Lupus erythematodes - alexander

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Immunerkrankungen
Kollagenosen
Systemischer Lupus erythematodes
Synonym: Lupus erythematodes disseminatus (LED)
Definition und Epidemiologie
Der generalisierte (systemische) Lupus erythematodes (SLE) ist eine generalisierte, multisystemische
Autoimmunerkrankung, die in ihrem chronisch rezidivierenden Verlauf alle Organe betreffen kann und besonders an Haut,
Gelenken, Nieren und serösen Häuten zu Schädigungen führt. Sie ist durch das Auftreten von Autoantikörpern charakterisiert, die
gegen Zellkernkomponenten (antinukleäre Antikörper, ANA), doppelsträngige DNA (Anti-ds-DNA-Antikörper) oder Histone (AntiHiston-Antikörper) gerichtet sind und keine Organspezifität aufweisen. Daneben können Autoantikörper gegen Protein-PhospholipidKomplexe (Antiphospholipid-Antikörper) bzw. gegen Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten vorkommen. Die Autoantikörper
können über Typ-III oder Typ-IV-Hypersensitivitätsreaktionen Zell- und Gewebeläsionen verursachen.
Inzidenz liegt bei 5-10/100 000/Jahr. Über 85% der Betroffenen sind Frauen, wobei die Altersstufen von 20-40 Jahren überwiegen.
Der „late-onset-SLE“ tritt nach dem 55. Lebensjahr auf (w : m = 2 : 1).
Ätiologie und Pathogenese
Die genaue Ätiologie ist weitgehend unklar. Diskutiert werden jedoch exogene Faktoren wie die UV-Bestrahlung, die bei ca. 20%
der Patienten zu einer systemischen Generalisierung führen kann. Außerdem ist eine Induktion des SLE durch Medikamente möglich
(medikamentös induzierter SLE -> milderer Verlauf): Antihypertensiva (Hydralazin, Reserpin), Antiarrhythmika (Procainamid,
Chinidin), Antiepileptika (Carbamazepin), Tuberkulostatika, Thyreostatika. Auch Viren (EBV, CMV) wird eine Bedeutung
beigemessen. Prävalenz ist bei Familienangehörigen des ersten und zweiten Grades deutlich erhöht. Die Haplotypen B8/DR-3 und
B7/DR-2 sowie Komplementdefekte scheinen für einen SLE zu prädisponieren. Ablagerungen von Immunkomplexen an den
Glomeruli, periglomerulären Nierenkapillaren, epidermalen Basalmembranen der Plexus choroideus sowie kleine und mittlere
Arterien der Haut, Lunge, Gelenke und ZNS spielen eine zentrale Rolle in der Immunpathogenese. Durch die gestörte Phagozytose
(= Clearance) frühapoptotischer Zellen wird der Detritus sekundär-nekrotischer Zellen vom fehlgesteuerten Immunsystem als
fremd erkannt, woraufhin durch die verlängerte Exposition intrazellulärer und nukleärer Autoantigene Antikörper durch
polyklonale B-Zell-Aktivierung gebildet werden: Initiierung der Autoimmunerkrankung. Die Immunkomplexe können sich aufgrund
der reduzierten Clearance in Gefäßwänden verschiedener Organe ablagern und eine Komplement- und Thrombozytenaktivierung
anstoßen. Die entstehende Vaskulitis provoziert einen Gefäßverschluss mit entsprechender Organschädigung. Hinzu kommt eine
verminderte Aktivität und Anzahl regulatorischer T-Zellen sowie eine gestörte Elimination autoreaktiver B- und T-Zellen.
