
Koffern?" fragten viele ungl•ubig und
entsetzt. Man bat alle Betroffenen sich
beim Dringlichkeitsschalter aufzureihen,
die Ausweise zu zeigen und Angaben
zu hinterlassen ‚ber ihr Gep•ck und die
vorl•ufige Adresse in Spanien. Es
dauerte eine Ewigkeit, bis alles im
Computer eingetippt war. Kleinkinder
weinten, gr€ssere spielten Fangis im
Tumult. Alte sassen abgek•mpft am
Boden. Einige br‚llten sich an und
w‚nschten die "Swiss" zum Teufel,
denn sie wurden zur Weiterreise an ihr
Ferienziel erwartet. Zuletzt ‚bersetzte
uns ein Spanier alle Fragen und
‚bergab dann die Telefonnummer des
B‚ros.
Noch hatten wir keine Unterkunft in
Sicht. Mit dem gemieteten Auto fuhren
wir in unseren warmen Kleidern durch
die heisse ausged€rrte Landschaft und
hofften, in Benidorm einen Bungalow
zum ‹bernachten zu finden. Doch wir
ernteten ‚berall Absagen, bis wir
ersch€pft und hungrig einen Platz,
allerdings weit vom Meer entfernt,
fanden zum Ausruhen. Man ‚bergab
uns den Schl‚ssel und w‚nschte "Gute
Nacht".
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Sonnenfinsternis 2005
Fr‚hst‚ck
zu
besorgen.
Hierauf
beschlossen wir weiter zu fahren
Richtung Calpe. Wie in Benidorm versperren auch hier hohe Wolkenkratzerhotels jede Aussicht und den
imposanten Felsen im Meer.
Der Wolkenkratzerwald von Benidorm
entspricht nicht unserem Ferienideal.
Aber seit dem Morgenessen und
dem Minisnack w•hrend des Fluges
hatten wir nichts mehr zu uns genommen. Entlang der breiten Strasse
suchten wir nach einem Restaurant. Alle
waren schon geschlossen. Es begann
bedrohlich zu blitzen und laut zu
donnern, als wir schliesslich unter dem
Sonnendach einer kleinen Bude die
bestellte
Pizza
muffelten.
Bald
prasselten Sturzb•che aufs Strassenpflaster und wir r‚ckten etwas n•her
zusammen. Wie sollten wir die weite
Strecke zum Nachtquartier bew•ltigen,
ohne die nassen Kleider wechseln zu
k€nnen? Als letzte G•ste rannten wir bei
nachlassendem Regen abw•rts und
fanden erstaunlicherweise den Bungalow. Aber Geri konnte im Dunkeln die
T‚re nicht aufschliessen. Bei der
Reception gab es zu dieser sp•ten
Stunde keine Hilfe mehr. Endlich
ertasteten wir den Lichtschalter der
Aussenlampe und stocherten mit dem
Schl‚ssel weiter, bis die verflixte T‚re
aufsprang. Oh nun schnell ins Bett und
endlich Ruhe! Es fehlten uns aber die
Nachtkleider und, und, und ...
Die Decke war nur ein d‚nnes
Leintuch. In unseren Jacken schliefen
wir trotzdem ein. Am n•chsten Morgen
f‚hlte ich mich m‚de und abgeschlagen. Geri eilte unrasiert davon um ein
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Der eindr€ckliche Felszahn des „Penion de
Ifach“ bei Calpe von Norden gesehen.
Wir parkierten im Fremdentrubel und
schlenderten dem Strand entlang.
Rechts
Restaurants,
Bars,
links
gelangweilte f‚llige G•ste auf gemieteten Liegest‚hlen. Nein, da wollten wir
nicht bleiben. Der K‚stenstrasse entlang
rollten wir weiter durchs malerische
Villenquartier, beachteten jede Affiche
und fragten lange ohne Erfolg nach
Unterkunft. Ich war dem Weinen nahe,
als Geri zu einem herrschaftlichen Tor
abbog. Vor dem B‚ro empfing uns eine
Deutsch sprechende, liebensw‚rdige
Frau mit ihrem bunten Papagei auf der
Hand.
