Bebachtungen und Theorie der Sternentstehung

Werbung
Astroseminarvortrag 27.11.07
Beobachtungen und Theorie
der Sternentstehung
Christoph Sauer
INHALT
1. Beobachtungen
2. Ablauf der Sternentstehung
3. Theorien der Sternentstehung
INHALT
1. Beobachtungen
2. Ablauf der Sternentstehung
3. Theorien der Sternentstehung
Orionnebel im sichtbaren Licht
Aufgenommen vom Hubble Space Teleskop
Orionnebel im sichtbaren Licht
Orionnebel im Infraroten
Aufgenommen vom Hubble Space Teleskop
• Molekülwolke undurchsichtig im sichtbaren
Licht
• Sichtbares Licht wird absorbiert bzw.
gestreut
• Infrarotstrahlung (Wärmestrahlung) wird
emittiert
Informationen über Sternentstehungs–
gebiete aus IR-Astronomie
Orionnebel im Infraroten
• Unten rechts: Schwert des
Orion
• Mitte oben: Betelgeuse
(blau-weißer Punkt)
• Rechts daneben:
Supernovaüberrest
• Links unten: weiterer
Supernovaüberrest
(größerer Kreis)
Aufgenommen von IRAS (Infrared Astronomical Satelite)
Rho Ophiuchi im Infraroten
Grüner Schein in der
Mitte vom jungen
Binärsternensystem
Sigma Scorpii
Aufgenommen von IRAS (Infrared Astronomical Satellite)
Kleinmann – Low Nebula im IR
• Aktivster Teil des
Orionnebels
• Heiße stellare Winde,
produziert von jungen
großen Sternen, treiben
das Gas auseinander
• Wirkt sehr „turbulent“
Aufgenommen vom Subaru 8.3-m Telescope
T-Tauri Stern im IR
Binärstern umgeben von
Akkreditionsscheibe
13-channel AO image der University of Hawaii
INHALT
1. Beobachtungen
2. Ablauf der Sternentstehung
3. Theorien der Sternentstehung
Grober Ablauf der Entstehung eines
Sterns mit 1 MSonne
• Molekülwolke (erst GMC dann MC usw.) zerfällt
in immer kleinere Fragmente (genaueres in
Abschnitt 3.)
• Ist Jeansmasse überschritten beginnt gravitativer
Kollaps
• Solange Gasdichte klein genug, Fragment optischbzw. IR-dünn und freiwerdende
Gravitationsenergie wird als Strahlung emittiert
Kollaps verläuft isotherm bei c.a. 10 K
• Dichte wächst auf c.a.1011 cm-3 und Gas wird
optisch dick
Strahlung kann nicht mehr vollständig
entweichen und Gas heizt sich auf
Thermischer Gegendruck verlangsamt
Kollaps vorübergehnd
• Objekt ist nun ein Protostern
• Ab einer Temperatur von c.a 1000 K und einer
Dichte von c.a 1016 cm-3 Dissotiation von H2
im Zentrum unter Energieverbrauch
Gas kühlt ab und Kollaps wird beschleunigt
• Ab einer Temperatur von c.a. 104 K und einer
Dichte von c.a. 1022 cm-3 weitere quasistationäre
Kontraktionsphase, Kern (10-3 MSonne, 10 RSonne)
ist umgeben von Hülle mit Radius c.a. 106 RSonne
und sehr hoher Opazität
Weitere Aufheizung
• Wasserstoff ionisiert im Kern unter weiterem
Energieverbrauch
Erneute Beschleunigung der Kontraktion
• Kelvin – Helmholz Instabilität dominiert Entwicklung
Steiler Temperaturgradient
• Objekt wird nun T – Tauri Stern genannt
(starke Leuchtkraftschwankung, Akkreditionsscheibe, starke magnetische Aktivität, Jets)
• Ab einer Temperatur von c.a. 107 K und einer
Dichte von 1026 cm-3 beginnt Wasserstoffbrennen im Kern und das Objekt ist ein
Hauptreihenstern
INHALT
1. Beobachtungen
2. Ablauf der Sternentstehung
3. Theorien der Sternentstehung
Existenz von drei von einander unabhängigen
Theorien zur Sternentstehung und zur Erklärung
der Initial Mass Function (IMF)
(zu deutsch: Anfangsmassenfunktion)
A)
Theorie der ambipolaren Driftkontraktion der subkritischen Kerne
• Protostellare Kerne und Ursprungswolken sind