Klinik und Verlauf des SLE sind sehr variabel. Die klinische Diagnose wird hierbei nach den
Kriterien des American College of Rheumatology (ACR) gestellt (Tab. 1). Gefordert ist
der gleichzeitige oder serielle Verlauf von mindestens 4 der 11 Kriterien. Zu den in der
Akutphase im Vordergrund stehenden Allgemeinbeschwerden zählen wechselnde
Arthralgien, Müdigkeit, Lymphknotenschwellungen, verstärkte Photosensibilität und
plötzliche Fieberschübe. Im chronisch-rezidivierenden Verlauf gesellen sich mannigfaltige
Organmanifestationen hinzu:
•
Klinik und Verlaufsformen
•
•
•
•
•
•
•
•
Tab.1: SLE-Diagnosekriterien
(nach ACR, 1997)
• Schmetterlingserythem
• diskoide Hautläsionen
• Photosensibilität
• orale/nasale Schleimhautulzera
• nichterosive Arthritis
• Serositis
• Nephritis (Protein- und Zylindrurie)
• neuropsychiatrische Auffälligkeiten
• hämatologische Befunde
• antinukleäre Antikörper
• Autoantikörper (Anti-ds-DNS)
Hautveränderungen (> 70%) haben der Erkrankung ihren Namen gegeben
(lupus = Wolf):
o
Schmetterlingserythem an Wangen und Nasenrücken mit Aussparung der
Nasolabialfalten
o
diskoider Lupus: Papeln mit Schuppenbildung und follikulärer Hyperkeratose
o
Photosensibilität der Haut nach Lichtexposition
o
oronasale Läsionen
o
Kopfhautbefall mit vernarbender Alopezie
o
Hautvaskulitis (Livedovaskulitis, leukozytoklastische Vaskulitis)
Gelenke: nicht-destruktive Polyarthritis an peripheren Gelenken (Synovialitis)
o
deformierende Gelenkkapselschrumpfung im Fingerbereich typisch für den SLE
seröse Häute: Pleuritis, Perikarditis und Peritonitis werden als Polyserositis häufig beobachtet
o
mit Erguss einhergehende serofibrinöse Entzündung kann zu Verwachsungen und Fibrosen führen
Herz: außer der Perikarditis kommt eine nichtbakterielle verruköse Endokarditis (Libman-Sacks) vor, die jede
Klappe betreffen kann; selten ist eine Myokarditis
o
außerdem vorzeitige Arteriosklerose mit KHK-Manifestation und erhöhtem Infarktrisiko
Nierenbeteiligung (60-70%) in Form der Lupusnephritis:
o
Immunkomplex-Glomerulonephritis
o
signifikante Proteinurie (> 0,5 g/d) und granulierte Zylinder oder Akanthozyten im Urinsediment
o
Ödeme (Nephrotisches Syndrom) und renoparenchymatöse Hypertonie
Nervensystem (60%): Krampfanfälle, Psychosen, Migräne, depressive Verstimmtheit und Sehstörungen
Gefäßsystem: Raynaud-Syndrom und Thrombophilie sowie arterielle Verschlüsse durch AntiphospholipidAntikörper-Syndrom
Lunge: selten interstitielle Lupuspneumonie oder Alveolitis mit Übergang in chronische Lungenfibrose
hämatopoetische Auffälligkeiten: Leukopenie, Thrombozytopenie und Antikörper gegen Gerinnungsfaktoren
Bildquelle Abb.1: Böcker et al.: Pathologie, Urban & Fischer Verlag, 4. Auflage, S. 1152
© April 2010 by Alexander Jörk
Friedrich-Schiller-Universität Jena
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Immunerkrankungen
Kollagenosen
Systemischer Lupus erythematodes
Klinik und Verlaufsformen
Häufig ist eine chronisch-rezidivierende
rezidivierende Verlaufsform des SLE. Zwischen den wechselnden Krankheitsschüben kommt es zu
mehr oder weniger andauernden
den Remissionen durch ein auslösendes Moment (Medikamente, Sonnenlichtexposition, mentale
Stresssituation). Insgesamt leben 85-90%
90% der Patienten nach 10 Krankheitsjahren. In den ersten Krankheitsjahren
Krankheitsjahr
sind die akute
Erkrankung selbst und
nd Infektionen unter der Immunsuppression die häufigste Todesursache, später vor allem atherosklerotisch
bedingte Herz-Kreislauf-Komplikationen.