"Ja momentan sind zwei Appartements frei", nickte sie eifrig. Wir w•hlten
das bescheidenere, vier Meter vom
riesigen Swimmingpool entfernte. Hohe
Dattelpalmen f•chelten im Wind. Wir
bestaunten mannshohe Kakteen und
freuten uns an der unglaublichen
Blumenf‚lle des weiten Gartens. Zum
nahen Meer gelangte man an einer
Voliere
vorbei
durchs
hintere
Gartent‚rchen eine Treppe abw•rts.
45
Sonnenfinsternis 2005
nach einem Telefonanruf unser Gep•ck
abzuholen. Das war der letzte Stress!
Nun begannen die beschaulichen
Ferientage in "Cutty Sark".
Am 3.Oktober zeigte sich der
Himmel entgegen der letzten Tage fast
wolkenlos. Wir sassen gem‚tlich vor
unserer h‚bschen Wohnung und
beobachteten
alle
Phasen
der
Rinf€rmigen Sonnenfinsternis.
Unsere Wohnung auf dem Gut "Cutty Sark"
grenzt direkt an den 25 Meter langen
Swimmingpool.
Geri mit seiner Sonnenfinsterniskamera
zwischen der Wohnungst€r und dem Pool.
Direkt neben unserer Wohnung steht ein
kleiner Wald von Dattelpalmen.
Das kleine Spiegeltele 8/600 mm von
Sigma gibt mit einem 2x-Converter auf
dem Film ein Sonnenbild von 11 mm
Gr„sse.
Das wild zurkl€ftete Cap de la Nao liegt fast
genau auf der Zentrallinie der
Sonnenfinsternis.
Noch mussten wir leider viele
Kilometer nach Benidorm und dann
nach Alicante zur‚ckfahren, um endlich
46
Schon um 9:40 Uhr begann die
dunkle Mondkugel sich vor die
gleissende
Sonne
zu
schieben.
Manchmal liehen wir unsere speziellen
Finsternisbrillen den Nachbarn aus. Alle
staunten und wurden zusehend ruhig
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Sonnenfinsternis 2005
und bescheiden. Geri knipste und war in
seinem Element. Er macht gegen 60
Aufnahmen. Schliesslich leuchtete um
11:03 nur noch ein schmaler goldener
Ring vom blassen Himmel. Es herrschte
aber nicht dunkle Nacht. Immer mehr
gab danach die schwarze Mondscheibe
die Sonne wieder frei. Verzaubert
blieben wir sitzen. Was war unser
zappelndes Leben neben diesem
unbeschreiblichen
Ereignis!
Die
weiteren Tage genossen wir dankbar
und bewusst und brachten die
belichteten Filme im Handgep•ck sicher
in die Schweiz. Die Bilder sind gut
gelungen und die Pechstr•hnen der
ersten Ferientage in weiter Ferne. Wenn
m€glich m€chten wir auch die Totale
Sonnenfinsternis Ende M•rz 2006 in der
T‚rkei erleben.
Theres Klaus
Fotos, Gerhart Klaus
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Nat€rlich ist es nicht m„glich den Sonnenring der Finsternis zusammen mit der Landschaft auf einem Bild direkt aufzunehmen.
Der Helligkeitsunterschied ist daf€r viel zu
gross. So habe ich ein wenig geschwindelt
und zwei Fotos auf dem Computer zu
einem Bild vereinigt. Aber das Resultat
rechtfertigt doch wohl diesen Trick.
47
Sonnenfinsternis 2005
Diese acht Fotos umspannen den Zeitraum von 90 Minuten
mit der zentralen Phase um 11:03 Uhr.
48
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Sonnenfinsternis 2005
Die zentralen 5 Minuten der Finsternis sind hier in kurzer Folge nochmals auf acht
Aufnahmen zusammengestellt.
 Stiftung Jurasternwarte 2006
49
Sonnenfinsternis 2005
Sonnenfinsternis mit Airton und Kim
Verbreitung der Astronomie in Valencia
Am 1. Oktober 2005 fliegen Hugo
und ich f‚r f‚nf Tage nach Valencia.