langlebige Systeme nahe dem thermodynamischen
Gleichgewicht
• Druck durch magnetische Felder wirkt dem
Gravitationskollaps entgegen und stabilisiert die
Wolke über viele Freifallzeiten
LEIDER
FALSCH
weil:
• Inkonsistent mit der beobachteten
Turbulenz in Sternentstehungsgebieten
• Kann die Entstehung sehr massereicher
Sterne und brauner Zwerge nicht erklären
• Konzentriert sich auf die Entwicklung
einzelner Protosterne
• Liefert keine in sich konsistente Erklärung
für die Ursachen der Anfangsbedingungen
der Sternentstehung
A)
Theorie der Opazitätslimitierten
Gravitationsfragmentierung
• Überträgt das Konzept der Gravitationsfragmentierung von kleinen auf große Skalen um
damit die gesamte stellare Population zu erlären
• Benutzt dazu die gravitative Instabilität, also den
Vergleich der thermischen mit der Gravitationsenergie: kleinste stabile Masse ist die Jeansmasse
LEIDER
FALSCH
weil:
• Oberhalb einer Skala von c.a. 0,1 pc ist
kinetische Energie der Turbulenz um c.a.
einen Faktor 100 größer als thermische
Energie, d.h. Vergleich von thermischerund Gravitationsenergie irrelevant auf
großen Skalen
• Annahme linearer Gasdichte und linearen
Geschwindigkeitsfeldes absolut nicht
zulässig, da hohe kinetische Energie der
Turbulenz beide extrem nicht linear macht
A)
Theorie der turbulenten
Fragmentierung
• Basiert auf der beobachtete Überschallturbulenz in
Molekülwolken
• Turbulenz fragmentiert das Gas auf allen Skalen
• Protostellare Kerne entstehen durch Schockwellen
der Überschallturbulenz, welche das Gas
komprimieren
• Turbulenz wird auf großen Skalen durch
Supernovae, auf kleinen Skalen durch junge Sterne
verursacht
Schon vor 25 Jahren durch Larson postuliert,
fand aber erst in den letzten Jahren zunehmende
Anhängerschaft
Grund: Fortschritt numerischer Simulationen
SCHEINT
RICHTIG
weil:
• Konsistent mit der beobachteten Dynamik
in Sternentstehungsgebieten
• Erklärt die Initial Mass Function (IMF),
also sowohl braune Zwerge als auch sehr
massereiche Sterne
Initial Mass Function:
• Teilweise analytische Herleitung liefert:
• Exponentielle Abhängigkeit durch Beobachtungen
schon länger bekannt (Salpeter IMF)
• Aber: nur gültig oberhalb von c.a. 0,5 MSonne
da sonst Maximum für Kleinststerne
• Einbeziehen des Jean´s Kriteriums liefert:
IMF mit Variation der Turbulenzskalengröße L0
IMF mit Variation der Machzahl r
IMF mit Variation der mittleren Gasdichte <n>
WICHTIG: IMF ist bei großen Massen
unabhängig von der Parametervariation
IMF sollte in allen Sternentstehungsgebieten gleich sein...
WICHTIG: IMF ist bei großen Massen
unabhängig von der Parametervariation
IMF sollte in allen Sternentstehungsgebieten gleich sein...
...und ist es auch!
ABER:
• Sternentstehung ist Teil aktueller Forschung
und noch nicht in allen Aspekten perfekt
verstanden
• Immer noch „Ausreißer“ in Beobachtungen
• Turbulenz erklärt nicht alles, Magnetfelder
müssen für vollständiges Verständnis
mitberücksichtigt werden
Quellen:
http://www.ipac.caltech.edu/Outreach/Edu/sform.html
http://www.aip.de/People/lwisotzki/lehre/astrohu0506/astro2_08_2p.pdf
http://de.arxiv.org/PS_cache/astro-ph/pdf/0209/0209244v1.pdf
http://www.uni-sw.gwdg.de/~bziegler/Vorlesungen/EinfueII/Sternentstehung.
pdf
http://www.astro.uni-wuerzburg.de/~niemeyer/lectures/einf.pdf
Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit!
Herunterladen