Bei ca. 40% der Betroffenen
n kommt es zum SLE mit sekundärem Antiphospholipid-Syndrom.. Dabei bilden sich Antikörper gegen
Phospholipid-Protein-Komplexe: Anti-Cardiolipin
Cardiolipin und Anti-beta-2-Glykoprotein. Im Vordergrund der klinischen Symptomatik stehen
die erhöhte Neigung zu venösen und arteriellen Thrombosen.
Chronisch diskoider Lupus erythematodes (CDLE): Hautlupus mit günstiger Prognose (nur bei 5 % entwickelt sich SLE), wobei
sich druckschmerzhafte Plaques von schuppenden
schuppe
Hyperkeratosen mit rötlich-entzündlichem
entzündlichem Randsaum und zentraler Atrophie zeigen.
zeigen
Subakuter kutaner Lupus erythematodes (SCLE): nimmt hinsichtlich Klinik und Prognose eine Mittelstellung zwischen dem
chronisch-kutanem
kutanem und dem systemischen LE ein und zeichnet sich neben Psoriasis-ähnlichen
ähnlichen Rundherden auf UV-Licht exponierter
Haut auch teilweise durch Arthralgien, Myalgien und eine Nierenbeteiligung
N
mit milder Symptomatik aus.
Diagnose
Die Diagnose basiert auf dem klinischen Erscheinungsbild (ACR-Kriterien) und
dem Labor. Im Blutbild fallen eine normochrome
normochro
Anämie, Thrombopenie und
Leukopenie auf. Außerdem erhöhtes C-reaktives
reaktives Protein, erniedrigte C3- und C4Werte sowie erhöhtes C3d. Die Komplementwerte (C3d) und der Titer der Anti-dsDNA-Antikörper werden als serologische Verlaufsparameter zur Abschätzung der
Krankheitsaktivität herangezogen. Einzige
inzige pathognomonische Antikörper sind
Antikörper gegen doppelsträngige DNA (dsDNA) und das Sm-(Smith)-Protein.
Über
ber Biopsie können immunhistologische Immunkomplexablagerungen an der
Basalmembran der Glomerula (Abb.1)
1) und der Haut nachgewiesen werden (sog.
Lupus-Banden).
). Zum Ausschluss des ZNS-Befalls
ZNS
sollten bildgebende Verfahren
(MRT und CT) eingesetzt werden.
Therapie
Präventiv sollten schubauslösende Faktoren gemieden
gem
werden, wie etwa eine
direkte Sonnenbestrahlung der Haut oder verursachende Medikamente.
Medikamente Die
Therapie
ie richtet sich nach der Schwere der Erkrankung und Organmanifestation.
Beim SLE mit blandem Verlauf können nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
(
oder eine Basistherapie von Cortison mit Chloroquinderivaten ausreichend sein.
Steht
teht die Arthritis im Vordergrund, ist Methotrexat indiziert.
indiziert Bei lebensbedrohlicher
Nieren- und Herzbeteiligung muss die immunsuppressive
mmunsuppressive Therapie (Prednisolon)
um Cyclophosphamid und Azathioprin erweitert
erwei
werden. Neue Therapieoptionen bei
schweren Verläufen sind der Anti-CD20-Antikörper
Antikörper Rituximab und die autologe
Stammzelltransplantation. Bei diskoidem Lupus sind in der Regel steroidhaltige
Externa und Retinoide ausreichend.
Abb.1: Lupusnephritis (oben: Verdickung
glomerulärer Kapillarschlingen; unten: IgGIgG
Ablagerung in den Kapillarschlingen)
Kapillarschlingen
Zusammenfassung
Abb.2: Symptome des SLE
Bildquelle Abb.1: Böcker et al.:: Pathologie, Urban & Fischer Verlag, 4. Auflage, S. 1152
© April 2010
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by Alexander Jörk
Friedrich--Schiller-Universität Jena
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