Nat‚rlich um die Sonnenfinsternis zu
sehen. Sicherheitshalber stellen wir uns
aber auf St•dteferien ein um dann
sicher noch die Sehensw‚rdigkeiten
dieser Stadt zu sehen, falls etwas
schief gehen sollte. Wir haben zwei
Tage Zeit, um in der Stadt einen guten
Beobachtungsplatz zu suchen. Hugo ist
der Meinung, das Ereignis k€nne gut
mitten in der Stadt beobachtet werden.
Hauptsache, die Sonne w•re zu sehen.
Planza de la Reina, Sonntag Nachmittag
2. Oktober. Hoffentlich ist das Wetter
morgen besser!
Wir einigen uns schnell darauf, dass
die Plaza de la Reina, mitten im Zentrum von Valencia, der geeignete Beobachtungsplatz sei. Aus der Zeitung erfahren wir, dass die Astronomische
Gruppe von Valencia eine Beobachtungsm€glichkeit bei der grandiosen,
sehenswerten „Stadt der Kunst und
Wissenschaft“ anbietet. Da das Hauptziel von Hugo das fotografieren nach
einem genauen Zeitplan ist, bef‚rchten
wir dort einen zu grossen Rummel.
Nach einer mehr oder weniger
geruhsamen Nacht, die Wettervorhersage ist nicht so rosig, marschieren wir
los. Ein wunderbar blauer, wolkenloser
50
Stadt der Kunst und Wissenschaft. Eine
einmalige Architektur.
Himmel erwartet uns. Da wir ein solches Ereignis gerne ohne Hektik geniessen, installieren wir uns fr‚hzeitig
bequem im Gartenrestaurant einer
Schnellimbisskette. Hugo belegt den
Tisch mit seinen Unterlagen, Fotokamera und Wecker. Ich hole uns einen
feinen Kaffee und so sitzen wir erst mal
ganz geruhsam da und warten. Da ich
meinen Mann gut kenne und weiss,
dass er in solchen Momenten beim
fotografieren nicht gest€rt werden will ,
habe ich mich darauf eingestellt, das
Ereignis f‚r mich alleine gem‚tlich mit
einer Sonnenfinsternisbrille zu beobachten. Die SMS, die ich mit den
Zur‚ckgebliebenen in Grenchen austausche, t€nen schlecht: Es ist bedeckt!
Was sind wir doch Gl‚ckspilze: Bei uns
ist es super sch€n!
Hugo fotografiert.
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Sonnenfinsternis 2005
Ich betrachte gem‚tlich, was da vor
der Sonne so passiert. Zwischendurch
beobachte ich, was ich immer gerne
tue, die Leute. Da viele Passanten auf
Hugo mit seinen Unterlagen und Kamera aufmerksam werden und sich wundern, wieso dieser komische Mann
seine Kamera mit einer Folie abgedichtet hat, beginne ich spontan Folgendes:
Ich gehe auf die Menschen zu und
offeriere ihnen einen Blick durch eine
meiner drei Sonnenfinsternisbrillen. Mit
einem Gemisch aus Italienisch, Englisch und Spanisch erkl•re ich den
Passanten, was sie da sehen k€nnen.
unterst‚tzen und da er gut spanisch
kann, werden wir ein gutes Team. Wir
verteilen unerm‚dlich die „Gafers“, so
heissen die Dinger n•mlich auf
spanisch, und erkl•ren den Leuten, was
sie sehen k€nnen.
Kim und Airton
Die ersten zwei der rund 70 Besucher.
Die Reaktionen sind herrlich. Viele
Passanten haben keine Ahnung, was
da in diesem Moment am Himmel oben
passiert. Fassungslos bemerken sie
nach einem Blick durch die Brille, dass
sich bei der Sonne etwas tut. Gegen
10:00 Uhr kommt Airton aus Rio de
Janeiro bei uns vorbei. Er ist bei einem
Kollegen, der nur drei H•user weiter
wohnt, in den Ferien und ich offeriere
ihm einen Blick durch die Brille. Er ist
ausser sich vor Freude, denn er weiss
von dem Ereignis und hat eine Woche
lang
vergeblich
ganz
Valencia
abgeklappert, um eine So-Fi Brille zu
kaufen. Er erkl•rt Hugo und mich
spontan zu einem „Gottesgeschenk“
und geht nicht mehr von uns weg.
Airton beginnt, mich spontan zu
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Eine halbe Stunde sp•ter kommt
Kim aus Melbourne. Sie weiss von gar
nichts und ist hell begeistert von dem,
was sie bei uns zu sehen bekommt.
Kim reist ganz allein f‚r drei Monate in
Europa herum. Sie bleibt auch bei uns
und so werden wir pl€tzlich zu einem
gut eingespielten
Dreierteam, das
Verbreitung der Astronomie mitten auf
der zentralen Plaza de la Reina in
Valencia macht!
Ich beobachte einen Gesch•ftsmann, der uns aus sicherer Entfernung
lange Zeit beobachtet. Spontan gehe
Da sind’s jetzt schon ein paar Besucher
mehr. Alle warten geduldig auf die
Sonnenfinsternisbrillen.
51
Sonnenfinsternis 2005
ich zu ihm hin und er nimmt die
Gelegenheit mit dem Blick durch die
So-Fi Brille gerne war. Um 11:00 Uhr
kommt er dann gleich mit drei Kollegen
zur‚ck.
Ein junges P•rchen aus den Staaten
ergreift die Gelegenheit auch. Ich halte
die grosse Wasserflasche f‚r sie, damit
sie ruhig beobachten k€nnen. Sie sind
total beeindruckt, ganz verkl•rt und
‚bergl‚cklich gehen sie weiter. Ich
muss sie rufen und ihnen nachrennen:
Die profane Wasserflasche ist pl€tzlich
vergessen gegangen.
Nat‚rlich gibt es auch ganz
skeptische Menschen, die unserem
Dreierteam in einem grossen Bogen
ausweichen. Angst davor, dass wir
ihnen etwas verkaufen wollen?
Krankenschwestern kommen um
10:00 Uhr vorbei. Sie benutzen die
Gelegenheit
eine
Stunde
sp•ter
nochmals um das Schauspiel nochmals
zu betrachten. Hoffentlich gab es
w•hrend dieser Zeit keinen Notfall!
Es kommen recht viele alte Damen
bei uns vorbei. Sie sind wohl am
einkaufen. Ich helfe ihnen mit den
Brillen und wenn sie das Ereignis vor
der Sonne sehen, sind sie sprachlos
und es entf•hrt ihnen spontan ein
„miragroso.“ Sie bedanken sich dann
endlos bei mir und ich habe fast das
Gef‚hl, ich h•tte dieses Spektakel am
Himmel speziell f‚r sie inszeniert.
Es ist ja auch eigenartig, dass man
von blossem Auge nichts bemerkt. Es
ist ein Tag wie jeder andere, die Sonne
scheint wie immer. Nur um 11:00 Uhr
herum, passiert es: Ein eigenartig
fahles Licht ‚berf•llt den ganzen Platz.
Die alten H•user, die sonst gelb scheinen, haben pl€tzlich eine ganz komische, graue Farbe. Alle Menschen stehen in Gruppen oder vereinzelt da, es
ist still, niemand spricht mehr, die Autos
haben fast alle angehalten.
52
Unser spontan gebildetes, internationales
Astronomie-Team. Von links nach rechts:
Kim aus Australien, Airton aus Brasilien,
ich und Hugo.
Um 12:30 Uhr ist alles vorbei. Airton
holt uns allen Kaffee und wir sitzen zu
viert beisammen. Die Spannung ist
vorbei! Wir erz•hlen einander, woher
wir kommen, tauschen Adressen aus
und Hugo beantwortet die vielen astronomischen Fragen der Beiden. Insgesamt haben wohl an die siebzig Personen mit unseren Schweizer So-FiBrillen
das
Ereignis
beobachten
k€nnen.
Jetzt endlich ist auch noch Zeit
zum Kaffee trinken und schatzen.
Danach fahren Hugo und ich mit der
Strassenbahn an den sch€nen Strand
von Malvarosa. Wir sind fast allein und
k€nnen das Ereignis in aller Ruhe auf
uns nachwirken lassen. Pl€tzlich ‚berf•llt mich eine enorme Unruhe und ein
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Sonnenfinsternis 2005
Zittern, das ich den ganzen Morgen
nicht gehabt habe. Es muss die
Erl€sung sein: ja, ja, ja, es hat alles
geklappt, wir haben die Finsternis, auf
die wir so lange gewartet haben,
gesehen.
Therese Jost, Jurasternwarte
Der
wundersch„ne,
Strand von Malvarosa.
entspannende
Verlauf der ringf„rmigen Sonnenfinsternis fotografiert von Franz Conrad.
 Stiftung Jurasternwarte 2006
53
Sonnenfinsternis 2005
Sonnenfinsternis vom 3. Oktober 2005 in Valencia
W•hrenddem Therese den Passanten die Astronomie, im Speziellen die
Sonnenfinsternis n•her brachte, fotografierte ich das Ereignis.
Da ich keine grosse Ausr‚stung mitschleppen wollte verwendete ich ein
210 mm Teleobjektiv mit Sonnenfilterfolie Dichte 4. Zugegeben: Die Aufl€sung ist kleiner als bei ein oder zwei
Metern Brennweite. Aber f‚r die Sonne
reicht ausnahmsweise auch mal eine
kurze Brennweite und auch ein Stativ ist
nicht unbedingt erforderlich. So fotografierte ich alles freih•ndig.
Aufgrund von Testaufnahmen in der
Schweiz bei ungef•hr gleichen Sonnenstand wie in Spanien entschloss ich
mich, einen Dia Film 100 ASA bei
Blende 8 und Belichtungszeiten von
1/500 und 1/250 Sekunden zu
verwenden.
Die Aufnahmeserien waren durch die
Zeit vom Beginn der Finsternis bis
einigen Minuten nach dem 3. Kontakt
bestimmt. Ich wollte kurz vor Kontakt
Zwei bis und mit Kontakt Drei in
Minutenabst•nden fotografieren und
dann den Film wechseln. Da ich jeweils
zwei Aufnahmen mit verschieden
Belichtungszeiten machte konnte ich
zuerst in 8-Minuten Abst•nden und
dann w•hrend der interessanten Phase
in 1 Minuten Abst•nden belichten. So
kamen bis zum Ende rund 70
Aufnahmen zustande.
Dank Therese, die mir die Leute vom
Leibe hielt, konnte ich das vorg•ngig
vorbereitete Programm w•hrend drei
Stunden auf die Sekunde genau
einhalten und zwischendurch mit der
Digitalkamera sogar noch die interessierten Passanten aufnehmen.
Ein interessantes Detail fand sich am
n•chsten Tag noch in der Zeitung: Die
Kurve des Temperaturverlaufs in
Valencia, gemessen von der Meteorologischen Anstalt. Die Temperatur sank
doch deutlich um rund zwei Grad!
Am Tag danach sah man in den Zeitungen
interessante, aber auch lustige Fotos.
Hugo Jost, Jurasternwarte
Temperaturverlauf w•hrend
der Finsternis in
Valencia
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 Stiftung Jurasternwarte 2006
Sonnenfinsternis 2005
Komposit Sonnenfinsternis vom 3. Oktober 2005.
Kurz nach Kontakt 1 bis kurz nach Kontakt 3
Hugo Jost, Jurasternwarte
 Stiftung Jurasternwarte 2006
55
G„nner 2004 / 2005
"Es ist schwieriger
eine vorgefasste Meinung
zu zertrÄmmern,
als ein Atom."
Albert Einstein
Unsere G…nner 2004 / 2005
Eduard Allemann, Grenchen
Erwin Ackermann, Wolfwil
Hans und Regine Althaus, Zofingen
Rudolf Bachmann, alt Regierungsrat, Olten
Baloise Bank SoBa, Grenchen
Dr. Willi B•hler, alt Oberrichter, G‚nsberg
Georg Baumgartner, Grenchen
F. + U. Berger-Imhof, Grenchen
Walter Bloesch, Grenchen
M. Brunner- Oppliger, Hasle- R‚egsau
M. Brunner, Hasle-Rueegsau
Dr. Willi Brutschin, Grenchen
Beatrice Bucher, Grenchen
Bijouterie M•gli, Grenchen
B‚rgergemeinde Grenchen
Franz und Margrit Conrad- Blaser, Grenchen
Armin Daester-Schild, Grenchen
Theo Doenni, Fraubrunnen
Erwin Egli- Hamburger, Grenchen
Einwohnergemeinde Grenchen
Dr.Hans Erzer, a. Regierungsrat, Lohn-Ammansegg
Simon Fankhauser, Oberburg
Paul Feser, Solothurn
Kurt Fluri, Stadtpr•sident, Solothurn
Franz Fournier, Gerlafingen
Kurt Frey, Reinach
56
 Stiftung Jurasternwarte 2006
G„nner 2004 / 2005
Julia Fr€hlicher, Solothurn
Bernhard und Denise Gerber, M‚hlau
Paul Gerspacher, Aeschi
Dr. T. Glatzfelder, Grenchen
ETA SA Manufacture Horlo Suisse, Grenchen
H.U. u A. M. Guggisberg, Messen
Prof. Dr.Arthur Haefliger, alt Bundesrichterpr•sident, Lausanne
Hanni Hediger-Vogt, Reinach
Georg Heimann, Grenchen
Roland Heiri, Grenchen
T. und B. Heiri- Schlatt, Grenchen
E. u E. Henzi- Wolf, Solothurn
Paul Herzog, Druckerei, Langendorf
Hetzel Maler + Gipser AG, Grenchen
Alfred Heuer, Scheuren
Fritz Hofmann, Moerigen/Sutz
A. und U. Hoeschele, Oberscherli
Willi Hug, Grenchen
Ren• Inderkummen, Grenchen
U. u. M. Jaggi- Ruchti, Regensdorf
Hugo und Therese Jost-Hediger, Grenchen
Firma Kaltbrunner AG, Grenchen
Ueli K•ser, Grenchen
Dr. Hans Kaufmann, Langendorf
Dr. Adolf Kellerhans, alt Oberrichter, Olten
W. Keller, Grenchen
Yvonne Kieliger, Grenchen
Gerhart und Theres Klaus, Grenchen
Urs Klenzi- Reist, Schnottwil
Hansj€rg K€chli-Zingg, Herzogenbuchsee
Roland Ledergerber, Grenchen
M. + M. Lehmann, Recherswil
Ing. F.F. Lobsiger, Naples, USA
Ludwig Looser-Regner, Langendorf
Hans Maetzener-Wolf, Starrkirch-Wil
A. + A. Marti, R‚ttenen
Lotti Marti, Grenchen
Lisbeth Mathys-Sieber, Bettlach
Dr.Traudl Mauerhofer- Wilhelmi, Grenchen
Dorothea Meer-Marti, L‚terkofen
Dr. HR Meyer, Grenchen
Ing. Markus Moser, Grenchen
E. M‚ller, Grenchen
Walter Muster, Worblaufen
Fred Nicolet, Solothurn
Jean Michel Notz, Grenchen
Sacha Nussbaumer, Grenchen
 Stiftung Jurasternwarte 2006
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G„nner 2004 / 2005
Franz Pelissier, Grenchen
Annemarie Probst, Grenchen
Firma Rado Uhren AG, Lengnau
Dr. Max Reber, Notar, Solothurn
Paul Rieger, Grenchen
Dr. Alfred Roetheli, alt Regierungsrat, Solothurn
Rosa Maria Rotach, Biel
Dr. Hans Roth, Sch€nenwerd
Max R‚egsegger, Zuchwil
Firma Ryf AG, Grenchen
Patricia Scheurer, Lengnau
Willi Scheurer-Elmer, Meinisberg
Franz Schilt, Grenchen
Firma Schneider, Gartenbau, Grenchen
Christian Schneeberger, Riedholz
Nicole Sch€ni, Grenchen
Firma Schreiber, Architektur, Grenchen
Zoo und Freizeitpark Seeteufel, Studen
Dr. Christoph Siegel, Gerlafingen
Otto Singer, alt Stadt. Ing., Grenchen
Junge Wirtschaftskammer, Solothurn
Dr. Urs Studer- Grimm, alt Oberrichter, H•gendorf
Anton Stuedi, Bettlach
Ren• Sutter, Schwadernau
Margrit Tieche-Meier, Romont
Peter Travaglini, B‚ren A.A
Prof. Dr. Charles Trefzger, Astronom, Metzerlen
Richard Tschaggelar, Grenchen
Rest. Untergrenchenberg, Grenchen
Peter Vogt-Jost, Balsthal
Josef von Rohr, Egerkingen
Edy Vonwyl, Solothurn
Marietta Vuilleumier, Birmensdorf
Rene Vuilleumier, Galvanik, Grenchen
Marc und Liselotte W•lti, Grenchen
Mario E. Walter, Grueningen
Hans-Jakob Weber, Solothurn
Erich Wolf, alt Oberrichter, Grenchen
Textilpflege Woodtli, Zug
Dr. Werner Wyler, Solothurn
Dr. Alfred Wyser-Staedeli, alt Regierungsrat, Olten
Gottfried Wyss, alt Regierungsrat, Gerlafingen
Robert Wyss, Grenchen
Dr. Fritz Zach, Grenchen
Elio Zanon, Grenchen
Wim Zanstra, Appingedam, Holland
Georg Zweifel, Grenchen
58
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Kometen
Die Kometen des Jahres 2004
Auch im letzten Jahr verw€hnten uns wieder zwei Kometen. Obwohl diese
Schweifsterne von blossem Auge nicht so spektakul•r waren verschafften Sie den
Astrofotografen doch ein ger‚tteltes Mass an Arbeit. Wir verbrachten praktisch jeden
sch€nen Abend damit, die vielf•ltigen Erscheinungsformen dieser Kometen im Bild
festzuhalten.
Hugo Jost, Jurasternwarte
11. Dezember 2004, C/2004 Q2 Machholz
15. Mai 2004, C/2001 Q4 (NEAT)
 Stiftung Jurasternwarte 2006
59
Finanzen
Betriebsrechnung 2004
60
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Finanzen
Bilanz 31.12.2004
 Stiftung Jurasternwarte 2006
61
Jahresbericht AJUG
AJUG, 18. Vereinsjahr 2004, Jahresbericht des Pr•sidenten
Liebe
Astro-Kolleginnen
und
Kollegen,
Das Jahr 2004 stand ganz im
Zeichen des Venustransits. Doch erst
erfreute uns eher planm•ssig der
Merkur am Abendhimmel.
Danach verwehrte uns am 4. Mai
eine dicke Wolkendecke den Blick auf
die Totale Mondfinsternis. Eine •hnliche
Wolkendecke liess uns die Venusbedeckung durch den Mond am 21. Mai
verpassen.
Dazwischen wollte auch der Komet
C/2001 Q4 (NEAT) einen Teil unserer
Aufmerksamkeit.
Darob durfte nat‚rlich die Vorbereitung des Venustransits nicht leiden.
Speziell Hugo verbrachte unz•hlige
Stunden mit dem Erstellen minuti€ser
Ablaufpl•ne; war er doch treibende Kraft
beim AVZ Projekt “Venustransit 2004“.
Aber w‚rde sich der Aufwand lohnen?
Was w•re, wenn eine ausgedehnte
Kaltfront Europa einmal mehr unter sich
begraben w‚rde? Immer n•her r‚ckte
der 8. Juni. Die Wetterprognosen
liessen hoffen. Und als am Tag vorher
die Wetterfr€sche strahlenden Sonnenschein vorher sagten, machte sich eine
gewisse Erleichterung breit. Immerhin
ist ein gesundes Misstrauen bei guten
Wetterprognosen angebracht.
Fr‚hmorgens stand der harte Kern
der AJUG auf dem Oberberg zum
Aufstellen der Instrumente. Wir waren
nicht allein. Einige interessierte Sterngucker wollten sich das Spektakel nicht
entgehen lassen. So stand bereits in der
Morgend•mmerung eine imposante
Auswahl an Ger•ten im Morgentau bereit, um das seltene Spektakel zu
beobachten und auf Film zu bannen.
P‚nktlich um 7:20 Uhr knabberte ein
schwarzer Schatten die Sonnenscheibe
62
an. Im Zeitlupentempo schob sich die
Venus vor die Sonne. Sie war doch
wesentlich gr€sser als der Merkur ein
Jahr zuvor. Sogar von blossem Auge
(den Sonnenfilter nicht mitgerechnet)
war Venus als winziges schwarzes
Scheibchen auszumachen!
Die Ausl€ser unserer Kameras
klickten um die Wette und Stefans
Videokamera summte die Begleitung
dazu. Immer h€her stieg die Sonne und
mit ihr stieg die Qualit•t unserer Fotos.
Um 13:23 schliesslich verliess die
Venus die Sonnenscheibe wieder und
liess eine Schar ‚bergl‚cklicher Hobbyastronomen zur‚ck. Nun ja, ein paar
Wermutstropfen blieben: vor Aufregung
€ffnete ich die Kamera, ohne den Film
zur‚ckgespult zu haben. Aber der
Filmwechsel lief auch bei Hugo nicht
ganz glatt ab. Die roten Nasen und
leichten Sonnenbr•nde waren da schon
noch etwas leichter zu verschmerzen...
Die Totale Mondfinsternis vom 28.
Oktober war wiederum von Wolken ‚ber
bzw. unterschattet, so dass Zeit zum
Ausruhen blieb.
Nun, f‚r fast alle. Hugo sammelte die
Daten der verschiedenen Beobachter
und wertete sie in minuti€ser Kleinarbeit
aus, w•hrend Therese das Kolloquium
“Venustransit 2004“ im Parktheater
Grenchen organisierte. Verschiedene
hochinteressante Referate und die gute
Organisation liessen das Kolloquium zu
einem vollen Erfolg werden.
Zum Jahresabschluss liess uns der
Komet Machholz die Sternwarte wieder
€fter aufsuchen.
Ich w‚nsche euch allen ein gutes
Vereinsjahr 2005.
Franz Conrad
Pr•sident Astrogruppe der
Jurasternwarte
 Stiftung Jurasternwarte 2006
Kontakte
Kontaktadressen
Stiftung:
Stiftung Jurasternwarte
c/o Hugo Jost- Hediger
Lingeriz 89
2540 Grenchen
F‚hrungen:
Therese Jost- Hediger
Lingeriz 89
2540 Grenchen
Tel:
032 653 10 08
E-mail:
[email protected]
Web-page: www.jurasternwarte.ch
Tel:
E-mail:
032 653 10 08
[email protected]
†ffnungszeiten der Sternwarte
Die Tage der offenen T‚r werden rechtzeitig in der Presse (Zeitungen, Lokalradios)
und auf unserer Web- Page publiziert.
Gruppenf‚hrungen
Jeweils Freitags von Anfang Mai bis Ende Oktober nur gegen Voranmeldung.
Achtung: Die Wartefrist betr•gt bis zu 3 Monate!
Gruppengr…sse:
Ab 8 bis maximal 45 Personen
Kleidung:
Die Sternwarte liegt auf 1300 Meter ‚ber Meer. Es kann
auch im Sommer empfindlich kalt werden. Denken Sie
an Jacken und Pullover
Kosten:
F‚r Schulen und Jugendgruppen kostenlos.
Bei Erwachsenen freuen wir uns ‚ber einen Beitrag an
den Unterhalt der Sternwarte von ca. Fr. 8.-- pro Person.
Anreise mit …ffentliche Verkehrsmitteln
Mit dem Bus 18 der BGU ab Bahnhof Grenchen S‚d.
Jeden Mittwoch und Samstag:
Bahnhof S‚d ab
Unterberg an
10:55 / 12:55 / 15:55
11:40 / 13:40 / 16:40
Unterberg ab
11:40 / 14:40 / 16:40
Bahnhof S‚d an 12:14 / 15:14 / 17:14
Jeden Sonntag:
Bahnhof S‚d ab
Unterberg an
08:55 / 10:55 / 12:55 / 15:55
09:40 / 11:40 / 13:40 / 16:40
Unterberg ab
09:40 / 11:40 / 14:40 / 16:40
Bahnhof S‚d an 10:14 / 12:14 / 15:14 / 17:14
 Stiftung Jurasternwarte 2006
63
Kontakte
Anreise mit dem Auto
Ab Waldeingang immer dem
Strassenverlauf folgen.
64
 Stiftung Jurasternwarte 2006
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